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Der zehnte Gehirnnerv - soke. · PDF fileSeit 1992 haben wir diese Seminarreihe in der Bundesrepublik Deutschland, in Ecuador und in Kanada mehrmals mit grossem Erfolg durchgezogen

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    Medicine

    Teil eins: Anatomische Grundlagen

  • Vorbemerkung zur Neuauflage 2009

    Seit 1992 haben wir diese Seminarreihe in der Bundesrepublik Deutschland, in Ecuador und in Kanada mehrmals mit grossem Erfolg durchgezogen. Ein Intensiv- Kurs für die in der Erkilet Air Base in Kayseri stationierten Fallschirmjäger und auf der Turkish National Police Academy in Istanbul 1995 war für den Vortragenden eine echte Herausforderung.

    Die Rahmenbedingungen haben sich seither signifikant verändert:

    1. die Verbrechensrate ist explodiert – die Hintergründe sind bekannt 2. der Zugang der unbescholtenen Bürger zu Waffen wurde in Europa drastisch

    eingeschränkt („Gewaltmonopol der Verbrecher“) 3. die Personalstruktur der Richterschaft hat dazu geführt, dass das Recht auf

    Notwehr in der Praxis schleichend eingeschränkt wird, und „Experten“ warnen vor Widerstand – eine weitere Einladung an Straftäter

    4. Dim Mak und Kyusho werden in den letzten Jahren massiv vermarktet und als Pseudo-Akupressur-Kurse verkauft.

    Das Skriptum ist neu überarbeitet worden, um einer neuen Generation von Budoka Zugang zum notwendigen Wissen über die Schwachstellen des menschlichen Körpers zu verschaffen.

    Der Teil über die anatomischen Grundlagen ist inhaltlich weitgehend unverändert, allerdings wurde das Bildmaterial von Norbert Mahl (Shidoshi-Ho) wesentlich verbessert.

    Bezüglich der strafrechtlichen Konsequenzen einer Notwehrhandlung kann ich nur darauf hinweisen, dass im Zweifel eine bedingte Freiheitsstrafe einem längeren Spitalsaufenthalt vorzuziehen ist .

    Wien, im September 2009

    Dr. Wolfgang J. Schneider

  • Vorbemerkung zur Erstauflage 1992

    Diese Unterlagen sind nur für einen ausgewählten Personenkreis bestimmt. Dies nicht so sehr, weil es sich dabei um gefährliche Techniken handelt – ein Küchenmesser, ein Auto oder eine Motorsäge sind mindestens genauso gefährlich - , sondern weil ich Sorge habe, dass verantwortungslose Personen verleitet werden könnten, mit den Techniken und Punkten herum zu experimentieren. Andererseits halte ich es für wichtig, diese Synthese aus dem Wissen der alten Meister und der modernen Combat-Lehrer sowie aus den Erkenntnissen der westlichen und asiatischen Medizin an verlässliche Lehrer weiterzugeben. Denn das Wissen um die Punkte kann nicht nur in Extremsituationen lebensrettend sein, sondern kann auch helfen, Unfälle im Dojo zu vermeiden. Ich betrachte dieses Skriptum nur als Informationsmaterial und möchte die Empfänger bitten, das Wissen nur an Personen ihres Vertrauens weiter zu geben. Die im Folgenden enthaltene Information ist dem ernsthaften Forscher ohnedies problemlos zugänglich, er muss nur die einschlägige Literatur sorgfältig studieren. Jedes Experiment mit beschriebenen Techniken an den betreffenden Körperstellen kann gravierende Folgen haben und muss daher unbedingt unterlassen werden. Von einer Demonstration dieser Anwendung in der Öffentlichkeit rate ich schärfstens ab. Bei einer Anwendung im Ernstfall gebe ich die strafrechtlichen Konsequenzen zu bedenken. Wien, im Juli 1992 Dr. Wolfgang J. Schneider „Jedes Leben ist wertvoll, aber es gibt Situationen, in denen ein Mann zum Schwert greifen und andere Männer vernichten muss. Es ist nicht meine Aufgabe, Dir zu zeigen, wie Du Deine Taten rechtfertigen sollst. Du wirst wissen - so wie ich es gewusst habe -, wann und wo es notwendig und zu rechtfertigen ist, einen anderen Menschen zu töten. Oft bleibt Dir gar keine andere Wahl.“ Sifu HEI LONG

  • Primäre Ziele im Kopfbereich

    Der Kopf ist ein beliebtes, aber auch problematisches Angriffsziel. Durch die Knochenstruktur des Schädels ist das Gehirn relativ gut geschützt. Es besteht die Gefahr, die Hand zu verletzen, ohne dem Gegner nennenswerten Schaden zuzufügen. Weiters sehen Kopfwunden oft wesentlich grausiger aus, als sie sind (Platzwunden), was gerade im Selbstverteidigungsfall zu grösseren Problemen führen kann: der verletzte Angreifer muss im Spital versorgt (genäht) werden, die Zeugen sehen einen blutüberströmten Menschen (der Mitleidseffekt ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen). Ein typisches Beispiel für eine gerne angegriffene, meist aber nicht lohnende Stelle im Kopfbereich ist das Os temporale, ein ziemlich dicker und widerstandsfähiger Knochen. Es scheint ein angeborenes Verhaltensmuster zu sein, diese Stelle für ein gutes Angriffsziel zu halten. Der Budoka sollte diesen Instinkt überwinden und bessere Ziele angreifen. Weiters ist der Kopf ein bewegliches und daher schwer zu treffendes Ziel.

