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BauR 1.2.1 Version 01/2018 Vorschriftensammlung der Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg 1 Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO) 1 Vom 5. März 2010 (GBl. Nr. 7, S. 358) zuletzt geändert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 21. November 2017 (GBl. Nr. 23, S. 612) in Kraft getreten am 1. Dezember 2017 Inhaltsübersicht ERSTER TEIL Allgemeine Vorschriften § 1 Anwendungsbereich § 2 Begriffe § 3 Allgemeine Anforderungen ZWEITER TEIL Das Grundstück und seine Bebauung § 4 Bebauung der Grundstücke § 5 Abstandsflächen § 6 Abstandsflächen in Sonderfällen § 7 Übernahme von Abständen und Abstandsflächen auf Nachbargrundstücke § 8 Teilung von Grundstücken § 9 Nichtüberbaute Flächen der bebauten Grundstücke, Kinderspielplätze § 10 Höhenlage des Grundstücks DRITTER TEIL Allgemeine Anforderungen an die Bauausführung § 11 Gestaltung § 12 Baustelle § 13 Standsicherheit § 14 Schutz baulicher Anlagen § 15 Brandschutz § 16 Verkehrssicherheit § 16a Bauarten VIERTER TEIL Bauprodukte § 16b Allgemeine Anforderungen für die Verwendung von Bauprodukten § 16c Anforderungen für die Verwendung von CE-gekennzeichneten Bauprodukten § 17 Verwendbarkeitsnachweise § 18 Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung § 19 Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis § 20 Nachweis der Verwendbarkeit von Bauprodukten im Einzelfall § 21 Übereinstimmungsbestätigung § 22 Übereinstimmungserklärung des Herstellers § 23 Zertifizierung 1 Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informati- onsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesell- schaft (ABl. L 204 vom 21. Juli 1998, S. 37), die zuletzt durch die Richtlinie 2006/96/EG vom 20. November 2006 (ABl. L 363 vom 20. Dezember 2006, S. 81) geändert worden ist, sind beachtet worden.

Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO)gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16493/1_2_1.pdf · BauR 1.2.1 . Version 01/2018 Vorschriftensammlung der Gewerbeaufsicht Baden -Württemberg

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BauR 1.2.1

Version 01/2018 Vorschriftensammlung der Gewerbeaufsicht Baden-Wrttemberg

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Landesbauordnung fr Baden-Wrttemberg (LBO)1 Vom 5. Mrz 2010 (GBl. Nr. 7, S. 358)

zuletzt gendert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 21. November 2017 (GBl. Nr. 23, S. 612) in Kraft getreten am 1. Dezember 2017

Inhaltsbersicht

ERSTER TEIL Allgemeine Vorschriften

1 Anwendungsbereich 2 Begriffe 3 Allgemeine Anforderungen

ZWEITER TEIL Das Grundstck und seine Bebauung

4 Bebauung der Grundstcke 5 Abstandsflchen 6 Abstandsflchen in Sonderfllen 7 bernahme von Abstnden und Abstandsflchen auf Nachbargrundstcke 8 Teilung von Grundstcken 9 Nichtberbaute Flchen der bebauten Grundstcke, Kinderspielpltze 10 Hhenlage des Grundstcks

DRITTER TEIL Allgemeine Anforderungen an die Bauausfhrung

11 Gestaltung 12 Baustelle 13 Standsicherheit 14 Schutz baulicher Anlagen 15 Brandschutz 16 Verkehrssicherheit 16a Bauarten

VIERTER TEIL Bauprodukte

16b Allgemeine Anforderungen fr die Verwendung von Bauprodukten 16c Anforderungen fr die Verwendung von CE-gekennzeichneten Bauprodukten 17 Verwendbarkeitsnachweise 18 Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung 19 Allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis 20 Nachweis der Verwendbarkeit von Bauprodukten im Einzelfall 21 bereinstimmungsbesttigung 22 bereinstimmungserklrung des Herstellers 23 Zertifizierung

1 Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 ber ein Informati-

onsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften fr die Dienste der Informationsgesell-schaft (ABl. L 204 vom 21. Juli 1998, S. 37), die zuletzt durch die Richtlinie 2006/96/EG vom 20. November 2006 (ABl. L 363 vom 20. Dezember 2006, S. 81) gendert worden ist, sind beachtet worden.

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24 Prf-, Zertifizierungs- und berwachungsstellen 25 Besondere Sachkunde- und Sorgfaltsanforderungen

FNFTER TEIL Der Bau und seine Teile

26 Allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen 27 Anforderungen an tragende, aussteifende und raumabschlieende Bauteile 28 Anforderungen an Bauteile in Rettungswegen 29 Aufzugsanlagen 30 Lftungsanlagen 31 Leitungsanlagen 32 Feuerungsanlagen, sonstige Anlagen zur Wrmeerzeugung, Brennstoffversorgung 33 Wasserversorgungs- und Wasserentsorgungsanlagen, Anlagen fr Abfallstoffe und Reststoffe

SECHSTER TEIL Einzelne Rume, Wohnungen und besondere Anlagen

34 Aufenthaltsrume 35 Wohnungen 36 Toilettenrume und Bder 37 Stellpltze fr Kraftfahrzeuge und Fahrrder, Garagen 38 Sonderbauten 39 Barrierefreie Anlagen 40 Gemeinschaftsanlagen

SIEBENTER TEIL Am Bau Beteiligte, Baurechtsbehrden

41 Grundsatz 42 Bauherr 43 Entwurfsverfasser 44 Unternehmer 45 Bauleiter 46 Aufbau und Besetzung der Baurechtsbehrden 47 Aufgaben und Befugnisse der Baurechtsbehrden 48 Sachliche Zustndigkeit

ACHTER TEIL Verwaltungsverfahren, Baulasten

49 Genehmigungspflichtige Vorhaben 50 Verfahrensfreie Vorhaben 51 Kenntnisgabeverfahren 52 Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren 53 Bauvorlagen und Bauantrag 54 Fristen im Genehmigungsverfahren, gemeindliches Einvernehmen 55 Beteiligung der Nachbarn und der ffentlichkeit 56 Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen 57 Bauvorbescheid 58 Baugenehmigung 59 Baubeginn 60 Sicherheitsleistung

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61 Teilbaugenehmigung 62 Geltungsdauer der Baugenehmigung 63 Verbot unrechtmig gekennzeichneter Bauprodukte 64 Einstellung von Arbeiten 65 Abbruchsanordnung und Nutzungsuntersagung 66 Bauberwachung 67 Bauabnahmen, Inbetriebnahme der Feuerungsanlagen 68 Typenprfung 69 Fliegende Bauten 70 Zustimmungsverfahren, Vorhaben der Landesverteidigung 71 bernahme von Baulasten 72 Baulastenverzeichnis

NEUNTER TEIL Rechtsvorschriften, Ordnungswidrigkeiten, bergangs- und Schlussvorschriften

73 Rechtsverordnungen 73a Technische Baubestimmungen 74 rtliche Bauvorschriften 75 Ordnungswidrigkeiten 76 Bestehende bauliche Anlagen 77 bergangsvorschriften 78 Auerkrafttreten bisherigen Rechts 79 Inkrafttreten

ERSTER TEIL Allgemeine Vorschriften

1 Anwendungsbereich

(1) Dieses Gesetz gilt fr bauliche Anlagen und Bauprodukte. Es gilt auch fr Grundstcke, andere Anlagen und Einrichtungen, an die in diesem Gesetz oder in Vorschriften auf Grund dieses Gesetzes Anforderungen gestellt werden. Es gilt ferner fr Anlagen nach Absatz 2, soweit an sie Anforderungen auf Grund von 74 gestellt werden. (2) Dieses Gesetz gilt 1. bei ffentlichen Verkehrsanlagen nur fr Gebude, 2. bei den der Aufsicht der Wasserbehrden unterliegenden Anlagen nur fr Gebude, berbrckungen,

Abwasseranlagen, Wasserbehlter, Pumpwerke, Schachtbrunnen, ortsfeste Behlter fr Treibstoffe, le und andere wassergefhrdende Stoffe, sowie fr Abwasserleitungen auf Baugrundstcken,

3. bei den der Aufsicht der Bergbehrden unterliegenden Anlagen nur fr oberirdische Gebude, 4. bei Leitungen aller Art nur fr solche auf Baugrundstcken. Es gilt nicht fr Krne und Krananlagen.

2 Begriffe

(1) Bauliche Anlagen sind unmittelbar mit dem Erdboden verbundene, aus Bauprodukten hergestellte Anla-gen. Eine Verbindung mit dem Erdboden besteht auch dann, wenn die Anlage durch eigene Schwere auf dem Boden ruht oder wenn die Anlage nach ihrem Verwendungszweck dazu bestimmt ist, berwiegend ortsfest benutzt zu werden. Als bauliche Anlagen gelten auch

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1. Aufschttungen und Abgrabungen, 2. Ausstellungs-, Abstell- und Lagerpltze, 3. Camping-, Wochenend- und Zeltpltze, 4. Sport- und Spielflchen, 5. Freizeit- und Vergngungsparks, 6. Stellpltze. (2) Gebude sind selbstndig benutzbare, berdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden knnen und geeignet sind, dem Schutz von Menschen, Tieren oder Sachen zu dienen. (3) Wohngebude sind Gebude, die berwiegend der Wohnnutzung dienen und auer Wohnungen allen-falls Rume fr die Berufsausbung freiberuflich oder in hnlicher Art Ttiger sowie die zugehrigen Gara-gen und Nebenrume enthalten. (4) Gebude werden in folgende Gebudeklassen eingeteilt: 1. Gebudeklasse 1:

freistehende Gebude mit einer Hhe bis zu 7 m und nicht mehr als zwei Nutzungseinheiten von insge-samt nicht mehr als 400 m2 und freistehende land- oder forstwirtschaftlich genutzte Gebude,

2. Gebudeklasse 2: Gebude mit einer Hhe bis zu 7 m und nicht mehr als zwei Nutzungseinheiten von insgesamt nicht mehr als 400 m2,

3. Gebudeklasse 3: sonstige Gebude mit einer Hhe bis zu 7 m,

4. Gebudeklasse 4: Gebude mit einer Hhe bis zu 13 m und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 400 m2,

5. Gebudeklasse 5: sonstige Gebude einschlielich unterirdischer Gebude.

Hhe im Sinne des Satzes 1 ist das Ma der Fubodenoberkante des hchstgelegenen Geschosses, in dem ein Aufenthaltsraum mglich ist, ber der Gelndeoberflche im Mittel. Grundflchen von Nutzungsein-heiten im Sinne dieses Gesetzes sind die Brutto-Grundflchen; bei der Berechnung der Brutto-Grundflchen nach Satz 1 bleiben Flchen in Kellergeschossen auer Betracht. (5) Geschosse sind oberirdische Geschosse, wenn ihre Deckenoberkanten im Mittel mehr als 1,4 m ber die Gelndeoberflche hinausragen; im brigen sind sie Kellergeschosse. Hohlrume zwischen der obersten Decke und der Bedachung, in denen Aufenthaltsrume nicht mglich sind, sind keine Geschosse. (6) Vollgeschosse sind Geschosse, die mehr als 1,4 m ber die im Mittel gemessene Gelndeoberflche hinausragen und, von Oberkante Fuboden bis Oberkante Fuboden der darberliegenden Decke oder bis Oberkante Dachhaut des darberliegenden Daches gemessen, mindestens 2,3 m hoch sind. Die im Mittel gemessene Gelndeoberflche ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel der Hhenlage der Gelndeober-flche an den Gebudeecken. Keine Vollgeschosse sind 1. Geschosse, die ausschlielich der Unterbringung von haustechnischen Anlagen und Feuerungsanlagen

dienen, 2. oberste Geschosse, bei denen die Hhe von 2,3 m ber weniger als drei Viertel der Grundflche des

darunterliegenden Geschosses vorhanden ist. Hohlrume zwischen der obersten Decke und dem Dach, deren lichte Hhe geringer ist, als sie fr Aufent-haltsrume nach 34 Abs. 1 erforderlich ist, sowie offene Emporen bis zu einer Grundflche von 20 m2 blei-ben auer Betracht. (7) Aufenthaltsrume sind Rume, die zum nicht nur vorbergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind. (8) Stellpltze sind Flchen, die dem Abstellen von Kraftfahrzeugen und Fahrrdern auerhalb der ffentli-chen Verkehrsflchen dienen. Garagen sind Gebude oder Gebudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeu-gen. Ausstellungs-, Verkaufs-, Werk- und Lagerrume sind keine Stellpltze oder Garagen.

