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Hygiene in der Arztpraxis einschl. ambulantem · PDF file1 1 Hygiene in der Arztpraxis einschl. ambulantem Operieren (Duisburg, 29. April 2009) Prof. Dr. Walter Popp Krankenhaushygiene

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    Hygiene in der Arztpraxis einschl. ambulantem Operieren

    (Duisburg, 29. April 2009)

    Prof. Dr. Walter PoppKrankenhaushygiene

    Universittsklinikum EssenHufelandstr. 55, 45122 Essen

    Tel. 0201-723-4577Fax 0201-723-5664

    E-mail: [email protected]: www.uk-essen.de/krankenhaushygiene

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    Gesundheitsamts-BegehungenHufige Beanstandungen:

    Fehlen eines Hygieneplanes

    Defizite bei der sachgerechten MateriallagerungDefizite im Umgang mit der Dienstkleidung sowie Defizite bei der

    AbfallentsorgungUnzureichende berprfung der Sterilisation

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    berprfungen nach Medizinprodukte-GesetzHufige Beanstandungen:

    Keine Risikoeinstufung der Instrumente

    Kein etabliertes Qualittssicherungssystem (Medizinprodukte-Buch/Instrumentenliste)

    Erforderliche Sachkunde nicht vorhandenTrennung von reinen und unreinen Bereichen nicht vorhanden

    Unsachgeme manuelle Reinigung und DesinfektionDampfsterilisator nicht geeignetKeine qualifizierten Reinigungs- und Desinfektionsgerte zur

    Aufbereitung von kritisch B Instrumentarium in den Praxen

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    Medizinproduktebetreiberverordnung (MPBetreibV)

    4 Instandhaltung

    4 (1) Der Betreiber darf nur Personen, Betriebe oder Einrichtungen mit der Instandhaltung (Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Aufbereitung) von Medizinprodukten beauftragen, die die Sachkenntnis, Voraussetzungen und die erforderlichen Mittel zur ordnungsgemen Ausfhrung dieser Aufgabe besitzen.

    4 (2) Die Aufbereitung von bestimmungsgem keimarm oder steril zur Anwendung kommenden Medizinprodukten ist unter Bercksichtigung der Angaben des Herstellers mit geeigneten Verfahren so durchzufhren, dass der Erfolg dieser Verfahren nachvollziehbar gewhrleistet ist und die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern oder Dritten nicht gefhrdet wird. Dies gilt auch fr Medizinprodukte, die vor der erstmaligen Anwendung desinfiziert oder sterilisiert werden. Eine ordnungsgeme Aufbereitung nach Satz 1 wird vermutet, wenn die gemeinsame Empfehlung der Kommission fr Krankenhaushygiene und Infektionsprvention am Robert-Koch-Institut und des Bundesinstitutes fr Arzneimittel und Medizinprodukte zu den Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten beachtet wird.

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    d.h.

    Bauliche VoraussetzungenTrennung rein-unrein.Desinfizierbare Oberflchen.

    Schliche Voraussetzungen, z.B. Gerte

    Sachkenntnis

    Validierung

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    d.h.

    Bauliche Voraussetzungen

    Schliche VoraussetzungenDie maschinelle Aufbereitung ist vorzuziehen.RDG (Reinigungs-Desinfektions-Gert).Sterilisator (Autoklav).Eventuell Ultraschallgert.

    Sachkenntnis

    Validierung

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    Vario-Programm

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    d.h.

    Bauliche Voraussetzungen

    Schliche Voraussetzungen

    SachkenntnisInhaltlich: RKI-EmpfehlungenFormal

    Validierung

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    Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten

    (Bundesgesundhbl 44, 2001, 1115-1126)

    Einzelschritte:- sachgerechte Vorbereitung- Reinigung Desinfektion, Splung, Trocknung

    - Prfung auf Sauberkeit, Unversehrtheit- Pflege, Instandsetzung- Funktionsprfung

    - ggfs. Kennzeichnung- ggfs. Verpacken, Sterilisation- dokumentierte Freigabe

    Validierte VerfahrenVorherige Risikobewertung

    Personal: benannt, qualifiziert

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    Flumesser intravasalSterilisation;Zertifizierung und Risikoanalyse nach DIN ISO 14971

