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Liveerlebnis im Konzertsaal Wenn Musik erklingt, ist das ein einmaliges und unwiederholbares Ereignis Heidi Maria Glössner Die bekannte Schauspielerin führt durch die festliche Neujahrsgala im Casino Bern Sven Epiney Der quirlige TV-Star moderiert eine komödiantisch- musikalische Show im KKL Luzern Lisa Stoll Die meisterhafte Alphornspielerin lädt ein zum volkstümlichen Musikanten-Treff Daniel Ottensamer Der Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker ist zu Gast in der Tonhalle Maag in Zürich Eine Zusammenarbeit der SonntagsZeitung mit Obrasso Classic Events Musik Einzigartige Akustik Ein Konzertsaal, der den Besuch zum Erlebnis macht Das KKL Luzern — 9 Beste Unterhaltung Artisten, die mit Orchester das Publikum begeistern A Circus Symphony — 14 Virtuose Interpreten Der Chorgesang, der im Innersten berührt Moskauer Kathedralchor — 12

Musik · 2020. 3. 9. · wegs.Für dasProjekt konnte Gilbert Tinner gewonnen werden, einer der Arrangeure von Pepe Lienhard.Mit von der Partie sind The Sam Singers, die einen gewaltigen

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Text of Musik · 2020. 3. 9. · wegs.Für dasProjekt konnte Gilbert Tinner gewonnen werden, einer der...

  • Liveerlebnis imKonzertsaal

    WennMusik erklingt, ist das ein einmaligesund unwiederholbares Ereignis

    Heidi Maria GlössnerDie bekannteSchauspielerin führtdurch die festlicheNeujahrsgala imCasino Bern

    Sven EpineyDer quirlige TV-Starmoderiert einekomödiantisch-musikalischeShow im KKL Luzern

    Lisa StollDie meisterhafteAlphornspielerinlädt ein zumvolkstümlichenMusikanten-Treff

    Daniel OttensamerDer Soloklarinettistder WienerPhilharmoniker ist zuGast in der TonhalleMaag in Zürich

    Eine Zusammenarbeit der SonntagsZeitung mit Obrasso Classic Events

    MusikEinzigartige AkustikEin Konzertsaal, der denBesuch zum Erlebnis machtDas KKL Luzern— 9

    Beste UnterhaltungArtisten, die mit Orchesterdas Publikum begeisternA Circus Symphony— 14

    Virtuose InterpretenDer Chorgesang, der imInnersten berührtMoskauer Kathedralchor— 12

  • 3. November 2019 | sonntagszeitung.ch2 Musik

    MUSIK ist eine Sonderbeilageder SonntagsZeitung inZusammenarbeitmitObrassoClassic Events

    Leitung und Produktion:Dominic GeisselerRedaktion: Erik Brühlmann, MariusLeutenegger, Céline TapisArt Direction: Tobias GaberthuelLayout:Natalie SeitzFotoredaktion:Suse HeinzTitelfoto:KKLLuzernLeitungVerlag:Marcel TappeinerTamedia Advertising: PhilippMankowski (Chief Sales Officer),AdrianoValeri (Head of Advertising)

    Impressum

    Céline Tapis

    Im Jahre 1991 – genau 200 Jahre nachMozarts Tod – gründete der renom-mierte Londoner Impresario RaymondGubbay das Mozart Festival OrchestraLondon. Das Orchester ist seitherjeweils im November mit seinen höchsterfolgreichen Programmen auf grosserTournee und gastiert in so bedeuten-den Konzertsälen wie der Philharmo-nic Hall in Liverpool, der BridgewaterHall in Manchester oder der RoyalAlbert Hall in London.

    Unter der Leitung des international be-kannten Violinisten David Juritz ist dasMozart Festival Orchestra London indieser Saison erneut im KKL Luzern zuGast. Die Musikerinnen und Musikersind in originalgetreue Kostüme geklei-det, lassen das opulente Zeitalter desBarocks aufleuchten und nehmen dasPublikum mit auf eine musikalischeZeitreise. «Die Kostüme sind herrlich –nicht nur aus Sicht des Publikums», sagtDavid Juritz. «Auch für die Musikerfühlt sich ‹Four Seasons by Candlelight›dank Perücken und Gehröcken nie wie

    ein gewöhnliches Konzert an.» Passendzum Ambiente ist die Bühne mit gol-denen, kunstvoll geschwungenen Ker-zenleuchtern geschmückt, die den Kon-zertsaal in ein warmes Licht tauchenund dem Abend einen besonderen Zau-ber verleihen.

    Für David Juritz ist dieses Konzertein Höhepunkt des Jahres. «Ein wun-dervoller Saal und ein tolles Publikum»,schwärmt der gebürtige Südafrikaner.In diesem Jahr steht eine erlesene Aus-wahl an barocken Meisterstücken vonGeorg Friedrich Händel, Johann Sebas-

    tian Bach, Marc-Antoine Charpentierund anderen gefeierten Komponistenauf dem Programm, zudem die «Klei-ne Nachtmusik» des Namensgebersdes Orchesters. Seinen fulminantenAbschluss findet der festliche Abendmit Vivaldis Meisterwerk «Die vierJahreszeiten». Eine höchst atmosphäri-sche Einstimmung auf die kommendenFeiertage.

    The Four Seasons by CandlelightSonntag, 10. November 2019, 17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Mit allen SinnendenBarock erleben

    WunderschöneMusik, prächtige Kostüme und eine festliche Atmosphäre – dasMozart Festival Orchestra London entführt das Publikum in die Vergangenheit

    MusikalischeZeitreise:

    Gespielt wird inoriginalgetreuen

    Kostümen

    Nein, ein Alterswerk von WolfgangAmadeus Mozart gibt es nicht. Dafürstarb der berühmteste Komponist derMusikgeschichte zu früh, nämlich mitnoch nicht einmal 36 Jahren. Aber essteht ausser Frage, dass seine letztenWerke von besonderer Tiefe sind – ebenwie die Alterswerke anderer Komponis-ten. Und dass er in seinem Todesjahr1791 nochmals Grosses leistete. DasKöchelverzeichnis, die chronologischeAuflistung aller seiner Werke, führt fastganz am Schluss die Opern «La Cle-menza di Tito» und «Die Zauberflöte»,das fantastische KlarinettenkonzertA-Dur und natürlich das berühmteRequiem auf, das zu den meistgespiel-ten Kompositionen Mozarts gehört.

    Das Requiem – die Totenmesse – istgemäss Köchelverzeichnis das letzte

    Werk von Mozart überhaupt. Er schriebes im Auftrag des Grafen Franz vonWalsegg, der aber nie persönlich beiMozart vorsprach, sondern für die Auf-tragsabwicklung einen «grauen Boten»sandte. Um dieses Werk ranken sichzahllose Mythen.

    Bereits 1798, also nursieben Jahre nach dem TodeMozarts, mutmasste ein Mu-sikschriftsteller, der «graueBote» sei ein Wesen aus demJenseits gewesen – und Mo-zart habe gewusst, dass ereigentlich seine eigene To-tenmesse schreibe. Tatsäch-lich verstarb der Komponist noch wäh-rend der Arbeit am Requiem, woraufdieses von zwei seiner Schüler fertig-gestellt wurde.

    Das Klarinettenkonzert A-Dur voll-endete Mozart aber noch selbst – etwaeinen Monat vor seinem Tod. Es gilt alsMeisterwerk. Das wunderschöne Ada-gio, der zweite Satz, dürfte zu den be-

    kanntesten Stücken des Komponis-ten überhaupt gehören. Wegen

    seiner eingehenden Melodikund sanften Dramatik eignetes sich ideal für die Unterma-lung romantischer Szenen in

    Filmen. So kam es etwa in«Out of Africa» oder «TheKing’s Speech» zum Einsatz.

    Am 8. Februar bietet sichin der Tonhalle Maag in Zü-

    rich eine gute Gelegenheit, sich mit dreider letzten Werke von Mozart ausein-anderzusetzen: Dirigent ManfredObrecht führt mit der Philharmonie Ba-

    den-Baden und dem AkademischenChor Zürich die Ouvertüre zur Oper«Die Zauberflöte», das Requiem sowiedas Klarinettenkonzert in A-Dur auf.Für Letzteres konnte einer der weltweitbesten Soloklarinettisten gewonnenwerden: Daniel Ottensamer. Er ist So-loklarinettist der Wiener Philharmoni-ker und des Orchesters der WienerStaatsoper. Das KlarinettenkonzertA-Dur gehört zu seinen Paradestücken.Gemäss Kritiker spielt er es mit «mit-reissender Verve, berührender Innig-keit und technisch brillant». Eindrück-licher bekommt man dieses Werk wohlselten zu hören. Marius Leutenegger

    Mozart RequiemSamstag, 8. Februar 2020, 19.30 UhrTonhalle Maag Zürich, Konzertsaal

    Das Letzte vonMozartAn einemmitreissenden Konzertabend präsentiert eine hochkarätige Besetzung in der Tonhalle Maag

    in Zürich drei Werke, die Mozart in seiner allerletzten Lebensphase komponierte

    WolfgangAmadeus Mozart

    DominicGeisseler

    Es gilt als eines der schönstenund besten Konzerthäuser derWelt – trotz des nicht geradeharmonisch klingenden Namens(der eigentlich nur als Provisoriumgedacht war, heute aber fürabsoluten Musikgenuss steht):das KKL Luzern. Hier, in diesemvom Stararchitekten Jean Nouvelentworfenen Musiktempelam Vierwaldstättersee hat dieFamilie Obrecht und ihr Teamihre Zelte aufgeschlagen.

    Gut, campieren tut sie nicht,aber als grösster privaterVeranstalter mit Dutzendenvon Konzerten ist das KKLLuzern für die Familie schonfast so etwas wie ein zweitesZuhause geworden. «Währendder Konzertsaison wird dasDirigentenzimmer sozusagen zumeinem Wohnzimmer», sagtetwa Manfred Obrecht. Er istnicht nur Dirigent, sondern auchkünstlerische Seele der Konzert-agentur Obrasso Classic Events.

    Aber nicht nur er, gleich fünfFamilienmitglieder sind vorund hinter den Kulissen fürdie Firma tätig. – Eine ganzmusikalische Familie also. Underfolgreich dazu. 64000 Besucherströmen jedes Jahr in eines derrund fünfzig Obrasso-Konzerteund lassen sich von denschönsten Opernchören oderdem Verdi Requiem verzaubern(das gerade heute Abend imausverkauften KKL stattfindet).Mainstream, werden Sie jetztsagen. Da ist es keine Hexerei,mit ein paar eingekauftenProduktionen einen Konzertsaalzu füllen. Richtig! Doch wasabsolut perfekt ist und vielgespielt wird, muss nicht schlechtsein. Und: Die meisten Konzertevon Obrasso Classic Events sindohnehin Eigenproduktionen.

    Denn die Familie mit Musik imBlut wagt auch Experimente,bringt unterschiedlichste Musik-stile zusammen oder geht bei derProgrammierung neue Wege. Sozeigt etwa der Fotograf TobiasMelle seine Fotos von Townshipsund Favelas aus der ganzen Welt,sekundengenau choreografiert,zur live gespielten Neunten vonBeethoven. Und die virtuoseAlphornspielerin Lisa Stollzelebriert ihre Kunst auf demHirteninstrument im grossenKonzertsaal des KKL. Mitdabei ist der Zürcher OrganistFelix Gubser, der die Königinder Instrumente mit ihren66 Registern und 4387 Pfeifenzum Klingen bringt.

    4387 Pfeifen undein Alphorn

    Editorial

  • sonntagszeitung.ch | 3. November 2019 Musik 3

    Céline Tapis

    Das Format erinnert an eine Fern-sehshow: Vier Acts und ein Mo-derator, der durch den Abendführt und mit seinen Gästen plau-dert. Doch «Art of Entertaining»ist viel mehr. «Wir machen keineTalkshow mit ein bisschen Mu-sik», erklärt Sven Epiney. «ImZentrum stehen die Auftritte derKünstlerinnen und Künstler.»

    Epiney versteht sich als roterFaden, der dafür sorgt, dass derAbend in seiner ganzen Vielfaltzusammenhält. «Ich möchte eineAtmosphäre schaffen, in der sichalle wohlfühlen und gern auch et-was von sich erzählen.» Für dasPublikum ist dies denn auch dasgrosse Plus gegenüber einem ge-wöhnlichen Konzert. «Es gibtBands, die ihre Lieder mit eini-gen Worten ankünden – anderesagen gar nichts zwischen denSongs», sagt Epiney. «Die Veran-staltung ist eine schöne Gelegen-heit, um die Künstler ein bisschenbesser kennenzulernen.» FürSven Epiney, einer der bekann-testen und beliebtesten Modera-toren der Schweiz, unterscheidetsich die Vorbereitung für einensolchen Anlass kaum von jenerfür eine Fernsehshow. «Ich binimmer bestmöglichst vorbereitet,ich brauche ein gut gefülltesRucksäckli», sagt er. Am Abendselber passiere dann noch genugUnverhofftes, auf das man spon-tan reagieren müsse.

