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Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 13 Grundsätze der Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Melahat Altan/ Andreas Foitzik/ Jutta Goltz

Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 13 Grundsätze der Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Melahat Altan/ Andreas Foitzik

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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 13 Grundstze der Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Melahat Altan/ Andreas Foitzik/ Jutta Goltz
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Dimensionen der Zusammenarbeit mit Eltern Elternberatung Elternbildung Elterninformation Elternmitwirkung Kooperation im Gemeinwesen Qualifizierung von Eltern Fortbildungen fr Fachkrfte zum Thema Projekte mit Eltern Entwickelt von den Regionalen Arbeitsstellen (RAA) zur Frderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien in NRW 2
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Grundsatz 1: Reprsentation der Vielfalt als Einladung zur Partizipation Wir zeigen den Familien mit Migrationshintergrund und der ffentlichkeit, dass in unserer Einrichtung Menschen mit unterschiedlicher familirer Herkunft willkommen und anerkannt sind. Wir signalisieren: ihr seid hier keine Gste, es ist eure Einrichtung. Eine solche ffnung ist auf bewusste symbolische Zeichen angewiesen. 3
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 4 Grundsatz 2: Frhe Kontaktaufnahme und Beziehungsangebote Wir nehmen den Kontakt zu Eltern auf, bevor es Konflikte gibt und bemhen uns um einen durchlaufenden normalen Kontakt. Bestehende Spannungen erschweren die Kontaktaufnahme. Es geht um eine Normalisierung der Kontakte. ber den Aufbau einer Beziehung ermglichen wir eine gute Auseinandersetzung im Konfliktfall.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 5 Grundsatz 3: Die Eltern sind Expert/innen ihrer Situation Wir gehen davon aus, dass Eltern ihr Kind am besten kennen, grundstzlich fr das Kind das Beste wollen und auch daran interessiert sind, das Kind zu untersttzen. Diese wertschtzende Haltung ist die Grundlage der Zusammenarbeit. Unsere Aufgabe ist es, dass Eltern die Mglichkeiten und Grenzen dieser Gesellschaft kennen und sich in ihr orientieren knnen. Nur so knnen sie gute Entscheidungen treffen. Diese Entscheidungen akzeptieren wir.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 6 Grundsatz 4: Die Botschaft ist Wir brauchen euch! Unser Anliegen ist, die Kompetenzen und Ressourcen der Eltern einzubeziehen. Dies erfordert einen Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung der Eltern - weg vom Defizitblick. Mit einer ressourcenorientierten Elternarbeit untersttzen wir die Kompetenzen der Eltern, die eigenen Ziele zu vertreten, sie zu verfolgen und ihr Leben aktiv zu gestalten. Dabei anerkennen wir formelle wie informelle Ressourcen und Selbsthilfepotentiale von anderen Personen, Gruppen und Netzwerken.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 7 Grundsatz 5: Keine Fragen beantworten, die niemand gestellt hat! Wir untersttzen Eltern dabei, sich im deutschen Bildungssystem zurechtzufinden. Wir erffnen Rume, in denen sie sich ber Erziehungsfragen auseinandersetzen knnen. Wir achten dabei aber darauf, dass sie selbst Subjekte der Auseinandersetzung bleiben und nicht selbst zu Objekten von Erziehungsmanahmen werden. Ziel ist, dass Themen und Inhalte der Elternbildung weitgehend von den Eltern selbst bestimmt werden.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 8 Grundsatz 6: Eltern strken Nach dem Empowermentansatz versuchen wir diskriminierte Eltern darin zu untersttzen, ihre Bedrfnisse und Rechte zur Geltung zu bringen. Ziel ist nicht, dass sie im bestehenden System mglichst reibungslos funktionieren, sondern dass sie selbst die Verfgungsgewalt ber sich und ihre Angelegenheiten wiedererlangen. Dafr braucht es geschlossene Rume, in denen diese Gruppen ihre eigenen Bildungsprozesse organisieren knnen. Migrantenorganisationen knnen hier wichtige Partner sein.