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(9) Anlagen der Auenwerbung (Werbeanlagen) sind alle rtlich gebundenen Einrichtungen, die der Ankn-digung oder Anpreisung oder als Hinweis auf Gewerbe oder Beruf dienen und vom ffentlichen Verkehrs-raum aus sichtbar sind. Hierzu gehren vor allem Schilder, Beschriftungen, Bemalungen, Lichtwerbungen, Schauksten sowie fr Anschlge oder Lichtwerbung bestimmte Sulen, Tafeln und Flchen. Keine Werbe-anlagen im Sinne dieses Gesetzes sind 1. Werbeanlagen, die im Zusammenhang mit allgemeinen Wahlen oder Abstimmungen angebracht oder

aufgestellt werden, whrend der Dauer des Wahlkampfes, 2. Werbeanlagen in Form von Anschlgen, 3. Werbeanlagen an Baustellen, soweit sie sich auf das Vorhaben beziehen, 4. Lichtwerbungen an Sulen, Tafeln oder Flchen, die allgemein dafr baurechtlich genehmigt sind, 5. Auslagen und Dekorationen in Schaufenstern und Schauksten, 6. Werbemittel an Verkaufsstellen fr Zeitungen und Zeitschriften. (10) Bauprodukte sind 1. Produkte, Baustoffe, Bauteile und Anlagen sowie Baustze gem Artikel 2 Nummer 2 der Verordnung

(EU) Nr. 305/2011 des Europischen Parlaments und des Rates vom 9. Mrz 2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen fr die Vermarktung von Bauprodukten und zur Aufhebung der Richtli-nie 89/106/EWG des Rates (ABl. L 88 vom 4.4.2011, S. 5, ber. ABl. L 103 vom 12.4.2013, S. 10), die zuletzt durch Delegierte Verordnung (EU) Nr. 574/2014 (ABl. L 159 vom 28.5.2014, S. 41) gendert worden ist, die hergestellt werden, um dauerhaft in bauliche Anlagen eingebaut zu werden,

2. aus Produkten, Baustoffen, Bauteilen sowie Baustzen gem Artikel 2 Nummer 2 der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 vorgefertigte Anlagen, die hergestellt werden, um mit dem Erdboden verbunden zu werden,

und deren Verwendung sich auf die Anforderungen nach 3 Absatz 1 Satz 1 auswirken kann. (11) Bauart ist das Zusammenfgen von Bauprodukten zu baulichen Anlagen oder Teilen von baulichen Anlagen. (12) Feuersttten sind Anlagen oder Einrichtungen, die in oder an Gebuden ortsfest benutzt werden und dazu bestimmt sind, durch Verbrennung Wrme zu erzeugen. (13) Es stehen gleich 1. der Errichtung das Herstellen, Aufstellen, Anbringen, Einbauen, Einrichten, Instandhalten, ndern und

die Nutzungsnderung, 2. dem Abbruch das Beseitigen, soweit nichts anderes bestimmt ist. (14) Magebend sind in den Abstzen 4, 5 und 6 Satz 1 und 3 die Rohbaumae.

3 Allgemeine Anforderungen

(1) Bauliche Anlagen sowie Grundstcke, andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von 1 Abs. 1 Satz 2 sind so anzuordnen und zu errichten, dass die ffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit oder die natrlichen Lebensgrundlagen, nicht bedroht werden und dass sie ihrem Zweck ent-sprechend ohne Missstnde benutzbar sind; dabei sind die Grundanforderungen an Bauwerke gem An-hang I der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 zu bercksichtigen. Fr den Abbruch baulicher Anlagen gilt dies entsprechend. (2) In die Planung von Gebuden sind die Belange von Personen mit kleinen Kindern, Menschen mit Behin-derung und alten Menschen nach Mglichkeit einzubeziehen.

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ZWEITER TEIL Das Grundstck und seine Bebauung

4 Bebauung der Grundstcke

(1) Gebude drfen nur errichtet werden, wenn das Grundstck in angemessener Breite an einer befahrba-ren ffentlichen Verkehrsflche liegt oder eine befahrbare, ffentlich-rechtlich gesicherte Zufahrt zu einer befahrbaren ffentlichen Verkehrsflche hat; bei Wohnwegen kann auf die Befahrbarkeit verzichtet werden, wenn keine Bedenken wegen des Brandschutzes bestehen. (2) Die Errichtung eines Gebudes auf mehreren Grundstcken ist zulssig, wenn durch Baulast gesichert ist, dass keine Verhltnisse eintreten knnen, die den Vorschriften dieses Gesetzes oder den auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften zuwiderlaufen. (3) Bauliche Anlagen mit Feuersttten mssen von Wldern, Mooren und Heiden mindestens 30 m entfernt sein; die gleiche Entfernung ist mit Gebuden von Wldern sowie mit Wldern von Gebuden einzuhalten. Dies gilt nicht fr Gebude, die nach den Festsetzungen des Bebauungsplans mit einem geringeren Abstand als nach Satz 1 zulssig sind, sowie fr bauliche nderungen rechtmig bestehender baulicher Anlagen. Ausnahmen knnen zugelassen werden. Grere Abstnde knnen verlangt werden, soweit dies wegen des Brandschutzes oder zur Sicherheit der Gebude erforderlich ist.

5 Abstandsflchen

(1) Vor den Auenwnden von baulichen Anlagen mssen Abstandsflchen liegen, die von oberirdischen baulichen Anlagen freizuhalten sind. Eine Abstandsflche ist nicht erforderlich vor Auenwnden an Grund-stcksgrenzen, wenn nach planungsrechtlichen Vorschriften 1. an die Grenze gebaut werden muss, es sei denn, die vorhandene Bebauung erfordert eine Abstandsfl-

che, oder 2. an die Grenze gebaut werden darf und ffentlich-rechtlich gesichert ist, dass auf dem Nachbargrund-

stck ebenfalls an die Grenze gebaut wird. Die ffentlich-rechtliche Sicherung ist nicht erforderlich, wenn nach den Festsetzungen einer abweichenden Bauweise unabhngig von der Bebauung auf dem Nachbargrundstck an die Grenze gebaut werden darf. (2) Die Abstandsflchen mssen auf dem Grundstck selbst liegen. Sie drfen auch auf ffentlichen Ver-kehrsflchen, ffentlichen Grnflchen und ffentlichen Wasserflchen liegen, bei beidseitig anbaubaren Flchen jedoch nur bis zu deren Mitte. (3) Die Abstandsflchen drfen sich nicht berdecken. Dies gilt nicht fr Abstandsflchen von Auenwn-den, die in einem Winkel von mehr als 75 zueinander stehen. (4) Die Tiefe der Abstandsflche bemisst sich nach der Wandhhe; sie wird senkrecht zur jeweiligen Wand gemessen. Als Wandhhe gilt das Ma vom Schnittpunkt der Wand mit der Gelndeoberflche bis zum Schnittpunkt der Wand mit der Dachhaut oder bis zum oberen Abschluss der Wand. Ergeben sich bei einer Wand durch die Gelndeoberflche unterschiedliche Hhen, ist die im Mittel gemessene Wandhhe mage-bend. Sie ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel der Hhenlage an den Eckpunkten der baulichen Anla-ge; liegen bei einer Wand die Schnittpunkte mit der Dachhaut oder die oberen Abschlsse verschieden hoch, gilt dies fr den jeweiligen Wandabschnitt. Magebend ist die tatschliche Gelndeoberflche nach Ausfhrung des Bauvorhabens, soweit sie nicht zur Verringerung der Abstandsflchen angelegt wird oder wurde. (5) Auf die Wandhhe werden angerechnet 1. die Hhe von Dchern oder Dachaufbauten mit einer Neigung von mehr als 70 voll und von mehr als

45 zu einem Viertel,

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2. die Hhe einer Giebelflche zur Hlfte des Verhltnisses, in dem ihre tatschliche Flche zur gedachten Gesamtflche einer rechteckigen Wand mit denselben Maximalabmessungen steht; die Giebelflche beginnt an der Horizontalen durch den untersten Schnittpunkt der Wand mit der Dachhaut,

3. bei Windenergieanlagen nur die Hhe bis zur Rotorachse, wobei die Tiefe der Abstandsflche mindes-tens der Lnge des Rotorradius entsprechen muss.

(6) Bei der Bemessung der Abstandsflche bleiben auer Betracht 1. untergeordnete Bauteile wie Gesimse, Dachvorsprnge, Eingangs- und Terrassenberdachungen,

wenn sie nicht mehr als 1,5 m vor die Auenwand vortreten, 2. Vorbauten wie Wnde, Erker, Balkone, Tr- und Fenstervorbauten, wenn sie nicht breiter als 5 m sind,

nicht mehr als 1,5 m vortreten und von Nachbargrenzen mindestens 2 m entfernt bleiben. Auerdem bleibt die nachtrgliche Wrmedm-mung eines bestehenden Gebudes auer Betracht, wenn sie nicht mehr als 0,25 m vor die Auenwand tritt. (7) Die Tiefe der Abstandsflchen betrgt 1. allgemein 0,4 der Wandhhe, 2. in Kerngebieten, Dorfgebieten und in besonderen Wohngebieten 0,2 der Wandhhe, 3. in Gewerbegebieten und in Industriegebieten, sowie in Sondergebieten, die nicht der Erholung dienen,

0,125 der Wandhhe. Sie darf jedoch 2,5 m, bei Wnden bis 5 m Breite 2 m nicht unterschreiten.

6 Abstandsflchen in Sonderfllen

(1) In den Abstandsflchen baulicher Anlagen sowie ohne eigene Abstandsflchen sind zulssig: 1. Gebude oder Gebudeteile, die eine Wandhhe von nicht mehr als 1 m haben, 2. Garagen, Gewchshuser und Gebude ohne Aufenthaltsrume mit einer Wandhhe bis 3 m und einer

Wandflche bis 25 m2, 3. bauliche Anlagen, die keine Gebude sind, soweit sie nicht hher als 2,5 m sind oder ihre Wandflche

nicht mehr als 25 m2 betrgt, 4. landwirtschaftliche Gewchshuser, die nicht unter Nummer 2 fallen, soweit sie mindestens 1 m Ab-

stand zu Nachbargrenzen einhalten. Fr die Ermittlung der Wandhhe nach Satz 1 Nr. 2 ist der hchste Punkt der Gelndeoberflche zugrunde zu legen. Die Grenzbebauung im Falle des Satzes 1 Nr. 2 entlang den einzelnen Nachbargrenzen 9 m und insgesamt 15 m nicht berschreiten. (2) Werden mit Gebuden oder Gebudeteilen nach Absatz 1 dennoch Abstandsflchen eingehalten, so mssen sie gegenber Nachbargrenzen eine Tiefe von mindestens 0,5 m haben. (3) Geringere Tiefen der Abstandsflchen sind zuzulassen, wenn 1. in berwiegend bebauten Gebieten die Gestaltung des Straenbildes oder besondere rtliche Verhlt-

nisse dies erfordern oder 2. Beleuchtung mit Tageslicht sowie Belftung in ausreichendem Mae gewhrleistet bleiben, Grnde des

Brandschutzes nicht entgegenstehen und nachbarliche Belange nicht erheblich beeintrchtigt werden. In den Fllen der Nummer 1 knnen geringere Tiefen der Abstandsflchen auch verlangt werden.

7 bernahme von Abstnden und Abstandsflchen auf Nachbargrundstcke

Soweit nach diesem Gesetz oder nach Vorschriften auf Grund dieses Gesetzes Abstnde und Abstandsfl-chen auf dem Grundstck selbst liegen mssen, drfen sie sich ganz oder teilweise auf andere Grundstcke erstrecken, wenn durch Baulast gesichert ist, dass sie nicht berbaut werden und auf die auf diesen Grundst-

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cken erforderlichen Abstandsflchen nicht angerechnet werden. Vorschriften, nach denen in den Abstandsfl-chen bauliche Anlagen zulssig sind oder ausnahmsweise zugelassen werden knnen, bleiben unberhrt.

8 Teilung von Grundstcken

(1) Durch die Teilung eines Grundstcks, das bebaut oder dessen Bebauung genehmigt ist, drfen keine Verhltnisse geschaffen werden, die Vorschriften dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes wider-sprechen. (2) Die geplante Teilung eines Grundstcks nach Absatz 1 ist der unteren Baurechtsbehrde zwei Wochen vorher anzuzeigen; 19 Absatz 1 BauGB gilt entsprechend. Soll bei der Teilung von Vorschriften dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes abgewichen werden, ist 56 entsprechend anzuwenden.

