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Via Romana – Meilenstein – Soziale Stadt Rot · Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot 2 Via Romana – Meilenstein Der Meilenstein ist eingeweiht In einem eindrücklichen

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  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Inhalt

    Das Projekt Via Romana Seite Der Meilenstein auf dem Weg zur "Sozialen Stadt" Stuttgart-Rot

    Einführung 2

    5 Wolfgang Zaumseil Winfried Börner

    Beteiligte und Ausführende 6 Auftraggeber, Sponsoren, Schulen Zeitliche Abwicklung 7 Von der Planung zur Einweihung Herstellung 8 Technisches Die Beiträge 9-11

    12-14 15-17 18-19 20-21

    Ernst-Abbe-Schule Ferdinand-Porsche-Gymnasium Uhlandschule Flattichhaus Gustav-Werner-Schule

    Inschriften 22 Hic saxa loquuntur Lagepläne 23

    24 M = 1:500, Büro Hils M = 1:5000, Katasterplan

    Visionen 25 Projektfortsetzung mit

    Sonnenkalendarium Römischem Brennofen Forum mit Aussicht

    Die Römer in Süddeutschland 26-29

    30 Geschichte Quellen

    Pläne 31

    32 Flurkarte von 1902 Karte Landesdenkmalamt

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Via Romana – Meilenstein

    Der Meilenstein ist eingeweiht In einem eindrücklichen Festakt haben die Erbauer die 2,10 m hohe, etwa 1,5 Tonnen schwere, in Betonguss hergestellte Steinsäule enthüllt und 40 farbige Reliefs mit ganz individuellen Antworten zu der Frage "Woher kommst Du- Wohin gehst Du ? " der Öffentlichkeit präsentiert.

    Die Gestalter Die Schüler und Schülerinnen des Flattichhauses, der

    Uhlandschule, des Porsche-Gymnasiums, der Ernst-Abbe-Schule und der Gustav-Werner-Schule haben ein halbes Jahr lang zusammen mit dem Architekten und Baukünstler Wolfgang Zaumseil an diesem Objekt gearbeitet.

    Die Handwerkstechnik Jede mitarbeitende Schülerin und jeder mitarbeitende

    Schüler stellte eine Tonplatte 22/40 cm her, auf der sie/er in Relieftechnik die gestellte Frage bildhaft oder in Worten beantwortete. Diese Tonplatten wurden dann in Gips abgegossen. Darauf wurde der Ton entfernt und das Gipsnegativ mit farbigem Zement ausgegossen. Die Gipsnegative mit dem Zementvorsatz wurden dann vor Ort zusammengebaut und mit Beton ausgegossen. Schlussendlich wurden mit Hammer und Meisel die Gipsnegative abgeschlagen.

    Dieses aufwändige Herstellungsverfahren stellte hohe

    Anforderungen nicht nur an das künstlerisch-handwerkliche Geschick der Jugendlichen, sondern auch an deren Geduld und Durchhaltevermögen. Mit großer Unterstützung der Lehrer und auch der Schulleitungen sowie dem künstlerisch-pädagogisch Einfühlungsvermögen des Baukünstlers ist dies hervorragend geglückt.

    Die soziale Plastik Die Begeisterung aller Teilnehmer fand Ausdruck nicht

    nur in dem nun aufgestellten Meilenstein, sondern auch im Festakt der Einweihung selbst, wo getanzt, gesungen und mit großer Aufmerksamkeit den kurzen Erzählungen und Statements der Kinder und Jugend-lichen zu ihren dargestellten Visionen zugehört wurde.

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Der alte Römerweg

    Der Meilenstein ist Auftakt einer ganzen Reihe von stadtgestalterischen Vorhaben um das Projekt "Via Romana". Die Anregung zu diesem Projekt kam von Martin Frey, Pfarrer der Evangelischen Kirchen-gemeinde Rot. Quer durch den Stadtteil Stuttgart - Rot im Stadtbezirk Zuffenhausen verläuft der alte Römerweg vom ehemaligen Kastell in Bad Cannstatt zum ehemaligen Kastell in Wahlheim. Die Bebauung der Quartiere von Rot im letzten Jahrhundert hat wohl eher unbewusst darauf Rücksicht genommen. Der Römerweg verläuft heute vom Hallschlag herkommend zwischen der Uhlandschule und dem Porsche-Gymnasium, die Haldenrainstraße überquerend, die Löchgauer Straße begleitend, den Rotweg überquerend, bei der Ernst-Abbe-Schule für Sehbehinderte den Stadtteil Richtung Zazenhausen verlassend.

    Programm "Soziale Stadt" Unter Beteiligung der Anwohner und der schulischen

    und pädagogischen Einrichtungen soll dieser Weg wieder entdeckt und zum Gegenstand städtebaulicher, stadtgestalterischer, darstellerisch- künstlerischer Maßnahmen werden, eingebunden in das von den Einwohnern Rots geforderte, erarbeitete und nun genehmigte städtebauliche Programm "Soziale Stadt".

    Die Unterstützer Das Pilotprojekt "Meilenstein" wurde vorab schon vom

    Stadtplanungsamt begrüßt und mit einer Startfinan-zierung angeschoben. Der Bezirksbeirat schloss sich mit einem weiteren Teilzuschuss auch aus stadt-geschichtlichen Gründen an. Weitere finanzielle Unterstützung kam von der Stiftung Umweltschutz Pro Stuttgart. Die Firma Palmer stellte das Fundament her und die Pflasterung, das Vermessungsbüro Hils berechnete die geographischen Koordinaten, die katholische Kirchengemeinde stellte Strom und Wasser auf der Baustelle zu Verfügung. In den Werkräumen der Ernst-Abbe-Schule wurden die Abgussarbeiten durchgeführt.

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Orientierung In der oberen Rotweganlage kann nun der Passant Wichtiges erfahren über seinen Standort, 48°50'01'' Nördliche Breite 09°11'36'' Östliche Länge, und über die Befindlichkeit, die Träume und Wünsche, und auch die Sorgen der jugendlichen Einwohner aus dem Stadtteil Rot. Botschaften, die zum Frieden in der Welt aufrufen sind dabei, Welteinsichten, die aus vielen Augen leuchten, Berufsvorstellungen, Erinnerungen an die eigene Heimat oder die der Eltern, Nachdenken über den Zustand der Welt, Reflektionen über Einschränkungen der Gesundheit, des Wohlbefindens, des Glücks.