    Die Gelegenheit, gleich viergrossartige Acts zu sehen

    «Art of Entertaining» findet indiesem Jahr bereits zum drittenMal statt. Die Luzerner SängerinEliane, die schon vor einem Jahrmit dabei war, hat die Veranstal-tung noch in bester Erinnerung.«Die Stimmung an diesem Abendwar richtig toll – bereits hinter derBühne.» Auch der ModeratorSven Epiney ist begeistert vomVeranstaltungsformat: «Norma-lerweise besucht man an einemAbend ein einzelnes Konzert, hierhat man die Gelegenheit, gleichvier grossartige Acts zu sehen.»Zudem biete der Abend die Chan-ce, Neues zu entdecken und be-reits Bekanntes von einer neuenSeite kennenzulernen. Auf demProgramm steht denn auch einvielfältiger Mix. «Wir präsentie-ren ein Staraufgebot an Unterhal-tungskünstlern», weiss Epiney.

    Auch Eliane freut sich auf denAnlass. «Es nimmt einem denAtem, wenn man auf diese Büh-ne tritt», erzählt die sympathi-sche Sängerin. Vor ihrem Auftrittam «Art of Entertaining» habesie den Konzertsaal im KKL nuraus der anderen Perspektive –«von oben herab» – gekannt. «Ichfreue mich, wieder in diesem ge-waltigen Konzertsaal spielen zudürfen, und vor allem auch dar-auf, dass ich diesmal meine Banddabei habe.»

    Eliane Müller, wie die Luzer-nerin mit vollem Namen heisst,hat eben ihr fünftes Album auf-genommen. Es ist im Oktober er-schienen und heisst schlicht undeinfach «Eliane». Dafür reiste sieim Sommer letzten Jahres für ei-nige Wochen durch Skandina-vien, wo sie sich mit unterschied-lichsten Musikern, Komponistenund Songwritern traf. Produziertwurde das Album dann in Lon-don. Sie nahm sich für das Albumviel Zeit – und das hat sich aus-

    Der deutscheSchauspieler SkyduMont ist bereitsmit StarswieNicole Kidman und Tom Cruise vor der Kamera gestanden. DuMont hat seineKindheit inArgentinien, EnglandundderSchweizverbracht unddie Schauspielschule inMünchenbesucht. Inter-nationale Aufmerksamkeit erlangte er mit seiner Rolle im letz-ten FilmvonStanleyKubrick «EyesWideShut» sowiemit seinerDarstellungdesSantaMaria in «DerSchuhdesManitu». Am«Artof Entertaining» ist du Mont gemeinsam mit Christine Schützemit einem kabarettistischen Bühnenprogramm zu Gast.

    Kabarett mit Schauspieler von Weltformat

    Ueli Schmezer ist dem Schweizer Publikum vor allem als Mo-derator der Sendung Kassensturz bekannt. Aber Schmezer istauchein grosserMani-Matter-Fan. ImJahr 2003gründete ermitdenMusikernMatsKüpfer,Michel Poffet undLucasStähli «Mat-ter Live» – eine Band, die sich ausschliesslich den Liedern vonMani Matter widmet. Seit 2016 spielt die Band ohne Küpfer undStähli, dafür mit Nick Perrin in einer neuen Formation. DieMusi-ker sind überzeugt: Bei Matter gibt es musikalisch viel zu ent-decken. Und er ist auch heute noch hochaktuell.

    Mani Matter begeistert noch heute

    Geboren im Diemtigtal ist Miss Helvetia – mit bürgerlichem Na-men Barbara Klossner – heute in der ganzen Welt unterwegs.Ihre Art, traditionsreiche Lieder neu zu interpretieren und mo-dernePopsongsmit Jodelpassagen zu kombinieren, kommtgutan. Unddas längst nicht nur in derDeutschschweiz – auch in derRomandie und im Ausland feiert sie grosse Erfolge. Die quirligeMusikerin lässt sich gern auch für ungewöhnliche Projekte be-geistern: Im Herbst 2018 spielte sie mit einem Hip-Hop-Künst-ler in Afrika und bot in China Jodel-Crashkurse an.

    Popsongs mit Jodelpassagen kombiniert

    gezahlt: «Eliane» ist ein grossarti-ges, vielschichtiges und emotio-nales Album – zurück zu denWurzeln der Künstlerin. Kostpro-ben davon wird Eliane am «Artof Entertaining» zum ersten Malüberhaupt live spielen.

    Wer kennt sie nicht! Den «Fer-dinand», den «Sidi Abdel Assar»oder den «Hansjakobli»? Vielewerden durch die Lieder des Ber-ner Liedermachers und Trouba-dours Mani Matter an ihre Kind-heit erinnert, haben sie die Lie-der doch alle in der Schule oderin der Pfadi gesungen. Die Textesind humorvoll, die Melodieneingängig, und so manches Kindhat sich gefreut, beim Lied überden tragischen Alpenflug endlichmal «gopferteli!» rufen zu dürfen.Doch wer genauer auf den Textachtet, findet nicht allein beim«Zündhölzli» scharfsinnige Be-obachtungen und hochpolitischenZündstoff.

    Dass Matters Texte noch heu-te begeistern und aktuell sind,steht für den Berner Journalistenund Musiker Ueli Schmezerausser Frage. Gemeinsam mitdem Gitarristen Nick Perrin unddem Bassisten Michel Poffet ister als «Matter Live» unterwegs.Die Band interpretiert MattersMeisterstücke neu – da kann der«Wecker» schon mal in Südame-rika klingeln, oder der «WilhelmTell» im Wilden Westen spielen.

    Mit Jodel-Crashkursen rundum den Globus unterwegs

    Auch Barbara Klossner ist eineMeisterin der Neuinterpretation.Als Miss Helvetia steht die Jod-lerin und Schwyzerörgelerin welt-weit auf der Bühne und begeis-tert das Publikum mit ihrer kräf-tigen Stimme und ihrem grossenUnterhaltungstalent. Die gebür-tige Diemtigtalerin fühlt sichihren Wurzeln stark verbundenund schöpft aus dem reichenSchatz der Traditionen. Die Fund-stücke verarbeitet sie nach Lustund Laune und ergänzt sie etwamit Elementen aus der Popmu-sik. So kreiert sie ihre eigeneKunst. Mit Erfolg: Ihr Debüt-album «E Guete» schaffte es aufPlatz 4 der Schweizer Album-charts – und für Auftritte undJodel-Crashkurse ist sie rund umden Globus unterwegs.

    Den vierten Gast des Abendskennt das breite Publikum vorallem von seinen Rollen in derWestern-Parodie «Der Schuh desManitu» oder Stanley Kubricks«Eyes Wide Shut». Der deutscheSchauspieler Sky du Mont, der inArgentinien geboren wurde undin der Schweiz seine Maturamachte, wird das Publikum am«Art of Entertaining» mit der Pia-nistin und Kabarettistin Christi-ne Schütze bestens unterhalten.

    Das Duo gastiert mit dem ko-mödiantisch-musikalischen Büh-nenprogramm «Beziehungs-Wei-sen» in Luzern. Es geht um Miss-verständnisse, liebevolle Stiche-leien, Selbstironie – und um klei-nere und grössere menschlicheSchwächen. «Es wird ein beson-derer und kurzweiliger Abend»,verspricht Sven Epiney. «Eineganz wunderbare Mischung auslocker und stilvoll. Und das allesnoch an allerbester Lage.»

    Art of EntertainingFreitag, 15. November 2019,19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    EinAbend voller EntdeckungenDer Konzertabend «Art of Entertaining» bietet ein komödiantisch-musikalisches Bühnenprogramm.

    Moderiert von Sven Epiney, steht der Anlass ganz im Zeichen erstklassiger Unterhaltung

    «Wir präsentieren ein Staraufgebot an Unterhaltungskünstlern»: Moderator Sven Epiney

    Die Luzernerin ElianeMüller sang sich2012ander zweitenAus-gabe von «Die grössten Schweizer Talente» in die Herzen derZuschauerinnen und Zuschauer und überzeugte die Jury mitihrer gewaltigen Stimme. Nun kommt – sieben Jahre nach die-sem ersten grossen Erfolg – ihr fünftes Album heraus. Am «Artof Entertaining» spielt sie einige ihrer neuen Lieder zum erstenMal live. Da sie schon imVorjahr an der Veranstaltung teilnahm,weiss sie, was sie erwartet. UnddieVorfreude ist gross: «Eswirdein wunderschönes Gesamterlebnis.»

    Von der Casting-Show ins KKL Luzern

  • sonntagszeitung.ch | 3. November 2019

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    Keine Stadt zelebriert Weihnach-ten mit solcher Hingabe wie NewYork. Xmas in Manhattan hatunsere Wahrnehmung für diesesFest geprägt – mit dem berühm-

    ten Weihnachtsbaum am Rockefeller Cen-ter, Schlittschuhlaufen im Central Park oderden Gospelchören, die man überall antrifft.

    Kilian Rosenberg von Obrasso Concertsweiss: Die New Yorker Weihnachten sindauch hier äusserst beliebt. Und so veranstal-tet er ein Konzert, das das Publikum nachManhattan holt. Alles, was es dafür braucht,ist ein 14-köpfiges Orchester mit einer BigBand Section und Streichern, eine Sängerinund und einen Sänger, in deren AdernGospel, Soul und Blues fliessen – und eine

    Dekoration, die einen umhaut.» Die Kulis-se ist tatsächlich ausgesprochen üppig: Aufder einen Seite der Bühne steht ein funkeln-der Weihnachtsbaum, auf der anderen Sei-te ist Santa Claus mit seinem Rentier unter-wegs. Für das Projekt konnte Gilbert Tinnergewonnen werden, einer der Arrangeure vonPepe Lienhard. Mit von der Partie sind TheSam Singers, die einen gewaltigen SchussAndrews Sisters auf die Bühne bringen. In-spiriert werden die Darbietungen von Weih-nachtsliedern von Bing Crosby, WhitneyHuston oder Michael Bublé. That’s Xmas!

    NewYork ChristmasDonnerstag, 19. Dezember 2019, 19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    VonAmerika nach LuzernNewYork Christmas bringt die fröhliche Advents-Stimmungaus Manhattan und die schönstenWeihnachtschnulzen aus

    Amerika an den Vierwaldstättersee

    Als Dirigent und Trompeter hatManfred Obrecht einen beson-deren Draht zur Bläsermusik.Vor zehn Jahren entschied sichder Weihnachtsfan, seine Leiden-

    schaften zu kombinieren – und so rief er«Christmas in Lucerne» ins Leben: eineWeihnachtsfeier, die von einer Blechbläser-formation geprägt wird. Aber nicht von ir-gendeiner: Der «Classic Festival Brass», diejeweils nur für diesen Anlass zusammen-kommt, gehören Spitzenmusiker aus fünfNationen an. Das Konzert entführt das Pu-blikum für einige Momente in eine eigeneWelt und stimmt auf Weihnachten ein. Ob-recht: «In vielen Familien wird das Fest janicht mehr traditionell zelebriert, und ge-

    nau da wollen wir eine Lücke füllen. Deshalblässt das weihnächtliche Galakonzert denSaal Jahr für Jahr aus allen Nähten platzen.»

    Zu einer richtigen Feier gehören aber auchWeihnachtsgeschichten. «Wir holen deshalbfür die Lesung, die wir in den Anlass integ-rieren, ebenfalls Spitzenleute», sagt ManfredObrecht. Dieses Jahr ist das die deutscheSchauspielerin Christine Neubauer. Undauch ein mächtiger Chorgesang darf nichtfehlen. Die Classic Festival Brass begleitetheuer den Moskauer Kathedralchor.

    Christmas in LucerneSamstag, 14. Dezember 2019, 19.30 UhrSonntag, 15. Dezember 2019, 17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Weihnachtenwie zuHause,aber viel eindrücklicher

    Christmas in Lucerne erobert die Herzen derZuhörer mit der Schauspielerin Christine Neubauer,

    Classic Festival Brass und demMoskauer Kathedralchor

    Glenn Miller (1904 –1944) wareiner der Könige der Swing-Ära.Von ihm stammen die berühm-ten Evergreens wie «MoonlightSerenade» oder «In the Mood»,

    und seine Big Band gehörte zu den bedeu-tendsten der Epoche. Bis heute hat dieserüppige, von der Klarinette geprägte Glenn-Miller-Sound eine grosse Fangemeinde.Dafür spricht, dass ihn unzählige Nach-ahmer zu kopieren versuchen. Doch welt-weit gibt es nur gerade drei Formationen,die sich offiziell «Glenn Miller Orchestra»nennen dürfen. Sie werden von den ErbenGlenn Millers lizenziert.

    Am 1. Advent ist eines dieser drei Orches-ter im KKL Luzern zu sehen: jenes, das Euro-

    pa bespielt und das vom Niederländer WilSalden geleitet wird. Der Name des Pro-gramms sagt eigentlich schon alles: «Swin-ging Christmas» – das groovt wie in den30er-Jahren. Natürlich verbreiten dieschwungvollen Interpretationen der bekann-testen Weihnachtslieder festliche Stimmung,die exzellente Band ist aber immer auch miteinem Augenzwinkern unterwegs und unter-hält hervorragend. Swing ist eben pure Le-bensfreude. Ja mehr noch: «It don’t mean athing – if it ain’t got that swing» – ohne Swingist alles bedeutungslos.

