Therapie der Psoriasis mit Fumarsäureestern (Fumaderm®)

Embed Size (px)

Text of Therapie der Psoriasis mit Fumarsäureestern (Fumaderm®)

  • DOI: 10.1111/j.1610-0387.2007.06098.x Leitlinien 807

    Dt. Dermatologische Gesellschaft Journal compilation Blackwell Verlag, Berlin JDDG 1610-0379/2007/0509-0807 JDDG | 92007 (Band 5)

    1 DefinitionDer Begriff Hypertrichose bezeichneteine fr die jeweilige Krperregion unty-pisch starke Behaarung. Hypertrichosenknnen generalisiert, umschrieben, imRahmen von Genodermatosen oder alsHirsutismus auftreten.Zu den generalisierten Hypertrichosengehren die kongenitale und erworbeneHypertrichosis lanuginosa sowie konsti-tutionelle Hypertrichosen. Bei neu auf-tretenden generalisierten Hypertricho-sen sollten endokrin aktive Tumorenoder Paraneoplasien ausgeschlossen wer-den. Die umschriebenen Formen lassensich einteilen in angeborene, wobei hiermeist nvoide Vernderungen eine Rollespielen, und erworbene Hypertrichosen.Medikaments induzierte Hypertricho-sen knnen sowohl lokalisiert, als auchgeneralisiert in Erscheinung treten.Wenn die Induktion des Haarwachs-tums durch eine androgene Wirkungausgelst wurde, findet sich die ver-mehrte Behaarung vor allem in andro-genabhngigen Arealen, wie z. B. entlangder Linea alba und den Oberschenkelin-nenseiten.Hypertrichose, Androgenisierung, Hir-sutismus und Virilisierung mssen un-terschieden werden. Hypertrichose bezeichnet eine allge-

    meine, untypisch starke Behaarungmeist ohne Bevorzugung androgen-abhngiger Regionen.

    Bei Androgenisierung handelt es sichum das Auftreten von Seborrhoe,androgenetischer Alopezie, Hirsutis-mus und Akne (SAHA-Syndrom).

    Als Hirsutismus wird die patholo-gisch vermehrte Krperbehaarung

    vom mnnlichen Muster bei der Fraubezeichnet. Unter Virilisierung (Ver-mnnlichung) versteht man eine all-gemeine Differenzierung des weibli-chen Krpers in die mnnlicheRichtung.

    Virilisierungserscheinungen sindmnnlicher Phnotyp mit krftigerMuskulatur, Klitorishypertrophie,Vertiefung der Stimme und gelegent-lich Unterentwicklung der Mam-mae, des Uterus, der uerlichen Ge-nitalien und Amenorrhoe.

    Die Diagnostik und Therapie des Hir-sutismus ist nicht Gegenstand dieserLeitlinie.Zur Behandlung der Hypertrichosen ste-hen eine Reihe von Therapieverfahrenzur Verfgung. Diese lassen sich in me-chanische, chemische, elektrische, to-pisch-medikamentse und das Verfahrender selektiven Photothermolyse eintei-len.

    2 Therapie der HypertrichosenDie Therapie der Hypertrichosen isthufig schwierig. Im Vordergrund stehtdie Behandlung mglicher zugrundelie-gender Ursachen. Meist wird aber einesymptomatische Behandlung durchge-fhrt.Bei der Enthaarung werden Epilationund Depilation unterschieden. Epilationist die vollstndige Entfernung des Haar-schaftes, zum Beispiel durch Zug. Beider Depilation wird, meist durch chemi-sche Wirkstoffe, nur ein Teil des Haar-schaftes entfernt.Mit mechanischen, topisch-medika-mentsen und chemischen Verfahrenlassen sich nur temporre Erfolge erzie-

    len. Mit elektrischen Methoden, der se-lektiven Photothermolyse, Rntgenthe-rapie und operativer Entfernung sindauch permanente Enthaarungen mg-lich. Die Rntgentherapie ist heute ob-solet. Eine chirurgische Intervention bie-tet sich nur in Einzelfllen an.Voraussetzung fr eine permanente Ent-haarung ist eine Zerstrung der derma-len Papille und der Wulstregion (Sitz derStammzellen des Haarfollikels). Weiter-hin kritisch betrachtet wird der ge-bruchliche Begriff der permanentenHaarentfernung, der von der amerikani-schen Food and Drug Administration(FDA) als signifikante Reduktion derAnzahl an Terminalhaaren, die mindes-tens ber den Zeitraum eines Haarzykluskonstant bleibt, definiert wird.