    Kritisch B-Produkte, die zustzlich nicht dampfsterilisierbar sind

    C) Mit besonders hohen Anforderungen an die Aufbereitung

    MIC-TrokarPhakohandstckeEndoskopzangen

    Immer maschinelle/thermische Reinigung/Desinfektion;Dampfsterilisation aller Teile mit Gewebekontakt

    Hohlrume, schwer zugngliche Oberflchen; Probleme der Funktionssicherheit durch empfindliche Oberflchen, Knicken usw.;Anwendungen und Aufbereitungszyklen durch Hersteller begrenzt

    B) Mit erhhten Anforderungen an die Aufbereitung

    WundhakenChir. PinzetteChir. SchereSkalpellgriffe

    DampfsterilisationA) Ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung

    Anwendung von Blut, Blutproduk-ten, sterilen Arzneimitteln, Haut und Schleim-hutedurchdrin-gend, Kontakt mit Blut, inneren Geweben oder Organen

    Kritisch

    Flexibles EndoskopLarynxmaskeTubusGuedeltubus

    Ggfs. mehrB) Mit erhhten Anforderungen an die Aufbereitung

    SpekulumHNO-Mundspatel

    Mind. DesinfektionA) Ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung

    Kontakt mit Schleimhaut oder krankhaft vernderter Haut

    Semi-kritisch

    StethoskopRR-ManschetteEKG-ElektrodenBeatmungsmaske

    Reinigung/Desinfektion ausreichend

    Kontakt mit HautKontakt mit intakter Haut

    Unkritisch

    BeispielBesondere Anforderungen laut RKI

    Weiterfhrende RKI-Erklrung

    RKI-Erklrung

    Einstufung von Medizinprodukten bezglich ihrer Aufbereitung nach RKI

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    Sachkunde Fachkunde (DGSV)

    Sachkunde:Ausreichend fr unkritische und semikritische MP

    2-5 Tage:2 Tage: Arzthelfer/in, Pflegekraft > 5 Jahre Berufserfahrung5 Tage: < 5 Jahre Berufserfahrung

    Fachkundekurse:Immer bei kritischen MP

    FK 1: alle, 2 WochenFK 2: Schichtleitung, 2 WochenFK 3: Sterileitung, 4 Wochen

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    d.h.

    Bauliche Voraussetzungen

    Schliche Voraussetzungen

    Sachkenntnis

    ValidierungMeist jhrlich reduzierte Leistungsqualifizierung.Grundstzlich gesamter Proze.RDG, Steri, Folienschweigert und RDG-E.

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    Sterilisation:

    Physikalisch:Autoklav

    Gesttigter, gespannter Wasserdampf121C, 2 bar, 15-20 Min.134C, 3 bar, 5 Min.

    CJK: 18 Min.Heiluft

    200C, 10 Min.180C, 30 Min.160C, 200 Min.

    Chemisch:Ethylenoxid (50-60C Auslften!)Formaldehyd (70C Auslften!)Plasma (45C Lumina!)

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    Sterilisierverpackung

    Feste Sterilisierbehlter (Container), meist aus Aluminium

    Klarsichtverpackung aus Papier-Folien-Kombinationen

    Sterilisationspapier (Vlies)

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    Sterilisation in Arztpraxis

    DIN EN 13060:Dampf-Klein-Sterilisatoren. September 2004

    Weniger als 1 STE.

    Registriergerte oder Prozessbeurteilungssystem:

    Temperatur, Druck, Zeit fortlaufend

    Umfangreiche Abnahmeprfung

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    Dampf-Klein-Sterilisatoren

    Sterilisationszyklus

    - B: fr verpacktes massives sowie hohles oder porses Sterilisiergut.

    - S: schriftliche Besttigung des Herstellers ber Leistungsspektrum einfordern.

