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Broschüre "Staatenlosigkeit verhindern, Staatenlose schützen"

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Informationsbroschüre über Ursachen, Folgen und Verhinderung von Staatenlosigkeit sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Text of Broschüre "Staatenlosigkeit verhindern, Staatenlose schützen"

  • Der Hohe Flchtlingskommissar der Vereinten Nationen

    StaatenloSigkeit verhindern

    StaatenloSe Schtzen

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    H. C

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  • nach artikel 1 absatz 1 des bereinkommens von 1954 ber die rechtsstellung der Staatenlosen ist ein Staatenlo-ser eine Person, die kein Staat auf grund seines rechtes als Staatsangehrigen ansieht. deutschland hat dieses ber-einkommen 1976 ratifiziert.

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    J. R

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  • daS Unhcr-Mandat fr StaatenloSe neben der aufgabe des internationalen flchtlingsschutzes wurde Unhcr (United na-tions high commissioner for refugees) von der Un-generalversammlung mit dem Mandat ausgestattet, auch staatenlose Personen zu untersttzen und sich dafr einzusetzen, das entstehen von Staatenlosigkeit zu verhindern, beziehungsweise Staatenlosigkeit zu vermin-dern. Unhcr wurde diese aufgabe bertragen, weil sich die Situationen von flchtlingen und Staatenlosen in einem wesentlichen aspekt gleichen: In beiden Fllen gibt es keinen schutzbereiten Staat. Bei flchtlingen ist der staatliche Schutz aufgrund besonderer Umstnde weggefallen. Bei Staatenlosen fehlt es an einem Staat, mit dem sie aufgrund einer Staatsangehrigkeit verbunden sind. es kann auch die Situation entstehen, dass ein flchtling zudem staatenlos ist. dann sollte die Person in dem Staat, in dem sie zuflucht sucht, als flchtling behandelt werden, damit sie alle rechte, die flchtlingen zustehen, geltend machen kann. dies ist wichtig, da flchtlinge weitergehende rechte haben als staatenlose Personen.

  • BedeUtUng Und regelUng der StaatSangehrigkeit durch die Staatsangehrigkeit entsteht ein beson-deres rechtsverhltnis einer Person zum jeweiligen Staat. das verhltnis ist gekennzeichnet durch gegen-seitige rechte und Pflichten. Wie die einzelheiten einer Staatsangehrigkeit so-wie deren erwerb und verlust ausgestaltet werden, bestimmt sich jeweils nach dem nationalen recht ei-nes Staates. dabei hat jedoch jeder Staat die von ihm geschlossenen vlkerrechtlichen vertrge, das vl-kergewohnheitsrecht sowie allgemein anerkannte rechtsgrundstze zu beachten.

  • Wird die Staatsangehrigkeit eines kin-des von der Staatsangehrigkeit seiner el-tern abgeleitet, so folgt dieser Staat dem Abstammungsprinzip. die Staatsangeh-rigkeit wird also von den eltern auf das kind bertragen, unabhngig davon, an welchem ort das kind geboren wird. Bei der anwendung des Territorialprin-zips, bestimmt sich die Staatsangehrigkeit nach dem Staatsgebiet, auf dem ein kind geboren wird. dies ist unabhngig davon, welche Staatsangehrigkeit die eltern des kindes haben. entscheidend ist dann allei-ne der geburtsort des kindes.

    diese beiden Prinzipien werden teilweise auch kombiniert angewendet. dabei kann jeder Staat natrlich nur die zugehrigkeit zum jeweils eigenen Staat bestimmen. zustzlich zum erwerb der Staatsange-hrigkeit bei geburt kann eine Staatsan-gehrigkeit auch zu einem spteren zeit-punkt erworben werden. Beispiele hierfr sind der Erwerb der Staatsangehrigkeit durch Einbrgerung, Adoption oder auch durch Heirat. dabei knnen bestimmte vo-raussetzungen gelten, wie etwa die aufgabe der bestehenden Staatsangehrigkeit oder bestimmte aufenthaltszeiten in dem betref-fenden Staat.

