Bausteine | Dezember 2015

Embed Size (px)

DESCRIPTION

- Glauben gestalten - Worauf warten wir? - Von Weihnachten bis Ostern - Sonst noch Fragen? - Mit Jesus unterwegs 1 - Ein Werdegang - Antworten auf Bedrängenden Fragen finden

Text of Bausteine | Dezember 2015

  • Glauben gestaltenIm Januar erscheint mit Glauben gestalten das dritte Gruppenheft der editionVBG. Es soll Gruppen helfen, die eigene Glaubenspraxis zu reflektieren und zu erweitern. Damit nimmt es ein zentrales Anliegen der langjhrigen VBG-Geschichte auf.

    In der ber 60-jhrigen Geschichte der VBG kam es immer wieder zu geistli-chen Aufbrchen. Diese Erfahrungen liegen dem neuen Gruppenheft Glau-ben gestalten zugrunde. Es knpft an die sechs spirituellen Traditionen der VBG an, die Felix Ruther 2004 in einer Spezialausgabe der Bausteine vorstell-te. Im Interview nehmen Studienleiter Felix Ruther (FR) und Ruth Maria Michel

    (RMM), die das Ressort Spiritualitt ver-antwortet, Stellung zur Glaubenspraxis der VBG.

    Welche Glaubenspraxis ist heute typisch fr die VBG?

    FR: Die VBG verstand sich seit An-beginn als Bewegung, die in der Welt des Denkens in Gymnasien, hheren Lehranstalten, Universitten und aka-

    demischen Berufen den Glauben an Jesus Christus praktiziert. Das fhrt uns immer wieder zu unserem Referenztext, zur Bibel, aber auch zur denkerischen Begrndung unseres Glaubens.

    RMM: Wir mchten offen sein fr die Eingebungen des Heiligen Geistes und versuchen, in unseren verschiedenen T-tigkeitsfeldern den christlichen Glauben zu vermitteln. Als typisch fr die VBG erlebe ich, dass verschiedene Frmmig-keitsstile nebeneinander Platz haben.

    Neben dem apostolischen Glaubens-bekenntnis beruft sich die VBG auf

    bausteineVBG-Nachrichten Dezember 15

  • sechs spirituelle Traditionen, die auch die Grundlage des neuen Gruppenhefts Glauben gestal-ten bilden. Weshalb gerade diese sechs?

    FR: Als ich 1996 als Leiter der VBG eingesetzt wurde, sah ich es als wichtige Aufgabe, mich mit der Ge-schichte unserer Bewegung vertraut

    zu machen. Dabei entdeckte ich The-men, die sich durch all die Jahre hin-durchziehen. Diese praktischen Sei-ten unseres Glaubenslebens fassten wir in Anlehnung an Richard Foster und die Renovare-Bewegung in sechs Traditionen zusammen, die auf kirchengeschichtliche Entwicklun-gen zurckgehen. Es htten auch fnf oder sieben sein knnen. Bei Foster war zum Beispiel die Scholas-tik nicht dabei, die fr die VBG sehr wesentlich ist.

    Darf man sich die Zutaten fr den eigenen Glauben denn einfach so zusammensuchen?

    RMM: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus, schreibt Paulus (1 Korinther 3,11). Das ist fr mich nicht verhandelbar. Wenn ich in Christus fest gegrndet bin, dann

    gibt mir das die Freiheit, mich auf Neues und Unbekanntes einzulas-sen, ohne dabei Angst zu haben.

    FR: Bei den Zutaten sage ich klar Ja. Die Sicht auf andere Umset-zungsformen des christlichen Glau-bens kann fr mein Leben wertvolle Impulse vermitteln. Wenn es aber um das Zentrum des Glaubens geht, kommt das Zusammensuchen nicht in Frage. Das Zentrum beken-nen wir im apostolischen Credo.

    Die Impulse im Heft Glauben ge-stalten haben einen engen Bezug zur Geschichte der VBG.

