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Dezember 2017 67. Jahrgang Heft 276

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  • Dezember 2017

    67. Jahrgang Heft 276

  • GELEITWORT

  • INHALT

    Inhalt der Ludwigsteiner Blätter, Dezember 2017

    VJL – Vereinigung Jugendburg LudwigsteinGeleitwort zu dieser Ausgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christian Bluhm U2Aus dem VJL-Vorstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Matti Zimmer 4Protokoll zur Ordentlichen Mitgliederversammlung der VJL . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6Hohe und runde Geburtstage 2018 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16Freiheit – damals erkämpft, heute wichtig – Martin Luther . . . . . . . . Klaus Gröne 17Kann man Geschichte cachen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Jakesch 18Mitgliederversammlung der VJL – mehr als eine Jahreshauptversammlung! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Jakesch 20OMV-Wochenende der VJL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Elfriede Lange 22

    Aus dem BurglebenStand der Planung Burg 2020 – Sanierung von Bädern und WC . . . Tim Brandes 23Sanierung der Kernburg kann beginnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24Wer oder was ist eigentlich „die Burg“? – Jugendbildungsstätte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stephan Sommerfeld 2750 Jahre Orden der Wandalen im Nerother Wandervogel . . . . . . . . Herbert Reyer 32Einladung zur Oster-Familienwoche 2018 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Maike Wicke 37Einladung zur Winterbauhütte 2018 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Selmar Sechtling 38Neu auf der Burg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39Einladung zum Beräunertreffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Benedikt Bahr 42Burgtermine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53

    Aus dem ArchivArchivtagung: Die deutsche Jugendbewegung. Historisierung und Selbsthistorisierung nach 1945 . . . Dr. Susanne Rappe-Weber 43

    Ortrud Krüger-Stohlmann (Wato) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frauke Schneemann 48Kultur auf Fahrt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Franziska, Johanna, Maria 50

    Aus der JugendbildungsstätteEinladung zum Bildvortrag „1000 Meilen Wind“ . . . . . . . . . Stephan Sommerfeld 52

    Der Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe der Ludwigsteiner Blätter ist der 15. Februar 2018.

  • AUS DEM VJL-VORSTAND

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    Liebe Ludwigsteiner,wieder geht ein Jahr zu Ende. Ge-rade erst haben wir unsere jährli-che Mitgliederversammlung, deren Protokoll ihr wie gewohnt auch in dieser Ausgabe der Ludwigsteiner

    hinter uns gebracht. Wir wissen, dass der eine oder die andere unter euch dazu neigt, Scherze zu machen, dass auf vergangenen Mitglieder-versammlungen in den letzten zwei Jahrzehnten „mehr los war“, was sie interessanter gemacht hätte.

    Aber wenn wir uns ehrlich fragen, ob wir die in dieser Zeit auf der

    wieder erleben wollen, wird der -

    „Nein!“ beantworten.

    kam; hatten immer mehr Schocks zu verkraften, mit allem was in der Folge aufgedeckt wurde (insbeson-dere der Umgang mit dem Nach-

    haben in der OMV gestritten über Neubauideen auf dem Burgberg; und waren zuletzt aufgewühlt, als die Burg als Ganzes in einen rechts-extremen Kontext gestellt wurde

    Situation mit dem Ziel der Aufar-beitung plötzlich auch die die Burg bis heute prägenden Bünde suspen-diert wurden.

    für alle Beteiligten anstrengenden und auch für viele schmerzhaftem Prozess neben Zugangskriterien für

    Beschwerdestelle für die Burg her-vor gebracht, deren Arbeit einer laufenden Weiterentwicklung unter-worfen ist und für die direkt Betei-ligten nie einfach sein wird.

    Umso schöner, dass aus den Dis-

    diversen Neubauideen und dafür angemeldeten Bedarfe mit dem En-no-Narten-Bau nicht nur ein gelun-genes Bauwerk, sondern auch ein Gemeinschaft stiftendes Element im Burgleben entstanden ist. Beim gemeinsamen Bauen konnten nicht nur gegenseitige Vorurteile abge-baut werden, sondern auch den Rest

    -te geknüpft werden. Wir freuen uns auf die kommende Generation über-zeugter Ludwigsteiner.

    Und zuletzt ist auch die Arbeit am

    mit der Klärung des Verkaufs des letzten Grundstücks zu einem Ab-

  • AUS DEM VJL-VORSTAND

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    schluss gekommen. Sicher hat sich

    -ten Jahren fast schon formalisiert

    Erwähnung fand, haben wir mit

    gelungen war, dem Nachlassverwal-ter die entscheidenden Informati-onen zu entlocken und durch seine Beharrlichkeit einen Abschluss zu erwirken, wie er dann auch in der OMV berichten konnte.

    Wir freuen uns darauf, mit euch

    den Erhalt unserer Burg ein bringen zu können – und haben nichts da-gegen, wenn das harmonisch ab-

    zum Glück nicht gleichbedeutend

    mit Stillstand auf der Burg, wie uns der Stiftungsvorstand eindrucks-voll damit bewiesen hat, wie er die Sanierung der sanitären Anlagen in der Kernburg zuerst in der Beschaf-fung erforderlicher Fördermittel und nun folgend in der Umsetzung angeht.

    allgegenwärtigen Weihnachtstru-bel nicht überrennen lasst, und wünschen euch einen geruhsamen Ausklang des Jahres. In dieser Zeit gesammelte Energien können dann gleich zu Beginn des kommenden Jahres beim gemeinsamen Bauen mit anderen Freunden und Unter-stützern der Burg im Rahmen der

    Erhalt der Burg eingesetzt werden.

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    Protokoll zur Ordentlichen Mitgliederversammlung der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e.V.

    Samstag, der 4. November 2017, Meißnersaal auf Burg Ludwigstein

    Tagesordnung

    1. Begrüßung durch Tatjana Wander, Vorsitzende der VJL

    Ehrung der verstorbenen Mitglieder

    Feststellung der ordentlichen Einladung, Vorstellung eines Gastes und Abstimmung (einstimmig) darüber, dass er bei der OMV dabei sein darf.

    Feststellung der Beschlussfähigkeit: 97 Stimmen sind im Saal vertreten.

    Wahl der Protokollführerin / des Protokollführers: Florian Horst, einstimmig

    Annahme der Tagesordnung: Tagesordnung wurde einstimmig angenommen.

    Annahme des Protokolls der OMV vom 5.11.2016: Das Protokoll (siehe LB 272) wurde einstimmig angenommen.

    2. Bericht des Vorstandes und des Archivreferenten

    Tätigkeitsbericht der VJL-Vorsitzenden:

    Der VJL-Vorstand trifft sich zwei Mal regelmäßig im Jahr zur Kuratoriums- und anschließenden VJL-Vorstandssitzung. Themen: Dringliche Termine, dringliche Tätigkei-ten. Zusätzlich wird seit wenigen Jahren eine Vorstandsklausur an einem Wochenende zur inhaltlichen Arbeit (Steuern, Mitgliedergewinnung, Finanzen, Veranstaltungen, z.B. Beräunertreffen) durchgeführt. Die Ludwigsteiner Blätter werden begleitet: Aufruf zu Artikeln für die Ludwigsteiner Blätter auch aus dem Mitgliederkreis.

    Weitere einzelne Tätigkeitsbereiche:– Unterstützung der Organisationsteams von VJL-Veranstaltungen– Belegungsverträge für VJL-Veranstaltungen– Gesellschaftervertretung Jugendbildungsstätte– Kommunikation Amtsgericht / Finanzamt / Steuerberater– Teilnahme an der Winterbauhütte– Geschäftsstelle und Stimmkarten– Geburtstagskarten

    VJL-Veranstaltungen:– OMV-Wochenende, ehem. Novembergespräche– Beräunertreffen– Familienwoche Ostern

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    Vorstellung der einzelnen VJL- Veranstaltungen durch anwesende Organisatoren

    Beräunertreffen (Singewettstreit) -

    schiedene Angebote aus dem Bereich von Kultur und Musik war:10 AG-Angebote (z. B. Akkordeon, Volkstanz,…)KleinkindergartenAlkoholfreies Café im RittersaalMarkt aus dem bündischen Kreis im Enno-Narten-Bau Zum eigentlichen Singewettstreit kamen in den letzten Jahren rund 14 Einzelsänger und Gruppen. Es gibt ein festes Vorbereitungsteam und insgesamt rund 60 Mithelfer. Neues Konzept zur Übertragung in weitere Räume der Burg wegen vieler Teilnehmer, die nicht mehr in den Meißnersaal hinein passen. Budget der VJL wurde zuletzt ausschließ-lich für den Freitag Abend (musikalische Gestaltung) verwendet, da das Treffen einen Überschuss erwirtschaftet. Dabei soll die VJL in Zukunft stärker präsentiert werden. Die Veranstaltung war in den letzten Jahren kostendeckend. Zur Verringerung des Risikos für die VJL durch die gebuchte Ganzburgbelegung konnten mit dem Burgbetrieb Son-derkonditionen vereinbart werden. Im Gegenzug wurde vereinbart, dass eventuell erwirt-schaftete Überschüsse zu 50% an die Burg (sachgebundene Spende für den Burgerhalt) gehen und 50% in der VJL als Rücklage für zukünftige Beräunertreffen verbleiben.Termin für 2018: 16. – 18.03.2018 mit herzlicher Einladung durch das Organisationsteam

    Familienwoche 2017Beginn mit einer Olympiade mit gemischten Gruppen. Es wird viel gesungen, gewandert, getanzt und musiziert. Die Kinder werden in verschiedenen Gruppen nach Alter betreut. Jedes Jahr gibt es auch ein Kindertheater. Nachmittags werden verschiedene Bastelak-tivitäten angeboten. Jedes Jahr steht unter einem anderen Motto, dass sich durch die

    verschiedene Aktivitäten an, auch der „Nachwuchs“ bringt sich von selbst ein. Auch 2017 war die Veranstaltung wieder kostendeckend. Zusätzlich wurden aus den Reihen der Teilnehmer Spenden zur Sanierung der Sanitäranlagen gesammelt.Familienwoche 2018: 24.3.-2.4.2018, Thema Mittelalter

    mit gezeltet haben, sind erstmals in die Burg umgezogen. Teilprogrammpunkte wurden

    Witzenhausen mit anschließendem Besuch der Absatzgenossenschaft Unterrieden. Es

    geben, aber auch viel Freiraum für eigene spontane Aktivitäten und entspanntes Bei-sammensein.

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    Bericht des ArchivreferentenHerbert Reyer sieht im Archiv einen wahren Schatz und kann nur Erfreuliches berich-ten. Enge Bindung an hessische Archivverwaltung (HEBIS), Archivbestände werden EDV-technisch erfasst, in das bundesweit nutzbare Archivkatalogsystem eingestellt und zur Nutzung durch Interessierte aufbereitet. Ein Eingriffs- und Steuerungsrecht steht dem Archivreferenten nicht zu, er beobachtet und berichtet. Der Depositalvertrag regelt, dass neben dem Archivreferenten der VJL ein Stiftungsvorstandsmitglied (z.Zt. Jörg Möller) im Verwaltungsrat vertreten ist.Publikationen aus dem Jahr 2017:

    Studie: „Zwischen Wandern und lesen“ von Malte LorenzenÖffentlichkeitsarbeit und Mitwirkung an Veranstaltungen der Burg:Archivtagung, Tag des offenen Denkmals, Archivführungen

    Stiftung Dokumentation der Deutschen Jugendbewegung:-

    Entwicklung der Mitgliederzahlen:Ein kontinuierliches Absinken der Mitgliederzahlen erfolgte von 479 Mitgliedern in 2008 bis hin zu 357 Mitgliedern in 2017. Jeder ist aufgerufen, neue Mitglieder zur Erhaltung der Burg zu gewinnen.

    Danksagung des VJL-Vorstandes an:Stiftungsvorstand,BBL, Bereichsleitungen, Mitarbeit/innen Burg, Jugendbildungsstätte und Archiv,BauhüttenkreisOrganisatoren der VJL-VeranstaltungenVJL-Vorstand, KuratorenVJL-GeschäftsstelleRevisorenLB-RedaktionUnd alle, die hier nicht erwähnt wurden.

    In Zukunft soll immer eine Gruppe besonders geehrt werden. In diesem

    -standsmitgliedes Juliane Osmers (Kani) nach.

    Hellmuth-Behrendes-Nachlass: Vortrag von Tobias WollnyHellmuth Behrendes hat viele Jahre lang auf der Burg unterstützend gewirkt.Am 7.4.1901 wurde er in Berlin geboren und war sein Leben lang ein Wandervogel.

    unter anderen die VJL bedacht wurde.

