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Magazin Humanité 1/2012: Freude schenken

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Humanité ist das Magazin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) und richtet sich an Menschen, die das SRK und sein humanitäres Engagement unterstützen.

Text of Magazin Humanité 1/2012: Freude schenken

  • RepoRt Jugendrotkreuz 4 Freude schenken 8 Junge Vorbilder fr Menschlichkeit 9 erfahrungen frs Berufsleben

    12 engagiert Mitten unter uns Spielend die neue Heimat entdecken

    14 KoNKRet El Salvador Katastrophenvorsorge im Land der Vulkane

    18 KoNKRet Letzte Wnsche Ach brigens, wenn ich einmal...

    20 KoNKRet Japan Schutz und Wrde fr Hinterbliebene

    24 eRLeBt Detention Rckkehrberatung fr Menschen in Ausschaffungshaft

    26 BeRZeUGt Das Rote Kreuz in der Schweiz Fr das Alter mit dem Alter!

    29 KReUZ & QUeR Winterlicher eintopf aus den tropen Rtsel/Cartoon

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    ImpressumHumanit Ausgabe 1/2012 Februar 2012

    ISSN 1664-1159

    Titelbild und Rckseite: Roland Blattner, Jegenstorf

    Herausgeber: Schweizerisches Rotes Kreuz, Rainmattstrasse 10, Postfach, 3001 BernTelefon 031 387 71 11, [email protected], www.redcross.ch

    Spenden: Postkonto 30-9700-0

    Adressnderungen: E-Mail an [email protected] oder Telefon 031 387 74 64

    Redaktionsadresse: Schweizerisches Rotes Kreuz, Redaktion Humanit, Postfach, 3001 Bern, [email protected], www.magazin-humanite.ch

    Redaktion: Tanja Pauli (Redaktionsleitung), Urs Frieden (Gesundheit und Integration), Urs Hltschi (Public Fundraising), Isabelle Roos (Corporate Partnerships), Christine Rfenacht (Gesundheit und Integration), Isabel Rutschmann (Kommunikation), Karl Schuler (Internationale Zusammenarbeit)

    Mitarbeitende dieser Ausgabe: Ccile Eisenring, Martin Fuhrer, Markus Mader, Marco Ratschiller, Sandra Weiss, Mario Wthrich, Julia Zurfluh

    Abo-Kosten: Das Abonnement kostet CHF 6. pro Jahr und ist fr SRK-Gnnerinnen und SRK-Gnner im Beitrag enthalten.Erscheinungsweise: vier Mal jhrlichSprachen: deutsch und franzsischGesamtauflage: 110 800Bildrechte aller Fotos ohne Hinweis: Schweizerisches Rotes Kreuz

    bersetzungen: bersetzungsdienst SRKLayout, Lektorat und Druck: Vogt-Schild Druck AG, Derendingen

    Nchste Ausgabe: Juni 2012

    neutralDrucksache

    No. 01-12-416447 www.myclimate.org myclimate The Climate Protection Partnership

    2 Humanit 1/2012

  • Sinnvoll, vernnftig cool!

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Jetzt mach doch mal was Sinnvolles, was Vernnftiges! Ja, ich kann nachvollzie-hen, dass dies von Jugendlichen als Kritik aufgefasst wird. Aber ich verstehe auch, warum wir Eltern die unbeliebten Mahnungen, die wir als Kind selber zu oft gehrt haben, wiederholen. Wir meinen es ja nur gut.

    Kann etwas Sinnvolles, Vernnftiges die Jugendlichen begeistern, nebst allem, was ihnen dieses Jahrtausend zu bieten hat? Doch, ich glaube schon, wenn wir sie motivieren und fragen: Mchtest du Teil sein einer Organisation mit fast 150-jhri-ger Geschichte? Im Zeichen des berhmtesten Emblems der Welt arbeiten? Grund-stzen folgen, die alle Menschen und Religionen respektieren? Diese Welt fr dich und die anderen menschenwrdiger machen und dabei selbststndiger werden? Selber glcklich sein, indem du mit gleichgesinnten Jugendlichen zusammenarbeitest und andere Menschen glcklicher machst? All dies ist mglich beim Jugendrotkreuz und klingt nun echt cool, oder? Die Jugendlichen knnen das selber entscheiden. Aber es ist an uns, ihnen Mglichkei-ten fr freiwilliges Engagement zu bieten. Beim Lesen der Titelgeschichte ab Seite 4 denke ich erst recht, dass die Jugendarbeit unsere Untersttzung verdient.

    Ich wnsche Ihnen anregende, positive Denkanstsse beim Lesen von Humanit.

    Herzliche Grsse

    Markus MaderDirektor des Schweizerischen Roten Kreuzes

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    editorial

    Humanit 1/2012 3

  • Humanit 1/2012 5

  • report

    Die Jungen brachten die Sonne mit, strahlt Kehl-Bewohnerin Nelly Bnzli. Die ganze Woche war das Alterszent-rum Kehl in Baden in dickem Nebel ein-gepackt. Just an diesem Samstag aber drckt die Sonne durch. Einige Bewohne-rinnen warten schon gespannt im Aufent-haltsraum. Guetzli backen und verzieren ist heute angesagt. Es luft etwas im Kehl!, ruft Nelly Bnzli begeistert aus.

    Die jungen Rotkreuz-Freiwilligen packen das Unterfangen Guetzlen zielsicher an und verteilen das Backmaterial. Die Ko- ordinatorin vom Jugendrotkreuz Aargau, Jeanine Brunner, freut diese Selbststndig-keit. Nadine und Raffael rollen den Teig aus. Frher backte ich oft Guetzli. Nach

    einer Achseloperation kann ich leider kei-nen Teig mehr ausrollen. Schn, dass ich heute endlich wieder einmal Guetzli ba-cken kann!, freut sich Nelly Bnzli und lchelt Nadine an, die ihr eine Ausstech-form in die Hand gibt. Weil der 86-Jhri-gen die Kraft fehlt, drcken Nadine und sie gemeinsam die Form in den Teig. Die Lieblingsausstechform ist der Stern. Die Jungen holen uns die Sterne vom Him-mel, wie nett!, scherzt Nelly Bnzli und erntet Gelchter. Beim Ausstechen plau-dert die Gruppe und sammelt bereits Ideen fr ihren nchsten gemeinsamen Nachmit-tag. Die 21-jhrige Nadine schlgt etwas Spezielles vor: Wollen wir das nchste Mal mit der Nintendo Wii spielen? Das ist eine Spielkonsole fr das Fernsehgert. Mit einer Fernbedienung kann man Figu-ren bewegen. Nelly Bnzli ist hell begeis-

    tert und meint keck: Ich bin so oder so fr jeden Bldsinn zu haben. Die Genera-tionen tauschen sich an diesen gemeinsa-men Nachmittagen problemlos aus. Bei den Gesprchen mit den Seniorinnen und Senioren erfahre ich manchmal Dinge, die wir spter im Geschichtsunterricht behan-deln. Das ist schon cool!, meint der Jngs-te im Bunde, der 15-jhrige Raffael. Ich wollte meine restliche Zeit neben Schule

    Die Jungen holen uns die Sterne vom Himmel, wie nett!

    Deutlicher, hflicher und weniger schnell die Jugendlichen sprechen an-ders als mit Gleichaltrigen

    Przise Handarbeit die Guetzli werden liebevoll dekoriert

    6 Humanit 1/2012

  • report

    Jeanine BrunnerDie 26-Jhrige koordiniert und betreut seit 2010 die Einstze der jugendlichen Freiwilligen beim Jugendrot-kreuz Aargau.

    Warum besuchen die Jugendlichen betagte Menschen?Die Idee kam von den Jugendlichen selbst. Sie wnschten ein generations-bergreifendes Projekt und kamen mit dieser Idee auf uns zu. Wir nahmen Kontakt mit dem Alterszentrum Kehl auf und wurden mit offenen Armen empfangen. Es freut mich, dass wir das Programm frei gestalten drfen und man somit den Jugendlichen Ver-trauen entgegenbringt. Aber auch die Betagten haben grosse Freude am Austausch zwischen den Generatio-nen.

    Kann man sagen, die Jugendlichen werden reifer durch ein solches engagement?Ja, dieses Engagement ist fr die Frei-willigen eine gute Lebensschule. Wir beobachten regelmssig, dass die Jugendlichen in ihren Einstzen selbst-stndiger, selbstsicherer und reifer werden. Unsere Freiwilligen wirken erwachsener als andere Jugendliche in ihrem Alter.

