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Stellungnahme der Deutschen Umwelthilfe - duh.de · PDF fileTonnen für eine stoffliche Verwertung aussortiert. Der größte Teil ... dieser Voraussetzungen zu dokumentieren und auf

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  • Stellungnahme | Stand: 6.1.2016

    Novellierung der GewerbeabfallverordnungStellungnahme der Deutschen Umwelthilfe

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    Stellungnahme Novellierung der Gewerbeabfallverordnung Deutsche Umwelthilfe e.V.

    Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist ein unabhngiger Umwelt- und Verbraucherschutzverband und engagiert sich im Themenbereich Kreislaufwirtschaft seit vielen Jahren fr eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Voraussetzung fr einen verstrkten Ressourcen-schutz ist die Vermeidung, Sammlung und mglichst hochwertige Verwertung von Abfllen. Gewerbliche Siedlungsabflle sowie Bau- und Abbruchabflle sind hierfr von besonderer Bedeutung, da sie in Deutschland in groer Menge anfallen und bislang kaum recycelt werden.

    Die Verordnung ber die Bewirtschaftung von gewerblichen Sied-lungsanfllen und von Bau- und Abbruchabfllen, kurz Gewerbeab-fallverordnung (GewAbfV), ist in Deutschland die Rechtsnorm mit den wesentlichen Vorgaben zum Umgang mit haushaltshnlichen Gewerbeabfllen, wie z.B. Papier, Glas, Metall oder Kunststoffen, sowie mit bestimmten Bau- und Abbruchabfllen, etwa Beton, Ziegeln oder Fliesen. Sie enthlt Anforderungen an die Getrennt-haltung der Abflle, die Vorbehandlung von Abfallgemischen und die durchzufhrende Kontrolle. Die Gewerbeabfallverordnung trat zum 1. Januar 2003 in Kraft und wird derzeit vom Bundesmi-nisterium fr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit berarbeitet. Sie richtet sich vor allem an private und ffentliche Einrichtungen, Gewerbe und Industrie als Abfallerzeuger sowie an Vorbehandlungs- und Aufbereitungsanlagen, die Abflle zur weiteren Verwertung vorbereiten.

    Das Problem bei der Entsorgung gewerblicher Siedlungsabflle liegt vor allem darin, dass gemischte Gewerbeabflle nicht, wie gesetzlich vorrangig vorgesehen, sortiert und recycelt, sondern hufig direkt einer Verbrennung zugefhrt werden. Insgesamt werden von jhrlich 6 Millionen Tonnen gemischt anfallenden Gewerbeabfllen mehr als 90 Prozent verbrannt. Im Jahr 2010 wurden zwar rund 2,7 Millionen Tonnen gemischte Gewerbeabflle in Sortieranlagen behandelt, davon jedoch nur etwa 0,4 Millionen Tonnen fr eine stoffliche Verwertung aussortiert. Der grte Teil der wertstoffhaltigen Abflle wurde zu Ersatzbrennstoffen verarbei-tet. Letztendlich werden jedes Jahr nur etwa 7 Prozent der gemischt anfallenden Gewerbeabflle recycelt.1 Durch die Verfeuerung von Altpapier, Kunststoffen und anderen werthaltigen Abfllen als Er-

    satzbrennstoff gehen wertvolle Ressourcen verloren, die an anderer Stelle aufwndig erzeugt werden mssen. Bau- und Abbruchabflle sind mit jhrlich etwa 200 Millionen Tonnen die mengenmig grte Abfallart.2 Etwa ein Viertel der Bau- und Abbruchabflle ist Bauschutt, der sich fr eine Aufbereitung zur Verwendung im Straenbau oder im Beton fr den Hochbau eignet. Ein mglichst hochwertiges Recycling des Bauschutts ist notwendig, um den fr den Kiesabbau notwendigen Flchenverbrauch zu reduzieren.

