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Andreas Fuchs 1902 - 2002 100 Jahre „Sozialistische Bodensee-Internationale“ (SBI) Eine Chronologie denkwürdiger Ereignisse - Festschrift - Herausgegeben von der Sozialistischen Bodensee-Internationale“ (SBI) Götzis / 2002

100 Jahre Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI) - 1902 - 2002

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Fuchs, Andreas: 100 Jahre "Sozialistische Bodensee-Internationale" (SBI) : 1902 - 2002 ; eine Chronologie denkwürdiger Ereignisse ; Festschrift / Götzis, 2002. - 44 S.

Text of 100 Jahre Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI) - 1902 - 2002

  • Andreas Fuchs

    1902 - 2002

    100 Jahre

    Sozialistische

    Bodensee-Internationale

    (SBI)

    Eine Chronologie

    denkwrdiger Ereignisse

    - Festschrift -

    Herausgegeben von der Sozialistischen

    Bodensee-Internationale (SBI)

    Gtzis / 2002

  • Wir

    widmen

    diese

    Schrift

    Karl

    Grohans

    und

    gedenken

    in

    Ehrfurcht

    der

    Verstorbenen

    unserer

    Bewegung

    Karl Grohans

    Geboren 1881 in Altensteig (Wrtt.),

    Schriftsetzer und Redakteur.

    Seit 1899 Mitglied der SPD,

    Parteivorsitzender in Konstanz.

    1904 erster Sekretr des Informationsbu-

    reaus der sozialdemokratischen Arbeiter-

    vereine am Bodensee in Konstanz.

    Whrend der gesamten Weimarer Repu-

    blik Mitglied des Badischen Landtages.

    Im Dritten Reich aufgrund persnlicher

    Verfolgung durch den badischen Reichsstatt-

    halter und Gauleiter Robert Wagner in fnf

    Konzentrationslagern inhaftiert und gefoltert.

    Am 9. Mai 1945 vllig abgemagert und

    krperlich gebrochen von der US-Army

    aus dem KZ Mauthausen befreit.

    Danach Fortsetzung der politischen Ttigkeit

    als Ehrenvorsitzender des SPD-Ortsvereins

    Konstanz, teilweise vom Krankenbett aus.

    Redakteur beim SDKURIER.

    Am 25. Mai 1946 an den Folgen der

    KZ-Mihandlungen im 66. Lebensjahr in

    Konstanz verstorben.

    Die Sozialistische Partei Badens in ihrem

    Nachruf auf Karl Grohans:

    Wir verlieren und betrauern in ihm einen

    unserer Besten, den wir niemals vergessen

    knnen und werden.

  • Logo der Arbeiter-Internationale ab 1925

    4

  • Gruwort des

    Prsidiums der SBI

    Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der

    Sozialistischen Bodensee-Internationale !

    Vor 100 Jahren traf sich die Sozialdemokratie der Bodenseeregion zu ihrem I. Internationa-

    len Arbeiterfest in Bregenz. Dies war die Geburtsstunde unserer heutigen Sozialistischen Bo-

    densee-Internationale. Die weitere, sehr wechselhafte geschichtliche Entwicklung brachte

    Hhen und Tiefen mit sich. Sie wurde geprgt durch uerste Kraftanstrengungen der ur-

    sprnglich wenigen Parteivereine sowie nahestehender Gewerkschaftsorganisationen, um so-

    zialdemokratischem Gedankengut im vielfach konservativ-katholischen Umfeld wenig-

    stens ansatzweise Gehr zu verschaffen.

    Somit gilt im Jubliumsjahr unser Dank und unsere Anerkennung all den beherzten Frauen

    und Mnnern, welche in ihren Bemhungen um eine gerechtere Gesellschaft niemals nach-

    gelassen und die Sozialistische Bodensee-Internationale fortwhrend mit Leben erfllt ha-

    ben. Viele von ihnen sahen sich deswegen zu Zeiten des Kaiserreiches und der NS-Diktatur

    existentiellen Bedrohungen ausgesetzt, manche sind aufgrund ihres aufrechten Charakters zu

    Tode gekommen. All diesen Genossinnen und Genossen gilt unserer besonderer Respekt, wir

    werden ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

    Ungeachtet aller widrigen Bedingungen ist es uns jedoch gelungen, in zunehmendem Mae

    an der politischen Gestaltung unserer Heimatregion teilzuhaben. Sozialdemokratinnen und

    Sozialdemokraten wirken heute auf europischer, nationaler und regionaler Ebene an der Ent-

    wicklung dieser Euregio Bodensee entscheidend mit. 220 SBI-Mitgliedsorganisationen bie-

    ten zudem die Gewhr einer angemessenen Verankerung in den Kommunen. Die Unterstt-

    zung von rund 280.000 Whlerinnen und Whlern bei den letzten nationalen Wahlen im Ein-

    zugsbereich der SBI zeigt uns, da wir auf dem richtigen Weg sind.

    Mgen sich auch in Zukunft viele Menschen am Bodensee bereitfinden, um die sozialdemo-

    kratischen Ideale von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidaritt engagiert in politisches Handeln

    umzusetzen - dies ist unser vordringlichster Wunsch im 100. Jubilumsjahr der Sozialistischen

    Bodensee-Internationale.

    Freundschaft!

    Fredi Alder Karl Falschlunger Norbert Zeller MdL

    Rorschach Bregenz Friedrichshafen

    Vizeprsident Prsident Vizeprsident

    5

  • Seit nunmehr 100 Jahren existiert in der Boden-

    see-Region ein gemeinsamer Dachverband sozi-

    aldemokratischer Regionalorganisationen.

    Es bedurfte schon einer gehrigen Portion an

    Glaubensfestigkeit im Sinne Karl Schlaginhau-

    fens, um die Sozialistische Bodensee-Internatio-

    nale auf den Weg zu bringen und sie, mit Aus-

    nahme von Kriegszeiten sowie faschistischer Sy-

    steme in Deutschland und sterreich, am Leben

    zu erhalten.

    Die Rahmenbedingungen, welchen sich die So-

    zialdemokratie am Bodensee zu Beginn des 20.

    Jahrhunderts gegenbergestellt sah, waren im

    Sinne einer gedeihlichen Entwicklung von Partei-

    und Gewerkschaftsorganisationen uerst un-

    gnstig. Monarchische Staatsformen in Deutsch-

    land und sterreich-Ungarn versuchten die sy-

    stemgefhrdende Sozialdemokratie - wenn

    schon nicht mehr anhand eines Parteiverbotes -

    so doch mit erheblichen Restriktionen bei ihrer

    politischen Arbeit zu behindern. Hinzu traten ein-

    schneidende Manahmen der Arbeitgeberschaft

    gegen sozialdemokratisch orientierte Lohnem-

    pfngerInnen bis hin zur Entlassung, was auch

    im republikanisch strukturierten Staatswesen der

    Schweizerischen Eidgenossenschaft deutlich zum

    Tragen kam. Hierzu gesellte sich noch ein im Bo-

    denseegebiet weitumfassender Einflu der ka-

    tholischen Kirche, welche als Sttze obrigkeits-

    staatlicher Herrschaftsstrukturen die Grundprin-

    zipien sozialdemokratischer Politik oftmals erbit-

    tert bekmpfte.

    Eben diese geschilderten ungnstigen Rahmen-

    bedingungen befrderten jedoch nachhaltig die

    Entstehung und Entwicklung einer internationa-

    len sozialdemokratischen Vereinigung am Bo-

    densee. Gesellschaftliche chtung sowie politi-

    sche Diskriminierung bis hin zu behrdlicher Ver-

    folgung an Wohnort und Arbeitsplatz steigerten

    das Verlangen der kleinen sozialdemokratischen

    Gemeinschaften nach berrtlicher politischer,

    kultureller und kameradschaftlicher Bettigung

    mit Gleichgesinnten.

    Schon mehrere Jahre vor der Geburtsstunde der

    Arbeiter-Internationale am Bodensee trafen

    sich sozialdemokratisch orientierte Arbeiter(bil-

    dungs-)vereine sowohl am westlichen als auch

    am stlichen Seeufer zu gemeinsamen grenz-

    berschreitenden Unternehmungen. Dieser

    Wunsch nach konzertiertem Vorgehen der

    Sozialdemokratie am Bodensee drfte hinsicht-

    lich seiner Wurzeln bereits in entsprechenden

    Bettigungen zu Zeiten des Bismarckschen

    100 Jahre

    Sozialistische Bodensee-

    Internationale (SBI)

    Eine Chronologie denkwrdiger Ereignisse

    I. Zum Geleit

    Solange der Sozialismus Glaube und nicht nur Interesse ist,

    solange birgt er in sich die wertvollsten Krfte

    und den ewig jungen Antrieb,

    im Dienste des Menschen selbstlos zur Tat zu schreiten!

    Karl Schlaginhaufen

    Prsident der Arbeiterunion St.Gallen

    in seinem Gruwort zur Bodensee-Internationale 1931

    6

  • Sozialistengesetzes begrndet liegen. Damals

    schmuggelten deutsche und schweizerische

    Kuriere in Zrich hergestellte illegale sozialde-

    mokratische Druckschriften ber den Bodensee

    nach Deutschland hinein. Spter wurden dann

    immer wieder gemeinsame Kundgebungen und

    Vortragsversammlungen abgehalten. Bei solchen

    Zusammenknften traten bereits prominente

    Redner aus den Bodensee-Anrainerstaaten auf,

    wie beispielsweise 1895 der SPD-Vorsitzende

    August Bebel auf dem Hohentwiel bei Singen.

    Derartige Begegnungen frderten nicht nur das

    Selbstbewutsein dieser politischen Minderheit,

    sondern sie begnstigten insbesondere bei wohl-

    vorbereiteten ffentlichkeitswirksamen Auftritten

    die gesellschaftliche Akzeptanz der Sozialdemo-

    kratie. In einer Zeit, die sich hinsichtlich ma-

    geblicher meinungsbildender Prozesse von der

    gegenwrtigen Mediengesellschaft grundlegend

    unterschied, waren ffentliche Massenveranstal-

    tungen fr politische Organisationen unverzicht-

    bar. Die sozialdemokratische Bewegung ben-

    tigte dementsprechende Veranstaltungen vor

    allem in Diasporagebieten zu ihrer Sozialisation

    in das gesellschaftliche Umfeld mit dem Ziel

    einer nachfolgenden mglichst breiten Veran-

    kerung in Bevlkerung, Betrieben und Parla-

    menten.

    Dies waren wohl auch die Grundberlegungen,

    welche dazu fhrten, da sich im Jahr 1902 ber

    900 sozialdemokratisch gesinnte Frauen und

    Mnner in Bregenz zu Umzug, Kundgebung

    sowie daraus hervorgehender Grundsteinlegung

    fr die Sozialistische Bodensee-Internationale

    trafen. Die anfnglich lose Vereinigung durchlief

    sodann einen mehrere Jahre whrenden Proze

    organisatorischer Straffungen und Neuerungen,

    bis sie sich schlielich zu einer eigenstndigen

    und mit Statuten ausgestatteten Organisation

    entwickelt hatte.

    Josef Peter, ein bedeutender Vorarlberger Sozi-

    aldemokrat und frherer Prsident der Boden-

    see-Internationale, beschrieb im Rahmen eines

    Beitrages fr die Festzeitung zur Massenkundge-

    bung 1931 in St.Gallen die Anfnge der Orga-

    nisation wie folgt:

    Als in den achtziger Jahren des vorigen (19.;

    d.V.) Jahrhunderts die Arbeiterbewegung im

    Entwicklungsstadium war, und am 20. August

    1880 auf dem Schlo Wyden im Kanton Zrich

    der erste Geheimkongre der damals hart ver-

    folgten Sozialdemokraten von Deutschland,

    Schweiz und Frankreich stattfand, da wurde auch

    bald unter den Sozialisten der Bodenseelnder

    der Gedanke einer Arbeiter-Internationale der

    Bodensee-Uferstaaten lebendig. Sowohl die

    Partei als auch die Gewerkschaftsbewegung war

    damals in den am Bodensee und in der Nhe lie-

    genden Stdten und greren Industriegemein-

    den sehr schwach. Aber das Zusammengehrig-

    Bregenz, die Wiege der SBI, um die Jahrhundertwende

    7

  • keitsgefhl und die Verfolgungen, die damals

    unsere Vorkmpfer insbesondere in Deutschland

    und sterreich durchmachen muten, fhrte die

    Genossen mit (...) Kampfgeist fr die internatio-

    nale Arbeiterbewegung zusammen(...). Alle (...)

    bis zum heutigen Tage stattgefundenen Kund-

    gebungen (...) haben rtlich und allgemein zur

    Strkung der Gesamtbewegung der Arbeiterklas-

    se beigetragen. Die Solidaritt, der entschlossene

    Wille zur Eroberung des Sozialismus wurde stark

    gefrdert.