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    Kurz vor seinem Tod erteilt er eine Generalvollmacht zu Gunsten von Dr. Winfried Mogge (ehem. Leiter des Archivs). Dieser täuschte die Gründung einer Hellmuth-Behrendes-Stiftung über 500.000,- DM vor. Am 28.11.1994 verstirbt Kurt

    DM aus der vermeintlichen Stiftung in das Archiv aber es kommt auch zu Veruntreu-ung. Die vermeintliche Hellmuth-Behrendes-Stiftung wird insgesamt völlig aufgezehrt. Das Barvermögen von vermutlich mehreren 100.000 DM aus dem Nachlass wird ebenfalls aufgezehrt. Schließlich kommt es zu einer erschreckenden Wendung über die viele erst aus der Presse er fahren:

    „Mord an Monika Neuenroth28. Juli 2001 | 13.57 UhrLeiche im Kalksteinbruch gefunden: Chef tötet AngestellteWitzenhausen (rpo). Ein Archivleiter aus Hessen hat den Mord an einer seit zehn Tagen vermissten Angestellten gestanden. Die Leiche der Frau war am Freitagabend in einem Steinbruch in der Nähe von Witzenhausen gefunden worden. Der bereits am Dienstag verhaftete Mann gab in einer Erklärung zu, die 50-Jährige im Zuge einer verbalen und dann tätlichen Auseinandersetzung im Affekt getötet zu haben. Das teilte das Polizeiprä-sidium Nordhessen am Samstag in Eschwege mit.

    Hintergrund: Vermutlich sind auch Mittel aus dem Hellmuth-Behrendes-Nachlass zu be-trügerischen Handlungen des damaligen Archivleiters verwendet worden. Seine Ange-stellte, Monika Neuenroth hat ihn mit ihren Vermutungen darüber konfrontiert und musste dieses mit ihrem Leben bezahlen.“Quelle: http://www.rp-online.de/panorama/chef-toetet-angestellte-aid-1.2050972

    Nach der Verhaftung von Dr. Mogge hat die Erbengemeinschaft den Rechtsanwalt Vau-

    gemacht und über mehrere Jahre den abschnittweisen Verkauf eines als einziges im Nachlass verbliebenen Grundstückes in der Nähe von Berlin betreut.

    das Archiv. Dabei werden die Zinszahlungen als durchlaufender Posten durch den VJL Haushalt geführt, um eine Kontrolle über die Zahlung zu haben. Leider schwindet der Wert des Kapitalstockes durch die derzeit niedrige Zinslage.

    3. Bericht zur Tätigkeit der Stiftung

    Roland Lentz (Stiftungsvorstand, Bereich Finanzen):

    Seit 2014 wurde die Zielsetzung formuliert: Qualitätsmerkmale und die Wirtschaftlichkeit

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    angesprochen und musste zur Fördermittelbeantragung rechtzeitig angemeldet werden. Es sollen konkrete Einzelmaßnahmen umgesetzt werden, keine Großaktion. Ein Teil der Arbeiten soll wie gehabt durch den Bauhüttenkreis und Bauhelfer abgearbeitet werden, insbesondere zur permanenten Aufrechterhaltung des Burgbetriebes. Viele Sanierungs-

    -währleistung bieten (müssen).

    Es wurde ein umfangreicher Fördermittelantrag gestellt. Genehmigt wurden Mittel für:

    – Bäder / Sanitäranlagensanierung- Gästezimmer (neue Betten, Stühle, Schränke)- Technische Ausstattung

    40 % Land Hessen / 20% Eigenmittel). Die Eigenmittel sollen sowohl aus Kreditaufnah-

    der Maßnahmen kann nur unter Beachtung des gültigen und aktuellen Vergaberechtes geschehen, d.h. die Beauftragung von Leistungen erfordert erheblichen Vorbereitungs- und Kontrollaufwand.

    Bericht vom Burgbetriebsleiter Selmar Sechtling:Vorstellung eines neuen Auszubildenden im Büro, Jannik Heeg sowie neue Auszubilden-den in der Küche Luisa Lückert und Madeline Zimmermann. Neue BFD werden vorge-

    Folgende Ereignisse prägten das vergangene Jahr:– Winterbauhütte (120-130 Teilnehmer) ab Mittwoch bis Sonntag. Es wurde Brennholz

    gemacht, der Rittersaal wurde renoviert (Decke gespachtelt) und Tische gebaut.– Beräunertreffen– Arbeitseinsatz der Harz-Weser-Werkstätten– DreiEckenKreis (überbündische Veranstaltung in Folge des ehem. Kirschenfestes) mit

    Schwerpunkt auf Theater, Handwerk und Musik– Ein Blitzeinschlag am 1.8.2017 um 3:58 am Burgturm (62 kA – normaler Blitz: 10 kA)

    hat die Netcom-Internettechnik, Elektroleitungen und technische Geräte zerstört – kein Personenschaden, nach 1,5 Tagen sind die meisten Systeme wieder gelaufen.

    – Sommerbauhütte mit ca. 40 Teilnehmern: Heckenschnitt, Sandsteinfußboden im Backhaus ergänzt, Eichenholzbohlen zu zehn stabilen Eichenbänken verarbeitet.

    – 4. Ludwigsteiner Handwerkermarkt am Tag des offenen Denkmals (über 1500 Besu-cher)

    – 23.9.17: Feuerwehrübung mit Hinweisen zur Verbesserung-

    tenberg): Holzpavillion (rund 9 m lang, rund 3m breit. Plan: Auf unterem Zeltplatz als zusätzlicher Tagesraum. Zusätzlich wurden von der Fa. Festool Werkzeuge gespen-det (Vermittelt von Magges – Matthias Mack)

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    – Neuer Flyer: Fahrtziel Ludwigstein, vorgestellt auf dem Allenspacher Hof (Bündisches Treffen)

    – Umbaumaßnahmen wurden begonnen (Bauschild am Burgtor) mit Informationsnach-mittag und Imbiss im Meißnerzimmer – das Meißnerzimmer soll zum Burgbüro wer-den.

    Danke an Mitarbeiter, Stiftungsvorstand, Kuratorium, ehrenamtliche Helfer, Förderer und Freunde der Burg.

    Kaffeepause um 15:40 bis 16:03 Uhr.

    4. Bericht zur Tätigkeit der Jugend bildungsstätte (Stephan Sommerfeld)

    Zweck der Jugendbildungsstätte: Jugendbildung, Ideen- und Kulturgut der Jugendbe-wegung erhalten

    4 Mitarbeiter

    – 2 Kochkisten für die Zelterküche wurden zum Verleih an Gruppen zusammengestellt– History-Trekking DDR– Arbeitskreis Schatten der Jugendbewegung ist nicht mehr aktiv, die Aufarbeitung und

    -mokratie im Werra-Meißner-Kreis

    – Bildungsprogramme für Klassenfahrten (2.300 Schüler)– Archivseminar mit DMWB und den Fahrenden Gesellen auf den Spuren der deut-

    schen Teilung.– Mitveranstalter DreiEckenKreis– SpeedDating zur Bundestagswahl – Vorstellung Diskussion der Bundestagskandida-

    ten aus dem WMK

    Beschwerdestelle der BurgBesetzung: Vertreter von Stiftung, Burgbetrieb, Archiv, JugendbildungsstätteBeschluss: Keine Teilnahme des Freibundes am BurglebenAktuelle Fälle werden bearbeitet. Der Jahresbericht der Beschwerdestelle wird in den

    Perspektive: Breitere Einbeziehung aller Gremien auf der Burg

    VJL-WochenendeLernen aus der Geschichte, History Caching OMV-Bericht über Walter Jantzen

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    Arbeitsgruppen, Bundesführerversammlung, Jugendgruppenleiterschulung in 2018 mit Rüdiger Nehberg15 Jahre Jugendbildungsstätte gGmbH in 2018 (Himmelfahrtwochenende)

    Im Rückgriff auf die Behandlung des Nachlasses von Hellmuth Behrendes gibt es An-merkungen. Die entstehende Diskussion um persönliche Wahrnehmungen in Gegen-

    -

    der Ausarbeitung über die Kuratoriumsarbeit involvierte Person einvernehmlich beendet.

    5. Haushaltsabschluss für das Geschäftsjahr 2016

    angestiegen und führen zu einem Haushaltsüberschuss. Es ist geplant diese und weitere Summen aus 2017 in 2018 der Stiftung als Spende für die zu erbringenden Eigenmittel

    Vorstellung der Jahresrechnung 2016:-

    derung hin zu Veranstaltungsförderung, Zusammenfassung von Novembergesprächen, Familienwoche November und OMV-Wochenende zu einer VeranstaltungDas Ergebnis ist vor allem durch zweckgebundene Spenden geprägt.

    6. Bericht der Revisoren und Entlastung des Vorstandes für das GJ 2016

    Jasmin Stübiger und Christian Bluhm loben die übersichtliche Kassenführung, die Nummerierung der Belege und die Darstellung der Kassensituation

    2016Für die Entlastung stimmen: 88Gegen die Entlastung: 0Enthaltungen: 9

    Die Entlastung des Vorstandes ist hiermit von der Versammlung beschlossen.

    7. Genehmigung des Haushaltsplanes für das Jahr 2018

    Eine Nachfrage aus der Versammlung zum nicht ausgeglichenen Haushalt in Folge der -

    greifenden Betrachtung der Kassenstände beantwortet: Die Gelder wurden im Jahr 2016 und 2017 eingezahlt und sollen im Jahr 2018 wieder ausgezahlt werden (als Zuschuss aus zweckgebundenen Spenden zur Sanierung der Burg).

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    Überschüsse, daher können die Zuschüsse gering bleiben.-

    tigung durch die OMV zur Erhöhung der Zuführungsbeträge zur Burgsanierung.

    Abstimmung über die Genehmigung des Haushaltsplans 2018Gegenstimmen: 0Enthaltungen: 0Zustimmung: 97

    -

    stellen zu können. Gegenstimmen: 0 Enthaltungen: 4 Dafür: 93

    2. Antrag: Aus der Vermögensübersicht des VJL-Haushalts sollen die ideellen Werte in

    Gegen den Antrag: 0Enthaltungen: 0Dafür: 97

    8. Wahlen:

    VJL-Kassenwart/in und Ersatzmitglied

    Vorschläge zur Wahl eines neuen Kassenwartes:Wiederwahl von Jörg RothhämelJörg stimmt dem Vorschlag zu

    Gegenstimmen: 0Enthaltungen: 2Für Jörg: 95

    Jörg Rothhämel nimmt die Wahl an

    Ersatzmitglied des Kassenwartes

    Vorschläge: Ulrich Jakesch (Wusel), er stimmt dem Vorschlag zu

    Gegenstimmen: 0Enthaltungen: 0Für Ulrich: 97

    Ulrich Jakesch nimmt die Wahl an

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    Archivreferent/in und Ersatzmitglied

    Vorschläge: Herbert ReyerHerbert stimmt den Vorschlag zu

    Gegenstimmen: 0Enthaltungen: 0Für Herbert: 97

    Herbert Reyer nimmt die Wahl an

    Ersatzmitglied des Archivreferenten:

    Vorschläge: Sven BindschekGegenstimmen: 0Enthaltungen: 0Für Wiederwahl: 97

    Sven Bindschek hat im Vorfeld seiner Wiederwahl zugestimmt

    Revisor/in

    Vorschlag: Christian BluhmChristian Bluhm stimmt dem Vorschlag zuVorschlag 2: Sabrina Bansleben (abwesend)

    Für Christian Bluhm: 59Für Sabrina Bansleben: 21Enthaltungen: 17

    Christian Bluhm nimmt die Wahl an

    9. Anträge

    Genehmigung des Protokolls von der letzten OMV:

    Zusammenhang mit dem Haushaltsplan abgedruckt werden.-

    feld (Freitag Abend) an zentraler Stelle des OMV-Sitzungssaales sowie Erinnerung in den LB und ggf Verweis auf die Homepage, wo die LB digitalisiert vorliegen.

    Antrag wird nach Diskussion um alternative Einsehmöglichkeiten zurückgezogen.

    VJL-Vorstand soll Aufruf an die Gremien der Burg und Mitglieder der Vereinigung Ju-

    Ludwigstein und der Jugendburg Ludwigstein einzubringen.Gegenstimmen: 3Enthaltungen: 15Für: 79

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    -hens der VJL und der Jugendburg Ludwigstein auf.

    10. Verschiedenes

    Der Bauhüttenkreis stellt sich vor:

    Bauhüttenkreis vor. Der Bauhüttenkreis ist ein bündisches Gremium zur Erhaltung der Burg Ludwigstein, seit 2006 auf Initiative von Tolu auf Grund eines immensen Sanie-rungsstaus. Ehrenamtlich wurden Bauhütten organisiert und durchgeführt. Mittlerweile gibt es 10Jahre Bauhütten auf der Burg Ludwigstein mit verschiedenen Gewerken.