    Grundstzlich gibt es zwei Prinzi-pien, nach denen die Staatsangehrigkeit bei Geburt verliehen werden kann: das Abstammungsprinzip, also das Recht des Blutes (lateinisch: jus sanguinis) und das Territorialprinzip, also das Recht des Bo-dens (lateinisch: jus soli). U

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    N. L

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  • UrSachen fr StaatenloSigkeit immer dann, wenn die Staatsangeh-rigkeitsgesetze zweier Staaten bei der geburt eines kindes eine rolle spielen, kn-nen Probleme beim erwerb der Staatsange-hrigkeit entstehen. auch wenn ein Staat zerfllt und sich in mehrere Staaten aufteilt, kann es passieren, dass kinder bei der geburt keine Staatsan-gehrigkeit erwerben. Beispielsweise, weil zum zeitpunkt ihrer geburt das alte recht nicht mehr gilt, aber das neue recht auch noch keine anwendung auf sie findet. aber auch dann, wenn es nur um die gel-tenden gesetze in einem land geht, kann es zu fllen von Staatenlosigkeit kommen. Bei-spielsweise werden in einem Staat, in dem die Staatsangehrigkeit der kinder nur von der Staatsangehrigkeit der eltern abgelei-tet wird, die kinder von staatenlosen Perso-nen ebenfalls staatenlos. zudem kann bei der Einfhrung neuer Rechtsvorschrif-ten oder verwaltungsverfahren sowie bei einer neuinterpretation geltender gesetze Staatenlosigkeit entstehen.

    Ein Beispiel: Ein Kind, dessen El-tern Staatsangehrige eines Staates sind, in dem alleine der Geburtsort entschei-dend ist, wird nicht in diesem Staat, son-dern im Ausland geboren. Nun kommt es also auf das Recht in dem Staat an, in dem das Kind tatschlich geboren wurde. Se-hen die Gesetze in diesem Staat vor, dass es fr den Erwerb der Staatsangehrigkeit nicht auf den Geburtsort, sondern nur auf die Staatsangehrigkeit der Eltern an-kommt, so erwirbt das Kind keine Staats-angehrigkeit.

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  • UrSachen fr StaatenloSigkeit diSkriMinierende StaatSangehrigkeitSgeSetze diskriminierende Staatsangehrigkeits-gesetze, die Personen einer bestimmten re-ligionszugehrigkeit oder einer bestimmten ethnie vom erhalt der Staatsangehrigkeit ausschlieen, knnen zu Staatenlosigkeit ganzer Bevlkerungsgruppen fhren. auch die Zwangsausbrgerung einzelner Perso-nen oder gar ganzer Personengruppen kann die Staatenlosigkeit dieser Personen zur fol-ge haben. zudem gibt es immer noch lnder, in de-nen geregelt ist, dass nur vter nicht aber Mtter ihre Staatsangehrigkeit auf die kinder bertragen knnen, und auch nur dann, wenn die eltern verheiratet sind. ist das nicht der fall, wird das kind staatenlos. in einigen lndern sehen die gesetze vor, dass frauen bei der Eheschlieung mit ei-nem auslndischen Mann, ihre bestehende Staatsangehrigkeit verlieren. Wenn dann nicht in den Staatsangehrigkeitsgesetzen des Staates, dem der ehemann angehrt,

    geregelt ist, dass die frau bei eheschlieung die Staatsangehrigkeit ihres Mannes erhal-ten, werden sie staatenlos. dasselbe Pro-blem tritt auf, wenn gesetzlich geregelt ist, dass frauen bei der Scheidung die beste-hende Staatsangehrigkeit verlieren. berdies kann Staatenlosigkeit dann ent-stehen, wenn Staaten ihren Staatsangehri-gen erlauben, auf ihre Staatsangehrig-keit zu verzichten, ohne dass eine andere Staatsangehrigkeit erfolgreich erworben wurde.

