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Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 1 von 27 Die Katastrophe von Tschernobyl Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl; Fassung wie am 1.10.2010 vorgefunden) Die Katastrophe von Tschernobyl (auch: Super-GAU von Tschernobyl) ereignete sich am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat, Ukraine (damals Ukrainische Sowjetrepublik), als Folge einer Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor Tschernobyl Block 4. Sie gilt als die schwerste nukleare Havarie und als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten. Auf der INES-Skala wurde sie als bisher einziges Ereignis mit dem Höchstwert 7 (katastrophaler Unfall) eingestuft. Grundlegende Mängel in der Konstruktion des Reaktors sowie Planungs- und Bedienungsfehler bei einem Versuch schaukelten sich auf und bewirkten einen Super-GAU. Große Mengen an radioaktivem Material wurden in die Luft geschleudert und verteilten sich hauptsächlich über die Region nordöstlich von Tschernobyl, aber auch über viele Regionen Europas. Der Unfall führte bei einer nicht genau bekannten Zahl von Menschen zum Tod. Bei vielen Erkrankungen wird die Strahlung als mögliche Ursache angesehen. Dazu kommen psychische, soziale, ökologische und ökonomische Schäden. Über die zu erwartenden Langzeitfolgen besteht seit Jahren ein Streit auch unter Wissenschaftlern. Nach der Katastrophe hatten hunderttausende Helfer, so genannte Liquidatoren, einen Sarkophag einen provisorischen Betonmantel um den explodierten Reaktor errichtet. Dieser ist inzwischen an vielen Stellen gerissen und droht einzustürzen. Mit ausländischer Finanzhilfe soll deshalb in den kommenden Jahren eine neue Schutzhülle gebaut werden. Bekannt ist die Katastrophe unter dem russischen Namen der Nachbarstadt Tschernobyl, da Russisch zum Zeitpunkt der Katastrophe Hauptamtssprache war. Der heute amtliche ukrainische Name der Stadt lautet Tschornobyl. Vereinzelt werden auch die englischen Schreibweisen Chernobyl bzw. Chornobyl verwendet. Reaktor Nr. 4 in Tschernobyl im September 2006 Lage des Kraftwerks in der Nähe der Stadt Prypjat Satellitenbild der Region aus dem Jahr 1997

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    Die Katastrophe von Tschernobyl

    Aus Wikipedia, der freien Enzyklopdie

    (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl;

    Fassung wie am 1.10.2010 vorgefunden)

    Die Katastrophe von Tschernobyl (auch: Super-GAU

    von Tschernobyl) ereignete sich am 26. April 1986 im

    Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat,

    Ukraine (damals Ukrainische Sowjetrepublik), als Folge

    einer Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor

    Tschernobyl Block 4. Sie gilt als die schwerste nukleare

    Havarie und als eine der schlimmsten

    Umweltkatastrophen aller Zeiten. Auf der INES-Skala

    wurde sie als bisher einziges Ereignis mit dem

    Hchstwert 7 (katastrophaler Unfall) eingestuft.

    Grundlegende Mngel in der Konstruktion des Reaktors

    sowie Planungs- und Bedienungsfehler bei einem

    Versuch schaukelten sich auf und bewirkten einen

    Super-GAU. Groe Mengen an radioaktivem Material

    wurden in die Luft geschleudert und verteilten sich

    hauptschlich ber die Region nordstlich von

    Tschernobyl, aber auch ber viele Regionen Europas.

    Der Unfall fhrte bei einer nicht genau bekannten Zahl

    von Menschen zum Tod. Bei vielen Erkrankungen wird

    die Strahlung als mgliche Ursache angesehen. Dazu

    kommen psychische, soziale, kologische und

    konomische Schden. ber die zu erwartenden

    Langzeitfolgen besteht seit Jahren ein Streit auch unter

    Wissenschaftlern.

    Nach der Katastrophe hatten hunderttausende Helfer, so

    genannte Liquidatoren, einen Sarkophag einen

    provisorischen Betonmantel um den explodierten

    Reaktor errichtet. Dieser ist inzwischen an vielen Stellen

    gerissen und droht einzustrzen. Mit auslndischer

    Finanzhilfe soll deshalb in den kommenden Jahren eine

    neue Schutzhlle gebaut werden.

    Bekannt ist die Katastrophe unter dem russischen

    Namen der Nachbarstadt Tschernobyl, da Russisch zum

    Zeitpunkt der Katastrophe Hauptamtssprache war. Der

    heute amtliche ukrainische Name der Stadt lautet

    Tschornobyl. Vereinzelt werden auch die englischen

    Schreibweisen Chernobyl bzw. Chornobyl verwendet.

    Reaktor Nr. 4 in Tschernobyl im September

    2006

    Lage des Kraftwerks in der Nhe der Stadt

    Prypjat

    Satellitenbild der Region aus dem Jahr 1997

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobylhttp://de.wikipedia.org/wiki/Auslegungsst%C3%B6rfall#Super-GAUhttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Tschernobylhttp://de.wikipedia.org/wiki/Prypjat_%28Stadt%29http://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainehttp://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainische_Sozialistische_Sowjetrepublikhttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernschmelzehttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernreaktorhttp://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Unf%C3%A4lle_in_kerntechnischen_Anlagenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Unf%C3%A4lle_in_kerntechnischen_Anlagenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Umweltkatastrophehttp://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Bewertungsskala_f%C3%BCr_nukleare_Ereignissehttp://de.wikipedia.org/wiki/Bedienfehlerhttp://de.wikipedia.org/wiki/Auslegungsst%C3%B6rfall#Super-GAUhttp://de.wikipedia.org/wiki/Liquidatorhttp://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Sprachehttp://de.wikipedia.org/wiki/Tschornobyl

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    Inhaltsverzeichnis

    1 Die Katastrophe

    o 1.1 Ursachen

    o 1.2 Geplanter Versuchsablauf

    o 1.3 Chronologie der Ereignisse

    2 Folgen der Reaktorkatastrophe

    o 2.1 Vorbemerkung zu den verschiedenen Studien

    o 2.2 Kontaminierte Gebiete

    o 2.3 Strahlenexponierte Personengruppen

    o 2.4 Gesundheitliche Folgen

    2.4.1 Akute Strahlenkrankheit

    2.4.2 Langzeitfolgen

    2.4.3 Schilddrsenkrebs und Leukmien

    2.4.4 Andere Krebserkrankungen

    2.4.5 Genetische und teratogene Schden

    2.4.6 Andere (krperliche) Gesundheitsfolgen

    2.4.7 Mentale Gesundheit und psychosoziale Auswirkungen

    o 2.5 Wirtschaft

    o 2.6 Personelle Konsequenzen

    3 Reaktionen auf das Unglck auerhalb der ehemaligen Sowjetunion

    o 3.1 Bundesrepublik Deutschland

    o 3.2 DDR

    o 3.3 Diskussion nach zwanzig Jahren

    4 Tschernobyl und die gesperrte Zone nach dem Unfall

    5 Das Kernkraftwerk Tschernobyl heute

    6 Gedenken

    o 6.1 Veranstaltungen

    o 6.2 Museum und Mahnmale

    o 6.3 Ausstellungen, Konzerte und andere Aktivitten

    7 Literatur

    8 Weblinks

    o 8.1 Wissenschaftliches

    o 8.2 Dokumentation

    o 8.3 Fotodokumentation

    o 8.4 Videodokumentation

    o 8.5 Audiodokumentation

    9 Einzelnachweise

    Die Katastrophe

    Ursachen

    Die Katastrophe ereignete sich bei der Durchfhrung eines Versuchs unter Leitung des

    stellvertretenden Chefingenieurs Anatoli Stepanowitsch Djatlow, der den Nachweis einer

    ausreichenden Stromversorgung nach einer Reaktorabschaltung bei gleichzeitig unterstelltem

    Totalausfall der Versorgung durch das uere Stromnetz htte erbringen sollen (Simulation

    eines totalen Stromausfalls). Als Hauptursachen fr die Katastrophe gelten schwerwiegende

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Die_Katastrophehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Ursachenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Geplanter_Versuchsablaufhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Chronologie_der_Ereignissehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Folgen_der_Reaktorkatastrophehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Vorbemerkung_zu_den_verschiedenen_Studienhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Kontaminierte_Gebietehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Strahlenexponierte_Personengruppenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Gesundheitliche_Folgenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Akute_Strahlenkrankheithttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Langzeitfolgenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Schilddr.C3.BCsenkrebs_und_Leuk.C3.A4mienhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Andere_Krebserkrankungenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Genetische_und_teratogene_Sch.C3.A4denhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Andere_.28k.C3.B6rperliche.29_Gesundheitsfolgenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Mentale_Gesundheit_und_psychosoziale_Auswirkungenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Wirtschafthttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Personelle_Konsequenzenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Reaktionen_auf_das_Ungl.C3.BCck_au.C3.9Ferhalb_der_ehemaligen_Sowjetunionhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Bundesrepublik_Deutschlandhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#DDRhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Diskussion_nach_zwanzig_Jahrenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Tschernobyl_und_die_gesperrte_Zone_nach_dem_Unfallhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Das_Kernkraftwerk_Tschernobyl_heutehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Gedenkenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Veranstaltungenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Museum_und_Mahnmalehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Ausstellungen.2C_Konzerte_und_andere_Aktivit.C3.A4tenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Literaturhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Weblinkshttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Wissenschaftlicheshttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Dokumentationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Fotodokumentationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Videodokumentationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Audiodokumentationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Einzelnachweisehttp://de.wikipedia.org/wiki/Anatoli_Stepanowitsch_Djatlow

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    Verste gegen geltende Sicherheitsvorschriften whrend des Versuches durch die

    Operatoren sowie die bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten

    Kernreaktors vom Typ RBMK-1000 und dessen Betrieb in einem unzulssig niedrigen

    Leistungsbereich.[1] Kennzeichnend fr diesen Reaktortyp unter dieser Voraussetzung ist ein

    stark positiver Void-Koeffizient die Verringerung der Neutronenabsorption des

    Khlwassers infolge von Dampfblasenbildung (Dichtenderung) bei Leistungssteigerung. Ein

    hoher Void-Koeffizient wurde gleichzeitig durch den fortgeschrittenen Abbrand des

    Kernbrennstoffes begnstigt. Weiterhin war die betriebliche Reaktivittsreserve (minimal

    erforderliche Reaktivittsbindung durch hinreichend in den Reaktor eingefahrene Steuerstbe)

    nicht in das automatische Reaktorsicherheitssystem eingebunden, sondern lediglich ein

    Minimalwert in den Betriebsvorschriften vorgegeben. Dieser Minimalwert war bereits

    Stunden vor Beginn des Versuchs unterschritten, der Reaktor htte abgeschaltet werden

    mssen. Auerdem hatte die Betriebsmannschaft Sicherheitssysteme abgeschaltet, um im

    Bedarfsfall den Versuch wiederholen zu knnen. Die automatisch arbeitenden

    Sicherheitssysteme htten das ansonsten planmig verhindert; wie weit sie im

    eingeschalteten Zustand bei den gegebenen ungeplanten Randbedingungen des Versuchs

    auch dessen Erstdurchfhrung oder zumindest den Eintritt einer Katastrophe bei

    Durchfhrung verhindert htten, ist umstritten.

    Die endgltige Auslsung der explosionsartigen Leistungsexkursion war wahrscheinlich auf

    eine weitere konstruktive Besonderheit des Regelstabsystems zurckzufhren: Ein Groteil

    der Steuerstbe hat an ihrem unteren Ende Graphitspitzen, die beim Einfahren aus der oberen

    Endlage zunchst eine positive Reaktivittszufuhr (Leistungssteigerung) in Hhe eines halben

    Betas bewirken, eine Leistungsminderung ergibt sich erst bei grerer Einfahrtiefe.