    100 Jahre VJL im Jahr 2020wurde bereits durch Antrag unter „Anträge“ besprochen

    Termine OMV 3.11.20182.11.2019

    Blickbeziehungen Burg Ludwigstein: Es wäre wünschenswert, wenn die Blickbeziehungen von Westen zur Burg wiederher-gestellt würden. Gespräche mit dem Eigentümer, Land Hessen, sind begonnen wor-den. Blickbeziehungen sollen durch Baumfällungen am Hang umgesetzt werden, hierfür

    Große Baustellen:Mehrfache Antragsstellung zur Sanierung der Kernburg: Dank an Roland Lentz für seinen ehrenamtlichen Einsatz.

    Das Dach wird zukünftig sanierungsbedürftig sein, ggf. sind weitere Finanzierungshilfen -

    vorstand abgegeben werden. Dank an Bauhüttenkreis, Stiftungsvorstand und Burg-betriebsleiter und sein Team.

    Vorschlag zur Finanzierung des Eigenanteils an der Sanierung der Kernburg durch zins-lose Darlehen aus dem Mitgliederkreis. Roland Lentz freut sich über Spender/innen und Zustifter/innen. In den Ludwigsteiner Blättern soll für die Sanierungsvorhaben geworben werden.

    Hinweise zur weiteren Abendgestaltung: Gemeinsames Konzert und gemeinsame Singerunde als Anstoß für ein gemeinsames Ende der Veranstaltung.

    Ende: 17:48 Uhr

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

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    70 Christiane Becker 06.11.48 Franz Dittel 20.03.48 Volker Hamel 22.05.48 Annelie Lüpkes 14.02.48 Walter Pfeiffer (Bolko) 24.10.48 Beate Quaas 08.03.48 Hartmut Reiße 28.11.48 Dr. med. Gerhild Schenck-Heuck 17.06.48 Angelika Warns-Loges 29.04.48

    75 Heide Backes 13.04.43 Rainer Krippendorff 16.01.43 Dr. Lutz Martiny 04.02.43 Lothar Meiß 29.06.43 Angelika Möller 14.07.43 Ursula Rist 06.01.43 Dr. Hans-Achim Schubert 03.08.43 Ernst-Wilhelm Seibert 26.03.43 Heinz-Dieter Wichmann 06.04.43 Rainer Würmel 17.05.43 Dr. Horst-Joachim Zeller 03.02.43

    80 Ursula Jandt 27.03.38 Ulrike John 14.10.38 Ingrid Kurth-Andersson 02.04.38 Dr. Jakob Müller 19.05.38 Hans Schulz-Schumacher 04.04.38

    85 Eckart Enkemann 18.05.33 Irmingard Fehrmann Campisi (Aika) 24.06.33 Reinhold Hohmeier 15.01.33 Dieter John 15.10.33

    86 Elfriede Fehlberg 10.06.32 Udo M. Geißler 20.12.32 Prof. Klaus Krippendorff 21.03.32 Gunda Rathke 28.01.32

    87 Ursula Glunz 21.09.31 Horst Harder 11.01.31 Wolfgang Hempel 14.10.31 Günter Klauer 04.10.31

    Eduard Luce 19.11.31 Gerhard Moczynski 15.07.31 Gerhard Palmer 08.06.31 Rolf Siebeneicker 05.07.31

    88 Veit Geissler 09.03.30 Rudolf Glunz 19.07.30 Frauke Hartnuß 02.01.30 Hans-Egon Hartnuß 24.06.30 Helmut König (Helm) 15.04.30 Erdmuth Kuckenburg- Knothe 27.09.30 Dr. med. Gudrun Moßdorf 04.02.30 Hartmut Schneider (hamu) 02.05.30 Hansdieter Wittke (HdW) 05.11.30

    89 Hans-Dieter Roethe 20.04.29

    90 Thea Harder 24.06.28 Peter Lampasiak (Lampi) 12.12.28 Elisabeth Stocks 13.05.28 Günter Wiechmann 20.07.28

    91 Hildegard Brune 17.11.27 Franz Ganslandt 27.06.27 Prof. Dr. Staffan Helmfrid 13.12.27 Marta Herrmann 29.05.27 Benno Kesting 09.01.27 Elisabeth Narten 14.03.27

    92 Irma Meier 15.03.26 Dr. Helga Raape 10.12.26 Helga Wiechmann 14.09.26

    Brunhilde Jablonowski 18.12.25

    94 Hans-Dieter Nahme 22.09.24

    95 Otto Meyer 21.06.23 Gertrud Pautze 21.11.23 Ursula Tätsch 28.03.23

    104 Edith Weiß 18.05.14

    Hohe und runde Geburtstage 2018

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    M -beiten von Rostock nach Mallinghau-sen (bei Sulingen in Niedersachsen), um u. A. unseren Garten winterfest zu machen. 3600 m2 mit ca. 180 m Hecken sind mit 81 Jahren schon eine Aufgabe, bei der man Hilfe gebrauchen kann. Ja, und weil Claas so gut geschafft hatte, beschlossen wir am 4. November zur OMV auf den LU zu fahren.

    So erschienen wir nach dem Frühstück, beim Singekreis im Burghof aus der ,Ver-senkung‘, d.h. aus dem unteren Zugang zum Burghof, genau zur rechten Zeit um an der Programm- und Aufgabenvertei-lung teilzunehmen, und wurden entspre-chend mit kleinen Freudenschreien und Umarmungen begrüßt.

    Für was sich Claas entschloss, weiß ich nicht mehr, ob Wandern, Kinder hüten, Geo Caching oder irgendwelche anderen

    zu ernsterem Tun. Einen ,Workshop‘ über Freiheit, mit Bezug zu Martin Luther und seiner Zeit.

    Im Schneehagenzimmer fanden sich 14 Leutchen verschiedenen, meist reife-ren Alters zusammen. Bis auf die beiden Moderatoren wussten wir nicht was uns erwartete oder was wir erarbeiten sollten. Also stellten wir uns erst einmal gegensei-tig vor. Jeder erzählte wer er sei, woher er oder sie käme und wie er oder sie zur VJL oder zum LU käme. Alle waren wir alte Ludwigsteiner, z. T. von Kindesbeinen

    an (bis auf die beiden ,Vorturner‘, Pfarrer Johannes Barth und Vikar Andre Flimm aus einer Pfarrgemeinde in Hessen). Die beiden steuerten nun geschickt und ge-konnt die Runde im Gespräch zu Luther und seiner Zeit. Erst erschien der histo-risch überlieferte damals sehr erfolgreiche Ablassprediger Tetzel wortgewaltig und überzeugend, um uns gegen einen mög-lichst nicht zu kleinen Obulus ins Himmel-reich zu lotsen.

    Man konnte den Eindruck haben, er hätte uns schon fast überredet und wir wären bereit zu allem Möglichen, um uns vor dem schrecklichen Fegefeuer, welches uns auch noch bildlich dargestellt wurde, zu bewahren. Dann trat Dr Martinus Luther auf, ruhig, bedächtig im festen Glauben an Gott, Christus und den Heiligen Geist. Aber obwohl er längst nicht so feurig und überzeugend war wie sein Widerpart, lie-ßen wir uns als brave, mehr oder weniger gläubige Ludwigsteiner dann doch zum rechten Glauben bekehren.

    Es war eine anschauliche Veranstaltung, die, so glaube ich, uns allen einen Einblick gab in die Zeit der Reformation und in die Gefahren und Schwierigkeiten, mit denen Luther konfrontiert wurde und gegen die er sich schließlich erfolgreich durchsetzte. So waren wir zum Schluss doch alle froh, dass wir Dank Martin Luther eine Chance hatten in den Himmel zu kommen ohne das Portemonaie zu zücken.

    Klaus Gröne

    OMV-Wochenende – 04.11.17 Betr. Workshop:

    Freiheit – damals erkämpft, heute wichtig – Martin Luther. Wozu große, erwachsene Söhne manchmal gut sind!

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    Zumindest bietet die Jugendbildungs-stätte der Burg Ludwigstein das Pro-gramm „History caching“ für Schulklassen an, und was Schülern gut tut, kann doch den Mitglieder der Vereinigung Jugend-burg Ludwigstein nicht schaden. Deshalb buchte der Vorstand dieses Programm für den Vormittag vor der ordentlichen Mitgliederversammlung am 4. November. Und so schauten neun deutlich ehemalige

    die frisch verteilten gelben Navigationsge-räte und ließen sich einweisen in das An-peilen bereits eingespeicherter Zielpunkte rund um die Burg.

    In vier Gruppen ging es dann bei fri-schem Herbstwetter über Stock und Stein zu Stellen mit Bezeichnungen wie „Toter

    Fleck“ oder „Steinbank“. Das war gerade vor einer langen Versammlung die richtige körperliche Betätigung, aber nur ein Teil des Programmes mit dem Ziel, sich mit ei-nem eher verdrängten Teil der deutschen Geschichte zu beschäftigen. Oder wer hat sich schon bisher tiefer mit Kriegsgrä-berstätten beschäftigt, wie man sie über-

    und so konnte uns Arne vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, mit dem der pädagogische Teil des Programmes entwickelt und durchgeführt wurde, die Augen über diese doch meist gemiedenen Stätten öffnen.

    Diese wurden aufgrund internationaler Vereinbarungen nach den großen Kriegen des letzten Jahrhunderts als dauerhafte

    Kann man Geschichte cachen?

    Auf dem Gräberfeld

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    Mahnmale angelegt und sind durch den Staat zu unterhalten.

    Da auf normalen Friedhöfen die Grab-stätten nach bestimmten Zeiten nicht

    werden, wurden die Kriegstoten, die zu-nächst auf normalen Friedhöfen bestattet wurden, in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg auf Kriegsgräberstätten umge-bettet. Dies gilt auch für die Gedenkstätte, die am Fuße des Burgberges im Jahr 1960 angelegt wurde. Dort liegen die sterbli-chen Überreste von ganz unterschiedli-chen Menschen, die durch den zweiten Weltkrieg zu Tode kamen, wie wir an dem spannenden Vormittag feststellen konn-ten.

    Zunächst durch Informationen an den erfolgreich gefundenen sechs Zielpunkten beim „cachen“. Dort fand sich immer eine

    Informationstafel am Eingang der Kriegsgräberstätte

    Kopie der originalen Karteikarten mit den bei Umbettung vorhandenen Informatio-nen zu der oder dem Verstorbenen sowie einige Gegenstände, die weitere Hinweise zu seinem Leben oder seinem Tod gaben. So waren bei zwei verstorbenen Soldaten der Wehrmacht Patronenhülsen in dem gefundenen Cache (Zielpunkt), bei einem anderen eine Nachbildung einer Armbin-de eines KZ-Häftlings. All diese Informa-

    Fund versucht, sich ein Bild über den Ver-storbenen zu machen.

    Die Suche endete für alle auf der Kriegsgräberstätte selber, wo die Grup-pen ihre Informationen austauschten und von Arne weitere Details zu den Verstor-benen erfuhren. Es zeigte sich, dass hier Soldaten der Wehrmacht genauso wie

    auch ein auf einem sogenannten Todesmarsch kurz vor Ende des Krieges getöteter KZ-Häftling ne-ben vielen unbekannten Toten ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die Neugier war geweckt, und unter-stützt durch gut vorbereitete Fragen

    Friedhof, um mehr über die dort lie-genden Personen zu erfahren. Dazu stehen an einigen Grabstellen kleine Informationstafeln, die mit großem Interesse gelesen wurden.

    Und so kam zum Suchspiel in schöner Natur noch ein tiefer Ernst hinzu, mit dem wir uns mit diesem Mahnmal für die Toten der Kriege beschäftigten. Ein spannender Vor-trag, über den wir fast das Mittages-sen vergessen hätten. Aber nur fast.

    Ulrich Jakesch

  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

    Natürlich hat die VJL die Hauptaufga-be, die Jugendburg Ludwigstein zu erhalten und zu entwickeln. Dazu gehört aber auch ein inhaltlicher Teil, in dem insbesondere die Mitglieder gemeinsam an Veranstaltungen auf der Burg teilneh-

    Mitgliederversammlung der VJL – mehr als eine Jahreshauptversammlung!