    Visionen Alles zusammen ein bunter Spiegel der kulturellen

    Vielfalt des Stadtteils Rot, ein Meilenstein auf dem Weg zur "sozialen Stadt", eine soziale Plastik, ein gemeinschaftlich geschaffenes Kunstwerk von höchster Strahlkraft.

    Wolfgang Zaumseil, Stuttgart, 16.07.2003

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Winfried Börner, Stadtplanungsamt

    Gebaute Botschaften Ein wesentlicher Baustein der Stadtplanung ist die Herstellung von Bezügen zur Vergangenheit. Welche Tradition hat der Ort oder Landschaftsraum, für welchen ich als Stadtplaner städtebauliche Konzepte zu erstellen habe? Wie kann ich Geschichte verdeutlichen und „gebaute Botschaften“ transportieren?

    Auf den ersten Blick möchte man sagen, der Stadtteil

    Zuffenhausen-Rot hat (fast) keine Geschichte. Gerade mal die 50-Jahre-Marke übersprungen, nach dem Krieg sprichwörtlich aus dem Boden gestampft. Ein Stadtteil, der zu Hochzeiten fast 17000 Einwohnern, darunter ein Großteil von Kriegsflüchtlingen, ein neues Zuhause bot.

    Stadtteilgeschichte = Kulturgeschichte

    Ein Rückblick in die Geschichte zur Zeit der Römer belehrt eines Besseren. Das Gebiet des heutigen Rots lag inmitten eines Wegegeflechts, das kulturhistorisch von Bedeutung war. Es lag im Schnittpunkt von römischen Festungen (Römerkastelle auf dem Hallschlag, in Benningen und in Walheim) und Siedlungen im heutigen Raum zwischen Zazenhausen und Kornwestheim.

    Quo vadis? Schon damals wird des Öfteren die Frage gestellt

    worden sein: - Wohin gehst du? Auch heute spielt diese Frage für viele Menschen eine

    entscheidende. Rot hat in den vergangenen 40 Jahren fast die Hälfte seiner Einwohner verloren.

    Revitalisierung In Abstimmung mit Bund und Land versucht die Stadt

    Stuttgart im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“ – den Stadtteil zu revitalisieren. Einwohner des Stadtteils sollen u.a. motiviert werden, sich mit ihrem Stadtteil auseinanderzusetzen. Da ist ein Projekt, wie das hier skizzierte, von einem hohen Stellenwert. Schon frühzeitig werden junge Menschen angeregt, sich mit ihrer Umwelt zu beschäftigen. Vielleicht entwickelt sich daraus ein kontinuierlicher Prozess, der für die Zukunft hoffen lässt.

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    Beteiligte und Ausführende

    Auftraggeber: Stadtplanungsamt, Amt für Stadterneuerung und Bezirksbeirat Stuttgart – Zuffenhausen

    Idee und Realisierung: Wolfgang Zaumseil, Dipl.-Ing., Freier Architekt Künstler für kooperative Projektgestaltung

    Anregung für Gesamtprojekt: Martin Frey Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rot

    Projektsteuerung:

    Wolfgang Zaumseil Dipl.-Ing., Freier Architekt und Baukünstler, Stuttgart Winfried Börner Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Stuttgart Martin Frey Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rot

    Sponsoren: Stiftung Umweltschutz Pro Stuttgart Firma Palmer Vermessungsbüro Hils Katholische Dreifaltigkeitskirche

    Die teilnehmenden Schulen: Ernst-Abbe-Schule, Schule für Sehbehinderte Schulleiter Herr Bengesser

    Ferdinand-Porsche-Gymnasium Schulleiter Herr Hönes

    Uhlandschule, Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, Schulleiterin Frau Lermann

    Flattich-Haus Partner für flexible Hilfen zur Erziehung

    Gustav-Werner-Schule, Schule für Geistigbehinderte Schulleiter Herr Hezel

    Archäologische Beratung: Landesdenkmalamt, Dr. Stork und Dr. Röske Theiss – Verlag Phillip von Zabern - Verlag

    Ergebnis: - Ein Meilenstein auf dem Weg zur "Sozialen Stadt" - 35 stolze, zufrieden und glückliche Kinder und

    Jugendliche - 5 schulische Einrichtungen, die diese außerschulische

    Projektarbeit zusammen weiterführen wollen. - Visionen zum weiteren Ausbau der "Via Romana". - Großes Öffentliches Interesse in Tagespresse und

    Fernsehen.

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    Die zeitliche Abwicklung

    Planung 2002, November Planung, Kontakte, Terminvorbereitung Treffen Projektgruppe 2002, Dezember Projektvorstellung vor den Schülergruppen in den

    einzelnen Einrichtungen Umsetzung 2003, Januar - Februar Einführung in Entwurf, Technik und Handwerk Materialausgabe Selbständige Bearbeitung in den Gruppen Austausch 2003, 24. Februar Rundgang durch die Einrichtungen, Präsentation und

    Besichtigung der Zwischenergebnisse Fortsetzung 2003, März - April Weitere Bearbeitung der Tontafeln

    in den Gruppen Einrichtung einer Werkstatt

    in der Ernst-Abbe-Schule 2003, April - Mai Gipsabgüsse und Abgüsse des Kunststeinvorsatzes Der Zusammenbau vor Ort 2003, Mai Herstellung des Fundaments durch Fremdfirma Schichtweiser Aufbau und Abguss der Säule 2003, 23. Mai Einweihung Insgesamt wurden etwa 800 Arbeitsstunden investiert

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    Die Herstellung UNDE VENIS ?

    WOHER KOMMST DU ?

    QUO VADIS ? WOHIN GEHST DU ?

    • Jeder Schüler und jede Schülerin stellte eine Tonplatte 20/40 cm her, auf dem er/sie in Relief-technik die gestellte Frage bildhaft oder in Worten beantwortet hat.

    • Diese Tonplatten wurden in Gips abgegossen. • Darauf wurde der Ton entfernt und das

    Gipsnegativ mit farbigem Zement ausgegossen.