    Swinging ChristmasSonntag, 1. Dezember 2019, 17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Mit perfektemSchwungin denAdvent

    The Glenn Miller Orchestra entführt seine Zuhörerinnen undZuhörer in die 30er-Jahre – und lässt mit einem Augenzwinkern

    die grosse Zeit der Big Bands wieder aufleben

    Volkstümliche Konzerte gibt esin der Schweiz ständig. Aber einvolkstümliches Weihnachtskon-zert? «Das hat Seltenheitswert»,sagt Kilian Rosenberg von Obras-

    so Concerts. Die Lücke hat die Agentur fül-len wollen, und so ist die «VolkstümlicheWeihnacht» entstanden. Sie geht im KKLLuzern über die Bühne und wird von SämiStuder moderiert, den man von der Musik-welle von Radio SRF kennt. Rosenberg: «Die-ser Anlass schafft spannende Kombinatio-nen und bringt unterschiedliche Musikerin-nen und Musiker zusammen.» Gestaltet wirddas Programm vom Jodlerchörli LehnEscholzmatt, Willis Wyberkapelle mit Chris-tian Enzler, dem Bläserensemble SöreBläch

    und dem Äschlismatter Jodlerterzett. VieleStücke wurden neu arrangiert, einige garspeziell für diesen Anlass komponiert. Vorallem wird die berühmte Orgel des KKL Lu-zern ins Programm integriert. Organist istMarkus Kühnis. Kilian Rosenberg: «Eine sol-che Verbindung von Interpreten ist einma-lig.» Und einmalig sei auch, diese Musik ineinem solchen Rahmen geniessen zu kön-nen. «Selbstverständlich werden wir auchdie Bühne volkstümlich-festlich gestalten»,so Rosenberg. Weihnachten erhält so dankObrasso Concerts eine ganz besondere Note.

    VolkstümlicheWeihnachtMittwoch, 11. Dezember 2019, 19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Ein Jutz aufWeihnachtenVolkstümlicheWeihnacht ist ein Must nicht nur für die

    Ländlerfans – sondern für all jene, die besondere Musik ineinem ganz besonderen Umfeld geniessen wollen

    Elegant, festlichundüberwältigend

    Die grosseWeihnachtsgala von Obrasso Concerts setzt ganz auf Emotionen.Ein eindrücklicher Klangkörper und die Kindheitserinnerungen des Publikumstragen dazu bei, dass das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis wird

    Marius Leutenegger

    «In unserer Familie wird Weihnach-ten seit jeher gefeiert», sagt Man-fred Obrecht und lacht: «Reicht derWeihnachtsbaum nicht exakt bis an

    die Decke, bin ich enttäuscht.» Die Verbin-dung von Musik und Weihnachten ist fürManfred Obrecht selbstverständlich. Dievon seiner Familie geführte KonzertagenturObrasso Concerts veranstaltet im Adventnicht weniger als fünf grosse Weihnachts-anlässe. Zwei davon werden zweimal durch-geführt, was die Zahl der Events auf siebenerhöht. Und bei vieren davon steht ManfredObrecht selber am Dirigentenpult. Ja, kommtder Weihnachtsfan angesichts dieses dich-ten Programms denn überhaupt noch dazu,das Fest der Feste selber zu geniessen undmit der Familie besinnlich zu begehen? «Na-türlich», meint er, «das lasse ich mir nichtnehmen – und rund um den Heiligabendgibt es ja keine Konzerte.»

    Eines der Herzstücke der Obrasso-Weih-nachtspalette ist «Die grosse Weihnachtsga-la». Solche Weihnachtskonzerte sind im Aus-land schon seit vielen Jahren ein Renner,etwa in Wien oder Dresden. In der Schweizgab es bislang noch keine derartigen Ange-bote. Der grosse Erfolg der Gala in den letz-ten Jahren zeigt aber, dass Obrasso Concertshier ein weit verbreitetes Bedürfnis erfüllt.Darum wird das Konzert auch zuerst in Bernund dann noch einmal in Zürich aufgeführt.

    Auch das klassische weihnächtlicheLiedgut kommt nicht zu kurz

    Mit der Philharmonie Baden-Baden unddem Classic Festival Chor präsentiert Man-fred Obrecht ein äusserst vielfältiges, kurz-weiliges und stimmiges Programm aus so-wohl bekannten als auch nicht oft gehörtenStücken. Zur ersten Gruppe zählen Werkevon Wolfgang Amadeus Mozart, GeorgFriedrich Händel und das unvergleichliche«White Christmas» von Irving Berlin. Der

    zweiten Gruppe könnte man etwa die Pro-zession aus der Oper «Mlada» von NikolaiRimski-Korsakov oder «Pie Jesu» vom briti-schen Musical-Komponisten Andrew LloydWebber zuordnen. Die genannten Namenzeigen: Berührungsängste kennt ManfredObrecht nicht. Er studiert mit seinem Or-chester ein, was ihm passend zur Weih-nachtszeit erscheint. Das kann auch ein Stückaus einem Filmsoundtrack sein.

    Selbstverständlich kommt auch das klas-sische weihnächtliche Liedgut nicht zu kurz.Stimmen ein Sinfonieorchester und ein rie-siger Chor zusammen Hymnen wie «O Tan-nenbaum» oder «Still, still, still» an, entfal-tet sich eine gewaltige Kraft, die neue Pers-pektiven auf die Lieder eröffnet. KilianRosenberg, der bewährte Moderator vonObrasso Concerts, führt gewohnt humor-voll-besinnlich durchs Konzert. Er sagt: «Ichglaube, diese Gala ist deshalb ein so grosserErfolg, weil die Musik die Konzertbesucherim Innersten zu berühren vermag. Die meis-

    ten Menschen verbinden mit Weihnachtenschöne Kindheitserinnerungen, und dieselassen wir im Konzert auf elegant-festlicheArt wieder aufleben.»

    Ein Moment, der ihn jedes Jahr von neu-em überwältige, sei das abschliessende Sin-gen des Weihnachtsliedes «Stille Nacht» mitdem Publikum. «Da läuft es mir buchstäb-lich jedes Mal kalt über den Rücken, das istderart ergreifend. Stimmen 1300 Menschengemeinsam ein Lied an, das allen etwas be-deutet, schafft dies eine unheimlich starkeVerbundenheit. Publikum, Orchester undChor werden zu einer Gemeinschaft.» EinGänsehaut-Moment, wie es ihn in derSchweiz nicht oft gibt – der aber exakt zumFest passt, das hier vorgefeiert wird.

    Die grosseWeihnachtsgalaSamstag, 21. Dezember 2019, 19.30 UhrCasino Bern, KonzertsaalSonntag, 22. Dezember 2019, 17 UhrTonhalle Maag Zürich, Konzertsaal

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  • 3. November 2019 | sonntagszeitung.ch6 Musik

    Eine festliche Auswahl zum JahresbeginnNoch vor dem legendären Ball der Bälle an der Staatsoper ist dasWiener Opernball Orchester in Luzern zu Gast

    Der Wiener Opernball gilt als gesell-schaftliches Grossereignis: Über 5000Gäste nehmen am rauschenden Festteil, unzählige verfolgen die Veranstal-tung am Fernsehen. Die Wiener Staats-oper wird eigens für diesen Abend ineinen beeindruckenden Ballsaal ver-wandelt. Auf dem neu verlegten Par-kett tanzen die Besucherinnen und Be-sucher bis zum Morgengrauen. Der Ball,der üblicherweise am letzten Donners-tag vor dem Aschermittwoch stattfin-det, wird mit einem erstklassigen Pro-gramm künstlerisch eröffnet.

    Das Wiener Opernball Orchester, dasan der Eröffnung massgeblich mitwirkt,wird vom Schweizer Dirigenten An-dreas Spörri dirigiert. 2019 trat derOrchesterdirigent bereits zum zehntenMal am Wiener Opernball auf. «DerAnlass hat für mich auch nach all denJahren nie an Zauber verloren», sagtSpörri. «Das musikalische Programmist stets von höchster Qualität. Und esist grossartig, wie diese Gesellschaft bisin die frühen Morgenstunden über dasParkett tanzt, bis alle müde sind.» DasWiener Opernball Orchester wurde

    1982 als Ballorchester gegründet, dochinzwischen geht das Sinfonieorchestereiner regen Konzerttätigkeit nach undtritt auch international auf. «DieZusammenarbeit ist äusserst genuss-voll», erzählt Spörri. «Wir kennen unsalle schon sehr lange, das macht das Zu-sammenspiel zu einer wahren Freude.»

    Im KKL Luzern ist Andreas Spörrimit dem Opernball Orchester seit 2003ein regelmässiger Gast. Im Winter wirdjeweils ein Neujahrskonzert gespielt,in den wärmeren Monaten eine Som-mergala. «Die Neujahrsgala in Luzern

    ist für mich ein Fixpunkt im Kalender-jahr», sagt Spörri. «Denn das KKL hateinen der grossartigsten Konzertsäleüberhaupt.» Auf dem Programm ste-hen erlesene Stücke von Johann Strauss,Leo Fall, Franz Lehár und Franz vonSuppé. Die festliche Auswahl passt zumAnlass: «Für mich hat die Stimmungzum Jahresbeginn immer einen ganzbesonderen Glanz.» Céline Tapis

    Galakonzert zumNeujahrSonntag, 12. Januar 2020, 17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Marius Leutenegger

    Der chinesische Philosoph Konfuzius,der vor rund 2500 Jahren lebte, war einveritabler Musikfan. Das älteste erhal-tene Musikstück Chinas soll er gar per-sönlich komponiert und getextet ha-ben: «Einsame Orchidee». Trotz diesesetwas melancholisch klingenden Titelssah Konfuzius in der Musik vor allemeine Möglichkeit, kosmische Harmoniezu erreichen und den Menschen zueinem besseren Leben zu führen. Chi-nesinnen und Chinesen teilen dieseHaltung uneingeschränkt: Sie betrach-ten Musik als etwas Positives, als etwas,das grosse Freude bereitet.

    Diese Einschätzung ist im Reich derMitte schon sehr lang verbreitet. Diechinesische Musiktradition gilt als eineder ältesten der Welt, sie reicht über3000 Jahre zurück. Natürlich hat siesich in ihrer langen Geschichte starkentwickelt, und es gibt auch viele regio-nale Unterschiede. Man kann also nichtpauschal von «chinesischer Musiktra-dition» sprechen. Doch weist die chine-sische Musik generelle Merkmale auf,die sie von anderen Traditionen unter-scheidet. Melodik und Harmonik zumBeispiel wirken trotz auffallend gros-sen Intervallen nicht sprunghaft, weildie Melodien wellenförmig verlaufen.

    Die ganze Schönheit und Vielfalt dertraditionellen chinesischen Musikeinem breiten Publikum näherbringen– dieses Ziel verfolgt Obrasso Concertsseit 2011 mit dem jährlich stattfinden-den Grossen Chinesischen Neujahrs-konzert. «Als wir dieses Projekt erst-mals verfolgten, fragten wir uns: Kannunser Publikum einen ganzen Abendlang derart fremde Musik geniessen?»,sagt Kilian Rosenberg von Obrasso Con-certs. Die Antwort ist simpel: Es kann!

    Die Reihe ist seit dem ersten Kon-zert ein Vollerfolg. «Diese Musik isteben sehr perkussiv und strahlt vielEnergie aus», so Kilian Rosenberg. Ermoderiert die Konzerte jeweils mit vielHumor und Kompetenz. Dabei stellt eretwa die Eigenheiten der traditionellenInstrumente vor, oder bringt den Zu-hörern die Hintergründe der Stücke nä-her. Es spreche sehr für die Weltoffen-heit des Obrasso-Concerts-Publikums,dass die Reihe so gut ankomme, sagtKilian Rosenberg. Und es spricht auchfür dessen Vertrauen in die Veranstal-ter – denn was einen erwartet, weissman im Vorfeld nie so genau. Jedes Jahrtritt ein anderes Orchester aus einer an-deren chinesischen Region auf. Die Rei-he als Ganzes ist also eine musikalischeTour de Chine, auf die man sich unvor-eingenommen einlassen muss.

    Aber auch die Veranstalter selberwissen meist lang nicht, welches Or-chester auftreten wird. Die Konzert-reihe ist eine Kooperation mit einer chi-

    Die Pipa

    EinUniversumentdecken«Das Grosse Chinesische Neujahrskonzert» ist eine der erfolgreichsten Reihen von

    Obrasso Concerts. Jedes Jahr tritt ein anderes Orchester aus dem Reich der Mitte auf

    Eines der Instrumente, das beim Gros-senChinesischenNeujahrskonzert einebedeutendeRolle spielt, ist die Pipa. Sieweist eine rund 2000-jährige Traditionauf. Optisch ist sie vergleichbarmit derwestlichen Laute, weist imUnterschiedzu dieser aber nur vier Saiten auf. Auchdie Zahl der Bünde variiert stark, ent-sprechend vielfältig ist das Repertoire,dasmit diesem Instrumentgespieltwird.Eine besonders wichtige Rolle spieltedie Pipa während der Tang-Zeit vomsiebten bis zum zehnten Jahrhundert.In dieser Epoche erhielt die Pipa auchihre heute noch gültige Birnenform.

