Rudolf Schlechters Leben und Wirken

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Text of Rudolf Schlechters Leben und Wirken

  • Rudolf Schlechters Leben und WirkenAuthor(s): Th. LoesenerSource: Notizblatt des Knigl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin, Bd. 9, Nr. 89 (Nov.15, 1926), pp. 912-958Published by: Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-DahlemStable URL: http://www.jstor.org/stable/3994446 .Accessed: 10/06/2014 12:37

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  • II.

    Rudolf Schlechters Leben und Wirken. Von

    Th. Loesener.

    1. Nachruf gehalten in der Sitzung des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg

    am 18. Dezember 1925.

    Nach einem taitigen and arbeitsreichen Leben ist Friedrich Richard Rudolf Schlechter am 15. November 1925 im Alter von 53 Jahren einem liingeren Leiden erlegen.

    Er war geboren am 16. Oktober 1872 in Berlin als Sohn des Lithographen Hugo Schlechter, als drittes Kind unter sechs Geschwistern, und besuchte daselbst das Kgl. Friedrich-Wilhelms- Gymnasium bis zur Reife fur Obersekunda, um sich dann dem gairt- nerischen Berufe zuzuwenden. Seine Lehrzeit machte er zuniichst in der bekannten Handelsgiirtnerei von Fr. Bluth durch, spiiter im Berliner Universitiitsgarten unter H. Lindemuth, bei dem er bis zum Herbst 1891 als Gehilfe beschaiftigt war.

    Von seinem Vater hatte er aufler seinem Zeichentalent auch die Liebe zur Natur und einen starken Trieb, die weite Welt da draufen mit eigenen Augen kennen zu lernen, ererbt. So unternahm er schon im November 1891 als 19-jiihriger Jiingling seine erste gr6bere Reise iiber See, die ihn nach Siudafrika fuhrte zur Erforschung der kaplandischen Flora. Zuniichst trat er in die Privatdienste von Dr. Harry Bolus in Kapstadt ein und begann alsbald sowohl mit herbariologischen Studien am Herb. Bolus sich zu beschaftigen als auch besonders durch zahlreiche Exkursionen in die niihere und weitere Umgebung der Stadt sich mit der Flora des Landes bekannt zu machen und eifrig zu sammeln. Auch trat er in Verkehr mit andern Botanikern und Floristen, z. B. Marloth und Mac Owan,

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    und entdeekte schon auf dieser Reise so manche neue Art in ver- hd1tnism.iBig geringer Entfernung von Kapstadt, besonders auch auf der sog. Kap-Halbinsel. Auterdem versah er damals dort das Amt eines Reblaus-Inspektors. Im weiteren Verlauf der Reise besuchte er fast samtliche Kuistendistrikte Siudafrikas bis nach Natal hin, knuipfte Beziehungen mit M. Wood an und verlegte sein Haupt- standquartier vorubergehend nach Durban, von wo aus er gleich- falls Sammelreisen unternahm. Nach einer Durchquerung Natals hat er dann groBere Streifziige durch Transvaal in seiner ganzen Ausdehnung bis in die Nahe des Limpopo gemacht. Uber diese hat er im Botan. Verein der Prov. Brandenburg in der Novembersitzung 1895 Bericht erstattet. Im April 1894 kehrte er nach Kapstadt zurulck, fuhrte dann noch mehrere Ziuge in der Kapkolonie und Natal aus und trat schliel3lich nach fast dreiundeinhalbjahriger Abwesenheit von Europa im April 1895 von Durban aus die Heimreise an.

    Die botanische Ausbeute dieser ganzen Reise hatte H an s S c hi n z fur das Museum des Zuiricher Botanischen Gartens erworben (etwa * 000 Nummern), Dubletten davon erhielt auch das Berliner Staats- berbar (4500 Nummern).

    Schon von Sudafrika aus hatte Schlechter seine ersten wissen- schaftlichen Ver6ffentlichungen in die Welt gesandt in Gestalt kleinerer und auch groBerer Arbeiten uiber sfldafrikanische Orchideen und Asclepiadeen, die in den Verhandlungen des Botan. Vereins der Prov. Brandenburg, in Engle rs Botan. Jahrbuchern und im Journal of Botany 1894 und 1895 erschienen. Auci seine erste gr6iere Arbeit fiber neue und kritische Orchideen dieses Gebietes entstammt jener Zeit.