    Hilft das soziale engagement beim beruflichen Werdegang?Die Jugendlichen erhalten einen So-zialzeitausweis, der ihr Engagement besttigt. Dieser Sozialzeitausweis ist vor allem bei der Stellensuche ntzlich. Sie heben sich so von ihren Gleichaltrigen ab. Zudem erhalten die Freiwilligen kostenlose Weiter-bildungskurse, die ihnen fr ihr En-gagement sowie persnlich etwas ntzen. srkaargau.ch/jugendrotkreuz

    Kurz befragt

    und meinen Hobbys sinnvoll nutzen. Des-halb habe ich mich entschlossen, beim Jugendrotkreuz Aargau mitzumachen. Ich bereite gerne anderen eine Freude, erklrt er seine Motivation. Mir gefllt auch, dass ich fr einmal mit wesentlich l-teren Menschen zusammen bin. Mit ihnen kann ich fr einmal ber etwas anderes sprechen, als mit meinen Kollegen.Schon bald strmt der Duft von frisch geba-ckenen Guetzli durch den Aufenthaltsraum. Jetzt gehts ans Dekorieren. Die 92-jhrige Sylvia Zaugg bestreicht mit einer Engelsge-duld die Schokoladenherzen mit rosarotem Guss und drckt Zuckersterne drauf. Syl-via, bist du Kunstmalerin?, scherzt Nelly

    Bnzli, du kannst die Guetzli danach im Gang bei den Rosenbildern ausstellen. Nadine sitzt daneben und hlt geduldig den Guss parat, damit Sylvia Zaugg ih-ren Pinsel eintauchen kann. Jedes Guetzli wird so zu einem kleinen Kunstwerk. Sehr schn machen Sie das!, lobt Raffael, wollen Sie noch einmal einen Stern ver-zieren? Die jungen Freiwilligen gehen

    auf Wnsche und Bedrfnisse der Betag-ten ein. Sie fhren sie beim Gehen sanft am Arm, schieben die Rollsthle und sind ihnen beim Aufstehen behilflich. Diese Auf-merksamkeit geniessen die Seniorinnen sichtlich. Bevor die Teller mit den fertig de-korierten Guetzli berquellen, packen die Hobby-Bckerinnen die Backwaren in hb-sche Scklein ein. Die anderen auf mei-nem Stock werden bestimmt eiferschtig, wenn ich mit meinen Guetzli auftauche, meint Nelly Bnzli. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Schon kommen die Pflege-rinnen, um die Bewohnerinnen abzuholen.Nach zwei Stunden mssen wir jeweils aufhren, weil Menschen in so einem ho-hen Alter schneller ermden. Am Anfang planten wir immer viel zu viele Aktivit-ten. Wir mussten lernen, uns dem Tempo anzupassen. Es braucht einfach alles et-was mehr Zeit, meint Jeanine Brunner. Heute htten wir unser Programm aber verlngern knnen, schmunzelt sie und beugt sich zu Sylvia Zaugg runter. Die 92-jhrige Dame widmet sich immer noch leidenschaftlich der Dekoration und klebt Sternchen fr Sternchen auf die Guetzli. Nadine sitzt daneben und hlt weiterhin geduldig den Zuckerguss parat. jugendrotkreuz.ch

    Wir mussten lernen, uns dem tempo der lteren Generation anzupassen.

    Jahrzehntelange Erfahrung: Die Seniorinnen erzhlen, wie sie frher Guetzli gebacken haben

    Humanit 1/2012 7

  • report

    Junge Vorbilder fr MenschlichkeitJugendrotkreuz

    Beim Jugendrotkreuz (JRK) engagieren sich Jugendliche in den Bereichen Gesundheit und Integration. Sie setzen sich in ihrer Freizeit fr Menschen ein, die besonders auf Hilfe angewiesen sind. Dabei ist ihr Engagement so vielfltig wie die Jugendlichen selbst.

    TExT: JULIA ZURFLUH BILDER: ANDRI PoL

    Ich mchte jungen Menschen mit einer Be-hinderung die Mglichkeit geben, Dinge zu unternehmen oder sich wie die Nicht-behinderten ohne Eltern mit Freunden zu treffen. Die 20-jhrige Rea engagiert sich im Jugendrotkreuz Basel und verbringt ei-nen Teil ihrer Freizeit mit Manuela, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. So wie Rea setzen sich rund 500 Jugendli-che und junge Erwachsenen im JRK ein. Mit-machen knnen alle zwischen 15 und 30 Jahren, die sich in ihrer Freizeit sinnvoll en-gagieren wollen. Die Einsatzmglichkeiten sind vielfltig. Beispielsweise organisieren die jungen Freiwilligen in Durchgangszent-ren fr asylsuchende Kinder Spielnachmit-

    tage, damit diese fr einmal ihren Alltag vergessen knnen. oder sie frdern im Nachhilfeunterricht fremdsprachige Kinder. Wiederum andere gestalten Unterhaltungs-nachmittage im Altersheim wie die Jugendli-chen in unserer Geschichte ab Seite 4. Beim Projekt Sport und Kochen des Zrcher Jugendrotkreuz ermglichen die Freiwilligen benachteiligten Kindern eine tolle Sportwo-che und bringen ihnen nebenbei die Grund-stze einer gesunden Ernhrung nher. Die jungen Freiwilligen treffen bei ihren Einstzen nicht nur Gleichgesinnte und haben viel Spass, sondern erwerben auch wichtige Fhigkeiten. Ich lerne beim JRK vieles, was mich kein Buch lehren kann,

    meint Melanie vom Jugendrotkreuz Z-rich. Die jungen Freiwilligen erweitern ihren Horizont, lernen die Lebensrealitt anderer Menschen kennen und sammeln Erfahrungen. Gemeinsam knnen die Ju-gendlichen etwas bewegen. Mitdenken und mitbestimmen ist im Jugendrotkreuz angesagt. Wir drfen bei allen Aktivit-ten mitbestimmen. So knnen wir gemein-sam das JRK weiterentwickeln. Das gefllt mir, fgt Eva vom Jugendrotkreuz Zrich nicht ohne Stolz an. Das Jugendrotkreuz gibt es in den Kanto-nen Zrich, St. Gallen, Aargau, Basel-Stadt, Neuenburg, Freiburg, Genf und Tessin. facebook.com/SwissRedCrossYouth

    Das Jugendrotkreuz sorgt im Durchgangszentrum fr Asylsuchende fr ein kindergerechtes Programm

    8 Humanit 1/2012

  • report

    erfahrungen frs berufslebenJugendrotkreuz

    Carine Fleury war schon als Jugendliche aktiv beim Jugendrotkreuz (JRK). Dem Engagement in ihrer Jugend hat sie einen Erfahrungsschatz zu verdanken, dessen Wert sie heute hoch einschtzt. Nicht nur fr ihre heutige Arbeit beim Schweizerischen Roten Kreuz als Leiterin des Kompetenzzentrums Jugend und Freiwilligenarbeit.

    INTERVIEW: TANJA PAULI

    Carine Fleury, warum haben Sie als Ju-gendliche das Rote Kreuz ausgewhlt?Als ich 1999 an der Universitt in Genf studierte, wollte ich nebenbei etwas Sinnvolles machen und hatte Freunde, die sich schon beim Roten Kreuz enga-gierten. Ich habe internationale Bezie-hungen studiert und das IKRK sowie die ganze Rotkreuzbewegung war natrlich ein Thema. Ich glaube, dass eine grosse organisation mit ihrem Netzwerk mehr erreichen kann. Es gibt in fast jedem Land eine Rotkreuz-Gesellschaft. Das hat mich schon als junge Studentin be-eindruckt. So habe ich in Genf als Frei-willige angefangen und wurde spter Koordinatorin beim JRK.

    Was ist die Aufgabe einer Koordina-torin beim JRK?Das ist vergleichbar mit der Arbeit in ei-ner Personalabteilung. Jugendliche fr die Freiwilligenarbeit suchen, Gesprche mit ihnen fhren, um abzuklren, fr wel-chen Bereich sie sich eignen oder wo ihre Interessen liegen. Jugendarbeit ist toll, weil man einfach alles lernt. Ein bisschen Projektmanagement, Marketing und je nach dem Fundraising, weil es auch Geld braucht. Man muss managen, coachen und manchmal auch etwas verkaufen knnen. Es ist unglaublich vielfltig, und ich habe in dieser Zeit prgende Erfah-rungen gemacht, die lehrreich waren fr mein spteres Berufsleben.

    Was braucht es, um ein Jugendrot-kreuz zu grnden?

    Es braucht eine Kerngruppe mit starken Persnlichkeiten, um etwas voranzu-treiben, und eine Finanzierung. Auch die Freiwilligenarbeit kostet, denn sie muss organisiert und koordiniert wer-den. Nicht zu vergessen, dass man Ju-gendliche noch etwas mehr fhren und betreuen muss als Erwachsene. Dann braucht es eine Fhrungsperson, die nicht zwangslufig auch jung sein muss. Aber sie muss die Jugendlichen verste-hen, einen guten Draht zu ihnen haben und motivieren knnen. Wir vom SRK-Kompetenzzentrum Jugend in Bern un-tersttzen die SRK-Kantonalverbnde, wenn sie ein Jugendrotkreuz grnden mchten. Als Anhaltspunkt dienen die Leitlinien zur Jugendarbeit, welche die Rotkreuzversammlung 2011 genehmigt hat. Jugendliche, die in ihrem Kanton noch kein JRK finden, knnen sich eben-falls bei uns oder ihrem Kantonalver-band melden. Es gibt einen obligatorischen Einfhrungs-kurs, dessen kurzweiliges, abwechslungs-reiches Programm speziell auf die Ju-gendlichen zugeschnitten ist und diverse Weiterbildungen zu speziellen Themen. Zum Beispiel, wie man mit Kindern mit Migrationshintergrund arbeitet, oder im Umgang mit lteren oder behinderten Menschen. Im Modul Leadership ler-nen Jugendliche, die in einer Kerngruppe mehr Einfluss nehmen wollen, wie man Verantwortung bernimmt.