    • Die Gipsnegative mit dem Zementvorsatz wurden dann vor Ort zusammengebaut und mit Beton ausgegossen. Die Kinder schlugen mit Hammer und Meisel die Gipsnegative ab.

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    Der Beitrag der Ernst-Abbe-Schule Kunst AG, Frau Tögel

    Gemeinsames Modellieren der Tontafeln

    Mirco Wiesner Ich bin Mirco Wiesner und ich habe auf meiner Platte

    ein Auge gemacht, weil wir von der Sehbehinderten -Schule kommen.

    Lisa Brunner

    Ich heiße Elisa. Auf meiner Kachel ist eine Zauberbrille drauf. Durch die Brille kann ich die Welt und schöne Dinge entdecken. Die Entstehung der Zauberbrille

    Tina Ibrahim Ich heiße Tina und ich habe auf meiner Kachel ein Pferd

    (Pferdekopf, Isländer HUKLA) gestaltet, weil es meine Lieblingstiere sind.

    Jennifer Vogt Ich heiße Jennifer und das Thema, das ich auf meiner

    Kachel bearbeitet habe heißt "Mit den Augen die Welt betrachten". Es soll bedeuten, dass ich gerne noch viele Länder erkunden will, weil ich mich sehr für andere Kulturen interessiere.

    Isabella Wizani

    Doppelgesicht Jung – Alt Vorbereiten der Tontafeln zum Abguss mit Gips

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    Saskia Bader

    Ich heiße Saskia. Mein größter Wunsch ist Schauspiele-rin zu werden. Deshalb habe ich auf meiner Kachel dargestellt, wie Kinder um eine Weltkugel herumstehen und mir bei meinem ersten Film zuschauen. Präsentation der Tontafeln beim gemeinsamen Rundgang durch die Schulen

    Jasmina Abramovic Ich heiße Jasmina und ich habe zum "Thema viele

    Kulturen in Zuffenhausen-Rot" das Wappen von der kroatischen Flagge modelliert, weil ich eben aus Kroatien komme.

    Irina Klein

    Mein Name ist Irina Klein und ich habe das Thema Deutschland gemacht und da habe ich die Fahne gestaltet. Gussformen bereit zum Zementabguss

    Nicole Koch

    Ich heiße Nicole. Ich habe auf der einen Seite gemacht, wie ich früher gesehen habe und auf der anderen Seite, wie ich heute sehe. Ich habe früher normal gesehen und sehe jetzt (nach einer Tumoroperation) schlechter

    Bei der Präsentation

    Jana Wagner Ich heiße Jana und ich habe das Thema jung und alt

    gemacht. Ich habe auf meiner Kachel mich als Baby dargestellt.

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    Zeynep Coskun

    Ich heiße Zeynep und ich habe das Thema Kulturen bearbeitet. Ich komme ursprünglich aus der Türkei und auf der Kachel ist die türkische Stadt Kapadokia abgebildet.

    Präsentation der Arbeiten beim Einweihungsfest

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    Der Beitrag des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums Kunstunterricht, Frau Marquardt

    Mara Brinker mein bild symbolisiert das werden und vergehen, den nutzen und den überfluss. aus der erde wird neues le-ben geboren. die pflanze wächst und gedeiht indem sie sich lediglich dessen bedient, was sie unbedingt nötig hat. doch da die erde noch platz für mehr lebewesen bieten würde, führt dies zu überfluss und der mensch verliert den blick für die kleinen freuden des alltags. nebenbei macht der mensch durch seinen uneingeschränkten willen nach immer mehr und nur dem besten vom besten, den lebensraum all derer zunichte, die ihm lieb und teuer sind doch auch derer, die er gar nicht kennt, dabei ist "ein fremder nur ein freund, den man noch nicht kennt" ich möchte mit meinem bild ein zeichen setzen und zeigen, dass die kleinen dinge von bedeutung sind und allein die inneren werte zählen!

    LLeeaa FFrreeyy

    SSttoollzz tthhrroonntt IImmppeerraattoorr MMaarrccuuss LLuuccuulllluuss OOppttiimmuuss aauuff sseeiinneemm eeddlleenn eeqquuuuss,, NNaammee uunnbbeekkaannnntt.. JJeeddeennffaallllss iisstt eess eeiinn eeqquuuuss bboonnuuss,, eeiinn aauussddaauueerrnnddeerr LLääuuffeerr.. SSooeebbeenn hhaabbeenn PPffeerrdd uunndd RReeiitteerr RRoomm dduurrcchh ddiiee pprrääcchhttiiggee ppoorrttaa ooppppiiddii vveerrllaasssseenn.. DDiieesseess MMaall ssoollll eess eeiinn eennddggüüllttiiggeerr AAbbsscchhiieedd sseeiinn.. Die letzte Schlacht im bello magno ist geschlagen, natürlich ganz nach der veni-vidi-vici-Methode. Nun gibt es hier nichts mehr zu tun für den virem audacem . Er ist auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

    Natalie Böhringer

    IIcchh hhaabbee mmiirr bbeeii mmeeiinneemm RReelliieeff eeiinn rreelliiggiiöösseess TThheemmaa aauussggeessuucchhtt.. EEss ssoollll ddeenn „„AAnnffaanngg““ ddaarrsstteelllleenn,, aallss ddiiee WWeelltt nnoocchh iinn OOrrddnnuunngg wwaarr uunndd üübbeerraallll FFrriieeddeenn hheerrrrsscchhttee.. Es bezieht sich auch auf die Situation mit dem Irak-Krieg. Deshalb auch das Peace – Zeichen. Meine Platte ergänzt sich mit einer anderen, die das „Ende“ darstellt.

    Martin Wirsching Das Ende Semirah Ben Kheder Sumerische Tempelanlage

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    Malina Efremova

    Die Menschheit Eine Einheit !

    das Bild als Ganzes Eine Abstammung

    Der Baum, der aus der Erde wächst Ein Ursprung ! Eine Welt !

    Unsere Erde Und nur ein Leben !