    Jahrtausendealte Tradition: Beim Grossen Chinesischen Neujahrskonzert kommt die Pipa zum Einsatz

    nesischen Agentur, die jedes Jahr ge-zielt das richtige Orchester sucht. Die-se Agentur weiss, was das Publikumvon Obrasso Concerts erwartet – näm-lich höchste Qualität, Authentizität undOriginalität. Das diesjährige Gast-orchester erfüllt diese Voraussetzungenfraglos: Das preisgekrönte Hong KongChinese Orchestra gilt als eine der füh-renden Formationen für traditionellechinesische Musik, mit ihm wurde 2011die Reihe im KKL Luzern auch gestar-tet. 1977 gegründet, gehören dem Or-chester heute über neunzig hochkarä-tige Musikerinnen und Musiker an. ImKKL Luzern wird es ein eindrücklichesProgramm präsentieren. Dazu zählenAusschnitte aus der hochdramatischen

    «Desert Smoke Suite», berührendeSolodarbietungen, spannende Neu-schöpfungen und wunderschöne Inter-pretationen alter Melodien. China istmusikalisch tatsächlich ein Universum.Am 24. Januar 2020 bietet sich nacheiner kurzen Reise ins KKL Luzern dieideale Möglichkeit, dieses Land zu ent-decken. Eine Gelegenheit, die zwar jähr-lich wiederkehrt, aber doch einmaligist: Ein Konzert mit traditionellen Ins-trumenten und diesem hohen Anspruchgibt es sonst nirgends zu hören.

    Das Grosse ChinesischeNeujahrskonzertFreitag, 24. Januar 2020, 19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Sie sind bekennenderKlassikfan. Was bedeutetIhnen dieseMusik?Ja, ich bin ein grosser Klassikfan –doch vor allem begeistert mich dieOper. Den Opernsängerinnen und-sängern am Konzert Theater Bernhabe ich immer wieder gesagt, wiesehr ich sie beneide. Musik ist et-was Göttliches, sie geht direkt insHerz. Ich höre privat fast aus-schliesslich klassische Musik, na-türlich mag ich auch Jazz oder daseine oder andere Popstück, dochmit Klassik bin ich aufgewachsen.Ich erinnere mich, wie ich als klei-nes Mädchen mit meiner Tante Idaam Radio Verdi-Opern hörte.Sie führen an der festlichenNeujahrsgala im Casino Berndurch den Abend. MachenSie so etwas öfter?Ich habe vor zwei Jahren in Luzerndurch drei Weihnachtskonzertemit Pepe Lienhard geführt. Ich ma-che das gern, bin aber immer auchwahnsinnig aufgeregt. Denn aufdieser Bühne stehe ich als HeidiMaria Glössner, da kann ich michnicht hinter einer Rolle verstecken.Ich werde mich zur Vorbereitungmit dem Dirigenten treffen undmich vertieft mit den Stücken aus-einandersetzen. Ich freue michsehr auf den Abend und die inten-siven Vorbereitungen.Auch nach grossenFilmerfolgen wie etwa «DieHerbstzeitlosen» sind Sie demTheater treu geblieben. Wasschätzen Sie an der Bühne?Als Theaterschauspielerin habe ichdirekten Kontakt zum Publikum,was ich äusserst wertvoll finde undauch sehr geniesse. Ohne Saal-licht lassen sich zwar oft nur dieersten Stuhlreihen erahnen, dochman spürt die feinen Regungen imPublikum. Beim Film hingegenfehlt dieser Austausch gänzlich,dafür ist hier mehr Intimität mög-lich. Man kann auch mal leisersprechen oder flüstern. Aber aufdieses besondere Gefühl, wenn dasPublikum das Stück mitträgt – da-rauf möchte ich nicht verzichten.Sie sind seit über dreissigJahren in Bern zu Hause.Was gefällt Ihnen hier?Ich bin ja nicht freiwillig nach Berngekommen. Der Direktor des Lu-zerner Theaters übernahm dieDirektion des Berner Stadttheatersund wollte mich und zwei weitereSchauspielerinnen unbedingt da-bei haben. Aber ich bin natürlichäusserst freiwillig geblieben! DieArbeit am Theater war immer sehrspannend, und ausserdem habeich hier eine traumhafte Wohnungmit einer unglaubliche Aussicht.Meinen Freunden und Bekanntensage ich immer wieder, wie grossdas Privileg doch sei, an einem soschönen Ort zu wohnen. Dass ichhier die Neujahrsgala moderierendarf, freut mich natürlich ganz be-sonders. Das Casino wurde ebenwiedereröffnet – und ich bin sehrgespannt auf die neuen Räumlich-keiten. Marius Leutenegger

    Festliche NeujahrsgalaSamstag, 11. Januar 2020,19.30 UhrCasino Bern, Konzertsaal

    «Musik ist etwasGöttliches»

    Am 11. Januar führt dieSchauspielerin Heidi Maria

    Glössner durch dieNeujahrsgala im Casino Bern

    «Ich höre fast nurklassische Musik»:Heidi Maria Glössner

  • sonntagszeitung.ch | 3. November 2019 Musik 7

    Erik Brühlmann

    Im Mai nächsten Jahres findet imKKL Luzern bereits zum neuntenMal die Goldene Marschparadestatt. Mit von der Partie ist wie im-mer die «Swiss Army CentralBand», sozusagen die National-mannschaft der Schweizer Militär-musik. Unterstützt wird das En-semble von den Tambouren des«Swiss Army Drum Corps».

    Die Idee zu diesem Event hat-te Obrasso-Concerts-MitinhaberWerner Obrecht, der sich damalsmit Marschmusik auseinandersetz-te und schnell merkte, dass dieseweit über Militärmusik hinaus-geht. «Zur Marschmusik gehörenauch alte amerikanische Märsche,zu denen oftmals sogar getanztwurde», sagt Kilian Rosenberg,Konzertmoderator und Event Ma-nager von Obrasso Concerts.«Dazu kommen Märsche aus Ope-retten und Opern und sogar sym-

    phonische Märsche.» Entsprechendvielfältig präsentiert sich denn auchdas Programm der aktuellen Aus-gabe der Goldenen Marschparade.Die Palette reicht vom «Krönungs-marsch für Zar Alexander III.» vonPeter Tschaikowsky über das bib-lisch inspirierte «Trumpets of Jeri-cho» von Enrique Crespo bis zum«Porilaisten marssi», der Hymneder finnischen und estnischenVerteidigungsstreitkräfte. «DerMarschrhythmus findet sich sowie-so weit häufiger, als man es reali-siert», sagt Rosenberg. «Ganz ähn-lich, wie man gar nicht realisiert,wie viele moderne Popsongs imWalzertakt geschrieben sind.»

    Trotz aller Diversität: Marsch-musik ist doch eigentlich nur et-was für «alte Kameraden», oder?«Dieses Klischee hält sich hart-näckig», sagt Major Aldo Werlen,der seit 2011 die «Swiss Army Cen-tral Band» als Dirigent leitet. «Da-bei muss man sich nur einmal an-

    schauen, wie Kinder an Marsch-musikwettbewerben am Strassen-rand auf die Musik reagieren. Siebeginnen sofort zu hüpfen oderklatschen im Takt mit.» Auch beiErwachsenen habe er es schon ofterlebt, dass sich ein anfänglich eherreserviertes Publikum von derMarschmusik mitreissen liess. «Ichdenke, gerade die Einfachheit inder Struktur und im Aufbau einesMarschs tragen wesentlich dazubei, dass dieser Stil nicht nur beiälteren Herren beliebt ist», ist Wer-len überzeugt. Ein Blick auf dienackten Zahlen gibt ihm Recht:Seit 2012 ist die Goldene Marsch-parade stets ausverkauft.

    Die Ambiance, Akustik und dieStimmung sind überwältigend

    Für den ausgebildeten Cornettis-ten und Schlagzeuger Werlen sinddie jährlichen Auftritte im KKLimmer etwas Besonderes: «DieAmbiance, die Akustik, die Ener-

    gie und Stimmung in diesem Raumsind auch nach all den Jahrenschlicht überwältigend.» Hinzukomme ein Phänomen, das der Di-rigent sonst noch in keinem ande-ren Saal festgestellt hat: «Ein Or-chester kann sehr leise, aber auchsehr laut spielen, und für die Zu-hörer klingt es immer angenehm.Der Saal schafft von sich aus einenguten Klangausgleich.» All diesund das Wissen, dass auf dieserBühne schon Künstler von Welt-format aufgetreten sind, verleiheden Musikern einen ganz beson-deren Kick. «Standing Ovations imKKL erleben – ein überwältigen-des Gefühl! Und dies mit gut ge-spielter Marschmusik zu schaffen,macht mich stolz.»

    Die «Swiss Army Central Band»ist aber mehr als nur eine Musik-formation. «Unsere Aufgabe ist es,die Schweizer Militärmusik, dieSchweizer Armee und die Schweizim generellen im In- und Ausland

    zu repräsentieren», so Werlen.Deshalb gehören zum Programmder Goldenen Marschparade auchimmer Schweizer Lieder wie«Le ranz des vaches» oder das Gug-gisberglied. «Das schafft Abwechs-lung und garantiert, dass ebennicht nur Marschmusikfans an derVeranstaltung Spass haben», soWerlen. Und wenn es um die be-gleitenden Auftritte des «SwissArmy Drum Corps» unter der Lei-tung von Roman Lombriser geht,gerät der Dirigent sogar regelrechtins Schwärmen: «Die Formationist ein Garant für eine fesselndeShow. Japanische Trommelkunstgepaart mit Schweizer Präzision;leuchtende Schlägel und bewegen-de Elemente ergänzen einanderund bieten dem Publikum eineatemberaubende Unterhaltung.»

    Die GoldeneMarschparadeSamstag, 2. Mai 2020, 19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Garant für eine fesselnde ShowWer die ganze Vielfalt der Marschmusik erlebenmöchte, darf sich

    die GoldeneMarschparade nicht entgehen lassen

    Ob «Star Wars» oder «Herr derRinge»: Kinofilme zu zeigen, beidenen die Musik nicht von derTonspur, sondern vom Live-Orchester kommt, liegt im Trend.Was für die Musiker äusserst an-spruchsvoll ist, weil sich selbst derkleinste Fehler nicht versteckenlässt, ist für das Publikum ein mit-reissendes Erlebnis. Denn ein livevorgetragenes Stück ist ein weit in-tensiveres Hörerlebnis als Musikaus der Konserve. Es müssen abernicht immer nur Megablockbustersein, deren Musik von einemOrchester dargeboten wird. ImMärz 2020 kommen Liebhaber derBrass-Musik auf ihre Kosten. Dannwird im KKL der Film «BrassedOff» mit Livemusik gezeigt.

    «Brassed Off» geniesst längst Kult-status – nicht nur, weil der Filmmit Ewan McGregor und Tara Fitz-gerald gleich zwei britische Schau-spielergrössen am Start hat. Die1996 erschienene Tragikomödiebeschreibt das Schicksal nordeng-lischer Kohle-Kumpels.

    Die Bergleute betreiben zumAusgleich für ihren Knochenjobeine Brass Band. Doch als die Ze-che aus wirtschaftlichen Gründengeschlossen werden soll, droht dieBand auseinanderzufallen. Irgend-wie schafft es die Kapelle abertrotzdem, an einem Wettbewerbin der Londoner Royal Albert Hallteilzunehmen. – Ein ebenso rüh-rendes wie kritisches Werk überdie Lage in den vom Stellenabbau

    bedrohten Bergbaustädten im Eng-land des ausgehenden letzten Jahr-tausends.

    Juwel unter den Brass Bandsund einmaliges Kulturgut

    Die «Grimley Colliery», die in die-sem Film die musikalische Haupt-rolle spielt, ist zwar nur eine fik-tive Brass Band. Die Aufnahmenfür den Soundtrack wurden jedochvon einer weltbekannten Band,der «Grimethorpe Colliery Band»,eingespielt. Von der Band also, dieder mittlerweile verstorbene bri-tische Komponist Sir Maxwell Da-vies einst als das «Juwel unter denBrass Bands und ein einmaligesKulturgut» bezeichnete. Einigeihrer Mitglieder sind sogar im Film

    zu sehen. Und genau diese Bandist es auch, die im KKL unter derLeitung des Luzerners LudwigWicki die Musik zum Film spie-len wird. Darunter befinden sichKompositionen wie «Land of HopeAnd Glory» von Sir Edward Elgar,«Jerusalem», die offizielle Hym-ne des britischen Women’s Insti-tute von Hubert Parry, und sogardie Ouvertüre zur Oper WilhelmTell von Gioacchino Rossini – einLeckerbissen für alle Freunde derBrass-Musik. Céline Tapis

    Brassed Off – LiveSamstag, 28. März, 2020,19.30 UhrSonntag, 29. März 2020, 15 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    FilmereignismitLive-Soundtrack

    Das KKL kann auch zum Kinosaalwerden – aber nur, wenn die

    Filmmusik von einemOrchester live gespielt wird

    Grosses Kino: Zum Kultstreifen «Brassed Off», der von englischen Bergbauleuten handelt, spielt die weltbekannte Original-Film-Band «Grimethorpe Colliery» live im KKL Luzern

  • Marius Leutenegger

    Welche Liste der besten Konzertsäle derWelt man auch anschaut: Das Kultur- undKongresszentrum Luzern (KKL) ist stetsganz vorne mit dabei. Es wird in einemAtemzug mit der Elbphilharmonie in Ham-burg oder der Berliner Philharmonie ge-nannt. Dabei ist es alles andere als selbst-verständlich, dass es das KKL überhauptgibt. In der Schweiz haben es grosse archi-tektonische Würfe traditionellerweise nichtleicht – das Stimmvolk lehnt ein zu ein-drückliches Projekt schnell einmal ab. 1994sagten die Luzernerinnen und Luzerneraber mit Zweidrittelmehrheit Ja zum KKL.Damit bewiesen sie grosse Weitsicht – dasKKL hat sich seither zum eigentlichenWahrzeichen der Stadt entwickelt undwirkt längst weit über Luzern hinaus.

