Bausteine | Februar 2010

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» Die Bibel - heute noch aktuell? (Felix Ruther) » Frei werden für gute Beziehungen (Jonas Bärtschi) » Gleichgültigkeit - oder was? (Barbara Meister-Ninck) » Studierende mit Jesus Christus bekannt machen (Philipp Aebi) » Gott bezeugt sich selbst (Dr. Benedikt Walker) » Lesen - was bringt's? (Hansjörg Baldinger)

Text of Bausteine | Februar 2010

  • Heute argumentieren Vertreter des Unglaubens viel aggressiver. Sie sa-gen nicht: Die Bibel ist nicht mehr aktuell, sondern behaupten: Sie ist ein schdliches Buch, das man von Kindern fernhalten muss! In einer Debatte zwischen Christen und Atheisten usserte sich ein Professor ganz unverhohlen. Er kritisierte ein Bibelplakat mit dem Text: Vertraue

    nicht Menschen, vertraue Gott. Das sei eine gefhrliche Botschaft fr schwache Menschen, denn man msse doch auch den Menschen ver-trauen.

    In seinem Bchlein Brief an ein christliches Land schreibt der ame-rikanische Philosoph Sam Harris: Die Vorstellung, dass die Bibel ein vollkommener Wegweiser zur Moral

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    sei, ist angesichts ihrer Inhalte schon mehr als erstaunlich.2 Er zitiert dann diverse Gesetze aus dem Alten Testament: Gotteslsterer, Ehebre-cher und Homosexuelle sollten wir steinigen ... Er meint weiter, heutige Christen knnten sich nicht auf Jesus berufen mit dem Argument, er habe diese Barbarei abgeschat, denn Je-sus billige das Gesetz voll und ganz. Dazu verweist er auf Matthus 5,17: Ich bin nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben.

    Richard Dawkins wird noch po-lemischer: Die Bibel begrnde ein

  • ethisches System, das jeder zivili-sierte, moderne Mensch, ob religi-s oder nicht, widerwrtig nden msste freundlicher kann ich es nicht formulieren. Doch ich will fair sein, meint Dawkins ironisch: Die Bibel ist in grossen Teilen nicht sys-tematisch bse, sondern einfach nur grotesk.3

    Tatschlich, man knnte geneigt sein, Gott zu fragen: Weshalb nur hast du uns ein Buch gegeben, das je-der Rassist und jeder Fernsehpredi-ger fr sich auslegen kann; ein Buch, mit dem nicht nur Unfug sondern auch Brutalitt legitimiert wird; ein Buch, in dem so vieles von unserer Auslegung abhngt und damit der Beliebigkeit preisgegeben wird?

    &$$*Ich denke, dass Gott uns die Bibel zu-mutet, weil er uns mit Verstand aus-gerstet hat. Nicht nur betend, auch denkend sollen wir an die berliefer-ten Worte herangehen. Er mutet uns die Bibel zu, weil wir erkennen sol-len, dass wir mit der Gabe der Bibel nicht Gott selber in der Hand halten. Und er mutet uns dieses Buch zu, weil wir demtig feststellen mssen, dass unsere Erkenntnis Stckwerk ist und wir bei der Aktualisierung

    dieser alten Worte, trotz aller theo-logischen Arbeit, auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen sind und bleiben.

    Vom Textcharakter her kann man Bibelstellen zusammenstellen, wel-che ganz Grundstzliches, ja ewig Wahres aussagen. Viele Texte ent-halten jedoch historische Berichte oder Worte, die in eine bestimmte Situation hinein gesprochen wur-den. Man wird der Bibel daher nicht gerecht, wenn man sie unhistorisch liest.

    Wir mssen auch bedenken, dass wir oft einfach Zuhrer sind. Wenn sich ein Prophet an das Volk Israel wendet oder Paulus an eine bestimm-te Gemeinde schreibt, dann hren wir eben die biblische Botschaft an Israel oder an eine bestimmte Gemeinde. Soll dieser Text auch auf unsere Situ-ation anwendbar sein, dann muss er aktualisiert werden. Wir hren zum Beispiel, dass Jesus in Kana Wasser in Wein verwandelt hat. Ohne Aktu-alisierung wrde eine Predigt zu die-sem Text zur blossen Nacherzhlung oder zur Auorderung, ebenfalls Wasser in Wein zu verwandeln.