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 9 Grundsatz 7: Schlsselpersonen sind wichtig! Wir bemhen uns um die Kooperation mit Schlsselpersonen dies knnen andere Migranteneltern sein, aktive Nachbar/innen aus dem Gemeinwesen, Vertreter/innen aus den Vereinen usw. Die Schlsselpersonen werden aktiv in die Gestaltung der Kontaktaufnahme und/ oder der Durchfhrung von Angeboten eingebunden. Dabei achten wir auf eine Kooperation auf Augenhhe.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 10 Grundsatz 8: Verstndigung organisieren Nicht die mangelnden Deutschkenntnisse der Eltern sind das Problem, fr das wir eine Lsung brauchen, sondern die Tatsache, dass die Mitarbeiter/in der Einrichtung und die Eltern nicht auf die gleiche Sprache zurckgreifen knnen. Nicht einer ist oder macht ein Problem, sondern beide haben ein Problem. Ausgehend von dieser Prmisse brauchen wir klare Standards fr die Sprachmittlung und tragfhige Konzepte fr die Umsetzung.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 11 Grundsatz 9: Familiensprachen anerkennen Wir sehen die muttersprachlichen Kompetenzen der Eltern als Ressource und nicht als Strung. Wir konfrontieren die Eltern nicht stndig mit der Erwartung, sie sollten zuallererst Deutsch lernen. Wenn mglich versuchen wir in der Arbeit mit Eltern, muttersprachliche Kommunikationsmglichkeiten zu schaffen sowohl ber sprachhomogene Gruppen, aber auch ber Dolmetscherangebote bei gemischten Veranstaltungen.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 12 Grundsatz 10: Die eigenen Konzepte sind nicht normal! Wir mssen uns die Mhe machen, unsere pdagogischen Strukturen und Konzepte insbesondere in mglichen kulturellen Konfliktfeldern transparent zu machen, begrnden und vermitteln zu knnen. Dies hilft uns selbst, einen Standpunkt zu entwickeln. Von da aus knnen wir bestimmen, welche Standards nicht verhandelbar sind und was im Dialog mit den Nutzer/innen immer auch Gegenstand der Weiterentwicklung sein kann.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 13 Grundsatz 11: Elterliche Sorgen ernstnehmen Wir anerkennen die frsorglichen Motive der Eltern, auch wenn wir die daraus resultierenden restriktiven Haltungen und Einschrnkungen nicht teilen. Auf dieser Basis bemhen wir uns um den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Dieses Bemhen kommt dann an die Grenzen, wenn wir in der Arbeit mit den Jugendlichen Dinge erfahren, die die Eltern nicht wissen sollten. Wir vermitteln daher den Eltern offen, wo sie sich sicher sein knnen, von uns informiert zu werden, wo es dabei aber auch Grenzen gibt. Auch den Jugendlichen sagen wir, was wir nicht verschweigen wollen/knnen. Wir vermeiden so auch, ausgespielt zu werden.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 14 Grundsatz 12: Elternarbeit braucht Zeit Die hier beschriebene Form von Elternarbeit mit den auch individuellen Zugngen ist zeitaufwendig. Erfolge stellen sich nicht unmittelbar ein, Vertrauensaufbau braucht Ausdauer und Geduld. Beides, sowohl die notwendige Arbeitszeit als auch ein langer Atem muss nach den jeweiligen Mglichkeiten und Grenzen institutionell abgesichert werden.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft 15 Grundsatz 13: Elternarbeit erfordert Selbst- Reflexion Jede pdagogische oder sozialarbeiterische Arbeit braucht Rume der persnlichen und teaminternen Reflexion. Dies gilt insbesondere fr die Arbeit mit Gruppen, die sich durch kulturelle Differenz und/oder eine prekrere gesellschaftliche Positionierung von der jeweils eigenen lebensweltlichen Erfahrung unterscheiden. Dafr erarbeiten wir Standards und stellen Ressourcen zur Verfgung.
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  • Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft Literatur: Melahat Altan/ Andreas Foitzik/ Jutta Goltz, Eine Frage der Haltung. Eltern(bildungs)arbeit in der Migrationsgesellschaft. Eine praxisorientierte Reflexionshilfe, Stuttgart 2009. 16