    Es gab am Projekt aber auch tatsächlichwenig zu mäkeln. Das alte, aus den 30er-Jahren stammende Kunst- und Kongress-haus am selben Standort war in einem ret-tungslos schlechten Zustand. Eine Stiftungrief einen Architekturwettbewerb für einenNeubau aus – und diesen gewann kein Ge-ringerer als der Pritzker-Preisträger JeanNouvel. Der Stararchitekt hat unter ande-rem auch die Oper von Lyon und das Ins-titute du Monde arabe in Paris entworfen.

    Für die prominente Lage direkt am Uferdes Vierwaldstättersees und in unmittel-barer Nähe des Bahnhofs konzipierte Nou-vel ein grosszügiges Gebäude, dessen her-vorstechendes Merkmal ein gewaltiges,107 mal 113 Meter grosses, auskargendesDach ist. Darunter befinden sich drei Tei-le: der Konzertsaal, der 1892 Zuhörerin-nen und Zuhörer fasst, der multifunktio-nale Luzerner Saal sowie ein Teil mit Au-ditorium und exquisitem Kunstmuseum.Mit seinem modernen Entwurf setzte Nou-vel einen eindrücklichen Kontrapunkt zurLuzerner Altstadt mit ihrer Kapellbrücke.

    Der Konzertsaal ist ganz auf dieBedürfnisse der Musik ausgerichtet

    Zum Veranstaltungsort erster Güte machtdas KKL aber die Akustik des Konzertsaals,für die Russell Johnson verantwortlichzeichnete. Der 2007 verstorbene Ameri-kaner galt als «Guru der Akustik». Der Kon-zertsaal in der Form eines Schiffsrumpfswurde ganz auf die Bedürfnisse der Musikausgerichtet. Mit einer sogenannten Echo-kammer, welche die oberen Ränge um-schliesst, lässt sich das Raumvolumen be-liebig von 19 000 auf 25 000 Kubikmetervergrössern. Damit kann man zum Bei-spiel die Nachhallzeit des Klangs beein-flussen. Ein in der Höhe verstellbarerSchallreflektor über der Bühne sorgt zu-dem dafür, dass die Musiker einander ohneKlangverzögerung hören. Die Gipsober-fläche der Wände nimmt dem Klang dieHärte. Besonders wichtig ist im Konzert-saal aber die Stille, die jeden Besucher imersten Moment überrascht. Nichts störthier den Klang, man hört weder die Belüf-tungsanlage noch Aussengeräusche. In die-sem akustischen Nichts kommt jeder Tonbesonders gut zur Geltung.

    Berühmt ist das KKL Luzern mittlerwei-le nicht nur wegen des Gebäudes, sondernauch dafür, was darin geboten wird: Das«Lucerne Festival» etwa, das hier jedenSommer während vier Wochen über dieBühne geht, ist eine der weltweit renom-miertesten Veranstaltungsreihen für klas-sische Musik. Neben vielem anderen ist dasKKL Luzern aber auch Heimat des «BlueBalls Festival» für Blues, Jazz, Rock undPop und des «World Band Festival» für blä-serisches Musizieren in allen Facetten.

    Der Konzertsaal des KKL wurde vormehr als zwanzig Jahren, 1998, eröffnet.Insgesamt kostete der Bau rund 230 Mil-lionen Franken, die von der öffentlichenHand und privaten Investoren aufgebrachtwurden. Die Stadt Luzern steuerte 94 Mil-lionen Franken bei. Die Geschichte hat ge-zeigt: Der Beitrag, den die Bevölkerung inder Abstimmung von 1994 guthiess, wur-de bestens investiert.

    230Insgesamt kostete derBau des KKL Luzern

    230Millionen Franken. DieStadt Luzern steuerte94 Millionen dazu bei.

    64000So viele Zuschauerinnenund Zuschauer besuchenjährlich die rund fünfzig

    von Obrasso Classic Eventsveranstalteten Konzerte.

    66Herzstück im Konzertsaaldes KKL Luzern ist diemonumentale Orgel.

    Sie umfasst 66 Registerund 4387 Pfeifen.

    Einer der bestenKonzertsäle derWeltDie meisten Veranstaltungen von Obrasso Concerts finden im KKL Luzern mit seiner einzigartigen Akustik statt. Für die Künstler

    hat das einen ganz besonderen Reiz – denn eine Bühne wie diese können sie nicht oft bespielen

    Platz für biszu 1892

    Besucher: DerKonzertsaal im

    KKL Luzern

    EinzigartigeAkustik: DankspeziellenEchokammernlässt sich dieNachhallzeitbeeinflussen

    sonntagszeitung.ch | 3. November 2019

  • VerdiRequiemSonntag, 3. November 2019KKL Luzern, 17 UhrOrchestra Filarmonica ItalianaArcis-Vocalisten MünchenManfred Obrecht, DirigentEvgenia Ralcheva, SopranVioletta Radomirska,MezzosopranAdam Sanchez, TenorFlurin Caduff, Bass

    TheFourSeasonsByCandlelightSonntag, 10. November 2019KKL Luzern, 17 UhrMozart Festival OrchestraLondonDavid Juritz, Violine & LeitungCrispian Steele-Perkins, TrompeteKeri Fuge, Sopran

    ArtOfEntertainingFreitag, 15. November 2019KKL Luzern, 19.30 UhrEliane & BandMiss HelvetiaUeli Schmezer’s MatterLiveSky du Mont & Christine SchützeSven Epiney, Moderation

    SwingingChristmasSonntag, 1. Dezember 2019KKL Luzern, 17 UhrGlenn Miller OrchestraWil Salden, Bandleader

    VolkstümlicheWeihnachtMittwoch, 11. Dezember 2019KKL Luzern, 19.30 UhrJodlerchörli LehnWillis WyberkapelleSöreBläch, BläserensembleÄschlismatter JodlerterzettMarkus Kühnis, Orgel

    Christmas inLucerneSamstag, 14. Dezember 2019KKL Luzern, 19.30 UhrSonntag, 15. Dezember 2019KKL Luzern, 17 UhrClassic Festival BrassMoskauer KathedralchorChristine Neubauer, LesungManfred Obrecht, DirigentCarinaWalter, HarfeMartin Heini, Orgel

    NewYorkChristmasDonnerstag, 19. Dezember 2019KKL Luzern, 19.30 UhrCelebration Pops OrchestraThe Sam SingersGilbert Tinner, BandleaderFola Dada, VocalsDerrick Alexander, Vocals

    DiegrosseWeihnachtsgalaSamstag, 21. Dezember 2019Casino Bern, 19.30 UhrSonntag, 22. Dezember 2019Tonhalle Maag Zürich, 17 UhrPhilharmonie Baden-BadenClassic Festival ChorManfred Obrecht, DirigentMonika Rebholz, SopranVioletta Radomirska, Mezzosopran

    FestlicheNeujahrsgalaSamstag, 11. Januar 2020Casino Bern, 19.30 UhrOrchestra Filarmonica ItalianaManfred Obrecht, DirigentAlexandra Flood, SopranAdam Sanchez, TenorHeidi Maria Glössner, Moderation

    Galakonzert zumNeujahrSonntag, 12. Januar 2020KKL Luzern, 17 UhrWiener Opernball OrchesterAndreas Spörri, DirigentElisabeth Flechl, SopranIurie Ciobanu, Tenor

    DasgrosseChinesischeNeujahrskonzertFreitag, 24. Januar 2020KKL Luzern, 19.30 UhrHong Kong Chinese OrchestraYan Huichang, Dirigent

    ACircusSymphonySamstag, 1. Februar 2020KKL Luzern, 19.30 UhrSonntag, 2. Februar 2020KKL Luzern, 17 UhrPhilharmonie Baden-BadenCarlos Domínguez-Nieto, DirigentPreisgekrönte Artisten des Cirquedu Soleil oder des Monte-CarloCircus Festival

    MozartRequiemSamstag, 8. Februar 2020Tonhalle Maag Zürich, 19.30 UhrPhilharmonie Baden-BadenAkademischer Chor ZürichManfred Obrecht, LeitungIvana Rusko, SopranUlrike Malotta, AltJörg Dürmüller, TenorThomas Gropper, BassDaniel Ottensamer, Klarinette

    DieschönstenOpernchöreSamstag, 14. März 2020KKL Luzern, 19.30 UhrOrchestra Filarmonica ItalianaArcis-Vocalisten MünchenBirnauer KantoreiKammerchor ChurManfred Obrecht, DirigentAngélique Boudeville, SopranRiccardo Della Sciucca, TenorLeonardo Galeazzi, Bariton

    MissaMysticaDonnerstag, 19. März 2020Casino Bern, 19.30 UhrMoskauer KathedralchorNikolay Azarov, Dirigent

    LisaStoll’sMusikanten-TreffSonntag, 22. März 2020KKL Luzern, 17 UhrLisa Stoll, Alphorn &ModerationCarlo BrunnersSuperländlerkapelleGeschwister KüngGenerell 5Felix Gubser, Organist

    BrassedOff –LIVESamstag, 28. März 2020KKL Luzern, 19.30 UhrSonntag, 29. März 2020KKL Luzern, 15 UhrGrimethorpe Colliery Band21st Century Orchestra,Chamber EnsembleLudwigWicki, Dirigent

    Sinfonie inBildernFreitag, 24. April 2020KKL Luzern, 19.30 UhrBerner SymphonieorchesterChor Konzert Theater BernSchweizer JugendchorMario Venzago, DirigentOriane Pons, SopranClaude Eichenberger, AltDaniel Frank, TenorTodd Boyce, BassTobias Melle, Fotografie undLiveprojektion

    DiegoldeneMarschparadeSamstag, 2. Mai 2020KKL Luzern, 19.30 UhrSwiss Army Central BandSwiss Army Drum CorpsAldoWerlen, Leitung

    Atemlos!Freitag, 26. Juni 2020KKL Luzern, 19.30 UhrBerlin ComedianHarmonists

    Die Konzert-HighlightsErleben Sie die Obrasso Concerts 2019/20 im KKL Luzern,

    Casino Bern und in der Tonhalle Maag in Zürich

    Obrasso – diese Wortschöpfung setzt sichzusammen aus dem Familiennamen derbeiden Gründer Werner und ManfredObrecht und der Bezeichnung Brass fürMusikinstrumente aus Messing. Anfangder 90er-Jahre gründeten die Obrechts denObrasso Musikverlag, der auf Literatur fürBrass-Instrumente spezialisiert ist. DasVerlagshaus ist auch heute noch weltweittätig und erschliesst derzeit die Märkte inRussland, Japan und Nordamerika.

    1998 konnte die Familie Obrecht denStadtrat von Luzern überzeugen, einen neu-en Anlass zu unterstützen: das «World BandFestival Luzern». Stattfinden sollte es imneu eröffneten KKL Luzern. Der Stadtratwilligte ein, und das fünftägige Festivalwurde mit 9000 Zuhörerinnen und Zuhö-rern ein Grosserfolg. Mittlerweile ist dasFestival fester Bestandteil des Luzerner Kul-turlebens; vergangenen September ging be-reits die 21. Auflage über die Bühne. Imnächsten Jahr lanciert das Festival die«Lucerne International Soloist Compe-tition», an der sich die besten Trompeterder Welt messen. Er wird das internationa-le Renommee des Anlasses weiter steigern.

    Der grosse Erfolg des Festivals beflügeltedie Familie, unter dem Label ObrassoClassic Events weitere Konzerte zu veran-stalten – und das in verschiedensten Mu-sik-Genres. Das Angebot zeichnet sichmittlerweile durch eine imposante Band-breite aus, die Volkstümliches ebenso ab-deckt wie anspruchsvolle Klassikauffüh-rungen oder Big-Band-Swing. Gemein istallen Anlässen, dass sie exakt auf die Be-dürfnisse des Publikums zugeschnittensind und durch Authentizität, hohesNiveau sowie Originalität überzeugen. Eingrosser Teil der Veranstaltungen wird vonA bis Z von Obrasso Classic Events konzi-piert. Anders als andere Veranstalter kauftObrasso Classic Events also nicht einfachfixfertige Aufführungen ein, sondern ent-wickelt die Anlässe oft selber. «Die schöns-ten Opernchöre», «A Circus Symphony»,«Christmas in Lucerne» – die Palette anEigenproduktionen ist bunt gemischt.

    Seit den ersten Anlässen ist das KKLLuzern die Basis von Obrasso ClassicEvents, etwa drei Viertel der jährlich rundfünfzig Veranstaltungen finden hier statt.Obrasso Classic Events ist damit der be-

    deutendste private Veranstalter im Kultur-und Kongresszentrum. Obrasso ClassicEvents führt aber auch Konzerte in der Ton-halle und im Kongresshaus Zürich oder imCasino und im Kursaal Bern durch. Insge-samt sprechen die Veranstaltungen jedesJahr über 64 000 Besucher an.

    «Wir nehmen mit unserem Angeboteinen stabilen Nischenplatz ein, das voneiner sehr treuen und anspruchsvollen Ziel-gruppe genutzt wird», sagt Werner Ob-recht, Managing Director und Mitinhaber.«Aber wir wollen auch immer wieder neue,spannende Konzertproduktionen entwi-ckeln.» Die Veranstaltungen von ObrassoClassic Events zeichnen sich durch Liebezum Detail aus und sind sorgfältig konzi-piert. Das hat nicht zuletzt damit zu tun,dass der Konzertveranstalter fast aus-schliesslich vom Ticketverkauf lebt undkeine Subventionen erhält.