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    Die Christenheit geht seit ihren An-fngen einhellig davon aus, dass der Heilige Geist die biblischen Texte ak-tualisieren kann und will. Schon Je-sus aktualisierte das Gesetz. In Mat-thus 5 sagt Jesus nicht nur: Ich bin nicht gekommen, um ausser Kraft zu setzen, sondern um zu erfllen. Er zeigt auch, was dieses Erfllen bedeutet. Zweimal (Mt 5,21-22.27-28) betont er: Ihr habt gehrt ... ich aber sage euch. Fr jeden Zuhrer war damals klar, was da geschah: Ein Rabbi legt das Gesetz aus und aktu-alisiert es. Erfllen bedeutete fr Jesus, den Buchstaben des Gesetzes so zu aktualisieren, dass Gottes ur-sprngliche Absicht wieder hervor-schien: Der Mensch ist nicht fr die Gebote da; die Gebote dienen dem Leben wie z.B. der Sabbat.

    Sam Harris versteht Jesus schlichtweg falsch. Es wre aber ein Missverstndnis zu meinen, dass der Heilige Geist, wann immer wir

    die Bibel nen, zu uns sprechen msse. Die Bibel ist kein Automat, der beim nen Gottes Stimme aus-spuckt. Wir merken auch schnell ein-mal, dass der Heilige Geist uns beim Aktualisieren der biblischen Texte nicht zu einheitlichen Auslegungen fhrt. Auch wer die Ansicht vertritt, der biblische Text sei von Gott Wort fr Wort eingegeben, luft Gefahr, dass seine Aktualisierung nicht die

    Absichten Gottes widerspiegelt, son-dern seine theologischen Vorlieben. Dennoch knnen wir uns, bei aller Unsicherheit, den Prozess der Ak-tualisierung oder Auslegung nicht ersparen.

    Last but not least: Wenn wir das von Gott Gehrte nicht umsetzen, versickert auch die klarste Aktua-lisierung durch den Heiligen Geist auf halbem Wege. Erst wenn uns der Geist durch die Worte der Bibel zur Praxis fhrt, knnen wir auf die Fra-ge, ob die Bibel aktuell sei, mit einem Ja antworten.

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  • +!Einige Leitlinien, welche mir bei der Aktualisierung der Bibel helfen:

    1. Mein Motiv - die zentrale FrageWeshalb studiere ich die Bibel? Suche ich den lebendigen Gott, der nir-gendwo krftiger als in der Heiligen Schrift redet (Luther), oder suche ich eine Besttigung meiner theolo-gischen Vorurteile oder meines Bi-belverstndnisses? Ich setze daher mein Vertrauen nicht auf die Bibel, sondern auf Gott selber und auf sei-ne Bereitschaft, durch die Bibel zu mir zu sprechen zumindest dann und wann, wenn ich hrbereit bin.

    Diese Haltung unterscheidet uns von fundamentalistischen Kreisen oder vom Umgang der Muslime mit dem Koran. Gerade der fundamen-talistische Bibelzugang liefert die Folie, mit der die neuen Atheisten wie Harris und Dawkins die Bibel kri-tisieren.

    2. Gottes Oenbarung hat ein Zentrum: Jesus ChristusChristus ist der Herr! Herr auch der Bibel. Jesus und die Bibel mssen unterschieden werden: Beide sind Gottes Wort, haben aber nicht die gleiche Autoritt. Nicht durch die Bi-bel ist die Welt entstanden, sondern durch ihn (Jesus) ist alles erschaf-fen (Joh 1,3). Und niemand kann uns Gott besser vorstellen, als der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht (Joh 1,18).

