Diss Bergson

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Text of Diss Bergson

  • Das Leben zur Sprache bringen. Bergson und Heidegger im Lichte

    eines buchstblich zeit-losen Problems.

    Inaugural-Dissertation zur

    Erlangung der Doktorwrde der Philosophischen Fakultt der Albert-Ludwigs-Universitt

    Freiburg i.B.

    vorgelegt von

    Volker Thnnes aus Daun/Eifel

    WS 2003/04

  • 2

    Erstgutachter: Prof. Dr. Gnter Figal Zweitgutachter: Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander Vorsitzende des Promotionsausschusses der Gemeinsamen Kommission der Philologischen, Philosophischen und Wirtschafts- und

    Verhaltenswissenschaftlichen Fakultt: Prof. Dr. Elisabeth Cheaur

    Datum der Disputation: 07.07.2004

  • Aller wirklichen Uneinigkeit liegt ein Verstndnis zugrunde; die

    Grundlosigkeit des Miverstndnisses besteht darin, da jenes vorlufige

    Verstndnis fehlt, ohne das sowohl Einigkeit wie Uneinigkeit ein

    Miverstndnis ist.

    Denn da zwei Menschen wirklich uneinig sind, ist kein Miverstndnis:

    sie sind genau deshalb uneinig, weil sie sich verstehen.

    Sren Kierkegaard

    Unsere Zeit will nur an Realitten glauben. Nun, ihre strkste Realitt ist

    die Wissenschaft, und so ist die philosophische Wissenschaft das, was

    unserer Zeit am meisten nottut.

    Edmund Husserl

    Gegenber jedwelchem Erlebnis tritt der Geist als Spielverderber auf.

    E.M. Cioran

  • Inhaltsbersicht Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . III

    Inhaltsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . V

    Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

    I. Teil

    Henri Bergson: Eine Philosophie des gesunden Menschenverstandes . . 4 1. Die Dauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

    1.1. Zeit und Raum . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1.2 Dauer als kontrapunktische Ausdehnung . . . . . . . . . 19

    2. Die philosophische Intuition . . . . . . . . . . . . . . 30 3. Das Gedchtnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

    II. Teil

    Bergson im Lichte Heideggers: Zwischen Intuition und Insinuation . . . . 55 4. Phnomenologie als Ursprungswissenschaft: Der Bekundungszusammenhang der vortheoretischen Sphre . . . . 57

    4.1 Der Begriff des Vortheoretischen . . . . . . . . . . . 60 4.2 Psychologie als vortheoretische Ursprungswissenschaft? . . . . . 67

    5. Die Methodenfrage . . . . . . . . . . . . . . . . 79 6. Die hermeneutische Intuition . . . . . . . . . . . . . 89 7. Vollzug und Destruktion . . . . . . . . . . . . . 101

    7.1 Die Vollzugsfrage . . . . . . . . . . . . . . 107 7.2 Die phnomenologische Destruktion . .. . . . . . . . 114

    8. Philosophie als existenzielle Grunderfahrung . . . . . . . . 127

    8.1 Philosophie und Wissenschaft . . . . . . . . . . . 130 8.2 Sicherungstendenzen . . . . . . . . . . . . . 138

    Abschlieende Bemerkungen . . . . . . . . . . . . 146 Siglenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 150

    Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

  • Vorwort

    Ein Text wird niemals fertig. Er wird zu einem bestimmten Zeitpunkt fr fertig erklrt.

    Gewiss - ein Gemeinplatz. Gleichwohl ein Gemeinplatz, dessen Bedeutung sich mir als

    dem Verfasser der vorliegenden Untersuchung whrend der Zeit des Arbeitens daran

    mehrfach offenbarte, was vor dem Hintergrund der behandelten Thematik den Leser

    freilich kaum berraschen drfte. Insofern versteht sich der Text als Dokumentation

    eines Suchens und eines Leitenlassens durch Fragen, die sich dem Denken stellen, wenn

    es sich solchermaen suchend leiten lsst.

    Die vorliegende Arbeit wurde im Sommer 2004 als Dissertation an der Philosophischen

    Fakultt der Universitt Freiburg i.B. angenommen. Nachdem der Text seine vorliegende

    Gestalt gefunden hat, mchte ich all jenen danken, die sein Entstehen begleitet haben. An

    erster Stelle ist hier Herr Prof. Dr. Gnter Figal vom Philosophischen Seminar der

    Albert-Ludwigs-Universitt Freiburg zu nennen, der sich im Anfangsstadium des Projekts

    zu dessen Betreuung bereit erklrt hat. Seine Heidegger-Interpretation brachte mich

    damals dazu, dessen Philosophie in neuer Weise kennenzulernen. Trotz einer fehlenden

    Bekanntschaft aus dem Studium konnte durch die Mglichkeit zur Teilnahme am

    intensiven gedanklichen Austausch in Form von Oberseminaren in Freiburg die

    geographische Distanz zu meinem Wohnort wenn auch nicht berwunden, so doch

    gleichsam verringert werden.

    Ein herzlicher Dank gilt Herrn Prof. Dr. Werner Becker von der Justus-Liebig-

    Universitt Gieen, der mich seinerzeit durch zahlreiche anregende Gesprche in meinem

    Entschluss bestrkte, eine Dissertation ber die Philosophie des frhen Heidegger in

    Angriff zu nehmen. Es waren die gemeinsamen Diskussionen mit ihm whrend der Zeit

    meiner Ttigkeit am dortigen Zentrum fr Philosophie, die mich, stets zur verstndlichen

    Formulierung meiner Gedanken angehalten, gewissermaen ber Bergson stolpern

    lieen. Ferner danke ich meinen ehemaligen Kollegen vom Zentrum fr Philosophie, die

    das Entstehen der Dissertation durch viele Gesprche und kritische Einwnde voran

    gebracht haben. Hier mchte ich vor allem Herrn Dr. Reiner Hedrich nennen, mit dem in

    intellektueller Atmosphre verschiedene Aspekte zu diskutieren stets eine Bereicherung

    fr den Fortgang des Projekts war.

