D Titelblatt 36 2012 - Willkommen! | Arbeitsstelle ... Gottesdienst 36.pdf  Thema: Gottesdienst

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  • Thema:Gottesdienst

    Arbeitsstelle Gottesdienstim Haus Gottesdienst und Kirchenmusik der EKiR

    undArbeitsstelle Gottesdienst

    im Amt fr kirchliche Dienste in der EKBO

    Berichte

    Modelle

    Analysen

    Informationen

    Termine

    36 / 2012

  • 1

    Inhalt

    Editorial

    2

    Bianca Neuhaus Gottesdienst und Glaubensbildung ber den Zusammenhang von Gottesdienst und Glaubenskursen

    4

    Ulrich Weidner Sommerkirche in Cronenberg Dialog von Kunstwerken und biblischen Texten in Gottesdienstreihen

    17

    Sabine Gradtke Gottes Engel sei mit dir Das Walsumer Kolumbarium in der evangelischen Kirche Wehofen

    21

    Frank Peters Orientierungshilfen im freien Feld Deutschschweizerische Variationen zum Verhltnis von Tradition und Erneuerung

    28

    Gudrun Mawick Iona Zur Kommunitt und Spiritualitt der schottischen Insel

    33

    Concerning Worship Gottesdienst in der Iona Community

    37

    Ronald Ilenborg Singen mit den Hnden

    40

    Eberhard Kenntner Abend ward, bald kommt die Nacht

    45

    Jens-Peter Enk Religises Erleben durch gottesdienstliche Musik Zur gleichnamigen Studie von Jochen Kaiser

    52

    Martin Evang und Ilsabe Seibt Monatslieder Liturgische Anregungen fr das Kirchenjahr 2012/2013

    56

    Beate Kruppke Blttern ohne Ende? Hilfen zum Finden von Gesngen im Evangelischen Gesangbuch II

    69

  • 2

    Editorial

    Im vergangenen Jahr startete in der EKD die missionarische Bildungsinitia-tive Erwachsen glauben. Unter der berschrift Gottesdienst und Glau-bensbildung stellt Bianca Neuhaus dar, wie Glaubenskurse und Gottes-dienste in Kirchengemeinden positiv aufeinander einwirken knnen.

    Gottesdienstliche Flauten als Chancen erkennen und nutzen: Ulrich Weid-ner stellt das Projekt Sommerkirche in Cronenberg vor. Die Gottesdienst-reihe ist dem Dialog von Kunstwerken und biblischen Texten gewidmet. Sie hat 2012 zum dritten Mal stattgefunden und strahlt weit ber den Stadtteil hinaus.

    Eine Kirche nimmt ein Kolumbarium auf und bleibt doch Kirche, in der die Gemeinde ihre Gottesdienste feiert. Sabine Gradtke erzhlt die Geschichte der evangelischen Kirche Wehofen im Duisburger Norden: Gottes Engel sei mit dir.

    Frank Peters, der vor kurzem seine Dissertation zur Rezeption des Evangeli-schen Gottesdienstbuches verffentlicht hat1, wirft einen Blick auf zwei neuere liturgiewissenschaftliche Publikationen der deutschsprachigen Schweiz: Orientierungshilfen im freien Feld.

    Im Februar 2013 kommt John Bell, der inzwischen weltberhmte musikali-sche Leiter der schottischen Iona Community, nach Deutschland.2 Zur Ein-stimmung (und anknpfend an einen Beitrag in Thema: Gottesdienst 30/2009, S. 53-60) portraitiert Gudrun Mawick die Kommunitt von Iona und ihre Spiritualitt. Dazu dokumentieren wir den fr das Gottes-dienstverstndnis der Iona Community programmatischen Text aus dem Iona Abbey Worship Book: Concerning Worship. Erhard Griese hat ihn bersetzt.

    S!NGEN dazu hat die Evangelische Kirche im Rheinland im Jahr der Kir-chenmusik 2012 aufgerufen. Dass und wie auch Gehrlose diesem Aufruf folgen, zeigt Ronald Ilenborg in seinem Beitrag Singen mit den Hnden.