    Als der Schichtleiter Aleksandr Akimow schlielich die Reaktorschnellabschaltung auslste,

    ist genau dieser Effekt eingetreten: Viele Stbe fuhren gleichzeitig ein und fhrten dadurch

    dem Reaktor mehr Reaktivitt zu. Dieser wurde prompt berkritisch, das heit die

    Kettenreaktion der Kernspaltungen lief auch ohne verzgerte Neutronen von allein weiter und

    war daher nicht mehr regelbar. Die Leistung stieg so innerhalb von Sekundenbruchteilen auf

    ein Vielfaches (vermutlich etwa auf das Hundertfache) der Nennleistung an.

    Eine weitere Schwche des RBMK war ein fehlender Sicherheitsbehlter (Containment), auch

    wenn unklar ist, ob dieser den Explosionen standgehalten htte.

    Umstritten ist auch der tatschliche Anteil von Fehlentscheidungen des Kraftwerkpersonals

    am Zustandekommen des Unglcks. Dass Betriebsvorschriften verletzt wurden, ist Tatsache

    in welchem Umfang sie dem Personal bekannt waren, ist fraglich. Unerfahrenheit und

    unzureichende Kenntnisse, insbesondere im Zusammenhang mit der Leistungsanhebung des

    (mit Xenon vergifteten) Reaktors werden angefhrt. Da beim Versuch ein neuartiger

    Spannungsregler getestet werden sollte, bildeten Elektrotechniker einen Groteil des

    anwesenden Personals.

    Getreu der Geheimhaltungspolitik wurden wie bei frheren Strfllen in den Kernkraftwerken

    Ignalina und Leningrad weder sorgfltige Untersuchungen angestellt noch das Personal in den

    brigen Kraftwerken mit wichtigen Informationen versorgt.

    Wesentlich zum Zustandekommen des Unfalls beigetragen hat die Verschiebung des

    Versuchs um rund einen halben Tag. Die lange Haltezeit auf Teillast fhrte zu einer

    Anreicherung des Reaktors mit neutronenabsorbierendem Xenon-135. Dadurch wurde das

    neutronenphysikalische Verhalten des Reaktors wesentlich komplexer und unbersichtlicher.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Graphithttp://de.wikipedia.org/wiki/Moderator_%28Physik%29http://de.wikipedia.org/wiki/RBMKhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-Medwedew-0http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfblasenkoeffizienthttp://de.wikipedia.org/wiki/Abbrand_%28Kerntechnik%29http://de.wikipedia.org/wiki/Betriebliche_Reaktivit%C3%A4tsreservehttp://de.wikipedia.org/wiki/Steuerstabhttp://de.wikipedia.org/wiki/Regelstabhttp://de.wikipedia.org/wiki/Kritikalit%C3%A4t#Neutronenbilanzhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aleksandr_Akimow&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/wiki/RESAhttp://de.wikipedia.org/wiki/Reaktivit%C3%A4t#Physikhttp://de.wikipedia.org/wiki/Kritikalit%C3%A4t#Prompt_.C3.BCberkritischhttp://de.wikipedia.org/wiki/Containment_%28Nukleartechnik%29http://de.wikipedia.org/wiki/Xenonvergiftunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Ignalinahttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Leningrad

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    Weiterhin war zum Zeitpunkt des Versuchs ein anderes Schichtpersonal anwesend, als

    ursprnglich geplant war.

    Geplanter Versuchsablauf

    Auch ein abgeschaltetes Kernkraftwerk ist auf die Versorgung mit elektrischer Energie

    angewiesen, beispielsweise zur Aufrechterhaltung der Khlung und fr die Instrumentierung

    und berwachung. Im Normalfall wird der Bedarf aus dem ffentlichen

    Energieversorgungsnetz gedeckt. Ist das nicht mglich, laufen Notstromaggregate an.

    Im Rahmen einer zwecks Wartungsarbeiten anstehenden Abschaltung des Reaktors sollte nun

    gezeigt werden, dass die Rotationsenergie der auslaufenden Turbinen bei gleichzeitig

    unterstelltem Netzausfall ausreicht, die Zeit von etwa 40 bis 60 Sekunden bis zum vollen

    Anlaufen der Notstromaggregate zu berbrcken. Nach Sicherheitsvorschriften htte der

    Versuch bereits vor der kommerziellen Inbetriebnahme im Dezember 1983 durchgefhrt

    werden sollen.

    Ein (durch Xenon-135) unvergifteter Reaktor ohne Abbrand htte sicherere Voraussetzungen

    geboten. Warum das unterblieben ist, ist nicht bekannt. Ein im Block 3 des Kraftwerkes

    bereits durchgefhrter Versuch war 1985 fehlgeschlagen, weil die Spannung zu schnell

    abfiel.[2] Nun sollte der Versuch im Block 4 mit einem verbesserten Spannungsregler

    wiederholt werden.

    Es war vorgesehen, den Versuch bei reduzierter Reaktorleistung (zwischen 700 bis

    1.000 MWth) durch Schlieung der Dampfzufuhr zu den Turbinen einzuleiten.

    Chronologie der Ereignisse

    Freitag, 25. April 1986, 01:06: Als erster Schritt sollte die thermische Leistung des Reaktors

    von ihrem Nennwert bei 3200 Megawatt (MW) auf 1000 MW reduziert werden, wie bei einer

    Regelabschaltung blich. Der Reaktor sollte sowohl fr eine Revision als auch fr den Test

    abgefahren werden.[3]

    25. April 1986, 13:05: Aufgrund erhhter Stromnachfrage wird auf Anweisung des

    Lastverteilers in Kiew die Leistungsabsenkung bei einer erreichten Leistung von 1600 MW

    unterbrochen und der Reaktor mit dieser Leistung konstant weiter betrieben. Bei diesen etwa

    50 % Leistung wird der Turbogenerator 7 abgeschaltet.[3]

    25. April 1986, 14:00: Es wird begonnen, das Notkhlsystem abzuschalten. Grund dafr war,

    dass bei einem Notkhlsignal kein Wasser in den Reaktor gepumpt werden soll.[3]

    25. April 1986, 23:10: Es erfolgt die Freigabe zur weiteren Leistungsabsenkung. Der Reaktor

    soll nun langsam auf 25 % der Nennleistung abgefahren werden.[3]

    Samstag, 26. April 1986, 00:00: Eine neue Schichtmannschaft bernimmt den Reaktor.

    26. April 1986, 00:28: Bei 500 MW erfolgte eine Umschaltung innerhalb der

    Reaktorleistungsregelung. Durch einen Bedienfehler, durch den der Sollwert fr die

    Gesamtleistungsregelung mglicherweise nicht richtig eingestellt wurde, oder auf Grund

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stromerzeugungsaggregathttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-1http://de.wikipedia.org/wiki/Nennleistunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Turbogeneratorhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Bedienfehlerhttp://de.wikipedia.org/wiki/Sollwert

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    eines technischen Defekts sank die Leistung weiter bis auf nur noch etwa 30 MW, was ca.

    1 % der Nennleistung betrgt.

    Wie nach jeder Leistungsabsenkung erhhte sich vorbergehend die Konzentration des

    Isotops Xenon-135 im Reaktorkern (Xenonvergiftung). Da Xenon-135 als Neutronengift

    die fr die nukleare Kettenreaktion bentigten Neutronen sehr stark absorbiert, nahm

    aufgrund der Konzentrationszunahme die Reaktivitt des Reaktors immer weiter ab. Als die

    Betriebsmannschaft am 26. April 1986 um 00:32 Uhr die Leistung des Reaktors durch

    weiteres Ausfahren von Steuerstben wieder anheben wollte, gelang ihr das infolge der

    mittlerweile aufgebauten Xe-Vergiftung nur bis zu etwa 200 MW oder 7 % der Nennleistung.

    Obwohl der Betrieb auf diesem Leistungsniveau unzulssig war (laut Vorschrift durfte der

    Reaktor nicht unterhalb von 20 % der Nennleistung betrieben werden, was 640 MW

    entspricht) und sich zu diesem Zeitpunkt auerdem viel weniger Steuerstbe im Kern

    befanden, als fr einen sicheren Betrieb vorgeschrieben waren, wurde der Reaktor nicht

    abgeschaltet, sondern der Betrieb fortgesetzt.

    26. April 1986, 01:03 bzw. 01:07: Bei Schlieen der Turbineneinlassventile luft

    normalerweise das Kernnotkhlsystem an. Dieses war jetzt jedoch ausgeschaltet. Um dessen

    Stromverbrauch fr den Versuch zu simulieren, wurden nacheinander zwei zustzliche

    Hauptkhlmittelpumpen in Betrieb genommen. Der dadurch erhhte Khlmitteldurchsatz

    verbesserte die Wrmeabfuhr aus dem Reaktorkern und reduzierte demgem den

    Dampfblasengehalt in ihm. Der positive Dampfblasen-Koeffizient bewirkte eine

    Reaktivittsabnahme, auf welche die (automatische) Reaktorregelung mit dem Herausfahren

    weiterer Steuerstbe reagierte. Der Reaktorzustand verschob sich weiter in den unzulssigen

    Bereich.

    26. April 1986 01:19: Die Wasserzufuhr in den Reaktor wird erhht, um so die Warnsignale

    zu deaktivieren.[3]

    26. April 1986 01:22: Es gelingt, den Reaktor zu stabilisieren und den Wasserpegel im

    Reaktor auf zwei Drittel des vorgeschriebenen Wertes zu steigern.[3]

    Einfahrweite der Steuerstbe (Grn) und von unten

    eingefahrene gekrzte Absorberstbe (Gelb) whrend der

    Explosion in Zentimetern

    26. April 1986, 01:23:04: Der eigentliche Test begann durch Schlieen der

    Turbinenschnellschlussventile. Dadurch wurde die Wrmeabfuhr aus dem Reaktor

    http://de.wikipedia.org/wiki/Xenonvergiftunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Neutronengifthttp://de.wikipedia.org/wiki/Kettenreaktionhttp://de.wikipedia.org/wiki/Neutronhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2

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    unterbrochen, sodass die Temperatur des Khlmittels nun anstieg. Infolge des positiven

    Dampfblasen-Koeffizienten kam es jetzt zu einem Leistungsanstieg, auf den die automatische

    Reaktorregelung folgerichtig mit dem Einfahren von Steuerstben reagierte. Infolge der

    relativ langsamen Einfahrgeschwindigkeit der Steuerstbe konnte die Leistung allerdings

    nicht stabilisiert werden, sodass der Neutronenfluss weiter anstieg. Dies bewirkte einen

    verstrkten Abbau der im Kern angesammelten Neutronengifte (insbesondere Xenon-135).

    Dadurch stiegen Reaktivitt und Reaktorleistung weiter an, wodurch immer grere Mengen

    an Dampfblasen entstanden, die ihrerseits wieder die Leistung erhhten. Die Effekte

    schaukelten sich auf.

    26. April 1986, 01:23:40: Der Schichtleiter Aleksandr Akimow lst manuell den Knopf des

    Havarieschutzes, Typ 5 (Notabschaltung des Reaktors), aus. Dazu wurden alle zuvor aus dem

    Kern entfernten Steuerstbe wieder in den Reaktor abgeworfen; doch hier zeigte sich ein

    weiterer Konzeptionsfehler des Reaktortyps: Durch die an den Spitzen der Stbe angebrachten

    Graphitblcke (Graphit war der Hauptmoderator des Reaktors) wurde beim Einfahren eines

    vollstndig herausgezogenen Stabs die Reaktivitt zunchst kurzzeitig um den Wert eines

    halben Betas erhht, bis der Stab tiefer in den Kern eingedrungen war.[1]

    Die durch das gleichzeitige Einfahren aller Stbe massiv gesteigerte Neutronenausbeute lie

    die Reaktivitt so weit ansteigen, bis schlielich (um 01:23:44) die prompten Neutronen

    alleine (also ohne die verzgerten Neutronen) fr die Kettenreaktion ausreichten (prompte

    Kritikalitt) und die Leistung innerhalb von Sekundenbruchteilen das Hundertfache des

    Nennwertes berschritt (nukleare Leistungsexkursion).