9 Nichtberbaute Flchen der bebauten Grundstcke, Kinderspielpltze

(1) Die nichtberbauten Flchen der bebauten Grundstcke mssen Grnflchen sein, soweit diese Flchen nicht fr eine andere zulssige Verwendung bentigt werden. Ist eine Begrnung oder Bepflanzung der Grundstcke nicht oder nur sehr eingeschrnkt mglich, so sind die baulichen Anlagen zu begrnen, soweit ihre Beschaffenheit, Konstruktion und Gestaltung es zulassen und die Manahme wirtschaftlich zumutbar ist. (2) Bei der Errichtung von Gebuden mit mehr als zwei Wohnungen, die jeweils mindestens zwei Aufent-haltsrume haben, ist auf dem Baugrundstck oder in unmittelbarer Nhe auf einem anderen geeigneten Grundstck, dessen dauerhafte Nutzung fr diesen Zweck ffentlich-rechtlich gesichert sein muss, ein aus-reichend groer Spielplatz fr Kleinkinder anzulegen. Dies gilt nicht, wenn in unmittelbarer Nhe eine Ge-meinschaftsanlage geschaffen wird oder vorhanden ist oder wenn die Art der Wohnungen oder die Lage der Gebude dies nicht erfordern. Die Kinderspielpltze mssen stufenlos erreichbar sein; 39 Abs. 3 Satz 1 gilt entsprechend. Die Art, Gre und Ausstattung der Kinderspielpltze bestimmt sich nach der Zahl und Gre der Wohnungen auf dem Grundstck. Fr bestehende Gebude nach Satz 1 kann die Anlage von Kinder-spielpltzen verlangt werden, wenn hierfr geeignete nichtberbaute Flchen auf dem Grundstck vorhan-den sind oder ohne wesentliche nderung oder Abbruch baulicher Anlagen geschaffen werden knnen.

10 Hhenlage des Grundstcks

Bei der Errichtung baulicher Anlagen kann verlangt werden, dass die Oberflche des Grundstcks erhalten oder ihre Hhenlage verndert wird, um 1. eine Verunstaltung des Straen-, Orts- oder Landschaftsbildes zu vermeiden oder zu beseitigen, 2. die Oberflche des Grundstcks der Hhe der Verkehrsflche oder der Hhe der Nachbargrundstcke

anzugleichen oder 3. berschssigen Bodenaushub zu vermeiden.

DRITTER TEIL Allgemeine Anforderungen an die Bauausfhrung

11 Gestaltung

(1) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung so in Einklang zu bringen, dass sie das Straen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht beeintrchtigen. Auf Kultur- und Naturdenkmale und auf erhaltenswerte Eigenarten der Umgebung ist Rcksicht zu nehmen.

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(2) Bauliche Anlagen sind so zu gestalten, dass sie nach Form, Mastab, Werkstoff, Farbe und Verhltnis der Baumassen und Bauteile zueinander nicht verunstaltet wirken. (3) Die Abstze 1 und 2 gelten entsprechend fr 1. Werbeanlagen, die keine baulichen Anlagen sind, 2. Automaten, die vom ffentlichen Verkehrsraum aus sichtbar sind, 3. andere Anlagen und Grundstcke im Sinne von 1 Abs. 1 Satz 2. (4) In reinen Wohngebieten, allgemeinen Wohngebieten und Kleinsiedlungsgebieten sind nur fr Anschlge bestimmte Werbeanlagen sowie Werbeanlagen an der Sttte der Leistung zulssig.

12 Baustelle

(1) Baustellen sind so einzurichten, dass die baulichen Anlagen ordnungsgem errichtet oder abgebrochen werden knnen und Gefahren oder vermeidbare erhebliche Belstigungen nicht entstehen. (2) Bei der Ausfhrung genehmigungspflichtiger Vorhaben hat der Bauherr an der Baustelle den von der Baurechtsbehrde nach 59 Abs. 1 erteilten Baufreigabeschein anzubringen. Der Bauherr hat in den Bau-freigabeschein Namen, Anschrift und Rufnummer der Unternehmer fr die Rohbauarbeiten sptestens bei Baubeginn einzutragen; dies gilt nicht, wenn an der Baustelle ein besonderes Schild angebracht ist, das diese Angaben enthlt. Der Baufreigabeschein muss dauerhaft, leicht lesbar und von der ffentlichen Ver-kehrsflche aus sichtbar angebracht sein. (3) Bei Vorhaben im Kenntnisgabeverfahren hat der Bauherr sptestens bei Baubeginn an der Baustelle dauerhaft, leicht lesbar und von der ffentlichen Verkehrsflche sichtbar anzugeben: 1. Die Bezeichnung des Vorhabens, 2. den Namen und die Anschrift des Entwurfsverfassers und des Bauleiters, 3. den Namen, die Anschrift und die Rufnummer der Unternehmer fr die Rohbauarbeiten. (4) Bume, Hecken und sonstige Bepflanzungen, die auf Grund anderer Rechtsvorschriften zu erhalten sind, mssen whrend der Bauausfhrung geschtzt werden.

13 Standsicherheit

(1) Bauliche Anlagen mssen sowohl im ganzen als auch in ihren einzelnen Teilen sowie fr sich allein standsicher sein. Die Standsicherheit muss auch whrend der Errichtung sowie bei der Durchfhrung von Abbrucharbeiten gewhrleistet sein. Die Standsicherheit anderer baulicher Anlagen und die Tragfhigkeit des Baugrundes der Nachbargrundstcke drfen nicht gefhrdet werden. (2) Die Verwendung gemeinsamer Bauteile fr mehrere bauliche Anlagen ist zulssig, wenn durch Baulast und technisch gesichert ist, dass die gemeinsamen Bauteile beim Abbruch einer der aneinanderstoenden baulichen Anlagen stehen bleiben knnen.

14 Schutz baulicher Anlagen

(1) Gerusche, Erschtterungen oder Schwingungen, die von ortsfesten Einrichtungen in einer baulichen Anlage ausgehen, sind so zu dmmen, dass Gefahren sowie erhebliche Nachteile oder Belstigungen nicht entstehen. Gebude mssen einen ihrer Nutzung entsprechenden Schallschutz haben.

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(2) Bauliche Anlagen mssen so angeordnet, beschaffen und gebrauchstauglich sein, dass durch Wasser, Feuchtigkeit, pflanzliche und tierische Schdlinge sowie andere chemische, physikalische oder biologische Einflsse Gefahren oder unzumutbare Belstigungen bei sachgerechtem Gebrauch nicht entstehen. (3) Gebude mssen einen ihrer Nutzung und den klimatischen Verhltnissen entsprechenden Wrme-schutz haben.

15 Brandschutz

(1) Bauliche Anlagen sind so anzuordnen und zu errichten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Lscharbeiten mglich sind. (2) Bauliche Anlagen, die besonders blitzgefhrdet sind oder bei denen Blitzschlag zu schweren Folgen fh-ren kann, sind mit dauernd wirksamen Blitzschutzanlagen zu versehen. (3) Jede Nutzungseinheit muss in jedem Geschoss mit Aufenthaltsrumen ber mindestens zwei voneinan-der unabhngige Rettungswege erreichbar sein; beide Rettungswege drfen jedoch innerhalb eines Ge-schosses ber denselben notwendigen Flur fhren. (4) Der erste Rettungsweg muss in Nutzungseinheiten, die nicht zu ebener Erde liegen, ber eine notwendi-ge Treppe oder eine flache Rampe fhren. Der erste Rettungsweg fr einen Aufenthaltsraum darf nicht ber einen Raum mit erhhter Brandgefahr fhren. (5) Der zweite Rettungsweg kann eine weitere notwendige Treppe oder eine mit Rettungsgerten der Feu-erwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein. Ein zweiter Rettungsweg ist nicht erforderlich, wenn die Rettung ber einen sicher erreichbaren Treppenraum mglich ist, in den Feuer und Rauch nicht eindringen knnen (Sicherheitstreppenraum). (6) Zur Durchfhrung wirksamer Lsch- und Rettungsarbeiten durch die Feuerwehr mssen geeignete und von ffentlichen Verkehrsflchen erreichbare Aufstell- und Bewegungsflchen fr die erforderlichen Ret-tungsgerte vorhanden sein. (7) Aufenthaltsrume, in denen bestimmungsgem Personen schlafen, sowie Rettungswege von solchen Aufenthaltsrumen in derselben Nutzungseinheit sind jeweils mit mindestens einem Rauchwarnmelder aus-zustatten. die Rauchwarnmelder mssen so eingebaut oder angebracht werden, dass Brandrauch frhzeitig erkannt und gemeldet wird. Eigentmerinnen und Eigentmer bereits bestehender Gebude sind verpflich-tet, diese bis zum 31. Dezember 2014 entsprechend auszustatten. Die Sicherstellung der Betriebsbereit-schaft obliegt den unmittelbaren Besitzern, es sei denn, der Eigentmer bernimmt die Verpflichtung selbst. (8) Gebude zur Haltung von Tieren mssen ber angemessene Einrichtungen zur Rettung der Tiere im Brandfall verfgen.

16 Verkehrssicherheit

(1) Bauliche Anlagen sowie die dem Verkehr dienenden, nichtberbauten Flchen von bebauten Grundst-cken mssen verkehrssicher sein. (2) Die Sicherheit und Leichtigkeit des ffentlichen Verkehrs darf durch bauliche Anlagen oder deren Nut-zung nicht gefhrdet werden.

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(3) Umwehrungen mssen so beschaffen und angeordnet sein, dass sie Abstrze verhindern und das ber-klettern erschweren.

16a Bauarten

(1) Bauarten drfen nur angewendet werden, wenn bei ihrer Anwendung die baulichen Anlagen bei ord-nungsgemer Instandhaltung whrend einer dem Zweck entsprechenden angemessenen Zeitdauer die Anforderungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes erfllen und fr ihren Anwendungszweck tauglich sind. (2) Bauarten, die von Technischen Baubestimmungen nach 73a Absatz 2 Nummer 2 oder 3 Buchstabe a wesentlich abweichen oder fr die es allgemein anerkannte Regeln der Technik nicht gibt, drfen bei der Errichtung, nderung und Instandhaltung baulicher Anlagen nur angewendet werden, wenn fr sie 1. eine allgemeine Bauartgenehmigung durch das Deutsche Institut fr Bautechnik oder 2. eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung durch die oberste Baurechtsbehrde erteilt worden ist. 18 Absatz 2 bis 5 gilt entsprechend. (3) Anstelle einer allgemeinen Bauartgenehmigung gengt ein allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis fr Bauarten, wenn die Bauart nach allgemein anerkannten Prfverfahren beurteilt werden kann. In den Techni-schen Baubestimmungen nach 73a werden diese Bauarten mit der Angabe der magebenden techni-schen Regeln bekannt gemacht. 19 Absatz 2 gilt entsprechend. (4) Wenn Gefahren im Sinne des 3 Absatz 1 Satz 1 nicht zu erwarten sind, kann die oberste Baurechtsbe-hrde im Einzelfall oder fr genau begrenzte Flle allgemein festlegen, dass eine Bauartgenehmigung nicht erforderlich ist. (5) Bauarten bedrfen einer Besttigung ihrer bereinstimmung mit den Technischen Baubestimmungen nach 73a Absatz 2, den allgemeinen Bauartgenehmigungen, den allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeug-nissen fr Bauarten oder den vorhabenbezogenen Bauartgenehmigungen. Als bereinstimmung gilt auch eine Abweichung, die nicht wesentlich ist. 21 Absatz 2 gilt fr den Anwender der Bauart entsprechend. (6) Bei Bauarten, deren Anwendung in auergewhnlichem Ma von der Sachkunde und Erfahrung der damit betrauten Personen oder von einer Ausstattung mit besonderen Vorrichtungen abhngt, kann in der Bauartgenehmigung oder durch Rechtsverordnung der obersten Baurechtsbehrde vorgeschrieben werden, dass der Anwender ber solche Fachkrfte und Vorrichtungen verfgt und den Nachweis hierber gegen-ber einer Prfstelle nach 24 Satz 1 Nummer 6 zu erbringen hat. In der Rechtsverordnung knnen Min-destanforderungen an die Ausbildung, die durch Prfung nachzuweisende Befhigung und die Ausbildungs-sttten einschlielich der Anerkennungsvoraussetzungen gestellt werden. (7) Fr Bauarten, die einer auergewhnlichen Sorgfalt bei Ausfhrung oder Instandhaltung bedrfen, kann in der Bauartgenehmigung oder durch Rechtsverordnung der obersten Baurechtsbehrde die berwachung dieser Ttigkeiten durch eine berwachungsstelle nach 24 Satz 1 Nummer 5 vorgeschrieben werden.

VIERTER TEIL Bauprodukte

16b Allgemeine Anforderungen fr die Verwendung von Bauprodukten

(1) Bauprodukte drfen nur verwendet werden, wenn bei ihrer Verwendung die baulichen Anlagen bei ord-nungsgemer Instandhaltung whrend einer dem Zweck entsprechenden angemessenen Zeitdauer die Anforderungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes erfllen und gebrauchstauglich sind.

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(2) Bauprodukte, die den in Vorschriften eines anderen Mitgliedstaats der Europischen Union, eines an-deren Vertragsstaats des Abkommens ber den Europischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz oder der Trkei genannten technischen Anforderungen entsprechen, drfen verwendet werden, wenn das geforderte Schutzniveau gem 3 Absatz 1 Satz 1 gleichermaen dauerhaft erreicht wird.