    1 Frank Peters: Agende und Gemeindealltag. Eine empirische Studie zur Rezeption des Evangelischen Gottesdienstbuches, Stuttgart 2011. 2 Nheres im Jahresprogramm 2013 des Hauses Gottesdienst und Kirchenmusik der Evangelischen Kirche im Rheinland, S. 5-7 (auch zum Download unter www.haus-gottesdienst-kirchenmusik.de).

  • Editorial

    3

    Abend ward, bald kommt die Nacht Es mag sein, dass alles fllt : Mit einer Liedpredigt und einer Kyrie-Litanei erinnert Eberhard Kenntner an den Dichter Rudolf Alexander Schrder, der vor 50 Jahren gestorben ist.

    Jens-Peter Enk, seit Februar 2012 Kantor im Wuppertaler Haus Gottesdienst und Kirchenmusik, stellt Jochen Kaisers Studie Religises Erleben durch gottesdienstliche Musik vor.

    Auch in diesem Heft setzen wir die kleinen Einfhrungen und liturgischen Vorschlge zu den aktuellen Monatsliedern in der ersten Hlfte des Kir-chenjahres 2012/2013 fort.

    Abschlieend gibt Beate Kruppke wieder Hilfen zum Finden von Liedern und Gesngen im Evangelischen Gesangbuch, diesmal fr die Advents- und Passionszeit.

    Den Autorinnen und Autoren danken wir herzlich fr ihre Beitrge. Den Leserinnen und Lesern wnschen wir eine anregende Lektre.

    Wuppertal und Berlin, im Oktober 2012

    Martin Evang und Ilsabe Seibt

  • 4

    Bianca Neuhaus

    Gottesdienst und Glaubensbildung ber den Zusammenhang von Gottesdienst und Glaubenskursen und wie sie sich gegenseitig befruchten knnen

    Bianca Neuhaus ist Pfarrerin mit besonderem Auftrag im Amt fr Gemeindeent-wicklung und missionarische Dienste in Wuppertal.

    Es ist heute nicht mehr selbstverstndlich, dass Menschen von klein auf in den christlichen Glauben hineinwachsen. Viele kommen als Erwachsene erstmalig oder wieder neu mit Kirche und Glauben in Berhrung und ent-wickeln ein Interesse an Glaubensfragen. Im Herbst 2011 startete in der EKD deshalb die missionarische Bildungsinitiative Erwachsen glauben, an der sich auch die Evangelische Kirche im Rheinland als Pilotkirche beteiligt. Die Initiative sieht in Kursen zum Glauben eine gute Mglichkeit, einem Glaubens-Interesse Erwachsener zu begegnen und Wege zum Glauben neu zu erffnen. Menschen, die danach suchen, sollen mglichst regelmig in ihrer nheren Umgebung ein entsprechendes Angebot finden knnen. Das Ziel ist daher, Kurse zum Glauben in den nchsten Jahren als Regelangebot in Gemeinden und anderen kirchlichen Einrichtungen zu etablieren. Vom Frhjahr 2011 bis zum Herbst 2012 haben ber 140 Glaubenskurse in der Evangelischen Kirche im Rheinland stattgefunden, Tendenz steigend.

    Ich gehe in diesem Artikel der Frage nach, inwiefern Glaubenskurse den Gottesdienst einer Gemeinde herausfordern knnen. Was bieten Glaubens-kurse im Unterschied zum Gottesdienst? Verndert sich die Gottesdienst-kultur, wenn Gemeinden regelmig Glaubenskurse durchfhren? Welche Rolle spielt der Gottesdienst in einem Glaubenskurs? Gibt es Verbindendes und damit die Chance, dass Gottesdienst und Glaubenskurse sich gegensei-tig befruchten knnen?

  • Gottesdienst und Glaubensbildung

    5

    Gottesdienst oder Glaubenskurs?