    Fr die Hilfe beim Korrekturlesen richte ich meinen freundschaftlichen Dank an Herrn

    Jens Rieger, M.A., der mir trotz oder gerade wegen der Unvertrautheit mit der Thematik

    viele wertvolle Hinweise gegeben hat. Mein ganz besonderer Dank gilt schlielich Frau

    Dr. Barbara Klose von der Bibliothek fr Hermeneutik an der Justus-Liebig-Universitt

    in zahlreichen von allen potentiell denkbaren Hinsichten; insbesondere fr die Schaffung

    einer stets angenehmen Gesprchsatmosphre und die kompetente und kritische

    Begleitung des Projekts.

    Widmen mchte ich die Arbeit meinen Eltern - als symbolischen Ausdruck fr all das,

    was sich mit Worten nicht wiedergeben lsst.

    V.T.

  • 6

    INHALTSVERZEICHNIS

    Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . III

    Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

    I. TEIL

    HENRI BERGSON: EINE PHILOSOPHIE

    DES GESUNDEN MENSCHENVERSTANDES

    ERSTES KAPITEL

    DIE DAUER

    ZEIT UND RAUM . . . . . . . . . . . . . . . 10

    Der verrumlichte Zeitbegriff des Alltags . . . . . . . . . 10

    Ausdehnung und Vernderung . . . . . . . . . . . . 11

    Zeit als vierte Dimension des Raumes . . . . . . . . . . 13

    Die reine Vernderung . . . . . . . . . . . . . . 14

    Die Verbundenheit von Zahlvorstellung und Ausdehnung . . . . . 15

    Faktisches Erfahren und Exterioritt . . . . . . . . . . 16

    Die genuine Zeiterfahrung als unaufhrliche Sukzession . . . . . 18

    DAUER ALS KONTRAPUNKTISCHE AUSDEHNUNG . . . . 19

    Die innere Dauer als ursprngliche Zeiterfahrung . . . . . . . 19

    Affektive Zustnde und Quantifizierung im Raum . . . . . . . 21

    Transponierung von Qualitt in Quantitt durch das Denken . . . . 22

    Die Manifestation des quantifizierenden Denkens:

    Naturalismus und Determinismus . . . . . . . . . . . 24

    Psychische Kausalitt und faktisches Erfahren . . . . . . . . 26

    Wir sind Zeit: Die Erfahrensweise der Dauer . . . . . . . . 27

    ZWEITES KAPITEL

    DIE PHILOSOPHISCHE INTUITION

    Zur Aufgabe gestellt: Erfassen des Qualitativen diesseits der Theorie . . 30

    Die Analyse als theoretischer Ordnungszusammenhang . . . . . 31

    Die philosophische Intuition: Erfassen des Ich als eines Absoluten . . 33

    Sprichwrtliche Wiederbelebung der Metaphysik . . . . . . . 35

    Theoriefreier Vollzug diesseits von Ordnungsrahmen:

    Das Leben zur Sprache bringen . . . . . . . . . . . 36

    Subjektivitt, Individuelles und Intuition . . . . . . . . . 38

    Die philosophische Intuition: Methodisches Hineinversetzen

    in die vortheoretische Faktizitt . . . . . . . . . . . 39

  • 7

    DRITTES KAPITEL

    DAS GEDCHTNIS

    Das Absehen des Naturalismus vom Geschichtlichen . . . . . . 42

    Gedchtnisinhalte und Aktualitt . . . . . . . . . . . 43

    Das Abrufen von Gedchtnisinhalten als buchstbliches Er-innern . . 44

    Gegenwart und Vergangenheit, Materialitt und Virtualitt . . . . . 45

    Die Lebendigkeit der Gegenwart im faktischen Erleben . . . . 47

    Gegenwart und Vergangenheit im konkreten Lebensvollzug . . . 49

    Die Einheit von Bewusstsein und Gedchtnis:

    Die Materialisierung der Erinnerung . . . . . . . . . . . 51

    Diesseits der Theorie: Der Vollzugscharakter des faktischen Lebens . . 52

    II. TEIL

    BERGSON IM LICHTE HEIDEGGERS:

    ZWISCHEN INTUITION UND INSINUATION

    VIERTES KAPITEL

    PHNOMENOLOGIE ALS URSPRUNGSWISSENSCHAFT:

    DER BEKUNDUNGSZUSAMMENHANG

    DER VORTHEORETISCHEN SPHRE

    DER BEGRIFF DES VORTHEORETISCHEN . . . . . . . 60

    Das Verkennen des Vortheoretischen durch die

    zeitgenssische Philosophie . . . . . . . . . . . . . 60

    Das vortheoretische welten der Welt . . . . . . . . . . 62

    Der Begriff des vortheoretischen Lebens an sich . . . . . . . 64

    Die vortheoretische Welterfahrung als Ausgangspunkt

    der Ursprungswissenschaft . . . . . . . . . . . . . 65

    PSYCHOLOGIE ALS VORTHEORETISCHE

    URSPRUNGSWISSENSCHAFT? . . . . . . . . . . . 67

    Die Differenz des Vortheoretischen und der empirischen Objektsphre . 67

    Der Primat des Theor