    Werden Sie angefragt fr Referenzen bei der Lehrstellensuche?

    Ja, das kommt fters vor. Jugendliche, die sich engagieren, haben natrlich einen Pluspunkt mehr auf dem Arbeitsmarkt.

    Gibt es gengend Jugendliche, die sich engagieren wollen?Ja, ich glaube nicht, dass das Problem bei den Jugendlichen liegt. Man hrt hu-fig, sie wrden sich nur fr oberflchliche Dinge interessieren. Das stimmt nicht. Viele Jugendliche sind Idealisten und wollen in einer Nonprofit-organisation arbeiten und etwas fr die Allgemein- heit tun. Ich sehe die Jugendlichen als Changemaker und nicht als die Troublemaker. jugendrotkreuz.ch

    Junge Vorbilder fr Menschlichkeit

    Carine Fleury, 33, leitet das SRK-Kompetenzzentrum Jugend und Freiwilligenarbeit

    Humanit 1/2012 9

  • Bitte senden Sie mir gratis den Testament-Ratgeber

    Bitte nehmen Sie Kontakt mit mir auf

    Bestellung Schweizerisches Rotes Kreuz, Rainmattstr. 10, Postfach, 3001 Bern, E-Mail: [email protected] Postkonto 30-9700-0, www.redcross.ch/legat

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  • Kurz & bndig

    Sicheres blut im libanonIm Sden Libanons setzt sich das Schwei-zerische Rote Kreuz (SRK) fr einen si-cheren, professionellen Blutspendedienst in fnf Spitlern ein. Diese werden vom Palstinensischen Roten Halbmond fr die Flchtlinge aus Palstina betrieben. In Libanon leben seit Jahrzehnten 340000 palstinensische Flchtlinge und ber die Hlfte von ihnen in Flchtlings-Camps.

    Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) baut in der pakistanischen Provinz Sindh drei Drfer mit insgesamt 700 Husern neu auf. Die knftigen Bewohner von Husern des SKR beteiligen sich nicht nur aktiv an den Bauarbeiten, sie sind auch verant-wortlich fr den Einkauf des Materials. Die Auszahlungen hierfr erfolgt durch das SRK in fnf Tranchen. Durch Ratenzahlung erfolgt eine Kontrolle ber den Baupro-zess. Fr die meisten Familienoberhup-ter und vor allem fr die Frauen ist es das erste Mal im Leben, dass sie ber ein

    eigenes Konto verfgen, sagt der Dele-gationsleiter Mark Ita. Jedes Haus kommt auf 3000 Franken zu stehen. Der Haus-bau schreitet gut voran.In derselben Region von Dadu erstellt das SRK auch die Wasserversorgung fr 6300 Einwohner. In neun Drfern werden Freiwillige des lokalen Roten Halbmondes ausgebildet fr Gesundheitsberatungen. Schwere Fluten haben im Sommer 2010 in grossen Teilen Pakistans immense Sch-den angerichtet. redcross.ch/pakistan

    Sichere unterknfte fr pakistanische familien

    Ende Januar verkauft das Rote Kreuz tra-ditionell Mimosen, um die Kinder in der Schweiz zu untersttzen, die in beschei-denen Verhltnissen aufwachsen. Mit dem Verkaufserls werden zum Beispiel Ferienlager oder Musikstunden finanziert. Fr diese Aktion, die vor allem in der Westschweiz stattfindet, engagieren sich jedes Jahr zahlreiche Freiwillige.

    fr Kinder in der Schweiz

    75000 geschenke fr einen guten zweck2 5 Weihnachten kann noch mehr bedrf-tige Menschen und gemeinntzige orga-nisationen untersttzen als im letzten Jahr. Die alljhrliche Sammelaktion der SRG SSR, der Schweizerischen Post und des Schwei-zerischen Roten Kreuzes (SRK) hat ber die Festtage rund 75000 Pakete erhalten, das ist ein Zuwachs von 3000 Paketen. Wer kein passendes Weihnachtsgeschenk zu Hause hatte, untersttzte die Aktion mit einem virtu-ellen Paket ber die Internetseite. Diese Un-tersttzung hat den Vorteil, dass wir einkau-fen knnen, was noch fehlt und besonders wichtig ist fr Menschen, die mit dem Ntigs-ten auskommen mssen, erklrt der Leiter der Sammelaktion, Josef Reinhardt. Er freute sich auch ber die tatkrftige Hilfe von ber zwanzig Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Fernsehen. Sie stellten sich einen Nachmittag lang zur Verfgung, um beim Sortieren der Geschenke zu helfen. So

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    packten zum Beispiel Nationalrat und Ber-ner Stadtprsident Alexander Tschppt, Allianz Suisse Verwaltungsratsprsident Ulrich Zimmerli oder Musikwelle-Moderator Jol Gilgen (Bild) tatkrftig mit an.Die Waren werden nun je zur Hlfte in

    der Schweiz und in osteuropa gerecht verteilt. Viele Familien und organisatio-nen sind auf diese Form von Hilfe jedes Jahr angewiesen. Deshalb wird die Aktion 2012/13 zum 16. Mal stattfinden. 2xweihnachten.ch

    Humanit 1/2012 11

  • engagiert

    Sie ist fr mich beinahe wie ein drittes Kind, sagt Andrea Haas von der sie-benjhrigen Janani. Die beiden leben fast Tr an Tr in Binningen bei Basel. Jeden Montagnachmittag besucht Janani die Fa-milie Haas in ihrem grossen Haus. Das im-mer frhliche Mdchen kommt hierher, um

    Spielend die neue Heimat entdecken

    Mitten unter uns

    Jeden Montag ffnet Andrea Haas der kleinen Janani ihr Herz und ihre Tr. Das Programm mitten unter uns des Schweizerischen Roten Kreuzes hilft dem Mdchen aus Sri Lanka, in der Schweiz Wurzeln zu fassen.

    TExT: CHRISTINE RFENACHT BILDER: RoLAND BLATTNER

    Schweizerdeutsch zu sprechen und sich mit dem hiesigen Alltag vertraut zu ma-chen. Und natrlich, um mit dem sechsjh-rigen Silvan und der vierjhrigen Nina zu spielen. Wie von selbst macht die in der Schweiz geborene Janani, deren Eltern aus Sri Lanka stammen, ihre ersten Schritte

    zu einer erfolgreichen Integration. Sie hat sich enorm entwickelt und ist richtig aufge-blht, stellt Andrea Haas nach einem Jahr fest. Vor allem spricht Janani schon viel besser Mundart. Umgekehrt geben Silvan und Nina manchmal vor, sie wrden Tamil reden, wie ihre Mutter lchelnd erwhnt.

    12 Humanit 1/2012

  • engagiert

    mitten unter uns des Roten Kreuzes Basel-land kann sie nun ein Kind betreuen und zugleich Gutes tun. Es ist gut zu spren, dass Janani und ihre Familie in unserem Land willkommen sind, betont And-rea Haas. Da der Vater des Mdchens tagsber und die Mutter nachts arbeitet, haben sie nur selten Zeit, etwas mit ihrer Tochter zu unternehmen. Andrea Haas geht deshalb oft mit ihr ins Schwimmbad oder in die Bibliothek.

    Spielend einfachVor einem Jahr sind sich die Familie Haas und Janani zum ersten Mal begegnet. Sie verstanden sich auf Anhieb: Schon nach wenigen Minuten verschwand das Md-chen mit Silvan und Nina im Kinderzim-mer. Seither klingen das Jauchzen und

    etwas weitergebenNeben der Betreuung ihrer beiden Kin-der arbeitet die 33-jhrige Andrea Haas regelmssig im Familienbetrieb mit. Die gelernte Bckerin-Konditorin htte sich gerne als Tagesmutter engagiert. Leider war das nicht mglich. Dank der Aktion

    Corinne SieberAls Leiterin Soziales und In-tegration beim Roten Kreuz Baselland ist Corinne Sieber auch fr mitten unter uns verantwortlich. Sie informiert ber das Programm, sucht Familien und bringt sie miteinander in Kontakt.

    Welche Rolle bernimmt das SRK?Meist wenden sich Lehrpersonen an uns, um ein Kind fr das Programm anzumelden. Damit beginnt die Hinter-grundarbeit: Wir besuchen die Familie, um zu erfahren, was sie von der knf-tigen Gastfamilie erwartet, und um das Kind kennenzulernen. Danach organi-sieren wir ein Treffen mit einer Familie, die uns geeignet erscheint. Wir beglei-ten die Familien und bleiben mit ihnen und je nachdem auch mit den Lehrper-sonen in Kontakt. So knnen wir den Kindern wenn ntig gezielt auch ande-re Untersttzung anbieten, um sie zu frdern oder ihnen weiterzuhelfen.