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  • StrkUng der rechte StaatenloSer PerSonen Staatsangehriger eines bestimmten landes zu sein ist fr viele Menschen selbst-verstndlich. Sie knnen deshalb kaum nachvollziehen wie es wre, keine Staatsan-gehrigkeit zu haben. fr mindestens zehn Millionen Menschen weltweit ist dies jedoch realitt. Staatenlose Personen knnen kein land als heimatland bezeichnen, das in glei-cher Weise fr ihren Schutz und den Zu-gang zu grundlegenden Rechten zustn-dig wre, so wie dies bei Staatsangehrigen der fall ist. Sie besitzen auch keinen Natio-nalpass ihres herkunftslandes. Bis zum erwerb einer Staatsangehrig-keit ist es daher wichtig, die rechtsstellung von staatenlosen Personen zu strken. in den nationalen rechtssystemen sollten an-gemessene Mechanismen und Verfah-ren verankert sein, um das Bestehen von Staatenlosigkeit festzustellen. So knnen

    die betroffenen Personen ihre rechte als Staatenlose geltend machen. zudem kann ihnen ein entsprechender Aufenthaltstitel ausgestellt werden.

  • MitWirkUngSPflichten Jede Person, die sich ohne Pass in einem Staat aufhlt, dessen Staatsangehrigkeit sie nicht besitzt, ist grundstzlich verpflichtet, an der Aufklrung der eigenen Identitt - zu der auch die Staatsange-hrigkeit zhlt - mitzuwirken. eine wichtige ausnahme gilt beispiels-weise fr asylsuchende whrend des verfahrens und anerkannte flchtlinge, da diese sich gerade auf den Wegfall des Schutzes durch ihren heimatstaat berufen und daher nicht in kontakt mit ihren hei-matbehrden treten knnen. ein verbreiteter irrtum ist die annahme, dass Personen, die kei-nen ausweis oder Pass besitzen, immer auch staatenlos sind. Die Staatsangehrigkeit hngt jedoch nicht vom Besitz eines Aus-weises oder Passes ab. die Staatsangehrigkeit entsteht nicht durch den erhalt eines ausweisdokuments, sondern das Bestehen der Staatsangehrigkeit wird durch das dokument nur besttigt. ein Pass ist ein amtlicher ausweis, den ein Staat grundstzlich an seine eigenen Staatsangehrigen ausgibt. er dient der identifikation und legitimation, insbesondere gegenber staatlichen Behrden, sowie dem grenzberschreitenden reisen. Wenn eine Person keinen natio-nalen Pass besitzt, muss dies daher nicht bedeuten, dass diese Person staatenlos ist. Die Passlosigkeit kann auch andere Grnde haben.

    zwar gibt es fr staatenlose Perso-nen keine Verpflichtung eine bestimmte Staatsangehrigkeit anzunehmen. aber wenn eine Person sich weigert, eine be-stimmte Staatsangehrigkeit anzunehmen, obwohl ihr dies mglich und zumutbar wre, kann der Staat, in dem die Person sich auf-hlt, in unterschiedlicher Weise darauf re-agieren. die zustndige Behrde darf die Weigerung beispielsweise bei der entschei-dung ber die erteilung eines aufenthaltsti-tels als Staatenloser bercksichtigen.

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  • StaatenloSigkeit in deUtSchland ob eine Person staatenlos ist oder nicht, wird in deutschland von der rtlich zustndigen auslnderbehrde festgestellt. die geklr-te identitt, einschlielich der Staatsangehrigkeit sowie die erfl-lung der Passpflicht, ist eine grundstzliche voraussetzung fr die erteilung eines aufenthaltstitels. deshalb stellt sich die frage der Staatenlosigkeit in der regel im verfahren zur erteilung einer auf-enthaltserlaubnis. es gibt auch flle, in denen Staatenlose bereits ei-nen aufenthaltstitel besitzen, ab

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