    Heute arbeiten elf Personen bei Obras-so Classic Events, fünf davon gehören derFamilie Obrecht an. Die Nachfolgerege-lung wurde bereits 2018 eingeleitet: Sab-rina und Christof Obrecht werden die Fir-ma in die Zukunft führen.

    Musikalisches FamilienunternehmenObrasso Classic Events ist der bedeutendste private Veranstalter im KKL Luzern.

    Dahinter steckt eine ausgesprochen kreative und erfolgreiche Familie

    Sabrina Obrecht, Event Managerin:«Der Platz in der Parkettgalerie istgenial. Man erlebt die Reaktionen desPublikums hautnah mit und kann dasgesamte Ambiente aufnehmen.»

    Christof Obrecht, Event Manager:«Der 4. Balkon ist die Eiger-Nordwanddes KKL Luzern. Die grandioseAussicht ist das eine, die besteAkustik aller Balkone das andere.»

    Ursula Obrecht, Finance undLogistic: «Der Infodesk wirdgeschlossen, das Foyer leertsich, und ich begebemich auf den1. Balkon und geniesse das Konzert.»

    Manfred Obrecht, Artistic Directorund Inhaber: «Das Dirigentenzimmerist sozusagen zu meinemWohn-zimmer geworden – hier fiebere ichjeweils dem Konzert entgegen.»

    Werner Obrecht,ManagingDirector und Inhaber: «Beim Einlassbegrüsse ich unsere Gäste undverabschiede viele glücklicheGesichter nach dem Konzert.»

    Kilian Rosenberg, Event Manager:«Die Inspizienz Backstage ist dieSchnittstelle zwischen Vorbereitungund Auftritt. Hier stehe ich immer,wenn ich eine Produktion realisiere.»

    Einer der bestenKonzertsäle derWeltDie meisten Veranstaltungen von Obrasso Concerts finden im KKL Luzern mit seiner einzigartigen Akustik statt. Für die Künstler

    hat das einen ganz besonderen Reiz – denn eine Bühne wie diese können sie nicht oft bespielen

    Wahrzeichen von Luzern: Das KKLmit seinem riesigen Dach ist längst zur Touristenattraktion geworden

    9Musik

    Vorverkauf Konzerttickets können per Rechnung oder Kreditkarteonline unter www.obrassoconcerts.ch oder telefonisch unter041 361 62 62 (ab Montag 8 Uhr) bestellt werden.

  • sonntagszeitung.ch | 3. November 2019

    «Ob die Zusammenarbeit mit einemOrchester funktioniert, kann ich nach zwei Minuten der ersten Probe sagen»: Der Dirigent Manfred Obrecht im Foyer des KKL Luzern

    «Es gibt nichtviele Berufe,bei denenmanfür seineArbeitApplaus erhält»

    Der Dirigent Manfred Obrechtist die künstlerische Seele von

    Obrasso Concerts. Mitverschiedenen Orchestern

    studiert er so unterschiedlicheProgrammewie «Christmas in

    Lucerne», «Die schönstenOpernchöre» oder das «Verdi

    Requiem» ein. Egal, mit wem erwelcheWerke aufführt – jedes

    seiner Konzerte istvon Leidenschaft geprägt

  • 11Musik

    CHRISTMAS IN LUCERNEDas festliche Konzert im KKL Luzern mit der «ClassicFestival Brass» und demMoskauer Kathedralchor isteine wunderbare Einstimmung in die Weihnachtszeit.14./15. Dezember 2019, 19.30/17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    DIE GROSSEWEIHNACHTSGALADie Galamit der Philharmonie Baden-Baden und demüber hundertköpfigenClassic Festival Chorversprichtein unvergessliches, weihnächtliches Erlebnis.21. Dezember 2019, 19.30 Uhr, Casino Bern22. Dezember 2019, 17 Uhr, Tonhalle Maag Zürich

    FESTLICHE NEUJAHRSGALADie bekannte Schweizer Schauspielerin Heidi MariaGlössner führt durch den Konzertabend mit demOrchestra Filarmonica Italiana und Gesangssolisten.11. Januar 2020, 19.30 UhrCasino Bern, Konzertsaal

    MOZART REQUIEMDasRequiemgehört zu denbeliebtestenKompositio-nen von Mozart. Interpretiert wird es in der TonhalleMaag Zürich u. a. von der Sopranistin Ivana Rusko.8. Februar 2020, 19.30 UhrTonhalle Maag Zürich

    DIE SCHÖNSTEN OPERNCHÖREBeliebte Chorpartien, Arien, Duette und Terzette ausOpern vonVerdi, Rossini, Donizetti undWagner fügensich zu einem stimmigen Programm zusammen.14. März 2020, 19.30 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    Konzerte mit Dirigent Manfred ObrechtMarius Leutenegger (Text)und Mischa Christen (Foto)

    Heute Abend dirigieren Siehier im KKL Luzern dasVerdi Requiem.Was verbindetSie mit diesemWerk?Ich führe es bereits zum drittenMal auf – und gelange immer tie-fer hinein. Grundsätzlich übenVertonungen der Totenmesse einemagische Anziehungskraft aufmich aus. Das Requiem beschreibtdas Drama des Menschseins imAngesicht des Todes und ist mitden intensivsten Empfindungenverbunden. Ich glaube, es ist einemeiner Stärken, Emotionen auf dieMusiker, die Sänger und das Pub-likum zu übertragen. Daher ziehtmich eine derart grandiose und zu-gleich erschütternde Vertonungeines Werks auch besonders an.Verdi war vor allemOpern-komponist. Hatte er einenBezug zur Form des Requiems?Tatsächlich warf man Verdi bei derUraufführung 1874 vor, eine Operim Kirchengewand geschrieben zuhaben. Das Requiem wird vor al-lem von grossen Arien geprägt.Manche behaupteten damals auch,Verdi hätte eine antiklerikale Hal-tung – und könne die Vertonungdes Requiems nicht umsetzen.Das sehen Sie nicht so?Nein. Fast alle Verdi-Opern ent-halten eine innige Gebetsszene,und man muss emotional invol-viert sein, wenn man solche Mu-sik schreiben kann. Verdi erlebteden Tod seiner ersten Frau und sei-ner beiden Kinder mit, er wusstegenau, was er mit seinem Requiemschrieb. Das Werk hat denn aucheine Suggestiv- und Ausdrucks-kraft, die man sonst kaum findet.Höre ich es in einem Konzert, wer-den bei mir sofort Assoziationengeweckt. Schon bei den ersten Tak-ten habe ich das Gefühl, den Weih-rauch in der Kirche förmlich zu rie-chen. Und am Ende entsteht im-mer eine andächtige Ruhe – dasWerk endet in der absoluten Stil-le, und es bleibt offen, ob das Fle-hen nach Erlösung erhört wurde.Das ist schon sehr eindrücklich.Sie führen das Requiem imKKL Luzernmit demOrchestraFilarmonica Italiana auf. Wiekam es zur Zusammenarbeitmit dieser Formation?Solche Verbindungen beruhen oftauf Zufällen. Vor zwölf Jahrenwollte ich beim Moonlight Clas-sics ein italienisches Repertoireaufführen und suchte dafür ein ita-lienisches Orchester. Ich hörtemich um, kam in Kontakt mit die-sem Orchester – und die Zusam-menarbeit erwies sich als sehrfruchtbar. Seither führe ich alleOpernprogramme mit diesemOrchester auf. Es hat einfach ge-stimmt zwischen uns. Ob eine Zu-sammenarbeit funktioniert odernicht, kann ich nach zwei Minu-ten der ersten Probe sagen.Was kann dazu führen, dasssie nicht funktioniert?Wenn viele Musiker dabei sind,die negative Energien einbringen.Das Orchester muss mit mir amgleichen Strang ziehen.Wie erarbeiten Sie ein solchgewaltigesWerkmit einemOrchester im Ausland?In diesem Fall verlief die Zusam-menarbeit so: Ende Oktober fandeine dreistündige Probe mit demChor in München statt. Vorgesternreiste ich nach Brescia, wo das Or-chester beheimatet ist, und wirprobten am Vor- und Nachmittagjeweils drei Stunden lang. Dannfuhr ich zurück nach Luzern, wogestern eine Solistenprobe und amAbend die Generalprobe stattfand.Insgesamt probten Sie mit demOrchester also nur sechsStunden. Das scheint wenigfür sein so gewaltigesWerk.Es ist im Gegenteil sogar recht kom-fortabel. Ich tat sechs Stunden langnichts anderes, als meine Interpre-tation zu vermitteln, das Orches-

    ter beherrscht das Stück ja bereitsaus dem Effeff. Wichtig ist für Di-rigenten heute, dass sie mit einersehr klaren Vorstellung an die Pro-ben kommen. Man hat tatsächlichkeine Zeit, etwas auszuprobieren,sondern muss seine Ideen inner-halb kürzester Zeit vermitteln.Lange Proben bringenalso nichts?Sie hätten sogar einen Nachteil.Arbeitet man zu lange an einemWerk, verliert man das Orchesterirgendwann. Man muss die Musi-kerinnen und Musiker packen undfaszinieren, dann kann alles in sehrkurzer Zeit stattfinden.Nächsten Februar werden Siein der Tonhalle Maag in ZürichdasMozart Requiem aufführenmit der Philharmoie ausBaden-Baden. Ist die Herkunfteines Orchesters spürbar?Es gibt noch immer riesige Men-talitätsunterschiede. Ich arbeite seitüber zwölf Jahre mit drei Orches-tern intensiv zusammen, dem Lon-don Concert Symphony Orchest-ra, der Philharmonie Baden-Ba-den und dem Orchestra Filarmo-nica Italiana. Die Unterschiede zei-gen sich bereits, wenn ich erschei-

    ne. In London begrüssen mich dieMusiker so: «Hi Manfred, what dowe play today?» In Baden-Badentritt der Konzertmeister an michheran: «Guten Tag, Herr Obrecht,willkommen in Baden-Baden.»Und in Brescia rufen mir die Mu-siker zu: «Ciao Maestro!» Darauslässt sich ungefähr erahnen, wiedie Zusammenarbeit verläuft.Das heisst, dass sich einOrchester je nach Herkunft fürganz bestimmteWerke eignet?Ja. Die impulsive italienische Mu-sik etwa kann ich eher mit einemitalienischen Orchester verwirkli-chen. Beim Orchester aus Baden-Baden bleibt die Atmosphäre for-meller. Ich stelle aber tatsächlichfest, dass die Unterschiede zur jün-geren Generation zusehends ver-wischen. Ich persönlich empfindeeine tiefe Dankbarkeit, dass ich mitso verschiedenen Künstlern arbei-ten darf; Probenarbeit ist immerauch eine Lebensschule. Beim Ver-di Requiem stehen inklusive Chor180 Leute auf der Bühne, und siealle sind Individualisten. Für dasKonzert muss ich aus ihnen eineEinheit formen. Der Chor stammtaus Deutschland, das Orchesterkommt aus Italien, die Solistinnensind Bulgarinnen, und am Pultsteht ein Schweizer. Unsere ge-meinsame Sprache ist die Musik.

    Schaut man sich alte FilmemitStardirigenten bei den Probenan – etwamit Herbert vonKarajan –, staunt man oft, wiestoisch die Musiker einenzuweilen barschen Ton übersich ergehen liessen. Kannmanmit Musikerinnen undMusikernheute noch so umspringen?Die Zeit der Patriarchen am Pultist abgelaufen. Der eine oder an-dere mag vielleicht noch denken,er kenne als einziger die Wahrheit.Ein besonders autoritäres Auftre-ten braucht es aber gar nicht. Ichglaube, wenn man so weit kommt,dass man ein Orchester dirigierendarf, verfügt man über eine natür-lich gewachsene Autorität, unddann erübrigt sich ein barscherTon. Natürlich formuliere ich klar,was ich will, und manchmal mussich meinen Forderungen auchNachdruck verschaffen. Grund-sätzlich aber versuche ich den Mu-sikern zu vermitteln: Ich klingehier als einziger nicht, ich bin aufeuch angewiesen, wir erreichen dasZiel nur zusammen.Der Dirigent muss also auchein Psychologe sein?Genau. Steht man vorn, muss manschon psychologisch geschickt vor-gehen. Das ist aber immer so, willman Leute auf ein Ziel hinführen.Mir ist auch wichtig, dass die Mu-siker spüren: Unser Beruf ist einunglaubliches Privileg. Es gibtnicht viele Berufe, bei denen manfür seine Arbeit Applaus erhält.Sie müssen aber auch etwasleisten für diesen Applaus.Ja. Dieses Privileg geht auch miteiner Verpflichtung einher. DieKonzertbesucher setzen ihr Geldund ihre Freizeit dafür ein, um unszu hören. Wir dürfen ihre Erwar-tungen nie enttäuschen, sondernmüssen immer das Beste aus unsherausholen. Ist die Leidenschaft,immer das Beste zu erbringen, er-loschen, habe ich keine Berechti-gung mehr aufzutreten.Auf IhremNiveau kannmankaum noch Fortbildungenbesuchen. Wasmachen Sie, umsich weiterzuentwickeln?Ich glaube, für die eigene Entwick-lung ist es sehr wichtig, eine guteBalance zu finden zwischen Wer-ken, die man immer wieder diri-giert, und neuen. Würde ich nurneue Werke einstudieren, könnteich nicht reifen. Würde ich aber im-mer nur dieselben Kompositionenaufführen, bekäme ich zu wenigneue Impulse. Ich bin zudem einerder Dirigenten, die oft im Konzert-saal und Opernhaus im Publikumanzutreffen sind. Ich interessieremich sehr dafür, was läuft, undhöre mir die Interpretationen an-derer Dirigenten an.Wird Ihre Interpretation besser,wenn Sie einWerk alle paarJahre neu einstudieren?Ich denke schon. Es gibt ja immerwieder Dinge, die nicht optimalfunktioniert haben. Ich frage michstets: Was könnte ich besser ma-chen? Und dann konzentriere ichmich je länger, je mehr auf ein paarentscheidende Punkte. Wenn manein Werk das erste Mal dirigiert,hat man nicht dieselbe Beziehungdazu, wie wenn einen dieses Werküber mehrere Jahre begleitet.Aber verliert man so nicht denunbeschwerten Zugang, der jaauch eine Qualität sein kann?Das glaube ich nicht. Würde ichMusik rein aus dem Intellekt her-aus betrachten, wäre das vielleichtso. Aber ich bin vor allem vonEmotionen getrieben, und die sindjedes Mal wieder da.Sie haben die Agentur ObrassoConcerts mit Ihrem BruderWerner Obrecht gegründetund vermarkten Ihre Konzerteim KKL Luzern selber. SchränktSie die Tatsache, dass Sie stetsdas finanzielle Risikomittragen,künstlerisch ein?Klar, letztlich spielt die Akzeptanzdes Publikums für uns eine wesent-liche Rolle. Wir erhalten keine Sub-