    Wer eignet sich als Gastgeberin oder Gastgeber?Die Freiwilligen mssen bereit sein, ein Kind whrend mindestens sechs Mona-ten einmal pro Woche bei sich aufzu-nehmen. Wir suchen aufgeschlossene, interessierte Familien oder Einzelper-sonen, die gerne ein Kind begleiten mchten und vertrauenswrdig sind.

    Was halten die Beteiligten von mitten unter uns?Das Programm bringt allen etwas. Fa-milien mit Migrationshintergrund freu-en sich, dass sich ihre Kinder besser und schneller einleben. Die Kinder fhlen sich wohl, wenn sie sich in ei-ner Umgebung entfalten knnen, die von Vertrauen geprgt ist. Und nicht zuletzt erleben die Freiwilligen und ihr Umfeld die Begegnungen als sehr be-reichernd.

    Das SRK sucht weitere freiwillige Gast-geberinnen und Gastgeber: redcross.ch/mittenunteruns

    Kurz befragtNina, Janani und Silvan sind in kurzer Zeit gute Freunde geworden und haben viel Spass zusammen

    Seit einem Jahr wchst Janani zweisprachig auf

    Gastgeberin Andrea Haas freut sich, dass die drei Kinder so gut miteinander auskommen

    Lachen der drei jeden Montag durch das Haus. Ich bin immer wieder berrascht, wie glcklich und zufrieden sie zusammen sind, sagt Andrea Haas. Auch die Eltern von Janani wussten nach einem Besuch bei der Gastfamilie, dass ihr Nesthkchen dort gut aufgehoben ist.

    Humanit 1/2012 13

  • KonKret

    Alle Beteiligten ben eine Evakuierung, weil im Katastrophenfall jede Minute zhlt

    Felix Saravia, Rettungsschimmer des Roten Kreuzes, bei einer Rettungsbung

    Die Morgensonne taucht die Bucht von Jiquilisco in ein sanftes, golde-nes Licht. Am seichten Ufer dmpeln ein paar bunte Fischerboote, gleich dahinter beginnen die Mangroven, am Horizont schimmern blau El Salvadors Vulkane Usulutn, San Miguel und San Vicente. Felix Saravia lsst aufmerksam den Blick ber das Wasser gleiten. Vielleicht 50 Meter vom Ufer entfernt tollen ein paar Halbwchsige im Wasser. Pltzlich wer-den sie abgetrieben, rufen um Hilfe. Fe-lix Saravia schnappt sich eine Boje und stsst mit der Trillerpfeife einen gellen-den Signalton aus. Sofort kommen seine Teamkollegen angelaufen, strzen sich ins Wasser und kraulen zu den Ertrinken-den. Mit gebten Griffen werden sie ans Ufer gezogen und dort im dunklen Vul-kansand wiederbelebt. Da muss eines der opfer vor Lachen laut prusten und spuckt das geschluckte Wasser in einem riesigen Schwall dem Retter auf die Brust.

    Die Rettungsschwimmer des Roten KreuzesCarlos Umanzos ist erst 12 Jahre alt und neu in der Rettungsschwimmertruppe des Roten Kreuzes. Deshalb hat er bei der Katastrophenschutzbung eines der op-fer gemimt, bis er angesichts seiner eige-nen schauspielerischen Fhigkeiten einen

    Lachkrampf bekam. Der Halbwchsige ist zusammen mit einem Freund vor einem Jahr zu der Truppe gestossen und brennt schon darauf, so bald wie mglich den Rettungsschwimmerkurs zu absolvieren und dann zum Einsatz zu kommen. Ein Dutzend junge Mnner sind mit Eifer dabei, schwimmen zweimal, dreimal, viermal hinaus und trainieren die lebens-wichtigen Handgriffe. Wir sind zwar alle gute Schwimmer, aber jemand aus dem Wasser zu ziehen, muss immer wie-der gebt werden, erzhlt Gruppenleiter Felix Saravia, mit 31 Jahren der lteste. Sein Team besteht aus durchtrainierten Bauernjungs, die sich im Alltag vom Mais- und Bohnenanbau ernhren und

    in einfachen Htten rund um die Bucht leben. Sie bilden die freiwillige Rettungs-truppe des Roten Kreuzes, ausgebildet mit Schweizer Untersttzung. Zu tun ist eine Menge. Nach einer Studie des UN-Bros zur Koordinierung humanitrer Angelegenheiten (ocha) ist El Salvador weltweit das Land mit dem hchsten An-teil an Risikozonen: 88,7 Prozent eines

    Im katastrophenanflligen el Salvador an der pazifikkste haben viele Menschen nie schwimmen gelernt.

    Landes, das halb so gross ist wie die Schweiz. In hundert Jahren erlebten die Salvadorianer zwlf schwere Erdbeben, zwei Tsunamis, acht Vulkanausbrche und mehrere Dutzend berschwemmun-gen. In den Ferien arbeiten die Rotkreuzhelfer als Rettungsschwimmer an den Strnden. Der Pazifik ist tckisch mit seinen Str-

    Humanit 1/2012 15

  • KonKret

    Vorsorge ntzt allenDie Rckversicherung Swiss Re unter-sttzt das SRK seit Jahren in El Salvador und Honduras im Bereich Katastrophen-vorsorge. Die beiden organisationen wollen die nchsten drei Jahre noch enger zusammenarbeiten und gehen 2012 eine offizielle Partnerschaft ein. Diese beinhaltet die Zusammenarbeit in der Katastrophenvorsorge, in der Katastrophennothilfe und fr den Wie-deraufbau nach Katastrophen. Dabei profitiert das SRK vom Fachwissen der Swiss Re und diese wiederum von der langjhrigen Erfahrung des SRK in der Entwicklungszusammenarbeit.

    apropoS

    Die Gesundheitspro-motoren sorgen fr bessere Hygiene in den Drfern und werden mit Untersttzung des SRK ausgebildet

    Mit verletzten Personen muss im Ernstfall ge-rechnet werden, deshalb wird diese Situation nachgestellt

    mungen, und viele meiner Landsleute knnen nicht richtig schwimmen, weiss Felix Saravia. Das ganze Jahr ber bil-det er ausserdem mit Untersttzung des SRK Gesundheitspromotoren aus. Das sind junge Leute wie Flor Bonilla, 22, die einfache Hygienemassnahmen wie Was-ser abkochen und Mll sammeln in ihrer Gemeinde organisieren. Doch die grss-te Gefahr droht vom Lempa-Fluss. Der Lempa ist schon in normalen Zeiten ein imposanter Fluss, der sich ber mehrere Arme und Hunderte von Metern erstreckt und das kleine mittelamerikanische Land ziemlich genau in der Mitte durchschnei-det. Er bringt den Regen aus den Bergen, flussaufwrts befinden sich drei Stau-dmme. Dramatisch wird es, wenn ein Hurrikanauslufer ber dem Land tobt

    und das geschieht im Zuge des Klima-wandels immer hufiger. Innerhalb von wenigen Tagen knnen 1500 Millimeter Niederschlag fallen so viel wie sonst im ganzen Jahr. Zuletzt geschah das im oktober 2011.

    Statt Chaos geplante NothilfeBei so viel Niederschlag ffnen die Stau-dmme die Schleusen. Flussabwrts, an der Mndung des Lempa in den Pazifik, wo Felix Saravia und sein Rettungsteam le-ben, steht dann alles unter Wasser. 9500 Menschen mussten rund um die Bucht eva-kuiert werden. Tag und Nacht waren der Gruppenleiter und seine Helfer vom Roten Kreuz im Einsatz, retteten Menschen aus den Fluten, versorgten Verletzte, organi-

    sierten die Belegung und Nahrungsmittel-ausgabe in den Notunterknften. Das hat dieses Mal super geklappt, sagt SRK-Logistiker Roberto Castillos. Dank den Vorbereitungsarbeiten hat-ten wir einen gut funktionierenden Kri-senstab, in dem Armee, Polizei, Katas-trophenschutz, Gemeinde, Rotes Kreuz,

    NGos und die Kirchen gemeinsam die Bergungsarbeiten koordiniert haben. Das war nicht immer so. Roberto Castil-los, seit den Zeiten des Brgerkriegs der 80er-Jahre fr diverse Rot-Kreuz-orga-nisationen ttig, kann sich noch gut an

    Hurrikan Mitch 1998 erinnern: Damals war es ein einziges Chaos, niemand wusste, wo wie viele opfer waren, die Hilfe wurde am Strassenrand planlos in die Menge gegeben oder von Hub-schraubern abgeworfen.

    Gemeindeversammlung in der NotunterkunftNicht nur bei der organisation hat die Schweizer Effizienz ihre Spuren hinter-lassen. Hilfreich sind auch die Notunter-knfte, die dank Untersttzung des SRK in Gemeinschaftsarbeit entstanden. Die Fundamente 1,80 Meter tief im Boden und damit erdbebensicher, der Fussbo-den 1,60 m hoch ber der Erde und damit berflutungssicher, ausgestattet mit einer Gemeinschaftskche und acht Kompostlatrinen. Rund 300 Leute finden in der Notunterkunft Schutz. In ruhigen Zeiten finden darin Gemeindeversamm-lungen statt. Zwei solcher Notunter- knfte stehen bereits, eine dritte ist im Bau. Die Unterkunft in meiner Heimat-gemeinde El Angel hat uns schon zwei-mal gute Dienste geleistet, sagt Felix Saravia. Und als der Prsident des Lan-des in einer Radioansprache die gute Prvention und Katastrophenhilfe lobt, ist er zu Recht sichtlich stolz auf das, was er und seine Truppe geleistet ha-ben. redcross.ch/elsalvador

    Die mit Hilfe des SRK gebauten Notunterknfte halten den Hurrikans stand.