16 c Anforderungen fr die Verwendung von CE-gekennzeichneten Bauprodukten

Ein Bauprodukt, das die CE-Kennzeichnung trgt, darf verwendet werden, wenn die erklrten Leistungen den in diesem Gesetz oder auf Grund dieses Gesetzes festgelegten Anforderungen fr diese Verwendung entsprechen. Die 17 bis 25 Absatz 1 gelten nicht fr Bauprodukte, die die CE-Kennzeichnung auf Grund der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 tragen.

17 Verwendbarkeitsnachweise

(1) Ein Verwendbarkeitsnachweis ( 18 bis 20) ist fr ein Bauprodukt erforderlich, wenn 1. es keine Technische Baubestimmung und keine allgemein anerkannte Regel der Technik gibt, 2. das Bauprodukt von einer Technischen Baubestimmung nach 73a Absatz 2 Nummer 3 wesentlich

abweicht oder 3. eine Verordnung nach 73 Absatz 7a es vorsieht. (2) Ein Verwendbarkeitsnachweis ist nicht erforderlich fr ein Bauprodukt, das 1. von einer allgemein anerkannten Regel der Technik abweicht oder 2. fr die Erfllung der Anforderungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes nur eine unter-

geordnete Bedeutung hat. (3) Die Technischen Baubestimmungen nach 73a enthalten eine nicht abschlieende Liste von Baupro-dukten, die keines Verwendbarkeitsnachweises nach Absatz 1 bedrfen.

18 Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung

(1) Das Deutsche Institut fr Bautechnik erteilt unter den Voraussetzungen des 17 Absatz 1 eine allgemei-ne bauaufsichtliche Zulassung fr Bauprodukte, wenn deren Verwendbarkeit im Sinne des 16b Absatz 1 nachgewiesen ist. (2) Die zur Begrndung des Antrags erforderlichen Unterlagen sind beizufgen. Soweit erforderlich, sind Probestcke vom Antragsteller zur Verfgung zu stellen oder durch Sachverstndige, die das Deutsche Institut fr Bautechnik bestimmen kann, zu entnehmen oder Probeausfhrungen unter Aufsicht der Sachver-stndigen herzustellen. Der Antrag kann zurckgewiesen werden, wenn die Unterlagen unvollstndig sind oder erhebliche Mngel aufweisen. (3) Das Deutsche Institut fr Bautechnik kann fr die Durchfhrung der Prfung die sachverstndige Stelle und fr Probeausfhrungen die Ausfhrungsstelle und Ausfhrungszeit vorschreiben. (4) Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung wird widerruflich und fr eine bestimmte Frist erteilt, die in der Regel fnf Jahre betrgt. Die Zulassung kann mit Nebenbestimmungen erteilt werden. Sie kann auf schriftli-chen Antrag in der Regel um fnf Jahre verlngert werden; 62 Abs. 2 Satz 2 gilt entsprechend. (5) Die Zulassung wird unbeschadet der Rechte Dritter erteilt. Das Deutsche Institut fr Bautechnik macht die von ihm erteilten allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen nach Gegenstand und wesentlichem Inhalt

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ffentlich bekannt. Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen nach dem Recht anderer Bundeslnder gelten auch im Land Baden-Wrttemberg.

19 Allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis

(1) Bauprodukte, die nach allgemein anerkannten Prfverfahren beurteilt werden, bedrfen anstelle einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung nur eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnisses. Dies wird mit der Angabe der magebenden technischen Regeln in den Technischen Baubestimmungen nach 73a bekanntgemacht. (2) Ein allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis wird von einer Prfstelle nach 24 Satz 1 Nummer 1 fr Bauprodukte nach Absatz 1 erteilt, wenn deren Verwendbarkeit im Sinne des 16b Absatz 1 nachgewiesen ist. 18 Absatz 2, 4 und 5 gilt entsprechend. Die Anerkennungsbehrde fr Stellen nach 24 Satz 1 Num-mer 1 sowie 73 Absatz 6 Satz 1 Nummer 2 und Satz 2 kann allgemeine bauaufsichtliche Prfzeugnisse zurcknehmen oder widerrufen; 48 und 49 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes finden Anwendung.

20 Nachweis der Verwendbarkeit von Bauprodukten im Einzelfall

Mit Zustimmung der obersten Baurechtsbehrde drfen unter den Voraussetzungen des 17 Absatz 1 im Einzelfall Bauprodukte verwendet werden, wenn ihre Verwendbarkeit im Sinne des 16b Absatz 1 nachge-wiesen ist. Die Zustimmung kann auch fr mehrere vergleichbare Flle erteilt werden. Wenn Gefahren im Sinne des 3 Absatz 1 Satz 1 nicht zu erwarten sind, kann die oberste Baurechtsbehrde im Einzelfall oder allgemein erklren, dass ihre Zustimmung nicht erforderlich ist.

21 bereinstimmungsbesttigung

(1) Bauprodukte bedrfen einer Besttigung ihrer bereinstimmung mit den Technischen Baubestimmungen nach 73a Absatz 2, den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen, den allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnissen oder den Zustimmungen im Einzelfall; als bereinstimmung gilt auch eine Abweichung, die nicht wesentlich ist. (2) Die Besttigung der bereinstimmung erfolgt durch bereinstimmungserklrung des Herstellers ( 22). (3) Die bereinstimmungserklrung hat der Hersteller durch Kennzeichnung der Bauprodukte mit dem bereinstimmungszeichen (-Zeichen) unter Hinweis auf den Verwendungszweck abzugeben. (4) Das -Zeichen ist auf dem Bauprodukt, auf einem Beipackzettel oder auf seiner Verpackung oder, wenn dies Schwierigkeiten bereitet, auf dem Lieferschein oder auf einer Anlage zum Lieferschein anzubringen. (5) -Zeichen aus anderen Bundeslndern und aus anderen Staaten gelten auch im Land Baden-Wrttemberg.

22 bereinstimmungserklrung des Herstellers

(1) Der Hersteller darf eine bereinstimmungserklrung nur abgeben, wenn er durch werkseigene Produkti-onskontrolle sichergestellt hat, dass das von ihm hergestellte Bauprodukt den magebenden technischen Regeln, der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnis oder der Zustimmung im Einzelfall entspricht.

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(2) In den Technischen Baubestimmungen nach 73a, in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen, in den allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnissen oder in den Zustimmungen im Einzelfall kann eine Prfung der Bauprodukte durch eine Prfstelle vor Abgabe der bereinstimmungserklrung vorgeschrieben werden, wenn dies zur Sicherung einer ordnungsgemen Herstellung erforderlich ist. In diesen Fllen hat die Prfstelle das Bauprodukt daraufhin zu berprfen, ob es den magebenden technischen Regeln, der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnis oder der Zustim-mung im Einzelfall entspricht. (3) In den Technischen Baubestimmungen nach 73a, in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen oder in den Zustimmungen im Einzelfall kann eine Zertifizierung vor Abgabe der bereinstimmungserklrung vorgeschrieben werden, wenn dies zum Nachweis einer ordnungsgemen Herstellung eines Bauproduktes erforderlich ist. Die oberste Baurechtsbehrde kann im Einzelfall die Verwendung von Bauprodukten ohne Zertifizierung gestatten, wenn nachgewiesen ist, dass diese Bauprodukte den technischen Regeln, Zulas-sungen, Prfzeugnissen oder Zustimmungen nach Absatz 1 entsprechen. (4) Bauprodukte, die nicht in Serie hergestellt werden, bedrfen nur einer bereinstimmungserklrung nach Absatz 1, sofern nichts anderes bestimmt ist.

23 Zertifizierung

(1) Dem Hersteller ist ein bereinstimmungszertifikat von einer Zertifizierungsstelle nach 24 Satz 1 Num-mer 3 zu erteilen, wenn das Bauprodukt 1. den Technischen Baubestimmungen nach 73a Absatz 2, der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulas-

sung, dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnis oder der Zustimmung im Einzelfall entspricht und 2. einer werkseigenen Produktionskontrolle sowie einer Fremdberwachung nach Magabe des Absat-

zes 2 unterliegt. (2) Die Fremdberwachung ist von berwachungsstellen nach 24 Satz 1 Nummer 4 durchzufhren. Die Fremdberwachung hat regelmig zu berprfen, ob das Bauprodukt den Technischen Baubestimmungen nach 73a Absatz 2, der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prfzeugnis oder der Zustimmung im Einzelfall entspricht.

24 Prf-, Zertifizierungs- und berwachungsstellen

Die oberste Baurechtsbehrde kann eine natrliche oder juristische Person als 1. Prfstelle fr die Erteilung allgemeiner bauaufsichtlicher Prfzeugnisse ( 19 Absatz 2), 2. Prfstelle fr die berprfung von Bauprodukten vor Abgabe der bereinstimmungserklrung ( 22

Absatz 2), 3. Zertifizierungsstelle ( 23 Absatz 1), 4. berwachungsstelle fr die Fremdberwachung ( 23 Absatz 2), 5. berwachungsstelle fr die berwachung nach 16a Absatz 7 und 25 Absatz 2 oder 6. Prfstelle fr die berprfung nach 16a Absatz 6 und 25 Absatz 1 anerkennen, wenn sie oder die bei ihr Beschftigten nach ihrer Ausbildung, Fachkenntnis, persnlichen Zu-verlssigkeit, ihrer Unparteilichkeit und ihren Leistungen die Gewhr dafr bieten, dass diese Aufgaben den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechend wahrgenommen werden, und wenn sie ber die erforderli-chen Vorrichtungen verfgen. Satz 1 ist entsprechend auf Behrden anzuwenden, wenn sie ausreichend mit geeigneten Fachkrften besetzt und mit den erforderlichen Vorrichtungen ausgestattet sind. Die Anerken-nung von Prf-, Zertifizierungs- und berwachungsstellen anderer Bundeslnder gilt auch im Land Baden-Wrttemberg.

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Besondere Sachkunde- und Sorgfaltsanforderungen

(1) Bei Bauprodukten, deren Herstellung in auergewhnlichem Ma von der Sachkunde und Erfahrung der damit betrauten Personen oder von einer Ausstattung mit besonderen Vorrichtungen abhngt, kann in der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, in der Zustimmung im Einzelfall oder durch Rechtsverordnung der obersten Baurechtsbehrde bestimmt werden, dass der Hersteller ber solche Fachkrfte und Vorrichtungen verfgt und den Nachweis hierber gegenber einer Prfstelle nach 24 Satz 1 Nummer 6 zu erbringen hat. In der Rechtsverordnung knnen Mindestanforderungen an die Ausbildung, die durch Prfung nachzuwei-sende Befhigung und die Ausbildungssttten einschlielich der Anerkennungsvoraussetzungen gestellt werden. (2) Fr Bauprodukte, die wegen ihrer besonderen Eigenschaften oder ihres besonderen Verwendungs- zwecks einer auergewhnlichen Sorgfalt bei Einbau, Transport, Instandhaltung oder Reinigung bedrfen, kann in der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, in der Zustimmung im Einzelfall oder durch Rechts-verordnung der obersten Baurechtsbehrde die berwachung dieser Ttigkeiten durch eine berwachungs-stelle nach 24 Satz 1 Nummer 5 vorgeschrieben werden, soweit diese Ttigkeiten nicht bereits durch die Verordnung (EU) Nr. 305/2011 erfasst sind.

FNFTER TEIL Der Bau und seine Teile

26 Allgemeine Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen

(1) Baustoffe werden nach den Anforderungen an ihr Brandverhalten unterschieden in 1. nichtbrennbare, 2. schwerentflammbare, 3. normalentflammbare. Baustoffe, die nicht mindestens normalentflammbar sind (leichtentflammbare Baustoffe), drfen nicht ver-wendet werden; dies gilt nicht, wenn sie in Verbindung mit anderen Baustoffen nicht leichtentflammbar sind. (2) Bauteile werden nach den Anforderungen an ihre Feuerwiderstandsfhigkeit unterschieden in 1. feuerbestndige, 2. hochfeuerhemmende, 3. feuerhemmende; die Feuerwiderstandsfhigkeit bezieht sich bei tragenden und aussteifenden Bauteilen auf deren Standsi-cherheit im Brandfall, bei raumabschlieenden Bauteilen auf deren Widerstand gegen die Brandausbreitung. Bauteile werden zustzlich nach dem Brandverhalten ihrer Baustoffe unterschieden in 1. Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen, 2. Bauteile, deren tragende und aussteifende Teile aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und die bei

raumabschlieenden Bauteilen zustzlich eine in Bauteilebene durchgehende Schicht aus nichtbrenn-baren Baustoffen haben,

3. Bauteile, deren tragende und aussteifende Teile aus brennbaren Baustoffen bestehen und die allseitig eine brandschutztechnisch wirksame Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen (Brandschutzbeklei-dung) und Dmmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen haben,

4. Bauteile aus brennbaren Baustoffen. Soweit in diesem Gesetz oder in Vorschriften auf Grund dieses Gesetzes nichts anderes bestimmt ist, ms-sen 1. Bauteile, die feuerbestndig sein mssen, mindestens den Anforderungen des Satzes 2 Nr. 2, 2. Bauteile, die hochfeuerhemmend sein mssen, mindestens den Anforderungen des Satzes 2 Nr. 3 entsprechen.

