York-Antwerp Rules 1974 - Springer 978-3-322-86205-1/1.pdf  Anhang York-Antwerp Rules 1974 Auslegungsregel

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  • Anhang

    York-Antwerp Rules 1974

    Auslegungsregel

    Bei der Aufmaehung von Havarie-grosse-Dispachen sol1en die folgenden Buchstaben- und Ziffernregeln angewendet werden unter AussehluB jedes Gesetzes oder jeder Praxis, die diesen Regeln entgegenstehen.

    Mit Ausnahme dessen, was in den Ziffernregeln vorgesehen ist, solI Havarie-grosse in Dbereinstimmung mit den Buchstabenregeln dispaehiert werden.

    Regel A

    Ein Havarie-grosse-Fall ist dann und nur dann gegeben, wenn irgendein auBerordentliches Opfer oder eine auBerordentliche Aufwendung absichtlich und verniinftigerweise fUr die gemeinsame Sicherheit zu dem Zwecke ge-maeht oder eingegangen wurde, urn das in einer gemeinsamen Seeunterneh-mung befindliche Eigentum vor Gefahr zu bewahren.

    Regel B

    Havarie-grosse-Aufopferungen und -Aufwendungen sollen von den versehie-denen beitragenden Interessen auf der nachstehend vorgesehenen Grundlage getragen werden.

    Regel C

    Nur solche Verluste, Schiiden oder Ausgaben, die die direkte Folge einer Havarie-grosse-MaBnahme sind, sollen in Havarie-grosse vergiitet werden. An Schiff oder Ladung entstandener Verlust oder Schaden durch Verzoge-rung und/oder Aufenthalt, einerlei, ob wiihrend der Reise oder im AnsehluB an dieselbe, wie z. B. Zeitverlust und jeder wie auch immer geartete indirekte Verlust, wie z. B. Marktverlust, sollen nieht in Havarie-grosse vergiitet werden.

    Regel D

    Die Rechte auf Havarie-grosse-Beitrag sol1en selbst dann nieht beeintriichtigt werden, wenn das Ereignis, das zu der Aufopferung oder Aufwendung Ver-anlassung gab, moglicherweise dem Verschulden einer der an dem Unter-nehmen beteiligten Parteien zuzuschreiben ist.

    Dies solI jedoch eventuelle Reehtsanspriiche oder deren Abwehr nieht prii-judizieren, die moglicherweise gegen oder fUr diese Partei wegen solchen Versehuldens offenstehen.

  • 156 Anhang

    Regel E

    Die Beweislast obliegt der Partei, die eine Vergtitung in Havarie-grosse reklamiert. Sie hat darzulegen, daB der geforderte Verlust oder die gefor-derte Aufwendung tatsachlich in Havarie-grosse vergtitungsberechtigt ist.

    Regel F

    Jede Extraausgabe, die an Stelle einer anderen Ausgabe gemacht wurde, die in Havarie-grosse vergtitungsberechtigt gewesen ware, solI ohne Beriick-sichtigung evtl. Ersparnisse anderer Interessen als Havarie-grosse angesehen und vergtitet werden, aber nur bis zur Hohe des Betrages der Havarie-grosse-Kosten, die vermieden wurden.

    Regel G

    Havarie-grosse solI beztiglich Verlust und Beitrag auf Grundlage der Werte dispachiert werden, die zur Zeit und am Orte gelten, wann und wo das Unternehmen endet.

    Diese Regel solI die Bestimmung des Ortes nicht beeintrachtigen, an dem die Dispache tiber die Havarie-grosse aufzumachen ist.

    Regel I: Seewurf von Ladung

    Kein Seewurf von Ladung soIl als Havarie-grosse vergtitet werden, wenn solche Ladung nicht in Ubereinstimmung mit den anerkannten Schiffahrts-usancen befordert worden ist.

    Regel II: Schaden durch Seewurf und Aufopferung fur die gemeinsame Sicherheit

    Schaden, der Schiff und Ladung oder einem von heiden zugefUgt wurde durch eine oder infolge einer fUr die gemeinsame Sicherheit gemachten Auf-opferung, und Schaden durcll Wasser, das durch die geoffneten Schiffsluken oder eine andere Offnung eindringt, die zum Zwecke des Uberbordwerfens zur gemeinsamen Sicherheit gemacht wurde, solI in Havarie-grosse vergtitet werden.

    Regel Ill: Feuerliischen an Bord des Schiffes

    ScIladen, der Schiff und Ladung oder einem von beiden zugeftigt wurde, durch Wasser oder auf andere Weise, einschliel3lich des Schadens durch Auf-strandsetzen oder Versenken eines brennenden Schiffes, urn ein Feuer an Bord eines Schiffes zu loschen, solI als Havarie-grosse vergtitet werden; mit der Ausnahme jedoch, daB keine Vergtitung erfolgen solI fUr Schaden durch Rauch oder Hitze, wie auch immer verursacht.