    Die Vergänglichkeit des Baumes Leben wir es in Frieden

    Das Peace – Zeichen auf dem Stamm Schüler und Schülerinnen des Porsche-Gymnasiums und der Uhlandschule beim Abschlagen der Gipsnegativformen

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    Ingo Höfert Präsentation während des Einweihungsfestes am 23.05.2003

    Das Leben, für viele Menschen die Frage: ? Woher komm ich, wohin gehe ich ?? Doch niemand kennt die Antwort! Alles bleibt unklar ? unbelichtet und dunkel. Was der Mensch weiß? Dass sein Leben, seine Vergangenheit, seine Zukunft, Höhen und Tiefen gehabt hat und haben wird. Manche Ereignisse im Leben haben Spuren hinterlassen und andere nichtig und klein, dass der Mensch sie vergaß. Bildbezug: Die Brücke ?- der Mittelpunkt, der Weg des Lebens. Anfang und Ende sind nicht zu sehen. Sie kann jederzeit einstürzen, wie das Leben zu Ende gehen kann. Ungewissheit und Furcht, ein ständiger Begleiter im Leben. Der Himmel ? voller Einrisse, welche Spuren hinterlassen, wie die Umgebung auf den Menschen. Unwetter und Sonnenschein, ein Kontrast, wie das Glück und Unglück im Leben. Der Zaun ? umrahmt das Bild und versperrt die Sicht, wie dem Menschen, die Sicht in die Zukunft versperrt wird.

    Der Baum ? Als Symbol der Natur, holt seine Kraft aus dem Sonnenlicht und schenkt uns seine Früchte ? die Natur hilft uns in vielen Lebenslagen.

    Verköstigung bei der Einweihung durch die SchülerInnen des Porschegymnasiums

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    Der Beitrag der Uhlandschule Schülerinnen der Klasse 8, Frau Schostek

    Canan Ata Mein Thema war die Türkische Fußballmannschaft. Ich fand das Arbeiten mit Ton nicht so einfach und hatte manchmal ein paar Schwierigkeiten, obwohl ich eine sehr einfache Aufgabe hatte. Ansonsten hat es mir Spaß gemacht… Ich bin Türkin und interessiere mich für Fußball, besonders für Hasan Sas, weil er so gut aussieht und so gut spielt. Ich bin aber auch ein Fan vom gesamten Verein Galatasaray Istanbul. Ich bin sehr stolz auf mein Land…. So geht es wahrscheinlich auch anderen türkischen Mitbewohnern von Rot. Wenn sie den fertigen Meilenstein sehen, fühlen sie sich vielleicht nicht mehr so fremd hier und werden an ihre Heimat erinnert. Ich finde es schön, dass ich mit meiner Tonarbeit dazu beitragen kann.

    Nadine Brochmann Mein Thema war Australien.

    Australien habe ich gewählt, weil ich dorthin einmal möchte und ich Kängurus süß finde. Aber mit Ton arbeiten war nicht so leicht, wie es aussieht. Ich bin schon sehr gespannt, meine Tonplatte auf dem Meilenstein zu sehen. Wenn ich später mal Kinder bekomme, werde ich auch zu dem Meilenstein gehen und werde ihnen meine Tonplatte zeigen. Ich hoffe, ihnen gefällt sie auch so gut wie mir. Am Anfang dachte ich, sie wird nicht so schön, aber jetzt gefällt sie mir sehr gut. Es ist toll, dass ich mit diesem Meilenstein verewigt werde.

    Vanessa Brooks

    Selig ist der Mensch, der in Frieden lebt. Es gibt kein größeres Glück auf Erden.

    Hallo, mein Name ist Vanessa Brooks Mein Thema war "Frieden". Ich habe einen Friedensspruch geschrieben, weil ich finde, dass Frieden in der Welt sehr wichtig ist. Ich will die Menschen überzeugen, dass es auf der Welt keinen Krieg geben soll, denn mit Frieden kann man besser leben. Auch müssten keine unschuldigen Menschen sterben. Wenn die Leute dies lesen, sollen sie darüber nachdenken, denn das ist ein großer Schritt zum Frieden.

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    Mein Name ist Seher Sandal

    Mein Thema war die Turmuhr von Izmir. Ich fand das Arbeiten mit Ton interessant, aber auch anstrengend. ich musste viele Kleinigkeiten herstellen, das bedeutete vor allem sehr genau arbeiten. Trotz der Anstrengung hat es Spaß gemacht, mit Ton zu arbeiten und etwas zu meinem Heimatland beitragen zu können. Die Turmuhr ist ein Denkmal aus früheren Zeiten, und ich freue mich, dass ich über den Meilenstein eine Erinnerung dazu liefern kann. Später kann ich mal sehen, was ich an der Schule gemacht habe. So wird meine Arbeit nicht vergessen. Auch die Tonarbeiten anderer Schüler haben mir sehr gefallen, so dass ich sicher bin, dass der Meilenstein etwas ganz besonderes ist. Übertrag der Entwurfsskizze auf die Tonplatte

    Ich heiße Derya Sat und bin 16 Jahre alt

    Mein Thema war eine Türkische Moschee. Ich finde das Projekt sehr interessant, ich konnte das Wahrzeichen meiner Stadt anfertigen, was mir großen Spaß bereitet hat. Mit Ton zu arbeiten war für mich etwas schwierig. Gerade die dünnen Striche und die Ornamente sind nicht einfach zu gestalten. Ich finde es gut, dass viele Schulen mitarbeiten und ich freue mich darauf, meine Tonplatte auf dem Meilenstein sehen zu können. Unter der Anleitung von Herrn Zaumseil konnte ein tolles Werk entstehen. Ich bin stolz, dass ich bei diesem Projekt mitmachen konnte. Das werde ich in meinem Leben nicht vergessen.

    Ich heiße Emine Acar und bin 14 Jahre alt

    Mein Thema war eine Türkische Moschee. Ich finde das Projekt sehr interessant, weil ich mit meiner Mitschülerin Derya an einer Tonplatte zusammen gearbeitet habe. Eine interessante Erfahrung war für mich das Abgießen der Tonplatte. Das Rühren von Gips hat mir sehr Spaß gemacht. Die Entwicklung vom Ton zum Meilenstein beeindruckt mich sehr, weil ich dabei entdecken konnte, wie aus einem kleinen Klumpen Ton ein großes Werk entsteht. Das ganze hat mir sehr Spaß gemacht.