    Nach Deutschland zuriickgekehrt machte er sich alsbald an die Vorbereitungen zu einer zweiten Reise ins Kapland, auf der er nun- mehr seine gewonnenen Erfahrungen zu verwerten und in grdftem MaBstabe zu sammeln sich entschloB. Es wurden mit dem Berliner Botanischen Museum Abmachungen getroffen, nach denen dem hie- sigen Staatsherbar die Hauptsammlung zufallen sollte, wofiir dasselbe die Verteilung und den Vertrieb der zahlreichen Dublettenkollektionen zu Schlechters Gunsten uibernahm unter Leitung von Karl S chumann, nach dessen Tode unter der meinigen. In seinem jdngeren Bruder Max war ein hilfsbereiter, verstandnisvoller und fleiffiger Begleiter und Mitarbeiter gewonnen worden. Noch im Herbst desselben Jahres ward die Reise angetreten. Rudolf Schlechter fuhr zaniicht allein voraus nach Kapstadt, fuhrte mehrere Sammelexkursionen in der Umgebung aus und traf alle Vorbereitungen zu dem geplanten Zuge (Treck) im 10 spainnigen

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    Ochsenkarren. Nach Ankunft des Bruders im Mai 1896 traten beide die gemeinsame Reise an nach Klein - Namaland. Das Sammeln besorgte Rudolf, wobei er noch von einem Dienerjungen unterstultzt wurde, wiihrend Max das Trocknen und Umlegen iiber- nahm. Von manchen Arten legten sie 100 und mehr Einzelexem- plare ein. Der Treck ging kings des Olifant Rivier nordwarts iuber Clanwilliam hinaus bis zum Zout Rivier, wo man wegen zu groBer Duirre genotigt war den Ruickzug anzutreten. Auf dem Ruickzuge machten sie einen Abstecher an die Meereskiiste zur Lambertsbay mit Besuch der Guano-Inseln und wandten sich dann siidlich von Clanwilliam ostwarts iiber die Cedarberge nach Wuppertal und ins. Could Bokkeveld. Mitte September fand der Zug sein Ende und S chle chter ging an die Bearbeitung und Verteilung der gesammelten Schiitze. Vieles hatte er schon wahrend der Reise bestimmt und auch eine monographische Bearbeitung einer Orchideen-Gruppe in Angriff genommen. Es folgten dann kleinere Ziuge in die Berge ostlich von Kapstadt und an die Sudkulste und kings derselben bis Elim. Weihnachten und Neujahr verlebten sie bei den Missionaren in Genadendal. Im Mai wieder in Kapstadt angelangt war Schlechter bis Ende Juli mit der Bearbeitung der Ausbeute und Beschreibung zahlreicher novae species beschaftigt.

    Daran schlob sich im August 1897 der zweite bedeutend aus- gedehntere Zug nach Klein-Namaland, der das Bruderpaar bis za den Kamiesbergen und daruiber hinaus iuber Steinkopf an den Oranje- flut fiihrte, den sie bei der Ramansdrift erreichten, das Ziel der Reise. Von hier ging es dann zuruick wieder fiber Steinkopf und westwiirts nach Port Nolloth an die Kiiste, darauf zu Schiff nach Kapstadt. Damit hatte das gemeinsame Unternehmen seinen Ab- schluf3 gefunden.

    Nach einem kurzen Kietterausflug nach Stellenbosch und Um- gebung, den Schlechter zusammen mit Marloth ausfiihrte, und nach Verpackung und Versendung der Sammlungen nach Europa, trennten sich die Bruider, die sich in ihrem Leben dann auch nicht wieder gesehen haben. Wiihrend Max sich nach Buschmannsland be- gab, um sich einen neuen Beruf zu suchen und noch bis heute in Su&d- afrika zu bleiben, verliel Rudolf das Land seiner bisherigen so erfolgreichen Tiitigkeit, die ihn als Forschungsreisenden und Bota- niker in die wissenschaftliche Welt eingefiihrt hatte, fur immer und begab sich auf die Heimreise, die er aber in sehr nutzbringender Weise vorerst noch einmal auf einige Monate unterbrach.

    Am 16. November 1897 begab er sich zu Schiff ostwiirts kings der Suidkiiste fahrend mit kurzem Aufenthalt in Durban nach Lou-

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    rengo Marques, in Portugiesisch-Ostafrika an der Delagoa-Bay gelegen, wo ihn mitten in der Tropenwelt ein ganz anderes Leben umfing, sowohl was die Vegetation betrifft als auch in bezug auf die Lebensverhiiltnisse der Menschen. Das Land, das er verlassen, war ein trockenes Bergland mit Kliiften und Schluchten und perio- disch versiegenden FluBllaufen, kein Waldgebiet, sondern meist nur mit verhailtnismifBig niedrigem, kleinbliittrigem, aber bliitenpriachtigem Pflanzenwuchs bedeckt, ein Land, wo jeder Regen dankbar als Gabe des Himmels empfunden die verdurstete Pflanzenwelt zu neuem Blumenflor erwachen liiBt, wo Ericaceen, Pelargonien, Iesembry- anthemum, Zwiebelgewiichse und Erdorchideen eine wichtige Rolle spielen. Nun betrat er ein von zahlreichen FluBliiufen, die von Pelikanen und Flamingos bevolkert waren und gelegentlich auch mat ein Krokodil oder ein FluBpferd in ihren Fluten zeigten, durch- zogenes und VOD SUmpfen und Wiildern durchsetztes, feuchtheiBes Gebiet mit vielen starken Regenfiillen, wo zahllose Mosk