Sonntag 10. Dezember 2017 16:00 - K¶lner Philharmonie .Rising Stars – die Stars von morgen 3 Nominiert

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  • Rising Stars die Stars von morgen 3

    Emmanuel Tjeknavorian

    Sonntag10. Dezember 201716:00

  • Bitte beachten Sie:

    Ihr Husten strt Besucher und Knstler. Wir halten daher fr Sie an den Garderoben Ricola-Kruterbonbons bereit.

    Sollten Sie elektronische Gerte, insbesondere Mobiltelefone, bei sich haben: Bitte schalten Sie diese unbedingt zur Vermeidung akustischer Strungen aus.

    Wir bitten um Ihr Verstndnis, dass Bild- und Tonaufnahmen aus urheberrechtlichen Grnden nicht gestattet sind.

    Wenn Sie einmal zu spt zum Konzert kommen sollten, bitten wir Sie um Verstndnis, dass wir Sie nicht sofort einlassen knnen. Wir bemhen uns, Ihnen so schnell wie mglich Zugang zum Konzertsaal zu gewhren. Ihre Pltze knnen Sie sptestens in der Pause einnehmen.

    Bitte warten Sie den Schlussapplaus ab, bevor Sie den Konzertsaal verlassen. Es ist eine schne und respektvolle Geste gegenber den Knstlern und den anderen Gsten.

    Mit dem Kauf der Eintrittskarte erklren Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Bild mglicherweise im Fernsehen oder in anderen Medien ausgestrahlt oder verffentlicht wird.

    Vordruck/Lackform_2017.indd 2-3 14.07.17 12:44

  • Rising Stars die Stars von morgen 3

    Nominiert von Wiener Konzerthaus und Musikverein Wien

    Emmanuel Tjeknavorian Violine

    Sonntag 10. Dezember 2017 16:00

    Pause gegen 16:45 Ende gegen 17:50

    15:00 Einfhrung in das Konzert durch Niklas Rudolph

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    PROGRAMM

    Eugne Ysae 1858 1931Sonate fr Violine solo G-Dur op.27,5 (1924)Laurore. Lento assaiDanse rustique. Allegro giocoso molto moderato

    Johann Sebastian Bach 1685 1750Partita fr Violine solo Nr. 2 d-Moll BWV 1004 (1720)AllemandeCouranteSarabandeGigueChaconne

    Pause

    Christoph Ehrenfellner * 1975Suite des Alpes op.36 (2017)fr Violine soloJodler. DoubleEinzugsmarsch. DoubleHochzeitstanz. DoubleFinale. Zwiefacher Kompositionsauftrag von Musikverein Wien, Wiener Konzerthaus und European Concert Hall Organisation Deutsche Erstauffhrung

    Bla Bartk 1881 1945Sonate fr Violine solo Sz 117 (1944)Tempo di ciaconnaFugaMelodiaPresto