    2.1 Mechanischlassen sich Haare durch Wachsbehandlungund Zug oder durch Rasur entfernen.Bei der Wachsepilation wird zwischenHei-, Warm- und Kaltwachsen unter-schieden. Beim Heiwachsen wird festesWachs zum Schmelzen gebracht undentgegen der Wuchsrichtung auf das zuenthaarende Areal aufgetragen. Nachdem Abkhlen wird das Wachs ruckartigvon der Haut abgezogen. Dies ist beiDurchfhrung von Gebten ein sehr ef-fektives Verfahren, da auch Flaumhaareerfasst werden. Beim Warmwachsen wirddas Wachs auf etwa 37 Grad Celsius er-wrmt und in Wuchsrichtung der Haareauf die Haut aufgetragen. Baumwoll-oder Papierstreifen werden ber dasWachs gestrichen. Nach dem Erkaltenwird das Wachs entgegen der Wuchsrich-tung parallel zur Hautoberflche abgezogen.

    Leitlinie

    Therapie der Hypertrichose

    Therapy of hypertrichosis

    Christian Kunte, Hans Wolff, Christina Gottschaller, Ulrich Hohenleutner

    RedaktionProf. Dr. Hans Christian Korting,

    Mnchen

    English online version at www.blackwell-synergy.com/loi/ddg

  • 808 Leitlinien

    JDDG | 92007 (Band 5)

    Kaltwachs liegt in Pasten- oder Gel-form vor. Das Vorgehen entspricht demdes Warmwachsens. Das Auftragen desKaltwachses kann mitunter mhevollsein. Vornehmlich werden krftige Ter-minalhaare herausgezogen, kurze feineVellushaare knnen im Haarkanal ver-bleiben. Vorteil des Wachsens ist, dassdie enthaarten Areale fr mehrere Tagehaarfrei sind und dass grere Flchenauf einmal behandelt werden knnen.Nachteilig sind die vor allem bei Un-gebten auftretende Schmerzhaftigkeitund die Mglichkeit von Follikulitiden.Durch Zug knnen einzelne Haare auchmittels Pinzette entfernt werden. DiesesVerfahren ist allerdings schmerzhaft undzeitaufwendig, so dass es sich nur frkleine Flchen wie die Augenbrauen,Oberlippe und Kinn eignet. Eine andereMglichkeit ist der Einsatz technischerGerte. Bei diesen Gerten bewegen sichz. B. Rollen so gegeneinander, dass beimberfahren der Haut Haare ausgezogenwerden. Es eignet sich zur Anwendungim Extremitten- oder Bikinibereich.Auch diese Enthaarungsmethode istschmerzhaft, Follikulitiden sind hufig.Ein hufig in arabischen Lndern ge-nutztes klassisches mechanisches Ent-haarungsverfahren ist die Abrasion. Hier-bei kommen Abrasionshandschuhe oder-steine zum Einsatz. Durch rhythmi-sches und gegenlufiges berstreichender Haut werden die Haare geknickt bissie abbrechen. Es ist ein mhsames undnur mig effektives Verfahren, da nurder Teil des Haarschaftes entfernt wird,der aus der Haut ragt.Mit Hilfe der Rasur lassen sich Haareebenfalls auf mechanischem Wege tem-porr entfernen. Vorteil ist die einfacheund rasche Durchfhrbarkeit. Nachteilist der nur kurz anhaltende Effekt. NachRasur am Morgen knnen bereits nach-mittags Haare sichtbar werden. Beson-ders im Bikinibereich, wo die Haare ge-kruselt wachsen, kann es nach Rasur zuFollikulitiden kommen.