    Die Hitze verformte die Kanle der Steuerstbe, so dass diese nicht weit genug in den

    Reaktorkern eindringen konnten, um ihre volle Wirkung zu erzielen. Die Steuerstbe

    verkeilten sich nach nur 2 bis 2,5 Metern anstelle der vorgesehenen 7 Metern im Reaktor. Die

    herrschende Temperatur lie die Druckrhren reien und das Zirconium der Brennstbe

    (Ummantelung der Brennstbe) wie auch den Graphit mit dem umgebenden Wasser

    reagieren. Wasserstoff und Kohlenmonoxid entstand in greren Mengen und konnte

    aufgrund der Beschdigungen des Reaktorkernes entweichen. Unterhalb des

    Reaktorgebudedeckels bildeten diese mit dem Sauerstoff der Luft entzndbares Knallgas,

    das sich vermutlich entzndete und zu einer zweiten Explosion (nur Sekunden nach der

    nuklearen Exkursion) fhrte.

    Welche Explosion zum Abheben des ber 1000 Tonnen schweren Deckels des Reaktorkerns

    (Biologischer Schild) fhrte, ist nicht ganz klar. Auerdem zerstrten die Explosionen das

    (nur als Wetterschutz ausgebildete) Dach des Reaktorgebudes, sodass der Reaktorkern nun

    nicht mehr eingeschlossen war und direkte Verbindung zur Atmosphre hatte. Der glhende

    Graphit im Reaktorkern fing sofort Feuer. Insgesamt verbrannten whrend der folgenden zehn

    Tage 250 Tonnen Graphit, das sind etwa 15 % des Gesamtinventars.

    Groe Mengen an radioaktiver Materie wurden durch die Explosionen und den

    anschlieenden Brand des Graphits in die Umwelt freigesetzt, wobei die hohen Temperaturen

    des Graphitbrandes fr eine Freisetzung in groe Hhen sorgten. Insbesondere die leicht

    flchtigen Isotope Iod-131 und Csium-137 bildeten gefhrliche Aerosole, die in einer

    radioaktiven Wolke teilweise hunderte oder gar tausende Kilometer weit getragen wurden,

    bevor sie der Regen aus der Atmosphre wusch. Radioaktive Stoffe mit hherem Siedepunkt

    wurden hingegen vor allem in Form von Staubpartikeln freigesetzt, die sich in der Nhe des

    Reaktors niederschlugen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlmittelhttp://de.wikipedia.org/wiki/Neutronengifthttp://de.wikipedia.org/wiki/Kritikalit%C3%A4t#Neutronenbilanzhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-Medwedew-0http://de.wikipedia.org/wiki/Promptes_Neutronhttp://de.wikipedia.org/wiki/Zirconiumhttp://de.wikipedia.org/wiki/Knallgashttp://de.wikipedia.org/wiki/Iodhttp://de.wikipedia.org/wiki/C%C3%A4siumhttp://de.wikipedia.org/wiki/Aerosol

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 7 von 27

    26. April 1986, 04:30: Akimow meldet einem Mitglied der Kraftwerksleitung, Formin, dass

    der Reaktor intakt geblieben sei. Obwohl augenscheinlich berall kontaminierte Bruchstcke

    des Brennstoffes sowie Graphitelemente verstreut lagen und die Situation bei Tageslicht

    offensichtlich war, wird seitens der Operatoren sowie der Kraftwerksleitung (Formin und

    Brjuchanow) noch bis zum Abend des 26. April darauf beharrt, dass der Reaktor intakt sei

    und nur gekhlt werden msse. Entsprechende Meldungen wurden nach Moskau bermittelt.

    Dieser Umstand ist nach Medwedew haupturschlich fr die spte Evakuierung der Stadt

    Prypjat.[1]

    26. April 1986, gegen 05:00: Die Brnde auerhalb des Reaktors waren durch die

    Werkfeuerwehr gelscht. Block 3 wurde abgeschaltet.

    Abwurf von Materialien aus einem Hubschrauber, um die

    Freisetzung von Spaltprodukten zu verringern

    26. April 1986, gegen 15:12: Der Werksfotograf Anatoli Rasskasov macht die ersten

    Aufnahmen von der radioaktiven Rauchfahne und dem zerstrten Reaktorblock 4 von einem

    Hubschrauber aus. Ein Groteil seiner Aufnahmen waren infolge der hohen radioaktiven

    Strahlung geschwrzt. Einige Abzge behielt er fr sich und die anderen Fotos mitsamt der

    Negative wurden dem Notfallstab und den Sicherheitsbehrden bergeben. Einige

    Aufnahmen werden erst am 30. April 1986 retuschiert im sowjetischen Fernsehen gezeigt, um

    das Ausma des Unglcks weniger dramatisch darstellen zu knnen.

    27. April 1986: Die Blcke 1 und 2 wurden um 01:13 bzw. 02:13 abgeschaltet. Es wurde

    begonnen, den Reaktor von Block 4 mit Blei, Bor, Dolomit, Sand und Lehm zuzuschtten.

    Dies verringerte die Spaltproduktfreisetzung und deckte den brennenden Graphit im Kern ab.

    Insgesamt wurden ca. 40 t Borcarbid abgeworfen, um die Kettenreaktion zu unterbinden, ca.

    800 t Dolomit, um den Graphitbrand zu unterdrcken und die Wrmeentwicklung zu

    verringern, ca. 2400 t Blei, um die Gammastrahlung zu verringern, wie auch eine

    geschlossene Schicht ber den schmelzenden Kern zu bilden und ca. 1800 t Sand und Lehm,

    um die radioaktiven Stoffe zu filtern.[3] Rund 1800 Hubschrauberflge waren hierfr ntig.

    Das zur Khlung in den Block 4 eingeleitete Wasser sammelt sich aufgrund der geborstenen

    Leitungen in den Rumen unter dem Reaktor, wo es stark kontaminiert wurde und mit etwa

    1000 Rntgen pro Stunde strahlte.[1] Zur gleichen Zeit begann die Evakuierung der in der

    Nhe liegenden Stadt Pripjat mit 48.000 Einwohnern.

    28. April 1986, 9:00 Uhr: Im Kernkraftwerk Forsmark in Schweden wurde aufgrund

    erhhter Radioaktivitt auf dem Gelnde automatisch Alarm ausgelst.[4] Messungen an der

    Arbeitsbekleidung der Angestellten ergaben erhhte radioaktive Werte.[5] Nachdem die

    eigenen Anlagen als Verursacher ausgeschlossen werden konnten, richtete sich der Verdacht

    aufgrund der aktuellen Windrichtung gegen eine kerntechnische Anlage auf dem Gebiet der

    Sowjetunion.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Formin_%28Kraftwerksleiter%29&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Brjuchanow&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-Medwedew-0http://de.wikipedia.org/wiki/Werkfeuerwehrhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anatoli_Rasskasov&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/wiki/Spaltprodukthttp://de.wikipedia.org/wiki/Borcarbidhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-Medwedew-0http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Forsmarkhttp://de.wikipedia.org/wiki/Schwedenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-3http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-4http://de.wikipedia.org/wiki/Kerntechnische_Anlage

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 8 von 27

    28. April 1986, 21:00 Uhr: Nachdem die sowjetischen Behrden zunchst eine

    Nachrichtensperre erlassen hatten, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TASS erstmals

    einen Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl. Um 21:30 Uhr wird auch in der

    Nachrichtensendung Wremja eine Meldung verlesen, dass der Reaktor in Tschernobyl

    beschdigt sei und man Manahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie ergriffen habe.

    Um 19:32 Uhr MEZ schickt auch die Presseagentur dpa eine erste Eilmeldung an die

    Nachrichtenredaktionen in der Bundesrepublik Deutschland ab.

    29. April 1986: Sowjetische Quellen sprachen erstmals von einer Katastrophe und von

    zwei Todesopfern.[6] Auch internationale Medien berichten erstmals ausfhrlicher ber den

    Unfall, verfgten aber ber kein Bild- oder Filmmaterial vom Unglcksort. US-

    Militrsatelliten liefern ab dem Nachmittag erste Aufnahmen und Informationen, die

    allerdings der ffentlichkeit vorenthalten werden.

    Im sowjetischen Fernsehen wird erstmals ein Foto vom Unglcksort gezeigt, das aber

    retuschiert wurde. Auch die ARD-Nachrichtensendung Tagesschau zeigte erstmals am 30.

    April 1986 das von den sowjetischen Behrden bearbeitete Foto. Der Generalsekretr des

    Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erklrte:

    Wenn wir die ffentlichkeit informieren, sollten wir sagen, dass das Kernkraftwerk gerade

    renoviert wurde, damit kein schlechtes Licht auf unsere Ausrstung geworfen wird.

    Michail Gorbatschow, auf der nichtffentlichen Sitzung des ZK der KPdSU am 29. April

    1986

    Erst am 5. Mai 1986 nimmt Gorbatschow im sowjetischen Fernsehen Stellung zum

    Reaktorunglck in Tschernobyl.

    1. Mai 1986: Der erst im Februar 1986 in die Erdumlaufbahn entsandte franzsische

    Erderkundungssatellit SPOT 1 lieferte den internationalen Fernsehmedien Aufnahmen von

    Infrarotbildern der nuklearen Rauchfahne ber dem Reaktor. Am 3. Mai lieferten auch

    LANDSAT-Satelliten erstmals Aufnahmen, die allerdings sehr ungenau waren und keine

    Aufschlsse ber das Ausma der Katastrophe zeigen konnten.

    4. und 5. Mai 1986: Es wurde unterhalb der Anlage begonnen, gasfrmigen Stickstoff

    einzublasen, um so das Feuer zu ersticken. Zunchst bewirkte ein Nebeneffekt, dass die

    Wrme im Kern anstieg und so auch mehr radioaktive Partikel hinausgeblasen wurden.[3]

    6. Mai 1986: Die Freisetzung der Spaltprodukte war weitgehend unterbunden. Man begann,

    ein Stickstoffkhlsystem unter dem Reaktor einzubauen.[7][3]

    Folgen der Reaktorkatastrophe

    Vorbemerkung zu den verschiedenen Studien

    Die Folgen der Reaktorkatastrophe werden nach wie vor sehr kontrovers errtert. Ein im

    September 2005 verffentlichter Report des Tschernobyl-Forums beschreibt die

    gesundheitlichen, kologischen und soziokonomischen Auswirkungen aus der Sicht der

    Mitglieder dieses Forums.

    http://de.wikipedia.org/wiki/ITAR-TASShttp://de.wikipedia.org/wiki/Dpahttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-5http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_der_Sowjetunionhttp://de.wikipedia.org/wiki/SPOT_%28Satellit%29http://de.wikipedia.org/wiki/LANDSAThttp://de.wikipedia.org/wiki/Stickstoffhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-6http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-6http://de.wikipedia.org/wiki/Tschernobyl-Forum

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 9 von 27

    Das Tschernobyl-Forum besteht aus vier Nebenorganen der UNO (dem Umweltprogramm der

    Vereinten Nationen (UNEP), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP),

    dem Bro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitren Hilfe (OCHA) und

    dem Wissenschaftlichen Komitee der Vereinten Nationen ber die Wirkungen atomarer

    Strahlungen (UNSCEAR)), vier autonomen Organisationen, die mit der UNO durch Vertrge

    verbunden sind (der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), der Weltbank, der

    Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ernhrungs- und Landwirtschaftsorganisation

    der Vereinten Nationen (FAO)), sowie aus den Regierungen von Weirussland, Russland und

    der Ukraine.[8]

    Die Ausarbeitung des Tschernobyl-Forums wird von einigen Wissenschaftlern und

    Nichtregierungsorganisationen kritisiert. Dem Report wird einerseits vorgeworfen, parteiisch

    zu sein und die Folgen des Reaktorunglcks vorstzlich zu verharmlosen. Andererseits wird

    auf methodische Mngel hingewiesen. So umfasse die Studie lediglich die Folgen in

    Weirussland, Russland und der Ukraine, obwohl ein erheblicher Teil der

    Strahlenbelastungen in Mittel- und Westeuropa anfiel. Auerdem habe die Studie des

    Tschernobyl-Forums Publikationen, die hhere Opferzahlen nahe legen, unbercksichtigt

    gelassen. Schlielich wird kritisiert, dass die Untersuchungen erst fnf Jahre nach dem

    Unglck begonnen wurden.