    „Mir hat das Wochenende gut gefallen. Am Samstagvormittag waren wir

    Abend und auch das gemeinsame Singen und Schlemmen an dem tollen Büf-fet waren sehr schön. Dadurch dass es im Enno stattfand, war der Abend

    was ja auch eine gute Gelegenheit für einen gemeinsamen Abend wäre.“Ulrike Besken

    „Wie in jedem Jahr war das OMV-Wochenende ein willkommener

    klönen, ein bisschen zu wandern, sich Gedanken um die Burg zu machen

    Biggi Alsleben

    men, denn die VJL ist eine Gemeinschaft

    nicht nur in Sitzungen und Gremien statt. Deshalb sehen wir als Vorstand der VJL auch einen wichtigen Teil der Arbeit in der Förderung und Organisation unserer Veranstaltungen.

    Neben dem Beräunerwettstreit, der Fa-

    besonders das OMV-Wochenende für un-sere Mitglieder dazu. Und so hatten wir ein umfangreiches Programm für die OMV 2017 vorab überlegt und geplant, wobei

    übernommen hatte. In den Ludwigsteiner Blättern von September wurden die Ange-bote vorgestellt, und wir waren gespannt, wie sie angenommen werden. Zu Beginn konnte ich mich dann zu Recht ärgern,

    dass ich wieder mal erst am Freitagabend von der Arbeit los kam und Malte Loren-zens Vortrag zum Umgang der VJL mit

    verpasst habe – schade!

    Am Samstag hatte ich zum Ausgleich die Qual der Wahl unter vielen reizvollen Programmbausteinen. Die von mir an-gebotene Wanderung zum Hanstein und

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  • VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

    zurück war für die meisten innerhalb drei Stunden doch etwas zu anstrengend und wurde durch eine spontane kür-zere und auch kindergeeignete Runde ersetzt. Das fand ich zugegebenerma-ßen gar nicht wirklich schade, denn es bot mir die Chance am History Caching teil zunehmen. Und aus Dank habe ich darüber auch einen kleinen Artikel ge-schrieben, denn ihr wohl auch in die-

    „Das viele Schnippeln und dekorieren hat sich gelohnt: Mit

    und Gesang so richtig gemütlich gemacht. Aber auch der vorherige Abend bot mit Malte Lorenzens Vortrag sehr interessante Impulse, besonders hinsichtlich des bevorstehenden Jubiläums 2020.

    Diskussionskultur in der VJL und auf dem Ludwigstein.“ Lisa Koch

    „Das OMV-Wochenende war diesmal besonders geprägt vom Aufein ander-

    und die sich vor wenigen Jahren noch sehr misstrauisch gegenüberstanden. Es war sehr schön, wie sich Bündische mit alten und jungen Ludwigsteinern zu Gesang und Gespräch zusammen fanden.“

    Gunthard Stübiger

    Bewegung verbunden gewesen, wäre ich auch gerne beim Workshop zum Thema Luther und die Freiheit gewesen, aber

    anwesenden Bauhüttenkreisler nutzten den Vormittag für ein Treffen, so dass

    die VJL-Mitglieder gut verteilt waren – es hätten gerne noch mehr dabei sein können!

    Die anschließende Mitgliederversamm-lung verlief erfreulich harmonisch und konstruktiv. Vielleicht hat auch die Flut

    von Präsentationsfolien auf der Leinwand dazu beigetragen, dass man den vielen Inhalten besser folgen konnte, denn trotz einer großen Menge von Themen war es ein angenehmer Nachmittag.

    Die Idee des Vorstandes, die Ge-meinschaft in der VJL zu fördern wurde

    Singen und Feiern am Abend nach der Versammlung umgesetzt. Zunächst hat-

    ein sehr schönes Mitsingkonzert mitge-bracht. Die harmonische Stimmung der Versammlung wurde hier hochmusikalisch weitergeführt und bei einigen mehrstimmi-

    gen Liedern durfte das Publikum mitsin-gen, was zur Freude aller gut gelang. An-schließend ging es in den Mehrzwecksaal des Enno-Narten-Baus zur gemeinsamen

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    Mit Gerda Hoyer fuhr ich am Freitag, 03.11.17 von Hamburg nach Witzen-hausen, wo uns der Burgbus abholte. Auf dem Ludwigstein angekommen wurden

    Nach dem Abendessen hörten wir ei-nen Vortrag von Malte Lorenzen „Über

    -mus 1945-1970“.

    Am Samstagmorgen gab es einen Workshop von Pfarrer Johannes Barth und Vikar Andre Flimm: „Freiheit – Heute Wich-tig, damals erkämpft – Martin Luther“. Eine Gruppe brach zum „History Caching“ auf. Eigentlich wollte ich mit, bin aber nicht mehr so geländegängig. So brachte mich etwas später Stephan Sommerfeld mit dem Auto zum Gedenkfriedhof unterhalb der Burg, wo auch die Gruppe eintraf.

    Wir lasen die Inschriften auf den Grab-steinen: auf etlichen steht „Unbekannter Soldat“, auf anderen Namen, Geburts-

    und Sterbedatum. Es waren viele sehr -

    en. Mehrere waren im Konzentrations-lager umgekommen. Zu Fuß gingen wir zur Burg zurück. Am Nachmittag fand die Jahreshauptversammlung der VJL statt. Der Meißnersaal war gut gefüllt. Zuerst berichteten mehrere Leute über die Aktivi-täten ihrer Gruppe, dann übernahm Matti die Leitung bei den Wahlen. Nach dem Abendessen lud der bellAcapella-Chor zum Mitsingen ein. Das anschließende ge-meinsame Singen bekam ich nicht mehr mit, denn ich war müde und ging schlafen.

    Am Sonntag nach dem Frühstück fand der Schlusskreis im Burghof statt. Es folg-te ein allgemeines Abschiednehmen. Ger-da und ich blieben noch zum Mittagessen. Sie hatte Karten für einen späteren Zug. Der Burgbus brachte uns wieder zum Zug nach Witzenhausen.

    Elfriede Lange (Friedel)

    OMV-Wochenende der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein

    Hände unter Anleitung und Organisation von Lisa und Papagena standen ein wun-derbares Buffet, zwei dampfende Tschai–töpfe und diverse andere leckere Sachen für uns bereit.

    -team des Beräuners) hatte dankenswerter Weise ein Liederheft zusammengestellt,

    war eine gute Schnittmenge gefunden für alle VJLer, denn dank des Liederheftes konnten die bündischen Lieder endlich einmal mit allen gemeinsam gesungen werden.

    Am Sonntag endete dann ein gut ge-fülltes Wochenende auf der Burg für die Mitglieder der VJL mit dem traditionellen Schlusskreis im Burghof.

    Das Fazit? Es war ein gutes Wochenen-

    für das Programm noch einige Teilnehmer mehr verdient hätte. Vielen Dank an alle, die eine Aufgabe übernommen haben, um gemeinsam mit allen VJLern die Burg und die Vereinigung mit Leben zu füllen. Und die Resonanz auf das Wochenende hat den Weg des Vorstandes bestätigt, denke ich. Auf ein Neues und auf die Burg!

    Ulrich Jakesch (Wusel)

    VJL – VEREINIGUNG JUGENDBURG LUDWIGSTEIN

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Der Stiftungsvorstand erhielt nach zwei Jahren umfangreicher Planung und -

    wendungsbescheid für Sanierungsmaß-nahmen insbesondere an den sanitären Anlagen der Burg. Das Mobiliar sowie die Duschen und Toiletten wurden Mitte der 1980er Jahre zuletzt erneuert. Hier sind Maßnahmen überfällig, um den laufenden Betrieb weiter zu gewährleisten. Die ge-planten Maßnahmen umfassen Investitio-nen von über 800.000 Euro. Der Eigenan-teil der Stiftung beträgt 20 %, von denen lediglich die Hälfte geliehen sein darf.

    Dank der Arbeit der Mitarbeitenden und des Stiftungsvorstands sind alle Vo-raussetzungen für eine planmäßige Um-setzung erfüllt. Jedoch birgt die Burg in ihren Mauern vielfach auch ungeplante Herausforderungen. Ungeachtet mögli-cherweise angegriffener Balken und de-fekter Hauptabwasserstränge, benötigen wir im direkten Vergleich mit den Jugend-herbergen, die eine oder andere zusätzli-che Toilette oder Dusche. Schon Wasch-

    Zimmer zur Verfügung, insbesondere der Seitenbau hat hier Nachholbedarf. Vor dem Hintergrund gestiegener Gäs-teerwartungen (und seien es nur die der Schulklassenbegleitpersonen), erschei-nen zusätzliche Anstrengungen erforder-lich. Da der Nassbereich aus Gewähr-leistungsgründen den Handwerksbetrieb erfordert, benötigen wir neben kreativen Ideen für die Umsetzung, wie immer, Geld. Mein Versuch vor einigen Jahren Raum-pate für eine Seitenbautoilette zu werden, scheiterte an meinem Mitvorstand. Unum-

    wunden möchte ich einräumen, dass sich die Raumpatenschaft für ein Klo sicher nicht einfach gestalten lässt. Die anonyme

    -on. Während die Installation ganzer Bäder große Beträge erfordert, ist die anonyme Waschbeckeninstallation für 250 Euro zu haben. Eine Lampe am Bett sollte für 40 Euro zu haben sein.

    Vor dem Jahr 2020, dem 100. Jahr nach dem die Burg ideell der Jugend gewidmet wurde, liegt mit dem Jahr 2019 der 130. Geburtstag von Enno Narten. Bereits in seiner Zeit praktizierte er vergleichenden Wettbewerb und postulierte, dass die

    -gebot Schritt halten muss. In seinem Sin-ne habt Ihr nun Gelegenheit seinem Appell zu folgen, den er vor seinem 80. Geburts-tag formulierte: Schickt keine Geschenke,

    die Stiftung freuen sich über Nachrichten mit der Botschaft: Der Dauerauftrag ist eingerichtet.

    Und das Tollste ist, es muss kein Dau-erauftrag sein. Wählt gerne auch die Über-weisung. Weitere Alternativen bieten sich bei der Bankverbindung. Wählt zwischen:

    – VJL, Sparkasse Werra-Meißner, BIC: HELADEF1ESW IBAN: DE07 5225 0030 0050 0183 73

    – Stiftung Jugendburg Ludwigstein, Sparkasse Werra-Meißner, BIC: HELADEF1ESW IBAN: DE66 5225 0030 0050 0113 94

    Könnt Ihr Euch nicht entscheiden? Ver-wendet einfach beide Bankverbindungen.

    Tim Brandes

    Stand der Planung Burg 2020 – Sanierung von Bädern und WC

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Legte als Erste Hand an: Witzenhausens Bürgermeisterin Angela Fischer beim Anbringen des Bauschildes am Burgtor. Unterstützt wird sie von Technikchef Johannes Kaltenecker und Burgbetriebsleiter Selmar Sechtling.

    Viele Teile des Mobiliars, der Technik und Küchenausstattung der Jugend-burg Ludwigstein stammen zum Teil noch aus den 1970er bzw. 1980er Jahren oder entsprechen nicht mehr heutigen Stan-dards. Die intensive Nutzung und der Zahn der Zeit haben ihre Spuren hinter-lassen, so dass hier seit längerer Zeit Handlungs- und Finanzierungsbedarf besteht.

    Die Stiftung hat in Zusammenarbeit mit Vertretern aus Politik und der Kreis-verwaltung ein Finanzierungsmodel er-arbeitet, das eine Bezuschussung von 40 % aus Landes- und 40 % aus Bun-desmitteln sowie den Eigenanteil von

    20 % vorsieht. In Zahlen ausgedrückt

    337 000 Euro und der Zuführung von etwa 170 000 Euro aus eigenen Mitteln, die u. a. durch entsprechende Rücklagen gebildet wurden.

    Nun erfolgte die Übergabe der ersehn-ten Zuwendungsbescheide, die damit den Beginn des ersten Bauabschnitts im

    erleichtert äußerte sich der Stiftungs-vorstand während einer kleinen Feier-stunde am 23. Oktober 2017 auf der Burg. Der Einladung waren die Landtag-sabgeordneten Dirk Landau und Lothar Quanz, Vizelandrat Dr. Rainer Wallmann,

    Jugendburg Ludwigstein und Archiv der deutschen Jugendbewegung

    Sanierung der Kernburg kann beginnen

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Lara Herwig und Dr. Ulrich Kreusch vom Regierungspräsidium Kassel sowie Witzenhausens Bürgermeisterin Angela Fischer gefolgt.

    In den Ausführungen erläuterte Finanz-vorstand Roland Lentz, dass es wichtig sei im Wettbewerb mit vergleichbaren Betrieben konkurrenzfähig zu bleiben. Die Anforderungen und Bedürfnisse der einzelnen Gästegruppen haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert und mit den zugesagten Zuschuss mitteln könne man nun entsprechend darauf reagieren. Diese Ansicht teilen auch Kura-

    Jugendburg Ludwigstein e.V., die ebenfalls auf den Ludwigstein gekommen waren.