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(3) Abweichend von Absatz 2 Satz 3 sind tragende oder aussteifende sowie raumabschlieende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbestndig sein mssen, aus brennbaren Baustoffen zulssig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Bauteile so hergestellt und eingebaut wer-den, dass Feuer und Rauch nicht ber Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Ge-schoss-trennungen, hinweg bertragen werden knnen.

27 Anforderungen an tragende, aussteifende und raumabschlieende Bauteile

(1) Tragende und aussteifende Wnde und Sttzen mssen im Brandfall ausreichend lang standsicher sein. (2) Auenwnde und Auenwandteile wie Brstungen und Schrzen sind so auszubilden, dass eine Brand-ausbreitung auf und in diesen Bauteilen ausreichend lang begrenzt ist. (3) Trennwnde mssen als raumabschlieende Bauteile von Rumen oder Nutzungseinheiten innerhalb von Geschossen ausreichend lang widerstandsfhig gegen die Brandausbreitung sein. (4) Brandwnde mssen als raumabschlieende Bauteile zum Abschluss von Gebuden (Gebudeab-schlusswand) oder zur Unterteilung von Gebuden in Brandabschnitte (innere Brandwand) ausreichend lang die Brandausbreitung auf andere Gebude oder Brandabschnitte verhindern. (5) Decken und ihre Anschlsse mssen als tragende und raumabschlieende Bauteile zwischen Geschos-sen im Brandfall ausreichend lang standsicher und widerstandsfhig gegen die Brandausbreitung sein. (6) Bedachungen mssen gegen eine Brandbeanspruchung von auen durch Flugfeuer und strahlende Wrme ausreichend lang widerstandsfhig sein (harte Bedachung).

28 Anforderungen an Bauteile in Rettungswegen

(1) Jedes nicht zu ebener Erde liegende Geschoss und der benutzbare Dachraum eines Gebudes mssen ber mindestens eine Treppe zugnglich sein (notwendige Treppe). Statt notwendiger Treppen sind Ram-pen mit flacher Neigung zulssig. Die nutzbare Breite der Treppenlufe und Treppenabstze notwendiger Treppen muss fr den grten zu erwartenden Verkehr ausreichen. (2) Jede notwendige Treppe muss zur Sicherstellung der Rettungswege aus den Geschossen ins Freie in einem eigenen, durchgehenden Treppenraum liegen (notwendiger Treppenraum). Der Ausgang muss min-destens so breit sein wie die zugehrigen notwendigen Treppen. Notwendige Treppenrume mssen so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung der notwendigen Treppen im Brandfall ausreichend lang mglich ist. Notwendige Treppen sind ohne eigenen Treppenraum zulssig 1. in Gebuden der Gebudeklassen 1 und 2, 2. fr die Verbindung von hchstens zwei Geschossen innerhalb derselben Nutzungseinheit von insge-

samt nicht mehr als 200 m2, wenn in jedem Geschoss ein anderer Rettungsweg erreicht werden kann, 3. als Auentreppe, wenn ihre Nutzung ausreichend sicher ist und im Brandfall nicht gefhrdet werden

kann. (3) Flure, ber die Rettungswege aus Aufenthaltsrumen oder aus Nutzungseinheiten mit Aufenthaltsru-men zu Ausgngen in notwendige Treppenrume oder ins Freie fhren (notwendige Flure), mssen so an-geordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung im Brandfall ausreichend lang mglich ist. (4) Tren und Fenster, die bei einem Brand der Rettung von Menschen dienen oder der Ausbreitung von Feuer und Rauch entgegenwirken, mssen so beschaffen und angeordnet sein, dass sie den Erfordernissen des Brandschutzes gengen.

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Aufzugsanlagen

(1) Aufzugsanlagen mssen betriebssicher und brandsicher sein. Sie sind so zu errichten und anzuordnen, dass die Brandweiterleitung ausreichend lange verhindert wird und bei ihrer Benutzung Gefahren oder un-zumutbare Belstigungen nicht entstehen. (2) Gebude mit einer Hhe nach 2 Abs. 4 Satz 2 von mehr als 13 m mssen Aufzge in ausreichender Zahl haben, von denen einer auch zur Aufnahme von Rollsthlen, Krankentragen und Lasten geeignet sein muss. Zur Aufnahme von Rollsthlen bestimmte Aufzge mssen von Menschen mit Behinderung ohne fremde Hilfe zweckentsprechend genutzt werden knnen.

30 Lftungsanlagen

Lftungsanlagen, raumlufttechnische Anlagen und Warmluftheizungen mssen betriebssicher und brandsi-cher sein; sie drfen den ordnungsgemen Betrieb von Feuerungsanlagen nicht beeintrchtigen.

31 Leitungsanlagen

Leitungen, Installationsschchte und -kanle mssen brandsicher sein. Sie sind so zu errichten und anzu-ordnen, dass die Brandweiterleitung ausreichend lange verhindert wird.

32 Feuerungsanlagen, sonstige Anlagen zur Wrmeerzeugung, Brennstoffversorgung

(1) Feuersttten und Abgasanlagen (Feuerungsanlagen) mssen betriebssicher und brandsicher sein. (2) Feuersttten drfen in Rumen nur aufgestellt werden, wenn nach der Art der Feuersttte und nach La-ge, Gre, baulicher Beschaffenheit und Nutzung der Rume Gefahren nicht entstehen. (3) Abgase von Feuersttten sind durch Abgasleitungen, Schornsteine und Verbindungsstcke (Abgasanla-gen) so abzufhren, dass keine Gefahren oder unzumutbaren Belstigungen entstehen. Abgasanlagen sind in solcher Zahl und Lage und so herzustellen, dass die Feuersttten des Gebudes ordnungsgem ange-schlossen werden knnen. Sie mssen leicht gereinigt werden knnen. (4) Behlter und Rohrleitungen fr brennbare Gase und Flssigkeiten mssen betriebssicher und brandsi-cher sein. Diese Behlter sowie feste Brennstoffe sind so aufzustellen oder zu lagern, dass keine Gefahren oder unzumutbaren Belstigungen entstehen. (5) Fr die Aufstellung von ortsfesten Verbrennungsmotoren, Blockheizkraftwerken, Brennstoffzellen und Verdichtern sowie die Ableitung ihrer Verbrennungsgase gelten die Abstze 1 bis 3 entsprechend.

33 Wasserversorgungs- und Wasserentsorgungsanlagen, Anlagen fr Abfallstoffe und Reststoffe

(1) Bauliche Anlagen drfen nur errichtet werden, wenn die einwandfreie Beseitigung des Abwassers und des Niederschlagswassers dauernd gesichert ist. Das Abwasser ist entsprechend 55 und 56 des Was-serhaushaltsgesetzes und 46 des Wassergesetzes fr Baden-Wrttemberg zu entsorgen.

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(2) Wasserversorgungsanlagen, Anlagen zur Beseitigung des Abwassers und des Niederschlagswassers sowie Anlagen zur vorbergehenden Aufbewahrung von Abfllen und Reststoffen mssen betriebssicher sein. Sie sind so herzustellen und anzuordnen, dass Gefahren sowie erhebliche Nachteile oder Belstigun-gen, insbesondere durch Geruch oder Gerusch, nicht entstehen.

SECHSTER TEIL Einzelne Rume, Wohnungen und besondere Anlagen

34 Aufenthaltsrume

(1) Die lichte Hhe von Aufenthaltsrumen muss mindestens betragen: 1. 2,2 m ber mindestens der Hlfte ihrer Grundflche, wenn die Aufenthaltsrume ganz oder berwie-

gend im Dachraum liegen; dabei bleiben Raumteile mit einer lichten Hhe bis 1,5 m auer Betracht, 2. 2,3 m in allen anderen Fllen. (2) Aufenthaltsrume mssen ausreichend belftet werden knnen; sie mssen unmittelbar ins Freie fhren-de Fenster von solcher Zahl, Lage, Gre und Beschaffenheit haben, dass die Rume ausreichend mit Ta-geslicht beleuchtet werden knnen (notwendige Fenster). Das Rohbauma der Fensterffnungen muss mindestens ein Zehntel der Grundflche des Raumes betragen; Raumteile mit einer lichten Hhe bis 1,5 m bleiben auer Betracht. Ein geringeres Rohbauma ist bei geneigten Fenstern sowie bei Oberlichtern zuls-sig, wenn die ausreichende Beleuchtung mit Tageslicht gewhrleistet bleibt. (3) Aufenthaltsrume, deren Fuboden unter der Gelndeoberflche liegt, sind zulssig, wenn das Gelnde mit einer Neigung von hchstens 45 an die Auenwnde vor notwendigen Fenstern anschliet. Die Ober-kante der Brstung notwendiger Fenster muss mindestens 1,3 m unter der Decke liegen. (4) Verglaste Vorbauten und Loggien sind vor notwendigen Fenstern zulssig, wenn eine ausreichende Be-leuchtung mit Tageslicht gewhrleistet bleibt. (5) Bei Aufenthaltsrumen, die nicht dem Wohnen dienen, sind Abweichungen von den Anforderungen der Abstze 2 und 3 zuzulassen, wenn Nachteile nicht zu befrchten sind oder durch besondere Einrichtungen ausgeglichen werden knnen.

35 Wohnungen

(1) In Wohngebuden mit mehr als zwei Wohnungen mssen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein. In diesen Wohnungen mssen die Wohn- und Schlafrume, eine Toilette, ein Bad und die Kche oder Kochnische barrierefrei nutzbar und mit dem Rollstuhl zugnglich sein. Die Stze 1 und 2 gelten nicht, soweit die Anforderungen insbesondere wegen schwieriger Gelndeverhltnisse, wegen des Einbaus eines sonst nicht erforderlichen Aufzugs oder wegen ungnstiger vorhandener Bebauung nur mit unverhlt-nismigem Mehraufwand erfllt werden knnen. (2) Jede Wohnung muss eine Kche oder Kochnische haben. Fensterlose Kchen oder Kochnischen sind zulssig, wenn sie fr sich lftbar sind. (3) Jede Wohnung muss einen eigenen Wasserzhler haben. Dies gilt nicht bei Nutzungsnderungen, wenn die Anforderung nach Satz 1 nur mit unverhltnismigem Aufwand erfllt werden kann. (4) Fr jede Wohnung sind zwei geeignete wettergeschtzte Fahrrad-Stellpltze herzustellen (notwendige Fahrrad-Stellpltze), es sei denn, diese sind nach Art, Gre oder Lage der Wohnung nicht oder nicht in

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dieser Anzahl erforderlich. In Gebuden mit mehr als zwei Wohnungen mssen zur gemeinschaftlichen Be-nutzung zur Verfgung stehen 1. mglichst ebenerdig zugngliche oder durch Rampen oder Aufzge leicht erreichbare Flchen zum

Abstellen von Kinderwagen und Gehhilfen, 2. Flchen zum Wschetrocknen. (5) Fr jede Wohnung muss ein Abstellraum zur Verfgung stehen.

36 Toilettenrume und Bder

(1) Jede Nutzungseinheit muss mindestens eine Toilette haben. (2) Toilettenrume und Bder mssen eine ausreichende Lftung haben.