    Mit The other report on Chernobyl (TORCH) wurde ein 'Gegenreport' zur Ausarbeitung des

    Tschernobyl-Forums verffentlicht. Dieser Report wurde von den britischen Wissenschaftlern

    Ian Fairlie und David Sumner erarbeitet. Er sagt weitaus schwerwiegendere

    gesundheitsschdigende Folgen des Reaktorunglcks voraus. In Auftrag gegeben und privat

    finanziert wurde die Studie von der Grnen Europaabgeordneten und Atomkraftgegnerin

    Rebecca Harms.

    Die nachfolgenden Angaben stammen im Wesentlichen aus obigen beiden Studien (siehe

    Weblinks).

    http://de.wikipedia.org/wiki/UNOhttp://de.wikipedia.org/wiki/UNEPhttp://de.wikipedia.org/wiki/UNDPhttp://de.wikipedia.org/wiki/OCHAhttp://de.wikipedia.org/wiki/UNSCEARhttp://de.wikipedia.org/wiki/IAEOhttp://de.wikipedia.org/wiki/Weltbankhttp://de.wikipedia.org/wiki/Weltgesundheitsorganisationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrungs-_und_Landwirtschaftsorganisationhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Frusslandhttp://de.wikipedia.org/wiki/Russlandhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-7http://de.wikipedia.org/wiki/Rebecca_Harmshttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#Weblinks

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 10 von 27

    Kontaminierte Gebiete

    Die Karte zeigt die Caesium-137-Kontamination in Weirussland, Russland und

    der Ukraine in Curie pro Quadratkilometer.

    Die grten Freisetzungen radioaktiver Stoffe fanden whrend des Zeitraums von zehn Tagen

    nach der Explosion statt. Aufgrund der groen Hitze des bauartbedingten Graphitbrandes

    gelangten gasfrmige oder leichtflchtige Stoffe (z. B. Jod oder Csium) in Hhen von 1.500

    - 10.000 Meter. [9]Die Wolken mit dem radioaktiven Fallout verteilten sich zunchst ber

    weite Teile Europas und schlielich ber die gesamte nrdliche Halbkugel. Wechselnde

    Luftstrmungen trieben sie zunchst nach Skandinavien, dann ber Polen, Tschechien,

    sterreich, Sddeutschland und Norditalien. Eine dritte Wolke erreichte den Balkan,

    Griechenland und die Trkei. Innerhalb dieser Lnder wurde der Boden je nach regionalen

    Regenfllen unterschiedlich hoch belastet. Insgesamt wurden etwa 218.000 Quadratkilometer

    mit mehr als 37.000 Becquerel (37 kBq) Cs-137 pro m radioaktiv belastet. Mehr als

    70 Prozent dieser Gebiete liegen in Russland, der Ukraine und Weirussland. Whrend hier

    die strksten Konzentrationen an flchtigen Nukliden und Brennstoffpartikeln entstanden,

    wurde mehr als die Hlfte der Gesamtmenge der flchtigen Bestandteile und heien Partikel

    auerhalb dieser Lnder abgelagert. Jugoslawien, Finnland, Schweden, Bulgarien, Norwegen,

    Rumnien, Deutschland, sterreich und Polen erhielten jeweils mehr als ein Petabecquerel

    (1015 Bq oder eine Billiarde Becquerel) an Csium-137. Insgesamt wurden in Europa etwa

    3.900.000 km (40 % der Gesamtflche) durch Csium-137 kontaminiert (mindestens

    4 kBq pro m).

    In den am strksten belasteten Gebieten Deutschlands, im Sdosten von Bayern, lagen die

    Bodenkontaminationen bei bis zu 2 Ci /km (74 kBq/m) Cs-137. Diese Landkreise htten

    auch in Weirussland, Russland und der Ukraine den Status der kontaminierten Zone

    http://de.wikipedia.org/wiki/Curie_%28Einheit%29http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-8http://de.wikipedia.org/wiki/Becquerel_%28Einheit%29http://de.wikipedia.org/wiki/Curie_%28Einheit%29

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 11 von 27

    erhalten. So sind beispielsweise auch heute noch in einigen Regionen Deutschlands,

    insbesondere im Sden, Pilze, Waldbeeren und Wildtiere hoch belastet. Laut Bundesamt fr

    Strahlenschutz (BfS) ist die Kontamination dort rund zehnmal hher als im Norden

    Deutschlands. Im Muskelfleisch von Wildschweinen wurden in Deutschland Csium-137-

    Werte von bis zu 40.000 Bq/kg gemessen. Der Durchschnittswert betrug 6.800 Bq/kg und

    damit mehr als das Zehnfache des EU-Grenzwertes von 600 Bq/kg.

    Auch einige Regionen in Grobritannien und Skandinavien sowie im Alpenraum sind

    teilweise hohen Csium-Kontaminationen ausgesetzt, wobei die Belastung im Laufe der Jahre

    nur langsam abnimmt. In einigen Lndern gelten weiterhin Einschrnkungen bei Produktion,

    Transport und Verzehr von Lebensmitteln, die immer noch durch den radioaktiven

    Niederschlag von Tschernobyl belastet sind.[10]

    Strahlenexponierte Personengruppen

    Siehe auch: Auswirkung von Strahlenbelastungen

    Unmittelbar nach dem Unglck und bis Ende 1987 wurden etwa 200.000 Aufrumarbeiter

    (Liquidatoren) eingesetzt. Davon erhielten ca. 1.000 innerhalb des ersten Tages nach dem

    Unglck schwere bis absolut tdliche Strahlendosen im Bereich von 2 bis 20 Gray (Gy). Die

    restlichen Liquidatoren erhielten demgegenber wesentlich geringere (sich nicht direkt

    auswirkende) Strahlendosen bis zu maximal etwa 500 Millisievert (mSv), bei einem

    Mittelwert von etwa 100 mSv. Die Zahl der Liquidatoren erhhte sich nach Angaben der

    WHO in den folgenden Jahren auf 600.000 bis 800.000. Die Zahl ist nicht exakt bezifferbar,

    da nur 400.000 Liquidatoren registriert wurden und auch deren Daten unvollstndig sind. Die

    spter eingesetzten Liquidatoren erhielten deutlich geringere Dosen. Die Liquidatoren wurden

    spter fr ihre Arbeit mit einer Medaille gewrdigt.

    Herz der Medaille der Liquidatoren

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-9http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenkrankheit#Symptomehttp://de.wikipedia.org/wiki/Liquidatorhttp://de.wikipedia.org/wiki/Strahlendosishttp://de.wikipedia.org/wiki/Grayhttp://de.wikipedia.org/wiki/Sievert_%28Einheit%29http://de.wikipedia.org/wiki/Weltgesundheitsorganisation

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 12 von 27

    Weitere Medaillen von Tschernobyl

    Im Frhjahr und Sommer 1986 wurden etwa 116.000 Personen aus der 30 Kilometer-Zone

    rund um den Reaktor evakuiert. Spter wurden zirka 240.000 weitere Personen umgesiedelt.

    Fr die ukrainischen Evakuierten wurde ein mittlerer Dosiswert von 17 mSv

    (Schwankungsbereich 0,1 bis 380 mSv) errechnet, fr die weirussischen Evakuierten ein

    Mittelwert von 31 mSv (mit einem maximalen Durchschnittswert in zwei Ortschaften von

    300 mSv).

    In den ersten Tagen nach dem Unfall fhrte die Aufnahme von radioaktivem Jod mit der

    Nahrung zu stark schwankenden Schilddrsendosen in der allgemeinen Bevlkerung von im

    Mittel etwa 0,03 bis 0,3 Gy mit Spitzenwerten bis zu etwa 50 Gy. Eine Ausnahme davon

    bildeten die wenigen Einwohner von Prypjat, die durch die rechtzeitige Ausgabe von

    Tabletten mit stabilem Jod (Jodblockade) wesentlich geringere Schilddrsendosen erhielten.

    Die nicht evakuierte Bevlkerung erhielt whrend der mehr als 20 Jahre seit dem Unfall

    sowohl durch externe Bestrahlung als auch durch Aufnahme mit der Nahrung als interne

    Strahlenexposition effektive Gesamtdosen von im Mittel etwa 10 bis 20 mSv bei

    Spitzenwerten von einigen 100 mSv. Heute erhalten die fnf Millionen Betroffenen in

    kontaminierten Gebieten generell Tschernobyl-bedingte Dosen von unter 1 mSv/Jahr, doch

    rund 100.000 erhalten immer noch mehr als 1 mSv pro Jahr.

    Gesundheitliche Folgen

    Akute Strahlenkrankheit

    Akute Strahlenkrankheit wurde zunchst bei 237 Personen vermutet und bei 134 Personen

    (insbesondere Kraftwerksbeschftigten und Feuerwehrleuten) besttigt. Von diesen sind 28

    im Jahr 1986 und weitere 19 in den Jahren 1987 bis 2004 verstorben, einige mglicherweise

    auch aus anderer Ursache.

    Langzeitfolgen

    Die Langzeitfolgen des Unglcks sind schwer abzuschtzen. Wegen der Unsicherheit vieler

    Daten und epidemiologischer Modell-Parameter sind alle Voraussagen ber zuknftige

    Morbiditts- oder Mortalittszahlen mit Vorsicht zu betrachten.

    Schilddrsenkrebs und Leukmien

    Zu den bisher am hufigsten beobachteten gesundheitlichen Folgen gehrt ein dramatischer

    Anstieg der Flle von Schilddrsenkrebs bei Personen aus Weirussland, Russland und der

    Ukraine, die zum Zeitpunkt des Unglcks Kinder oder Jugendliche waren. Der Anstieg wird

    auf die Belastung mit radioaktivem Jod zurckgefhrt und wurde Anfang der 1990er Jahre

    zuerst in Weirussland beobachtet. Insgesamt wurden in den genannten drei Lndern bis

    Anfang 2006 etwa 5000 Flle diagnostiziert. Mit weiteren Fllen wird noch ber viele Jahre

    gerechnet. Von den betroffenen Patienten seien bis 2002 in Weirussland 14 gestorben, davon

    6 aus anderen Ursachen (persnliche Mitteilung). Umstritten ist, ob ein erhhtes

    Schilddrsenkrebs-Risiko auch fr Menschen besteht, die zum Zeitpunkt der hchsten

    Belastung durch radioaktives Jod bereits erwachsen waren.[11]

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jodhttp://de.wikipedia.org/wiki/Schilddr%C3%BCsehttp://de.wikipedia.org/wiki/Prypjat_%28Stadt%29http://de.wikipedia.org/wiki/Jodblockadehttp://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenkrankheithttp://de.wikipedia.org/wiki/Epidemiologiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Morbidit%C3%A4thttp://de.wikipedia.org/wiki/Schilddr%C3%BCsenkrebshttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-10

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 13 von 27

    Ein durch freigesetzte radioaktive Strahlung bedingter Anstieg der Flle von Leukmie ist

    bisher nicht eindeutig feststellbar, kann aber auch nicht widerlegt werden. Diesbezgliche

    Studien hatten zum Teil unsichere Datengrundlagen oder brachten widersprchliche

    Ergebnisse. In einer groen Kohorte von Liquidatoren in Russland wurde (bei registrierten

    Strahlendosen zwischen 150 und 300 mSv) eine annhernde Verdoppelung des

    Leukmierisikos gefunden.