    Aber auch das Bedrfnis nach berwindung po-

    litischer Grenzen, getragen von der Utopie eines

    auf den Fundamenten von Freiheit, Gerechtig-

    keit und Solidaritt errichteten sozialistischen

    Weltstaates, beflgelte den Vereinigungswillen

    der SBI-Grndungsgeneration. Lassen wir noch-

    mals den zuvor bereits zitierten Josef Peter zu

    Wort kommen:

    Niemand mehr als die Arbeiter des Bodenseege-

    biets, die tagtglich verspren mssen, welche

    wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Hin-

    dernisse die Grenzpfhle sind, knnen durch tat-

    krftige Agitation, durch gegenseitige Unterstt-

    zung in allen Belangen unsere Forderungen der

    Erfllung nher bringen. Die Menschen werden

    berzeugt, da es Kriege gibt, solange die

    Grenzpfhle bestehen, und da wir uns nur dann

    von der Knechtschaft des Kapitalismus befreien

    knnen, wenn der Sozialismus die Grenzpfhle

    hinwegfegt!.

    Wie aus den nachfolgenden chronologischen

    Darstellungen zu ersehen ist, haben sich die Agi-

    tationsinstrumente der SBI den Vernderungen

    des Medienzeitalters entsprechend umgestaltet.

    An die Stelle frherer Grokundgebungen traten

    vermehrt Themenveranstaltungen mit kompeten-

    ten FachreferentInnen aus allen drei Bodensee-

    Anrainerstaaten, deren Ergebnisse sodann medi-

    al weiterverbreitet wurden. Gnzlich hat die tra-

    ditionsreiche und -bewute Sozialistische Bo-

    densee-Internationale aber nicht auf ihre grenz-

    bergreifenden Freundschaftstreffen verzichtet.

    Diese wurden stets in angemessenen Zeitab-

    stnden einberufen, um zum einen das erheben-

    de pathetische Moment solcher Veranstaltungen

    und deren beeindruckende Auenwirkung auf-

    recht zu erhalten, sowie solidarisches und

    freundschaftliches Miteinander unter den Sozial-

    demokratinnen und Sozialdemokraten am Bo-

    densee auch auf solche Art und Weise weiterhin

    pflegen zu knnen.

    Die vielfach aus Sicherheitsgrnden gebotene

    Nichtanfertigung schriftlicher Unterlagen seitens

    der Sozialdemokratie im Vorfeld oder whrend

    totalitrer Systeme sowie eine 1934 im Angesicht

    des Austro-Faschismus vorgenommene Selbst-

    vernichtung des SBI-Archivs in Bregenz haben

    die Erforschung der SBI-Geschichte zu einem

    hchst aufwendigen Zusammensetzen einzelner,

    weit verstreuter Mosaiksteinchen dokumentierter

    Aktivitten werden lassen. Herausgeber und

    Verfasser bitten deshalb um Verstndnis dafr,

    da keine lckenlose Darstellung der Entwick-

    lungsgeschichte mglich ist. Verbote und Verfol-

    gungen sind somit auch der Grund, warum

    lange Zeit 1908 als Grndungsjahr angenom-

    men wurde. Es lagen bis vor kurzem keine

    schriftlichen Belege ber die Anfnge der Or-

    ganisation vor. Persnliche Erinnerungen sowie

    daraus sich ergebende berlieferungen konnten

    den korrekten Sachverhalt nicht mehr erfassen.

    Das tatschliche Datum des organisatorischen

    Beginns der SBI verdanken wir den umfassenden

    Recherchen von Dr. Reinhard Mittersteiner zur

    Geschichte der Vorarlberger ArbeiterInnenbe-

    wegung. Weitere Recherchen im Vorarlberger

    Landesarchiv sowie der damaligen lokalen und

    berregionalen Presse haben ergeben, da kei-

    ne Anstze zur Grndung der Bodensee-

    Internationale vor dem Jahr 1902 nachgewie-

    sen werden knnen und gleichzeitig 1902 ein-

    deutig als Beginn einer kontinuierlichen Entwick-

    lung anzusehen ist.

    Auf den folgenden Seiten soll nun dargestellt

    werden, wie sich die politische Zeitgeschichte am

    regionalen Beispiel der Sozialdemokratie an den

    Ufern des Bodensees abgespielt hat - insoweit es

    die Aktenlage und der begrenzte Platz einer Fest-

    schrift zulassen. In diesem Sinne wird darum er-

    sucht, der vorgenommenen Begrenzung auf die

    Beschreibung wesentlichster Sachverhalte Ver-

    stndnis entgegenzubringen. Manche angespro-

    chenen geschichtlichen Vorgnge wren gewi

    einer eingehenderen separaten Verffentlichung

    wrdig.

    Andere Begebenheiten wiederum, welche hier

    gerafft angefhrt sind, waren bereits Gegen-

    stand ausfhrlich dokumentierter Untersuchun-

    gen.

    Die nachfolgende chronologische bersicht glie-

    dert sich in fnf Abschnitte: Sie beginnt mit dem

    I. Internationalen Arbeiterfest in Bregenz als

    Auftaktveranstaltung und beschreibt im weiteren

    8

  • Verlauf des ersten Abschnittes die Entwicklung

    der Organisation bis hin zur Wiederaufnahme

    ihrer Ttigkeit nach dem Ersten Weltkrieg. Der

    zweite Abschnitt widmet sich den Aktivitten der

    Arbeiter-Internationale zwischen den Nach-

    kriegsjahren und dem Beginn faschistischer Sy-

    steme in Deutschland und sterreich. Es folgen

    sodann exemplarische Darstellungen sozialde-

    mokratischen Widerstandes am stlichen Bo-

    densee whrend des Dritten Reichs bzw. des

    Austro-Faschismus. Im vierten Abschnitt wer-

    den die Wiedererrichtung der SBI und die

    Fortsetzung ihrer politischen Ttigkeit nach tradi-

    tionellem Muster whrend des Zeitraumes von

    1946 bis 1965 aufgezeigt. Schlielich gibt der

    fnfte Teil Auskunft ber eine sodann stattgefun-

    dene Umgestaltung des traditionsreichen Arbei-

    terInnenverbandes in einen modernen grenz-

    bergreifenden sozialdemokratischen Regional-

    verband am Bodensee.

    Die Mitgliedsorganisationen der SBI

    SPD-Kreisverbnde Konstanz,

    Sigmaringen, Bodenseekreis,

    Ravensburg, Lindau (Bodensee),

    Kempten (Allgu), Oberallgu

    SP-Landes-

    organisation

    Vorarlberg

    Fraktion

    sozialdemo-

    kratischer

    Gewerkschaf-

    terInnen

    Vorarlberg

    (FSG)

    SPS-Kantonalparteien

    Schaffhausen, Thurgau,

    St.Gallen, Appenzell-

    Ausserhoden

    SPO

    SPD

    9

  • 1902Das am 10. August bei herrli-

    chem Wetter stattfindende I. In-

    ternationale Arbeiterfest der Sozialdemokratie

    in Vorarlbergs Metropole Bregenz stellt die Ge-

    burtsstunde der Sozialistischen Bodensee-

    Internationale dar.

    900 Genossen, (...) aus Vorarlberg, (...) aus der

    Schweiz und den deutschen Bodenseeufer-Staa-

    ten - Mnnlein und Weiblein - nehmen an ei-

    nem Umzug sowie einer nachfolgenden Kund-

    gebung teil. Drei namentlich nicht genannte

    Redner aus der Schweiz, dem Deutschen Reich

    und Deutsch-sterreich sprechen zu den Ver-

    sammelten im Bavariagarten und bringen

    begeisternde Hochrufe auf die Sozialdemokra-

    tie aus. Im Mittelpunkt ihrer Ausfhrungen steht,

    wie bei allen frhen Kundgebungen der Arbei-

    ter-Internationale am Bodensee, eine eindring-

    liche Aufforderung an die ArbeiterInnenschaft,

    sich in der Sozialdemokratischen Partei sowie in

    den freien Gewerkschaften zu organisieren.

    Das kulturelle Rahmenprogramm, welches auch

    in Zukunft stets derartige Zusammenknfte be-

    gleiten wird, gestalten bei der Bregenzer Auf-

    taktveranstaltung die Musikkapelle Vorkloster

    und die wackeren Dornbirner Snger.

    Mglicherweise wird das I. Internationale Ar-

    beiterfest aufgrund eines erwnschten Mobili-

    sierungseffektes im Vorfeld der Wahl zum Land-

    tag von Vorarlberg nach Bregenz einberufen, an-

    sonsten drfte die zentrale Lage dieser Stadt im

    stlichen Bodenseeraum ausschlaggebend ge-

    wesen sein. Ein Vertreter der deutsch-sterreichi-

    schen Sozialdemokratie hatte eingangs ebenfalls

    die politische Agitation zugunsten von Partei und

    freien Gewerkschaften in den Mittelpunkt seiner

    II. Aus der Chronik der Sozialistischen

    Bodensee-Internationale:

    100 Jahre fr Freiheit, Gerechtigkeit

    und Solidaritt am Bodensee

    Vereinzelt sind wir nichts - vereinigt alles !

    Grnderjahre und weitere Entwicklung der Organisation

    bis zum Ende des Ersten Weltkrieges

    Die Geburtsstunde der SBI am 10. August 1902

    10

  • Gruworte gestellt, indem er betonte, da es

    heute eines jeden Arbeiters Pflicht ist, sich zu or-

    ganisieren, um hiedurch in die Lage versetzt zu

    sein, die von allberall auf ihn wirkenden Sch-

    den mit Erfolg abwehren zu knnen.

    1903Anllich des Zweiten Inter-

    nationalen Arbeiterfestes in Ror-

    schach (CH) beschlieen smtliche anwesenden

    Vorstnde der sozialdemokratischen Vereine eine

    erste organisatorische Straffung des Verbandes, in-

    dem sie fr zuknftige VertreterInnenversammlungen

    ein Delegiertensystem einfhren.

    Das Fest an sich wird bereits von deutlich mehr

    Menschen als die Auftaktveranstaltung in Bre-

    genz besucht: Alleine am Umzug beteiligen sich

    1.200 Anhngerinnen und Anhnger der So-

    zialdemokratie, bei der anschlieenden Kund-

    gebung erhht sich deren Zahl noch um ein Be-

    trchtliches. Als Hauptredner tritt Redakteur Wirz

    aus Zrich in Erscheinung. Erstmals werden auch

    die vor allem in Vorarlberg und der Ostschweiz

    zahlreich vertretenen italienischen ArbeiterInnen

    in die Kundgebung miteinbezogen. Eine Genos-

    sin referiert auf temperamentvolle Weise in

    deren Landessprache. Italienischsprachige Re-

    ferentInnen sind fortan bei allen Kundgebungen

    der Arbeiter-Internationale bis einschlielich

    1931 vertreten.

    Dieser Hinweis belegt zudem, da schon wh-

    rend des noch stark patriarchalisch geprgten

    Gesellschaftsgefges der Jahrhundertwende

    Frauen in hervorgehobenen Positionen bei sozi-

    aldemokratischen Kundgebungen am Bodensee

    auftreten. Hierbei handelt es sich um einen

    durchaus bemerkenswerten Vorgang, denn

    Frauen besitzen zu dieser Zeit noch kein allge-

    meines Wahlrecht, Politik wird vielfach als aus-

    schlieliche Angelegenheit der Mnner betrach-

    tet. Fr ihre Beteiligung an ffentlichen politi-

    schen Veranstaltungen, zumal solchen der So-

    zialdemokratie, haben Frauen nicht selten nie-

    dertrchtigste Schmhungen seitens brgerli-

    cher Kreise hinzunehmen.

    1904Am 12. April tagt die im Jahr

    zuvor beschlossene Delegierten-

    versammlung, Ort der Zusammenkunft ist erneut

    das schweizerische Rorschach. Die 48 anwesen-

    den VereinsvertreterInnen verstndigen sich hier-

    bei darauf, ihre Internationalen Arbeiterfeste

    zuknftig in zweijhrigem Rhythmus abzuhalten

    und den agitatorischen Wert besonders her-

    auszustellen. Zudem bekrftigen die Versam-

    melten ihre Absicht, auf jhrlichen Delegierten-

    versammlungen die Organisationen der ver-

    schiedenen Lnder einander nher bringen zu

    wollen.

    Zum Festort des Jahres 1904 ist das bayerische

    Lindau auserwhlt worden. Dort treffen sich am

    19. Juni 2.500 Personen im Schtzengarten,

    um den Ausfhrungen des bayerischen SPD-Vor-

    sitzenden, Reichs- und Landtagsabgeordneten

    Georg von Vollmar, zu lauschen.

    Eine bereits am Vormittag tagende erneute Dele-

    giertenversammlung erlaubt erstmals einen ge-

    naueren Einblick in die seinerzeitigen organisa-

    torischen Strukturen der sozialdemokratischen

    Arbeiter-Internationale am Bodensee: 72 Ver-

    eine (vorwiegend freigewerkschaftliche Orga-

    nisationen und eventuell einige der wenigen Par-

    teivereine im Bodenseegebiet) aus 22 Orten sind

    mit insgesamt 300 Delegierten vertreten.

