OECD Science, Technology and Industry Outlook ?· Innovation in Krisenzeiten Die Wirtschaftskrise, die…

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  • OECD Multilingual SummariesOECD Science, Technology and Industry Outlook2012Summary in German

    Die komplette Publikation finden Sie unter: 10.1787/sti_outlook-2012-en

    OECD-Wissenschafts-, Technologie- und Industrieausblick 2012Zusammenfassung in Deutsch

    Kurzfristige Schocks im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und langfristige Schocks kologischer,demografischer und gesellschaftlicher Art stellen die OECD-Volkswirtschaften vor nie dageweseneHerausforderungen.

    Ihre Regierungen werden in allen Politikbereichen aktiv, um Manahmen zur Erzielung eines starken undnachhaltigen Wachstums zu konzipieren.

    Obwohl sie mit extrem starken Haushaltszwngen konfrontiert sind, mssen die Regierungen die vom Internetund den globalen Mrkten gebotenen Chancen nutzen, und sie mssen das wichtigste Kapital ihrer Lndermobilisieren: ihre Menschen und deren Wissen und Kreativitt.

    Dabei kommt der Innovationspolitik eine zentrale Rolle zu, der sie nur gerecht werden kann, wenn sie sich andiesen neuen Kontext anpasst: Im Interesse einer greren Effizienz und Effektivitt muss die Innovationspolitikrelevant, kohrent und inklusiv sein.

    OECD SCIENCE, TECHNOLOGY AND INDUSTRY OUTLOOK 2012 - ISBN 978-92-64-170391 OECD 2012

    http://dx.doi.org/10.1787/sti_outlook-2012-en

  • Innovation in Krisenzeiten

    Die Wirtschaftskrise, die 2008 einsetzte, hatte erhebliche Auswirkungen auf Wissenschaft, Technologie undInnovation (WTI) sowie auf die Politik in diesem Bereich. Sie hat eine Reihe von Trends beschleunigt bzw.Herausforderungen verstrkt, von denen die meisten bereits vor 2008 in Erscheinung getreten waren. Daher hat sichdie Dringlichkeit einer Neubeurteilung der WTI-Politik erhht. Einige Lnder haben sich an dieses neue Umfeldangepasst bzw. begonnen, sich daran anzupassen, whrend andere damit noch Schwierigkeiten haben. Dies hat dazugefhrt, dass sich das Geflle zwischen den Lndern, die in diesem neuen Umfeld expandieren und innovieren, unddenen, die dies nicht tun, vergrert hat.

    Die weltweite Wirtschaftskrise hatte unmittelbar einen starken negativen Effekt auf die Innovationsttigkeit inaller Welt. Die Unternehmensausgaben fr Forschung und Entwicklung (FuE) sind 2009 im OECD-Raum insgesamtum einen Rekordwert von 4,5% geschrumpft; auer in Korea und Frankreich waren sie in allen Lndern rcklufig,die in diesem Bereich normalerweise sehr aktiv sind. Auch unter dem Einfluss der Erholung, die 2010 in einigenLndern zu verzeichnen war, erreichten sie nicht wieder ihr Niveau von vor 2009. Dieses Muster ein Einbruch, aufden eine partielle Erholung folgt wird durch Indikatoren wie die Zahl der Patentanmeldungen und derMarkenregistrierungen besttigt. Unter den Lndern mit hoher Innovationsttigkeit besteht ein starker Kontrastzwischen Schweden und Finnland einerseits, wo FuE und Patentttigkeit zurckgingen, und Korea andererseits, wosich die rasche und stetige Expansion in diesem Bereich fortsetzte.

