Cassirer, Ernst - Kants Leben und Lehre

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( 'i-

KANTSLEBEN

UND LEHREVON

ERNST CASSIRER

VERLEGT

BEI

BRUNO CASSIRER1921

BERLIN

m>

4.

6.

Tausend,

Friatod in

Germ^

Aus

der Vorrede zur ersten Auflage.

Die

Schrift,

die ich hier verffentliche, will der Gesamtausgabcsie bildet, als

von Kants Werken, deren Abschlu

Erluterungs-

und Ergnzungsband dienen:solche I/eser, die mit Kant

sie

wendet

sich

demnach nicht an

und

seiner Lehre schon in irgendeinemsie

Sinne fertig zu sein glauben, sondern

rechnet auf Leser, diestehen.

noch mitten im Studium von Kants Werkensie

Ihnen mchtekritischen

einen

Wegzuzu

weisen,

der

von der Peripherie des

Systems

seinem Mittelpunkt,

von der Mannigfaltigkeit der

Einzelfragendas

einem freien

und umfassenden berblick berfhrt.

Ganze

des Kantischenbestrebt,

Denkenssich

Demgem wardie

sie

von Anfang anprobleme,die in

nicht

in

Flle

der Sonderzu verlieren,

Kants

Lehre

allenthalben

darbietet,

sondernSystems

energischerdie

Konzentration

nur

den

Grundri

des

und

groen

und

entscheidenden

Hauptlinien

des

Kantischen (jedankenbausarbeit,leistet

herauszuheben.

Der Wert der Detailletzten Jahrzehnte ge-

die

von der Kant-Philologie" derist,

wordenzu

sollsie

nicht

unterschtzt

werden:

und

die

Ergebnisse,

denen

im

geschichtlichen

und systematischen

Sinne gefhrt hat,

muten

natrlich auch in der hier vorliegenden

Darstellung genaue Bercksichtigung finden.als

Dennoch

scheint mir,

habe

diese

Richtung

der Detailforschung

die lebendige

Anals

schauung von

dem, was Kants Philosophie

als

Einheit

und

Ganzes bedeutet, hufig eher

gehemmt

als

gefrdert.

Wir mssen

und drfen einer Forschungs- und Arbeitsrichtung gegenber, diesich

vor allem in der Aufdeckung der Widersprche Kants zu

/

VIgefallen

Aus der Vorrede zurscheint

ersten

Auflagekritische

und

die zuletzt das gesamte

System zu

einem Aggregat solcher Widersprche zu machen droht, wiederzu einer Gesamtansicht von Kant und seiner Lehre zurckstreben,

wie

Schiller

oder Wilhelm von Humboldt

sie

besessen haben.

In

dieser Absicht

bemhtundder

sich die folgende Betrachtung berall,fast

vonbe-

der Vielheit

unabsehbaren Verwicklung

der

sonderen Fragen zu der Schlichtheit und Geschlossenheit,

zu der

erhabenen Einfachheit und Allgemeinheit der gestaltenden Grund-

gedankenkonnte

desbei

Kantischen

Systems

zurckzugehen.die

Dieses

Ziel

den ueren Grenzen,

der Darstellung durch

den Gesamtplan der Ausgabe gezogen warenerreicht

freilich

nur dann bloen

werden,der

wenn

darauf

verzichtet

wurde,

den

Umfang

Kantischen

Gedankenarbeit

vollstndig

darzulegendie gleiche

und im Einzelnen vor dem Leser zu

entfalten.

Und

Beschrnkung wie fr den systematischen Teil der Schrift muteich mir auch fr den biographischen Teil auferlegen.

Auch

hier

habe

ich

von der

Flle

der Einzelzge

und des anekdotischen

Beiwerks, das von den ersten Biographen Kants berliefert wordenist,ist,

und

das

seitdem in

alle

Lebensbeschreibungen bergegangen

mit Bewutsein abgesehen.

Nur

die

groen und durchgehen-

den

Zge der

Kantischen Lebensfhrung

und

das,

was

als

der

einheitliche

Sinn dieser Lebensfhrung im Laufe

der mensch-

lichen und philosophischen Entwicklung Kantsheraustritt,

immer bestimmterder

habe

ich

aufzuzeigen

gesucht.

Die Erkenntnishoffe,

Individualitt Kants hat dadurch,

wie ich

nichts verloren.