    Diese Lindauer Konferenz fllt einen wichtigen

    Beschlu zur weiteren Professionalisierung der

    Verbandsarbeit. Ab dem Sommer soll in Kon-

    stanz ein Zentralauskunftsbureau eingerichtet

    werden, welches den ArbeiterInnen Auskunft

    ber Streiks, Lohnbewegungen und Arbeiter-

    verhltnisse in den verschiedenen Lndern zu

    verschaffen sowie Aufklrung (...) ber die Ver-

    sicherungsverhltnisse der Arbeiter zu erteilen

    hat. Als dessen Sekretr wird von den Delegier-

    ten der Konstanzer SPD-Vorsitzende Karl Gro-

    hans bestellt.

    1905In diesem Jahr treffen sich die

    Delegierten der Arbeiter-Inter-

    nationale im thurgauischen Arbon (CH). Wei-

    tere Manahmen zur organisatorischen Straf-

    fung werden beschlossen, insbesondere soll der

    Ablauf zuknftiger Konferenzen durch eine Ge-

    schftsordnung geregelt werden.

    Ein groes Internationales Sozialistentreffen

    auerhalb der nunmehr in zweijhrigem Rhyth-

    mus einberufenen Arbeiterfeste fhrt 12.000

    Anhngerinnen und Anhnger der Sozialdemo-

    kratie in Konstanz (D) zusammen. Grund fr die-

    sen enormen Zulauf ist vor allem die magische

    Anziehungskraft des Hauptredners August Bebel,

    Vorsitzender der deutschen Sozialdemokratie.

    11

  • 14 Sonderzge und drei Sonderschiffe bringen

    die TeilnehmerInnen in die Konzilsstadt, wo sie

    sich zunchst zu einem mchtigen Umzug for-

    mieren. Nachdem die Behrden das Mitfhren

    roter Fahnen im Umzug ausdrcklich verboten

    haben, heften die findigen SozialdemokratInnen

    sogleich weie Schleifen an ihre mitgefhrten 60

    roten Banner und berlisten somit die ihnen aus-

    gesprochen mignstig gesinnte monarchische

    Obrigkeit mit deren eigener Paragraphenreiterei.

    Doch das reaktionre deutsche Polizeibttel-

    tum wartet noch mit weiteren Restriktionen fr

    die Konstanzer SozialistInnenzusammenkunft

    auf: Sie belegt auslndische Referenten mit

    einem Redeverbot. Betroffen hiervon sind die

    Kundgebungsredner Dr. Victor Adler (sterreich)

    und Hermann Greulich (Schweiz). Aber auch fr

    diese Schikane findet das Organisationskomitee

    einen Ausweg, indem es die Kundgebung nach

    den Ausfhrungen Bebels im schweizerischen

    Kreuzlingen fortsetzt, wo Adler und Greulich un-

    gehindert auftreten knnen.

    Im Mittelpunkt der gehaltenen Ansprachen steht

    somit naturgem die Kritik an den herabwrdi-

    genden Umgangsformen des monarchischen

    Systems und seiner Reprsentanten mit den Ver-

    treterInnen sozialdemokratischen Gedanken-

    guts. Der deutsche Reichskanzler Bernhard Frst

    von Blow mu sich vom SPD-Vorsitzenden

    Bebel den Vorwurf gefallen lassen, da er mit

    dem in Konstanz und andernorts erlassenen

    Redeverbot Deutschland vor der ganzen Welt

    blamiere.

    Dem im Staatsarchiv Freibung verwahrten minu-

    tisen Bericht eines Polizeiangehrigen verdankt

    die Nachwelt nicht nur ein wrtlich mitstenogra-

    phiertes Redemanuskript August Bebels, sondern

    auch das nachfolgende aufschlureiche Ver-

    zeichnis aller Herkunftsorte der Konstanzer

    KundgebungsteilnehmerInnen. Sie kommen aus

    Singen, berlingen, Radolfzell, Villingen, Frei-

    burg, Offenburg, Furtwangen, Waldshut, Isny,

    Ulm, Wangen i.A., Ebingen, Spaichingen, Wein-

    garten, Ravensburg, Lindau, Kempten (alle dem

    Deutschen Reich zugehrig), Zrich, Winterthur,

    St.Gallen, Rorschach, Wil, Buchs, Frauenfeld,

    Romanshorn, Arbon, Weinfelden, Brglen, Chur,

    Herisau, Schaffhausen (alle CH), sowie den Or-

    ten Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Schwarzach

    und Bludenz im sterreichischen Kronland

    Vorarlberg.

    1906Das IV. Internationale Arbeiter-

    fest in Dornbirn (A) sieht einen

    von 4.000 Personen besuchten stattlichen Sozia-

    listInnenaufmarsch. Zu den Versammelten spre-

    chen Reichsratsabgeordneter Dr. Wilhelm Ellen-

    bogen aus Wien sowie der Zrcher Sozialdemo-

    krat und evangelische Stadtpfarrer Paul Pflger.

    Erneut gehen die Vortragenden mit dem monar-

    chischen Staatswesen hart ins Gericht. Pflger

    feiert in diesem Zusammenhang mit beweg-

    ten Worten (...) den Kampf der russischen Re-

    volution gegen den Absolutismus.

    Vorsitzender einer am Vormittag im Dornbirner

    Mohren-Saal tagenden Delegiertenversamm-

    lung ist Arbeitersekretr Bschenstein aus St.

    Gallen. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen

    12

  • Zeitungsanzeigen zu den frhen Treffen der SBI

    13

  • darf angenommen werden, da Bschenstein

    ber lngere Zeit hinweg eine fhrende Position

    in der Arbeiter-Internationale am Bodensee

    bekleidet hat; eigentliche Prsidenten knnen

    jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg nament-

    lich benannt werden.

    1907Persnliche Zwistigkeiten fhren

    vorbergehend zu Turbulenzen in

    dem noch jungen Verband: Karl Grohans tritt

    als Sekretr des Zentralauskunftsbureaus zu-

    rck, nachdem ihn der Konstanzer Gewerk-

    schaftsvorsitzende Beuchert als Polizeispitzel

    denunziert hatte. Das Zentralauskunftsbureau

    wird fortan von Interims-Sekretr Ludwig Stei-

    ger mit Dienstsitz in Konstanz und Emmishofen

    (CH) weitergefhrt. Die offizielle Bezeichnung

    dieser Einrichtung lautet von nun an Informati-

    onsbureau der Arbeitervereine am Bodensee.

    1908Das diesjhrige Internationale

    Arbeiter-Sommerfest lockt ein

    ber 1000-kpfiges Publikum ins oberschwbi-

    sche Ravensburg. Hauptredner der dortigen

    Kundgebung sind Reichs-und Landtagsabgeord-

    neter Karl Hildenbrand (SPD) und Reichsratsab-

    geordneter Ferdinand Hanusch (SDAP/ster-

    reich). Einem Zeitungsbericht ber den Verlauf

    der ebenfalls in Ravensburg tagenden Delegier-

    tenversammlung kann erstmals eine offizielle Be-

    zeichnung fr den Dachverband der sozialdemo-

    kratischen ArbeiterInnenvereine am Bodensee

    entnommen werden, er nennt sich Arbeiterver-

    band der Bodenseeuferstaaten. Neuer Sekretr

    des Informationsbureaus ist nunmehr Albert

    Senn aus Arbon.

    Die Konsolidierung der sozialdemokratischen

    Arbeiter-Internationale und ihre zunehmende

    Anziehungskraft auf die ArbeiterInnen der Bo-

    denseeregion rufen bei den politischen Geg-

    nern ernsthafte Bedenken hervor. So wird auf

    dem St.Galler Katholikentag dieses Jahres an-

    geregt, die Katholischen Gesellenvereine und

    deren Jugendorganisationen am Bodensee

    ebenfalls zusammenzuschlieen: Die Sozialde-

    mokraten haben nmlich auch eine Organisa-

    tion der Bodensee-Uferstaaten, die ihnen viel-

    leicht besser zustatten kommt, als die Zentralor-

    ganisationen. Hier wre ein Schutzwall sehr von-

    nten.

    (Arbeiterblatt/ Organ des Vorarlberger Arbei-

    terbundes vom 31.07.1908).

    1909Im Rahmen einer Delegierten-

    versammlung des Arbeiterver-

    bandes in Arbon beantragen die Holzarbeiter-

    gewerkschaft Romanshorn sowie die Arbeiter-

    union Arbon, das Informationsbureau aufzul-

    sen und sich danach schwerpunktmig auf peri-

    odisch stattfindende Sozialistenzusammenknf-

    te am Bodensee konzentrieren zu wollen. Ein

    diesbezgliches Abstimmungsergebnis ist nicht

    bekannt, wohl aber tritt das Bro fortan in den

    eingesehenen Unterlagen ffentlich nicht mehr

    in Erscheinung.

    An den organisatorischen Vorbereitungen der

    beiden folgenden Groveranstaltungen in Arbon

    und Bregenz beteiligt sich u.a. ein Landesaus-

    schu der Sozialdemokratischen Landesorgani-

    sation der Internationalen Arbeitervereine in der

    Schweiz, als dessen Prsident, nachweisbar in

    den Jahren 1911 und 1913, Fritz Platten aus Z-

    rich auftritt. Das letztmalige ffentliche Auf-

    scheinen des Informationsbureaus vor dem

    Ravensburger Treffen im Sommer 1908 und die

    hervorgehobene Position des Zrcher Sozialde-

    mokraten Platten in vorgenannter Organisation

    mgen nach dem Zweiten Weltkrieg mangels

    schriftlicher Unterlagen zu der Auffassung mit

    beigetragen haben, da die Bodensee-Interna-

    tionale 1908 gegrndet worden und Fritz Plat-

    ten ihr Prsident gewesen sei. Eine dementspre-

    chende offizielle Annahme hielt sich immerhin

    fast 50 Jahre.

    1911Die internationale Zusammen-

    kunft der Sozialdemokratie am

    Bodensee wird im Jahr 1911 nach Arbon einbe-

    rufen. Im Anschlu an einen imposanten Umzug

    durch die Stadt, bei welchem sieben Musikkorps

    und Tambouren sowie 174 Banner gezhlt

    werden, sprechen hervorragende Meetingsred-

    ner zu einer 10.000 Personen umfassenden

    Menschenmenge: Reichsratsabgeordneter Dr.

    Adolf Braun (SDAP), Landtagsabgeordneter Dr.

    Karl Liebknecht (SPD) und Nationalrat Hermann

    Greulich (SPS) sowie Onorevole Musatti, Par-

    lamentsabgeordneter der italienischen Sozial-

    demokratie. Anknpfend an die Ausfhrungen

    des mit lang andauerndem Beifall bedachten

    Dr. Karl Liebknecht verabschiedet die Arboner

    14

  • Massenversammlung nachfolgende Resolution:

    Die am 16. Juli 1911 in Arbon stattfindende in-

    ternationale Sozialistenzusammenkunft prote-

    stiert energischst gegen die von blut- und geld-

    gierigen Kapitalisten angezettelte Kriegshetze

    und fordert das Proletariat der in Betracht kom-

    menden Lnder auf, auf Grund der Resolution

    des internationalen Sozialistenkongresses in

    Stuttgart mit allen Mitteln gegen einen eventuell

    ausbrechenden vlkermordenden Krieg vorzuge-

    hen.

    1913Internationale Sozialisten-Zu-

    sammenkunft der Arbeiter-In-

    ternationale am Bodensee in Bregenz. 8.000

    Menschen strmen zu Umzug und nachfolgen-

    der Grokundgebung in den Seeanlagen. 128

    sozialdemokratische Arbeitervereine aus 38 Or-

    ten rund um den Bodensee werden gezhlt. Na-

    tionalrat Hermann Greulich (SPS), Landtagsab-

    geordneter Adolf Hoffmann (SPD) und Reichs-

    ratsabgeordneter Dr. Karl Renner (SDAP) halten

    erneut mitreiende Ansprachen gegen Kriegs-

    hetzerei und Rstungswahn; sie spornen zu

    neuer Arbeit im Dienste der vlkerbefreienden,

    vlkerverbrdernden Sozialdemokratie an. Die

    in spteren Zeitungsberichten wiedergegebenen

    Auffassungen, auch Mussolini und Bebel htten

    auf diesem Bregenzer Treffen gesprochen, haben

    sich als unzutreffend erwiesen.

    1914-22Trotz aller beschwren-

    den Mahnungen und

    Appelle kommt es zum Ausbruch des Ersten

    Weltkrieges; entsprechende militrische Ma-

    nahmen werden zumindest anfangs von einer

    Mehrheit insbesondere der sozialdemokratischen

    Basis aber auch ihrer Parlamentsvertretungen in

    den kriegsbeteiligten Lndern mitgetragen.

    Dieser Waffengang fhrt in seiner Folge zur bis

    heute vielfach unberwundenen Entzweiung der

    sozialistischen Bewegung, die Ttigkeit der Bo-

    densee-Sozialisten ruht fortan fr lngere Zeit.