    Die Deutsche Umwelthilfe begrt das Vorhaben des Gesetzgebers, mit einer Novellierung der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) gewerbliche Siedlungsabflle sowie Bau- und Abbruchabflle verstrkt einer Vorbereitung zur Wiederverwendung und einem Recycling zuzufhren. Am Referentenentwurf vom 11. November 2015 wird jedoch noch einiger Verbesserungsbedarf gesehen, der mit der vorliegenden Stellungnahme konkretisiert werden soll. Kennzeichnend fr die bisherige Entsorgungspraxis von Gewerbe-abfllen ist die Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften. Um zu einem hheren Ma an Umweltschutz und Ressourcenschonung zu kommen, sind nicht nur weitergehende gesetzliche Anforderungen, sondern vor allem auch ein funktionierender Vollzug notwendig. Ein wesentliches Ziel der neuen Gewerbeabfallverordnung muss daher die Schaffung geeigneter Rechtsvorgaben fr einen effektiven Vollzug sein. Hierzu zhlen konkrete Sanktionsmechanismen und erweiterte Berichtspflichten fr Gewerbetreibende und Betreiber von Vorbehandlungsanlagen, die ein effizientes Monitoring der Abfallstrme erlauben.

    Nachfolgend finden sich die wichtigsten Anmerkungen der Deut-schen Umwelthilfe zum Entwurf der Gewerbeabfallverordnung vom 11. November 2015 nach Paragraphen gegliedert.

    3 Getrennte Sammlung

    Grundlage fr eine hochwertige Abfallverwertung ist die getrenn-te Erfassung der Abflle in den Gewerbebetrieben. Der aktuelle

    Gewerbliche Siedlungsabflle stam-

    men aus Industrie, Gewerbe oder

    ffentlichen Einrichtungen. Aber sie

    hneln Abfllen aus privaten Haus-

    halten und sollten deshalb ebenso

    den Weg ins Recycling finden.

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    Deutsche Umwelthilfe e.V. Stellungnahme Novellierung der Gewerbeabfallverordnung

    Entwurf der Gewerbeabfallverordnung nimmt bei der getrennten Erfassung von Gewerbeabfllen die Abfallerzeuger als wesentliche Akteure kaum in die Verantwortung. Anders als bei der Entsorgung getrennt erfasster Haushaltsabflle, sind bei getrennt erfassten Gewerbeabfllen nach dem jetzigen Verordnungsentwurf keine Recyclingquoten zu erfllen. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe kann eine optimale stoffliche Verwertung nur dann gewhrleistet und sogenanntes Cherry Picking verhindert werden, wenn Recy-clingquoten auch fr getrennt erfasste Gewerbeabflle vorgegeben werden.

    Nach dem Verordnungsentwurf entfllt die Pflicht zur Getrennt-haltung gewerblicher Siedlungsabflle unter bestimmten Voraus-setzungen. In diesem Fall haben Abfallerzeuger das Vorliegen dieser Voraussetzungen zu dokumentieren und auf Verlangen der zustndigen Behrde vorzulegen. Eine Vorlage lediglich auf Verlan-gen bietet jedoch Spielraum fr eine Nichterfllung der Getrennt-haltungspflicht und erschwert einen funktionierenden Vollzug. Fr eine vereinfachte und effektive Kontrolle der Getrennthaltung von Gewerbeabfllen durch die Behrden sollten Abfallerzeuger dazu verpflichtet werden, unaufgefordert eine schriftliche Erklrung ber die Getrenntsammlung der jeweiligen Abfallfraktionen abzugeben. nderungen mssen bei den zustndigen Behrden angezeigt werden. Fr die nicht getrennt erfassten Abfallfraktionen sind unaufgefordert Nachweise zur Erfllung der Ausnahmevorausset-zungen bei den zustndigen Behrden vorzulegen. nderungen mssen behrdlich angezeigt werden.

    4 Vorbehandlung von gewerblichen Siedlungsabfllen

    Ist eine getrennte Sammlung in den Gewerbebetrieben technisch nicht mglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar, sind die gemisch-ten Abflle einer Vorbehandlung zuzufhren. Unter bestimmten Voraussetzungen entfllt die Pflicht zur Vorbehandlung gemischter Abflle. Um eine berprfung seitens der zustndigen Behrden zu vereinfachen, sind die Abfallerzeuger dazu zu verpflichten, unauf-gefordert Nachweise zur Erfllung der Ausnahmevoraussetzungen bei den zustndigen Behrden vorzulegen. nderungen mssen behrdlich angezeigt werden.