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  • KonKret

    ach brigens, wenn ich einmal

    letzte Wnsche

    Wir sprechen ungern darber und den passenden Moment gibt es nicht. Sollen wir daher den Angehrigen un-sere Wnsche fr die Zeit nach uns schriftlich hinterlassen? Wenn ich einmal nicht mehr selbst bestimmen kann heisst der neue Ratgeber des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Bestatter Stefan Brtschi erzhlt im Interview, wie er darber denkt und warum das Thema nicht tabu sein sollte.

    INTERVIEW: TANJA PAULI

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  • KonKret

    Stefan Brtschi, was halten Sie von einer Broschre, die sich damit befasst, was Angehrige im Todesfall wissen sollten?Ich finde es gut, dass das SRK dieses Tabuthema aufgreift und eine solche Bro-schre erarbeitet hat. Man schiebt das Thema von sich weg. Auch wir versuchen zu erreichen, dass die Leute sich damit befassen und beraten unverbindlich.

    Und wenn man den Angehrigen alle Entscheidungen berlassen mchte?Auch dann ist es sinnvoll, genau das schriftlich festzuhalten. Denn woher sol-len die Angehrigen dies sonst wissen? Selbstverstndlich kann und soll man ber seine Wnsche nach dem Tod sprechen, aber nach Jahren erinnert man sich nur

    noch wage an das Gesagte. Und oft wird es erst noch zu wenig deutlich gesagt.

    Werden schriftlich formulierte Wn-sche immer respektiert?Ja, ich halte mich daran. Es ist meine Philo-sophie, im Sinne einer verstorbenen Person zu handeln und sie zu respektieren. Wenn

    die Angehrigen keine Anweisungen der verstorbenen Person mitbringen, frage ich sie, ob sie danach gesucht haben. Es ist schon vorgekommen, dass wir nachtrg-lich noch einige Details nderten, weil die Hinterbliebenen erst einen Tag spter auf ein entsprechendes Dokument gestossen sind. In diesem Beruf muss man sehr fle-xibel sein; daher ist es fr mich auch kein Problem, wenn eine ganze Trauerfeier umgestellt werden muss. Ich sehe mich als Anwalt der verstorbenen Person und fr mich gilt, was sie geschrieben hat. Insbe-sondere natrlich, wenn ein Sterbevorsor-gevertrag mit uns abgeschlossen wurde. In diesem Fall kann ich die Wnsche der verstorbenen Person sogar auf rechtlichem Weg durchsetzen.

    Sind ohne Sterbevorsorgevertrag schriftlich festgehaltene Wnsche fr die Hinterbliebenen gedacht?Ja, und fr den Bestatter, wenn es keine Angehrigen gibt. Es ist eine grosse Er-leichterung fr Hinterbliebene, wenn sie das Gefhl haben, das Richtige zu tun. Es kommt oft vor, dass Hinterbliebene mit klaren Anweisungen zu mir kommen. Von der gewnschten Kleidung, ob im offenen Sarg aufgebahrt werden soll oder nicht, bis zur Musikauswahl alles ist oft bis ins Detail festgelegt und passt zur verstorbe-nen Person, was eine Trauerfeier beson-ders berhrend und persnlich machen kann.

    Schtzen es die Angehrigen, wenn sogar die Details geregelt wurden?Ich weiss es aus eigener Erfahrung. Leider ist mein Vater vorletztes Jahr ver storben. Er hat uns gesagt, dass alles, was wir

    Denn eigentlich wissen doch alle ungefhr, was sie mchten und sonst ganz bestimmt, was sie gar nicht wollen.

    Den perfekten Moment fr dieses Gesprch gibt es nicht, aber irgendwann ist es fr immer zu spt

    brauchen, in einer braunen Mappe sei. Tatschlich hatte auch er alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Und etwas Wichtiges htten wir ganz anders ge-macht, ohne seine schriftliche Wnsche. Mir hat es geholfen, zu wissen, dass al-les, was wir tun, ganz in seinem Sinn ist.

    Kommt es oft vor, dass die Angehri-gen sich nicht einigen knnen?Meistens geht es gut. Aber es gibt Fami-lien, die sich nach vielen Jahren das erste Mal wieder sehen und sich in dieser heik-len Situation zusammen an einen Tisch setzen mssen, um schwierige Entschei-dungen zu fllen. Ich habe zwei Brder er-lebt, die waren offensichtlich schon lnger zerstritten. Sie wussten nicht, was ihr ver-storbener Vater gewollt htte und konnten sich in keinem Punkt einigen. Schliesslich fragten sie mich, wie ich entscheiden wr-de. Ich riet ihnen: Gehen Sie zusammen einen Kaffee trinken, lassen Sie sich Zeit. Ich warte auf Sie. Nach der Trauerfeier hatte ich den Eindruck, dass dieses Ge-sprch den Grundstein gelegt hat fr eine Vershnung. Es hat mich gefreut, dass ich dazu etwas beitragen konnte.

    Was sagen Sie, wenn sich jemand nicht mit dem Thema befassen mchte aus der unterschwelligen Angst, das Schicksal damit herauszufordern?Ich habe auch schriftlich festgehalten, was ich dereinst mchte, weil ich diese Entschei-dungen meinen Angehrigen abnehmen will. Ich rate, den Ratgeber bei Gelegen-heit durchzulesen und auszufllen, wenn es passt. Denn eigentlich wissen doch alle ungefhr, was sie mchten und sonst ganz bestimmt, was sie gar nicht wollen. Die Broschre des SRK, Wenn ich

    einmal nicht mehr selbst bestimmen

    kann wichtige Informationen fr

    Angehrige, ist bei der Geschfts

    stelle des SRK in Bern erhltlich.

    Stefan brtschiSeit 20 Jahren arbeitet der 48-Jh-rige als Bestatter. Auf diesen Beruf ist der ehemalige Automechaniker ber Umwege gekommen. Er ist Inhaber eines Bestattungsunterneh-mens mit Niederlassungen in Bern und Thun.

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  • Schutz und Wrde fr Hinterbliebene

    Japan

    Im japanischen Onagawa ermglicht das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) den Bau eines Alterswohnheims mit Akutklinik. Viele ltere Japanerinnen und Japaner in der Katastrophenregion haben kaum noch Angehrige. Martin Fuhrer, Leiter Internationale Zusammenarbeit des SRK, besuchte krzlich das Katastrophengebiet.

    INTERVIEW: KARL SCHULER

    KonKret

    20 Humanit 1/2012

  • KonKret

    SRKHilfe in JapanDas Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat gleich nach dem Erdbeben das Nothilfe-Programm des Japanischen Roten Kreuzes mit einer Million Fran-ken untersttzt. Damit wurde in den Notunterknften die Trinkwasserver-sorgung hergestellt und die Wohn-Container mit Haushaltgerten wie Reis- und Nudelkocher und Wasch-maschinen ausgerstet. Den Grossteil seiner Mittel setzt das SRK fr den Bau eines Alters- und Pflegeheims fr 100 Bewohnerinnen und Bewohner sowie einer Akutklinik mit 20 Betten in der stark zerstrten Stadt onagawa ein. Der Bau wird im Mai 2012 be-zugsbereit sein. An den Gesamtkosten von 22 Millionen sind die Glckskette und die Caritas beteiligt.

    apropoSNirgendwo ist die Lebenserwartung hher als in Japan, aber nicht alle bleiben vor Gebrechen verschont

    Der Mundschutz schtzt die Seniorin davor, sich allenfalls mit einer Erkltung anzustecken

    Martin Fuhrer, was sind Ihre Eindr-cke bald ein Jahr nach der schweren Naturkatastrophe?Es sieht auch heute noch aus wie nach einem Bombenangriff. Die Stdte Ishino-maki und onagawa an der nordstlichen Kste, die wir besuchten, sind noch nicht wieder aufgebaut. Allerdings sind die riesigen Schuttmassen weggerumt. Es stapeln sich berall Riesenberge, wobei ein eigentliches Recycling stattfindet: hier ein Berg aus Plastik und Autos, dort einer aus Zement, daneben wiederum ein Turm aus Holzabfllen. Wohin mit den Tausen-den von Tonnen? Dies ist noch nicht ent-schieden.

    Wo leben die Menschen, die ihr Ob-dach verloren?

    es fllt auf, dass der grosse teil der Zurckgebliebenen ltere Menschen sind.