    Andere Krebserkrankungen

    In Folge der durch die Katastrophe bedingten Freisetzung von radioaktiver Strahlung sind

    auch andere Krebserkrankungen zu erwarten. Sie werden aber zum grten Teil erst nach

    einer Latenzzeit von mehreren Jahrzehnten auftreten. Bisher konnten nach Angaben der

    Internationalen Agentur fr Krebsforschung (IARC) mit Ausnahme von Schilddrsenkrebs in

    den am strksten kontaminierten Gebieten keine erhhten Krebsraten festgestellt werden, die

    eindeutig auf die Strahlung zurckgefhrt werden knnen. Hinweise auf erhhte Raten z. B.

    von Brustkrebs mssten weiter verfolgt werden.

    Schtzungen der IARC ber die zu erwartende Hufigkeit an Krebserkrankungen beruhen auf

    Risikomodellen, die aus Studien bei anderen Populationen (hauptschlich Opfern der

    Atombombenabwrfe in Japan) und auf der (umstrittenen) Basis der linearen

    Dosis/Wirkungs-Beziehung entwickelt wurden. Nach diesen Modellen wird bis 2065 in

    Europa mit ungefhr 16.000 Fllen von Schilddrsenkrebs und 25.000 Fllen von anderen

    Krebsarten als Folge der Tschernobyl-bedingten Strahlenbelastung gerechnet. Zwei Drittel

    der Erkrankungen an Schilddrsenkrebs und mindestens die Hlfte der anderen

    Krebserkrankungen seien in Weirussland, der Ukraine und den am strksten kontaminierten

    Gebieten der russischen Fderation zu erwarten. Ungefhr 16.000 Todesflle knnten auf

    diese Krebserkrankungen zurckgefhrt werden.

    Bei der hohen Zahl von Krebserkrankungen, die insgesamt in diesem Zeitraum in Europa

    auftreten wrden, werde dieser Anstieg aber kaum in den nationalen Krebsstatistiken

    nachzuweisen sein.

    Zu hheren Fallzahl-Schtzungen kam der TORCH-Bericht (The Other Report on

    Chernobyl). Er kommt zum Ergebnis, dass unter den damals lebenden 570 Millionen

    Menschen zwischen 30.000 und 60.000 zustzliche Krebstodesflle durch die Katastrophe

    von Tschernobyl mglich sein knnten.

    Genetische und teratogene Schden

    Das Tschernobyl-Forum sieht nach Auswertung der vorliegenden epidemiologischen Studien

    weder einen Beweis noch einen Hinweis auf verringerte Fruchtbarkeit bei Mnnern und

    Frauen, auf die Zahl der Totgeburten, auf andere negative Geburtsfolgen, auf Komplikationen

    bei der Geburt und auf die allgemeine Intelligenz und Gesundheit der Kinder, die eine direkte

    Folge ionisierender Strahlung sein knnten. Die gesunkenen Geburtenraten in den

    kontaminierten Gebieten knnten auf die ngste der Bevlkerung und auf den Wegzug vieler

    jngerer Menschen zurckzufhren sein. Ein miger, aber bestndiger Anstieg von

    berichteten angeborenen Fehlbildungen in kontaminierten und nicht kontaminierten Gebieten

    Weirusslands scheine auf eine vollstndigere Erfassung und nicht auf Strahlung

    zurckzugehen.[12]

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leuk%C3%A4miehttp://de.wikipedia.org/wiki/Latenzzeithttp://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Agentur_f%C3%BCr_Krebsforschunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Brustkrebshttp://de.wikipedia.org/wiki/Dosis-Wirkungs-Kurvehttp://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtbarkeithttp://de.wikipedia.org/wiki/Totgeburthttp://de.wikipedia.org/wiki/Fehlbildunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-11

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 14 von 27

    Einige Studien von anderen Organisationen und Wissenschaftlern beschreiben im zeitlichen

    Zusammenhang mit der Katastrophe hingegen einen deutlichen Anstieg von genetischen bzw.

    teratogenen Schden wie Totgeburten und Fehlbildungen in der Unglcksregion, aber auch in

    Deutschland und in anderen europischen Lndern und legen einen urschlichen

    Zusammenhang nahe.[13]

    Die Forscher bzw. Herausgeber der einen Position haben wiederholt den Vertretern der

    anderen Position Voreingenommenheit unterstellt oder deren Befunde wegen unvollstndiger

    Absicherung der Daten und anderer methodischer Mngel zurckgewiesen. Meist handele es

    sich um sogenannte kologische Studien, die wegen des Fehlens einer individuellen

    Dosiszuordnung mit groer Vorsicht zu betrachten seien. Autoren, die kologische Dosis-

    Wirkungsbeziehungen fr Totgeburten, Fehlbildungen sowie fr das Geschlechtsverhltnis

    bei der Geburt unter anderem in unterschiedlich hoch belasteten bayerischen Landkreisen

    gefunden haben,[14][15] wird entgegen gehalten, dass vor dem Hintergrund der

    vergleichsweise geringen Strahlendosiserhhungen in Deutschland, die sich innerhalb der

    Schwankungsbreite der natrlichen Strahlenexposition bewegten, nicht zu verstehen sei, dass

    solche massiven Effekte nachweisbar sein sollten. Diese Skepsis werde untersttzt durch

    zahlreiche negative epidemiologische Befunde in Deutschland und anderen europischen

    Lndern mit zum Teil deutlich hheren Strahlendosen. Zudem sei bis heute kein biologischer

    Mechanismus bekannt, der solche Effekte in dem beobachteten Ausma erklren knnte.[16]

    Gegen negative epidemiologische Befunde wird wiederum vorgebracht, dass die Nicht-

    Signifikanz flschlich als Nachweis eines nicht vorhandenen Effekts ausgegeben werde.

    Korrekt wre die in einigen Studien auch so offen formulierte Aussage, dass solche Effekte

    entweder tatschlich nicht vorhanden sind oder aufgrund des Studiendesigns nicht

    nachgewiesen werden konnten. Zudem wurde bisher nicht gezeigt, dass es auch in relativ

    unbelasteten Gebieten stark erhhte Raten von Totgeburten und Fehlbildungen gab. Dies wre

    ein Hinweis auf andere Ursachen oder auf einen rein zuflligen Zusammenhang.

    Andere (krperliche) Gesundheitsfolgen

    In den am strksten von der Tschernobyl-Katastrophe betroffenen Lndern ist ein erheblicher

    Anstieg auch bei vielen nicht bsartigen Erkrankungen zu beobachten. Die durchschnittliche

    Lebenserwartung ist deutlich gesunken. Beides gilt jedoch auch fr die nicht kontaminierten

    Gebiete. Es ist umstritten, wie weit diese Vernderungen auf hhere Strahlenbelastung oder

    auf andere Faktoren (z. B. Armut, schlechte Ernhrung, ungesunde Lebensbedingungen,

    wirtschaftliche und soziale Verwerfungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion,

    psychische Belastungen im Zusammenhang mit der Katastrophe sowie den Evakuierungen

    und Umsiedlungen, selbstschdigendes Verhalten, bessere Diagnostik und Erfassung von

    Krankheiten) zurckzufhren ist. Die Zuverlssigkeit der Daten und die methodische Qualitt

    vieler Studien sind sehr unterschiedlich.

    Bei Erkrankungen der Augenlinsen (z. B. dem Grauen Star) ist ein Zusammenhang mit

    radioaktiver Belastung wahrscheinlich. Schon relativ geringe Dosen in der Grenordnung

    von 250 mGy scheinen eine Zunahme der Bildung von Grauem Star zu bewirken. Einer

    solchen Dosis waren u. a. viele Aufrumarbeiter in den ersten Tagen nach der Explosion

    ausgesetzt. Auch bei anderen Augenerkrankungen (Akkommodationsstrungen,

    Makuladystrophien und Gefvernderungen) wird ein Zusammenhang mit radioaktiver

    Strahlung vermutet. Hier sind weitere Beobachtungen ntig.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Genetikhttp://de.wikipedia.org/wiki/Teratogenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-12http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologische_Studiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-13http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-13http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-15http://de.wikipedia.org/wiki/Katarakt_%28Medizin%29http://de.wikipedia.org/wiki/Akkommodationsst%C3%B6rung

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 15 von 27

    Hohe Dosen radioaktiver Strahlung knnen ein breites Spektrum kardiovaskulrer

    Komplikationen verursachen. Die Auswirkungen chronischer und niedriger

    Strahlungsbelastung auf das Herz-Kreislauf-System sind weniger klar.

    In Russland wurde in einer groen Studie an Notfall-Einsatzkrften von Tschernobyl ein

    signifikant hheres Risiko fr tdliche Herz-Kreislauf-Krankheiten festgestellt. Ob dieses

    hhere Risiko allein auf hhere Strahlendosen oder auf konkurrierende Krankheitsursachen

    zurckzufhren ist, muss in weiteren Untersuchungen beobachtet werden. Es deckt sich aber

    mit Ergebnissen von Studien, die an berlebenden von Atombombenangriffen durchgefhrt

    wurden.

    In mehreren Studien wurden Beeintrchtigungen des zellulren und humoralen

    Immunsystems gefunden. Die Interpretation dieser Befunde ist jedoch schwierig, weil sie

    auch andere Ursachen (Stress, chronische Infektionen, Ernhrungsmngel, Chemikalien)

    haben knnen. Die Langzeitfolgen solcher Beeintrchtigungen sind noch unklar.

    Mentale Gesundheit und psychosoziale Auswirkungen

    Eine erhebliche Belastung fr die Gesundheit durch die Katastrophe von Tschernobyl liegt in

    direkt oder indirekt von ihr verursachten mentalen und psychosozialen Folgen. Als mentale

    Folgen des Unglcks werden unter anderem Angst vor mglichen Folgen der Strahlung, das

    Drngen in eine Opferrolle, die zu einem Gefhl sozialer Ausgrenzung fhrt, sowie Stress in

    Zusammenhang mit Evakuierung und Umsiedlung genannt. Angst kann zu

    Krankheitserscheinungen und zu gesundheitsschdigendem Lebenswandel (Ernhrung,

    Alkohol, Tabak) fhren. Auch die hohe Suizidrate der Region wird damit erklrt.

    Wirtschaft

    Verlassene Schiffe auf dem Prypjat

    Die Katastrophe von Tschernobyl verursacht immense Kosten und schadet der Wirtschaft in

    der Region. Wegen des konomischen Umbruchs aufgrund des Zusammenbruchs der UdSSR

    sind die genauen wirtschaftlichen Auswirkungen Tschernobyls aber kaum zu erheben. Die

    Kosten haben ein groes Loch in die Budgets der drei betroffenen Lnder gerissen.

    Besonders betroffene Zweige der lokalen Wirtschaft sind Land- und Forstwirtschaft. So

    knnen aufgrund der Strahlenbelastung knapp 800.000 Hektar (ha) Land und 700.000 ha

    Wald nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden. Die Landwirtschaft der Region leidet aber

    auch unter dem Stigma Tschernobyl, das zu sehr geringer Nachfrage nach Produkten aus

    http://de.wikipedia.org/wiki/Blutkreislaufhttp://de.wikipedia.org/wiki/Immunsystemhttp://de.wikipedia.org/wiki/Prypjat_%28Fluss%29http://de.wikipedia.org/wiki/Hektar

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 16 von 27

    der Region fhrt. Aufgrund dieser Tatsache werden kaum private Investitionen im

    Agrarbereich der Region gettigt.

    Personelle Konsequenzen

    Der Energietechniker Nikolai Antonowitsch Dolleschal, der als Leiter des nach ihm

    benannten Forschungs- und Konstruktionsinstitut fr Energotechnik (NIKITE)

    hauptverantwortlich fr die Entwicklung des Reaktortyps RBMK war, trat nach der

    Reaktorkatastrophe in den Ruhestand. Der Zusammenhang zwischen diesem Schritt und dem

    Super-GAU von Tschernobyl wurde jedoch niemals offiziell besttigt.