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    Hallo, ich heiße Esma Bayram

    Tonpositiv und Gipsnegativ

    Ich habe eine Afrikanische Maske hergestellt. Warum ich mich dafür entschieden habe, weil ich die verschiedenen Gesichter schön finde. Die Arbeit mit den Schülern fand ich schön. Für mich war die Arbeit nicht schwierig, da ich im künstlerischen Bereich sehr begabt bin. Es war für mich eine Herausforderung, mit Ton zu arbeiten. Es hat mir aber sehr gut gefallen. Was mir am besten gefallen hat, dass ich bei diesem Projekt mitarbeiten konnte. Man hat mir die Chance gegeben, meine Kreativität zu zeigen. Ich bin stolz, dass ich bei diesem Projekt mitwirken konnte. Und meinen Kindern in der Zukunft zeigen kann, und dass ich ein Denkmal in unserem Stadtteil verewigt habe.

    Ich heiße Sevgi.

    Mein Thema war "Berufswunsch Kindergärtnerin".

    Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich mal Kindergärtnerin werden möchte. Ich fand es schwer und interessant. Am schwierigsten fand ich die Buchstaben. Auf meiner Tonplatte waren sie schwer herzustellen, weil ich mit einem dünnen Stab alle auskratzen musste. Ich fand es sehr schön, dass ich mitmachen durfte. Wenn ich einmal Kinder habe, werde ich mit ihnen zu unserem Meilenstein gehen und ihnen meine Tonplatte zeigen. Bei dem Rundgang durch die verschiedenen Schulen haben wir sehr schöne Arbeiten gesehen, besonders die vom Gymnasium und der Ernst-Abbe-Schule haben mir sehr gut gefallen. Ganz toll fand ich auch, dass Frau Schostek und Herr Zaumseil uns geholfen haben. Allein hätten wir das nicht so gut hingekriegt.

    Tanz zur Einweihung

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    Der Beitrag des Flattichhauses Frau Mierzwa, Frau Stecher

    Herr Habicht

    Sarah Niederwanger Friede Sarah Schaller Friede Eva Matuschek Liebespaar

    Ich habe dieses Motiv ausgesucht, weil ich Liebe sehr wichtig finde, auch für meinen Weg in die Zukunft. Es ist eine Verewigung von mir und meinem Freund, mit dem ich noch hoffentlich lange zusammen bleibe.

    Ebru Memisoglu Flug über die Türkei, Berufswunsch Stuardess Michaela Wüst Palmenstrand

    Frauen – Power beim Betonmischen für den Abguss der Säule

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    Einfüllen des Betons und Verdichten durch Stochern

    Nach der Enthüllung

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    Der Beitrag der Gustav-Werner-Schule Projekt der Oberstufe

    Frau Schwarz

    Melanie Gillert

    Ich bin seit ich geboren bin in Stuttgart-Rot und wohne mit meiner Mutter in der Gundelsheimerstraße. Meine Mama und ich wohnen sehr gerne hier, wir haben hier Freunde. Ich kenne die Läden, gehe mit meiner Freundin Sabrina ins Jugendhaus oder fahre mit der Stadtbahn zum Bummeln in die Stadt. Ich ziehe mich gerne schick an. So seht ihr mich auf meinem Tonbild. Am liebsten möchte ich immer hier wohnen bleiben.

    Bei der Begutachtung durch Herrn Zaumseil

    Murat Demircan, 14 Jahre

    Meine Eltern kommen aus der Türkei, ich bin hier in Deutschland geboren und war mit meinem Papa dort. Ich habe wie Ranja in der Fleiner Straße gewohnt, bin jetzt aber nach Stuttgart-Zuffenhausen in die Hohenhas-lacherstraße umgezogen. Ich bin mit den andern auf der Römerstraße gegangen. Frau Schwarz hat uns ein Bild mitgebracht. Es interessiert mich, was die Römer gemacht haben. Deshalb sieht man mich auf meiner Tonplatte auf der Römerstraße gehen.

    Beim Anrühren der farbigen Gussmasse

    Anojan Pararajah, 15 Jahre,

    Meine Eltern kommen aus Sri Lanka, ich bin hier in Deutschland geboren und war nur einmal in den Ferien dort. Ich wohne jetzt in Stuttgart-Rot im Rotweg zusammen mit Mama, Papa, und meinen Schwestern Diluxana und Priscilla. In einem Fotoalbum schaue ich mir Fotos von Sri Lanka an. Meine Lehrerin hat auch Fotos von dort. Auf der Tonplatte bin ich und ein Baum aus Sri Lanka.

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    Ranja Fatnasi, 14 Jahre

    Ich komme aus Tunesien und wohne jetzt in Stuttgart-Rot in der Fleiner Straße zusammen mit Mama. Ich bin gerne hier, freue mich aber auch, wenn ich meine Schwestern und Papa in Tunesien besuchen kann. Auf meiner Tonplatte bin ich und die Schlangen. Ich finde sie lustig, habe aber auch ein bisschen Angst vor ihnen. Am liebsten schaue ich sie mir in der Wilhelma an. In Tunesien gibt es auch Schlangen, ich nenne sie Hanasch.

    Die 4 von der Gustav-Werner-Schule bei der Präsentation der Tontafeln beim Rundgang durch die Schulen

    Genau hier sollte der Meilenstein aufgestellt werden

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Die Inschriften auf dem Meilenstein

    H IC SAXA LOQUUNTUR

    HIER SPRECHEN D IE STE INE

    UNDE VENIS ?

    WOHER KOMMST DU ?

    QUO VAD IS ? WOHIN GEHST DU ?

    BEANTWORTET UND I N S TE IN GEGOSSEN VON SCHÜLERN UND SCHÜLERINNEN DER

    UHLANDSCHULE GUSTAV -WERNER -SCHULE

    ERNST -ABBE -SCHULE DES

    F . -PORSCHE -GYMNASIUMS UND DES F LATT I CHHAUSES

    GEOGR . KOORD INATEN 48°50 ' 01 ' ' NÖRDL . BREI TE 09°11 ' 36 ' ' ÖS T L . LÄNGE

    S IC HOMINES LOQUUNTUR

    QUO VAD IS ? RÖMISCH

    OU EST – CE QUE TU VAS ? FRANZÖS ISCH

    KU BO SCHKON ? KOSOVARE

    WHERE ARE YOU GOING TO ? ENGL ISCH

    DOVE VA I ? I T AL IEN ISCH

    K ITE TU JAN I AH ? PAK ISTAN ISCH

    KUDA D I I TOSCH ? RUSS ISCH

    SEN NEREYE GIDIYORSUN ? TÜRK ISCH

    KUDA IDES ? KROAT ISCH

    KOHEDDE JANNE ? S INGALES ISCH

    AP KAHA JA RAHEE HO ? ………….