    Im anschließenden Austausch infor-mierten Selmar Sechtling und Architekt

    Hans-Peter Schubert darüber, dass die Arbeiten während des laufenden Betriebes und unter Berücksichtigung des Denkmal-

    Abteilungen anstehende Herkulesaufga-be, die man mit Aussicht auf das Ergebnis gerne zu tragen bereit ist. So werden nach dem Umbau die sanitären Bereiche mo-dernen Maßstäben, wie sie bereits bei der Errichtung des Enno-Narten-Baus gesetzt wurden, entsprechen. Darüber hinaus ver-fügt die Burgküche dann auch über einen neuen Küchenblock mit modernen Gerät-schaften. Im Speisesaal sowie verschie-denen anderen Tagesräumen werden zusammen 27 Tische und 210 Stühle aus-getauscht. 32 Gästezimmer der Kernburg und des Meißnerbaus werden letztlich mit neuen Betten, ausreichend Schrankkapa-

    Die Landtagsabgeordneten Lothar Quanz und Dirk Landau informieren sich beim Kuratoriumsvorsitzenden Holger

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    zitäten, Sitzmöbeln und Tischen ausge-stattet sein.

    Mit dem Umzug des Burgbüros in das gegenüberliegende Meißnerzimmer soll ein moderner und repräsentativer Empfangs-bereich für die Gäste entstehen, der bereits im neu gestalteten Foyer beginnen wird.

    Das Ziel ist die Fertigstellung bis 2019, so dass man mit Blick auf das große Jubiläum „100 Jahre Jugendburg Ludwigstein“ im darauf folgenden Jahr der Öffentlichkeit eine Herberge mit moderner Ausstattung übergeben kann.

    Eine erste Vision, wie der neu gestaltete Gästempfang im Meißnerzimmer künftig aussehen könnte, skizzierte Burgchef Selmar Sechtling.

    Graue Burg im Sonnenglast,Burg im Regen, Burg im Schnee,die du uns gerufen hast,unsre Burg wie eh und je.

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    Die hauptamtliche Jugendbildungs-arbeit auf der Burg startete 1982 mit Mittelbewilligung und Trägeranerkennung durch das Hessische Sozialministerium. Ziel des von Archivleiter Dr. Winfried Mog-ge entwickelten Konzeptes war es, die Sammlungen des Archivs der deutschen

    zugänglich zu machen und den Ludwig-stein zu einem Zentrum außerschulischer

    Jugendarbeit in der nordhessischen Pro-vinz zu machen. 1983 stellte die Stiftung Heinz Jürgen Pantlen als Jugendbildungs-referent und Burgwart ein, ein halbes Jahr später folgte ihm Rainer Schmidt. Wirklich geprägt haben die Bildungsstätte dann aber erst Michael „Siddha“ Fritz (1984 bis

    ’88 und Boris Brokmeier (1993 bis 2001) mit u.a. dem Bündischen Forum. Ende

    Wer oder was ist eigentlich „die Burg“?Unter dieser Überschrift haben wir in den LB 263 (September 2014) eine

    Reihe über die Gremien auf der Burg gestartet. Seither wurde die Arbeit des VJL-Vorstandes ebenso vorgestellt wie die Aufgaben des Stiftungsvorstandes und des Kuratoriums. Dann ist die Reihe leider etwas eingeschlafen.

    Die Komplexität des Zusammenspiels der ehrenamtlichen und hauptamtli-chen Gremien und Aufgaben hat aber nicht abgenommen, und mehr oder we-niger klare Abgrenzungen zwischen ihnen ist für nicht darin Arbeitende nach wie vor oft nicht ganz einfach.

    Wenn von „der Burg“ gesprochen wird, bezieht sich dies oft auf Haltungen (z. B. Kriterienkatalog zum Zugang auf die Burg), Entscheidungen (z.B. Umfunkti-onierung des Meißnerzimmers zum Empfangsbereich) und Zuständigkeiten (z. B. wer organisiert bestimmte Veranstaltungen oder ist zuständig für Belegungen).

    Dass dann alles quasi „in einen Topf“ geworfen wird, kann zu Missverständ-nissen führen. Es werden Vorwürfe gegen Gremien und/oder Personen erhoben, die gar nicht verantwortlich sind, entstehen Erwartungshaltungen, die nicht er-füllt werden können, entsteht immer wieder ein Kommunikationsproblem.

    Es wurden immer wieder Versuche unternommen, das vernetzte Gebilde „Burg“ in ein übersichtliches, aussagekräftiges Organigramm zu fassen. We-gen der Komplexität der Zusammenhänge ist das nicht einfach und es hängt auch stark davon ab, aus welchem Blickwinkel man auf „die Burg“ schaut. Ihr

    im VJL-Vorstand 2014 entworfen haben. Wir hoffen, dass wir damit eine für euch gut nachvollziehbare Variante gefunden haben.

    noch die restlichen Gremien vorzustellen. Stephan Sommerfeld stellt hierzu als erster die Arbeit in der Jugendbildungsstätte vor.

    Die Jugendbildungsstätte Ludwigstein

  • AUS DEM BURGLEBEN

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  • AUS DEM BURGLEBEN

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  • AUS DEM BURGLEBEN

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    2002, eineinhalb Jahre nach meiner Einstellung als Leiter, wickelte die Stif-tung unter Siegfried Antelmann die aus ihrer Sicht unrentable Abteilung ab, ließ sich aber Konzepte zur Fortführung der Jugendbildung vorlegen. Nach allerhand hin und her, unter anderem hatte auch die Kulturinitiative (KI) ein Konzept von Frank Kröner (Yeti) vorgelegt, konnten dann 2003

    -gung Jugendburg Ludwigstein (VJL) und eine Privatperson mit ihrem Konzept einer kostendeckenden Bildungsarbeit in Form einer gemeinnützigen GmbH an den Start gehen. Für die VJL unterzeichnete Holger

    an dessen kluger Konstruktion u.a. Hans-Egon Hartnuß wesentlich mitgewirkt hatte. „In Erfüllung ihres Unternehmensgegen-standes …“, so ist es dort als Zweck fest-

    gehalten, „…verwirklicht die Gesellschaft den Dreiklang „Jugend – Bewegung – Bil-dung“ und ist dem Ideen- und Kulturgut der deutschen Jugendbewegung in Fort-führung der historischen Traditionen der Jugendbewegung und unter Berücksich-

    besonderer Weise verbunden.“

    bestehende Gesellschafterversammlung Aufsicht über die kleine Firma mit ihrem

    -nächst erstatte ich als Geschäftsführer schriftlich Bericht, dann werden vor Ort Haushalt und Personal (4 Stellen, 12 Ho-norarreferenten), Vertragspartner (Stiftung, Kreis, Land, Bund), Jahresprogramm (3.500 TN), Zielgruppen (Jugendbünde, Schulklassen, Freiwillige, Migranten, Multi-

    Jubi-Kalender mit Klebepunkten für Klassenprogramme

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    Ideen und neue Geschäftsperspektiven gemeinsam diskutiert und geklärt. Auf der Grundlage von Mietvertrag, Kellervertrag, EDV-Vereinbarung und Weiterleitungsver-trag (für hessische Jugendbildungsmittel) war und ist Hauptgeschäftspartner der „Jubi“ die Stiftung, mit der wir gemeinsam Schulklassenpakete, Veranstaltungen und

    Die Qualität unserer Bildungsarbeit sichern wir über standardisierte Feedback-Bö-gen für Lehrer, wissenschaftlich begleite-

    Ausschreibungen. Mehrfach wurde die Jugendbildungsstätte ausgezeichnet, u.a. mit dem Einheitspreis, dem Deutsch-Pol-nischen Jugendpreis, sowie als Ort im Land der Ideen und, gemeinsam mit der

    Zu den von der Jugendbildungsstät-te organisierten überbündischen Veran-staltungen zählten das Bündische Forum (1994-2005), das Kirschenfest (2010 an die VJL übergeben), die Meißnernacht (2007-2013) und das Beräunertreffen (2005-2013). Angelehnt an die Jugendbil-dungsstätte gründete sich 2010 mit dem Arbeitskreis „Schatten der Jugendbewe-gung“ eine Quellenarbeit, Verbändebera-tung und Bildungsmodule verknüpfende Aufarbeitungs- und Präventionsinitiative

    Jugendbewegung. An der Errichtung des Enno-Narten-Baus beteiligte sich die Jubi über Mitarbeit bei Konzeption („Der dritte

    und Helferwerbung, sowie über begleiten-de Ringvorlesungen und das Online-Bauta-gebuch „Hier baut die Jugendbewegung“.

    Eine Zäsur bildete 2013 die unmittelbar auf unsere Ludwigsteiner Meißnerwochen folgende Fördermittelsperre aufgrund des

    Verdachts „rechter Milieubildung“. Dem voraus war ein seit Jahren schwelen-

    das Zugangsrecht vermeintlich „rech-ter Jugendbünde“ zur „Offenen Burg“ der Jugendbewegung gegangen. Nach dem auch von der Jugendbildungsstätte mitgetragenen Bünde-Ausschluss unter-stützten wir mit dem „Dialog der Bünde“ eine Art Ehrenamtsparlament, dessen de-mokratisch legitimierter Kriterienkatalog den Burgzugang seit Herbst 2014 breit akzeptiert regelt.

    -zess der Jugendburg mit dem Hessischen

    -mismus wurde 2015 mit einer von allen Gremien getragenen Positionierung ab-geschlossen. Im gleichen Jahr beauftragte der Landkreis unsere Jugendbildungsstät-te als regionale Fachstelle mit der Koor-dination und Umsetzung von Demokratie-

    Rahmen des Bundesprogramms „Demo-kratie leben!“.

    gGmbH wird es am 11. Mai 2018 einen kleinen Abendempfang nach dem Vortrag der Survival-Legende Rüdiger Nehberg geben. Den Rahmen bildet, angemessen für eine Jugendbildungsstätte, die über Himmelfahrt laufende Jugendgruppen-leiterschulung „Bündische Juleica“ unse-

    Bis dahin ist nach dem etwas ruhigerem Winter wieder die klassische Jubi- Saison angelaufen: Mit werkelnden Grundschü-lern unter Mittelalterkutten, in Archi-vnachlässen blätternden Studenten, AG’s vorbereitenden Bündischen und Bundes-

    Stephan Sommerfeld

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Am 9. September 2017 beging der in Witzenhausen, Eschwege und Wan-fried beheimatete Nerother Orden der

    Burg Ludwigstein, an der Stelle, an der die bis heute aktiv gebliebene Jungen- und Jungmännergruppe einst aus der Tau-fe gehoben wurde. Eine Reihe zehn- bis

    -

    aus den „Fähnlein“ des Ordens traf auf dem Burghof auf zahlreiche „Alte Ordens-

    und älterer Männer, darunter Handwerker, Abiturienten, Studenten, und wohlbestall-te Doktoren und Professoren, Ärzte, Phy-siker und Raumfahrttechniker, Polizisten und Lehrer.

    waren der Einladung des derzeitigen Or-

    Für viele von ihnen war dies ein erfreuli-ches Wiedersehen, man schwelgte in al-ten Erinnerungen und erinnerte sich an gemeinsam erlebte Fahrten und Lager. Am frühen Nachmittag drängten sich die Wandalen im Gedenkraum der Jugend-bewegung, und hörten hier von einigen „Männern der ersten Stunde“ wie seiner-zeit alles begann. Danach ging es in den Rittersaal der Burg zur Festveranstaltung, bei der neben einigen Eltern vor allem der Bundesführer der Nerother, Fritz-Martin Schulz sowie die Bürgermeisterin von Wit-zenhausen, Frau Angela Fischer, begrüßt wurde. Die aktiven Wandalen trugen eine Reihe Fahrtenlieder vor. Der Bundesfüh-

    rer sprach ein Grußwort, dann folgte der Festvortrag von Herbert Reyer, der 1967 die Gruppe gründete und den Orden bis 1980 führte. Unterhalb der Burg hatte die Gruppe mehrere Jurten aufgebaut. Dicht gedrängt saßen dort später die Teilnehmer um das Feuer. Bis in die Morgenstunden wurde gesungen.