    2.2 Chemischlsst sich eine Hypertrichose durch Blei-chung der Haare und somit Reduktiondes Kontrastes von Haut zu Haar kosme-tisch verbessern. Eine chemische Depila-tion lsst sich unter anderem mit Thio-glykolaten erreichen. Das Prinzip dieserBehandlung beruht auf der Hydrolysevon Disulfidbrcken im Haarschaft. DerHaarschaft wird durch Disulfidbrcken

    stabilisiert, die zwischen Zysteinmo-leklen im Haarschaft aufgespannt sind.Der Haarschaft besteht zu 15 % aus derAminosure Zystein, wohingegen dieEpidermis nur zu etwa 2 % aus Zysteinbesteht. Der Einfluss der Thioglykolateauf die Epidermis ist somit gering. Nacheiner gewissen Einwirkzeit knnen dieHaarreste von der Haut geschabt oderabgewaschen werden. Da der Ansatz-punkt der Auflsung des Haarschaftes inder Tiefe des Haarkanals unterhalb derKeratinisierungszone des Haarschaftesliegt, ist der Enthaarungseffekt fr einigeTage anhaltend. Nachwachsende Haaresind meist nicht so stoppelig wie nach ei-ner Rasur. Nicht selten kommt es bei al-kalischen Prparaten und zu langer Ein-wirkzeit zur Hautirritation. Auchallergische Kontaktekzeme sind mglich.Zur Entfernung sehr krftiger Terminal-haare, zum Beispiel Barthaare bei Mn-nern, sind Thioglykolate aufgrund deslangsamen Wirkungseintritts nicht ge-eignet.

    2.3 Ein medikamentses Verfahrenzur Behandlung der Gesichts-Hyper-trichose der Frau (verstrkte Behaarungan Oberlippe, Wangen und Kinn) stelltdie Inhibition der Ornithindekarboxy-lase durch Eflornithin-Creme dar. DasEnzym Ornithindekarboxylase kataly-siert die Reaktion von Ornithin zu Pu-trescin. Polyamine wie Putrescin, Sper-midin und Spermin sind Bestandteilealler lebenden Zellen. Sie spielen einewichtige Rolle bei der Regulation vonZellwachstum und Differenzierung,auch im Haarfollikel.In zwei grossen randomisierten, plazebo-kontrollierten Studien an insgesamt 596Frauen mit Hypertrichose im Gesichtkonnte gezeigt werden, dass zweimal tg-lich uerlich aufgetragene Eflornithin-Creme in der Lage ist, das Haarwachs-tum zu hemmen. Etwas vereinfacht kannman sagen, dass 1/3 der Frauen sehr gutauf die Creme anspricht, 1/3 mittelstarkund 1/3 gar nicht. In welche Gruppe diejeweilige Patientin gehrt, kann in derRegel bereits nach 8 Wochen Anwen-dung entschieden werden.Nach Absetzen der Behandlung geht derBehandlungsnutzen innerhalb von 8Wochen wieder verloren. Als Nebenwir-kung wird von etwa 5 % der FrauenBrennen, Stechen und Kribbeln derHaut, sowie akneartiger Hautausschlag,angegeben.

    2.4 Bei der Elektrolysehandelt es sich um eine Gewebezer-strung durch Natriumhydroxid, wel-ches bei niedriger Stromstrke aus Koch-salz und Wasser im Haarfollikel entsteht.Die chemische Reaktion und die davongefolgte Gewebsdestruktion bentigt 30bis 60 Sekunden und ist somit relativzeitintensiv.Nur mit Hilfe einer Mehrnadeltechniklassen sich in einer Sitzung grereAreale behandeln. Aufgrund des langenStromflusses kann die Behandlungschmerzhaft sein. Bei der Thermolysehandelt es sich um kurzzeitige, hochfre-quente Stromflsse, also um eine meistunipolare Diathermie. Bei Verwendungeiner manuellen Technik werden relativgeringe Intensitten der oszillierendenStrme verwendet. Die Einwirkzeit istmit 3 bis 20 Sekunden relativ lang. DieEpilation mittels Elektrolyse und Ther-molyse ist nur bei Anagenhaaren effektiv.Nur bei ihnen kann die Epilationsnadelso tief in den Haarkanal gesteckt werden,dass sowohl dermale Papille als auchWulstregion chemisch oder thermischdestruiert werden.Damit bei der Behandlung nur wach-sende Anagenhaare epiliert werden,emp