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Lexikon Automatisiertes Fahren - dvr.de · PDF fileLexikon: Automatisiertes Fahren 2 Liebe Leserinnen und Leser, mit diesem Lexikon wollen wir allen Interessierten eine Hilfe zum Verständnis

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  • Lexikon Automatisiertes FahrenLangfassung

  • Lexikon: Automatisiertes Fahren 2

    Liebe Leserinnen und Leser,

    mit diesem Lexikon wollen wir allen Interessierten eine Hilfe zum Verstndnis derjenigen Begriffe geben, die im Zusammenhang mit dem automatisierten Fahren immer hufiger auch in den Medien auftauchen.

    Die Entwicklung des automatisierten Fahrens verluft rasant; die Erluterung der Begriffe besitzt daher nicht den Anspruch auf Vollstndigkeit, sondern gibt in knappen Stzen den aktuellen Stand des automatisierten Fahrens wieder. Die Erwartungshaltung an die Leistung automatisierter Fahrfunktionen ist hoch. Menschliche Fehler sollen durch das automatisierte Fahren vermieden und dadurch die Verkehrssicherheit erhht werden. Doch werden noch einige Jahre vergehen, bis mit einer nennenswerten Anzahl von Fahrzeugen automatisiert gefah-ren werden kann. Als Erstes sind hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen und vollautomatisiertes Fahren beim Parken zu erwarten. Lange Zeit werden manuell gefhrte Fahrzeuge und solche mit neuen Technologien nebenein-ander auf unseren Straen unterwegs sein.

    Die Vision des fahrerlosen Fahrens wird voraussichtlich erst in einer ferneren Zukunft realisiert werden knnen. Die Basis der Automatisierung bilden sogenannte Fahrerassistenzsysteme (FAS). Sie sind heute schon erhltlich. FAS wie ein Notbremssystem knnen Leben retten und sollten beim Kauf eines Fahrzeugs schon jetzt immer Prioritt haben.

    Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat zwei Beschlsse zum automatisierten Fahren gefasst:

    https://www.dvr.de/dvr/beschluesse/2015-hochautomatisiertes-fahren.html /https://www.dvr.de/dvr/beschluesse/2017-automatisierte-fahrfunktionen.html

    Der DVR geht davon aus, dass die Automatisierung langfristig einen erheblichen Sicherheitsgewinn bringt. Sie ent-spricht damit der Vision Zero, einem strategischen Ziel, das der DVR im Jahr 2007 zur Basis seiner Verkehrssicher-heitsarbeit gemacht hat: http://www.dguv.de/de/praevention/visionzero/index.jsp>http://www.dvr.de/dvr/vision-zero

    Die Grundannahmen der Vision Zero sind, dass Menschen Fehler machen (z.B. im Straenverkehr oder bei der Arbeit) und dass die physische Belastbarkeit des Menschen begrenzt ist (z.B. bei einem Unfall). Daraus folgt, dass die Verkehrswelt so gestaltet sein muss, dass menschliche Fehler nicht zum Tod oder zu schwersten Verletzungen fhren.

    Alle, die am System Straenverkehr mitwirken, tragen dafr Verantwortung. Die neuen Technologien knnen hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

    Dr. Walter EichendorfPrsidentDeutscher Verkehrssicherheitsrat

  • Lexikon: Automatisiertes Fahren 3

    Lexikon

    Abstandsregler Abstandsregler sind Assistenzsysteme, die die Geschwindigkeit automatisch dem Verkehrsfluss anpas-sen. Das System hlt eine vom Fahrenden vorgegebene Geschwindigkeit konstant oder passt diese durch selbst-ttiges Gas wegnehmen, Bremsen oder Beschleunigen an die wechselnden Verkehrsbedingungen an und orien-tiert sich dabei am vorausfahrenden Fahrzeug. Als Assis-tenzsysteme mssen sie stets vom Fahrzeugfhrenden auf Ihre ordnungsgeme Funktion berprft werden.(Quelle: Initiative bester beifahrer)