    FR: Wir haben in der VBG ver-schiedene Wellen erfahren, die stark von einzelnen Persnlichkeiten ge-prgt wurden. Stille und Kontemp-lation waren schon fr Hans Brki, den Grnder unserer Bewegung, sehr zentral. Brki schwebte vor, dass in Rasa, wie bei den Kartusern, kleine Zellen oder Huschen entste-hen sollten, in denen Rckzug und Schweigen mglich wre.

    RMM: Ich bin 1978 als Studen-tin zur VBG gekommen, das war die charismatische Hochphase. Im Neujahrskurs fr Studierende gab es damals freie Gottesdienste, in denen das Sprachengebet selbstverstnd-lich dazu gehrte.

    FR: Im Rahmen einer Zusam-menarbeit der katholischen und reformierten Kirche mit der VBG entstand in den Siebzigerjahren die charismatisch-kumenisch ausge-richtete Bewegung Gemeinde, Ga-ben, Dienste, die Konferenzen mit Hunderten von Teilnehmenden or-ganisierte. Robert Regg schrieb da-

    mals kurze Handreichungen zu cha-rismatischen Themen, welche grosse Verbreitung fanden.

    Ebenfalls in jener Zeit geschah in Basel um Daniel Moser und spter Ewald Rieser ein so grosser charis-matischer Aufbruch, dass in der VBG heftig darber diskutiert wurde, ob wir Gemeinden grnden sollten. Da-mals siegte die kirchliche Fraktion, welche diese berlegungen verwarf.

    Die intellektuelle Auseinander-setzung mit Zeitstrmungen nahm schon in der Grnderzeit einen wich-tigen Platz ein. Hanspeter Schmutz betonte dann in den Neunziger-jahren mit dem Begriff integrier-tes Christsein einen Glauben, der bewusst alle Lebensbereiche einbe-zieht, auch die Wissenschaft, die Kultur und die Finanzwelt. Nichts soll der Herrschaft Gottes entzogen sein! Damit wurden auch Themen wie Umweltschutz oder soziale Ge-rechtigkeit wichtig.

    Was war sonst noch prgend fr die VBG?

    RMM: Als ich am ersten Tag mei-nes Studiums die VBG kennenlernte, begeisterte mich der visionre und gleichzeitig sehr pragmatische An-satz, der mir dort begegnete: Wenn du zu wenig Zeit hast, um tglich eine halbe Stunde mit Gebet und Bibellesen zu verbringen, dann bete lieber fnf Minuten, das ist besser als nichts. Oder eine andere Lektion von Rolf Lindenmann, die mir als Studentin mit vielen Minderwertig-keitskomplexen geholfen hat: Pro-biere etwas drei Mal aus, und wenn es dann immer noch nicht klappt,

    Die VBG nahm in vielen Fragen eine wegbereitende Rolle ein Ruth Maria Michel und Felix Ruther im Gesprch ber Spiritualitt in der VBG.

    WennichinChristusfestge-grndetbin,danngibtmirdasdieFreiheit,michaufNeuesundUnbekannteseinzulassen,ohnedabeiAngstzuhaben.

    inputspiritualitt

    bausteine dezember 152

  • dann kannst du sagen, dass du es nicht kannst; nicht vorher! Und gleichzeitig das Visionre: Was die grossen Mglichkeiten Gottes sind, wenn sich Menschen ihm ganz ber-lassen.

    FR: Rckblickend stelle ich fest, dass die VBG in vielen Fragen eine wegbereitende Rolle eingenommen hat. Von Walter Gasser und Hans Brki kamen zum Beispiel entschei-dende Impulse fr die Hauskreisbe-wegung in der reformierten Kirche. Beide waren auch daran beteiligt, Verbindungen zwischen christlichem Glauben und moderner Psychologie zu finden. Auch das kumenische

    Miteinander war und ist uns sehr wichtig. Als man in der evangelikalen Szene die katholische Kirche noch oft als die grsste Sekte titulierte, wurde ich als Katholik von der VBG angestellt.

    Spiritualitt ist in. Was unter-scheidet die Angebote der VBG von dem, was sonst geboten wird?