    Ich frage daher bei jedem Text: Was htte Jesus dazu gesagt? Mit dieser Frage entscheide ich, dass kein biblischer Text an Jesus vorbei Autoritt ber mich gewinnen darf. Ich weiss mich daher in der Nach-folge Jesu, wenn ich die (alttesta-mentliche) Auorderung ignoriere,

    Gotteslsterer zu steinigen. Damit mein Verstndnis von Jesus und seiner Oenbarung von Gott in mir wachsen knnen, lese ich die Bibel bevorzugt die Evangelien.

    3. Die zentrale Absicht der BibelUnsere Vorannahmen bezglich des Grundanliegens der Bibel bestim-men, wie wir die einzelnen Teile auslegen oder aktualisieren. Ich bin berzeugt, dass alle Teile der Bibel dem einen Ziel dienen: Sie wollen uns Gott vorstellen, indem sie uns zeigen, wie wir zu einem richtigen Verhltnis mit ihm gelangen knnen. Die Annahme, die Bibel sei eine En-zyklopdie, die auch auf unsere wis-

    senschaftlichen Fragen des 21. Jahr-hunderts Antworten geben msse, scheint mir daher falsch zu sein.

    4. Die TraditionWeil ich nicht glaube, dass ich die einzig richtige Auslegung eines Bibel-textes kenne, befrage ich andere, wie sie ihn verstanden haben. Ich studie-re Kommentare, lese in der Gemein-schaft die Bibel und frage auch, wie sich eine bestimmte Auslegetraditi-on in der Geschichte ausgewirkt hat. Denn Jesus sagte: An den Frchten sollt ihr sie erkennen.

    5. Der VerstandGott hat uns einen Verstand gege-ben, den wir bei der Aktualisierung der Bibel nicht ausschalten drfen.

    Gewinne ich mit diesen Punkten eine absolute Sicherheit? Nein, meine Er-kenntnis bleibt immer Stckwerk. Sicherheit haben wir nur in Gott. Dennoch: Christsein bedeutet, dass wir uns in einem niemals endenden Gesprch mit der Bibel benden, das grundlegend fr unsere Identi-tt und Vision ist. Wenn dieses Ge-sprch verstummt oder planlos wird, hren wir auf, Christen zu sein, denn die Bibel gehrt zum Herz des Chris-tentums.4

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    *,-'!,../!0'1,.0.)(23453&'6!'Menschen ohne Beziehungen kn-nen nicht Person werden, erklrt Manfred Engeli den 116 Studieren-den und Berufsttigen, die sich im Vortragssaal mit Sicht auf den Lago Maggiore versammelt haben. Der christliche Psychotherapeut und Buchautor betont, Beziehungen ge-hrten zum Schnsten, aber auch zum Schmerzvollsten im Leben: Wir alle sehnen uns danach, geliebt zu werden und lieben zu drfen, doch der Sndenfall hat unsere Bezie-hungsfhigkeit beschdigt.

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    7In sechs Referaten fhrt Engeli die Teilnehmenden durch einen Prozess, der ihnen helfen soll, Gottes Ziele fr ihr Leben zu entdecken: Sie sollen in ihrer einmaligen Art Person sein, wie Gott es sich vorgestellt hat, hinein-wachsen in ihre Identitt als Tchter und Shne des Allerhchsten und schliesslich in all ihren Beziehungen makarios werden liebesfhig und glcklich, nicht im unrealistischen, oberchlichen Sinn, sondern ganz-heitlich, durch alle Hhen und Tiefen des Alltags.

    Gott liefert uns nicht eine Check-liste mit all den Dingen, an denen

    wir arbeiten mssen, fhrt Engeli aus. Vielmehr msse jede Person auf das hren, was der Heilige Geist in ihr anklingen lasse und sich dann dieser konkreten Herausforderung stellen. Den ganzen Rest knnen wir getrost Gott berlassen. Er wirkt an uns, ohne dass wir es merken, ist Engeli berzeugt.

    "'Die Beziehungsfhigkeit eines Men-schen hnge sehr stark von dessen Selbstbeziehung ab. Das Mass der Selbstliebe setzt das Mass der Nchs-tenliebe fest, meint Engeli in Bezug auf das Gebot in Matthus 22,39. Aus der Psychologie sei bekannt, dass man ber