    Manfred Obrecht, 61, studierteTrompete und Orchesterleitung inBern und Basel. Seine lange underfolgreiche Karriere als Dirigentist geprägtvoneiner enormenViel-seitigkeit. So arbeitet er etwa mitdem London Concert SymphonyOrchestra, der Philharmonie Ba-den-Baden, dem Orchestra Filar-monica Italiana aus Piacenza, derSlowakischen Philharmonie Brati-slava oder den Stuttgarter Sym-phonikern zusammen. Bei Auffüh-rungen der grossen sinfonischenChorwerkedirigiert er renommier-teChörewiedenMoskauerKathe-dralchor, die Arcis-Vocalisten ausMünchenoder denCorodell’Ope-ra di Parma. Manfred Obrecht istVater von zwei erwachsenen Kin-dern und lebt mit seiner FrauMar-grit inWiedlisbach imOberaargau.

    Manfred Obrecht

    «Ich glaube,unsere Leiden-schaft ist einwesentlichesErfolgsrezept»

    «Ich bin vor allemvon Emotionengetrieben. Unddie sind jedesMal wieder da»

    ventionen und leben einzig davon,dass Leute gut finden, was wir tun.Natürlich gibt es Musik, die ichgern programmieren würde, dieaber in unserem Programm keinenPlatz findet. Die Frage ist aber, obich das, was ich hier mache, gernmache. Und da ist die Antwort ein-fach: Ja, sehr, sehr gern! Das spürtauch das Publikum. Und ich glau-be, unsere Leidenschaft ist ein we-sentliches Erfolgsrezept. Wir leis-ten ehrliche Arbeit und identifi-zieren uns stets voll und ganz mitdem Gebotenen. Und wir erwar-ten eine entsprechende Haltungauch von allen Künstlerinnen undKünstlern, die mit uns arbeiten.Die Leute sollen sagen: «Das warwieder wunderbar heute Abend.»Obrasso Concerts wird nichtsubventioniert. Wie starkärgern Sie sich darüber, dassdie Spiesse Ihrer Agentur nichtgleich lang sind wie jene dergrossen Schweizer Orchester?Das ärgert mich nicht. Wir sindhalt einfach mit anderen Heraus-forderungen konfrontiert. UnsereSituation hält uns dazu an, Ent-scheidungen besonders sorgfältigabzuwägen. Es darf uns nie gleich-gültig sein, ob das, was wir tun,jemandem gefällt – und das ist füreinen Musikveranstalter doch einegute Ausgangslage.Obrasso Concerts beweist,dass man klassischeMusik auchohne Subventionen unter dieLeute bringen kann. Das wirftdie Frage auf, ob es in diesemKulturbereich überhauptSubventionen braucht.Ich denke, es braucht sie. GewisseWeiterentwicklungen, etwa in derneuen Musik, könnte es ohneUnterstützung nicht geben. In je-der Epoche war die Kunst auf Mä-zene angewiesen.Klassische Konzerte werdenvor allem von einem älterenPublikum besucht. Wie kannman junge Leute für Klassikbegeistern?Könnte ich diese Frage beantwor-ten, würde ich etwas wissen, wasandere trotz grosser Anstrengun-gen nicht wissen. Ein Problem beiklassischen Konzerten ist, dass dieEintrittspreise relativ hoch sind –weil der Aufwand so gross ist. Eine

    junge Familie kann sich Ticketsunter Umständen nicht leisten.Man kann also nicht sagen, jungeLeute seien nicht begeistert – aberfür sie sind die Konzerte oft nichtfinanzierbar.Sie treten sehr oft auf undkönnen sich bei ObrassoConcerts seit vielen Jahrenkreativ ausleben. Gibt estrotzdem noch Projekte, dieSie gern umsetzen würden?Oh ja, ganz viele! Ich bin jetzt61 Jahre alt. Seit zwanzig Jahrenliegen einige Sinfonien auf mei-nem Pult, besonders jene von Beet-hoven. Ich habe sie immer wiederzur Hand genommen – und sie bis-lang dann doch jedes Mal auf dennächsten Stapel gelegt. Ich dachtestets: Ich habe noch nicht die nö-tige Reife erreicht, um diese Wer-ke zu dirigieren. Jetzt aber spüreich: Die richtige Zeit ist gekom-men. Im September nächsten Jah-res führe ich deshalb eine Beetho-ven-Sinfonie auf.Welche?Die Fünfte. Jeder Dirigent würdesagen: Bloss nicht die Fünfte, diehat ein paar Klippen, die man nurschwer meistern kann. Aber michreizt diese Herausforderung.

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    3. November 2019 | sonntagszeitung.ch12 Musik

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    Céline Tapis

    Gänsehaut ist nur der Anfang.Wenn die Stimmen des MoskauerKathedralchors erklingen, erreichtdie Musik unser Innerstes. DieseMusik bewegt, und nicht seltenfliessen Tränen. «Ich habe nochkeinen anderen Chor so erlebt»,sagt Christof Obrecht vom Kon-zertveranstalter Obrasso Concerts.«Was die Sängerinnen und Sängermit ihren Stimmen im Saal erzeu-gen, ist unglaublich.»

    Gegründet wurde der Moskau-er Kathedralchor 1991 vom russi-schen Dirigenten und Gründer derMoskauer ChorkunstakademieWiktor Sergejewitsch Popow. DieSchule umfasst sieben Chorensem-bles, davon vier gemischte Chöre,die international auftreten und inden grossen Konzertsälen in Asien,Europa und Amerika zu Gast sind.Das Aufnahmeverfahren der Schu-le ist äusserst streng, nur die bes-ten Sängerinnen und Sänger wer-den zugelassen. Nicht umsonstspricht man im Zusammenhangmit diesen Chören von den«schönsten Stimmen Russlands».

    Der Moskauer Kathedralchorist mit dem A-capella-Programm«Missa Mystica» vor allem in derVorweihnachtszeit und um Ostern

    unterwegs. Die Stückwahl ist einebewegende musikalische Reisedurch das russisch-orthodoxe Kir-chenjahr. Die vielfältige Auswahlan griechischen und gregoriani-schen Gesängen und Chorälen so-wie die mehrstimmigen Stücke vonrussischen Komponisten wie Pro-kofjev, Bortnjanskij und Rachma-

    ninov werden a-capella vorgetra-gen – dies, weil die traditionellerussisch-orthodoxe Liturgie keineInstrumente verwendet.

    Wie kraftvoll und ergreifend diemenschliche Stimme ist, wird spä-testens dann klar, wenn die Okta-visten zu singen beginnen. DerBasso Profundo, die tiefste Stimm-

    lage überhaupt, ist äusserst selten.Weltweit gibt es nur eine Hand-voll Sänger, die so singen können.Ihr Gesang fügt sich ein in den Ge-samtklang des Chors und verleihtder teilweise jahrhundertealtenMusik eine Tiefe, die nicht von die-ser Welt zu sein scheint. NikolayAzarov, der Chefdirigent des

    Kathedralchors, sagte in einemInterview, dass das Publikum inMitteleuropa, das die liturgischenGesänge nicht kennt, sehr emotio-nal reagiere. «Die Gesänge sind ofttieftraurig, sie erzählen von Leidund Schmerz. Es kommt denn auchhäufig vor, dass die Zuhörerinnenund Zuhörer weinen.» Der BassoProfundo wird vor allem in Russ-land im Kontext sakraler Musikkultiviert. Vladimir Miller, Solistbeim Moskauer Kathedralchor,konnte viele Kompositionen alserster interpretieren, manche wur-den speziell für ihn geschrieben.

    «Die Qualität, die Klarheit unddas Volumen – diesesWunderwerkmuss man erlebt haben», sagt Ob-recht. Der Moskauer Kathedral-chor wird im März 2020 unter derLeitung des kasachischen Dirigen-ten Nikolay Azarov mit «MissaMystica» im Casino Bern auftre-ten. Und im Dezember ist der Chorzweimal im Rahmen von «Christ-mas in Lucerne» zu hören. DieKraft und Intensität der puren VoxHumana ist an diesen Konzerteneindrucksvoll erfahrbar.

    MissaMysticaDonnerstag, 19. März 2020,19.30 UhrCasino Bern, Konzertsaal

    Die schönsten StimmenRusslandsDer Moskauer Kathedralchor gehört zu den besten Chören überhaupt. Die vierzig Sängerinnenund Sänger tragen jahrhundertealte Gesangskunst in höchster Perfektion hinaus in dieWelt

    Bringt die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht selten zumWeinen: Der Moskauer Kathedralchor

  • sonntagszeitung.ch | 3. November 2019 Musik 13

    Marius Leutenegger

    Es ist schon erstaunlich, was beiLisa Stoll alles zusammenkommt.Die 23-jährige Frau ist blitzge-scheit, humorvoll, offen, sehr fleis-sig, sympathisch und attraktiv. Undbei alledem auch noch geerdet undalles andere als überheblich. DieFrage, wie gut sie denn auf demAlphorn sei, bringt sie jedenfallsnur zum Lachen. «Ach, das kannman doch nicht selber beantwor-ten», findet sie. Also sagen wir esfür sie: Sie ist eine Meisterin aufihrem Instrument.

    Lisa Stoll wuchs mit ihrerSchwester und ihren Eltern im Wil-chingen SH auf. Der Vater spielteim lokalen Musikverein das Kor-nett, und mit acht Jahren begannLisa ebenfalls, Kornett zu spielen.Das Herzensinstrument des Vaterswurde dann aber doch nicht ihres,denn mit zehn Jahren kam sie erst-mals mit einem Alphorn in Kon-takt – und das war musikalischeLiebe auf den ersten Blick. «Ich be-gleitete meine Eltern an ein Ge-burtstagsfest, an dem eine Frau miteinem Alphorn auftrat», erzähltsie. Und erinnert sich: «Der Klangberührte mich total.»

    Kurz darauf habe ihre Mutterdem Förster in der Gemeinde er-zählt, die kleine Lisa wolle unbe-dingt ein Alphorn haben. Und wiees der Zufall wollte, hatte der Sohndes Försters einmal aus Plausch einAlphorn gekauft und brauchte esnicht mehr. Kaum hatte sie das be-gehrte Instrument erhalten, be-sorgte sich Lisa Stoll ein paar Alp-horn-CDs und versuchte, die Me-lodien nachzuspielen. Sie nahmdann auch Stunden bei einem Mu-siklehrer, ihre Meisterschaft amAlphorn entwickelte sie letztlichaber autodidaktisch.

    Meisterklassen oder ähnlicheWeiterbildungsmöglichkeiten gibtes auf diesem Instrument nicht.Dabei ist das Alphorn eher kom-pliziert zu spielen, denn es kannnur Naturtöne produzieren, derenHöhe davon abhängt, wie schnelldie Lippen vibrieren, wenn manins Horn bläst. Der tiefste Ton, dersich dem Alphorn entlocken lässt,ist der Grundton, der zweittiefsteliegt bereits eine Oktave höher, dasnächste Intervall ist eine Quinte,gefolgt von einer Quarte und soweiter. «Die Möglichkeiten sind et-was begrenzt – aber man kanntrotzdem fast alles spielen», sagtLisa Stoll. Genau das fasziniere sieso am Alphorn: dass man nicht je-den Ton spielen könne und dassdie Naturtonreihe eben auch einpaar schräg anmutende Klängehabe, an die man sich erst gewöh-nen müsse. Stoll: «Mir gefällt ebenauch, dass das Instrument so wahn-sinnig simpel ist: Ein Mundstückund ein Rohr, das ist alles.»