    UNDE MECE TU ? RUMÄN ISCH

    KA KOS I ? BOSN ISCH

    DONDE V I ENE ? SPAN ISCH

    WIN -MESCH IA ? TUNES ISCH

    SKAD PANI POCHODZ I Z JAKI EGO KRAJU POLN ISCH

    E IN MEILENSTEIN

    AUF DER VIA ROMANA IN ROT

    AUFGESTELLT IM AUFTRAG

    DER STADTVERWALTUNG STUTTGART UND

    DES BEZIRKSBEIRATS ZUFFENHAUSEN

    IM MAI ANNO DOMINI MMI I I

    GEFÖRDERT DURCH

    STIFTUNG UMWELTSCHUTZ PRO STUTTGART, F IRMA PALMER,

    VERMESSUNGSBÜRO HILS , KATHOLISCHE DREIFALTIGKEITSKIRCHE

    VERANLASST DURCH

    BEWOHNER DES STADTTEILS ROT

    GELEITET VOM

    ARCHITECTUS WOLFGANG ZAUMSEIL ANIMATOR MAXIMUS, ARTIFEX IN KOOPERATIVER PROJEKTGESTALTUNG

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Lageplan M = 1:500 (verkleinert)

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Katasterplan (ohne Maßstab) Via Romana mit Ortsangaben zu

    Meilenstein, 1 Kalendarium, 2

    Römischer Brennofen, 3 Forum mit Aussicht, 4

  • Via Romana – Meilenstein – "Soziale Stadt" Rot

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    Visionen

    Es geht weiter mit der Via Romana.

    Via Romana Was kommt nach dem Meilenstein (1) ?

    Hier sind die Visionen, die wir gesammelt haben:

    Projekttitel: Sonnenkalendarium (2) Via Romana kreuzt Via Sole

    Ort: Schoßbühl, Grünstreifen beim Flattichhaus

    Vorhaben: Anlage eines etwa 400 qm großen Kalendariums mit einer ca. 6,5 m hohen Säule, ca. 22 Stundensteinen, ca. 12 Stunden - und drei Datumslinien

    Arbeitsumfang: Gestaltung des öffentlichen Raumes, Aneignung durch kulturelle Veranstaltungen

    Kooperation: Flattichhaus, Gustav-Werner-Schule, Mobile Jugendarbeit, weitere

    Projekttitel: Römischer Brennofen (3) Sigillata – Töpferware

    Ort: Schoßbühl, Grünstreifen beim Porschegymnasium

    Vorhaben: Bau eines römischen Brennofens nach archäologi-schem Befund zur Herstellung von Baukeramik, z.B. Hausnummernschilder, Mosaiken, Straßennamen, etc.

    Arbeitsumfang: Weitere Nutzung als Brot- und Pizzaofen, Überdachung mit seitlichen Wänden, Kamin

    Kooperation: PorscheGymnasium – Landesdenkmalamt – Fachschule für Keramik, Mobile Jugendarbeit, weitere

    Projekttitel: Forum mit Aussicht (4) Blick ins Tal des Feuerbachs

    Ort: Kreuzung Rotweg, Straßenraum und Grünstreifen

    Ziel: Hier soll ein künstlerisch-soziales-städtebauliches Projekt, an dem die Bewohner des Immanuel-Grözinger-Hauses und die SchülerInnen und LehrerInnen der Ernst-Abbe-Schule teilnehmen, die sozialen Spannungen abbauen und den Ort aufwerten.

    Arbeitsumfang: Einbeziehung Straßenraum, Grünstreifen, Betonung der Sichtachsen, künstlerisches Objekt als Abschluss der Via Romana in Rot

    Kooperation: Ernst-Abbe-Schule, Grötzingerhaus, A. Mak, AK 4 Soziale Stadt, weitere

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    Die Geschichte der Römer im Neckarraum

    Die Römer kamen als Eroberer. Im Zuge der Ausdehnung des römischen Reiches erschien in den Jahren 85 bis 90 n. Chr. zum ersten Male römisches Militär in dieser Gegend. Das ganze Land wurde kaiserliches Besitztum, und die bisherigen Bewohner zu Erbpächtern. Bei der Zuteilung des freien Bodens an Kolonisten und Veteranen und bei der Auswahl der Siedlungs-stätten durch diese bestand weitgehende Freiheit. Die einzelnen Landesteile sind zu verschiedenen Zeiten von den Römern besetzt worden und sie standen verschieden lange Zeit unter römischer Herrschaft. Das Land gehörte zu zwei Verwaltungsbezirken. Der westliche Teil wurde der Provinz Ober-germanien (Sitz der Verwaltung in Mainz), der östliche Teil der Provinz Rätien (Sitz der Verwaltung in Augsburg) zugeteilt. Das obergermanische Gebiet, also im Allgemeinen das Neckarland, hatte rege Verbindung mit dem Rhein. Kastelle und Straßen. Sofort wurden hier in Abständen Lager (Kastelle) für die Grenzbewachungstruppen gebaut, so bei Böckingen, Walheim, Benningen, Cannstatt und Köngen. Der Kom-mandant der Neckarfront hatte seinen Sitz in Cannstatt. Große Kastelle wie Cannstatt (Steinkastell) waren für ein Reiterregiment und das Stabsquartier gebaut, während in die anderen Neckarkastelle Fußtruppen (Kohorten ) gelegt wurden. Aufgaben der Truppen waren die Sicherung des Grenzabschnittes und die Überwachung des Grenzverkehrs. Sofort wurde auch der Bau von Nachschub - und Verbindungsstraßen in Angriff genommen. Eine Militärstraße zog vom Kastell Cannstatt westwärts über die Prag bis nahe zum heutigen Bahnhof Feuerbach und von da nach Norden, um immer als Höhenstraße, am Parkwärterhaus westlich von Botnang vorbei, westwärts über Rutesheim und Pforzheim nach Straßburg zu führen. Eine zweite Militärstraße vom Kastell Cannstatt zog entlang der heutigen Ludwigsburger Straße und Schwieberdinger Straße von Zuffenhausen über Neuwirtshaus 8 km weit fast gerade nach Schwieberdingen und einst ins Rheintal und nach Mainz. Weiter gab es Verbindungen zu den Nachbarkastellen. Eine Verbindungsstraße nach Benningen - Walheim verlief vom Nordwesttor des Kastells etwas westlich der heutigen Essener Straße weiter über die Burgholzhöhe. Sie querte das Feuerbachtal bei der ehemaligen Ölmühle und mündete bei einer Biegung in die Ludwigsburger Straße.