    In Anbetracht der derzeitigen Konjunkturbedingungen und der eher unsicheren Aussichten ist zu erwarten, dassdas Wachstum der FuE-Ausgaben des Unternehmenssektors in den meisten OECD-Lndern und insbesondere indenen, die am strksten von der Krise betroffen sind (z.B. einige sd- und osteuropische Lnder), in absehbarer Zeitrecht schwach bleiben wird. In den Lndern, in denen die Rahmenbedingungen vor der Krise vergleichsweisegefestigt waren und sich das Wirtschaftswachstum recht gut behaupten konnte (z.B. in den nordeuropischen Lndernund in Deutschland), knnte die Innovationsttigkeit ein krftigeres Wachstum verzeichnen. In Lndern wieFrankreich, Japan, dem Vereinigten Knigreich und den Vereinigten Staaten sind die Perspektiven sowohl fr dasWirtschaftswachstum als auch fr die Innovationsttigkeit indessen unsicherer.

    Der erste Schock erfasste 2009 alle Arten von Unternehmen, doch whrend die Innovationsttigkeit der groenmultinationalen Unternehmen, vor allem im Hightech-Bereich, 2010 wieder auf Kurs war, konnte dasVorkrisenniveau in der Kategorie Innovatives Unternehmertum (Innovative Entrepreneurship) noch nicht wiedererreicht werden. 2011 bewegten sich sowohl die Unternehmensgrndungen als auch die Wagniskapitalinvestitionenimmer noch deutlich unter ihrem Vorkrisenniveau. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist whrend der Krisedramatisch gestiegen, der sich daran anschlieende wirtschaftliche Erneuerungsprozess und die damit einhergehendeRessourcenreallokation, durch die sich die Gesamtwirtschaftsleistung verbessern drfte, sind jedoch noch nichtsignifikant vorangeschritten.

    Die vom Staat bereitgestellten Mittel wurden 2009 in vielen Lndern deutlich aber nur vorbergehend erhht,da die Innovationsfrderung ein wichtiger Bestandteil der Konjunkturpakete war. Die FuE-Haushaltszuweisungenoder -ausgaben (Government Budget Appropriations or Outlays for R&D GBAORD) stiegen im OECD-Raum umrd. 9%. Der Groteil davon floss in Infrastrukturinvestitionen und in den Unternehmenssektor (berKreditbrgschaften fr kleine Unternehmen, Auszahlungen von Steuergutschriften, ffentliche Auftrge usw.). Dadadurch die Abnahme der Unternehmensausgaben teilweise aufgewogen wurde, fiel der Rckgang der FuE-Ausgaben2009 im OECD-Raum insgesamt nicht so stark aus, wie er das andernfalls getan htte. Als sich die Schieflage derffentlichen Haushalte 2010 und 2011 jedoch verschrfte, drosselten bzw. reduzierten viele Lnder ihre FuE-Ausgaben erheblich (die GBAORD nahmen 2010 im OECD-Raum insgesamt um rd. 4% ab).

    Whrend die Krise in den OECD-Lndern zu einer Stagnation oder Abnahme der Innovationsttigkeit fhrte, hattesie in einigen aufstrebenden Volkswirtschaften nicht diesen Effekt. China konnte immer noch ein hohes BIP-Wachstum und eine kontinuierliche Expansion der Innovationsttigkeit verzeichnen, und die FuE der Unternehmenstieg 2009 um 26%. Dies hatte zur Folge, dass sich Chinas Anteil an der weltweiten FuE, der zwischen 2004 und2008 von auf 7% auf 10,5% gestiegen war, 2009 auf 13% erhhte, womit die Krise einen bereits existierenden Trendbeschleunigte. Gleichzeitig begannen Schwellenlnder wie Indien und Brasilien der Innovationsttigkeit einengreren Platz in ihrer Politikagenda einzurumen.