    RMM: Es ist eine klar christuszen-trierte und auf der Bibel basierende Spiritualitt, die gleichzeitig sehr praktisch ist: Was ist mein nchster, konkreter Schritt, wenn ich nach

    diesen fnf Tagen in Rasa wieder daheim bin? Und nicht zuletzt: Eine grosse Weite dass man in allem, was die VBG tut, jene Freiheit schmeckt, die Gott durch seinen Heiligen Geist schenkt.

    Welche Herausforderungen punk-to Glauben gestalten begegnen euch heute?

    RMM: Glauben gestalten bedeu-tet, in der Beziehung mit Gott zu bleiben. Wenn ich mich Gott entzie-he vielleicht, weil ich enttuscht wurde oder keine Lust habe, in seiner Gegenwart zu sein dann bleibt der Glaube bald auf der Strecke. Gerade fr Menschen, die Enttuschungen erlebt haben, ist es wichtig, dass sie sich immer wieder neu Gott anver-trauen. Es ist ein Irrtum, dass Beten oder Bibellesen nicht echt ist, wenn man keine Lust darauf hat. Es ist schn, wenn Gefhle da sind. Liebe lebt aber auch von Treue ohne Ge-fhle. Von 50 Mal niederknien zum Gebet habe ich vielleicht ein Mal eine gefhlsmssige Regung. Die anderen 49 Male ermglichen mir, hellhrig zu werden fr Gottes Reden im All-tag. Edith Stein sagt es so: Warten auf Gott ist eine gesegnete Zeit.

    FR: Ich sehe drei grosse Heraus-forderungen. Schon Kierkegaard brachte es auf den Punkt: Das ers-te, was getan werden muss, und die unbedingte Voraussetzung dazu, dass berhaupt etwas getan werden kann, ist schaffe Schweigen! Ge-biete Schweigen! Gottes Wort kann ja sonst nicht gehrt werden. Zwei-tens sollten wir in unserer Bibellek-

    tre wieder den grossen Zusammen-hang der Heilsgeschichte suchen und nicht nur das persnliche Heil so wichtig das fr die einzelne Person auch ist. Und drittens brauchen wir Menschen, die in der evangelisti-schen Situation vernnftige Antwor-ten geben knnen. In diesem Bereich braucht es noch viel Schulung.

    Zum Schluss eine Frage aus dem neuen VBG-Gruppenheft: Auf welche Weise kommt euer Glaube im Alltag zum Ausdruck?

    RMM: Tagsber bete ich immer wieder den Satz Herr, erbarme dich! Wenn ich eine Ambulanz hre, oder Zeitung lese, aber auch bevor ich eine Person treffe: Herr, erbar-me dich!

    FR: Vor Jahren besuchte uns ein Freund, der gerade seine zuknftige Frau seine Hedi kennengelernt hatte. Alles erinnerte ihn an Hedi: Danke fr das gute Essen Hedi kann auch gut kochen. Ihr habt ei-nen neuen Wandbehang Hedi hat einen Rock in genau dieser Farbe. Seit jenem Besuch praktiziere ich die Hedi-bung: Ich versuche, in allen Dingen Hinweise auf Gott, meinen Geliebten, zu entdecken.

    felix ruther felix.ruther@vbg.net ruth maria michel ruthmaria.michel@vbg.net die interviewfragen stellte jonas brtschi.

    Ichversuche,inallenDingenHinweiseaufGott,meinenGelieb-ten,zuentdecken.

    Spiritualittsgruppe Seit einigen Jahren treffen sich in Zrich immer am vierten Mittwoch des Monats 15 bis 20 Personen.Unter dem Motto Viele Quellen hat der Strom gehen wir den sechs in der VBG gepflegten spirituellen Traditionen nach. In kleinen Gesprchsgruppen tauschen wir aus, wie es uns auf unserem bungsweg geht und was wir mit Gott erlebt haben. Jetzt ist eine gute Gelegenheit, neu in die Gruppe einzusteigen. Fr einen Schnupperbesuch kann man sich bei Markus Lerchi melden. (markus.lerchi@vbg.net)

    Glauben gestalten: Jetzt Hefte bestellen! Die Gruppenhefte der editionVBG knnen ber unsere Webseite oder das VBG-Sekretariat bestellt werden: Tel. 044 262 52 47, www.vbg.net/editionVBG

    Stille Wochenenden und me