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    Bereits ein halbes Jahr nach der Kata-strophe konnten die Zehntausenden von obdachlosen die Massenunterknfte ver-lassen und in relativ komfortable Wohn-container einziehen. Dies ist eine grosse Leistung der Behrden. Allerdings hat der definitive Wiederaufbau der Wohnhuser noch nicht begonnen, da die Landfrage nicht geklrt ist. Auch ist unklar, ob die Stdte so nahe an der ungeschtzten Ks-te wieder aufgebaut werden oder eher

    etwas zurckversetzt auf den Hgeln. Vor allem jngere Leute haben die nrdliche Kstenregion verlassen, da ihnen die Regierung fr die Neuansiedlung in den Stdten des Sdens eine Starthilfe offe-riert. Es fllt auf, dass der grosse Teil der Zurckgebliebenen ltere Menschen sind.

    Sie besuchten die Menschen in den provisorischen Wohnsiedlungen. Wie geht es ihnen?Wir begleiteten eine psychologisch aus-gebildete Helferin des Japanischen Roten Kreuzes bei ihren Hausbesuchen. Mate-riell geht es den meist lteren Menschen zwar wieder einigermassen gut, doch wirken sie vielfach apathisch und wie gelhmt. Der psychosoziale Dienst des

    Roten Kreuzes ist sehr wichtig. Unsere Begleiterin erklrte uns, dass die Leute nicht gewohnt sind, ihre Gefhle zu zei-gen. Durch die Katastrophe sind sie aus ihrer gewohnten Bahn geworfen worden und haben nun grosse Mhe, sich in die-ser neuen Situation zurechtzufinden und zu improvisieren. Dies ist ein kultureller Aspekt der japanischen Gesellschaft.

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  • KonKret

    Der alte Mann und das MeerTExT: MARTIN FUHRER

    Das Erdbeben und der anschliessende Tsu-nami hat bis zu 20000 Menschen gettet und ber eine Viertelmillion obdachlos ge-macht. Das sind kaum vorstellbare Zahlen. Es sind die Einzelschicksale, die nahe ge-hen und die man anders als Zahlen ein Leben lang nicht vergisst. Der 70-jhrige Fischer Katsumi hat mir erzhlt, wie er das strkste Erdbeben in der Geschichte Japans und das ganze letzte Jahr erlebt hat. Seit er sich zu erinnern vermag, lebt Katsumi im Hafen der Stadt onagawa. Der 11. Mrz 2011 hat sein Leben radikal verndert. Er entkam der Katastrophe nur mit dem nack-ten Leben. Zusammen mit seiner Frau ver-mochte er sich vor der riesigen Welle auf die nahe gelegene Anhhe in Sicherheit

    zu bringen. Sein Haus mit dem gesamten Hab und Gut und sein geliebter Fischkutter wurden von der Welle berflutet, und es ist keine Spur mehr davon zurckgeblieben. Die ersten Monate nach der Katastrophe lebten Katsumi und seine Frau in einer Turnhalle auf ein paar wenigen Quadrat-meter, die man ihnen zugewiesenen hat. Zusammen mit Hunderten von anderen l-teren Menschen lebten sie in dieser Halle. Im oktober wurde ihnen eine provisorische Container-Unterkunft in einer neuen Sied-lung zugeteilt. Hier verfgen sie wenigs-tens ber ihren eigenen Privatraum, knnen selber kochen und verbringen tglich viele Stunden vor dem kleinen Fernseher. Doch Katsumi wirkt traurig und abgemagert und fhlt sich krank. Er wird einige Tage zur Untersuchung im Spital verbringen mssen. Das Meer, auf dem der Fischer sein Leben

    verbrachte, hat ihm alles genommen. Der alte Mann wird nie mehr mit dem Kutter ausfahren knnen. Nun hofft er, zusammen mit seiner Frau im neuen Alters- und Pflege-heim aufgenommen zu werden.

    KoMMentar

    Martin FuhrerMartin Fuhrer (rechts) leitet beim SRK die Internationale Zusammenarbeit. In den letzten Jahren hat er diverse Lnder besucht, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Links im Bild der Fischer Katsumi.

    In Massenunterknften improvisierten die Ob-dachlosen whrend sechs Monaten ihr tgliches Leben

    Gebrechliche Menschen sind auf ein Alters- und Pflegeheim angewiesen, wenn sie keine Angehri-gen mehr haben

    Warum entschied sich das SRK fr den Bau eines Alters- und Pflege-heimes?Das Spitalgebude in der Kleinstadt onagawa wurde vom Tsunami stark be-schdigt. Nun wird es in ein Alters- und Pflegeheim fr 100 Betagte umgebaut, dem eine Akutklinik mit 20 Betten ange-gliedert wird. Da allgemein eine zu hohe Spitaldichte besteht, ist diese Umnutzung sinnvoll. Wegen der Abwanderung der

    jngeren Leute ist die traditionelle Versor-gung der Eltern durch ihre Kinder in die-sem eher lndlich geprgten Gebiet nicht mehr gewhrleistet. Viele der lteren Menschen leben allein und in bescheide-nen Verhltnissen. Durch die Naturkatast-rophe wurden sie zustzlich traumatisiert. Wir wollen deshalb dazu beitragen, dass sie ihren Lebensabend in Schutz und Wrde verbringen drfen. redcross.ch/japan

    22 Humanit 1/2012

  • Die Natur kann jederzeit zuschlagen. Nur handfeste Lsungen knnen uns davor schtzen.Die Klimavernderung zeigt Folgen: berschwemmungen und Strme ereignen sich hufi ger, das Ausmass nimmt zu. Was tun? Sollen sich die Bewohner aus den Gefahrenregionen zurckziehen? Sollen die gefhrdeten Gebiete durch Dmme, Entwsserungssysteme und strengere Bauvorschriften noch besser geschtzt werden? Oder soll das fi nanzielle Risiko versichert und der Wiederaufbau gefrdert werden? Fr uns bei Swiss Re steht jedenfalls fest: Wir mssen uns rasch an den globalen Klimawandel anpassen. Deshalb untersttzen wir Lnder und Kommunen bei der Entwicklung von Strategien zum Schutz gegen die Krfte der Natur. Mehr noch: Aus Risiko formen wir Chancen.

    Erfahren Sie mehr auf www.swissre.com

    Swiss Re ist offi zieller Partner des Schweizerischen Roten Kreuzes. Zusammen tragen wir dazu bei, die Gesellschaft widerstandsfhiger zu machen. Wir engagieren uns gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, soziale und wirtschaftliche Nachteile zu mindern und neue Wege der Katastrophenprvention aufzuzeigen.

  • erlebt

    rckkehrberatung fr Menschen in ausschaffungshaft

    detention

    Durch das Projekt Detention des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) arbeiten Menschen in Ausschaffungshaft an einer neuen Perspektive. Auseinandersetzungen und Aggressionen knnen so gemildert oder aufgefangen werden. Die SRK-Sozialarbeiterin Carine Elmiger ist seit ber zwei Jahren dabei und zieht eine positive Zwischenbilanz.

    TExT: URS FRIEDEN

    Diese Menschen seien mit hohen Erwar-tungen nach Europa gekommen und wr-den nun mit der harten Realitt konfron-tiert, dass fr sie hier kaum Platz ist.

    Aus humanitren Grnden sinnvollDas Angebot sei auch deshalb wichtig, weil sich nach dem Wegweisungsent-scheid Wut und Enttuschung aufstauen. Diese starken Emotionen knnen wir auffangen und die Enttuschung teil-weise lindern. Die Betroffenen erhalten durch unsere Abklrungen und Beratun-gen einen berblick ber ihre Situation und dadurch gelingt es ihnen, diese auch besser zu verstehen, so Elmiger. Die Beraterinnen sind davon berzeugt, dass auch Personen in der Ausschaf-fungshaft Zugang zur Rckkehrberatung

    haben sollen, damit sie ihre Rckkehr mglichst gut vorbereiten knnen. Auf diese Weise kann die Integration im Heimatland untersttzt werden. Wir thematisieren ihre Fhigkeiten, Ressour-cen, das soziale Netz und erarbeiten mit ihnen so eine mgliche Perspektive fr die nchste Zukunft. Diesen Prozess zu begleiten ist ntig, weil die Menschen in ihrer Situation kaum eine Perspektive se-hen und oftmals das Gefhl haben, ver-

    Carine Elmiger hat einen schwierigen Job im unendlichen Gebiet zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Sie bert Mnner und Frauen, die sich in Ausschaf-fungshaft befinden. Das 2008 gestartete Projekt heisst Detention (englisch fr In-haftierung, Gewahrsam) und beschftigt in sieben Kantonen 13 qualifizierte SRK-Mitarbeitende.Carine Elmiger, die Detention im Kanton Bern leitet, ist berzeugt, in den letzten

    Die starken emotionen knnen wir auffangen und die enttuschung teilweise lindern.

    Carine Elmiger, Leiterin Projekt Detention im Kanton Bern, erklrt, was ihre Arbeit bewirkt

    zwei Jahren zahlreichen Menschen in einer verzweifelten Situation wichtige Hilfe gewhrt zu haben: Einerseits schauen wir mit den Personen die Situa-tion whrend des Ausschaffungsverfah-rens an und beantworten ihre Fragen, damit sie besser einschtzen knnen, was auf sie zukommt. Andererseits bie-ten wir ihnen den Rahmen, um sich mit ihrer Rckfhrung und somit Rckkehr in ihr Heimatland auseinanderzusetzen.