    Aktivierung automatisierter FahrfunktionenDie Nutzung automatisierter Fahrfunktionen ist optional. Automatisierte Fahrfunktionen werden grundstzlich von den Fahrzeugfhrenden aktiviert. Der automatisierte Fahrmodus kann jederzeit beendet werden, und auch eine bersteuerung der automatisierten Fahrfunktionen durch die Fahrzeugfhrenden ist jederzeit mglich. (Siehe auch Fahrerloses Fahren)

    Aktualisierung / Updates von Algorithmen Die programmierte Steuerung automatisierter Fahrsys-teme wird regelmig aktualisiert, wenn z.B. Updates von Algorithmen erforderlich werden. Die Aktualisierung der Software kann durch Anschluss an EDV-Systeme in Werksttten wie auch zunehmend durch drahtlose ber-tragung online erfolgen, was eine schnelle Aktualisie-rung bei Bedarf ermglicht.

    AktuatorenAktuatoren sind Gerte und Bauteile, die Steuerbefehle der Elektronik in mechanische Bewegungen umsetzen (zum Beispiel Elektromotoren, Schrittmotoren, Relais, hydraulische oder pneumatische Einrichtungen usw.).

    Algorithmen Algorithmen sind Routinen und Logik, nach denen auto-matisierte Entscheidungen ablaufen. Sie sind die Grund-lagen der Programmierung der Steuerungselektronik. Durch die gemessenen Sensorsignale, die die momen-tane Situation erfassen, wird der Fahrvorgang perma-nent berwacht und den Algorithmen folgend geregelt.

    (Siehe auch bernahmeaufforderung; Dilemmasituation; Nationale Verkehrsregeln)

    Assistenzfunktionen des Fahrzeugs / Assistiertes Fahren / Assistenzsysteme(Siehe Automatisierungsstufen)

    AusweichenEine Mglichkeit, um eine Kollision im Straenverkehr zu vermeiden, kann das Ausweichen sein. Vorausset-zung hierfr ist, dass es eine freie Spurgasse gibt, in die gewechselt werden kann und in der ggf. ein Bremsvor-gang erfolgreich abgeschlossen werden kann. (Siehe auch Spurgasse)

    AutobahnenAutobahnen eignen sich aufgrund ihres weniger komple-xen Verkehrsgeschehens fr die Einfhrung automati-sierter Fahrvorgnge, weil sie nicht so komplex sind wie der Innerorts- oder Landstraenverkehr.

    Automatisierungsstufen (teilautomatisiert, hochautomatisiert, vollautomatisiert, autonom) Diese Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft miteinander verwechselt oder synonym verwendet. Dabei bezeichnen sie sehr unterschiedliche Stufen der Automatisierung. Hierfr gibt es international einheitli-che Definitionen (SAE Internationationals Levels of Dri-ving Automation for On-Road Vehicles).

    Stufe 1: Assistiertes Fahren Assistiertes Fahren ist ein Teil des automatisierten Fah-rens: Der/die Fahrzeugfhrende fhrt dauerhaft entwe-der die Lenkbewegungen (Querfhrung) oder eine Anpas-sung von Abstand und Geschwindigkeit (Lngsfhrung) aus. Die jeweils andere Teilaufgabe wird in gewissen Grenzen vom System ausgefhrt. Der/die Fahrzeugfh-rende muss das Assistenzsystem dauerhaft berwachen und jederzeit zur vollstndigen bernahme der Fahr-zeugfhrung bereit sein. Es ist zu erwarten, dass Leben rettende Fahrerassistenzsysteme vermehrt fr Neufahr-zeuge verpflichtend vorgeschrieben werden dies ist zum Beispiel beim Notbremsassistenten in Lkw bereits der Fall.

  • Lexikon: Automatisiertes Fahren 4

    Stufe 2: Teilautomatisierte Fahrfunktionen Das System bernimmt nach Aktivierung durch den/die Fahrzeugfhrer/in sowohl die Quer- als auch die Lngs-fhrung des Fahrzeugs fr einen gewissen Zeitraum oder in spezifischen Situationen. Der/die Fahrende muss das System dauerhaft berwachen und jederzeit zur vollstndigen bernahme der Fahraufgabe bereit sein. Das System ist jederzeit durch den/die Fahrzeugfhrer/in manuell bersteuerbar oder deaktivierbar.