    Nach dem Kriege werden die monarchischen Sy-

    steme in Deutschland und sterreich-Ungarn

    gestrzt, republikanische und vorerst von der So-

    zialdemokratie (mit-)regierte Staatswesen treten

    an ihre Stelle. Gravierende Versorgungsmngel

    in den ersten Nachkriegsjahren, Geldentwer-

    tung, aber auch Erschwernisse bei Grenzbertrit-

    ten lassen ein Wiederaufleben der sozialdemo-

    kratischen Arbeiter-Internationale am Boden-

    see vorerst nicht zu. Dies ndert sich jedoch

    durch die Stabilisierung der wirtschaftlichen und

    politischen Verhltnisse um das Jahr 1923.

    Erste Fotografie eines SozialistInnen-Treffens am Bodensee: Der imposante Umzug in Arbon 1911

    15

  • 1923Mitglieder sozialdemokratischer

    Organisationen aus Lindau, Bre-

    genz und Rorschach erwgen bei einer gemein-

    samen Besprechung erstmals die Wiedererrich-

    tung der Arbeiter-Internationale am Boden-

    see. Eine grere Konferenz scheitert vorerst

    noch an den bereits angedeuteten Schwierigkei-

    ten bei Grenzbertritten. Stadtrat Dipl.Ing. Oskar

    Groll aus Lindau (SPD), Landtagsabgeordneter

    Josef Peter aus Bregenz (SDAP) und vor allem

    Stadtrat Schnmann, SPS-Prsident von Ror-

    schach, drngen dennoch auf eine baldmgli-

    che Wiederbelebung der Organisation.

    1924Die Rahmenbedingungen gestat-

    ten es nunmehr, eine Konferenz

    zur Wiederbelebung der Arbeiter-Internationa-

    le einzuberufen. Diese findet am 24. August in

    Rorschach statt und whlt den Lindauer SPD-

    Stadtrat Dipl.Ing. Oskar Groll zum provisori-

    schen Leiter sowie die bayerische Inselstadt zum

    vorlufigen Vorort des Verbandes. Aus nachfol-

    genden Orten sind Delegierte anwesend: Fried-

    richshafen, Lindau (beide D), Bregenz (A), Ror-

    schach, Rorschacherberg, Goldach, Steinach,

    Arbon und Kreuzlingen (alle CH). Der Verband

    fhrt von nun an die offizielle Bezeichnung Ar-

    beiter-Internationale der Bodensee-Uferstaaten.

    1925Eine in Friedrichshafen am wrt-

    tembergischen Seeufer tagende

    Konferenz der Arbeiter-Internationale be-

    schliet, die internationalen SozialistInnenzu-

    sammenknfte am Bodensee mit einem Treffen

    Ende August dieses Jahres in der Zeppelin-Stadt

    fortzufhren. SPD-Stadtrat Jakob Braun aus

    Kampf dem Faschismus - Hoch die Republik!

    Die Arbeiter-Internationale der Bodensee-

    Uferstaaten whrend der Zwischenkriegszeit

    Ein ungewhnliches Bild fr die wrttembergische Riviera: Sozialistische Fahnenabordnungen beim Aufmarsch der Arbeiter-Internationale

    1925 in Friedrichshafen

    16

  • Friedrichshafen wird mit der organisatorischen

    Vorbereitung und Leitung des Treffens betraut.

    Die sozialdemokratische Parteipresse schreibt:

    Nachdem die wirtschaftlichen Verhltnisse bes-

    ser und stabiler geworden, sollen die Kund-

    gebungen wieder aufgenommen werden. Die

    diesmalige gilt nur als bescheidener Anfang.

    Dieser bescheidene Anfang fhrt 5.000 So-

    zialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach

    Friedrichshafen, im Umzug wirken 40 Fahnen-

    abordnungen und zwei Musikkapellen mit. Ein

    vorabendlicher Fackelzug und eine Morgenfeier

    der Sozialistischen Arbeiterjugend werden neu

    in das Programm der Zusammenknfte aufge-

    nommen, auch tritt die Arbeiter-Internationale

    erstmals mit einem eigenen Logo in Erscheinung.

    Festredner sind Nationalrat Dr. Eisler (SDAP)

    sowie die SPD-Reichstagsabgeordneten Hilden-

    brand und Snger. Mit groer Begeisterung wird

    der 84-jhrige Hermann Greulich (SPS), liebe-

    und ehrfurchtsvoll als Papa Greulich tituliert,

    empfangen. Auch diese Ikone der eidgenssi-

    schen Sozialdemokratie spricht zu den in Fried-

    richshafen versammelten Massen. Alle Redner

    setzen sich mit Leidenschaft dafr ein, die in

    Deutschland und sterreich errichteten demo-

    kratischen Republiken mit Leben zu erfllen und

    sie gegen reaktionre Bestrebungen zu verteidi-

    gen. Die Beteiligten, so ist einer spteren Druck-

    schrift zu entnehmen, whnen sich am Beginn

    einer langen friedvollen und fortschrittlichen

    Epoche der Vlker.

    1927Schwere innenpolitische Zerwrf-

    nisse in sterreich sowie eine

    kompromilos antisozialdemokratische Grund-

    einstellung des Vorarlberger Landeshauptman-

    nes und nachmaligen sterreichischen Bundes-

    kanzlers Dr. Otto Ender verhindern die vorgese-

    hene Abhaltung einer Massenzusammenkunft

    der Arbeiter-Internationale in Bregenz. Trotz

    sofortiger persnlicher Intervention der SDAP-

    Vorstandsmitglieder Dr. Otto Bauer, Karl Seitz

    und Dr. Karl Renner bei Bundeskanzler Prlat Dr.

    Ignaz Seipel mu die gesamte Veranstaltung bin-

    nen von acht Tagen nach Arbon an das freiheit-

    Prominente Teilnehmer der Arboner Kundgebung von 1927 (v.l.n.r.): Reichstagsprsident Paul Lbe (SPD), SI-Sekretr Dr. Friedrich Adler,

    Nationalrat Dr. Johannes Huber (SPS), Nationalrat Dr. Wilhelm Ellenbogen und Max Winter (beide SDAP)

    17

  • licher gesinnte schweizerische Seeufer umorga-

    nisiert werden. Dr. Ender hatte vorgegeben, da

    bei diesem SozialistInnentreffen angesichts der

    politischen Verhltnisse in sterreich Unruhen zu

    erwarten seien.

    Die Bregenzer Sozialdemokratie veranstaltet des-

    halb am Vorabend des Arboner Treffens eine

    machtvolle Protestkundgebung gegen die Will-

    krpolitik Dr. Enders mit ber 1.000 Teilneh-

    merInnen im Blumenegg-Saal, welche nicht

    verboten werden kann. Referenten sind hierbei

    drei der vier Hauptredner des Arboner Treffens:

    Reichstagsprsident Paul Lbe (SPD), Nationalrat

    Dr. Wilhelm Ellenbogen (SDAP) und Dr. Friedrich

    Adler, Sekretr der Sozialistischen Internatio-

    nale. Den Abmarsch vom Schiff nach Arbon so-

    wie ihre Rckkehr nutzen die Bregenzer Sozial-

    demokratinnen und Sozialdemokraten zu spon-

    tanen ungenehmigten Demonstrationszgen

    durch die Stadt.

    Am Arboner SozialistInnentreffen selbst beteili-

    gen sich stattliche 10.000 Menschen, neben den

    vorerwhnten Rednern spricht auch Nationalrat

    Dr. Johannes Huber (SPS) zu den Versammelten.

    Josef Peter aus Bregenz, Zeitzeuge dieser Vor-

    gnge und spterer Prsident der Arbeiter-

    Internationale, zollt der Arboner Sozialdemo-

    kratie rckblickend hchstes Lob: Niemand ht-

    te die Schlagfertigkeit und die bewundernswrdi-

    ge Organisation der Arboner Genossen erwar-

    tet. Zudem erntet Landeshauptmann Dr. Ender

    das Mifallen der Bregenzer Gastronomie, die

    angesichts des Kundgebungsverbotes einen

    enormen Verdienstausfall beklagt.

    1929Wiederum 10.000 Menschen

    strmen nach Lindau zur Sozia-

    listischen Bodensee-Internationale, wie die Ver-

    anstaltung von einer Festzeitung betitelt wird. Ei-

    nige TeilnehmerInnen der mittlerweile weitbe-

    kannten SozialistInnentreffen am Bodensee kom-

    men bis aus Hamburg-Altona. Zu den prominen-

    testen Rednern zhlen u. a. Staatskanzler a.D.

    Dr. Karl Renner (SDAP), Nationalrat Dr. Robert

    Grimm (SPS) und Reichstagsabgeordneter Dr.

    Rudolf Breitscheid (SPD). Mit Marie Juchacz,

    SPD-Reichstagsabgeordnete aus Berlin und

    Grnderin der deutschen Arbeiterwohlfahrt, er-

    greift erstmals eine berregional bekannte Frau

    das Wort auf einer Zusammenkunft der Arbei-

    ter-Internationale. Das Treffen steht unter dem

    Motto Dem Faschismus zum Trotz; in den

    Kundgebungsreden wird bereinstimmend vor

    extremistischem Nationalismus und damit ein-

    hergehender Kriegsgefahr gewarnt. Auf beson-

    dere Abscheu stoen hierbei die brutalen Re-

    gierungsmanahmen Mussolinis in Italien.

    1930Bei der Delegiertenversammlung

    in Kreuzlingen wird SDAP-Land-

    tagsabgeordneter Josef Peter aus Bregenz zum

    neuen Prsidenten der Arbeiter-Internationale

    gewhlt. Die Delegierten sprechen sich zunchst

    dafr aus, in Bregenz ihre nchste Massenzu-

    sammenkunft abhalten zu wollen. Aufgrund der

    Vorgnge des Jahres 1927 verzichten die Bre-

    genzer allerdings zu Gunsten St.Gallens mit der

    Begrndung, da sich die Bregenzer Brger-

    schaft (gemeint sind vor allem die Anhnger von

    Dr. Enders brgerlicher CVP; d.V.) vorerst mer-

    ken soll, da die Arbeiterschaft solidarisch dieje-

    nigen Stdte meiden wird, welche sich arbeiter-

    feindlich zeigen. Somit definiert sich die Arbei-

    ter-Internationale zunehmend selbstbewut

    auch als einen nicht unbedeutenden konomi-

    schen Faktor, welcher von der Geschftswelt in

    den bisherigen, zu Tausenden besuchten Kund-

    Ausschnitt vom Titelblatt der Festzeitung zum Lindauer SozialistInnentreffen 1929

    18

  • gebungsorten, durchaus wahrgenommen wor-

    den ist.

    Im selben Jahr findet in Konstanz - auerhalb

    der periodischen Massenzusammenknfte der

    Arbeiter-Internationale - ein Sozialistisches

    Massen-Meeting unter dem Motto Gegen

    Faschismus und Militarismus - Fr Demokratie

    und internationale Verstndigung statt. Dieses

    wird anllich der 50. Wiederkehr des Geheim-

    kongresses der deutschen Sozialdemokratie auf

    Schlo Wyden in der Schweiz und der 25-jhri-

    gen Erinnerung des Verbots einer internationalen

    Kundgebung in Konstanz einberufen. 8.000

    Besucherinnen und Besucher sowie ein Gro-

    aufgebot an internationaler sozialdemokrati-

    scher Prominenz weilen anllich der Veranstal-

    tung am badischen Bodenseeufer. Unter ihnen

    befinden sich Nationalrat Dr. Otto Bauer und Dr.

    Friedrich Adler (SDAP), Nationalrat Dr. Robert

    Grimm (SPS), Reichskanzler a.D. Hermann

    Mller-Franken, Reichstagsabgeordneter Otto

    Wels, Reichstagsabgeordneter Artur Crispien und

    der bedeutende Parteitheoretiker Eduard Bern-

    stein (alle SPD) sowie weitere bekannte Mit-

    glieder der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-

    internationale, darunter auch Adelheid Popp

    und Pietro Nenni. Zu den TeilnehmerInnen des

    vorabendlichen Fackelzuges durch Konstanz

    spricht der ehemalige Sekretr des Informati-

    onsbureaus und jetzige SPD-Landtagsabgeord-

    nete fr den badischen Seekreis, Karl Grohans.

    Die Kundgebungsreden auch der auslndischen

    ReferentInnen stehen ganz im Zeichen des be-

    vorstehenden deutschen Reichstagswahlkamp-

    fes. Sie befassen sich somit im wesentlichen mit

    den Errungenschaften der deutschen Sozialde-

    mokratie seit 1919, wobei an vorderster Stelle

    das Frauen- und Verhltniswahlrecht angefhrt

    wird.

    1931Die Massenzusammenkunft in

    der ostschweizerischen Metro-

    pole St.Gallen kann mit einer Rekordbeteiligung

    aufwarten: 15.000 Menschen kommen zur Ver-

    anstaltung der Arbeiter-Internationale, welche

    unter dem mehr denn je aktuellen Motto Kampf

    dem Faschismus steht. Ein mchtiger Festzug,

    bestckt mit jeweils sechs Musikkapellen und

    Spielmannszgen, fllt trotz ungeheurer Hitze

    die Straen der Kantonshauptstadt. Hauptredner

    des Treffens in St.Gallen sind Nationalrat Dr.

