Bausteine | Februar 2008

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» Atheismuswahn gegen Gotteswahn (Felix Ruther) » Literatur zwischen Lust und Frust (Doris Liechti) » Renovare-Kurs (Thomas) » Jesu 'Masterstudiengang' - Das Unser Vater (Martina Bertschi) » Anwendbares Expertenwissen (Matthias Kägi) » Überzeugendes Konzept (Anne-Lise Diserens)

Text of Bausteine | Februar 2008

  • Zoom: Krzlich ist das Buch des atheistischen Naturwissen-schaftlers Richard Dawkins Der Gotteswahn in deutscher Sprache erschienen. Warum melden sich die Atheisten gerade in diesen Tagen zurck?Felix Ruther: Da spielen verschiede-ne Faktoren zusammen:

    1. In den letzten zehn Jahren ist die allgemeine Religiositt nicht ausgestorben, sondern hat zuge-

    nommen. Sie wurde wieder zum Gesprch. Das ruft auch eine Gegen-reaktion hervor. Wenn Dawkins so aggressiv schreibt, kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass da jemand Angst um die Zukunft des Atheismus hat. Denn nur wer Angst hat, schreibt so fundamentalistisch wie Dawkins.

    2. Die Attentate der Islamisten sind vermutlich der noch wichtigere Faktor. Atheisten wie Dawkins sehen

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    ^cejiq6i]Z^hbjhlV]c\Z\Zcc]VaiAls VBG unterwegsPersnliche Bilanz des VBG-Leiters nach den Beschlssen des Vorstandes vom Juni 2007

    Die Entscheidungen des VBG-Vorstandes zur Fokussierung der VBG-Arbeit haben viel ausgelst, insbesondere auf der emotionalen Ebene. Verschie-dene Mitarbeitende und Freunde sind enttuscht und verletzt worden und fhlten sich bergangen.

    Mir wurde neu bewusst: Wenn Menschen mitein-ander unterwegs sind, geschehen Verletzungen und Enttuschungen. Dieser Tatsache mssen wir in die Augen schauen. Aus falscher Frmmigkeit drfen wir sie nicht verschweigen oder sofort zudecken. Nein, alle mssen sich diesen Verletzungen stellen. Wir mssen anerkennen, dass wir verletzlich sind und dass wir durch unser Handeln auch andere verletzen. Beide Seiten brauchen einen Verarbei-tungsprozess, der nicht abgekrzt werden darf. Diesem Prozess mssen wir uns stellen, auch wenn er schmerzlich ist und Zeit braucht.

    In den letzten Monaten suchte ich direkte Begeg-nungen mit Mitarbeitenden und Freunden. Begeg-nungen, die ermglichten, dem anderen in die Augen zu schauen und zu erahnen, was das Gegenber denkt und fhlt. Diese Begegnungen helfen mir, das Gegenber in seiner Persnlichkeit wahrzunehmen. Sie machen es mglich, einander zuzuhren, sich zu entschuldigen und ehrlich zu vergeben. Auf einer solchen Basis knnen wir miteinander weitergehen.

    Im letzten Herbst wurde mir mehrfach vorge-worfen, ich wrde meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht wertschtzen. Wenn durch meine usserungen und Reaktionen dieser falsche Ein-druck entstand, mchte ich mich entschuldigen. Die VBG lebt von ihren Mitarbeitenden. Sie sind das Wertvollste, davon bin ich zutiefst berzeugt.

    Fr die nchsten Monate wnsche ich mir noch viele weitere Begegnungen, in denen sich die Be-teiligten in die Augen schauen. Begegnungen, die aufgrund eines ehrlichen Gesprchs dazu fhren, Entschuldigung zu sagen. Ich wnsche uns viel Weisheit.

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    wird. Es kann Biologen wie Dawkins nicht kalt lassen, wenn wissenschaft-liche Fakten und allgemein aner-kannte Th eorien bis vor den Gerich-ten bekmpft werden.

    Was sind seine hauptschlichen Argumente gegen die Religion?Der Gott, an den Dawkins nicht glaubt, ist ein kleinlicher berwa-chungsfanatiker; ein blutrnstiger ethnischer Suberer, ein frauenfeind-licher, homophober, rassistischer, Kinder und Vlker mordender, sado-masochistischer Tyrann (S. 45).

    Den Glauben an einen solchen Gott muss man schon aus ethischen Grnden bekmpfen. Wenn man so Dawkins Kinder mit dem Glauben an einen solchen Gott erzieht, sei das schlicht Kindsmisshandlung.

    Religion ist fr Dawkins per se bse, sie ist wie ein Virus in unseren Kpfen. Dawkins fhrt dann auch das ganze Panoptikum irregeleiteter Religiositt an. Das traurige an die-ser Aufzhlung ist denn auch, dass sich viele, die sich Christen nennen, so anders als ihr Meister verhalten.

    Zum einen ist Dawkins also ge-gen die Religion, weil er glaubt, dass die Welt ohne Religion besser wre eine Behauptung, die leicht aufge-stellt, aber nicht berprft werden kann. Zum anderen weil er und das zum Teil zu Recht in der in den USA verbreiteten fundamentalistischen Religiositt eine Gefahr fr den wis-senschaftlichen Fortschritt sieht.

    Er unterscheidet aber nie klar zwischen Religion und dem Glau-ben an Gott - was nicht dasselbe ist. Seine Argumente gegen die Existenz Gottes sind aber nicht neu. Da wie-derholt er nur Feuerbach und Freud in anderen Worten. Au allend ist, dass er den gewichtigsten Atheisten nie erwhnt: Friedrich Nietzsche. Vermutlich ist ihm Nietzsche zu un-bequem. Denn Nietzsche zeigt, dass auf den Tod Gottes der Nihilismus folgen wird.