    5 Gemeinsame Erfassung und Entsorgung von Kleinmengen

    In der Begrndung zu 5 wird die geringe Menge als Gesamt-menge der angefallenen gewerblichen Siedlungsabflle verstan-den, sofern sie nicht wesentlich ber die bei Privathaushalten blicherweise anfallende Gesamtmenge an Abfllen hinausgeht. Fr eine verbesserte Nachvollziehbarkeit bei den Erzeugern von

    In gemischten Gewerbeabfllen sind viele Wertstoffe enthalten. Leider werden

    sie viel zu hufig nicht getrennt, sondern als Restabfall verbrannt oder beseitigt.

    Kleinmengen und einen vereinfachten Vollzug sollte ein konkreter Wert festgelegt werden, bei welchem von einer geringen Menge auszugehen ist.

    6 (1) Anforderungen an Vorbehandlungs- anlagen

    Die Deutsche Umwelthilfe untersttzt die in 6 (1) festgeleg-te Anforderung an Vorbehandlungsanlagen bestimmte fr die Sortierung von Abfllen wichtige Aggregate zu verwenden. Fr die in der Anlage zu 6 (1) genannten Aggregate unter Punkt 1 (Zerkleinerer) und Punkt 3 (Aggregate zur Untersttzung einer manuellen Sortierung) wird jedoch keine zwingende Notwendigkeit zur Vorhaltungspflicht gesehen.

    6 (3 & 4) Sortierquote fr gemischte Gewerbeabflle

    Die Sortierung gemischter Abflle, die Kunststoffe, Metalle, Papier, Holz oder Textilien enthalten, ist grundlegend fr eine stoffliche Verwertung dieser Abflle. Daher begrt die Deutsche Umwelthilfe die in 6 (3) festgelegte Sortierquote. Die in 6 (4) getroffene Mglichkeit zur dauerhaften Unterschreitung der Sortierquote um bis zu 10 Prozent und die Mglichkeit zur Unterschreitung der Sortierquote von ber 10 Prozent in bis zu zwei Monaten des Kalenderjahres ergibt jedoch eine zu weitgehende Aufweichung der Sortierquote. Stattdessen sollte lediglich eine Unterschreitung der Sortierquote um bis zu 10 Prozent in bis zu zwei Monaten des Kalenderjahres erlaubt werden.

  • Deutsche Umwelthilfe e.V. Bundesgeschftsstelle Radolfzell

    Fritz-Reichle-Ring 4 78315 Radolfzell Tel.: 0 77 32 99 95 - 0 Fax: 0 77 32 99 95 - 77

    E-Mail: [email protected] www.duh.de

    Bundesgeschftsstelle Berlin

    Hackescher Markt 4 Eingang: Neue Promenade 3 10178 Berlin Tel.: 0 30 24 00 86 7-0 Fax: 0 30 24 00 86 7-19

    E-Mail: [email protected] www.duh.de

    Ansprechpartner

    Thomas Fischer Leiter Kreislaufwirtschaft Tel.: 030 2400867-43 Mobil: 0151 18256692 E-Mail: [email protected]

    Philipp Sommer Referent fr Kreislaufwirtschaft Tel.: 030 2400867-462 E-Mail: [email protected]

    Die Voraussetzung fr ein hochwertiges Recycling der Gewerbeabflle ist ihre getrennte Sammlung in den Gewerbebetrieben.

    6 (5 & 6) Recyclingquote fr Abflle zur Verwertung

    Die in 6 (3) festgelegte Sortierquote ermglicht neben einem Recycling auch eine Verbrennung oder Verfllung der sortierten Abflle. Wesentlich fr eine stoffliche Verwertung ist daher eine verbindliche Recyclingquote fr die in der Sortierung ausgebrach-ten Fraktionen. Die in 6 (5) festgelegte Recyclingquote sollte wie folgt festgelegt werden:

    Recyclingquote von 35 Prozent ein Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung

    Recyclingquote