    Ein zweiter Weg führte vom Kastell nordwärts, dann ein Stück am Neckar abwärts, querte den Freiberg und das Feuerbachtal unterhalb Zazenhausens und führte als "Steinerne Straße" (teilweise freigelegt in der Nähe der Theodor Heuss Schule in Kornwestheim.) weiter nordwärts. Die meisten von den Verkehrsmittelpunkten wie Cannstatt ausgehenden Wege verästelten sich nach den vielen Einzelgehöften im Gelände.

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    Siedlung und Handwerk Ein geschäftiges organisiertes Leben wurde dem Land beschieden, wie es das bisher kaum gesehen hatte. Technische Errungenschaften, die damals ins Land gebracht wurden, sind vor allem der reichlichen Verwendung von Stein, Mörtel, und Ziegeln zu Hausbauten, Stein zu Straßen, Stein zu Bildwerken zu verdanken. Neben Handwerken wie Metallwerkkunst, Schmiede, Schreiner, Schneider und Holzgewinnung sind das Steinhandwerk, Töpferhandwerk und die Ziegelherstellung von großer Bedeutung in diesem Raum. (Über das kulturelle Leben geben Inschriften, Weih-, Bau-, und Grabinschriften wertvolle Hinweise). Straßenbau und Steinbau waren bisher hier unbekannte Künste gewesen. Diese Errungenschaften der Mittelmeerwelt kamen jetzt zum ersten Male nach Mitteleuropa. Die Römer waren sowohl im Bau wie auch in der Linienführung ( die meisten Straßen laufen über weite Strecken sehr gerade) der Straßen Meister. Steinbrüche und Lehmgruben wurden für den römischen Steinbau betrieben. Bis da war im Lande Holzfachwerkbauweise verbreitet. Sand- und Kiesgruben wurden betrieben, zum Kalkmörtel gehört Sand, zum römischen Estrich Kies oder Kleinschlag. Kalkbrennereien für Kalkmörtel waren wichtig, da die Römer bei den Heizanlagen, Baderäumen und bei der Herstellung von Estrichböden nicht mit Kalkmörtel sparten. In den Steinbrüchen und Steinmetzwerkstätten wurden vor allem Sandstein und auch Kalkstein u. a. als Baustein, Einfassungen, Inschriftentafeln, Götterstatuen, Säulen, Altäre, Reliefs verarbeitet. Ein selbständiges künstlerisches Leben entstand in der Region des mittleren Neckar. Besiedlung/Gehöfte Um jedes römische Kastell schloss sich ein Dorf von Handwerkern aller Art an (Lagerdörfer). Solche Dörfer entstanden aus den Bedürfnissen der Garnison heraus. Des weiteren entstanden landwirtschaftliche Einzelhöfe, die Gutshöfe, und kleinere Höfe, die meist weit auseinander lagen. Dies war die weitaus häufigste Form der Siedlung. Geschlossene röm. Bauerndörfer kennt man aus unserem Gebiet nicht. Größere Gehöfte enthielten z. T. Kultstätten und Badegebäude. Ein schönes Werk römischer Kleinkunst kam vor 1817 von Zazenhausen in die Staatssammlung, die 37 cm hohe Bronzestatue des Gottes Herkules. Näheres über den Fundort ist nicht bekannt. Bei den römischen Siedlungen handelt es sich immer um Einzelhöfe, z. T. von stattlicher Art, nicht um Dörfer. Im Großraum Zuffenhausen finden sich weitere römische Gehöfte einfacherer Art, z. B. in der Flur "Reute" nördlich vom Burgholz. Viehzucht wurde in römischer Zeit eifrig betrieben. Hilfsmittel zur Datierung einzelner Gehöfte können sein Inschriften, Münzen u. keramische Reste. Die nicht seltenen Gutshöfe, in denen man spätkeltische u. römische Keramik zusammen findet, werden mit Wahrscheinlichkeit in vorrömischer Zeit zurückreichen.