    Man knnte auf den Gedanken kommen, die Darstellung1 zeige Martin Luther in einem Glaubenskurs fr seine Gemeinde: hinweisend auf Christus als die Mitte des christlichen Glaubens, das Evangelium fr die Gemeinde erluternd. Tatschlich zeigt es ihn aber beim Predigen. Die Zeitgenossen haben bei Luther erlebt, was auch heutige Menschen in einem Glaubens-kurs erfahren knnen: dass sich ihnen die Grundlagen des christlichen Glaubens neu, verstndlich und alltagsrelevant erschlieen.2

    Was ist das? Wie geschieht das? Was ntzt das? sind wiederkehrende Fra-gen, mit denen Martin Luther im Katechismus die Hauptstcke des Glau-bens entfaltet. Die grundlegenden Aussagen des Glaubens kennenzuler-nen, zu verstehen und damit auch zu leben das war eine groe Erzie-hungsaufgabe, an den Erwachsenen ebenso wie an den Kindern. Mit seinen Katechismusschriften hat Luther im Vollzug der evangelischen Kirchenre-form die Grundlage dafr gelegt.3 In der Glaubensbildung hat Luther die Herausforderung seiner Zeit gesehen: der Unterricht in den grundlegen-den Aussagen des christlichen Glaubens hatte schon seit Jahrhunderten Tradition Aber die Wirklichkeit im Volk Gottes war offensichtlich so, dass nur die wenigsten ihr Christsein in Worte fassen konnten, die die Glau-bensberlieferung der Kirche dafr bereithielt; geschweige denn, da sie mit diesen Glaubensaussagen lebten. Die grundlegenden Glaubensaussa-

    1 Lucas Cranach, Martin Luther als Prediger, Cranach-Altar in der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg, 1547. 2 Wenngleich sich unser Verstndnis von Bildung und damit auch Methoden und Didaktik verndert haben. 3 Hans Mayer, Martin Luther. Leben und Glaube, Gtersloh 1982, S. 162.

  • Bianca Neuhaus

    6

    gen standen in gebrochenem Verhltnis zur Existenz der Glaubenden. Die evangelische Kirchenreform war der Veruerlichung des Glaubens, die in der Papstkirche in religisen Zwngen und Zeremonien in den Vordergrund gerckt war, mit der Predigt des Evangeliums entgegengetreten. Aber Lu-ther erkannte, da fr die innere Erneuerung der Kirche noch ein anderer Weg eingeschlagen werden mute. Ich erlebe es tglich, da mancher, der drei oder vier Jahre lang den Predigten zugehrt hat, dennoch nicht antwor-ten kann, wenn man ihn nach dem Glauben fragt. Als Luther das im Herbst 1525 niederschrieb, hat er gleichzeitig darauf hingewiesen, wie notwendig ein Katechismus ist. Katechismus heit ein Unterricht, in dem man die Heiden, die Christen werden wollen, lehrt und anleitet, was sie glauben, tun, lassen und wissen sollen im Christentum. Mit dieser Erklrung bezog sich Luther auf die Anfangszeit der Kirche, die offensichtlich noch nicht zu Ende war. Unterricht der Heiden im Christentum war eine immer noch unbe-wltigte Aufgabe.4

    Gottesdienst und Katechismusunterricht gehen bei Martin Luther Hand in Hand und tragen wesentlich zur Glaubensbildung (Erwachsener) bei. Ich meine, dass heute Gottesdienst und Glaubenskurse hnlich in notwendiger Ergnzung zueinander gesehen werden mssen, leisten sie doch beide er-wiesenermaen einen wesentlichen Beitrag zur Glaubensbildung Erwach-sener.

    Die Greifswalder Studie Wie finden Erwachsene zum Glauben?5 hat untersucht, welche Faktoren dazu beitragen, dass sich bei Erwachsenen Glaube entwickelt. Traditionelle Gottesdienste und das Abendmahl waren fr ber 80% der 462 befragten Konvertitinnen und Konvertite