    Alex Eugsters Tonstudio ist eineBrutstätte volkstümlicher Musik

    Als Lisa Stoll etwa zwölf Jahre altwar, wollte sie wissen, wo sie mitihrem Alphornspiel stand, «undwas eigentlich andere mit diesemInstrument machen». Deshalbnahm sie an einem Folklore-Nach-wuchswettbewerb teil. Die Finalis-ten erhielten die Möglichkeit, inAlex Eugsters Tonstudio in Dü-bendorf eine CD aufzunehmen.Wer sich in der Volksmusik aus-kennt, weiss: Zum einen war AlexEugster Teil des legendären «TrioEugster», zum anderen ist seinTonstudio eine Brutstätte volks-tümlicher Musik. «Alex Eugsterund ich verstanden uns sofort sehrgut», erzählt Lisa Stoll. «Und erwollte mehr mit mir machen.»

    Der Produzent holte den Volks-musik-Star Carlo Brunner ins Boot,und die beiden erfahrenen Musi-ker schrieben für Lisa Stoll neue,exklusive Stücke. Diese waren we-sentlich für den frühen Erfolg ver-antwortlich. «Ich spielte halt rassi-gere Stücke, als man es bis anhingewohnt war», sagt Lisa Stoll. «Es

    Liebe auf denersten Blick

    Die 23-jährige Lisa Stoll ist die bekannteste Alphornspielerinder Schweiz. ImMärz präsentiert sie im KKL Luzern einenvolkstümlichen Abendmit zahlreichen prominenten Gästen

    «Mir gefällt, dass das Instrument so wahnsinnig simpel ist»: Alphornspielerin Lisa Stoll

    ist eben entscheidend, welche Leu-te man um sich herum hat.» CarloBrunner empfahl der jungen Mu-sikerin schliesslich, am Nach-wuchswettbewerb des Musikan-tenstadls teilzunehmen. Lisa Stollgewann, und damit war ihr Durch-bruch zum Volksmusik-Star besie-gelt. Es war dann auch Carlo Brun-ner, der die junge Musikerin mitObrasso Concerts in Verbindungbrachte. Vor zehn Jahren trat LisaStoll erstmals an einem volkstüm-lichen Anlass der Konzertagenturim KKL Luzern auf. Seither ist siealle zwei, drei Jahre Teil einerObrasso-Concerts-Veranstaltung.

    Mehr als rund sechzig Auftrittepro Jahr liegen nicht drin

    Heute könnte Lisa Stoll, die bereitsfünf CDs veröffentlicht hat, prob-lemlos von der Musik leben. «Dochich habe auch ein gewisses Sicher-heitsbedürfnis, deshalb wollte ichnoch ein anderes Standbein auf-bauen», sagt sie. Nach dem Gym-nasium in Schaffhausen und zweiZwischenjahren begann sie eineTouristikausbildung in Samedan.Ziel: künftig im Eventbereich tätigzu sein. Obligatorischer Teil derdreijährigen Ausbildung ist einPraktikum. «Weil ich so gute Be-ziehungen zu Obrasso Concertshatte, fragte ich dort nach, ob siemir vielleicht einen Tipp hätten»,erzählt Lisa Stoll. «Und dann sag-te man mir: Hey, wir haben gera-de eine Stelle frei – du kannst fürein Jahr lang zu uns kommen.» Sowurde die Alphornistin Praktikan-tin bei der Konzertagentur. Unteranderem war sie für das Pro-grammheft zuständig: «Jetzt weissich genau, was es braucht, damitein Konzert funktioniert.»

    Während der Ausbildung, dienoch bis nächsten Sommer dauert,kann Lisa Stoll nur reduziert mu-sikalisch aktiv sein; mehr als rundsechzig Auftritte pro Jahr liegennicht drin. Sie bekommt aber etwadreimal mehr Anfragen, die sie allepersönlich beurteilt; ein Manage-ment hat sie nicht. Nach welchenKriterien entscheidet sie, wo siespielt und wo nicht? «Eigentlichnur danach, ob ich Lust auf einbestimmtes Engagement habe undob es zu mir passt. Denn ich spie-le lieber an einer Ländlerchilbi alsan einer Generalversammlung, beider die Leute gar keine Wahlhaben, ob sie mich hören wollenoder nicht.»

    Aber auch die Vielfalt liebt LisaStoll. Sie mag neben dem Volks-tümlichen auch klassische Pro-gramme und will künftig mehrkonzertante Stücke auf dem Alp-horn spielen. Je nach Genre seiendie Herausforderungen anders –auch, was das Publikum betrifft.«An einem klassischen Konzertherrscht meistens eine kritische At-mosphäre, es ist fast, als würde dasPublikum nach Fehlern suchen.An einer Stubete hingegen wollenalle einen tollen Abend haben.Diese Atmosphäre überträgt sichauch auf die Musiker.»

    Wer ein Blasinstrument auf ho-hem Niveau spielen will, muss täg-lich üben – weil sich sonst die Lip-penmuskeln zurückbilden. «Dasist wie beim Sport», sagt Lisa Stoll,«da braucht es eben regelmässigesTraining.» Zusammen mit ihremFreund, der ebenfalls Musiker ist,wohnt sie in einer Wohnung in BadRagaz. Und da packt sie täglich dasAlphorn aus? «Ich habe Glück,unsere Vermieter sind richtigeFans», meint sie und lacht. Wennimmer möglich übe sie aber an an-deren Orten. «Im Sommer geheich oft nach draussen und suchemir ein abgelegenes Plätzchen.Oder ich gehe in eine Kirche.» AufAnmeldung? «Nein, da gehe icheinfach frech rein und übe. Raus-geworfen wurde ich noch nie!»

    Lisa Stolls Musikanten-TreffSonntag, 22. März 2020, 17 UhrKKL Luzern, Konzertsaal

    JedeSaisonveranstaltetObrassoCon-certsmindestensdrei volkstümlicheAn-lässe: eine «Gala der Volksmusik» imHerbst, die «VolkstümlicheWeihnacht»im Advent und ein Konzert im Frühjahr.«Das Format für dieVeranstaltungen imFrühjahr ist noch recht neu», sagt LisaStoll. ObrassoConcertswollte demAn-lass ein Gesicht geben, in der letztenSaison war Carlo Brunner dieses Ge-sicht. In diesem Jahr übernimmt LisaStoll nundieRolle derGastgeberin. «Ichhabe wirklich völlig freie Hand, wen icheinladen will», sagt sie begeistert. DerAnlassbietet dieMöglichkeit, dieKünst-lerin einmal in ihrer ganzenVielfalt zu er-leben – denn sie führt nicht nur durchsProgramm, sondern wird auchmit allenihrensehr unterschiedlichenGästenmu-sizieren. IhreWahl fiel auf folgendeActs:

    PhilharmonicBrassZürich –Generell 5«Mit dieser vielseitigen Brass-Forma-tion, die den Kleinen PrixWalo gewann,habe ich auch schongespielt. EinesderGründungsmitglieder stammt aus Wil-chingen, wo ich aufgewachsen bin.»Felix Gubser: «Das KKL Luzern verfügtüber eine fantastische Orgel, die ich

    natürlich nutzenwill; denn ichbin esmirvonKirchenkonzertenher gewohnt,miteiner Orgel zusammenzuspielen. UndFelix Gubser ist ein toller und sehr viel-seitiger Organist.»GeschwisterKüng: «Ichmagdiese Fa-milienkapelle sehr und finde ihreAppen-zeller Streichmusik wunderschön. Wirtreten oft an denselben An-lässen auf – und ichhabemirschon lang gewünscht, mitihr zusammen zu spielen.»Carlo Brunners Super-ländlerkapelle: «Das istsozusagen meineHausband. Mit CarloBrunner trete ich seitüber zehn Jahren auf,under hat viele Stückefürmichgeschrieben.»

    Lisa Stolls Musikanten-Treff

    Zu Gast bei Lisa Stoll: Geschwister Küng

  • 3. November 2019 | sonntagszeitung.ch14 Musik

    Erik Brühlmann

    Klassische Musik und Zirkus, daspasst auf den ersten Blick nur be-dingt zusammen. Ersteres gilt alsHochkultur, Letzteres als unkom-plizierter Spass. Doch die Show«A Circus Symphony», die das ers-te Mal 2014 aufgeführt wurde, be-weist, dass die Verschmelzung bei-der Elemente zu artistischen undmusikalischen Höhenflügen füh-ren kann – für weltoffene Klassik-freunde ebenso wie für Zirkusfans.

    Die Vorbereitung auf die Showgestaltet sich jedoch enorm auf-wendig. Denn Kilian Rosenberg,verantwortlich für Konzeption undartistische Leitung, legt bei der Pro-grammgestaltung viel Wert dar-auf, dass «A Circus Symphony»nicht einfach als willkürliches Sam-melsurium daherkommt. «Wich-tig ist, dass das Konzert musika-lisch in sich stimmig ist und auchohne die Artisten funktionierenwürde», erklärt er. Doch bevor esan die Musik geht, wählt der EventManager von Obrasso Concertsdie Artisten aus, die bei dem An-lass auftreten sollen. Rosenberg:«Das ist jeweils ein langer Prozess,und zwischen mir und den Künst-lern findet ein reger Austauschstatt, bis alle zufrieden sind.»

    Dass das Konzept bei den Ar-tisten Anklang findet, beweist dashochkarätige Programm für 2020.Da präsentiert etwa das ukrainisch-russische Duo Karyna Konchakivs-ka und Suren Bozyan am Doppel-seil eine Performance in luftiger

    Höhe. Das 2018 in Monte-Carloausgezeichnete Duo Stauberti zeigtmit seiner Perche-Artistik, wasman mit Leitern und Stangen al-les anstellen kann. Der JapanerArata Urawa bleibt zwar mit bei-den Füssen am Boden, sein eben-so eleganter wie rasanter Diabolo-Auftritt wird die Herzen des Pub-likums trotzdem höher schlagenlassen. Les Frères Taquins gehö-ren zu den Klassikern der Clowne-rie und begeistern schon seit dreis-sig Jahren Gross und Klein auf derganzen Welt. Beim Duo Vitalysaus Peru dreht sich alles um Mus-kelstärke, Balance und Körper-beherrschung. Die beiden Kraft-pakete pflegen mit ihrer Hand-auf-Hand- und Kopf-auf-Kopf-Artis-tik eine der ältesten Zirkuskünsteder Welt. Aleksandra Savina ausder Ukraine schliesslich ist eineRingjongleurin der Extraklasse.

    Hin- und hergerissen zwischenZirkus und Klassikkonzert

    Ein Ring – oder vielmehr ein Reif– spielt auch die Hauptrolle beimdeutsch-kanadischen Duo Unity,das bereits zum zweiten Mal bei«A Circus Symphony» im KKL auf-treten wird. Ihre Spezialität ist dasCyr Wheel, eine Art Rhönrad, al-lerdings mit nur einem Reif. «Füruns war es eine ganz tolle Erfah-rung, mit einem klassischen Or-chester in einem Haus wie demKKL aufzutreten», erinnert sichLéa Toran Jenner. «Das Orchesterhinter uns, das Publikum vor uns,das war schon einmalig.» Mit sei-

    ner Cyr-Wheel-Darbietung be-schreitet das Duo Unity neueWege, denn eigentlich wurde die-ses Rad für Solokünstler entwi-ckelt. «Als ich meinen Bühnenpart-ner Francis Perreault an derNational Circus School in Mont-real kennenlernte, war uns aberschnell klar, dass wir diese Diszi-plin als Duo versuchen wollen»,sagt Jenner. Die Schule sah darinjedoch wenig Potenzial, sodass diebeiden ihr erstes Programm ausser-halb der Schulzeiten auf eigeneFaust entwickeln mussten. Der Er-folg gab den beiden recht: Das DuoUnity gewann 2015 am FestivalMondial du Cirque de demain,dem grössten Zirkusfestival derWelt, die Bronzemedaille.

    Besonders in Erinnerung ge-blieben ist Léa Toran Jenner dieAtmosphäre im KKL. «Man spür-te deutlich, dass das Publikum hin-und hergerissen war zwischen Zir-kus und Klassikkonzert», sagt sie.Einerseits war der Impuls da, auchmal während des Auftritts der Ar-tisten zu applaudieren; anderer-seits übte man sich in Zurückhal-tung, weil man ja genau dasbei einem klassischen Kon-zert nicht tut. «Das erzeug-te während des Auftritts

    eine intensive Spannung, die sicham Ende in einem extrem langenApplaus entlud.» Diese Entladungkann das Duo Unity bei der aktu-ellen Produktion gleich zweimalgeniessen. Die beiden Artisten ge-hen nämlich mit einer Nummerauch noch in die Luft und gönnensich einen Blick von oben auf dasPublikum.

    Die Bühne wird für die Artistenspeziell modifiziert

    Tatsächlich waren es zu Anfanggenau diese Luftakrobatikpro-gramme, die sich für Kilian Rosen-berg und sein Team als besondersanspruchsvoll erwiesen. «DieHöhe ist dabei das kleinste Prob-lem», sagt er, «denn der Saal ist jazwanzig Meter breit, vierzig Me-ter lang und zwanzig Meter hoch.»Allerdings braucht es für eine Luft-nummer weit mehr als ein paar indie Decke geschraubte Haken undÖsen. «Wir mussten bei den Lu-

    zerner Kulturverantwortlichenschon ein wenig Überzeugungs-arbeit leisen, bevor wir die nöti-gen technis