37 Stellpltze fr Kraftfahrzeuge und Fahrrder, Garagen

(1) Bei der Errichtung von Gebuden mit Wohnungen ist fr jede Wohnung ein geeigneter Stellplatz fr Kraftfahrzeuge herzustellen (notwendiger Kfz-Stellplatz). Bei der Errichtung sonstiger baulicher Anlagen und anderer Anlagen, bei denen ein Zu- und Abfahrtsverkehr zu erwarten ist, sind notwendige Kfz-Stellpltze in solcher Zahl herzustellen, dass sie fr die ordnungsgeme Nutzung der Anlagen unter Bercksichtigung des ffentlichen Personennahverkehrs ausreichen. Statt notwendiger Kfz-Stellpltze ist die Herstellung not-wendiger Garagen zulssig; nach Magabe des Absatzes 8 knnen Garagen auch verlangt werden. Bis zu einem Viertel der notwendigen Kfz-Stellpltze nach Satz 2 kann durch die Schaffung von Fahrrad-Stellpltzen ersetzt werden. Dabei sind fr einen Kfz-Stellplatz vier Fahrrad-Stellpltze herzustellen; eine Anrechnung der so geschaffenen Fahrrad-Stellpltze auf die Verpflichtung nach Absatz 2 erfolgt nicht. (2) Bei der Errichtung baulicher Anlagen, bei denen ein Zu- und Abfahrtsverkehr mit Fahrrdern zu erwarten ist, sind notwendige Fahrrad-Stellpltze in solcher Zahl herzustellen, dass sie fr die ordnungsgeme Nut-zung der Anlagen ausreichen. Notwendige Fahrrad-Stellpltze mssen eine wirksame Diebstahlsicherung ermglichen und von der ffentlichen Verkehrsflche ebenerdig, durch Rampen oder durch Aufzge zugng-lich sein. (3) Bei nderungen oder Nutzungsnderungen von Anlagen sind Stellpltze oder Garagen in solcher Zahl herzustellen, dass die infolge der nderung zustzlich zu erwartenden Kraftfahrzeuge und Fahrrder aufge-nommen werden knnen. Eine Abweichung von dieser Verpflichtung ist zuzulassen bei der Teilung von Wohnungen sowie bei Vorhaben zur Schaffung von zustzlichem Wohnraum durch Ausbau, Anbau, Nut-zungsnderung, Aufstockung oder nderung des Daches, wenn die Baugenehmigung oder Kenntnisgabe fr das Gebude mindestens fnf Jahre zurckliegen und die Herstellung auf dem Baugrundstck nicht oder nur unter groen Schwierigkeiten mglich ist. (4) Die Baurechtsbehrde kann zulassen, dass notwendige Stellpltze oder Garagen erst innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach Fertigstellung der Anlage hergestellt werden. Sie hat die Herstellung auszu-setzen, solange und soweit nachweislich ein Bedarf an Stellpltzen oder Garagen nicht besteht und die fr die Herstellung erforderlichen Flchen fr diesen Zweck durch Baulast gesichert sind. (5) Die notwendigen Stellpltze oder Garagen sind herzustellen 1. auf dem Baugrundstck, 2. auf einem anderen Grundstck in zumutbarer Entfernung oder 3. mit Zustimmung der Gemeinde auf einem Grundstck in der Gemeinde. Die Herstellung auf einem anderen als dem Baugrundstck muss fr diesen Zweck durch Baulast gesichert sein. Die Baurechtsbehrde kann, wenn Grnde des Verkehrs dies erfordern, mit Zustimmung der Gemein-

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de bestimmen, ob die Stellpltze oder Garagen auf dem Baugrundstck oder auf einem anderen Grundstck herzustellen sind. (6) Lassen sich notwendige Kfz-Stellpltze oder Garagen nach Absatz 5 nicht oder nur unter groen Schwie-rigkeiten herstellen, so kann die Baurechtsbehrde mit Zustimmung der Gemeinde zur Erfllung der Stell-platzverpflichtung zulassen, dass der Bauherr einen Geldbetrag an die Gemeinde zahlt. Der Geldbetrag muss von der Gemeinde innerhalb eines angemessenen Zeitraums verwendet werden fr 1. die Herstellung ffentlicher Parkeinrichtungen, insbesondere an Haltestellen des ffentlichen Personen-

nahverkehrs, oder privater Stellpltze zur Entlastung der ffentlichen Verkehrsflchen, 2. die Modernisierung und Instandhaltung ffentlicher Parkeinrichtungen, 3. die Herstellung von Parkeinrichtungen fr die gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen oder 4. bauliche Anlagen, andere Anlagen oder Einrichtungen, die den Bedarf an Parkeinrichtungen verringern,

wie Einrichtungen des ffentlichen Personennahverkehrs oder fr den Fahrradverkehr. Die Gemeinde legt die Hhe des Geldbetrages fest. (7) Absatz 6 gilt nicht fr notwendige Kfz-Stellpltze oder Garagen von Wohnungen. Eine Abweichung von der Verpflichtung nach Absatz 1 Satz 1 ist zuzulassen, soweit die Herstellung 1. bei Ausschpfung aller Mglichkeiten, auch unter Bercksichtigung platzsparender Bauarten der Kfz-

Stellpltze oder Garagen, unmglich oder unzumutbar ist oder 2. auf dem Baugrundstck aufgrund ffentlich-rechtlicher Vorschriften ausgeschlossen ist. (8) Kfz-Stellpltze und Garagen mssen so angeordnet und hergestellt werden, dass die Anlage von Kinder-spielpltzen nach 9 Abs. 2 nicht gehindert wird. Die Nutzung der Kfz-Stellpltze und Garagen darf die Ge-sundheit nicht schdigen; sie darf auch das Spielen auf Kinderspielpltzen, das Wohnen und das Arbeiten, die Ruhe und die Erholung in der Umgebung durch Lrm, Abgase oder Gerche nicht erheblich stren. (9) Das Abstellen von Wohnwagen und anderen Kraftfahrzeuganhngern in Garagen ist zulssig.

38 Sonderbauten

(1) An Sonderbauten knnen zur Verwirklichung der allgemeinen Anforderungen nach 3 Abs. 1 besondere Anforderungen im Einzelfall gestellt werden; Erleichterungen knnen zugelassen werden, soweit es der Ein-haltung von Vorschriften wegen der besonderen Art oder Nutzung baulicher Anlagen oder Rume oder we-gen besonderer Anforderungen nicht bedarf. Die besonderen Anforderungen und Erleichterungen knnen insbesondere betreffen 1. die Abstnde von Nachbargrenzen, von anderen baulichen Anlagen auf dem Grundstck, von ffentli-

chen Verkehrsflchen und von oberirdischen Gewssern, 2. die Anordnung der baulichen Anlagen auf dem Grundstck, 3. die ffnungen nach ffentlichen Verkehrsflchen und nach angrenzenden Grundstcken, 4. die Bauart und Anordnung aller fr die Standsicherheit, Verkehrssicherheit, den Brandschutz, Schall-

schutz oder Gesundheitsschutz wesentlichen Bauteile und die Verwendung von Baustoffen, 5. die Feuerungsanlagen und Heizrume, 6. die Zahl, Anordnung und Herstellung der Treppen, Treppenrume, Flure, Aufzge, Ausgnge und Ret-

tungswege, 7. die zulssige Benutzerzahl, Anordnung und Zahl der zulssigen Sitze und Stehpltze bei Versamm-

lungssttten, Tribnen und Fliegenden Bauten, 8. die Lftung und Rauchableitung, 9. die Beleuchtung und Energieversorgung, 10. die Wasserversorgung, 11. die Aufbewahrung und Entsorgung von Abwasser sowie von Abfllen zur Beseitigung und zur Verwer-

tung, 12. die Stellpltze und Garagen sowie ihre Zu- und Abfahrten, 13. die Anlage von Fahrradabstellpltzen,

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14. die Anlage von Grnstreifen, Baum- und anderen Pflanzungen sowie die Begrnung oder Beseitigung von Halden und Gruben,

15. die Wasserdurchlssigkeit befestigter Flchen, 16. den Betrieb und die Nutzung einschlielich des organisatorischen Brandschutzes und der Bestellung

und der Qualifikation eines Brandschutzbeauftragten, 17. Brandschutzanlagen, -einrichtungen und -vorkehrungen einschlielich der Lschwasserrckhaltung, 18. die Zahl der Toiletten fr Besucher. (2) Sonderbauten sind Anlagen und Rume besonderer Art oder Nutzung, die insbesondere einen der nach-folgenden Tatbestnde erfllen: 1. Hochhuser (Gebude mit einer Hhe nach 2 Absatz 4 Satz 2 von mehr als 22 m), 2. Verkaufssttten, deren Verkaufsrume und Ladenstraen eine Grundflche von insgesamt mehr als

400 m2 haben, 3. bauliche Anlagen und Rume, die berwiegend fr gewerbliche Betriebe bestimmt sind, mit einer

Grundflche von insgesamt mehr als 400 m2, 4. Bro- und Verwaltungsgebude mit einer Grundflche von insgesamt mehr als 400 m2, 5. Schulen, Hochschulen und hnliche Einrichtungen, 6. Einrichtungen zur Betreuung, Unterbringung oder Pflege von Kindern, Menschen mit Behinderung oder

alten Menschen, ausgenommen Tageseinrichtungen fr Kinder und Kindertagespflege fr nicht mehr als acht Kinder,

7. Versammlungssttten und Sportsttten, 8. Krankenhuser und hnliche Einrichtungen, 9. bauliche Anlagen mit erhhter Brand-, Explosions-, Strahlen- oder Verkehrsgefahr, 10. bauliche Anlagen und Rume, bei denen im Brandfall mit einer Gefhrdung der Umwelt gerechnet wer-

den muss, 11. Fliegende Bauten, 12. Camping-, Wochenend- und Zeltpltze, 13. Gemeinschaftsunterknfte und Beherbergungssttten mit mehr als 12 Betten, 14. Freizeit- und Vergngungsparks, 15. Gaststtten mit mehr als 40 Gastpltzen, 16. Spielhallen, 17. Justizvollzugsanstalten und bauliche Anlagen fr den Maregelvollzug, 18. Regallager mit einer Oberkante Lagerguthhe von mehr als 7,50 m, 19. bauliche Anlagen mit einer Hhe von mehr als 30 m, 20. Gebude mit mehr als 1600 m2 Grundflche des Geschosses mit der grten Ausdehnung, ausge-

nommen Wohngebude. (3) Als Nachweis dafr, dass diese Anforderungen erfllt sind, knnen Bescheinigungen verlangt werden, die bei den Abnahmen vorzulegen sind; ferner knnen Nachprfungen und deren Wiederholung in bestimm-ten Zeitabstnden verlangt werden.

39 Barrierefreie Anlagen

(1) Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen, die berwiegend von Menschen mit Behinderung oder alten Menschen genutzt werden, wie 1. Einrichtungen zur Frhfrderung behinderter Kinder, Sonderschulen, Tages- und Begegnungssttten,

Einrichtungen zur Berufsbildung, Werksttten, Wohnungen und Heime fr Menschen mit Behinderung, 2. Altentagessttten, Altenbegegnungssttten, Altenwohnungen, Altenwohnheime, Altenheime und Alten-

pflegeheime, sind so herzustellen, dass sie von diesen Personen zweckentsprechend ohne fremde Hilfe genutzt werden knnen (barrierefreie Anlagen).

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(2) Die Anforderungen nach Absatz 1 gelten auch fr 1. Gebude der ffentlichen Verwaltung und Gerichte, 2. Schalter- und Abfertigungsrume der Verkehrs- und Versorgungsbetriebe, der Post- und Telekommuni-

kationsbetriebe sowie der Kreditinstitute, 3. Kirchen und andere Anlagen fr den Gottesdienst, 4. Versammlungssttten, 5. Museen und ffentliche Bibliotheken, 6. Sport-, Spiel- und Erholungsanlagen, Schwimmbder, 7. Camping- und Zeltpltze mit mehr als 50 Standpltzen, 8. Jugend- und Freizeitsttten, 9. Messe-, Kongress- und Ausstellungsbauten, 10. Krankenhuser, Kureinrichtungen und Sozialeinrichtungen, 11. Bildungs- und Ausbildungssttten aller Art, wie Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen, 12. Kindertageseinrichtungen und Kinderheime, 13. ffentliche Bedrfnisanstalten, 14. Brogebude, 15. Verkaufssttten und Ladenpassagen, 16. Beherbergungsbetriebe, 17. Gaststtten, 18. Praxen der Heilberufe und der Heilhilfsberufe, 19. Nutzungseinheiten, die in den Nummern 1 bis 18 nicht aufgefhrt sind und nicht Wohnzwecken dienen,

soweit sie eine Nutzflche von mehr als 1200 m2 haben, 20. allgemein zugngliche Grogaragen sowie Stellpltze und Garagen fr Anlagen nach Absatz 1 und

Absatz 2 Nr. 1 bis 19. (3) Bei Anlagen nach Absatz 2 knnen im Einzelfall Ausnahmen zugelassen werden, soweit die Anforderun-gen nur mit einem unverhltnismigen Mehraufwand erfllt werden knnen. Bei Schulen und Kindertages-einrichtungen drfen Ausnahmen nach Satz 1 nur bei Nutzungsnderungen und baulichen nderungen zu-gelassen werden.

40 Gemeinschaftsanlagen

(1) Die Herstellung, die Instandhaltung und die Verwaltung von Gemeinschaftsanlagen, fr die in einem Be-bauungsplan Flchen festgesetzt sind, obliegen den Eigentmern oder Erbbauberechtigten der Grundst-cke, fr die diese Anlagen bestimmt sind, sowie den Bauherrn. (2) Die Gemeinschaftsanlage muss hergestellt werden, sobald und soweit dies erforderlich ist. Die Bau-rechtsbehrde kann durch schriftliche Anordnung den Zeitpunkt fr die Herstellung bestimmen.

SIEBENTER TEIL Am Bau Beteiligte, Baurechtsbehrden

41 Grundsatz

Bei der Errichtung oder dem Abbruch einer baulichen Anlage sind der Bauherr und im Rahmen ihres Wir-kungskreises die anderen nach den 43 bis 45 am Bau Beteiligten dafr verantwortlich, dass die ffentlich-rechtlichen Vorschriften und die auf Grund dieser Vorschriften erlassenen Anordnungen eingehalten werden.