    OECD SCIENCE, TECHNOLOGY AND INDUSTRY OUTLOOK 2012 - ISBN 978-92-64-170391 OECD 2012

  • Das sich wandelnde Umfeld der WTI-Politik

    Die Wirtschaftskrise hat sich auf die innovationspolitische Agenda ausgewirkt, sowohl was ihre Ziele als auchwas ihre Instrumente anbelangt. Sie fhrte jedoch nicht so sehr zur Entwicklung neuer Ziele oder Instrumente alsvielmehr zu einer Verschiebung im Gewicht, das ihnen jeweils beigemessen wird, wobei es darum ging, ihren Effektin Bezug auf Wirtschaftswachstum und Mitteleinsparungen zu maximieren. Generell ist festzustellen, dass deraktuelle Kontext Tendenzen verstrkte, die sich bereits zuvor bemerkbar gemacht hatten: InnovationspolitischeManahmen mssen relevant sein (um wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen gerecht zu werden), sie mssenkohrent sein (untereinander und im Zusammenspiel mit der Politik in anderen Bereichen), und sie mssen inklusivsein (in Bezug auf Umfang und betroffene Akteure).

    Mehr denn je ist das Hauptziel der Innovationspolitik die Wiederherstellung des Wachstums und derWettbewerbsfhigkeit. Die OECD-Lnder brauchen mehr Wachstum, nicht zuletzt um der anhaltendenStaatsschuldenkrise zu begegnen und die Arbeitslosigkeit einzudmmen. In einer wissensbasierten Wirtschaft ist dieInnovationsttigkeit ein wichtiger Wachstumsmotor. Weil aufstrebende Volkswirtschaften zunehmend die Stellungder Industrielnder auf wissensintensiven Marktsegmenten anfechten, mssen die Industrielnder in derWertschpfungskette weiter aufsteigen. Dazu sind Innovationen notwendig.

    Die ffentlichen Finanzen stehen unter Druck, da die Staatsschuldenkrise gezeigt hat, dass die Bereitschaft derMarktakteure zur Finanzierung der Haushaltsdefizite schwindet. Es gilt Mglichkeiten fr Einsparungen zu finden,und in den meisten Lndern bleiben davon auch die Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsetats nichtverschont. Mit einer Neuaustarierung der eingesetzten Instrumente, Umstellungen in der Staats- undVerwaltungsfhrung und mehr Ex-ante- und Ex-post-Evaluierungen muss dafr gesorgt werden, dass staatlichesHandeln effizienter und effektiver wird.

    Auch die Manahmen zur Bewltigung kologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen geratenzunehmend unter Druck. Dringende kologische Herausforderungen sind u.a. die Eindmmung des Klimawandels,die Umstellung auf ein umweltvertrgliches Wachstum und die Naturkatastrophenvorsorge. Dringendegesellschaftliche Herausforderungen stellen sich u.a. im Zusammenhang mit der Bevlkerungsalterung und imGesundheitswesen. Angesichts der starken Haushaltszwnge werden sich die Regierungen bewusst, dass Innovationennotwendig sind, um diesen Herausforderungen mittel- und langfristig zu begegnen.

    Dabei setzt sich in der Politik auch was ffentliche Dienstleistungen (z.B. Bildung) anbelangt zunehmend eineumfassendere Sichtweise der Innovationsttigkeit durch, die sich ber Wissenschaft und Technik hinaus auch auf denDienstleistungssektor erstreckt.

    Das sich wandelnde Instrumentarium der Innovationspolitik

    Statt eines radikalen Wandels war im innovationspolitischen Manahmenkatalog eher eine allmhlicheUmstellung zu beobachten, in deren Verlauf einige Instrumente an Bedeutung gewannen, whrend andere in denHintergrund traten.

    Steuerliche Anreize: Der allgemeine Trend geht in Richtung einer Erhhung des Angebots und derBenutzerfreundlichkeit von steuerlichen FuE-Anreizen, die inzwischen in zwei Dritteln der OECD-Lnder und invielen anderen Staaten zur Verfgung stehen.

    Nachfrageseitige Manahmen: Nachfrageseitige innovationspolitische Manahmen, von der ffentlichenInnovationsbeschaffung ber Standards und Vorschriften bis hin zu Leitmarkt- und nutzer-/verbrauchergesteuertenInnovationsinitiativen, setzen sich in den OECD-Lnde