    - N: fr feste, massive Medizinprodukte in unverpacktem Zustand (Dampfdesinfektion) sofortige Verwendung (Verhinderung einer Kreuzinfektion, aber unsteril ab Entnahme!).

    Validierung:

    Derzeit noch kein allgemein akzeptiertes Konzept in Deutschland.Aber grundstzlich unabdingbar.

    (z.B. DGKH in Hyg Med 31, 2006, 346-347)

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    Tgliche Prfung eines Steris

    Sichtkontrolle (z.B. Dichtungen),Kontrolle des Speisewassers

    Leercharge (Aufwrmen)

    Bowie-Dick-Test / Dampfdurchdringungstest

    Vakuumtest nach Herstellerangaben

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    (Eigen-)berprfung von Sterilisatoren

    Physikalisch:

    Mitschreiben von Temperatur und Druck.Chemisch:

    Behandlungsindikator auf Charge.

    Helix nach EN 86715: Prfkrper fr B-Verfahren (porse Gter).

    Biologisch:Bioindikator (Sporen): halbjhrlich bzw. alle 400 Chargen.

    Attest-Indikator-System (Rhrchen aus Polyproylen mit Bakteriensporen und Nhrbouillon).

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    Lagerfristen von Sterilgut

    Lagerung staubarm, trocken bzw. in Schrnken

    Ungeschtzt: alsbaldiger Verbrauch (max. 2 Tage)

    Geschtzt: 6 Monate (5 Jahre mit Umhllung)

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    Manuelle Instrumentenaufbereitung

    Ggfs. zuerst Reinigung (u.U. zustzlich Ultraschall), dann Desinfektion.

    Desinfektionsmittelwannen mit Siebeinsatz und Deckel verwenden.

    Lsung ansetzen: Kaltwasser, Dosierhilfe, Handschuhe, Schutzbrille!

    VAH-gelistete Prparate mit Viruzidie.

    Einlegen: sofort nach Gebrauch, zerlegt, vollstndige Benetzung aller Oberflchen (auch Lumina!).

    Einwirkzeit einhalten, danach mit Wasser absplen (evtl. VE-Wasser).

    Lsung tglich erneuern.

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    Ein Hygieneplan ist erforderlich

    Vorgeschrieben nach 36 IfSG (Krankenhaus, Pflegeheim, ambulantes Operieren, bestimmte Praxen).

    Vorgeschrieben nach TRBA 250 (fr gesamtes Gesundheitswesen).

    Die Gestaltung ist grundstzlich offen (Tabellen, Text?).

    Empfehlung:Im Intraweb verfgbar.Auch Verantwortlichkeiten, Zustndigkeiten, Dokumentation

    regeln.Eventuell auch Personalschutz mit aufnehmen (ein Plan fr alles).

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    Hygieneplan inhaltliche Vorschlge der TRBA 250

    KontrolluntersuchungenProbenabnahmen und -transport

    Mikrobiologische Diagnostik

    Lebensmittel, SpeisenSterilgutGeschirr, Instrumente, WscheAbfall

    Ver- und Entsorgung

    SchutzkleidungHaut- und SchleimhautdesinfektionPatientenvorbereitungSpezielle klinische Ttigkeiten

    Diagnostik, Pflege, Therapie

    BereichskleidungChirurgische HndedesinfektionInstrumenten- und GerteaufbereitungIsoliermanahmen usw. bei bestimmten Krankheiten

    Funktionsbereiche

    Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Konzentrationen usw.Umgang mit Flchen- und InstrumentendesinfektionsmittelnDesinfektion und Sterilisation der Gerte, Instrumente usw.Geschirrr-, Wsche-, BettenaufbereitungDesinfektion von Raum und Mobiliar

    Allgemeine Deinfektionsmanahmen

    Dienst- und SchutzkleidungHygienische HndedesinfektionHndewaschen, HndepflegeSchutzhandschuheSofortmanahmen bei Verletzungen

    Allgemeine Personalhygiene

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    BGH, 20.3.2007, AZ: VI ZR 158:

    Bei der Verwirklichung von Risiken, die nicht