    Wilhelm Ellenbogen (SDAP), Reichstagsabgeord-

    neter Dr. h.c. Adam Remmele (SPD), ehemaliger

    badischer Staatsprsident, sowie Nationalrat

    Ernst Nobs (SPS), spterer erster Bundesrat der

    eidgenssischen Sozialdemokratie.

    Sozialistisches Massen-Meeting in Konstanz 1930

    19

  • Knstlerisch gestaltete Einladungen zur Bodensee-Internationale 1931 in St.Gallen

    In den Ansprachen wird vor einem weiteren Vor-

    andringen des Hakenkreuzes gewarnt, welches

    durch die kapitalistische Wirtschaftsordnung

    und darin begrndeten Reparationsleistungen

    Deutschlands begnstigt werde. Besondere An-

    erkennung erfhrt eine im kulturellen Rahmen-

    programm gegebene Festspielauffhrung

    (Der Tag wird kommen) unter der Regie von

    Vasa Hochmann. Die Parteipresse wrdigt das

    beeindruckende Treffen in St.Gallen mit den

    Worten: Die Bodensee-Internationale 1931 war

    ein auerordentlich starker ideeller Erfolg. Mit

    Staunen sah das reaktionre Brgertum, welch

    gewaltige Kraft der Arbeiterklasse auch heute

    noch, trotz zermrbender Wirtschaftskrise, inne-

    wohnt.

    20

  • 1933-45Eine erweiterte Vor-

    standssitzung der Ar-

    beiter-Internationale, welche am 12. Februar

    1933 vermutlich im seinerzeitigen Vorort Bre-

    genz stattfindet, beschliet die Einberufung der

    nchsten Massenzusammenkunft auf den 15.

    und 16. Juli dieses Jahres dortselbst. Jedoch las-

    sen die politischen Verhltnisse fr 12 dunkle

    Jahre keine weiteren Zusammenknfte mehr zu.

    Die in Deutschland auch von allen brgerlichen

    Krften ermchtigten Nationalsozialisten ver-

    bieten im Juni 1933 die Sozialdemokratische

    Partei und entheben deren Mandatstrger ihrer

    mter. Im Februar 1934 wird der sterreichi-

    schen Sozialdemokratie das selbe unbarmherzi-

    ge Schicksal zuteil.

    Viele sozialdemokratische FunktionstrgerInnen

    mssen Hausdurchsuchungen ber sich ergehen

    lassen, verlieren ihre Arbeit, werden inhaftiert

    und mihandelt. Manche von ihnen bezahlen fr

    ihren aufrechten Charakter und ihre unerscht-

    terliche politische berzeugung mit dem Leben.

    Besonders schlimm trifft es prominente Vertre-

    terInnen der Sozialdemokratie, wie den eingangs

    erwhnten SPD-Landtagsabgeordneten Karl

    Grohans aus Konstanz. Ein tragisches Schicksal

    ereilt auch den sozialdemokratischen Bregenzer

    Stadtvertreter und Gewerkschaftssekretr

    Samuel Spindler. Aufgrund seiner jdischen

    Abstammung droht dem evangelischen Christen

    das Konzentrationslager, angesichts dessen er im

    November 1942 durch Suizid aus dem Leben

    scheidet.

    Die Ttigkeit der Arbeiter-Internationale

    kommt vollstndig zum Erliegen, ihr Archiv im

    Vorort Bregenz wird durch Selbstvernichtung

    Anfang 1934 dem Zugriff der diktatorisch auf-

    tretenden Machthaber entzogen.

    In den dunklen Jahren des Austro-Faschismus

    bzw. der nationalsozialistischen Herrschaft ge-

    lingt es einer Reihe sterreichischer und deut-

    scher Sozialdemokraten, ihre im Rahmen der

    Arbeiter-Internationale am Bodensee geknpf-

    ten Kontakte zu schweizerischen Genossinnen

    und Genossen aufrecht zu erhalten und damit

    u.a. Fluchtwege aus ihrer Heimat zu organisie-

    Freiheit und Leben kann man uns nehmen,

    die Ehre nicht!

    Verbot der Sozialdemokratie in Deutschland und sterreich -

    Sozialdemokratischer Widerstand gegen den Faschismus im

    stlichen Bodenseeraum

    Diese in Bregenz geplante Massenzusammenkunft kommt auf-

    grund der politischen Rahmenbedingungen bereits nicht mehr

    zustande

    21

  • ren, um prominente Angehrige der Sozialde-

    mokratie oder sich selbst zumindest vorerst vor

    Schlimmerem zu bewahren. Somit kann bei-

    spielsweise die Flucht des noch 1929 in Lindau

    als Redner aufgetretenen damaligen SPD-

    Reichstagsabgeordneten Dr. Rudolf Breitscheid

    ber Friedrichshafen in die Schweiz mituntersttzt

    werden.

    Besonders wertvoll sind derartige Kontakte auch

    zum Aufbau sozialdemokratischer Untergrund-

    arbeit durch die Exilorganisationen von SDAP

    und SPD. Letztere errichtet im Sptherbst 1933 in

    St.Gallen eines ihrer Grenzsekretariate, wel-

    ches mit Erwin Schoettle, einem vormaligen Stutt-

    garter SPD-Funktionr, besetzt wird. Schoettle er-

    fhrt durch die schweizerischen Genossinnen

    und Genossen sowohl Untersttzung bei seiner

    politischen Ttigkeit als auch bei den aueror-

    dentlich schwierigen Bemhungen zur Sicher-

    stellung der Lebensgrundlagen seiner mitgekom-

    menen Familie. Mit eidgenssischer Unterstt-

    zung kann Erwin Schoettle enge Kontakte zu

    einer im Raum Ravensburg-Weingarten (Ober-

    schwaben) agierenden sozialdemokratischen

    Untergrund-Organisation aufnehmen. Durch

    zahlreiche Mittelsmnner im Reich werden so-

    dann illegale Druckschriften (z.B. der Rote

    Kurier) nach Deutschland eingeschleust sowie

    im Jahr 1935 ein Schulungskurs zur verdeckten

    Agitation mit 14 Teilnehmern aus Stuttgart und

    Oberschwaben in Kressbronn (Wrttemberg)

    abgehalten.

    Die Verbreitung illegaler politischer Druckschrif-

    ten wird zudem von den Revolutionren Sozi-

    alisten in Vorarlberg, einer vorwiegend von jn-

    geren und linksstehenden Sozialdemokraten aus

    der ehemaligen Sozialistischen Arbeiterjugend

    (SAJ) getragenen Organisation, praktiziert.

    Auch diese von 1934-1938 bestehende Grup-

    pierung unterhlt Kontakte zur Zentrale ihrer

    Exil-Organisation, vor allem aber profitiert sie

    von besten Verbindungen in die Schweiz. Die

    Revolutionren Sozialisten Vorarlbergs werden

    durch Franz Schmidt, Redaktor des sozialdemo-

    kratischen St.Galler Blattes Volksstimme, bei

    der Herstellung ihrer Zeitung Der Kmpfer

    umfassend untersttzt. Die Stadt St.Gallen darf

    somit als ein Zentrum sozialdemokratischen Wi-

    derstandes gegen den Faschismus im stlichen

    Bodenseeraum bewertet werden. Neben vielflti-

    gen Verteilaktionen beteiligen sich die Revo-

    lutionren Sozialisten noch an der Durch-

    schleusung von Freiwilligen, welche auf republi-

    kanischer Seite am spanischen Brgerkrieg teil-

    nehmen wollen, in die Schweiz. Nach dem An-

    schlu sterreichs an Hitler-Deutschland wird

    diese Gruppierung als solche aufgelst, viele ih-

    rer Aktivisten beteiligen sich jedoch fortan am

    Grenzsekretr Erwin Schoettle und das Titelblatt einer Ausgabe des von ihm in St.Gallen herausgegebenen Roten Kuriers

    22

  • 1946Am 25. Mai verstirbt Landtags-

    abgeordneter a.D. Karl Gro-

    hans, ehemaliger Sekretr des Zentralaus-

    kunftsbureaus der Arbeiter-Internationale, an

    den Folgen seiner unbarmherzigen KZ-Haft im

    66. Lebensjahr in Konstanz. Seine Beisetzung

    fhrt erstmals seit 1933 wieder viele Sozialde-

    mokratInnen aus den Bodensee-Anrainerstaaten

    zusammen. Im Zeichen tiefer Trauer zeigen sie

    sich von dem festen Willen beseelt, aus neu zu

    errichtenden demokratischen Staatswesen in

    sterreich und Deutschland heraus eine bessere

    Zukunft aufzubauen. So wirken die Mitglieder

    der Sozialdemokratie in vielen Stdten und Ge-

    meinden des sterreichischen und deutschen Bo-

    denseegebiets in vorderster Reihe beim demo-

    kratischen Wiederaufbau, der Beseitigung von

    Kriegsschden und der Herstellung einer gesi-

    cherten Versorgungslage fr die Bevlkerung

    mit.

    1948Man kann uere Formen zer-

    brechen, man kann einen Na-

    mensruf untersagen, man kann Sekretariate

    schlieen, man kann Vertrauensmnner verhaf-

    ten - aber man kann nicht die Arbeiterschaft aus-

    rotten und man kann nicht eine Weltanschauung

    abschaffen

    (Vorarlberger Wacht, 20. 04. 1934).

    Am 8. August des Jahres 1946 erfolgt nach den

    dunklen Jahren von Faschismus und Krieg die

    Wiedererrichtung der Arbeiter-Internationale

    am Bodensee in Bregenz, ihrem Grndungs-

    und letzten Vorort vor dem Verbot in

    Deutschland und sterreich. Josef Peter aus

    Bregenz wird zum Prsidenten der Organisation

    gewhlt, dieses Amt hatte er schon von 1930 bis

    1933 inne. Als Vizeprsidenten fungieren Ernst

    Rodel (Arbon) fr die SPS und Gustav Rhl

    (Lindau) fr die SPD.

    Auf weiteren Sitzungen in Lindau, St.Gallen und

    Rorschach wird eine neue Satzung diskutiert und

    sodann auch genehmigt. Fortan fhrt die vor-

    malige Arbeiter-Internationale der Bodensee-

    Uferstaaten ausschlielich die Bezeichnung

    Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI).

    1951Nach einem musikalischen Will-

    kommensgru, dargeboten von

    den Bregenzer Arbeitersngern (Hebt unsere

    Fahnen in den Wind), wird im dortigen

    Arbeiterheim an der Anton-Schneider-Strae

    eine stark besuchte SBI-Delegiertenversamm-

    lung erffnet. Kantonsrat Ernst Rodel (SPS),

    Landtagsabgeordneter Alfred Frenzel (SPD) und

    Landesrat Jakob Bertsch (SP), Mitglied der Vor-

    arlberger Landesregierung, errtern gemeinsam

    Die Grenzen auf - Die Herzen auf!

    Wiedererrichtung und Werdegang der SBI nach dem Zweiten Weltkrieg

    Widerstand gegen die nationalsozialistische

    Diktatur.

    Ebenfalls groe Untersttzung aus der Schweiz

    erfhrt die Widerstandsgruppe um den ehemali-

    gen Stuttgarter Bezirksleiter der Eisenbahner-

    gewerkschaft Karl Molt. Dieser organisiert u.a.

    im November 1937 ein Treffen mit Funktionren

    der Internationalen Transportarbeiter-Fderati-

    on (ITF) in Arbon. Bei seiner Widerstandsttig-

    keit, welche in erster Linie den Aufbau eines Or-

    ganisationsnetzes zur Einschleusung und Vertei-

    lung illegaler Schriften sowie zur Informations-

    beschaffung im Deutschen Reich umfasst, sind

    Molt auch Gewerkschafter und Sozialdemokra-

    ten aus Arbon und Rorschach behilflich. 1938

    wird seine Gruppe mit Hilfe eines Verbindungs-

    mannes der Geheimen Staatspolizei (Gesta-

    po) enttarnt, ihre Mitglieder werden zu lang-

    jhrigen Haftstrafen verurteilt oder wegen Lan-

    desverrats hingerichtet (Fridolin Endra aus

    Friedrichshafen).

    Dies sind nur wenige Beispiele fr eine Vielzahl

    an Aktivitten deutscher, sterreichischer und

    schweizerischer SozialdemokratInnen. Derart

    gefhrliche und teilweise lebensbedrohliche

    Unternehmungen waren nur auf der Grundlage

    der gelebten Solidaritt - vielfach herrhrend

    aus gemeinsamer Bettigung in der Arbeiter-

    Internationale der Bodensee-Uferstaaten -

    durchfhrbar.

    23

  • mit den Abgesandten der sozialdemokratischen

    Organisationen Anliegen und Probleme der

    GrenzgngerInnen unter den ArbeitnehmerIn-

    nen.

    Am gleichen Ort findet drei Monate spter eine

    erneute Delegiertenversammlung zum Thema

    Die politische und wirtschaftliche Lage in den

    Bodensee-Uferstaaten statt. Sdwrttemberg-

    Hohenzollerns Innenminister Viktor Renner (SPD)

    sowie die schon im April aufgetretenen Referen-

    ten Kantonsrat Rodel (SPS) und Landesrat Bertsch

    (SP) sprechen zu den Versammelten.