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  • sagt zu haben. Wenn sie hingegen den Entscheid akzeptieren, werden persnli-che Ressourcen frei, die fr die Rckkehr und das Leben im Heimatland dringend bentigt werden.Zudem: Wenn Betroffene dank des Wir-kens der Detention-Beraterinnen weniger lang im Ausschaffungsgefngnis bleiben mssen und ihre Rckkehr ohne Anwen-dung von Zwangsmassnahmen erfolgen kann, ist das fr alle besser.

    positives FazitDie Universitt Genf hat im Lauf des Jah-res 2011 Detention qualitativ evaluiert. Das Team unter Prof. Sandro Cattacin kam dabei unter anderem zum Ergebnis, dass das SRK durch seine Anwesenheit in den Ausschaffungsgefngnissen die

    perspektiven und Rckkehrberatung DetentionDetention wird seit 2008 umgesetzt mit derzeit 13 SRK-Mitarbeitenden. Die aus-gebildete Sozialarbeiterin Carine Elmi-ger (39) leitet Detention im Kanton Bern und arbeitet mit zwei Mitarbeiterinnen im Teilzeitpensum. Die Perspektiven- und Rckkehrberatung durch das SRK wird in den Kantonen Basel, Bern, Freiburg, Tessin, Uri, Wallis und Zrich angebo-ten. Ausser im Kanton Uri betreut der jeweilige SRK-Kantonalverband das Pro-jekt. Fr die nationale Projektleitung und Koordination sowie fr die Beratungen in Uri ist die nationale Geschftsstelle des SRK in Bern verantwortlich.

    apropoSDie Betroffenen erhalten in den Beratungen einen berblick ber ihre Situation und akzeptieren dadurch besser, dass sie zurckreisen mssen (Symbolbild)

    Rechte und Wrde der auszuschaffenden Menschen schtze und andererseits das Thema des Lebens nach einer Rckkehr berhaupt einfhre.Aber ist diese Arbeit fr die SRK-Mitarbei-tenden nicht frustrierend? Carine Elmiger sagt es so: Wir mssen mit kleinen Er-folgserlebnissen auskommen. Man sprt immer wieder, dass die Person dankbar ist fr die Gesprche, die Empathie und die Klrung der Fragen. Und wenn wir in Einzelfllen zu einem Integrationsprojekt verhelfen konnten, dann freut mich das.Eben habe sie die Rckmeldung bekom-men, dass ein ehemaliger Klient aus Westafrika nun einen kleinen Handel mit Taschen, Schuhen und Kleidern aus Chi-na betreibe und jetzt davon leben knne. srkbern.ch/detention

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  • fr das alter mit dem alter!das rote Kreuz in der Schweiz

    2012 ist das Europische Jahr des aktiven Alterns und der Solidaritt zwischen den Generationen. Dieses Motto trifft auch auf das Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) zu. Denn es bietet eine Viel-falt von Dienstleistungen an, welche sich direkt an ltere Menschen und an ihr Umfeld richten.

    TExT: MARIo WTHRICH

    Mit dem Notruf lebt die Benutzerin so selbsstndig wie bisher nur mit mehr Sicherheit

    Die Dienstleistungen des SRK werden nicht nur von Menschen in der zwei-ten Lebenshlfte genutzt, sondern ermg-lichen es ihnen auch, einer spannenden und sinnbringenden freiwilligen Ttigkeit nachzugehen. Eine aktive Lebensgestal-tung im Alter ist von zentraler Bedeutung. Gerade fr das SRK leisten ltere Men-schen als freiwillige Mitarbeitende grosse

    Dienste fr die Bevlkerung und leben so die Solidaritt zwischen den Generatio-nen. Ich denke da beispielsweise an die Fahrerinnen und Fahrer im SRK-Fahrdienst, an die sozialkompetenten Frauen und Mnner im Besuchs- und Begleitdienst, und an einfhlsame Menschen, die beim Ausfllen einer Patientenverfgung bera-tend zur Seite stehen. oder sie bekleiden

    nicht zuletzt ein Ehrenamt in den kantona-len und nationalen SRK-Gremien. Aktives Altern und damit die Selbststndigkeit im Alter frdern die Dienstleistungen des SRK ebenfalls. Denn viele ltere Men-schen wnschen sich nichts mehr, als trotz gesundheitlicher Probleme so lange wie mglich im gewohnten huslichen Umfeld zu wohnen. Der SRK-Notruf und der SRK-

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    berzeugt

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  • berzeugt

    Betreuung zu Hause ist mglich, wenn die Angehrigen untersttzt werden

    Fr manche Familie Gold wert: die Untersttzung der Grosseltern

    Aktiv nach dem Berufs-leben: Im SRK-Fahrdienst sind die meisten Fahrerinnen und Fahrer im Rentenalter

    Verschnaufpause ermglichen. Schweiz-weit gibt es unzhlige Angebote fr pfle-gende Angehrige. Das richtige Angebot zu finden, kann jedoch zeitraubend und aufwndig sein. In regionalen SRK-Bera-tungs- und Informationsstellen finden An-gehrige die ntige Untersttzung. Diese Angebote gilt es auszubauen.

    Der Mensch im ZentrumDer Rotkreuz-Grundsatz Menschlichkeit wird hochgehalten im SRK. Im Mittelpunkt des Wirkens steht der Mensch und nicht seine Krankheit, seine Behinderung oder sein Alter. Gerade die lteren Genera-tionen sind heute so heterogen wie wohl noch nie zuvor. Das SRK ist in seiner Ar-beit gefordert, einem Bild des Alter(n)s zu entsprechen, welches Einschrnkungen einbindet, aber die Kompetenzen und Ressourcen lterer Menschen nicht ausser Acht lsst. Viel mehr sollen diese wo im-mer mglich in den Fokus gestellt werden. Wir sind gefordert, uns mit dem Thema Al-

    ter auseinanderzusetzen und mgliche ne-gative Altersbilder durch objektive Bilder des Alterns zu ersetzen. Auch wenn dank der sozialpolitischen Errungenschaften in der Schweiz viele ltere Menschen heute in einer hohen materiellen Sicherheit le-ben, gibt es andere, die mit geringen Mit-teln auskommen mssen. Das Thema der Altersarmut kann in der Schweiz nicht ad acta gelegt werden. Es gilt die Solidaritt zwischen den Generationen zu frdern, damit Altern zu einer Erfolgsgeschichte fr uns alle wird. Das Schweizerische Rote Kreuz wird sich auch in Zukunft fr das Alter mit dem Alter! engagieren. redcross.ch/entlastung

    Mario WthrichDer 43-jhrige Familienvater ist Gerontologe HF und arbeitet seit acht Jahren fr das SRK als stv. Ab-teilungsleiter im Bereich Beratung und Entlastung.

    Fahrdienst helfen mit, dies zu ermglichen. Dank der Untersttzung der Allianz Suisse und Spenden sind diese Dienstleistungen fr alle erschwinglich.

    Anstieg der LebenserwartungDer Anstieg der Lebenserwartung kann fr uns alle eine durchaus positive Entwick-

    lung bedeuten, bringt aber auch gesell-schaftliche Konsequenzen und Herausfor-derungen mit sich. Pflegende Angehrige, welche immer mehr gefordert sind und an die Grenzen der Belastbarkeit gelan-gen, seien hier als ein Beispiel erwhnt. Fr sie bietet das SRK Entlastungsdienste, Tageszentren fr ltere Menschen organi-sieren Ferien und Ausflge, welche den pflegenden Angehrigen ebenfalls eine

    Im Mittelpunkt des Wirkens steht beim SRK der Mensch und nicht seine Krankheit, seine Behinderung oder sein Alter.

    Passend zum Thema organisiert das SRK am Donnerstag, 20. September 2012, seine 10. Nationale Fachtagung und verffentlicht diverse Publikationen. Wei-tere Informationen folgen in der nchs-ten Ausgabe.

    apropoS

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  • Kurz & bndig

    Chaise rouge (roter Stuhl, abgeleitet vom Kinosessel) heisst der Begleitdienst des Roten Kreuzes Waadt fr Menschen mit Behinderung. Dank ihm mssen behinderte Menschen nicht mehr auf den Ausgang verzichten, wenn sie ander-weitig keine Begleitung finden. Speziell ausgebildete Freiwillige begleiten sie zu Freizeit- und Kulturveranstaltungen und

    freizeitangebote allen zugnglich machen

    Im Nhatelier Hinterhof 165 vom Roten Kreuz Basel-Stadt nhen rund 15 Frauen aus verschiedenen Lndern Kostme fr die Fasnacht. Die Nherin-nen sind sowohl Migrantinnen als auch Schweizerinnen, die ber gute Nhkennt-nisse verfgen, aber aus verschiedenen Grnden keiner regelmssigen Arbeit nachgehen. Die Frauen erhalten durch die Anleitung einer ausgebildeten Schnei-derin eine Zusatzqualifizierung, und das Vorweisen einer Arbeitsbesttigung er-hht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zu der Kundschaft zhlen Cliquen und Einzelpersonen. Die Nherinnen erhalten jeweils die Hlfte des vereinbarten Kos-tmpreises als Lohn. Auftragsanfragen frs nchste Jahr nimmt das N hatelier vom SRK Basel-Stadt per E-Mail entgegen: [email protected]

    fasnachtskostm aus dem SrK-nhatelier

    helfen ihnen, Hindernisse im ffentlichen Raum zu berwinden. Die Dienstleistung ist fr jedes Budget erschwinglich, weil nur eine Beteiligung an den Fahrspesen verlangt wird. Fr die Aktion Chaise rouge, die von den kantonalen Behrden untersttzt wird, arbeitet das Rote Kreuz mit Pro Infirmis Waadt zusammen. lachaiserouge.ch