  • Bregma

    Dabei handelt es sich um die Stelle am Schädeldach, wo die Naht zwischen dem Os Frontale und den Ossa Parietelia, also die Sutura Coronalis, mit der Naht zwischen den beiden Ossa Parietelia, also der Sutura Saggitalis zusammen trifft.

    Ein Angriff auf diese Stelle führt oft zu einer Dislokation des Os frontale, wobei es zu schweren Schäden der darunter liegenden Bereiche der Motorcortex kommen kann. Oft kommt es bei diesem Schlag auch zum Verlust von Zähnen. Der Gegner ist meist eine Zeit lang bewusstlos, Gehirnerschütterung.

    Sutura Coronalis

    Bei seitlichen Angriffen auf diese schon oben beschriebene Naht tritt ein ähnlicher Effekt wie bei der Bregma auf.

  • Os Sphenoidale

    Dabei handelt es sich um eine relativ kleinen Trefferfläche auf einem quer eingebauten Knochen ca. 2 – 3 cm hinter dem Auge. Die Struktur ist nicht nur eher schwach, sondern es handelt sich dabei um den einzigen Knochen im Schädel, dessen äussere Oberfläche nicht konvex, sondern konkav gebaut ist. Ein sehr lohnendes Punktziel. Der klassische KASUMI-Todespunkt.

  • Orbita

    Die Augenhöhle wird von einer Reihe vom Knochen umgeben. Ein harter Treffer in diesem Bereich wirkt direkt auf die Vorderlappen des Gehirns und führt sehr oft zur Bewusstlosigkeit. Fusstechniken in diese Gegend führen meistens noch zusätzlich zu diversen Knochenbrüchen.

    Bulbus Oculi

    Angriffe auf den Augapfel können nicht nur zur Erblindung führen, sondern es ist möglich, mit längeren Gegenständen – wozu auch die versteiften Finger zu zählen sind – bis zum Gehirn vorzudringen (sowohl durch die Fissura Orbitalis Superior als auch durch Zertrümmerung der Ala Maior Ossis Sphenoidalis). Es sind also sogar letale Folgen nicht auszuschliessen.

  • Glabella

    Oft fälschlich als Nasenbrücke bezeichnet, liegt diese Stelle wenige Millimeter über der Nasenbrücke, direkt zwischen den Augenbrauen. Ein starker Schlag wird von dort direkt auf die Vorderlappen des Gehirns übertragen, was Gehirnerschütterung, Bewusstlosigkeit oder den Tod zur Folge hat.

  • Septum Nasi

    Manche chinesische Lehrer sehen die Nasenscheidewand aus dem Grund als Todespunkt an, weil theoretisch die leicht zu brechende gemischte Knochen- und Knorpelstruktur der Nase ins Gehirn getrieben werden kann. Dass dies in einem normalen Kampf kaum mit Absicht zu bewerkstelligen ist, werden die meisten Kampfsportler aus eigener Erfahrung wissen. Allerdings kann man diesen Effekt mit der richtigen Technik sehr wohl erzielen.

    Die Nase ist aber ein leicht von allen Seiten zu treffendes Ziel, das als Sinnesorgan reichlich mit Nerven ausgestattet und daher auch stark schmerzempfindlich ist. Ein Treffer erzeugt meist starkes Augentränen, wodurch eine gewisse Blendwirkung eintritt.

    Os Nasale

    Das Nasenbein ist sehr leicht zu brechen, wobei starke Blutungen auftreten, die wieder die Atmung behindern können. Ausserdem tritt auch hier zumindest kurzfristig eine massive Blendwirkung ein.

  • Philtrum

    Ein Angriff auf diese Region führt meist zu gebrochenen Zähnen, häufig kommt es auch zur Zerstörung der Nasenknochen und Gehirnerschütterung, da die Maxilla den Schock unmittelbar weitergibt.

    Manchmal bricht der Dens Axis ab, was zu einem Hirnstammtrauma und damit zum Tod führt. Gilt wahrscheinlich darum in allen traditionellen Systemen als Todesziel.

  • Mandibula

    Abhängig von der Wucht und den Winkelverhältnissen wird der Schock entweder durch Ausrenken oder Kieferbruch im Kiefer selbst absorbiert oder über die Zähne an das Gehirn weitergegeben. In diesem Fall kann es zu Gehirnerschütterung und Bewusstlosigkeit kommen.

    Der Kieferknochen ist sehr widerstandsfähig, es bleibt immer das Risiko der Verletzung der Hand.

    Wird die Mandibula in der Mitte von vorne oder von unten getroffen (also am Kinn), treten meist gravierenden Folgen auf: normalerweise sind die Folgen Geichgewichtsverlust, Desorientierung und Bewusstlosigkeit. Bei erhebenden Techniken kommt es zu einem "Whiplash Injury", wie wir es von Auffahrunfällen her kennen (Peitschenschlagsyndrom).

    Manchmal hebt dabei der Kopf von der Wirbelsäule ab, was den Tod zur Folge hat.

  • Cerebellum

    Ein Angriff auf die Stelle, wo die Kuppel des Kopfes in der Halsmuskulatur verschwindet, hat meist Koordinationsverluste zur Folge, weil die betreffende Gehirnsregion (Kleinhirn) direkt angegriffen wird. Eine Todesfolge ist nicht auszuschliessen.

    Membrana Tympani

    Weil es sich dabei um ein Sinnesorgan handelt, ist diese Region sehr gut innerviert.

    Ideal sind Treffer mit der hohlen Hand, die eine Schallwelle erzeugen, die sich in das Mittelohr fortpflanzt und das Trommelfell zerreisst.

    Folge sind starke Schmerzen, Gleic