    Stufe 3: Hochautomatisierte Fahrfunktionen Das System bernimmt nach Aktivierung durch den/die Fahrzeugfhrer/in die Quer- und Lngsfhrung fr einen gewissen Zeitraum oder in spezifischen Situationen und kann whrend dieser Zeit den an die Fahrzeugfhrung gerichteten Verkehrsvorschriften grundstzlich entspre-chen. Der/die Fahrer/in muss das System nicht mehr dauerhaft berwachen. Das System kann die Erforder-lichkeit der eigenhndigen Fahrzeugsteuerung durch den/die Fahrzeugfhrer/in erkennen und zeigt dies dem/der Fahrzeugfhrer/in mit ausreichender Zeitreserve vor der Abgabe der Fahrzeugsteuerung optisch, akustisch, taktil oder sonst wahrnehmbar an. Der/die Fahrzeugfhrer/in erhlt eine ausreichende Zeitreserve, bevor er/sie die Fahraufgabe selbst bernehmen muss. Das System ist jederzeit durch die Fahrzeugfhrerenden manuell ber-steuerbar oder deaktivierbar. Das System weist auf eine der Systembeschreibung zuwiderlaufende Verwendung hin. Die Fahrzeugfhrenden haben die Pflicht, die Fahr-zeugsteuerung zu bernehmen, wenn das System dazu auffordert oder sie aufgrund offensichtlicher Umstnde erkennen mssen, dass die Voraussetzungen fr eine bestimmungsgeme Verwendung der hoch- oder voll-automatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen.

    Stufe 4: Vollautomatisierte Fahrfunktionen Das System bernimmt nach Aktivierung durch den/die Fahrzeugfhrer/in die Quer- und Lngsfhrung fr einen gewissen Zeitraum oder in spezifischen Situationen und kann whrend dieser Zeit den an die Fahrzeugfhrung gerichteten Verkehrsvorschriften grundstzlich entspre-chen. Der/die Fahrer/in muss das System nicht mehr dauerhaft berwachen. Das System ist in all diesen Situationen in der Lage, einen risikominimalen Zustand herzustellen. Das System kann die Erforderlichkeit der eigenhndigen Fahrzeugsteuerung durch den/die Fahr-zeugfhrer/in erkennen und zeigt dies den Fahrzeugfh-renden mit ausreichender Zeitreserve vor der Abgabe der Fahrzeugsteuerung optisch, akustisch, taktil oder sonst wahrnehmbar an. Das System ist jederzeit durch den/die Fahrzeugfhrer/in manuell bersteuerbar oder deaktivierbar. Das System weist auf eine der Systembe-schreibung zuwiderlaufende Verwendung hin. Die Fahr-zeugfhrenden haben die Pflicht die Fahrzeugsteuerung zu bernehmen, wenn das System dazu auffordert oder sie aufgrund offensichtlicher Umstnde erkennen ms-sen, dass die Voraussetzungen fr eine bestimmungs-geme Verwendung der hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen.

    Stufe 5: Fahrerloses Fahren als hchste Automatisie-rungsstufe Das System bernimmt die Quer- und Lngsfhrung des Fahrzeugs vom Start bis zum Ziel und hlt dabei die an die Fahrzeugfhrung gerichteten Verkehrsvorschriften ein.

  • Lexikon: Automatisiertes Fahren 5

    Autonomes Fahren Die hchste Stufe des automatisierten Fahrens wird oft auch als autonomes Fahren bezeichnet. Fahrzeuge kn-nen keine eigene Willensentscheidung treffen, deshalb ist der Begriff fahrerlos dem Begriff autonom vorzu-ziehen. (Siehe auch Fahrerloses Fahren)

    Autopilot, AutopilotfunktionFahrzeughersteller verwenden den Begriff Autopilot unterschiedlich. Die Beschreib