    1952Die SBI-Delegiertenversamm-

    lungen in Arbon und Bregenz

    befassen sich wiederum mit aktuellen politischen

    Themen aus Deutschland, sterreich und der

    Schweiz. Ein jeweils ber 200-kpfiges Audito-

    rium nimmt die sachkundigen Ausfhrungen von

    Landtagsabgeordnetem Richard Jckle, Land-

    tagsabgeordnetem Alfred Frenzel, Innenminister

    Viktor Renner (alle SPD), Nationalrat Rudolf

    Schmperli, dem Thurgauer Regierungsrat Dr.

    August Roth (beide SPS), den SP-Nationalrten

    Hans Draxler und Dr. Ernst Koref sowie deren

    Fraktionskollegin Rosa Jochmann - letztere zu-

    dem Bundesvorsitzende der SP-Frauen - mit

    groem Interesse entgegen.

    1953Nach 22 Jahren fhrt die

    Bodensee-Internationale ihre

    Mitglieder erstmals wieder zu einem groen

    Freundschaftstreffen zusammen. Kundgebungs-

    ort ist die Thurgauer Industriestadt Arbon am

    schweizerischen Ufer. Einer vorabendlichen

    Landsgemeinde der Jugend auf der dortigen

    Schlowiese folgt am darauffolgenden Tag der

    4.000 Personen zhlende Umzug durch das

    rote Arbon, mit klingendem Spiel begleitet von

    der Stadtmusik Bregenz-Vorkloster, der Arbeiter-

    musik St.Gallen und der Stadtmusik Arbon.

    Kundgebungsredner sind Bundestagsabgeord-

    neter Erwin Schoettle, SPD-Vorsitzender von

    Wrttemberg-Baden und vormaliger Grenz-

    sekretr der Exil-SPD in St.Gallen, Nationalrat

    Dr. Ernst Koref (SP) sowie SPS-Prsident

    Nationalrat Walter Bringolf, Stadtprsident von

    Schaffhausen. Deren Reden stehen unter dem

    Motto Fr Frieden und Freiheit aller Vlker;

    man fordert ein geeintes Europa und die Frei-

    lassung aller Kriegsgefangenen. berschattet

    wird diese glnzend verlaufene Groveran-

    staltung vom Tode des Vorarlberger Nationalrats

    Hans Draxler (SP), der whrend des Umzuges

    verstirbt.

    1954Der hochkartige Parlaments-

    redner Bundestagsabgeordneter

    Fritz Erler (SPD) sowie Stadtrat Dr. Karl Kunst

    (SP) aus Innsbruck locken 300 Teilneh-

    merInnen zu einem groen Vertrauensleutetref-

    fen nach Bregenz. Ihre Themen sind: Warum

    wollen wir Sozialisten die vereinigten Staaten von

    Europa? (Erler) und Sozialistische Kommunal-

    politik (Dr. Kunst).

    1955Erneutes Freundschaftstreffen

    und Grokundgebung der SBI im

    baden-wrttembergischen Friedrichshafen. Bun-

    desminister Dipl.Ing. Karl Waldbrunner (SP),

    Nationalrat Dr. Hans Oprecht (SPS) und Bun-

    destagsabgeordneter Erich OIlenhauer, Vorsit-

    zender der SPD, fhren ber 6.000 Teilneh-

    merInnen bei dieser machtvollen Sozialisten-

    kundgebung zusammen. Ollenhauer bezeich-

    net es in Friedrichshafen als vordringliche

    Aufgabe seiner Politik, die deutsche Wiederver-

    einigung herbeifhren zu knnen. Voraussetzung

    hierfr sei eine kontrollierte Abrstung in Ost

    und West.

    1957Das diesjhrige Freundschafts-

    treffen vereinigt 4.000 Sozialde-

    mokratinnen und Sozialdemokraten zu Umzug

    und Kundgebung in der Vorarlberger Landes-

    hauptstadt Bregenz. Als Redner treten SPS-

    Fraktionsprsident Nationalrat Matthias Eggen-

    berger, Bundestagsabgeordneter Fritz Erler (SPD)

    und Vizekanzler DDr. Bruno Pittermann (SP)

    vor die Abordnungen der sozialdemokratischen

    Vereinigungen. Sie fordern hierbei mit Nach-

    druck eine chtung des atomaren Wettrstens.

    1958Neben einer Arbeitskonferenz im

    Naturfreundehaus Markelfingen

    (D) findet im Saal des Konstanzer Konzilsgebu-

    des ein Festakt zum (vermeintlichen) 50-jhrigen

    24

  • SPD-Vorsitzender Erich Ollenhauer ist 1955 prominentester Kundgebungsredner in Friedrichshafen

    25

  • Sowohl der Demonstrationszug als auch die Kundgebung des SBI-Treffens in Bregenz 1957 erfreuen sich eines starken BesucherInnenandran-

    ges - vier prominente Vorarlberger Sozialdemokraten fhren den mchtigen Umzug an (v.l.n.r.): Nationalrat Dr. Ernst Haselwanter die beiden

    Bregenzer Kommunalpolitiker Vizebrgermeister Josef Peter und Stadtrat Anton Lieger sowie Bundesrat Anton Mayrhauser

    26

  • Jubilum der Bodensee-Internationale und

    dem 10. Jahrestag ihrer Wiedererrichtung nach

    dem Zweiten Weltkrieg statt. Hierbei sprechen

    u.a. Vizekanzler DDr. Bruno Pittermann (SP)

    SPS-Vorsitzender Nationalrat Walter Bringolf und

    der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Bundes-

    tagsabgeordneter Waldemar von Knoeringen, zu

    dem zahlreich erschienenen Publikum.

    1959Landtagsabgeordneter Dr. Walter

    Peter aus Bregenz, spterer

    Vizeprsident des Landesparlamentes von Vor-

    arlberg, bernimmt das Amt des SBI-Prsidenten

    von seinem Vater Josef Peter, welcher aus-

    schlielich der Verbotszeit 14 Jahre unermdlich

    und erfolgreich als Prsident der Bodensee-

    Internationale gewirkt hat. Der Friedrichsha-

    fener Kreis- und Stadtrat Friedrich Fehrenbach

    tritt als deutscher Vizeprsident neu ins SBI-Pr-

    sidium ein.

    1960Die Grokundgebung der SBI

    fhrt an einem wolkenlosen

    Sommertag 5.000 Menschen ins schweizerische

    Arbon. Prominente Festgste sind in diesem Jahr

    sterreichs Innenminister Josef Afritsch (SP),

    Bundestagsabgeordneter Waldemar von Knoe-

    ringen (SPD) sowie der neue Schweizer Bundes-

    rat Dr. Hans Peter Tschudi (SPS), ein sachlicher,

    reservierter und kultivierter Redner. Ihre An-

    sprachen stehen unter der Losung: Die Grenzen

    auf - Die Herzen auf! und verurteilen erneut die

    Bedrohung der Vlker durch moderne Waffen-

    systeme und das menschenverachtende Wirken

    kommunistischer Diktaturen.

    Erstmals veranstaltet die SBI zudem einen

    Internationalen Frauentag in der Lindauer

    Sngerhalle mit Mascha Oettli (SPS), dem Ti-

    roler Landesrat Rupert Zechtl (SP) und Bun-

    destagsabgeordneter Martha Schanzenbach

    (SPD). Glcklicher leben in einer freieren Welt

    lautet das Motto der Veranstaltung, bei welcher

    die Mglichkeiten der Frau, auf das politische

    Geschehen einzuwirken, errtert werden.

    Whrend eines zweitgigen Diskussionsforums

    in Rehetobel (CH) behandeln Referenten aus den

    drei Parteien Fragen des organisatorischen Auf-

    baus und politischen Wirkens der Sozialdemo-

    kratie am Bodensee.

    1961Mit 300 TeilnehmerInnen stark

    besucht ist das diesjhrige Ver-

    trauensleute-Treffen in Konstanz. SPD-Bundes-

    tagsabgeordneter Dr. h.c. Alex Mller, seinen

    Zeitgenossen bekannt als Genosse Generaldi-

    rektor, spricht hierbei zur politischen Situation in

    der Bundesrepublik Deutschland nach den jng-

    sten Wahlen. Auerdem richtet diese SBI-Ver-

    sammlung eine solidarische Gruadresse an

    das eingemauerte Berlin, welche von Dr. h.c.

    Alex Mller, der dort tags darauf bei einer Gro-

    kundgebung mitwirkt, persnlich berbracht

    wird. Ihr Inhalt lautet wie folgt: Die Soziali-

    stische Bodensee-Internationale, in der die so-

    zialistischen Parteien der drei Bodensee-Anrai-

    nerstaaten zusammengeschlossen sind, bewun-

    dert die aufrechte Haltung der Berliner Bevl-

    kerung in ihrem Kampf um Sein oder Nichtsein,

    um Recht, Freiheit und Demokratie. Sie versi-

    chert die Berliner Bevlkerung ihrer Verbunden-

    heit und die Genossen in der geteilten Stadt ihrer

    sozialistischen Solidaritt.

    1962Bei einem Internationalen

    Freundschaftstreffen, welches

    anllich des Internationalen Frauentages in

    Bregenz stattfindet, werden die Ansprachen erst-

    mals ausschlielich von drei Frauen gehalten:

    Gewerkschaftssekretrin Edith Refli (SPS), Land-

    tagsabgeordnete Luise Haselmayr (SPD) und

    Tirols SP-Bundesrtin Maria Hagleitner.

    1963Auf der Delegiertenversammlung

    im Lindauer Gasthof Kchlin

    referiert SBI-Prsident Landtagsabgeordneter Dr.

    Walter Peter (SP) zum Thema Die Krise des

    Europa-Gedankens.

    Ein Internationales Freundschaftstreffen wird

    anllich des 100-jhrigen Jubilums der

    Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nach

    Friedrichshafen einberufen. 1.200 Teilneh-

    merInnen kommen in die stdtische Festhalle,

    um der SBI-Kundgebung mit Nationalrat Alois

    Piperger (SP), Nationalratsprsident Walter

    Bringolf (SPS) und dem baden-wrttembergi-

    schen SPD-Vorsitzenden, Bundestagsabgeord-

    netem Dr. h.c. Alex Mller beizuwohnen. Hierbei

    geht Dr. h.c. Alex Mller mit dem politischen

    Hauptkonkurrenten hart ins Gericht, die Schw-

    bische Zeitung meldet: Mller mischte biswei-

    27

  • len krftig Pfeffer in seine Ausfhrungen, und

    zumal in der Auseinandersetzung mit der CDU

    fehlte es nicht an Schrfe. Ebenfalls deutliche

    Worte findet Nationalrat Alois Piperger, der eine

    eventuelle Rckkehr Otto Habsburgs, dieser

    Marionette der internationalen Reaktion, nach

    sterreich leidenschaftlich ablehnt. Auf viel-

    fach kritische Resonanz stt bei den Besu-

    cherInnen die Tatsache, da in Friedrichs-

    hafen keine roten Fahnen zu sehen gewesen

    seien.

    Wiederum in Rehetobel findet eine zweitgige

    Seminartagung zum Thema Grundstze der

    Parteiprogramme von SP/SPD/SPS mit den

    Referenten Dr. Norbert Leser (SP), Alfred Braun

    (SPD) und Kantonsrat Dr. Paul Steiner (SPS) statt.

    1964Erstmals steht der Umweltschutz

    am Bodensee im Mittelpunkt

    eines SBI-Vertrauensleute-Treffens, welches in

    Romanshorn tagt. Als fachkundige Referenten

    treten hierbei Stadtrat Roman Heinz (SP),

    Landtagsabgeordneter Dr. Karl Hberle (SPD)

    und Nationalrat Alfred Abegg (SPS), Stadtprsi-

    dent von Kreuzlingen, vor das Auditorium. Zur

    vertiefenden Errterung von Umweltschutz- und

    Raumordnungsangelegenheiten bildet sich aus

    dieser Konferenz heraus die Planungsgemein-

    schaft Bodensee der SBI.

    1965Als Ergebnis mehrerer Beratun-

    gen der vorerwhnten Pla-

    nungsgemeinschaft beschliet das Vorstands-

    gremium der SBI in Bregenz die sogenannte Bo-

    densee-Deklaration, welche nachhaltigen Um-

    welt- und insbesondere Gewsserschutz als zen-

    trale Forderungen beinhaltet.