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42 Bauherr

(1) Der Bauherr hat zur Vorbereitung, berwachung und Ausfhrung eines genehmigungspflichtigen oder kenntnisgabepflichtigen Bauvorhabens einen geeigneten Entwurfsverfasser, geeignete Unternehmer und nach Magabe des Absatzes 3 einen geeigneten Bauleiter zu bestellen. Dem Bauherrn obliegen die nach den ffentlich-rechtlichen Vorschriften erforderlichen Anzeigen an die Baurechtsbehrde. Er hat die zur Er-fllung der Anforderungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes erforderlichen Nachweise und Unterlagen zu den verwendeten Bauprodukten und den angewandten Bauarten bereitzuhalten. Werden Bauprodukte verwendet, die die CE-Kennzeichnung nach der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 tragen, ist die Leistungserklrung bereitzuhalten. (2) Bei Bauarbeiten, die unter Einhaltung des Gesetzes zur Bekmpfung der Schwarzarbeit in Selbst-, Nachbarschafts- oder Geflligkeitshilfe ausgefhrt werden, ist die Bestellung von Unternehmern nicht erfor-derlich, wenn gengend Fachkrfte mit der ntigen Sachkunde, Erfahrung und Zuverlssigkeit mitwirken. 43 und 45 bleiben unberhrt. Kenntnisgabepflichtige Abbrucharbeiten drfen nicht in Selbst-, Nachbar-schafts- oder Geflligkeitshilfe ausgefhrt werden. (3) Bei der Errichtung von Gebuden mit Aufenthaltsrumen und bei Bauvorhaben, die technisch besonders schwierig oder besonders umfangreich sind, kann die Baurechtsbehrde die Bestellung eines Bauleiters verlangen. (4) Gengt eine vom Bauherrn bestellte Person nicht den Anforderungen der 43 bis 45, so kann die Bau-rechtsbehrde vor und whrend der Bauausfhrung verlangen, dass sie durch eine geeignete Person ersetzt wird oder dass geeignete Sachverstndige herangezogen werden. Die Baurechtsbehrde kann die Bauar-beiten einstellen, bis geeignete Personen oder Sachverstndige bestellt sind. (5) Die Baurechtsbehrde kann verlangen, dass ihr fr bestimmte Arbeiten die Unternehmer benannt wer-den. (6) Wechselt der Bauherr, so hat der neue Bauherr dies der Baurechtsbehrde unverzglich mitzuteilen. (7) Treten bei einem Vorhaben mehrere Personen als Bauherr auf, so mssen sie auf Verlangen der Bau-rechtsbehrde einen Vertreter bestellen, der ihr gegenber die dem Bauherrn nach den ffentlich-rechtlichen Vorschriften obliegenden Verpflichtungen zu erfllen hat. 18 Abs. 1 Stze 2 und 3 und Abs. 2 des Landes-verwaltungsverfahrensgesetzes findet Anwendung.

43 Entwurfsverfasser

(1) Der Entwurfsverfasser ist dafr verantwortlich, dass sein Entwurf den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entspricht. Zum Entwurf gehren die Bauvorlagen und die Ausfhrungsplanung; der Bauherr kann mit der Ausfhrungsplanung einen anderen Entwurfsverfasser beauftragen. (2) Hat der Entwurfsverfasser auf einzelnen Fachgebieten nicht die erforderliche Sachkunde und Erfahrung, so hat er den Bauherrn zu veranlassen, geeignete Fachplaner zu bestellen. Diese sind fr ihre Beitrge ver-antwortlich. Der Entwurfsverfasser bleibt dafr verantwortlich, dass die Beitrge der Fachplaner entspre-chend den ffentlich-rechtlichen Vorschriften aufeinander abgestimmt werden. (3) Fr die Errichtung von Gebuden, die der Baugenehmigung oder der Kenntnisgabe bedrfen, darf als Entwurfsverfasser fr die Bauvorlagen nur bestellt werden, wer 1. die Berufsbezeichnung Architektin oder Architekt fhren darf, 2. die Berufsbezeichnung Innenarchitektin oder Innenarchitekt fhren darf, jedoch nur fr die Gestal-

tung von Innenrumen und die damit verbunden baulichen nderungen von Gebuden,

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3. in die von der Ingenieurkammer Baden-Wrttemberg gefhrte Liste der Entwurfsverfasser der Fachrich-tung Bauingenieurwesen eingetragen ist; Eintragungen anderer Lnder gelten auch im Land Baden-Wrttemberg.

(4) Fr die Errichtung von 1. Wohngebuden mit einem Vollgescho bis zu 150 m2 Grundflche, 2. eingeschossigen gewerblichen Gebuden bis zu 250 m2 Grundflche und bis zu 5 m Wandhhe, ge-

messen von der Gelndeoberflche bis zum Schnittpunkt von Auenwand und Dachhaut, 3. land- oder forstwirtschaftlich genutzten Gebuden bis zu zwei Vollgeschossen und bis zu 250 m2

Grundflche drfen auch Angehrige der Fachrichtung Architektur, Innenarchitektur, Hochbau oder Bauingenieurwesen, die an einer Hochschule, Fachhochschule oder gleichrangigen Bildungseinrichtung das Studium erfolgreich abgeschlossen haben, staatlich geprfte Technikerinnen oder Techniker der Fachrichtung Bautechnik sowie Personen, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europischen Union oder einem nach dem Recht der Eu-ropischen Gemeinschaften gleichgestellten Staat eine gleichwertige Ausbildung abgeschlossen haben, als Entwurfsverfasser bestellt werden. Das Gleiche gilt fr Personen, die die Meisterprfung des Maurer-, Be-tonbauer-, Stahlbetonbauer- oder Zimmererhandwerks abgelegt haben und fr Personen, die diesen, mit Ausnahme von 7b der Handwerksordnung, handwerksrechtlich gleichgestellt sind. (5) Die Abstze 3 und 4 gelten nicht fr 1. Vorhaben, die nur aufgrund rtlicher Bauvorschriften kenntnisgabepflichtig sind, 2. Vorhaben, die von Beschftigten im ffentlichen Dienst fr ihren Dienstherrn geplant werden, wenn die

Beschftigten a) eine Berufsausbildung nach 4 des Architektengesetzes haben oder b) die Eintragungsvoraussetzungen nach Absatz 6 erfllen,

3. Garagen bis zu 100 m2 Nutzflche, 4. Behelfsbauten und untergeordnete Gebude. (6) In die Liste der Entwurfsverfasser ist auf Antrag von der Ingenieurkammer Baden-Wrttemberg einzutra-gen, wer 1. einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss eines Studiums der Fachrichtung Hochbau (Artikel 49

Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/EG des Europischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 ber die Anerkennung von Berufsqualifikationen, ABl. L 255 vom 30. September 2005, S. 22) oder des Bauingenieurwesens nachweist und

2. danach mindestens zwei Jahre auf dem Gebiet der Entwurfsplanung von Gebuden praktisch ttig ge-wesen ist.

Dem Antrag sind die zur Beurteilung erforderlichen Unterlagen beizufgen. Die Ingenieurkammer besttigt unverzglich den Eingang der Unterlagen und teilt gegebenenfalls mit, welche Unterlagen fehlen. Die Ein-gangsbesttigung muss folgende Angaben enthalten: 1. die in Satz 5 genannte Frist, 2. die verfgbaren Rechtsbehelfe, 3. die Erklrung, dass der Antrag als genehmigt gilt, wenn ber ihn nicht rechtzeitig entschieden wird und 4. im Fall der Nachforderung von Unterlagen die Mitteilung, dass die Frist nach Satz 5 erst beginnt, wenn

die Unterlagen vollstndig sind. ber den Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Vorlage der vollstndigen Unterlagen zu entscheiden; die Ingenieurkammer kann die Frist gegenber dem Antragsteller einmal um bis zu zwei Monate verlngern. Die Fristverlngerung und deren Ende sind ausreichend zu begrnden und dem Antragsteller vor Ablauf der ursprnglichen Frist mitzuteilen. Der Antrag gilt als genehmigt, wenn ber ihn nicht innerhalb der nach Satz 5 mageblichen Frist entschieden worden ist. (7) Personen, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europischen Union oder einem nach dem Recht der Europischen Gemeinschaften gleichgestellten Staat als Bauvorlageberechtigte niedergelassen sind, sind ohne Eintragung in die Liste nach Absatz 3 Nr. 3 bauvorlageberechtigt, wenn sie 1. eine vergleichbare Berechtigung besitzen und 2. dafr dem Absatz 6 Satz 1 vergleichbare Anforderungen erfllen mussten.

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Sie haben das erstmalige Ttigwerden als Bauvorlageberechtigter vorher der Ingenieurkammer Baden-Wrttemberg anzuzeigen und dabei 1. eine Bescheinigung darber, dass sie in einem Mitgliedstaat der Europischen Union oder einem nach

dem Recht der Europischen Gemeinschaften gleichgestellten Staat rechtmig als Bauvorlageberech-tigte niedergelassen sind und ihnen die Ausbung dieser Ttigkeiten zum Zeitpunkt der Vorlage der Be-scheinigung nicht, auch nicht vorbergehend, untersagt ist, und

2. einen Nachweis darber, dass sie im Staat ihrer Niederlassung fr die Ttigkeit als Bauvorlageberech-tigter mindestens die Voraussetzungen des Absatzes 6 Satz 1 erfllen mussten,

vorzulegen; sie sind in einem Verzeichnis zu fhren. Die Ingenieurkammer hat auf Antrag zu besttigen, dass die Anzeige nach Satz 2 erfolgt ist; sie kann das Ttigwerden als Bauvorlageberechtigter untersagen und die Eintragung in dem Verzeichnis nach Satz 2 lschen, wenn die Voraussetzungen des Satzes 1 nicht erfllt sind. (8) Personen, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europischen Union oder einem nach dem Recht der Europischen Gemeinschaften gleichgestellten Staat als Bauvorlageberechtigte niedergelassen sind, ohne im Sinne des Absatzes 7 Satz 1 Nr. 2 vergleichbar zu sein, sind bauvorlageberechtigt, wenn ihnen die Inge-nieurkammer bescheinigt hat, dass sie die Anforderungen des Absatzes 6 Satz 1 Nr. 1 und 2 erfllen; sie sind in einem Verzeichnis zu fhren. Die Bescheinigung wird auf Antrag erteilt. Absatz 6 Satz 2 bis 7 ist ent-sprechend anzuwenden. (9) Anzeigen und Bescheinigungen nach den Abstzen 7 und 8 sind nicht erforderlich, wenn bereits in einem anderen Land eine Anzeige erfolgt ist oder eine Bescheinigung erteilt wurde; eine weitere Eintragung in die von der Ingenieurkammer gefhrten Verzeichnisse erfolgt nicht. Verfahren nach den Abstzen 6 bis 8 kn-nen ber einen Einheitlichen Ansprechpartner im Sinne des Gesetzes ber Einheitliche Ansprechpartner fr das Land Baden-Wrttemberg abgewickelt werden; 71a bis 71e des Landesverwaltungsverfahrensgeset-zes in der jeweils geltenden Fassung finden Anwendung. (10) Die oberste Baurechtsbehrde kann Entwurfsverfassern und Fachplanern nach Absatz 2 das Verfassen von Bauvorlagen ganz oder teilweise untersagen, wenn diese wiederholt und unter grober Verletzung ihrer Pflichten nach Absatz 1 und 2 bei der Erstellung von Bauvorlagen bauplanungsrechtliche oder bauordnungs-rechtliche Vorschriften nicht beachtet haben.

44 Unternehmer

(1) Jeder Unternehmer ist dafr verantwortlich, dass seine Arbeiten den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechend ausgefhrt und insoweit auf die Arbeiten anderer Unternehmer abgestimmt werden. Er hat insoweit fr die ordnungsgeme Einrichtung und den sicheren Betrieb der Baustelle, insbesondere die Tauglichkeit und Betriebssicherheit der Gerste, Gerte und der anderen Baustelleneinrichtungen sowie die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen zu sorgen. Er hat die zur Erfllung der Anforderungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses Gesetzes erforderlichen Nachweise und Unterlagen zu den verwendeten Bauprodukten und den angewandten Bauarten zu erbringen und auf der Baustelle bereitzuhalten. Bei Bau-produkten, die die CE-Kennzeichnung nach der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 tragen, ist die Leistungser-klrung bereitzuhalten. (2) Hat der Unternehmer fr einzelne Arbeiten nicht die erforderliche Sachkunde und Erfahrung, so hat er den Bauherrn zu veranlassen, geeignete Fachkrfte zu bestellen. Diese sind fr ihre Arbeiten verantwortlich. Der Unternehmer bleibt dafr verantwortlich, dass die Arbeiten der Fachkrfte entsprechend den ffentlich-rechtlichen Vorschriften aufeinander abgestimmt werden. (3) Der Unternehmer und die Fachkrfte nach Absatz 2 haben auf Verlangen der Baurechtsbehrde fr Bauarbeiten, bei denen die Sicherheit der baulichen Anlagen in auergewhnlichem Mae von einer beson-deren Sachkenntnis und Erfahrung oder von einer Ausstattung mit besonderen Einrichtungen abhngt, nachzuweisen, dass sie fr diese Bauarbeiten geeignet sind und ber die erforderlichen Einrichtungen ver-fgen.