    Dawkins zhlt die Snden der Religionen auf. Warum kann Reli-gion derart zum Bsen verleiten?Weil der Mensch eben nicht so gut ist, wie es viele Humanisten glau-ben. Alles auch der religise Glau-be kann vom bsen Menschen fr

    Bses missbraucht werden. Meist werden aber ganz persnliche Inte-ressen oder Interessen des Staates religis berhht. Untersuchungen haben klar gezeigt, dass im Kern des aggressiven Verhaltens meist nicht ein religiser Kern steckt. Das ber-sieht Dawkins, vermutlich mit Ab-sicht, weil es seine Th ese der bsen Religion schwchen wrde.

    Eigenartigerweise nimmt Dawkins die Bibel so wrtlich wie fundamentalistische Bibelleser. Warum ist das so?Von einem Wissenschaftler des Ka-libers von Dawkins msste man ei-gentlich erwarten, dass er sich mit mehr als nur dem amerikanischen Fundamentalismus bekannt macht, bevor er ein Buch ber die Gottesfra-ge schreibt. Es knnte durchaus sein, dass er bewusst alle theologischen Anstze negiert, die seine Th ese von der bsen Religion schwchen knn-ten. Hier zeigt sich, dass es Dawkins gar nicht um eine faire Diskussion geht.

    Die neuen Atheisten argumentie-ren in ihren Bchern scheinbar rein wissenschaftlich. Wie weit ist Dawkins in seinem Buch wirklich wissenschaftlich?ber grosse Strecken ist sein Buch alles andere als wissenschaftlich. Ein wissenschaftlicher Autor msste sich mit der Sache, ber die er schreibt, schon irgendwie kundig machen.

    Bezglich des Gottglaubens hat Dawkins dies aber str ich unterlas-sen. Seine mangelnde Wissenschaft-lichkeit tarnt sich denn in einer umso polemischeren Rhetorik. Der antikreationistische Wissenschafts-philosoph Michael Ruse meinte: Mit Der Gotteswahn ist es mir peinlich, Atheist zu sein.

    Dawkins hat seine Quellen oft nicht berprft und einfach wieder-holt, was andere Atheisten vor ihm schon geschrieben haben. Alister McGrath, der frher Atheist war und

    sowohl Molekularbiologie wie auch Th eologie studiert hatte ein Kolle-ge Dawkins in Oxford hat kurz nach der Ver entlichung von Der Got-teswahn ein Bchlein mit dem Titel Der Atheismus-Wahn geschrieben. Darin zeigt er, wie Dawkins die Re-geln der Wissenschaft verraten hat. Ein Beispiel: Dawkins hat in seinem brillanten Buch Das egoistische Gen die Th ese vertreten, dass die kultu-relle Evolution auch so etwas wie ei-nen Replikator besitze. In der biolo-gischen Evolution ist der Replikator das Gen, in der kulturellen sei es ein

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    Mem. Dieses hypothetische Mem wurde aber nie gesichtet, und die berwiegende Mehrheit der Forscher lehnt diese Th eorie ab. Vor allem, weil es kein berprfbares Modell gibt, wie die Meme die Kultur beein us-sen knnten. Eine wissenschaftliche Diskussion msste aber gerade auch die Einwnde gegen eine Th eorie beachten und auf sie eingehen. Das tut Dawkins mit keinem Wort. Er behauptet einfach ganz dogmatisch und merkt dabei nicht, dass er sich im Umgang mit seiner Th eorie gleich verhlt wie die von ihm karikierten Glubigen.

    Kann man sagen, dass in dieser Debatte Glaube gegen Glaube steht?Ja sicher. Dawkins geht von einer grundlegenden, aber nicht bewiese-nen Annahme aus, dass die Natur-wissenschaft Gottes Existenz wider-legt habe. Das ist natrlich auch ein Glaube.

    Stephen Jay Gould ein Athe-ist, ehemals Professor in Harvard meinte: Entweder ist die Hlfte meiner Kollegen unglaublich dumm, oder aber der Darwinismus ist vllig vereinbar mit den blichen religi-sen berzeugungen und ebenso vereinbar mit dem Atheismus. Die-se Ansicht eines der fhrenden Evo-lutionsbiologen Amerikas emprte Dawkins so sehr, dass er sie kurz mit dem Satz kommentiert: Ich glaube einfach nicht, dass Gould wirklich et-was von dem meinte, was er geschrie-

    ben hat. Was Gould aber schrieb, ist weitgehend die Meinung der Wissen-schaftsphilosophen. Nmlich, dass man vorgegebene Fakten immer ausgehend von einer weltanschau-lichen Position interpretiere. Diese weltanschauliche Position kann nun 1. atheistisch sein, oder 2. theistisch (also ausgehend vom Glauben an ei-nen Gott, der mit der Welt in Kon-takt steht) oder 3. pantheistisch (wie im Hinduismus oder Buddhismus).

    Diese weltanschaulichen Positionen kann man aber nicht mehr beweisen. Es sind letztlich Glaubensysteme. Nur aus einer bergeordneten Posi-tion knnte man diese Glaubenssys-teme bewerten. Diese Gottespositi-on knnen wir Menschen aber nicht einnehmen. Wir sind immer auch ein Teil des Ganzen und stehen eben nicht auf einem neutralen Beobach-tungsposten.

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