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    ZU DEN WERKEN

    Kleine Geschenke fr Geiger Eugne Ysaes Sonate fr Violine solo

    G-Dur op.27,5

    Virtuos geht es im uvre von Eugne Ysae zu. Vermutlich weil der Belgier einer der besten Geiger seiner Epoche war. Doch auch als Komponist ist seine Bedeutung in der Musikge-schichte nicht zu unterschtzen, inspirierte er mit seiner Kunst doch die mageblichen franzsischen Komponisten von Saint-Sans ber Debussy bis hin zu Faur sowie seinen Landsmann und vterlichen Freund Csar Franck. Die Entstehung der Sechs Sonaten fr Violine solo fllt dabei in Ysaes Sptwerk. Denn der Komponist war bereits 65 Jahre alt, als er den Geiger Joseph Szigeti im Konzert mit Bachs Sonaten und Partiten hrte und daraufhin beschloss, selbst einen Zyklus von Violinsonaten zu schreiben. Nach gerade einmal 24 Stunden hatte der Komponist einen Entwurf aller sechs Stcke fertig, von denen jedes einzelne einem bestimmten Interpreten zugeeignet ist. Deren jeweils indi-viduelle geigerisch-knstlerische Eigenarten prgen die Sona-ten ebenso wie das groe Vorbild Bach. Der war nmlich nicht nur Ideengeber, sondern stand auch in musikalischer Hinsicht Pate: So whlte auch Ysae fr seinen Zyklus das Verhltnis von vier Sonaten in Moll gegenber zwei in Dur und baute die erste und letzte Sonate (in g-Moll und E-Dur) tonartlich auf den ue-ren Geigenseiten auf. Neben Stcken fr den ungarischen Gei-ger Szigeti sowie fr George Enescu und Fritz Kreisler widmete Ysae die Sonate G-Dur op.27 Nr. 5 seinem Quartettpartner und ehemaligen Schler Mathieu Crickboom. Und whrend etwa die erste Sonate des Zyklus formal noch stark an Bach orientiert ist, stt der Komponist in Nr. 5 in klanglich unvermutete Dimensi-onen vor. Das Werk mit den beiden Stzen Laurore (Die Mor-gendmmerung) und Danse rustique greift vielfltig auf Stil-mittel des beginnenden 20. Jahrhunderts zurck: das Spiel mit harmonischen Grenzen ebenso wie das mit Klangfarben, die mal expressiv, mal zart-filigran daherkommen gespickt mit einer virtuosen Spieltechnik.

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    Violin-Wunderwerk Johann Sebastian Bachs Partita fr

    Violine solo Nr. 2 d-Moll

    Im Jahr 1717 wurde Johann Sebastian Bach zum Kapellmeis-ter und Kammermusikdirektor am Hof des Frsten Leopold von Anhalt Kthen berufen. Bis 1723 hatte er diese Position inne, eine Zeit, in der Werke wie die Brandenburgischen Konzerte, der erste Teil des Wohltemperierten Klaviers, die Sechs Suiten fr Violon-cello solo sowie die Sechs Sonaten und Partiten fr Violine solo entstanden sind. Anders als bei den Cellosuiten hatte Bach bei den Sonaten und Partiten jedoch von vornherein ein sechsteili-ges Opus im Sinn, bestehend zur Hlfte aus Sonaten und Sui-ten, die hier den Namen Partita erhielten. Obwohl in einem Opus vereint, knnte der Gegensatz zwischen den beiden Werktypen nicht grer sein: Basieren die Sonaten alle auf einem einheit-lichen Formplan, sind die Partiten gekennzeichnet durch eine grtmgliche Variabilitt. Konkret heit das fr die Sonaten, dass sie allesamt der Formkonvention der vierstzigen Sonata da chiesa folgen, mit einer feierlichen Einleitung, einem fugier-ten Allegro, einem kantablen Andante und dem obligatorischen Presto-Finale. Einen vergleichbaren einheitstiftenden Grundplan sucht man bei den Partiten dann vergeblich. Wenn berhaupt, findet man die traditionelle Satzfolge der vierstzigen Suite in der Partita fr Violine solo Nr. 2 d-Moll. Die beginnt mit den eher traditionellen Suitenstzen Allemande, Courante, Sarabande und Gigue doch dann bringt Bach das Gleichgewicht mit einem spektakulren fnften Satz sogleich wieder ins Wanken.

    Die Rede ist von der berhmten Chaconne, einem geigerischen Wunderwerk von enormen ueren wie inneren Ausmaen. Allein ihr Umfang entspricht dem aller vorangehenden Stze zusammen. Doch nicht nur deswegen ist die d-Moll-Chaconne ein einzigartiger Satz und ein Meilenstein in der gesamten Vio-linliteratur. Bach bedient sich zwar einer eher konventionellen Gattung, findet aber trotz der engen Grenzen der Barockmusik zu einem schier berbordenden Reichtum an Ausdrucksmg-lichkeiten und einer berreichen Erfindungsgabe. Die insgesamt 64 Variationen ber einer viertaktigen Bassfigur, waren schon fr

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    die zeitgenssischen Geiger eine gewaltige Herausforderung: Bach nutzt den vollen Tonumfang bis in hchste Hhen und verlangt von seinen Interpreten zahlreiche akkordische Passa-gen, an denen oft sogar alle vier Saiten der Violine gleichzeitig erklingen. Ein Problem vor allem fr heutige Interpreten, denn mit den locker gespannten Barockbgen war das weitaus ein-facher zu spielen. Hchste Anforderungen stellen auerdem die mehrstimmigen Abschnitte, da oft alle Stimmen gleichberechtigt sind. Fr Robert Schumann war die Chaconne daher eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstcke, voll von tiefs-ten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen.