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    Städtische Siedlungen. Cannstatt war dank seiner günstigen Lage zu einer stadtartigen Siedlung herangewachsen. Die verkehrsreiche Straße Rhein-Donau lief durch Cannstatt. Das Merkurheiligtum und andere Kultbilder wie auch die Villa Zazenhausen lässt die Höhe der Kultur und den Reichtum ahnen. Städte im rechtlichen Sinne gab es im Gebiet des heutigen Württemberg nicht. Nach Umfang und Bauweise muss man neben Cannstatt als stadtartige Siedlung noch Rottenburg und Rottweil bezeichnen. Man nimmt an, dass sich die ersten Kolonisten in der Nähe der Militärstraßen niederließen. Römische Siedlungsstätten und Sagen. Zazenhausen: Noch heute ist es an der römischen Ruinenstätte nicht ganz geheuer, "Die Schafe scheuen vor manchen Stellen zurück oder brechen durch den Anblick des Fräuleins, das dort umhergeht, erschreckt die Hürden durch und entfliehen.“ Töpfer und Ziegler In Feldziegeleien wurden Ziegel für den Hausbau gefertigt. Das Töpferhandwerk stand zur Zeit der Römer in hoher Blüte. Alle Töpferware ist auf der Drehscheibe geformt und sehr hart gebrannt. Kleinere Gefäße wie Schüsseln, Töpfe, Krüge, Becher...wurden hier gefertigt, ganz große Vorratsgefäße wie z. B. Amphoren sind wohl meist durch den Handel hierher gekommen. In einem ehemaligen Töpferviertel westlich vom Kastell wurden bei Bauarbeiten im Jahr 1929 ca. 50 Brennöfen gefunden, Brennöfen für die einfache Keramik und auch mehrere Brennöfen für die rote porzellanartige Terrasigillata-Ware. Sigillata erfordert eine besondere Zusammensetzung des Tons, feinste Schlämmung und einen Brand in besonders gebauten Öfen. Sigillata-Töpfer haben ihre Ware meist mit ihrem Namen gestempelt. Etwa 230 verschiedene Töpfernamen sind dadurch aus dem Raum Cannstatt bekannt. Metallgewerbe Metallgießereien und Schmiedewerkstätten sind als Ganzes nicht erhalten, nur durch Kleinfunde nachzuweisen. Holzgewinnung Ein eigenes Gewerbe diente der Holzgewinnung zum Hausbau und für Heizzwecke, viel Holz verschlangen die Brennöfen der Töpfer und Ziegler. Am bedeutendsten war wohl der Bedarf an Brennstoff seitens der Bäder, und im Winter der Hypokausten der Wohnräume. Das Fehlen von Ruß lässt darauf schließen, dass weniger mit Holz als mit Holzkohle geheizt wurde. Holzkohle brauchte man ebenso für die tragbaren Kohle-becken, mit denen man Räume heizte, die keine Hpokausteneinrichtung hatten. Aber auch Schmiede und andere Gewerbetreibende brauchte sie. Kohlemeiler sind in Würt-temberg noch nicht nachgewiesen, sind sicher abgetragen und schwer nachweisbar.

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    Sonstige Handwerke An den Hauptstraßen, auf denen sich der Durchgangsverkehr bewegte, waren Herbergen und Umspannstationen für den Pferdewechsel nötig. An solchen Orten werden auch einige Handwerker wie Wagner, Sattler und Schmiede sowie kleine Kaufleute gesessen sein. Begräbnisstätten Die bekannten Begräbnisplätze liegen mehrere hundert Meter außerhalb der Kastelle, nach antiker Sitte an den von den Lagern ausgehenden Straßen. Auch die meisten der bekannten rein bürgerlichen Friedhöfe sind etwas entfernt von der Siedlung. Der große, wohl nicht nur von der Kastellbesatzung belegte Begräbnisplatz, lag 600 m NNW von Lager Cannstatt an der Ostseite der Römerstraße nach Benningen. Er ist heute (1930) durch die Lehmgrube der Ziegelei Höfer ganz beseitigt. Fundstücke: zahlreiche Bildwerke: 6 Reliefs der Unterweltsgöttin Herekura , 1 von Merkur, zwei Statuetten von Attis u. a. als Grabbeigaben Krug und Münze, Lämpchen. Auch größere Grabbauten in Form von mehrstöckigen turmartigen Denkmälern mit Inschriften u. Reliefschmuck waren auf württembergischen Boden nicht selten. Kultstätten Neben den kleinen privaten Kultstätten, die man in jedem Hause finden konnte, gab es, wie einige wenige Funde beweisen, auch größere öffentliche Heiligtümer oder Heilige Bezirke mit Kapellen und Tempeln, die nicht selten an ältere keltische Heiligtümer anknüpften. Kleinere Heiligtümer mögen die Gutsbesitzer außerhalb des Gehöfts unter alten Bäumen, an Kreuzwegen, an Quellen errichtet haben. Wenn in Inschriften von aedes oder templum gesprochen wird, braucht man nicht an stattliche Bauten denken. Bekannt: Jupitergigantensäule 4,5 m hoch, gefunden in Cannstatt. Das Ende der Geschichte der Römer in Süddeutschland Die Gegend um das Kastell Cannstatt erlebte nicht selten große Truppenbewe-gungen, da über Cannstatt die wichtige Militärstraße Rhein - Donau - Orient zog. Im Jahre 231 n. Chr. begannen römische Truppen einen monatelangen Marsch nach dem Orient, um in Mesopotamien gegen die dort eingebrochenen Perser zu kämpfen. Die Germanen nutzten diese Schwächung und brachen über den Limes ins Neckarland ein. Nach einem Sieg über die Germanen unter Kaiser Caracalla brachen die Aleman-nen über den Limes und besetzten weithin das Neckarland. Die Römer mussten den Krieg an der Ostfront abbrechen und mit großer Heeresmacht, dabei auch angeworbe-nen orientalischen Truppen (s. In-schrift Grabstein...) wieder an den Neckar ziehen, um den Feind zurückzu-schlagen. Hinzu kamen Machtspiele in den eigenen Reihen. Im Jahr 259/60 n. Chr. ging das ganze Neckarland bis zum Rhein dem römischen Reich verloren, und es beginnt die alemannische, Schwäbische Geschichte des Landes.

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    Literatur Bücher: Friedrich Hertlein, Peter Goeßler (unter Mitwirkung von Oskar Paret), Die Straßen und Wehranlagen des römischen Württemberg, W. Kohlhammer, Stuttgart 1930 Oskar Paret, Die Siedlungen des römischen Württemberg, W. Kohlhammer, Stuttgart 1930 Oskar Paret, Groß-Stuttgart in vorgeschichtlicher Zeit, August Schröder Verlag, Stuttgart 1949 Friedrich Hertlein , Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg, Karl Aue Verlag Stuttgart 1859 Theiss Die Römer in Deutschland Theiss Der Limes Theiss Archäologieführer v. Zabern Reiter wie Statuen aus Erz v. Zabern Die Legionen des Augustus Coppenrath Das Leben der Alten Römer Karten: Württembergisches Landesamt für Denkmalpflege, (Hrsg.): Die Römer in Baden Württemberg, Archäologische Karte 1:200000, Archäologische Karte von Württemberg, 4 Blätter 1:200000, bearbeitet von Finanzrat Paulus, Stuttgart 1882 Flurkarte von 1902

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    Flurkarte von 1902

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    Württembergisches Landesamt für Denkmalpflege, (Hrsg.): Die Römer in Baden Württemberg

    Archäologische Karte 1:200000 (Ausschnitt, verkleinert)