    Ein hchstkartig besetztes Rednerpodium er-

    hebt das diesjhrige SBI-Freundschaftstreffen in

    Arbon zum meistbesuchten der Nachkriegszeit:

    Die prominentesten Kundgebungsredner und deren Gastgeber beim Treffen der 10.000 in Arbon 1965 (v.l.n.r.): Der Thurgauer

    Regierungsprsident Dr. Willy Sthelin, SBI-Prsident Ernst Rodel, Bundesrat Dr. Willy Sphler (SPS), Auenminister Dr. Bruno Kreisky,

    Regierender Brgermeister Willy Brandt (SPD)

    28

  • 10.000 Menschen verfolgen gebannt die Aus-

    fhrungen der sozialdemokratischen Spitzenpo-

    litiker Auenminister Dr. Bruno Kreisky (SP),

    Regierender Brgermeister und SPD-Vorsitzender

    Willy Brandt sowie Bundesrat Dr. Willy Sphler

    (SPS). Alle Redner befassen sich schwerpunkt-

    mig mit dem Europa-Gedanken, Willy Brandt

    beendet seine Ansprache mit einem abgewan-

    delten Kennedy-Zitat: Fragt nicht danach, was

    Europa fr Euch tut, sondern fragt, was ihr fr

    Europa tun knnt!

    Allerdings endet in Arbon auch der Reigen regel-

    mig wiederkehrender SBI-Grokundgebun-

    gen, an ihre Stelle treten fortan vermehrt the-

    menspezifische Fachkonferenzen. Die groen

    Internationalen Freundschaftstreffen werden

    jedoch, wie eingangs bereits erwhnt, nicht voll-

    kommen aufgegeben. Traditionelle und neuzeit-

    liche Veranstaltungen sollen in einem, an den

    Bedrfnissen der modernen Mediengesellschaft

    orientierten, angemessenen Verhltnis zueinan-

    der stehen.

    Arbeit schaffen - Umwelt schtzen - Frieden sichern

    Die Entwicklung der traditionsreichen Bodensee-Internationale zu einem moder-

    nen sozialdemokratischen Regionalverband

    1966Bei einer SBI-Sitzung im Kreuz-

    linger Stadthaus stehen erneut

    Fragen des Gewsser- und Landschaftsschutzes

    auf der Tagesordnung. Referate hierzu halten

    Landtagsabgeordneter Dr. Karl Hberle (SPD),

    Kantonsrat Josef Rickenbach und Nationalrat

    Alfred Abegg (beide SPS).

    Die Delegiertenversammlung des Jahres 1966 in

    Rorschach befat sich mit dem Thema Der bun-

    desstaatliche Aufbau der Schweiz, Vortragender

    ist Kantonsrat Josef Rickenbach (SPS). Bundesrat

    Anton Mayrhauser aus Bregenz vertritt fortan als

    Nachfolger Dr. Walter Peters die SP im SBI-

    Prsidium.

    Im Mittelpunkt eines SBI-Vertrauensleute-Treffens

    in Bregenz steht die Frage Regierungsbeteili-

    gung oder Opposition?. Diese wird aus der

    Sicht von Mannheims Brgermeister Walter

    Krause, Fraktionsvorsitzender der SPD im Land-

    tag von Baden-Wrttemberg, und dem Vorarl-

    berger Landesrat Josef Schoder (SP) beantwor-

    tet. Eine bernahme von Regierungsverantwor-

    tung ermgliche es der Sozialdemokratie, die

    politische Entwicklung mageblich mitzugestal-

    ten, so die Diskutanten. Sie berge jedoch auch -

    zumal in groen Koalitionen - erhebliche Risiken

    hinsichtlich des Selbstverstndnisses der Arbei-

    terInnenbewegung.

    1967In Konstanz erhlt eine SBI-

    Tagung zum Thema Die groe

    Koalition in der Bundesrepublik Deutschland

    Informationen aus erster Hand: Referent ist Prof.

    Dr. Horst Ehmke (SPD), Staatssekretr im Bun-

    desjustizministerium.

    Als prominenter Gastredner beim SBI-Diskus-

    sionsforum Christentum und Sozialismus kann

    der Wiener Journalist und Prsident der ster-

    reichischen Paulus-Gesellschaft DDr. Gnter

    Nenning auf dem Gebhardsberg bei Bregenz

    begrt werden. Mit dem praktizierenden Ka-

    tholiken und Sozialisten Nenning prsentiert die

    Bodensee-Internationale dem interessierten

    Publikum einen sowohl sachverstndigen als

    auch kritischen Wegbegleiter von Kirche und

    Sozialdemokratie, an dessen Auffassungen sich

    die Geister nicht nur im Jahr 1967 scheiden.

    1968In Romanshorn ldt die SBI zur

    Diskussion ber die Grundstze

    der Wirtschaftspolitik unserer Parteien in den drei

    Lndern ein und hat wiederum ein hochkarti-

    ges Referentenpodium vorzuweisen: Dr. Heinz

    Kienzl (SP), Generalrat der sterreichischen

    Nationalbank, Dr. Rudolf Morawietz (SPD), per-

    snlicher Referent des Bundeswirtschaftsmini-

    sters Prof. Dr. Karl Schiller und Dr. Max Baltens-

    perger, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPS.

    Im Oktober verstirbt SBI-Prsident Friedrich

    Fehrenbach (SPD) aus Friedrichshafen im Amt.

    Mit dem langjhrigen Friedrichshafener Kommu-

    nalpolitiker verliert die Sozialistische Bodensee-

    Internationale einen ihrer engagiertesten und

    profiliertesten Reprsentanten.

    29

  • 1969Das Vertrauensleute-Treffen in

    Arbon hat den Wirtschaftswis-

    senschaftler und frheren Vize-Ministerprsi-

    denten der CSSR, Prof. Ota Sik, zu Gast. Er

    beleuchtet die politische und wirtschaftliche

    Entwicklung der Tschechoslowakei nach der Nie-

    derschlagung des Prager Frhlings. Sachkun-

    dige Diskutanten sind alt Bundesrat Prof. Dr. Max

    Weber und der Thurgauer Regierungsrat Rudolf

    Schmperli (beide SPS).

    SPD-Parteigeschftsfhrer Georg Heidak ist nun-

    mehr neues SBI-Prsidiumsmitglied fr die deut-

    sche Sozialdemokratie anstelle des verstorbenen

    Friedrich Fehrenbach.

    1971Zum Bodensee-Treffen von SBI

    und SPD mit Bundeskanzler Willy

    Brandt (SPD) sowie Baden-Wrttembergs sozial-

    demokratischem Innenminister Walter Krause in

    der Ravensburger Oberschwabenhalle kommen

    4.000 TeilnehmerInnen. Brandt verteidigt hierbei

    die Ostpolitik der SPD-gefhrten deutschen

    Bundesregierung und betont, da er nicht daran

    denke, eine Spaltung Deutschlands rechtmig

    zu billigen und den Trennungsstrich zu den Kom-

    munisten verwischen zu lassen. Fr erhebliche

    Aufregung sorgt bereits im Vorfeld dieser Veran-

    staltung eine vermeintliche Attentatsdrohung

    gegen Willy Brandt, welche dazu fhrt, da sich

    ein Groaufgebot von 90 Polizeikrften um die

    Sicherheit des Bundeskanzlers in Ravensburg be-

    mht. Zudem dokumentiert das Ravensburger

    Bodensee-Treffen deutlich, da Oberschwaben

    nach wie vor alles andere als ein Stammland

    der Sozialdemokratie darstellt: SPD-Lautspre-

    cherwagen, welche auch in den Landgemeinden

    um Ravensburg Werbefahrten zur Grokundge-

    bung durchfhren, werden dort von drohenden

    Bauern mit Mistgabeln und unzweideutigen

    Handbewegungen empfangen, womit diese

    Bauern laut Schwbischer Zeitung zu verstehen

    geben wollen, da sie in Bonn Kpfe rollen

    sehen mchten.

    In der Sdtiroler Provinzhauptstadt Bozen grn-

    det sich ein Arbeitsgemeinschaft der Sozialisti-

    schen Parteien der Alpenregion (ASA), welcher

    spter auch die Sozialistische Bodensee-

    Internationale beitritt.

    1972Eine SBI-Delegation besucht den

    Deutschen Bundestag in Bonn.

    Deren Erfahrungsbericht steht im Mittelpunkt des

    diesjhrigen Delegiertentreffens in Arbon. Aus-

    serdem whlen die dort versammelten Delegier-

    ten ein runderneuertes SBI-Prsidium: National-

    rat Roman Heinz aus Feldkirch ersetzt Anton

    Mayrhauser als SP-Vertreter im dreikpfigen

    Fhrungsgremium, der Konstanzer Bundestags-

    abgeordnete Fritz-Joachim Gndinger (SPD)

    kommt fr Georg Heidak und Kantonsrat Josef

    Rickenbach aus Arbon tritt die Nachfolge des

    bisherigen SPS-Vertreters Ernst Rodel an.

    1973Neuregelungen der gesetzlichen

    Bestimmungen zum Schwanger-

    schaftsabbruch bewegen die Gemter in den

    Bodensee-Anrainerstaaten und sind somit auch

    zentrales Thema eines SBI-Vertrauensleute-Tref-

    fens in Bregenz. Es referieren die Prsidentin der

    SPS-Frauen Marie Boehlen, Hellmut Schrholz

    (SPD) und Nationalrtin Anneliese Albrecht

    (SP).

    Eine Internationale Arbeitnehmerkonferenz

    fhrt rund 350 TeilnehmerInnen in die Stadthalle

    des oberschwbischen Tettnang. Zu ihnen spre-

    chen Vizekanzler Ing. Rudolf Huser (SP), SPS-

    Prsident Nationalrat Dr. Arthur Schmid, Bundes-

    minister Walter Arendt (SPD) und sein Kabinetts-

    kollege Dr. Erhard Eppler (SPD) sowie Karl

    Schwab, DGB-Landesvorsitzender von Baden-

    Wrttemberg. Themen sind soziale Sicherheit,

    Humanisierung der Arbeitswelt und betrieb-

    liche Mitbestimmung. Hauptredner Walter

    Arendt kndigt in diesem Zusammenhang zu-

    stzliche Gesetzesinitiativen der deutschen Sozi-

    aldemokratie fr eine menschengerechtere

    Gestaltung der Arbeit an.

    Weitere SBI-Konferenzen beschftigen sich mit

    den Schwerpunktthemen der Autobahnfhrung

    im stlichen Bodenseeraum sowie dem Umwelt-

    schutz. Letzterer steht im Mittelpunkt einer

    groen SBI-Bodenseekonferenz in Bregenz mit

    den Vortragenden Nationalrat Dr. Hans Schmid

    (SPS), Landtagsabgeordnetem Claus Weyrosta

    (SPD) und dem Vorarlberger Landesrat Ernst

    Winder (SP). Als besondere Herausforderung

    30

  • Aktivitten der SBI in den frhen 70er Jahren, unten die vollbesetzte Ravensburger Oberschwabenhalle beim Bodensee-Treffen 1971 - der

    eingefgte Bildausschnitt zeigt SPD-Kreisvorsitzenden Kurt Rckstie und Bundeskanzler Willy Brandt auf dem Rednerpodium

    31

  • wird hierbei die zunehmende Verschmutzung des

    Bodensees angesehen.

    Auf Anregung von Hermann Dorfmller (SPD

    Lindau) kommt es whrend dieses Jahres auch

    mehrfach zu einem intensiven Gedankenaus-

    tausch zwischen den Jungsozialistinnen und

    Jungsozialisten der Bodenseeregion.

    1975Das SBI-Vertrauensleute-Treffen

    auf dem Gebhardsberg bei

    Bregenz befat sich mit Fragen der Wirtschafts-

    politik. Es referieren Nationalrat Dr. Rolf Weber

    (SPS), Rudolf Bindig (Mitglied des SPD-Landes-

    vorstandes in Baden-Wrttemberg), und Dr.

    Heinz Kienzl (SP), Vizeprsident der ster-

    reichischen Nationalbank. Rudolf Bindig aus

    Allensbach wird zudem als neuer SPD-Vertreter

    und Nachfolger Fritz-Joachim Gndingers in das

    Prsidium der Sozialistischen Bodensee-Inter-

    nationale gewhlt.

    1977Stand und Zukunftsprobleme

    der Sozialversicherungen im Bo-

    denseeraum ist das Thema des SBI-Vertrauens-

    leute-Treffens in Bregenz. Als Hauptreferent fun-

    giert Bundestagsabgeordneter Hans Geiger

    (SPD), welcher sein umfassendes Fachwissen

    nicht nur aus der parlamentarischen Arbeit, son-

    dern auch aus dem Engagement im Landes- und

    Bundesvorstand der deutschen Ortskrankenkas-

    sen bezieht.

    1978Erstmals und gleich mit zwei

    Konferenzen tagt die Bodensee-

    Internationale in Langenargen (D). Gemeinsam

    mit der Friedrich-Ebert-Stiftung wird ein Seminar

    zur Vollbeschftigungspolitik abgehalten. Kurze

    Zeit darauf findet auf Schlo Montfort ein Eu-

    ropa-Parteitag von SPD und SBI statt, bei wel-

    chem Europa-Abgeordneter Horst Seefeld (SPD)

    zu mehr als 100 TeilnehmerInnen ber die

    Aufgaben des im kommenden Jahre erstmals di-

    rekt zu whlenden Europischen Parlaments

    spricht.