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Bauleiter

(1) Der Bauleiter hat darber zu wachen, dass die Bauausfhrung den ffentlich-rechtlichen Vorschriften und den Entwrfen des Entwurfsverfassers entspricht. Er hat im Rahmen dieser Aufgabe auf den sicheren bau-technischen Betrieb der Baustelle, insbesondere auf das gefahrlose Ineinandergreifen der Arbeiten der Un-ternehmer zu achten; die Verantwortlichkeit der Unternehmer bleibt unberhrt. Verste, denen nicht abge-holfen wird, hat er unverzglich der Baurechtsbehrde mitzuteilen. (2) Hat der Bauleiter nicht fr alle ihm obliegenden Aufgaben die erforderliche Sachkunde und Erfahrung, hat er den Bauherrn zu veranlassen, geeignete Fachbauleiter zu bestellen. Diese treten insoweit an die Stelle des Bauleiters. Der Bauleiter bleibt fr das ordnungsgeme Ineinandergreifen seiner Ttigkeiten mit denen der Fachbauleiter verantwortlich.

46 Aufbau und Besetzung der Baurechtsbehrden

(1) Baurechtsbehrden sind 1. hinsichtlich der Regelungsgegenstnde der 13, 14, 16a bis 25, 48 Absatz 4 sowie des 68 das Um-

weltministerium und im brigen das Wirtschaftsministerium als oberste Baurechtsbehrden, 2. die Regierungsprsidien als hhere Baurechtsbehrden, 3. die unteren Verwaltungsbehrden und die in den Absatz 2 genannten Gemeinden und Verwaltungsge-

meinschaften als untere Baurechtsbehrden. (2) Untere Baurechtsbehrden sind 1. Gemeinden und 2. Verwaltungsgemeinschaften, wenn sie die Voraussetzungen des Absatzes 4 erfllen und die hhere Baurechtsbehrde auf Antrag die Erfllung dieser Voraussetzungen feststellt. Die Zustndigkeit und der Zeitpunkt des Aufgabenbergangs sind im Gesetzblatt bekanntzumachen. (3) Die Zustndigkeit erlischt im Falle des Absatzes 2 durch Erklrung der Gemeinde oder der Verwaltungs-gemeinschaft gegenber der hheren Baurechtsbehrde. Sie erlischt ferner, wenn die in Absatz 2 Satz 1 genannten Voraussetzungen nicht mehr erfllt sind und die hhere Baurechtsbehrde dies feststellt. Das Erlschen und sein Zeitpunkt sind im Gesetzblatt bekanntzumachen. (4) Die Baurechtsbehrden sind fr ihre Aufgaben ausreichend mit geeigneten Fachkrften zu besetzen. Jeder unteren Baurechtsbehrde muss mindestens ein Bauverstndiger angehren, der das Studium der Fachrichtung Architektur oder Bauingenieurwesen an einer deutschen Universitt oder Fachhochschule oder eine gleichwertige Ausbildung an einer auslndischen Hochschule oder gleichrangigen Lehreinrichtung er-folgreich abgeschlossen hat; die hhere Baurechtsbehrde kann von der Anforderung an die Ausbildung Ausnahmen zulassen. Die Fachkrfte zur Beratung und Untersttzung der Landratsmter als Baurechtsbe-hrden sind vom Landkreis zu stellen.

47 Aufgaben und Befugnisse der Baurechtsbehrden

(1) Die Baurechtsbehrden haben darauf zu achten, dass die baurechtlichen Vorschriften sowie die anderen ffentlich-rechtlichen Vorschriften ber die Errichtung und den Abbruch von Anlagen und Einrichtungen im Sinne des 1 eingehalten und die auf Grund dieser Vorschriften erlassenen Anordnungen befolgt werden. Sie haben zur Wahrnehmung dieser Aufgaben diejenigen Manahmen zu treffen, die nach pflichtgemem Ermessen erforderlich sind.

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(2) Die Baurechtsbehrden knnen zur Erfllung ihrer Aufgaben Sachverstndige heranziehen. (3) Die mit dem Vollzug dieses Gesetzes beauftragten Personen sind berechtigt, in Ausbung ihres Amtes Grundstcke und bauliche Anlagen einschlielich der Wohnungen zu betreten. Das Grundrecht der Unver-letzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschrnkt. (4) Die den Gemeinden und den Verwaltungsgemeinschaften nach 46 Abs. 2 bertragenen Aufgaben der unteren Baurechtsbehrden sind Pflichtaufgaben nach Weisung. Fr die Erhebung von Gebhren und Aus-lagen gilt das Kommunalabgabengesetz. Abweichend hiervon gelten fr die Erhebung von Gebhren und Auslagen fr bautechnische Prfungen die fr die staatlichen Behrden magebenden Vorschriften. (5) Die fr die Fachaufsicht zustndigen Behrden knnen den nachgeordneten Baurechtsbehrden unbe-schrnkt Weisungen erteilen. Leistet eine Baurechtsbehrde einer ihr erteilten Weisung innerhalb der ge-setzten Frist keine Folge, so kann an ihrer Stelle jede Fachaufsichtsbehrde die erforderlichen Manahmen auf Kosten des Kostentrgers der Baurechtsbehrde treffen. 129 Abs. 5 der Gemeindeordnung gilt ent-sprechend.

48 Sachliche Zustndigkeit

(1) Sachlich zustndig ist die untere Baurechtsbehrde, soweit nichts anderes bestimmt ist. (2) Anstelle einer Gemeinde als Baurechtsbehrde ist die nchsthhere Baurechtsbehrde, bei den in 46 Abs. 2 genannten Gemeinden die untere Verwaltungsbehrde zustndig, wenn es sich um ein Vorhaben der Gemeinde selbst handelt, gegen das Einwendungen erhoben werden, sowie bei einem Vorhaben, gegen das die Gemeinde als Beteiligte Einwendungen erhoben hat; an Stelle einer Verwaltungsgemeinschaft als Baurechtsbehrde ist in diesen Fllen bei Vorhaben sowie bei Einwendungen der Verwaltungsgemeinschaft oder einer Gemeinde, die der Verwaltungsgemeinschaft angehrt, die in 28 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 des Geset-zes ber kommunale Zusammenarbeit genannte Behrde zustndig. Fr die Behandlung des Bauantrags, die Bauberwachung und die Bauabnahme gilt Absatz 1. (3) Die Erlaubnis nach den auf Grund des 34 des Produktsicherheitsgesetzes erlassenen Vorschriften schliet eine Genehmigung oder Zustimmung nach diesem Gesetz ein. Die fr die Erlaubnis zustndige Behrde entscheidet im Benehmen mit der Baurechtsbehrde der gleichen Verwaltungsstufe; die Bauber-wachung nach 66 und die Bauabnahmen nach 67 obliegen der Baurechtsbehrde. (4) Bei Anlagen nach 7 des Atomgesetzes schliet die atomrechtliche Genehmigung eine Genehmigung oder Zustimmung nach diesem Gesetz ein. Im brigen ist die oberste Baurechtsbehrde sachlich zustndig fr alle baulichen Anlagen auf dem Betriebsgelnde, soweit sie nicht im Einzelfall die Zustndigkeit einer nachgeordneten Baurechtsbehrde bertrgt.

ACHTER TEIL Verwaltungsverfahren, Baulasten

49 Genehmigungspflichtige Vorhaben

Die Errichtung und der Abbruch baulicher Anlagen sowie der in 50 aufgefhrten anderen Anlagen und Einrichtungen bedrfen der Baugenehmigung, soweit in 50, 51, 69 oder 70 nichts anderes bestimmt ist.

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50 Verfahrensfreie Vorhaben

(1) Die Errichtung der Anlagen und Einrichtungen, die im Anhang aufgefhrt sind, ist verfahrensfrei. (2) Die Nutzungsnderung ist verfahrensfrei, wenn 1. fr die neue Nutzung keine anderen oder weitergehenden Anforderungen gelten als fr die bisherige

Nutzung oder 2. durch die neue Nutzung zustzlicher Wohnraum in Wohngebuden nach Gebudeklasse 1 bis 3 im

Innenbereich geschaffen wird. (3) Der Abbruch ist verfahrensfrei bei 1. Anlagen nach Absatz 1, 2. freistehenden Gebuden der Gebudeklassen 1 und 3, 3. sonstigen Anlagen, die keine Gebude sind, mit einer Hhe bis zu 10 m. (4) Instandhaltungsarbeiten sind verfahrensfrei. (5) Verfahrensfreie Vorhaben mssen ebenso wie genehmigungspflichtige Vorhaben den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechen. 57 findet entsprechende Anwendung.

51 Kenntnisgabeverfahren

(1) Das Kenntnisgabeverfahren kann durchgefhrt werden bei der Errichtung von 1. Wohngebuden, 2. sonstigen Gebuden der Gebudeklassen 1 bis 3, ausgenommen Gaststtten, 3. sonstigen baulichen Anlagen, die keine Gebude sind, 4. Nebengebuden und Nebenanlagen zu Bauvorhaben nach den Nummern 1 bis 3, ausgenommen Sonderbauten, soweit die Vorhaben nicht bereits nach 50 verfahrensfrei sind und die Vo-raussetzungen des Absatzes 2 vorliegen. Satz 1 gilt nicht fr die Errichtung von 1. einem oder mehreren Gebuden, wenn die Gre der dem Wohnen dienenden Nutzungseinheiten ins-

gesamt mehr als 5.000 m2 Brutto-Grundflche betrgt, und 2. baulichen Anlagen, die ffentlich zugnglich sind, wenn dadurch erstmals oder zustzlich die gleichzei-

tige Nutzung durch mehr als 100 Personen zu erwarten ist, wenn sie innerhalb des angemessenen Sicherheitsabstands gem 3 Absatz 5c des Bundes-Immissions-schutzgesetzes (BImSchG) eines Betriebsbereichs im Sinne von 3 Absatz 5a BImSchG liegen und dem Gebot, einen angemessenen Sicherheitsabstand zu wahren, nicht bereits auf der Ebene der Bauleitplanung Rechnung getragen wurde. (2) Die Vorhaben nach Absatz 1 mssen liegen 1. innerhalb des Geltungsbereichs eines Bebauungsplans im Sinne des 30 Abs. 1 BauGB, der nach dem

29. Juni 1961 rechtsverbindlich geworden ist, oder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans im Sinne der 12, 30 Abs. 2 BauGB und

2. auerhalb des Geltungsbereichs einer Vernderungssperre im Sinne des 14 BauGB. Sie drfen den Festsetzungen des Bebauungsplans nicht widersprechen. (3) Beim Abbruch von Anlagen und Einrichtungen wird das Kenntnisgabeverfahren durchgefhrt, soweit die Vorhaben nicht bereits nach 50 Abs. 3 verfahrensfrei sind. (4) Kenntnisgabepflichtige Vorhaben mssen ebenso wie genehmigungspflichtige Vorhaben den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechen.

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(5) Der Bauherr kann beantragen, dass bei Vorhaben, die Absatz 1 oder 3 entsprechen, ein Baugenehmi-gungsverfahren durchgefhrt wird.

52 Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren

(1) Das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren kann bei Bauvorhaben nach 51 Absatz 1 Satz 1 durch-gefhrt werden. (2) Im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren prft die Baurechtsbehrde 1. die bereinstimmung mit den Vorschriften ber die Zulssigkeit der baulichen Anlagen nach den 14

und 29 bis 38 BauGB, 2. die bereinstimmung mit den 5 bis 7, 3. andere ffentlich-rechtliche Vorschriften auerhalb dieses Gesetzes und auerhalb von Vorschriften auf

Grund dieses Gesetzes, a) soweit in diesen Anforderungen an eine Baugenehmigung gestellt werden oder b) soweit es sich um Vorhaben im Auenbereich handelt, im Umfang des 58 Abs.1 Satz 2.

(3) Auch soweit Absatz 2 keine Prfung vorsieht, mssen Bauvorhaben im vereinfachten Verfahren den ffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechen. (4) ber Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen von Vorschriften nach diesem Gesetz oder auf Grund dieses Gesetzes, die nach Absatz 2 nicht geprft werden, entscheidet die Baurechtsbehrde auf besonde-ren Antrag im Rahmen des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens.

53 Bauvorlagen und Bauantrag

(1) Alle fr die Durchfhrung des Baugenehmigungsverfahrens oder des Kenntnisgabeverfahrens erforderli-chen Unterlagen (Bauvorlagen) und Antrge auf Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen sind bei der Gemeinde einzureichen. Bei genehmigungspflichtigen Vorhaben ist zusammen mit den Bauvorlagen der schriftliche Antrag auf Baugenehmigung (Bauantrag) einzureichen. (2) Der Bauantrag ist vom Bauherrn und vom Entwurfsverfasser, die