    50 Jahre sind eine lange Zeit. Das gilt auch schon für „normale“ bürgerliche Ver-eine. Für bündische Jugendgruppen ist diese Lebensdauer aber eigentlich ganz ungewöhnlich. Ihr Bestand hängt meist

    von kontinuierlichem Nachwuchs und von einer möglichst ohne Brüche vollzogenen Weitergabe der Führungsämter ab. Das ist den Wandalen offenbar in den letzten 50 Jahren bestens gelungen. Die Ordensfüh-rung hat in diesem Zeitraum nur fünfmal gewechselt: von mir auf Achim Siemon, dann auf Matthias Witzleb, von ihm wie-derum auf Jan Ziegenbein, dann auf Niko

    -der Oehls; 5 Wechsel und 6 Ordensführer in 50 Jahren, ein wirklich guter „Schnitt“! – Und der nächste Ordensführer steht schon fest: Es ist Robert Arndt aus Wanfried, der sich vorgenommen hat, den Orden im Werraland stärker Fuß fassen zu lassen mit Bildung weiterer Gruppen („Fähnlein“) von Hann. Münden bis Wanfried.

    Wir Wandalen waren wohl schon von Anfang an darauf gepolt, irgendwie etwas

    schon bei der Wahl des Ordens-Namens an: „Wandalen“. Das war bekanntlich

    50 Jahre Orden der Wandalen im Nerother WandervogelVortrag zur 50 Jahrfeier der Wandalen auf Burg Ludwigstein

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    ein germanischer Völkerstamm, der es im 5. Jahrhundert vollbrachte, aus dem Osten Europas kommend nach Westen zu ziehen, durch ganz Frankreich und ganz Spanien. Das Volk setzte dann un-ter dem König Geiserich 429 n. Chr. nach Nord afrika über und errichtete hier ein kurz lebiges, aber für die damalige Zeit mächtiges Königreich, mit der Hauptstadt Karthago, das 534 n.Chr. unterging. Das hatte für uns etwas Abenteuerliches, Ver-wegenes. Auf unseren damaligen Groß-fahrten durch Frankreich und Spanien fühlten wir uns geradezu auf den Spuren der alten Wandalen.

    Die Wahl des Namens hatte freilich kei-nen weiteren Tiefgang und schon gar nicht

    „wild“ wollten wir halt sein, selbstständig und unternehmungslustig und fahrtenak-tiv. Die Namenwahl war im Grunde nicht

    romantischen Grundhaltung und letztlich

    Nun stellt sich die Frage, wie wir Wandalen auf die Halstuchfarben Blau/

    Schwarz gekommen sind. Sie spiegeln die Wurzeln, aus denen die Wandalen im Jahr 1967 hervorgegangen sind. Die Orden un-seres Nerother Bundes tragen bekanntlich individuelle Halstuchfarben, von denen die meisten schon im Bund vertreten und da-mit vergeben waren.

    Blau/Rot tragen z. B. die Jungen des Wiesbadener Rabenklaue-Ordens, Blau-Gelb tragen die Koblenzer Bockreiter, rot-weiß geteilt die Berliner Wikinger. Die Halstuchfarben der Vaganten sind Blau/Weiß, die Kieler Likedeeler tragen Grün/Schwarz, die Darmstädter Lö-wenritter Schwarz/Weiß, usw. Alle Farb-kombinationen sämtlicher Orden des Nerother Wandervogels hier aufzählen zu wollen, würde den Rahmen spren-gen. Der 1962 begründete Bilsteiner Or-den aus Witzenhausen trug ein einfarbig blaues Halstuch. Aus den Bilsteinern unter Führung von akkila (Prof. Dr. Karl August Eckhardt, damals im schon fort-geschrittenen Alter von 60 Jahren), er-wuchs bekanntlich 1967 der Wan dalen-Orden.

    Die Wandalen singen im Witzenhäuser Wilhelmitenkloster

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Die zweite Wurzel der Wandalen war neben dem Bilsteiner Orden die evange-lische Jugend in Witzenhausen, zu deren Kluft ein schwarzes Halstuch gehörte. So lag es für uns damals nahe, das Blau der Bilsteiner mit dem Schwarz der evange-lischen Jugend zu kombinieren. Seither tragen die Wandalen als Kennzeichen ihrer Ordenszugehörigkeit das blaue, mit einem schwarzen Streifen versehene Halstuch.

    Nun gehören zu einer bündischen Gruppe auch Fahnen und Wimpel. Die einzelnen Gruppen des Ordens, die „Fähnlein“ führen bis heute phantasievolle Namen, die sich in der Wimpelgestaltung widerspiegeln. Die Ordensfahne hingegen

    Schwarz tragen. Also wählten wir eine blaue Fahne, auf der wir ein Wappenschild mit einem schwarzen schräglinks gestell-ten Balken aufnähten. Außerdem sollte die Gestaltung der Ordensfahne in irgendei-nem Zusammenhang mit den historischen Wandalen stehen. Dabei kam uns akkila zu Hilfe: In seiner umfänglichen Privat-Bi-bliothek fanden sich auch einige Werke zur Geschichte der historischen Wan-dalen, die ich – der gerade 18 Jahre alte Unterprimaner – in seinem Arbeitszimmer durchsehen durfte. Beim Stöbern in den

    -dalisches Siegel und das Monogramm des letzten Wandalen-Königs Gelimer aus dem Jahr 534 n.Chr.

    Das Siegel trug auf der Rückseite die Inschrift „Trasemund“ und nennt damit den für die damalige Zeit hochgebilde-ten Wandalen-König, der von 496 bis 523 herrschte. Wir nutzten die obere freie Flä-che des Wappens zur Aufbringung des Trasemund-Siegels und die untere freie Fläche für ein weißes Rechteck, auf dem wir das Monogramm des letzten Königs

    Gelimer auftrugen. Damit war übrigens auch schon bald klar, dass unsere Wan-dalenfahne einen Namen erhielt: Wir spra-chen seither vom „Trasemund“, der uns auf Fahrt und Lager begleitete.

    Nun fehlt noch ein Blick auf die Wan-dalen-Eule, die als eigenes Wappentier im Orden Einzug gehalten hat. Die Eule, die

    mit dem Wandalen-Orden so gar nichts zu tun. Wie es dennoch dazu kam, dass der Uhu als zweites Ordens-Symbol ak-zeptiert wurde, lässt sich in einer Wanda-len-Ordensschrift von 1972 nachlesen:

    Mein Vater überließ mir, dem frisch gebackenen Führerschein-Inhaber, zum erfolgreich überstandenen Abitur seinen in die Jahre gekommenen Volkswagen („Jadegrün“, 34 PS). Nun hatte ich, an-ders als mein Vater, wenig Verständnis,

    regelmäßig zu waschen, was wieder-um meinem Vater Anlass gab zu kleinen Spitzen und Spötteleien; wann ich denn meine Dreckschleuder säubern wolle, ob man noch aus den Fenstern der Dreckeu-le etwas sehen könne, usw. usw. – Da war das treffende Wort gefallen, „Eule“!

    -

    befasst, entwarf einen großen schwarzen Aufkleber, gewissermaßen die „Ur-Eu-le“ und klebte ihn demonstrativ auf die Heckklappe des Käfers, um dem Auto wenigstens an einer Stelle eine attraktive Note zu verleihen. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: bald schmückte die Eule auch die Autos weiterer Wan-dalen, die damals in der Regel VW-Käfer fuhren. Das war 1971. Und der Wanda-len-Orden war gerade mal 4 Jahre alt. Die ersten Sommer-Großfahrten hatten uns damals nach Frankreich, Holland und

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    nach Spanien geführt. Und es wurde ge-trampt, das heißt, wir fuhren per Anhalter. Die Fähnlein unternahmen daneben ihre Wochenendfahrten, die in aller Regel zu Fuß erfolgten und die Gruppen in die en-gere Heimat führten.

    Gruppen von ungefähr gleichaltrigen Jungen entstanden in diesen 50 Jahren innerhalb des Wandalen-Ordens seither immer wieder neu, sie erlebten an die fünf, vielleicht auch mal mehr gemeinsame und

    zumeist mit dem Abitur, dem oft sich an-schließenden Eintritt der Jungen ins Studi-um oder mit dem Beginn des Wehrdiens-tes wieder auseinander und lösten sich auf. Einige der Jungen aber blieben den-noch während ihres Studiums oder wäh-rend ihrer Zivil- bzw. Wehrdienstzeit aktiv, sie verlängerten gewissermaßen künstlich ihre Jugend und gründeten ihrerseits neue Gruppen, die den Orden bildeten. So ging

    überschauenden 50 Jahren der Wandalen weiter bis zum heutigen Tag.

    Bündische Gruppen, das gilt für un-seren Nerother Wandervogel als Ganzes ebenso wie für unseren Witzenhäuser Orden, waren nie Massenbewegungen.

    Aktiven immer klein. Im Hintergrund stand nämlich nicht die erwünschte Mitgliederzahl, sondern immer die Fra-ge der Qualität der persönlichen Bin-dungen, die eingegangen wurden, ich meine damit, dass für uns immer eine durch Freundschaft geprägte besondere Haltung im Vordergrund gestanden hat.

    Einzelnen, der im Orden mitgemacht hat, letztlich nur wenige Jahre umfasst haben mag, die Jungen haben in diesen Jahren Wesent liches für sich mitnehmen kön-

    nen, sie alle sind auf ihre Weise positiv vom Gruppenleben, vom freien, Erleb-nisorientierten Leben in der Natur geprägt worden.

    Über die 50 Jahre hinweg sind es aber dann doch Quantitäten geworden: Si-cherlich haben in diesen 50 Jahren weit mehr als 200 meist aus Witzenhausen stammende Jungen die Gruppe durch-laufen und erlebt. Für viele von uns gilt seither als Ideal das Lebensbund-Prin-zip. Als Alte Ordensbrüder sollte man dem Orden verbunden bleiben, sich aber nicht mehr in den Jungenbetrieb einmi-schen! Die Aufgabe der „Alten“, die dem aktiven Orden entwachsen sind, sei fol-gende: Das eigene Glück der Jugend

    -on nehmen, dieses besondere „Schlu-

    -ben geboten hat, offen zu halten auch für nachrückende Jungengenerationen. Das ist und bleibt immer eine selbstlose Aufgabe; materiell aus gedrückt: zum Bei-spiel in der Unterhaltung des Ordenshei-mes „Leiterhäuschen“ am Kirchplatz in Witzen hausen, ideell in der Bereitschaft zur Hilfe, zur Abschirmung des Grup-penlebens nach außen, das sich frei

    entfalten soll. Für die nachrückenden Jungengenerationen gilt es, dem Gegen-wartsgeschehen, dem kurzlebig Modi-schen, dem „Zeitgeist“, etwas entgegen-zuhalten, angesichts einer immer stärker durch die Medien bestimmten, allenfalls

    Gesellschaft: Wir haben da ein alternatives Konzept,

    und das heißt „Fahrt“! Wo andere die vermeintliche Welt im Fernsehen sehen, gehen wir in die Natur und erleben sie unmittelbar, wir laufen über abgeerntete

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Felder, durchstreifen die Wälder, über-nachten auf Waldwiesen im „Himmel-bett“ und wir besteigen die Gipfel und Berge noch selber. Wo andere Musik hören, singen und musizieren wir selbst.

    -

    Augenblick: „Wir laufen bis an die Gren-zen unserer Möglichkeiten, wir schwit-zen, frieren, hungern, dürsten. Wir sehen die Sonne aufgehen und versinken. Wir hören den Atem des Waldes. … Wir erle-ben das Land und die Zeit … Wir erleben den Menschen im Freunde und in uns.“ (F.M. Schulz, Kaperbrief 2/70, S.3). Möge der Nerother Wandervogel und unser Or-den auch künftig den kommenden und hoffentlich auch weiterhin nachwachsen-den Jungengenerationen diese Möglich-keiten offen halten.

    Herbert Reyer Herbert Reyer

    Zum 50jährigen Jubiläum haben die Wandalen eine Festschrift herausgebracht. Sie enthält zahlreiche Fahrtenberichte und eine Zusammenstellung von „Betrachtungen und

    -leben der Wandalen beschließen den 66 Seiten umfassenden Band.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe,

    die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen.

    Albert SchweitzerWir gedenken unserer Verstorbenen

    14.11.2017 80 Jahre

    9.3.2017 98 Jahre

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Nach der Fam ist vor der Fam … Bei uns laufen die Vorbereitungen für Os-tern schon auf Hochtouren. Nächstes Jahr wollen wir uns mit dem Thema „Mittelal-ter“ beschäftigen.

    Vom 24. März bis 2. April 2018 haben wir die ganze Burg gebucht. Neben den obligatorischen Programmpunkten, wie Singen, Tanzen, Musizieren, Wandern, Basteln, Backen und Essen, Spielen und gemütliche Abende am Feuer verbringen, wird es natürlich Workshops zum Thema Mittelalter geben. Ob die Zeit wohl für die Umsetzung aller Ideen reicht?

    Wenn Ihr dabei sein möchtet, dann freuen wir uns über Eure Anmeldung.