    Volksmusik im freien Klang-Universum Christoph Ehrenfellner zu seiner Suite

    des Alpes op.36

    Der Auftrag des Wiener Musikvereins, fr die ECHO-Tour von Rising Star Emmanuel Tjeknavorian ein Solowerk zu schreiben, fhrt hier zur Umsetzung meiner schon lnger gehegten Idee, alpine Tanzmusik fr Solovioline in einen neuen, konzertanten Zusammenhang zu stellen. Alpine Volksmusik birgt wertvolle emotionale Qualitten auf unverkennbare und charmante Weise, und ist wie geschaffen dafr, als heimischer Botschafter Euro-pas Konzertsle zu bereisen. Das bedeutet jedoch auch: eine an sich ganz einfache Musik so aufzubereiten, dass sie dem kon-zertanten Niveau von Bach, Ysae oder Bartk, wenn auch verle-gen lchelnd, doch selbstbewusst und lustig zur Seite steht. Die Idee scheint zunchst trivial der Umsetzung gilt also hier das Augenmerk: Wie sieht es aus mit der Faktur, woher die Form?

    Vorab: Das Unternehmen msste zu einer Gradwanderung um Stil und Geschmack werden, links lauert die verhasste Sen-timentalitt, von rechts her grinsen unpassende Verunglimp-fungen volkstmlicher Simplizitt. Es msste mir gelingen, Simplizitt und Kunstfertigkeit so zu verbinden, dass der einen Zauber erhalten bleibt, noch bereichert um die Verlockung der anderen. Die Lsung bringt wie oftmals der Blick zu den groen

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    Vorbildern, hier zu Bach und zu dessen Sonaten und Partiten BWV 1001 1006. Namentlich in der h-moll-Partita BWV 1002 prsentiert Bach ein Konzept, das mir sehr gelegen kam: die 1:1-Kopie eines ganzen Satzes in ein Double als spezielle Form von Variation. Bachs h-moll Partita bringt vier Tnze, die jeweils gefolgt sind von einer freien Variation auf die dem Tanz zugrun-deliegenden Harmonien, in weitgehender bereinstimmung der Takt-Perioden. Genau so, mit den streng zwillingshaften Prchen Tanz und Double, wrde es mir gelingen, hier den wesentlichen Charakter der Volksmusik ungetrbt zu transportieren, und dort im Double neue Mglichkeiten zur Variation auszuschpfen, alles: Motive, Gestus, Rhythmus, durch ein modernes Prisma bis ins frei-assoziative Klang-Universum werfen zu knnen.

    Meine thematische Wahl fiel zuerst auf das typisch alpine Erff-nungs- oder Begegnungs-Spiel des Jodlers, der manchmal auch in gesungener Form das buchstbliche Sich-Zusammen-finden und Zusammen-Klingen zelebriert, mit seinem Wechsel von Langsam-Schnell-Langsam-Schnell. Das Jodler-Double legt sich wie ein neues Firmament ber den alten Jodler, der jedoch um hier ganz klar zu sein meine freie Nach-Erfindung ist, die sich auch gleich durch Taktwechsel und die etwas bockfssige Periodik als solche kenntlich macht. Der Jodler ist in vielen klei-nen, feinen Details bereits die erste Brechung in die Abstraktion, die das Double dann konsequenterweise fortfhrt, beginnend mit dem augenzwinkernden Kopfnicken der Jodler-Schlussfloskel.

    Der Einzugsmarsch als ein legitimer Vertreter des Scherzo-Topos f