    Reaktionen auf das Unglck auerhalb der ehemaligen

    Sowjetunion

    In den Lndern auerhalb der damaligen Sowjetunion waren die Reaktionen auf das

    Reaktorunglck sehr unterschiedlich.

    Bundesrepublik Deutschland

    In Sddeutschland beherrschten monatelang Diskussionen ber das Ausma der radioaktiven

    Belastung von Lebensmitteln und andere mgliche Kontaminationen die ffentlichkeit. Dabei

    wurde die Auseinandersetzung neben Sachargumenten vor allem auch durch die

    grundstzliche Einstellung zur Kernenergie geprgt, zumal sich gleichzeitig die Kontroverse

    um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf abspielte.[17]

    Es wurden Empfehlungen zum Unterpflgen von Feldfrchten oder zum Sperren von

    Kinderspielpltzen gegeben, wobei es aus heutiger Sicht strittig ist, inwieweit diese

    angemessen und notwendig waren. In der Folge des Reaktorunglcks brckelte der ohnehin

    schon durch die Anti-Atomkraft-Bewegung in Frage gestellte Konsens ber die Verwendung

    der Atomenergie. Groe Teile der Bevlkerung waren nun fr einen Ausstieg aus der

    Atomenergie. In der Politik wurde diese Forderung nun auch von der SPD bernommen, u.a.

    durch Erhard Eppler und den SPD-Kanzlerkandidaten Johannes Rau, der einen schrittweisen

    Ausstieg befrwortete. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sprach sich auch im Namen seiner

    Fraktion im Bundestag in der Zukunft fr eine Senkung des Anteils der Kernenergie an der

    Energieversorgung (1985: rund 31 %) aus, fr einen baldigen Ausstieg komme dies aber nicht

    in Frage, da dieser weder notwendig noch machbar sei. Der Ministerprsident Lothar Spth

    (CDU) nannte die Kernenergie eine bergangsenergie, und nach Tschernobyl gelte es

    konsequent ber eine Energiepolitik nachzudenken, die langfristig der Kernenergie nicht

    bedrfe. Die FDP bezeichnete die Kernenergie auf ihrem Bundesparteitag 1986 in Hannover

    ebenfalls als eine bergangsenergie, auf deren Verzicht als Bestandteil der

    Energieversorgung hingearbeitet werden msse.

    Der Bau schon in Planung befindlicher Atomkraftwerke wurde auch aufgrund der Erfahrung

    mit Tschernobyl nicht mehr realisiert.

    Ein Beispiel fr die damalige Diskussion in Westdeutschland ist die so genannte

    Strahlenmolke: Einige Molkereien in besonders betroffenen Gebieten waren angewiesen

    worden, die Molke von der Milch abzutrennen und nicht zu verkaufen, sondern einzulagern,

    da sich in ihr das radioaktive Csium besonders angereichert hatte. Der Vorschlag, diese

    Molke als Dnger auf Felder aufzubringen, hatte keinerlei Chancen auf Umsetzung.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Antonowitsch_Dolleschalhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wiederaufarbeitungsanlage_Wackersdorfhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-br-16http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Atomkraft-Bewegunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlandshttp://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Epplerhttp://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rauhttp://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Kohlhttp://de.wikipedia.org/wiki/Fraktion_%28Bundestag%29http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Sp%C3%A4thhttp://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Demokratische_Partei

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 17 von 27

    Stattdessen wurde die Molke in extra errichteten Spezialanlagen ber Ionenaustauscher

    behandelt. Eine Gruppe Waggons mit Strahlenmolke wurde nach einer lngeren Fahrt durch

    Norddeutschland, die Medien mit groem Interesse verfolgten, vor der Entsorgung sogar

    auf einem gesicherten Bundeswehrgelnde zwischengelagert.

    In der Bundesrepublik Deutschland wurden nach Bekanntwerden des Reaktorunglcks die

    Landwirte durch die Strahlenschutzkommission des Bundes aufgefordert, den eigentlich fr

    Anfang Mai 1986 anstehenden Umstieg von der Winterftterung der Milchkhe auf

    Sommerftterung (und Weide) noch bis nach den ersten Regenfllen hinauszuzgern. Die

    Katastrophe fiel mit einer mehrwchigen Schnwetterperiode zusammen, die einerseits das

    Wachstum der Wiesen sehr anregte, auf der anderen Seite aber auch mit einem stetig

    blasenden Ostwind die Verbreitung des radioaktiven Staubs nach Westen bewirkte. Spter

    gab es dann eine Ausgleichszahlung fr die landwirtschaftlichen Betriebe fr die entstandenen

    Mehrkosten bei der Ftterung. Die Strahlenschutzkommission gab zudem Grenzwerte fr

    Frischmilch und Blattgemse aus, bei dessen berschreitung der Werte die Produkte nicht

    verkauft werden durften. Der Umsatz auch von freigegebenen Milchprodukten, sowie von

    Obst und Gemse ging drastisch zurck. Die Lebensmittelgruppe Rewe vernichtete allein im

    Mai 1986 unverkufliche Milchprodukte und Frischgemse im Wert von rund 3 Millionen

    DM.

    Wenige Wochen nach dem Unglck wurde in der Bundesrepublik Deutschland das

    Bundesministerium fr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegrndet. Die Grndung

    dieses Ministeriums war vor allem eine Reaktion auf den als unzureichend koordiniert

    empfundenen Umgang der Politik mit der Katastrophe von Tschernobyl und ihren Folgen.

    DDR

    Aus Rcksicht auf den sowjetischen Bruderstaat wurden Informationen ber das Unglck nur

    zgerlich in Umlauf gebracht, oftmals wurden Fakten des Unglcks heruntergespielt oder

    ganz verschwiegen. In den Wochen nach dem Unglck gab es in der DDR pltzlich ein

    reichhaltiges Angebot an Gemse, jenes, das im Westen nicht gekauft wurde. Gleichzeitig

    war von einer Stabilisierung der Radioaktivitt auf niedrigem Niveau in den Zeitungen zu

    lesen, ohne ber das Niveau vor der Katastrophe zu schreiben. Das damalige Mitglied des

    Politbros, Gnter Schabowski informierte sich zwar auch in den West-Medien und machte

    sich Gedanken, aber es habe im Katastrophenfall ein eisernes Gesetz gegolten: Auf jeden

    eigenen Kommentar verzichten. Da wird nur erzhlt, was die in Moskau fabrizieren.[18]

    Fr Umweltgruppen in der DDR war das Ereignis allerdings ein erstes Aufbruchsignal.

    Erstmals begann eine Debatte um die friedliche Nutzung der Kernenergie. In Eingaben an die

    Volkskammer und den Ministerrat forderten DDR-Brger erstmals den Ausstieg aus der

    Kernenergie.

    Diskussion nach zwanzig Jahren

    Auch zwanzig Jahre nach der Katastrophe sind in der Diskussion um Tschernobyl die

    Grenzen zwischen sachlicher Information, gezielter Verharmlosung und absichtlich

    geschrter Verngstigung mitunter flieend. Die Katastrophe von Tschernobyl ist zum

    Symbol fr die Gefahren der friedlichen Nutzung der Kernenergie geworden und wird von

    Atomkraftgegnern hufig als Argument fr einen schnellen Atomausstieg verwendet.

    Kernenergiebefrworter beklagen hingegen, dass Tschernobyl als Totschlagargument gegen

    die Nutzung der Kernenergie missbraucht werde.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ionenaustauscherhttp://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenschutzkommissionhttp://de.wikipedia.org/wiki/Rewe_Grouphttp://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Markhttp://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_f%C3%BCr_Umwelt,_Naturschutz_und_Reaktorsicherheithttp://de.wikipedia.org/wiki/Bruderstaathttp://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Demokratische_Republikhttp://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Schabowskihttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-17http://de.wikipedia.org/wiki/Volkskammerhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ministerrat_der_DDRhttp://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Atomausstieghttp://de.wikipedia.org/wiki/Totschlagargument

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 18 von 27

    Weitgehend anerkannt ist zur Jahrtausendwende allerdings, dass die damaligen

    Strahlenexpositionen in Deutschland meist niedriger als und nur in wenigen Regionen etwa

    vergleichbar mit den Strahlenexpositionen durch Atombombentests vor dem partiellen

    Teststoppabkommen waren. Eine einmalig hohe Strahlenbelastung auf dem Gebiet der DDR

    war im Gebiet Magdeburg zu verzeichnen, allerdings kamen die Ergebnisse der Messungen

    des Bezirkshygieneinstituts nicht an die ffentlichkeit.

    Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ihre Folgen sind inzwischen auch Gegenstnde

    sozial- und kulturwissenschaftlicher Untersuchungen. So arbeiten etwa am Forschungsprojekt

    Politik und Gesellschaft nach Tschernobyl das Potsdamer Zentrum fr Zeithistorische

    Forschung (ZZF), die Justus-Liebig-Universitt Gieen (JLU), die Europische

    Humanistische Universitt Vilnius/Minsk (EHU) und die Nationale Universitt Kiew-

    Mohyla-Akademie (NaUKMA) zusammen.[19]

    Tschernobyl und die gesperrte Zone nach dem Unfall

    Die Stadt Prypjat

    Verlassenes Haus in der Sperrzone

    http://de.wikipedia.org/wiki/Atombombentesthttp://de.wikipedia.org/wiki/Teststoppabkommenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_Zeithistorische_Forschunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_Zeithistorische_Forschunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Justus-Liebig-Universit%C3%A4t_Gie%C3%9Fenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Europ%C3%A4ische_Humanistische_Universit%C3%A4t&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Europ%C3%A4ische_Humanistische_Universit%C3%A4t&action=edit&redlink=1http://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Universit%C3%A4t_Kiew-Mohyla-Akademiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Universit%C3%A4t_Kiew-Mohyla-Akademiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-18http://de.wikipedia.org/wiki/Prypjat_%28Stadt%29

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 19 von 27

    Eingangsposten zur 30-Kilometer-Zone

    Nachdem Prypjat bereits am 27. April 1986 evakuiert worden war,[20] erfasste ein weiterer

    Evakuierungs-Schritt bis 3. Mai weitere Personen aus einem Umkreis von 10 km um den

    Reaktor. Weitere 116.000 Einwohner wurden am 4. Mai 1986 aus dem Gebiet 30 km um den

    Reaktor evakuiert. In den folgenden Jahren wurden weitere 210.000 Einwohner umgesiedelt,

    so dass die Sperrzone mittlerweile 4.300 km gro ist.

    Etwa 1.000 Bewohner sind angesichts der wirtschaftlichen Lage trotz der stark erhhten

    Strahlungswerte zum Teil schon Wochen nach dem Unglck in die gesperrte Zone

    zurckgekehrt. Der Grund war fr die meisten, dass ihnen weder die damalige Sowjetunion

    noch der heutige ukrainische Staat in den Orten, in die sie evakuiert wurden, eine

    ausreichende Lebensgrundlage zur Verfgung stellen konnte. Dazu kommt, dass viele der

    Rckkehrer die Gesundheitsgefahr durch die Strahlung nicht sehr hoch einschtzten. Da es

    sich auch damals berwiegend um ltere Personen handelte, ist unklar, wie viele davon an den

    Folgen der Strahlung starben. Einige heute noch lebende Rckkehrer meinen, es seien sehr

    viele gestorben. Einige berichten aber auch, sie htten auch nach 20 Jahren in der

    kontaminierten Region keine strahlenbedingten Beschwerden. Im Dorf Tschernobyl selbst,

    einige Kilometer sdlich des Reaktors, leben heute etwa 100 Rckkehrer. 2001 erffnete auch

    die orthodoxe Dorfkirche Sv. Ilja wieder, zum Sonntagsgottesdienst erscheinen regelmig

    etwa 30 Glubige. Alle Rckkehrer wie auch alle Bewohner der Zone 3, der Region rund

    um die Sperrzone, erhalten ab dem Alter von 47 Jahren eine kleine Sonderrente vom

    ukrainischen Staat in Hhe von umgerechnet 60 US-Dollar im Monat. Unabhngig davon

    ernhren sich praktisch alle Bewohner der Sperrzone, wie der belasteten, aber nicht

    evakuierten Zone 3, auch aufgrund der Armut und Arbeitslosigkeit vor Ort, von den

    Waldpilzen und dem vor Ort gezogenen Gemse und Obst. Die gesundheitlichen Folgen bei

    den Erwachsenen sind schwer abzuschtzen, vor allem auch deshalb, weil es andere

    ungnstige Faktoren wie die mangelhafte Ernhrung, die schlechte Wirtschaftslage,

    Alkoholismus und eine steigende AIDS-Rate gibt. Laut Einschtzung des Radiologischen

    Instituts der Stadt Iwankiw, etwa 50 Kilometer sdlich von Tschernobyl, sind nur etwa 3

    Prozent der Proben von Gemse, Obst und Wildfleisch, die die Bewohner dort kostenlos zur

    Untersuchung einreichen, ber die (mit westeuropischem Niveau im Einklang befindlichen)

    Grenzwerte hinaus belastet. Die Messwerte schwanken aber sehr stark nach Mikro-Regionen,

    es gibt einzelne Proben, die enorm hoch belastet sind.