    1981Zunehmend bestimmt das Thema

    Verkehrspolitik die Diskus-

    sionsforen der SBI. Auf der jhrlichen Delegier-

    tenversammlung, welche 1981 in Rorschach

    stattfindet, beschftigen sich die Anwesenden mit

    dem Projekt Splgenbahn - eine neue Alpen-

    transversale aus dem Bodenseeraum; es refe-

    riert Nationalrat Prof. Dr. Hans Schmid (SPS).

    Diese Delegiertenversammlung verabschiedet

    sodann eine Resolution zur Befrwortung des

    Splgen-Projektes als bester Lsung zur knf-

    tigen Bewltigung des europischen Nord-Sd-

    Verkehrs.

    1982Der Bodensee als Wirtschafts-

    raum steht im Mittelpunkt eines

    SBI-Vertrauensleute-Treffens in der Lindauer

    Inselhalle. Als Vortragende fungieren der

    Thurgauer Arbeitersekretr Kantonsrat Walter

    Wthrich (SPS), der Leiter des Landesarbeitsam-

    tes Vorarlberg, Mag. Norbert Neururer (SP)

    und Heinz Siefritz (SPD), Vorsitzender des

    Deutschen Gewerkschaftsbundes im Bodensee-

    kreis. Die Referenten befassen sich sowohl mit

    dem gegenwrtigen Stand und den Zukunfts-

    aussichten der regionalen Wirtschaft als auch mit

    den absehbaren ungnstigen Entwicklungen auf

    dem Arbeitsmarkt.

    Auf einer stark besuchten SBI-Maifeier im Bre-

    genzer Festspielhaus ergreifen Kantonsrat Josef

    Dahinden (SPS), Bundestagsabgeordneter Rudolf

    Bindig (SPD) und Nationalrat Roman Heinz

    (SP) das Wort. Angesichts der bevorstehenden

    Nationalratswahl in der Alpenrepublik ruft Rudolf

    Bindig dem sterreichischen Publikum zu: Er-

    halten Sie sich Ihre sozialistische Mehrheit! -

    dieser Wunsch geht leider nicht in Erfllung.

    1983Zum Bodensee-Treffen der SBI

    in Bregenz kommen, neben

    1.000 Gsten, Alt-Bundeskanzler Willy Brandt

    (SPD), Prsident der Sozialistischen Internatio-

    nale, und sterreichs Bundeskanzler Dr. Fred

    Sinowatz (SP). Die Veranstaltung steht unter

    dem Motto Arbeit schaffen - Umwelt schtzen -

    Frieden sichern. Willy Brandt bringt seine damit

    verbundene Hoffnung zum Ausdruck, da die

    Verwirklichung des Nachrstungsteils im NATO-

    Doppelbeschlu durch ein Gipfeltreffen der

    Staatsmnner Reagan (USA) und Andropow

    32

  • (UdSSR) doch noch vermieden werden knne.

    Dr. Fred Sinowatz erlutert den Anwesenden das

    Regierungsprogramm seiner sozialliberalen Koa-

    lition und stellt angesichts sozialdemokratischer

    Wahlniederlagen in sterreich sowie Grobri-

    tannien fest, da den Sozialisten derzeit ein rau-

    her Wind konservativer Gedanken entgegen

    weht. Gruworte sprechen zudem Regierungsrat

    Florian Schlegel (SPS) und - als Gastgeber -

    Dipl.Ing. Fritz Mayer, sozialdemokratischer

    Brgermeister der Landeshauptstadt Bregenz.

    Fritz Mayer, einer der populrsten Politiker seiner

    Zeit am Bodensee und selbst aktives SBI-Vor-

    standsmitglied, geniet auch auerhalb der So-

    zialdemokratie hohes Ansehen, was nicht zuletzt

    darin zum Ausdruck kommt, da er die Stadt

    Bregenz im ansonsten mehrheitlich schwarzen

    Vorarlberg mit einer absoluten SP-Mehrheit

    regieren kann.

    Eine Internationale Arbeitnehmerkonferenz im

    Bregenzer Gewerkschaftshaus hrt Referate zur

    aktuellen Sozialpolitik von Nationalrat Prof. Dr.

    Hans Schmid (SPS), Bundestagsabgeordnetem

    Rudolf Bindig (SPD) und Sozialminister Alfred

    Dallinger (SP).

    1984Die SBI-Delegiertenversammlung

    in Bregenz widmet sich dem

    Waldsterben im Bodenseeraum, begleitet von

    sachkundigen Ausfhrungen des Vorarlberger

    Landtagsabgeordneten Ernst Winder (SP).

    Aktuelle innenpolitische Ereignisse sterreichs

    sind Hauptinhalt eines weiteren Referates von

    Finanzminister Dr. Herbert Salcher (SP). Aus-

    serdem wird SPS-Kantonsrat Josef Dahinden aus

    Goldach als Nachfolger Josef Rickenbachs in

    das SBI-Prsidium gewhlt.

    1985Das SBI-Vorstandsgremium ver-

    abschiedet auf seiner Sitzung in

    Bregenz eine Resolution fr Frieden, Vlkerver-

    stndigung und Menschenrechte anllich der

    40. Wiederkehr des 8. Mai 1945 und protestiert

    gegen ein geplantes Treffen ehemaliger SS-An-

    gehriger in Nesselwang (Allgu).

    Auto und Umwelt sind das bestimmende Dis-

    kussionsthema des diesjhrigen Vertrauens-

    leute-Treffens in Friedrichshafen. Als fachkundige

    Referenten haben sich ARB-Landessekretr

    Othmar Gabrielli (SP), Werner Vetterli (SPS),

    Ein gern gesehener Gast am Bodensee: SI-Prsident Willy Brandt bei seinem dritten Auftritt vor der SBI in Bregenz 1983, empfangen vom SBI-

    Prsidenten Roman Heinz (SP)

    33

  • der Vorsteher des St. Galler Amtes fr Schiffahrt

    und Verkehr, sowie Hans-Jrgen Wicht (SPD),

    ehemaliger Rufbus-Geschftsfhrer in Fried-

    richshafen, zur Verfgung gestellt.

    Eine weitere Tagung in Bregenz befat sich mit

    der Mllentsorgung im Bodenseeraum. Hierbei

    sprechen Nationalrat Hans Rohrer (SPS), Kan-

    tonsrat Dr. Andres Gut (SPS), Willi Bernhard

    (SPD) und Landtagsabgeordneter Mag. Peter

    Spannring (SP) ber zukunftsweisende Kon-

    zepte in der Abfallwirtschaft.

    1986SBI-VertreterInnen beteiligen sich

    an einer von der SP Arbon aus-

    gerichteten Feier zum 85. Geburtstag Ernst Ro-

    dels am Vorabend seines Festtages. Ernst Rodel,

    langjhriger SPS-Parlamentarier, Redaktor der

    Thurgauer Arbeiterzeitung und stets agiler Mit-

    streiter der Bodensee-Internationale, hatte Eh-

    rungen durch die sozialdemokratische Bewe-

    gung bislang bescheiden zurckgewiesen. 1984,

    nach 36-jhriger Prsidiums- und Vorstands-

    ttigkeit in der SBI, beendete er sein Abschieds-

    schreiben an Prsident Roman Heinz mit den

    Worten: Ich will keine Dankesrede.

    1987Eine Delegiertenversammlung in

    Friedrichshafen greift erneut das

    Splgen-Bahn-Projekt auf und fordert dessen

    Verwirklichung. Die Referate zum Thema Gter-

    verkehr im Alpentransit halten Kantonsrat Jakob

    Rothenberger (SPS), Gemeindeammann von

    Buchs, Landtagsabgeordneter Karl Falschlunger

    (SP) und Bundestagsabgeordneter Rudolf

    Bindig (SPD). Karl Falschlunger aus Bregenz,

    Ober-Kapitn bei der Weien Flotte, wird 1987

    als Nachfolger von Roman Heinz ins SBI-

    Prsidium gewhlt.

    1988Die Sozialistische Bodensee-

    Internationale feiert mit rund

    300 Gsten das Dreier-Jubilum 125 Jahre

    SPD - 100 Jahre SP - 100 Jahre SPS im

    Rahmen einer Bodensee-Schiffahrt an Bord der

    MS sterreich. Gruworte aller drei nationalen

    Parteivorsitzenden - Helmut Hubacher (SPS), Dr.

    Franz Vranitzky (SP) und Dr. Hans-Jochen Vo-

    gel (SPD) - werden verlesen.

    Das Vorstandsgremium verabschiedet anllich

    seiner Sitzung in St.Margreten (CH) eine Reso-

    lution zum Ausstieg aus der Kernenergie und zur

    Verhinderung des Baus einer atomaren Wieder-

    aufarbeitungsanlage in Wackersdorf (Ober-

    pfalz).

    1989Ein Sozialismus-Symposium

    des Ludwig-Bolzmann-Instituts

    fr neuere sterreichische Geistesgeschichte auf

    Schlo Hofen oberhalb Lochaus (A) befat sich

    mit der Frage Ein Jahrhundert Sozialdemokratie

    im Bodenseeraum - Ende oder Anfang?. SPD-

    Bundestagsabgeordneter Rudolf Bindig richtet

    als amtierender SBI-Prsident ein Gruwort an

    die VeranstaltungsteilnehmerInnen.

    Das SBI-Vertrauensleute-Treffen in Bregenz wid-

    met sich dem Thema ArbeitnehmerInnen und

    der EU-Binnenmarkt. Hierzu sprechen Kan-

    tonsrat Josef Dahinden (SPS), Europa-Abgeord-

    neter Dr. Rolf Linkohr (SPD) und Nationalrtin

    Gabriele Traxler (SP).

    1990Gemeinsame Kundgebung mit

    Naturschutzverbnden in Ror-

    schach gegen den Ausbau des Flughafens Al-

    tenrhein. Fr die SBI sprechen Landtagsab-

    1987: Initiative fr den Splgen-Bahntunnel

    34

  • geordneter Norbert Zeller (SPD) und Nationalrat

    Paul Rechsteiner (SPS) zu den 1.000 Teilneh-

    merInnen, auerdem wird in Bregenz eine inter-

    nationale Pressekonferenz zu diesem Thema ab-

    gehalten.

    Landtagsabgeordneter Norbert Zeller aus Fried-

    richshafen ist ab diesem Jahr auch neues SBI-

    Prsidiumsmitglied und ersetzt fortan den bishe-

    rigen SPD-Vertreter Rudolf Bindig.

    1992ffentlicher Verkehr im Boden-

    seeraum heit das zentrale

    Thema des diesjhrigen Vertrauensleute-Treffens

    in Romanshorn. Referent ist u. a. Kurt Altherr

    (SPS) von den Schweizerischen Bundesbahnen.

    Der Ausbau des ffentlichen Personennahver-

    kehrs wird hierbei als wichtiger Bestandteil sozi-

    aldemokratischer Verkehrspolitik hervorgeho-

    ben. Anschlieend whlen die Delegierten den

    Romanshorner Gemeindeammann Walter Ande-

    res als Nachfolger Josef Dahindens zum Vertre-

    ter der eidgenssischen Sozialdemokratie im

    SBI-Prsidium.

    Eine geplante Diskussionsveranstaltung in Kon-

    stanz ber Zuwanderungs- und Asylprobleme

    mu wegen des Todes von Willy Brandt abgesagt

    werden.

    1993Auf ihrer Konferenz in Romans-

    horn setzt sich die SBI intensiv mit

    der Euregio Bodensee und deren Zukunftsper-

    spektiven auseinander. Nach Vortrgen von

    Europa-Abgeordnetem Dr. Rolf Linkohr und

    Landtagsabgeordnetem Norbert Zeller (beide

    SPD) wird als zentraler Beschlu die Forderung

    der Errichtung eines demokratisch legitimierten

    Das Gipfeltreffen auf dem Gebhardsberg 1994 (v.l.n.r.): Landtags-Vizeprsident Karl Falschlunger (SP), SPD-Vorsitzender

    Mininisterprsident Rudolf Scharping, SP-Vorsitzender Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky, Bundesprsident Dr. Otto Stich (SPS),

    Gemeindeammann Walter Anderes (SPS) und Bundestagsabgeordneter Rudolf Bindig (SPD)

    35

  • grenzberschreitenden Gremiums zur politi-

    schen Beratung und Koordinierung in der

    Bodenseeregion, kurz Bodensee-Parlament

    genannt, erhoben.

    Eine weitere Zusammenkunft in Bregenz befat

    sich mit Europa zwischen Wirtschaftsgemein-

    schaft und Europischer Union, Gastredner ist

    Europa-Abgeordneter Jannis Sakellariou (SPD).

    1994Bei ihrem ersten Bahnforum in

    Lindau fordert die SBI den Aus-

    bau der Bodensee-Grtelbahn. Kurz zuvor hat-

    te eine 40-kpfige SBI-Delegation dieselbe be-

    fahren und war mit dem Zug nach Schaffhau-

    sen gereist, wo sie von Regierungsrat Ernst Neu-

    komm (SPS) empfangen wurde.

    Die 75-Jahr-Feier des SPD-Ortsvereins Langen-

    argen dient gleichzeitig als Internationales

    Freundschaftstreffen der SBI und fhrt Dele-

    gationen vom Rheinfall bis zum Allgu in der

    vollbese