    Nähere Informationen und Unter-lagen bekommt Ihr bei Maike Wicke,

    Familienwoche 2018

    Familienwoche bedeutet auch „Ungewöhnliches ausprobieren“ und „Eigene Grenzen kennenlernen“.

    Tel.: 05957/1762 oder .de und bei Maria Meyer -

    Eine ruhige Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2018 wünscht Euch

    Maike

  • AUS DEM BURGLEBEN

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  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Hallo, ich bin Annika Ludwig, 20 Jahre alt und komme aus Rommerode.

    Im Sommer habe ich mein Abitur ab-

    einem Studium noch etwas Praktisches erleben. Deshalb freue ich mich sehr über die Arbeit auf der Burg, das Zusammen-leben mit den anderen Zivis und die vie-len unterschiedlichen Gäste und Veran-staltungen. Ansonsten sollte man noch über mich wissen, dass ich gerne Haare

    und noch viel lieber esse. Ein Hoch auf die Burg küche!

    Hallo mein Name ist Felix Matzner, komme aus Lorsch und bin zur Zeit Bun-desfreiwilliger auf der Burg Ludwigstein.

    Nach meinem Abitur wollte ich nicht direkt in ein Studium übergehen und so entschloss ich mich, ein Jahr mit frei-williger Arbeit zu verbringen. Bei meiner Recherche bin ich auf die Burg Ludwig-stein gestoßen, auf der es mir bisher sehr gut gefällt. Im Anschluss an meinen Bundesfreiwillingendienst plane ich ein Chemiestudium.

    Privat fahre ich gerne Rennrad, tanze klassische Tänze und spiele Jugger und Gitarre.

    Neu auf der Burg

    Hallo. Ich heiße Madeline Zimmer-mann (ohne Bild) und bin 20 Jahre alt. Ich habe am 1.06.2017 in der Küche auf der Burg angefangen. Ich bin gelernte Köchin. Meine Hobbys sind reiten (ich habe ein eigenes Pferd) und tanzen. Ich bin in der Freiwilligen Feuerwehr Oberrieden und wohne auch dort.

  • AUS DEM BURGLEBEN

    Hallo, ich bin Anke Rohrbach, 18 Jahre alt und mache hier einen Bun-desfreiwilligen dienst. Ich komme aus dem wunder schönen Bonn und habe die-ses Jahr mein Abitur gemacht. Die Burg kannte ich nur durchs Hören-Sagen, weil ich seit über zehn Jahren im deutschen

    komischerweise nie hier her. Durch Zu-fall bin ich dann über Umwege doch hier gestrandet und arbeite seit August auf der Burg Ludwigstein.

    Nach diesem Jahr werde ich vielleicht Soziologie studieren, aber wer weiß das schon. Jedenfalls gefällt es mir hier sehr gut und ich freue mich auf das Jahr auf

    Mein Name ist Luisa Lückert und ich bin 17 Jahre alt und wohne in Ober-rieden. Ich habe zum 1.08.2017 meine Aus bildung zur Hauswirtschafterin auf der Burg Ludwigstein begonnen. Mein Hobby ist mit meiner Tanzgruppe zu tanzen und Auftritte mit zu machen. Ich habe schon mehrere Praktika auf der Burg geleistet.

    der Burg und all die netten und verrückten Leute hier kennen zu lernen.

  • AUS DEM BURGLEBEN

    Hallo mein Name ist José Villamil Vidaurre (ohne Bild). Ich bin 24 Jahre alt und komme aus Bolivien. Ich habe drei Jahre lang Psychologie studiert und bin nach Deutschland gekommen, um mein Deutsch zu verbessern und die Menschen hier kennen zu lernen.

    Jannik Heeg Merle Wüstenberg

    Philippa Vogelsang

  • AUS DEM BURGLEBEN

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    Liebe Freunde der Burg,

    -ertreffen statt. Vom 16. bis 18. März la-den wir Euch zum Singewettstreit auf den Ludwigstein ein. Neben diesem zentra-len Ereignis erwarten Euch unterschied-liche Arbeitsgruppen und ein Markt am Samstag. Schließlich freuen wir uns darauf abends mit Euch zu singen, zu tanzen und zu feiern.

    Alle Informationen erhaltet Ihr im Inter-net auf www.beraeunertreffen.de

    Für den Vorbereitungskreis: Benedikt Bahl

    Einladung zum Beräunertreffen

    Die „Zivis“ während Ihres Auftrittes Der Vorbereitungskreis im Burghof

    Das Publikum im Meißnersaal

  • AUS DEM ARCHIV

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    Im Mittelpunkt der Archivtagung stand die Auseinandersetzung mit den Deutungen der Jugendbewegungsgeschichte in den letzten 70 Jahren. Durch die Zäsur des Nationalsozialismus, seiner Verbrechen und des Krieges, die alle Bünde und Ein-richtungen der Jugendbewegung massiv tangierte und die einzelnen Lebensläufe ganz unterschiedlich prägte, wurden die Erlebnisse der Jugendgenerationen vor 1933 „historisiert“. Sie galten als Element einer zurückliegenden Zeit, deren Bedeu-

    -gendbewegten Gemeinschaften bezogen, entschlüsselt werden musste. Eine zentra-le Frage war und ist dabei, inwiefern die

    -sammenhang wirksam wurde – vor, wäh-rend und nach den Jahren zwischen 1933 und 1945. Für die Tagung wurden Wis-senschaftlerInnen mit einem öffentlichen Aufruf gebeten, Referate über „Personen, Personengruppen, Institutionen, Zirkel und Netzwerke, die in diesen Zusammen-hängen Aktivität entfalteten“ sowie zu Fra-gen der „NS-Belastung von Angehörigen der historischen Jugendbewegung sowie dem Umgang mit dieser Belastung nach 1945“ vorzuschlagen. Das Programm der Tagung umfasste schließlich 17 Vorträge,

    Annäherungen“, „Belastung und (Selbst-) Historisierung“, „Kontinuität und Diskonti-nuität“, „Erinnerungsdiskurse“ sowie „Aus der akademischen Werkstatt“ gliederten.

    Eröffnet wurde die Tagung am Frei-tagabend durch den Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats des Archivs, Eckart Conze, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universi-

    Zeithistoriker in Deutschland. Einem wei-teren Publikum ist er als Sprecher der

    -schichte des Auswärtigen Amtes bekannt geworden. In seinem Vortrag zeigte er die

    und geschichtspolitischer Aktivitäten zur Jugendbewegung nach 1945 mit dem Wirken des Freideutschen Kreises, der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein und dem Archiv der deutschen Jugendbewe-gung auf. Insbesondere in der Editions-geschichte der dreibändigen „Dokumen-tation der Jugendbewegung“ komme die Wirkmächtigkeit dieser Kreise zum Aus-druck, obgleich bereits zeitgenössisch Kritik an deren apologetischer Grundkon-zeption laut wurde. Forschungen etwa zu dem in der VJL engagierten Erich Zim-mer zeigten, stellvertretend für Viele, eine durchgehend deutschvölkisch orientierte Persönlichkeit, die über die eigene Bio-

    Karl Vogt, hätten sich nachweislich um eine klare Trennung von früheren Einstel-lungen bemüht. Letztlich, so Conze, kom-me es auf genauere Untersuchungen an, um die Belastung Jugendbewegter durch Schuld und Verbrechen während der

    Archivtagung vom 27. bis 29. Oktober 2017

    Die deutsche Jugendbewegung. Historisierung und Selbsthistorisierung nach 1945

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    NS-Zeit, aber auch die spätere Haltung dazu, aufzudecken. Einfache Zuschrei-bungen, bspw. entlang Mitgliedschaft bzw. Nicht-Mitgliedschaft in der NSDAP, seien dagegen kein geeigneter Indikator für die Einschätzung einer Person. Für die Stiftung Jugendburg Ludwigstein und Ar-chiv der deutschen Jugendbewegung als zentralen Erinnerungsort habe die wissen-schaftliche Auseinandersetzung mit die-sen Fragen weiterhin große Bedeutung.

    Das Archiv eröffnete anlässlich der Ta-gung eine neue Dauerausstellung unter der Überschrift „Jugend – bewegt und … voller Geschichte(n)“, in der in einem ei-genen Abschnitt auch das Tagungsthema aufgegriffen wird. Erklärt und präsentiert werden dazu die wichtigsten, kontrovers diskutierten Publikationen, insbesondere „der Kindt“. An einer Medienstation kann in einem Fotoalbum des „Bundes Deut-scher Wanderer“ geblättert werden, der 1950 den Meißnertag von 1913 als zent-rales Generationenerlebnis deutete und

    ausblendete – ein Beispiel für eine aus-drückliche, absichtsvolle Selbsthistorisie-

    Zimmer (1908–2001), einem aus dem Zwickauer Wandervogel kommenden Holzschnitt-Künstler, in beeindruckend präzise gestalteten, allegorischen Moti-ven zeitkritische Gegenwartsdeutungen.

    Groß aus dem Jahr 1933 und Dokumente zum Widerstand beleuchten innerhalb der Dauerausstellung den Alltag in der Dikta-

    Eröffnet wurde die Sektion „Belastung und (Selbst-) Historisierung“ von Torsten

    -lich geprägte „Trucht“ der späten 1920er Jahre wurde in der Nachkriegszeit durch

    ihren Gründer Karl Christian „teut“ Müller (1900–1975) wiederbelebt, dies auf der Grundlage eines ambivalenten Umgangs mit der NS-Zeit durch den charismati-schen Pädagogen und Schriftsteller, wie Mergen ausführte. Müllers Natur- und Geschichtslyrik biete letztlich vieldeutige Anknüpfungspunkte, sodass seine wahr-nehmbare Verbundenheit mit der NS-Ideo-logie und die spätere Distanz dazu un-geklärt blieben. – Auch Kristian Mennen (Berlin) griff ein Phänomen der Kontinuität über die NS-Zeit hinweg auf: die Rede von „Europa“ bzw. der „europäischen Jugend“ in gesellschaftspolitischen Diskursen. Der

    für sehr unterschiedliche Zukunftsvorstel-lungen, keineswegs ausschließlich demo-kratische, wie Mennen u. a. anhand des 1942 gegründeten, faschistischen „Euro-päischen Jugendverbandes“ ausführte.

    -schreibung zur Jugendbewegung führten Knut Bergbauer (Köln) und Ulrike Pilarczyk (Braunschweig) dem Tagungspublikum vor Augen. In der Nachkriegszeit sei das Leo-Baeck-Institut in Jerusalem und New York zum wissenschaftlichen Zentrum

    Überlieferung belegt die Isolation dieser Jugendlichen bereits vor dem Holocaust,

    Die insbesondere durch die Kibbuz-Bewe-gung überlieferten und bewahrten Foto-

    interpretiert, berührten die BetrachterIn-nen in besonderer Weise.

    Theodor Schieder (1908–1984), ei-ner der maßgeblichen Neuzeithistoriker der Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit, gehörte durch seine Zu-

  • AUS DEM ARCHIV

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    gehörigkeit zur Jugendbewegung und die Mitgliedschaft in der „Gildenschaft“

    Jahren vom Freideutschen Kreis für das -

    bewegung“ gewonnen wurden.

    Allerdings schied Schieder, der sich dem Nationalsozialismus nach 1933 all-mählich angenähert hatte, bald wieder aus dem Herausgeberkreis aus, da er die letzt-lich unwissenschaftliche Herangehens-weise nicht mitverantworten wollte, so der Düsseldorfer Schieder-Biograf Christoph Nonn. – Inwieweit auch der Historiker Werner Conze (1910–1986), ein Freund Schieders, Anlass hatte, sich mit seiner NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen, führte Wolfgang Schieder (Göttingen) aus.

    -wegt geprägt“. – Eng mit der Vereinigung

    Jugendburg Ludwigstein verbunden war Otto Bernhardi (1900–1978), mit dessen „vergangenheitspolitischen Interventi-onen“ sich Malte Lorenzen (Bielefeld) beschäftigte. Bernhardi, der aus der sozi-

    eine Minderheit innerhalb der VJL vertrat, forderte Gehör für die NS-Opfer innerhalb der Jugendbewegung und wehrte sich vehement gegen den undemokratischen Geist, der auf der Burg in den 1950er Jahren Einzug gehalten hatte. Lange wurde er als „Querulant“ diffamiert, fand durch seine Position als Archivreferent seit 1974 aber doch noch Anerkennung.

    Günter Behrmann (Potsdam) und Jürgen Reulecke (Essen) veränderten die Perspektive im Abschnitt der „Belastung und (Selbst-) Historisierung“: Bei ihnen

    Prof. Dr. Eckart Conze (Marburg) eröffnete die Tagung.