    Unter dem Namen ride4africa schenkt eine Gruppe von Motorradfahrern dem Roten Kreuz in Swasiland 12 Motorr-der mit einer Liegenpritsche im Seitenwa-

    Motorrad-ambulanzen fr Swasiland

    Die upc cablecom und das Schweizerische Rote Kreuz sind auf Anfang 2012 eine Projektpartnerschaft eingegangen. Ziel der Partnerschaft ist der Aufbau und die Durchfhrung von Computerkursen fr die Pflegehelferinnen und Pflegehelfer, welche vom SRK ausgebildet werden. Heute ver-langen viele Heime und organisationen, die im Pflegebereich ttig sind, dass auch das Hilfspflegepersonal beim Fhren der Pflegedokumentation mithilft und grundle-gende Computerkenntnisse hat.

    Computerkurse fr das SrK-pflegepersonal

    gen. Sie dienen nun im sdlichen Afrika als Ambulanzfahrzeuge. Die 9000 km lange Fahrt durch den Kontinent wurde von freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern in Etappen bewltigt. Gestartet ist der Tross Ende oktober 2011 in gypten. Am 10. Januar 2012 konnten die Mo-torrad-Ambulanzen in Anwesenheit des SRK-Arztes Martin Weber dem Swasiln-dischen Roten Kreuz bergeben werden. Der Arzt war auf der letzten Etappe ei-ner der Fahrer. Es war ein humanitres Abenteuer mit einem sinnvollen Ziel, sagt Initiator Daniel Sollberger.Die dreirdrigen Ambulanzen werden knftig Kranke und Verletzte zu den Rotkreuz-Kliniken transportieren. Das Schweizerische Rote Kreuz untersttzt in diesem kleinen Land seit mehreren Jah-ren sowohl die Aids-Aufklrung als auch das Therapieprogramm in den Kliniken des Swasilndischen Roten Kreuzes. ride4afrika.ch

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  • Kreuz & quer

    Salvadorianische Hhnersuppe nach BauernartFr 4 Personen

    Zutaten1 Freilandpoulet, 1 kleine Zwiebel geviertelt, 4 Kartoffeln, 3 Stangen Sellerie, 24 Karotten, 4 Tomaten, 1/4 Kohlkopf, Reis, Salz, 1 Bund ge-hackte Petersilie, 1 kleines Bndel frischer, gehackter Koriander (frisch), 1 Zitrone, 1 Packung Mais- oder Wei-zentortillas.

    ZubereitungDas Poulet in 6 grosse Stcke zertei-len und in Salzwasser mit der Zwiebel halb gar kochen (ca. 10 Minuten auf kleinem Feuer). Derweil den Reis mit Salz kochen, mit zerpflckter Petersilie mischen und warm stellen. Das Gemse wird ebenfalls in grosse Stcke zerteilt und zum halbgaren Huhn dazugegeben, salzen und ca. 1520 Minuten leicht kcheln, bis alles gar ist. Koriander und den Reis zum Schluss dazugeben. Mit Zitrone betrufeln und mit den warmen Tortillas servieren.

    Das Dorf Cerro Verde Grner Hgel macht seinem Namen alle Ehre, liegt es doch an einem ganzjhrlich belaubten Hang. Denn im Hgelland der Provinz Usu-lutn im osten des Landes wachsen vor allem Kaffeebume und Bananenstauden. In den Kaffeeanbau-Gebieten arbeiten die meisten Einwohner als billige Tagelhner auf den grsseren Plantagen. Daneben bewirtschaften sie selber meist noch ein kleines Stck Land von einer halben oder einer Hektare zur Selbstversorgung. Im Jahr 2001 wurde Cerro Verde von ei-nem Erdbeben schwer in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge konnten 60 Fami-lien mit der Untersttzung des Cruz Roja Suiza SRK ihre Huser neu aufbauen. Die frheren Blechhtten wichen soliden Hu-sern. Fr die Frauen war dabei die verbes-serte Kochstelle vor allem wichtig. Dank des Rauchabzugs ist ihre Gesundheit heu-te weniger gefhrdet und sie sparen erst noch Feuerholz. Ganz allgemein schuf der Wiederaufbau durch das SRK eine besse-re Wohn- und Lebensqualitt. Auch in El Salvador ist das Huhn das gnstigste Haustier und sichert den rme-

    ren Familien das tgliche Ei und bei be-sonderen Gelegenheiten ein gutes Stck Fleisch. In Cerro Verde ist jede Hausfrau stolz auf ihre Hhnerschar. Es braucht hier kein spezielles Label, um die gross-zgige Freilandhaltung zu garantieren. Meistens werden sie auch biologisch ernhrt. Doch werden sie noch so glck-lich gehalten sie landen trozdem eines Tages im Kochtopf. Ein langer Transport bleibt ihnen erspart, denn sie dienen der Selbstversorgung. In den Eintopf gelangen auch die selbst gezogenen Tomaten, Kartoffeln, Zwie-beln und weitere Gemsesorten, die hier das Prdikat biologisch verdienen. Denn in Cerro Verde entstanden nicht nur neue Huser mit sanierten Kochstellen, die Bevlkerung wurde auch zum biologi-schen Anbau von Gemse und Frchten geschult. Dabei entstand sogar ein Koch-buch traditioneller Rezepte mit lokalen Produkten. Der salvadorianische Eintopf von Cerro Verde, der diesem Rezeptbuch entstammt, ist ebenso schmackhaft wie gesund. magazinhumanite.ch/rezepte

    rezeptWinterlicher eintopf aus den tropenAls Selbstversorgerinnen bereiten El Salvadors Buerinnen am Sonntag und an Festtagen einen ebenso einfachen wie schmackhaften Eintopf zu. Im Dorf Cer-ro Verde ist die Zubereitung dank der verbesserten Kochstelle leichter als frher.

    el Salvador

    TExT: KARL SCHULER BILDER: FLoRIAN KoPP

    Dank der verbesserten Kochstelle mssen die Kchinnen von Cerro Verde beim Zubereiten der Gerichte nicht mehr den schdlichen Rauch einatmen

    Die Sopa de pollo ist besser und gesnder als Fast food

    Humanit 1/2012 29

  • Fr Humanit zeichnet Karma alias Marco Ratschiller. Er ist Cartoonist und Chefredaktor des Satire-Magazins Nebelspalter.

    labyrinthVom Start bis ans Ziel wird der Weg mit feinen Linien markiert. Den gefundenen Weg ausfllen und schon erscheint das Bild.

    4 0 0 2 2 0 1( C ) C o n c e p t i s P u z z l e s

    kreuz & quer

    HuMANIT 4/2011Lsungswort des letzten Kreuzwortrtsels:FUeR ANDeRe DA SeIN

    Wir gratulieren den Gewinnerinnen und Gewinnern:Beat Adam, BibersteinHelene Brgin, RiggisbergDenis Gutknecht, Geneveys-CoffraneMarkus Lussi, SchaffhausenValentin Tschinder, Volketswil

    brige Lsungen der letzten Ausgabe:

    Die Lsung zum Sudoku, zum Wort-suchspiel und zum Labyrinth finden Sie jeweils in der nchsten Ausgabe oder im Internet. magazin-humanite.ch

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    30 Humanit 1/2012

  • kreuz & quer

    Kreuzwortrtsel

    Wortsuchspiel Finden Sie die 20 Wrter horizontal, vertikal und diagonal. Die Buchstaben knnen fr mehrere Wrter gelten.

    Wir verlosen unter allen korrekt einge-schickten Lsungswrtern des Kreuzwort-rtsels fnf Wasseruhren. Die Wasser-Tischuhr in modernem Design braucht keine Batterien. Nur gelegentlich etwas Wasser in den Tank fllen und schon sehen Sie, wie die Zeit verrinnt. Senden Sie das Lsungswort und Ihre Adresse in einem E-Mail an [email protected] oder auf einer Postkarte an:

    Schweizerisches Rotes KreuzMagazin Humanitpostfach, 3001 Bern

    Einsendeschluss: 16. April 2012

    Sudoku

    Fllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blcke nur einmal vorkommen.

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    geWinnen

    Artikel bestellen: redcross.ch/shop

    Humanit 1/2012 31

  • Jahrzehnte trennen die generationen. das Jugend-rotkreuz verbindet sie und frdert das soziale engagement der Jugend.

    unsere Hilfe braucht ihre Spende.Postkonto 30-9700-0