    Was die Kinder betrifft, die in Zone 3 wohnen, schtzt Jewgenija Stepanowa, Chefrztin

    der Pdiatrischen Abteilung der 1987 fr die Tschernobyl-Opfer gegrndeten Klinik fr

    Radiologie in Kiew, ein, dass etwa 90 Prozent der Kinder der Region an strahlenbedingter

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-19http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunionhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainehttp://de.wikipedia.org/wiki/Russisch-orthodoxe_Kirchehttp://de.wikipedia.org/wiki/US-Dollarhttp://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholismushttp://de.wikipedia.org/wiki/AIDShttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Iwankiw&action=edit&redlink=1

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 20 von 27

    Immunschwche leiden. Die Folgen seien insbesondere hufige Erkrankungen aller Art wie

    Lungenentzndung oder Allergien. Leukmie oder andere Krebserkrankungen bei Kindern

    trten aber heute nicht besonders gehuft auf. Das Dorf Tschernobyl ist heute vor allem

    Wohnort aller Arbeiter und Wissenschaftler, die im Zusammenhang mit der

    Reaktorkatastrophe in der Sperrzone eingesetzt sind. Das Dorf wurde dafr ausgewhlt, weil

    es innerhalb der Sperrzone als verhltnismig minderbelastet eingestuft wurde. Das Betreten

    ist trotzdem nur mit besonderer Genehmigung mglich. Auf Warnschildern wird vor der

    Gefahr von offenbar gelegentlich auftretenden Staubstrmen im Sommer gewarnt, die stark

    erhhte Radioaktivitt verbreiten. Fr die Bewohner sind dafr in Tschernobyl besondere

    Schutzrume angelegt, die laut Warnschildern sofort aufgesucht werden sollen und die man

    nicht verlassen solle, bevor die Strme sich gelegt htten oder man gerettet werde. Es gibt

    dort heute ein kleines Hotel fr auslndische Wissenschaftler, auch die Verwaltung der

    Sperrzone und verschiedene wissenschaftliche Institute der Ukraine haben dort ihren Sitz

    bzw. Auenstellen. Aus Strahlenschutzgrnden wechseln die bei den dauernden

    Ausbesserungsarbeiten am Sarkophag eingesetzten und in Tschernobyl untergebrachten

    Arbeiter alle 14 Tage. Die Mitarbeiter der Verwaltung haben eine auf Montag bis Donnerstag

    verkrzte Arbeitswoche, kehren am Wochenende in ihre Wohnorte auerhalb der Sperrzone,

    meist nach Kiew, zurck. Vor Verlassen der Sperrzone gibt es Kontrollen auf radioaktive

    Kontamination. Besuchern vor Ort ist es selbst berlassen, wie sie mit der radioaktiven

    Belastung der Umgebung umgehen. Whrend insbesondere einheimische Wissenschaftler

    ungeschtzt in der Sperrzone unterwegs sind, trifft man in der am hchsten belasteten Zone

    im Umkreis von einigen Kilometern rund um den Reaktor auch Experten aus westlichen

    Lndern mit Atemschutz und Schutzanzgen.

    Die Sperrzone von Tschernobyl erscheint heute auf den ersten Blick als Naturparadies. Elche,

    Wlfe, Hirsche sind hier zahlreich vorhanden, in den 1990er-Jahren wurden hier auch einige

    der vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde ausgesetzt. Binnen 20 Jahren sind die

    damals verlassenen Drfer verwildert und zum groen Teil zugewachsen.

    Bis zum Ende der Sowjetunion waren die meisten Folgen vor Ort Staatsgeheimnis. Die

    Behrden und Experten der heutigen Ukraine, zum Teil sogar mit denselben beteiligten

    Personen wie rzten oder Radiologen, gehen heute offen und sehr auskunftsfreudig damit

    um. Die Hilfsgelder fr die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind heute ein wichtiger

    Wirtschaftsfaktor fr die Ukraine.

    Selbst das zum Teil stark durch Plutonium verseuchte Zentrum der Sperrzone von

    Tschernobyl wurde in den letzten Jahren auch von Plnderern heimgesucht, obwohl das

    Gebiet eigentlich abgesperrt, durch Schranken und Kontrollen abgeschirmt ist. Fast alle

    Wohnungen in der am 27. April 1986 nachmittags binnen Stunden evakuierten Stadt Prypjat

    sind geplndert, Tren eingeschlagen, Kchenherde und Mbel geraubt. Wildschweine und

    wildernde Hunde sind auf den ehemaligen und langsam zuwachsenden Straen anzutreffen.

    Im Fundus des ehemaligen Theaters der Stadt lagern bis heute die Groplakate mit den

    Konterfeis der einstigen sowjetischen Politbro-Mitglieder und zahlreiche Spruchbnder und

    Fahnen, vorbereitet fr die Mai-Demonstration, die am 1. Mai 1986 in der Stadt stattfinden

    sollte.

    Auch die meisten der tausenden 1986 eingesetzten Fahrzeuge und Hubschrauber, die wegen

    ihrer geringen bis hohen Kontamination damals auf einem zentralen Friedhof im

    Sperrgebiet abgestellt wurden, sind trotz formaler Bewachung und Einzunung

    ausgeschlachtet und geplndert. Motoren und Windschutzscheiben fehlen, ganze

    Hubschrauber sind zerlegt und verschwunden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lungenentz%C3%BCndunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Allergiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Leuk%C3%A4miehttp://de.wikipedia.org/wiki/Krebs_%28Medizin%29http://de.wikipedia.org/wiki/Elchhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wolfhttp://de.wikipedia.org/wiki/Hirschehttp://de.wikipedia.org/wiki/Przewalski-Pferdhttp://de.wikipedia.org/wiki/Plutoniumhttp://de.wikipedia.org/wiki/Prypjat_%28Stadt%29

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 21 von 27

    Das Kernkraftwerk Tschernobyl heute

    Alle drei noch funktionsfhigen Blcke wurden nach dem Ende der Aufrumarbeiten wieder

    hochgefahren. Nach den Dekontaminierungsarbeiten in den Jahren 1986 und 1987 war die

    Regierung der Ansicht, dass die Strahlung keine weiteren Auswirkungen auf das Personal

    habe.[3] Der zweite Reaktorblock wurde im Oktober 1991 nach einem Feuer in der

    Turbinenhalle abgeschaltet. Block 1 folgte im November 1996, Block 3 am 15. Dezember

    2000. Die Abschaltung erfolgte insbesondere auf Druck der Europischen Union, die Ukraine

    erhielt dafr entsprechende Ausgleichszahlungen.

    Der havarierte Reaktorblock ist heute durch einen provisorischen, durchlssigen Sarkophag

    gedeckelt. Im Inneren ist weitgehend die Situation vom Zeitpunkt der Katastrophe in heier

    Form konserviert. Von rund 190 Tonnen Reaktorkernmasse befinden sich Schtzungen

    zufolge noch rund 150180 Tonnen im Gebude, teils in Form geschmolzener und erstarrter

    Brennelemente aus Uran, Plutonium, Graphit und Sand, teils in Form von Staub und Asche, in

    Form ausgewaschener Flssigkeiten im Reaktorsumpf und im Fundament oder in anderer

    Form. Die ZDF-Reportage Tschernobyl der Millionensarg spricht hingegen von weit

    weniger verbliebenem Brennstoff im zerstrten Reaktorblock. Demnach sei im Zuge der

    Katastrophe mehr radioaktives Material freigesetzt worden, als ukrainische und westliche

    Stellen behaupten.

    Im Jahr 1992 hatte die Ukraine mit einer franzsischen Firma einen Konzeptwettbewerb

    veranstaltet, dessen Thema es war, Ideen fr eine langfristige Lsung fr Block 4 zu finden.

    Schon nach kurzer Zeit entschied man sich fr eine effektive Schutzummantelung und krte

    einen Gewinner. Hierzu sollte eine vollkommene Ummantelung von Block 3 und Block 4

    gebaut werden. Da aber fr dieses Konzept der damals noch aktive Block 3 htte abgeschaltet

    werden mssen, verwarf man dieses Projekt wieder. Die Kosten htten sich auf ca. drei bis

    vier Milliarden US-Dollar belaufen.[3]

    Der internationale Shelter Implementation Plan hat als Ziel, einen neuen haltbaren

    Sarkophag zu errichten. Als erste Manahme wurden das Dach des ursprnglichen

    Sarkophags verstrkt und die Belftungsanlage verbessert. Der neue Sarkophag soll ber dem

    alten errichtet werden. Dadurch soll es mglich sein, den alten Sarkophag zu entfernen, ohne

    dass weitere radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Das geht mit zwei speziellen Krnen, die

    extra fr die Arbeit unter hoher Strahlenbelastung angefertigt wurden. Unter anderem knnen

    diese auch radioaktive Stoffe zerkleinern. Der neue Sarkophag soll 257 Meter lang, 150 Meter

    breit und 108 Meter hoch werden. Der Auftrag wurde am 17. September 2007 dem

    Konsortium Novarka erteilt.[21] Der neue Sarkophag soll 200 Meter neben dem Reaktor

    aufgebaut und auf Schienen ber den alten Sarkophag gefahren werden.

    Gedenken

    Veranstaltungen

    Bereits kurz nach der Katastrophe etablierten sich in greren Stdten, vor allem der

    ehemaligen Sowjetunion, jhrliche Gedenkveranstaltungen. Hierbei werden im Frhjahr

    Kundgebungen oder Gottesdienste abgehalten, bei denen tausende Teilnehmer mit

    brennenden Kerzen, Schweigeminuten, Mahnwachen oder Glockenluten der Opfer der

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Sarkophaghttp://de.wikipedia.org/wiki/ZDFhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-pdf_Katastrophe_von_Tschernobyl-2http://de.wikipedia.org/wiki/Novarkahttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-20

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 22 von 27

    Reaktorexplosion gedenken. Sie demonstrieren damit jedoch auch fr die friedliche Nutzung

    der Atomenergie oder langfristig auch fr die Stilllegung aller Atomreaktoren.[22]

    Zur Erinnerung an Tschernobyl!