Dennin

die eigentliche

und wahrhafte

Individualitt Kants

kann nur

jenen Grundzgen seiner Geistesart und seines Charakters ge-

sucht werden, auf denen auch seine sachliche, seine philosophischschpferische Originalittberuht.Sie

besteht

nicht

in

irgend-

welchen Besonderheiten und Absonderlichkeiten

seines persnlichen

Wesens und

seiner ueren Lebenshaltung, sondern in der Rich-

tung und Tendenz zum Allgemeinen, die in gleicher Weise in

6

Aus der Vorrede zur

ersten Auflage

VII

der Gestaltung des Lebens, wie in der der Lehre hervortritt. beide

Wiesie

Momente

sich wechselseitig

bedingen und ergnzen, wie

auf denselben Ursprung zurckweisen und sich zuletzt zu einemeinheitlichen

Resultat

zusammenschlieen

und

wie

somit

die

Persnlichkeitsind,

und

das

Werk

Kants in der Tat aus

einem Gussenur insoweit

habe ich zu zeigen versucht;betrifft,als

so

was dagegen den uerensollte

Umri von Kants Lebenzur Darstellung

er hier

kommen,

in

ihmdas

der eigentlich entscheidende

Gehalt

des

Kantischen

Daseins:

Wesen und Wachstum.

der

Kantischen Grundgedanken sich offenbart und uert

.

.

Das Manuskript dieser Schrift war schon im Frhjahr 191druckfertig;

nur die Verzgerung, die der Fortgang der Gesamt-

'ausgabesie

durch

den Kriegals

erfahren hat,

hat es verschuldet,

da

erst jetzt,

mehr

zwei Jahre nach ihrem Abschlu, erscheint.

Ich beklage diesen Aufschub der Drucklegungich die Schrift

um

so tiefer, weil

nun nicht mehr dem Manneihren ersten

in dieseiner

Hnde legenwrmsten undist

kann, der

sie

seit

Anfngen mit

frderndsten Teilnahme begleitet hat.4. April

Hermann CohenWerke

am

ipi8 gestorben.Fortentwicklung

Wasder

seine

fr die Erneuerungin Deutschland

und

die

Kantischen LehreStelle

bedeuten,

habe

ich

an anderer

darzulegen gesucht,^)

und

ich will hier nicht

von neuem darauf zurckkommen. Aber mit

inniger Dankbarkeit

mu

ich hier des persnlichen Eindrucks geals

denken, den ich

selbst,

vor mehrhabe.

zwanzig Jahren, von Cohens

Kant-BchernBcherzuerst

erfahrenin

Ich bin mir bewut,

durch diese

den ganzen Ernst und in die ganze Tiefe der

Kantischen Lehre eingefhrt

worden zu

sein.

Seitdem bin ich zustets

den Problemeneigenen Studien^)

der Kantischen Philosophie in

wiederholten

und im Zusammenhang verschiedenartiger sachdie

Hermann Cohen und

Erneuerung der Kantischen Philosophie.

Festheft der Kant-Studien zu Cohens 70. Geburtstag, K.-St.XVII (1912),5.

253fF.

fa

VIII

Aus der Vorrede zur

ersten Auflage

lichcr

Aufgaben immer von neuem zurckgekehrt: ^und meine

Auffassung dieser Probleme hat sich von derjenigen Cohens vielfach abweichend gestaltet.

Aber immer hat

sich

mir hierbei der

methodische Grundgedanke, voner

dem Cohen

geleitet

war und denlegte,als

seiner

Deutung des Kantischen Systems zugrundeals

fruchtbar,

produktiv und frderlich erwiesen. Fr Cohen selbst

wurde

dieser

Grundgedanke, wurde die Forderung der transszencc

dentalen

Methode

zum

Inbegriff der wissenschaftlichen Philosophie.als

Und

weil er in diesem Sinne die Kantische Lehre nichtgeschichtliches Ganze,

ein

abgeschlossenes

sondern

als

Ausdruck der

fortdauernden

Aufgaben

der Philosophie selbst begriff,

wurde

sie

ihm

nicht nur zu einer geschichtlichen Potenz,

sondern zu einer

unmittelbar wirksamen Lebensmacht.

Als

eine solche hat er sie

empfunden und hat

er sie gelehrt;

und

auch den ZvUsammen-

hang zwischen der Kantischen Philosophie und den allgemeinen

Grundproblemen des deutschen Geisteslebens hatSinne verstanden.

er

in

diesem

Er hatte auf diesen Zusammenhang in vielenaber ihn vollstndig

seiner Schriften hingedeutet:darzustellen,

und umfassend

war

die Aufgabe, die er selbst sich fr die vorliegendegestellt hatte.

Gesamtausgabe der Kantischen Werke

Nun

ist

auch

diese lang geplante Schrift ber Kants

Bedeutung fr die deutsche

Kulturcc,

deren Grundri und Auf