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    Prägung von Persönlichkeiten, die sich in Bezug auf ihre Gruppierung mit der NS-Zeit auseinandersetzen, im Mittelpunkt des Interesses. Während Behrmann die generationell unterschiedlichen Sichten verschiedener Jugendbewegungshistori-ker daraufhin untersuchte, stellte Reule-cke die Älterengemeinschaft der Freideut-schen vor, die früh, 1947, ihre Mitschuld bekannten und sich gegenseitig offenbar-ten, dann aber nachdrücklich für einen „unbelasteten“, „unpolitischen“ Neuan-fang und die Orientierung an Gegenwarts-fragen eintraten.

    Mit der „Akademischen Werkstatt“ bot die Archivtagung erstmals Raum für die Präsentation noch nicht abgeschlos-sener Arbeiten. Damit gelangten aktu-elle Forschungsthemen frühzeitig in die Diskussion und die Nachwuchswissen-

    schaftlerInnen hatten Gelegenheit, ihre Thesen vor einem Publikum außerhalb der Universität zu erproben – ein Ver-such, der ausdrücklich als gelungen gel-ten kann. Franziska Meier (Heidelberg) fragte nach dem Umgang mit Liedern aus der NS-Zeit in heutigen bündischen Gruppen und stellte damit eine Erweite-rung ihres Dissertationsvorhabens „Blicke nach Osten. Konstruktion von Volk und Nation in Liedgut und musikalischer Pra-

    vor. – Den Gründer der Jugendburg Lud-wigstein, Enno Narten (1889–1973), poli-tisch zu verorten, erweist sich angesichts seiner wechselnden Parteimitgliedschaf-ten, seines weltanschaulich schillernden Freundeskreises und seines insgesamt eher unpolitischen Selbstverständnisses als schwierig, so die Kasseler Doktorandin

    Kaffeepause im Gewölbekeller

  • AUS DEM ARCHIV

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    -

    am Beispiel Berlins untersucht, wie sich -

    der, CPD bzw. VCP zu ihrer Vergangenheit verhielten. Dauerhaft dominant seien die Erzählungen von Verbot und Verfolgung durch den Nationalsozialismus gewesen, sodass man gleichsam „unbelastet“ an die Traditionen vor 1933 anknüpfen konn-te. – Dagegen wurde der von Michael Kubacki (Marburg) untersuchte Bund der Artamanen so eng mit dem Nationalso-

    -gründete „Freundeskreis der Artamanen“ keine Wiedergründung anstrebte. Seine Mitglieder setzten sich mit der zuneh-mend kritischen Geschichtsschreibung zu dem historischen Bund auseinander und arbeiteten daran, nicht zuletzt mittels einer archivischen Sammlung, die vermeint-lich rein sachliche Arbeit der Artamanen in Siedlung und Landwirtschaft zu doku-mentieren.

    Schließlich stellte der Politikwissen-schaftler Reinhard Mehring (Heidelberg) den weithin vergessenen Philosophen und Pädagogen Kurt Grube (1903–1936) vor, der als Schüler des NS-verfolgten deutsch-tschechischen Philosophen Emil Utitz, 1929 eine wegweisende Arbeit über „Die Charakterologie der deutschen Ju-gendbewegung“ als Dissertation vorlegte und damit die Jugendbewegung in ein

    erneuertes Bildungsverständnis einschrei-ben wollte. – Den Abschluss der Tagung bildete eine Diskussion zum Vortrag von Ewald Grothe (Gummersbach) über Ernst Rudolf Huber (1903–1990), Verfasser des erstmals 1957 erschienenen Standard-werks „Deutsche Verfassungsgeschich-te“, aber auch führender NS-Staatsrecht-ler. Huber war Mitgründer des Nerother Wandervogel – insofern berühren seine wenigen, von Grothe eingeordneten,

    boten Anlass, die äußerst anregende Fra-gestellung der Tagung insgesamt zu bilan-zieren und Überlegungen für die weitere Arbeit an diesen Themen zu diskutieren.

    Die Veranstalter, Prof. Dr. Eckart Con-ze und Dr. Susanne Rappe-Weber, zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ta-gungsverlauf. Sie dankten den mehr als 80 BesucherInnen für ihr Kommen und ihre Diskussionsbeiträge, dem wissen-schaftlichen Beirat des Archivs und dem Archivteam, insbesondere Frau Richter, für die reibungslose Organisation sowie den MitarbeiterInnen des Burgbetriebs für den freundlichen Service.

    Geplant ist die Dokumentation aller Tagungsbeiträge im Rahmen der Archiv- Reihe „Jugendbewegung und Jugend-kulturen. Jahrbuch“, die im Oktober 2018 erscheint.

    Dr. Susanne Rappe-Weber

    Der Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe der Ludwigsteiner Blätter ist der 15. Februar 2018.

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    12 „Mädel“ waren es auch, die sich Jubiläums der Bad Homburger Pfad-

    anhaltenden freundschaftlichen Bande zu bekräftigen und in Erinnerungen zu schwelgen. Eine von ihnen und „Pfadi der ersten Stunde“ war Ortrud Krüger-Stohl-mann (Fahrtenname: Wato), die als Pfad-

    -gruppen in der Nachkriegszeit beteiligt war, sondern auch als Künstlerin bis heu-te auf nationalen sowie internationalen Ausstellungen wirkt.

    So gestaltete sie das Stadtbild ihrer Heimat Bad Homburg maßgeblich durch Büsten, Reliefs und Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Heinrich von Kleist, Kaiser Wilhelm II. oder Landgraf Friedrich II. (Prinz von Homburg) mit.

    Bedeutende Werke ihres künstlerischen -

    am 28.10.17 im Landgrafenzimmer auf der Burg Ludwigstein präsentiert – Gastge-

    Hilfsfond e.V.

    Die 92-Jährige ließ es sich nicht neh-men, die Ausstellung selbst durch einen Vortrag über den Prozess des Model-lierens zur Herstellung von Büsten und Reliefs zu bereichern und den detailrei-

    Asko durch lebhafte Anekdoten aus ih-rem Leben zu ergänzen. Die Vorführung eines 1949 gedrehten Films über Watos Wichtelgruppe „Wiesenvolk“ verschaff-te zudem einen beeindruckenden Ein-

    Gruppen nach 1945, welche trotz zahl-

    -künstlerin Ortrud Krüger-Stohlmann (Wato)

    Ortrud Krüger-Stohlmann (Wato)

    „Am 2. September 1947 trafen wir uns zum ersten gemeinsamen

  • AUS DEM ARCHIV

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    reicher Einschränkun-gen Möglichkeiten fanden, Kinder und Jugendliche mit ihrer Arbeit zu erreichen. Durch ihre Tätigkeiten im Bund Deutscher

    erste Landesmeisterin in Hessen und später Internationale Sekre-tärin und 2. Vorsitzen-de im Weltrat bei der World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS) knüpfte sie zahlreiche enge Kontakte und Freundschaften in der

    ihres Reliefs der Lady Olave Baden-Po-well zieren somit bis heute verschiedene

    Relief der Lady Olave Baden-Powell im AdJb

    Collage zum Vortrag über das Modellieren von Büsten und Reliefs

    oder Dänemark. Für ihr Lebenswerk wurde die Künstle-

    rin mit der Ehrenmitgliedschaft im Pfad-

    bildet das Porträt einer eindrucksvollen und facettenreichen Persönlichkeit ab, die sich durch leidenschaftliches Wirken und Beharrlichkeit in allen Lebensbereichen auszeichnet. Nicht zuletzt können durch ihr Beispiel wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung weiblicher Selbstbestim-mung in der Nachkriegsgesellschaft ge-wonnen werden.

    Der Vorlass der Künstlerin, der in die Sammlung von Hans-Dieter Wittke einge-bettet ist, kann im Archiv der deutschen Jugendbewegung unter der Signatur N157 eingesehen werden.

    Frauke Schneemann

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    Ende September reiste eine kleine, kul-turell gesinnte Abordnung gen Süden, um auf dem Überbündischen Treffen auf der Schwäbischen Alp mit der kulturjurte aufzuwarten. Vom 29. September bis zum 3. Oktober 2017 sollte es darin einiges zu hören, zu sehen, zu lesen und zu entde-cken geben.

    Etwa die Wanderausstellung „Ein ‚Ta-gebuch in Bildern‘“, die von 2015 bis 2016 bereits im Archiv der deutschen Jugendbewegung zu sehen war und nun ringsum das Innere der kulturjurte zierte. Fahrten und Zeltlager, Tanzen und Musi-zieren, bündische Treffen und Festumzüge

    Alltags des frühen 20. Jahrhunderts, die der Fotograf Julius Groß (1892-1986) in

    Tausenden von Aufnahmen festgehalten hatte. Noch zu Lebzeiten übergab Groß seinen Nachlass mit über 160.000 Foto-

    -chiv der deutschen Jugendbewegung. Insbesondere seine Bilder bis in die frühen 1930er Jahre waren und sind bis heute prägend für die Binnen- und Außenwir-kung eines lebensreformerischen und

    der Fotograf selbst bis ins hohe Alter ver-schrieben hatte. Jeden Tag von 10 bis 22

    -ses für die (bürgerliche) Jugendbewegung wohl prägendsten Fotografen. Zahlreiche ÜT-TeilnehmerInnen fanden ihren Weg in die kulturjurte und tauchten für einen Mo-

    Kultur auf Fahrt

  • AUS DEM ARCHIV

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    ment in die ferne Vergangenheit der frühen Jugendbewegung ein.

    Zugleich sorgten morgendliche AG-Zei-ten für eine differenzierte und kritische

    -wicklungen im 20. Jahrhundert. So bot die AG-Zeit am Samstag Einblicke in die wechselhafte Geschichte von Jugend im Spiegel ihrer Bilder. Am Montagmorgen war Kreativität gefragt: Musik schafft Ge-meinschaft schafft Musik, so lautete der einladende Titel der AG, dem so einige Bündische folgten. Eifrig wurde über neue und alte Lieder diskutiert, die sodann in selbst gestalteten Liederbüchern festge-halten wurden.

    Einige blieben nach den AGs in der kulturjurte, um der nachmittäglichen Hör-Zeit zu lauschen. Es erwarteten sie Ra diofeatures zur Jugendbewegung, Fahrtenlieder, die Feuerreden des Meiß-nerlagers und Diskussionen zur Jugend-musikbewegung. Ein Ruhepol im sonst

    die das Mittagstief nicht in ihrer eigenen Schlafstadt überwinden wollten.

    Andere schauten nach dem Mittages-sen vorbei und zogen sich zur Lese-Zeit in die kulturjurte zurück. Sie schmökerten in aller Stille in aktuellen und historischen Zeitschriften und Büchern, die das Archiv der deutschen Jugendbewegung uns mit auf Fahrt gegeben hatte. Die einladende Atmosphäre, mit gemütlichen Heubal-len-Sitzmöbeln und kleinen Abstelltisch-chen aus Holzstümpfen und Schwarten-brettern, ließ so manchen verweilen. Nicht wenige nahmen freudig die zur Verfügung gestellte Literatur mit nach Hause, auch wenn der Rucksack schon zum Bersten gefüllt war.

    Mit Anbruch der Dunkelheit wurde es schließlich gemütlich, alle Kerzen auf

    Tischchen und an den Seitenstangen entzündet und der Duft der frischen Heu-ballen zog den einen oder die andere zur Seh-Zeit in die kulturjurte. Filme aus und über die Jugendbewegung durften selbst-verständlich im Programm nicht fehlen. Sowohl der NDR-Film „Junges Deutsch-land“ bot einen spannenden Streifzug durch eine Geschichte von Jugend im 20. Jahrhundert, als auch einige historische Filme aus der Jugendbewegung. Ein klei-nes Highlight war der Meißner-Film 2013, für den die kulturjurte Obhut in der gegen-überliegenden Weltfahrt-Jurte erhielt, da die InteressentInnenzahl denn doch den eigenen Platz überstieg. Im Anschluss boten sich die MacherInnen des Films für eine anregende Diskussion an.

    Und des Nachts, zur Schlafens-Zeit, zeigte sich die kulturjurte plötzlich in ei-nem ganz anderen Licht. Schlafsäcke und Felle, Ponchos und Decken wurden aus den an die Seitenstangen angedockten Kröten gezogen, Heuballen zu Matratzen umfunktioniert und das Lager für so einige weitgereiste Menschen aus dem Umkreis der Burg Ludwigstein bereitet.

    Das Interesse der ÜT-BesucherInnen war uns aller Mühe Lohn – und das kultur-jurtenals nächstes seine Jurte aufschlagen könnte.

    Horridöchen, Franziska, Johanna, Maria

    Neue MitgliederSarah Bindczeck, München

    Hanna Schnelle, Netphen

    Johann Grüllich, Palingen

  • AUS DER JUGENDBILDUNGSSTÄT