    Museum und Mahnmale

    Ein in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingerichtetes National-Museum zeigt

    eindrucksvolle Bilder, Videos, Reste von Kleidung oder verweist mit durchgestrichenen

    Ortstafeln auf die nicht mehr existenten Drfer.[23]

    Inzwischen gibt es auch mahnende Denkmale, wie in der russischen Hauptstadt Moskau oder

    in den ukrainischen Stdten Kiew, Charkow oder Saporoschje.[24]

    Kiew erinnert mit einem Denkmal an die Feuerwehrleute und Ingenieure, die infolge ihres

    Einsatzes bei der Katastrophe gestorben sind. An dem symbolhaften verbogenen Metall legen

    Politiker des Landes regelmig Gedenkkrnze nieder.[25]

    Mahnmal in Charkow

    In Charkow erinnern sogar zwei Monumente an die Katastrophe: eines aus rotem Porphyr und

    ein weiteres, dreifarbig gestaltetes, im Park der Jugend. Ein weiteres Denkmal, das den

    Helfern (Liquidatoren) im Gelnde des Kernkraftwerks gewidmet war, wurde zerstrt.

    In Saporoschje hat ein Bildhauer einen Stein an einem Brunnen wie ein gespaltenes Atom

    gestaltet, unweit davon befindet sich ein Granitfindling mit einer Tafel fr die Opfer der

    Katastrophe. In der nach dem Reaktorunglck neu errichteten Stadt Slawutytsch gibt es ein

    Mahnmal mit Fotos und Lebensdaten einiger Opfer.[26]

    Ausstellungen, Konzerte und andere Aktivitten

    http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-21http://de.wikipedia.org/wiki/Kiewhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-22http://de.wikipedia.org/wiki/Moskauhttp://de.wikipedia.org/wiki/Charkowhttp://de.wikipedia.org/wiki/Saporoschjehttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-23http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-24http://de.wikipedia.org/wiki/Charkowhttp://de.wikipedia.org/wiki/Slawutytschhttp://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl#cite_note-25

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 23 von 27

    Der deutsche Knstler Till Christ organisierte in Zusammenarbeit mit Studenten der

    Staatlichen Akademie fr Design und Kunst aus Charkow im Berliner Kunsthaus Tacheles die

    Ausstellung Visual Energy Nach Tschernobyl: Ressourcen, Energien und wir. Diese war

    zwischen Oktober 2005 und April 2006 zu sehen.[27]

    Im Jahr 2006 fhrte die schweizerische Stadt Thun in ihrem Rathaus eine Gedenkausstellung

    mit Untersttzung der Botschafter der Ukraine, von Weirussland und von Russland durch.

    Sogar musikalisch wurde das schreckliche Geschehen verarbeitet. Die Schriftstellerin

    Swetlana Alexijevitsch hatte ein Tschernobyl-Gebet verfasst, das im Jahr 2006 von dem

    franzsischen Komponisten Alain Moget als Oratorium unter dem Titel Und sie werden uns

    vergessen vertont und uraufgefhrt wurde. In jedem Jahr kommen weitere Aktivitten in

    aller Welt zum Gedenken hinzu wie Fotoausstellungen, Konzerte, Verffentlichungen oder

    wissenschaftliche Tagungen. [28]

    Literatur

    Astrid Sahm, Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hg.): Tschernobyl: Vermchtnis und

    Verpflichtung. Berlin 2006 (= Osteuropa, 4/2006), ISBN 3-8305-1122-1.[29]

    Mary Mycio: Wormwood Forest: A natural history of Chernobyl. ISBN 0-309-09430-

    5.[30]

    20 Jahre nach Tschernobyl Eine Bilanz aus Sicht des Strahlenschutzes, Bericht der

    Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundesministeriums fr Umwelt, Naturschutz

    und Reaktorsicherheit, Heft 50 (2006), H. HOFFMANN GmbH FACHVERLAG,

    Berlin, ISBN 3-87344-127-6, ISSN 0948-308X

    Chernobyls Legacy: Health, Environmental and Socio-Economic Impacts and

    Recommendations to the Governments of Belarus, the Russian Federation and

    Ukraine; April 2006 (PDF-Dokument)

    Igor Kostin, T. Johnson (Mitarbeit), bers. C. Kalscheuer: Tschernobyl -

    Nahaufnahme. Verlag Antje Kunstmann, Mnchen 2006. ISBN 3-88897-435-6

    (Fotoband, Reportage).

    Environmental Consequences of the Chernobyl Accident and Their Remediation:

    Twenty Years of Experience; Report of the UN Chernobyl Forum Expert Group

    Environment (EGE), August 2005 (PDF-Dokument)

    World Health Organization: Health Effects of the Chernobyl Accident and Special

    Health Care Programms. Report of the UN Chernobyl Forum Expert Group Health

    (EGH) April 2006 (PDF-Dokument, 1,6 MB).

    IAEA (Hrsg.): Chernobyl's Legacy: Health, Environmental and Socio-economic

    Impacts (). September 2005 (PDF-Dokument)

    Peter Jacob, Werner Rhm, Herwig G. Paretzke: 20 Jahre Tschernobyl Die

    gesundheitlichen Auswirkungen In: Physik Journal 5 (2006), Nr. 4, S. 4349 (Online).

    Herbert Dederichs, Jrgen Pillath, Burkhard Heuel-Fabianek, Peter Hill, Reinhard

    Lennartz: Langzeitbeobachtung der Dosisbelastung der Bevlkerung in radioaktiv

    kontaminierten Gebieten Weirusslands Korma-Studie, Verlag Forschungszentrum

    Jlich 2009, ISBN 978-3-89336-562-3, 2004 (PDF-Dokument)

    Oda Becker, Helmut Hirsch: Tschernobyl: Sanierung des Sarkophags - Wettlauf mit

    der Zeit. Hamburg/Hannover: Greenpeace, 2004 (PDF-Dokument)

    Franz-Josef Brggemeier: Tschernobyl, 26. April 1986. Die kologische

    Herausforderung, Mnchen 1998.

    H. Dederichs, E. Konoplya, P. Hill, R. Hille: Systematische Differenzierung

    kontaminierter und nicht kontaminierter Nutzflchen in der Region Korma.,

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  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 24 von 27

    Schriftenreihe Reaktorsicherheit und Strahlenschutz; BMU-2002-613, 2002.

    Bundesministerium fr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

    A. Bayer, A. Kaul, C. Reiners: Zehn Jahre nach Tschernobyl, eine Bilanz. Mnchen:

    Gustav Fischer Verlag, 1996. - ISBN 3-437-25198-8

    Karl-Heinz Karisch/Joachim Wille (Hg.): Der Tschernobyl-Schock. Zehn Jahre nach

    dem Super-GAU. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1996. - ISBN 3-

    596-13301-7

    Grigori Medwedew: Verbrannte Seelen - Die Katastrophe von Tschernobyl, Carl

    Hanser Verlag Mnchen Wien, 1991. - ISBN 3-446-16116-3

    V. M. Chernousenko: Chernobyl. Insight from the Inside. Berlin, Heidelberg, New

    York: Springer-Verlag, 1991. ISBN 3-540-53698-1.

    Antje Hilliges/Irina Wachidowa: Der Tag, an dem die Wolke kam. Wie wir

    Tschernobyl berlebten. Heyne, 2006, ISBN 3-453-64508-1

    Zhores Medwedjew: Das Vermchtnis von Tschernobyl, Mnster: Daedalus Verlag

    Joachim Herbst, 1991, ISBN 3-89126-030-X

    Swetlana Alexijewitsch Stimmen aus Tschernobyl. In: 20 Jahre Tschernobyl,

    Themenheft Aus Politik und Zeitgeschichte Beilage zur Wochenzeitung das

    Parlament, 27. Mrz 2006 (Online).

    Richard Stone: Der lange Schatten von Tschernobyl. Vor 20 Jahren explodierte der

    Atomreaktor Die Folgen sind noch immer furchtbar, Auszge aus National

    Geographic Deutschland April 2006, S. 106-127.

    20 Jahre Leben mit Tschernobyl - Erfahrungen und Lehren fr die Zukunft,

    Kongressband zum internationalen Kongress vom 14.-17. September 2006, Feldkirch,

    sterreich, ISBN 978-3-929990-04-1

    Weblinks

    Commons: Katastrophe von Tschernobyl Sammlung von Bildern, Videos und

    Audiodateien. Die hier wiedergegebenen Aufnahmen sind dieser Quelle entnommen. Zur

    Autorenschaft wird ausdrcklich auf die dort wiedergegebenen Lizenzbestimmungen

    verwiesen (siehe

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Chernobyl_disaster?uselang=de).

    Wissenschaftliches

    IAEO-Website :In Focus - Chernobyl. Mit verschiedenen Studien des 'Tschernobyl-

    Forums'

    IAEO-Pressemitteilung: Tschernobyl: Das wahre Ausma des Unfalls PDF-Datei (176

    kB)

    Darstellung des Unfallhergangs auf der Seite des Kernkraftwerks Tschernobyl

    (englisch)

    ECRR Chernobyl 20 Years On Health Effects of the Chernobyl Accident: European

    Committee on Radiation Risk (PDF-Datei; 3,86 MB)

    The Other Report on Chernobyl (als Download)

    Tschernobyl: Die IAEA spricht von 56, Greenpeace von 93000 Todesopfern. Wer hat

    Recht ? von Eike Roth, sehr ausfhrliche Gegenberstellung der Studie des

    Chernobyl-Forums und der Greenpeace-Studie, PDF (1,64 MB)

    www.pro-physik.de Artikelserie im Physik-Journal 4/2006

    Forschungszentrums Jlich: Langzeitbelastung der Bevlkerung in Weirussland

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_f%C3%BCr_Umwelt,_Naturschutz_und_Reaktorsicherheithttp://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3437251988http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Willehttp://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3596133017http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3596133017http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3446161163http://de.wikipedia.org/wiki/Springer_Science%2BBusiness_Mediahttp://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3540536981http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3453645081http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/389126030Xhttp://www.bpb.de/publikationen/0UFE1G,0,20_Jahre_Tschernobyl.htmlhttp://www.nationalgeographic.de/php/magazin/topstories/2006/04/topstory3.htmhttp://www.nationalgeographic.de/php/magazin/topstories/2006/04/topstory3.htmhttp://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783929990041http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Chernobyl_disaster?uselang=dehttp://www.iaea.org/NewsCenter/Focus/Chernobyl/index.htmlhttp://www.iaea.org/NewsCenter/Focus/Chernobyl/index.htmlhttp://www.iaea.org/NewsCenter/Focus/Chernobyl/pdfs/pr_ger.pdfhttp://new.chnpp.gov.ua/eng/articles.php?lng=en&pg=28http://new.chnpp.gov.ua/eng/articles.php?lng=en&pg=28http://www.euradcom.org/publications/chernobylebook.pdfhttp://www.chernobylreport.org/?%20p=downloadshttp://www.energie-fakten.de/pdf/tschernobyl-roth.pdfhttp://www.energie-fakten.de/pdf/tschernobyl-roth.pdfhttp://www.energie-fakten.de/pdf/tschernobyl-roth.pdfhttp://www.pro-physik.de/Phy/pjtoc.do?issue=23459&mid=3http://www.fz-juelich.de/gs/genehmigungen/forschung-sg/volincy

  • Die Katastrophe von Tschernobyl Seite 25 von 27

    Direktion fr Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Bern; Website zu den

    Langzeit-Folgen

    PDF mit Karte der Kontamination auf landwirtschaftlichen Flchen in Bayern (573

    kB)

    Chernobyl: the true scale of the accident UN Report (WHO) zu den Folgen des

    Unglcks

    Publikationen der GRS zum Thema Tschernobyl

    Rayk Einax: Tagungsbericht Politik und Gesellschaft nach Tschernobyl. 14.12.2009

    15.12.2009, Gieen. In: H-Soz-u-Kult, 19. Januar 2010.

    Dokumentation

    Wahrnehmung des Unglcks in der DDR (Zusammenfassung mit Links zu zwei pdf-

    Dateien; 867 kB)

    20 Jahre Tschernobyl (u. a. umfangreiche Presseschau des Umweltinstitut Mnchen

    e. V.)

    Karte zur regionalen Verteilung der Strahlenbelastung nach dem Tschernobyl-Unfall

    (Quelle: CIA, 1996)

    Strahlentelex Tschernobyl-Folgen (Materialsammlung / Li