  • Anhang 157

    Regel IV: Kappen von Wracldeilen

    Verlust oder Schaden, der durch das Kappen von Wrackteilen oder Teilen des Schiffes entsteht, die vorher beschadigt wurden oder infolge Unfalls tatsachlich verlorengingen, sollen nicht in Havarie-grosse vergiitet werden.

    Regel V: FreiwilIige Strandung

    Wenn ein Schiff absichtlich auf Strand gesetzt wird zur gemeinsamen Sicher-heit, gleichgiiltig, ob es auf Strand getrieben ware oder nicht, solI der daraus folgende Verlust oC:er Schaden in Havarie-grosse vergiitet werden.

    Regel VI: Hilfs- und Bcrgelohn

    Aufwendungen, die den Beteiligten an dem Unternehmen wegen Rettungs-maBnahmen entstanden sind, gleichgiiltig, ob auf Grund eines Vertrages oder in anderer Weise, sollen in Havarie-grosse vergiitet werden, soweit die Ret-tungsmaBn'ahmen fiir den Zweck unternommen wurden, das Eigentum an einem gemeinsamen Seeunternehmen vor Gefahr zu bewahren.

    Regel VII: Maschlnen- und Kesselscbaden

    Der an allen maschinellen Einrichtungen und Kesseln eines Schiffes, das auf Strand sitzt und in gefiihrlicher Lage ist, verursachte Schaden bei dem Be-miihen, das Schiff wieder fIottzumachen, solI in Havarie-grosse vergiitet werden, wenn nachgewiesen wird, daB dieser infolge der tatsachlichen Ab-sicht entstanden ist, das Schiff fiir die gemeinsame Sicherheit auf das Risiko solchen Schadens hin flottzubringen. Wenn aber ein Schiff fIott ist, soll kein durch Arbeiten der Antriebsmaschinen und Kessel verursachter Verlust oder Schaden, unter welchen Umstanden auch immer, als Havarie-grosse vergiitet werden.

    Regel VIII: Leichterungskosten eines auf Grund sitzenden Schiffes und Folgeschiiden

    Wenn ein Schiff gestrandet ist und Ladung, Brennstoff und Ausriistung oder ein Teil derselben als Havarie-grosse-MaBnahme entloscht worden sind, sollen die Extrakosten der Leichterung, Leichtermiete und Wiederverladung (falls aufgewendet) sowie der Verlust oder Schaden, der dabei entstanden ist, in Havarie-grosse vergiitet werden.

    Regel IX: AIs Brennstoff verbraucbtes Schiffsmaterial und Ausrfistung

    Schiffsmaterial und Vorrate oder ein Teil derselben, die notwendigerweise in der Zeit der Gefahr flir die gemeinsame Sicherheit als Brennstoff ver-brannt worden sind, sollen in Havarie-grosse vergiitet werden, jedoch nur, wenn eine ausreichende Menge an Brennstoff beschafft worden war; doch solI die geschatzte Menge an Brennstoff der Havarie-grosse kreditiert wer-den, die verbraucht worden ware, berechnet zum Preis beim Abgang aus dem letzten Abfahrtshafen.

  • 158 Anhang

    Regel X: Kosten 1m Nothafen etc.

    a) Wenn ein Schiff infolge eines zufalligen Ereignisses, Aufopferung oder anderer auBergewohnlicher UmsUinde fUr die gemeinsame Sicherheit einen Nothafen oder Notplatz angelaufen hat oder an seinen Ladehafen oder Ladeplatz zuruckgekehrt ist, dann sind die Kosten des Anlaufens dieses Hafens oder Platzes in Havarie-grosse zu verguten; und wenn das Schiff von dort mit seiner ursprunglichen Ladung oder einem Teil derselben wieder abgefahren ist, dann sind die entsprechenden Kosten des Aus-laufens an diesem Hafen oder von diesem Platz als Folge des Anlaufens oder der Ruckkehr ebenfalls in Ha varie-grosse 7.U vergilten.

    Liegt ein Schiff in einem Nothafen oder an einem Notplatz und wird es notwendigerweise nach einem anderen Hafen oder Platz uberfUhrt, weil in dem ersten Hafen oder an dem ersten Platz Reparaturen nicht aus-gefUhrt werden konnen, dann sind die Bestimmungen dieser Regel auf den zweiten Hafen oder Platz so anzuwenden, als wenn sie Nothafen oder Not-platz waren, und die Kosten dieser U'berfUhrung einschlieBlich vorlaufiger Reparaturen und Verschleppung sind in Havarie-grosse zu verguten. Die Bestimmungen der Regel XI sind auf die durch die U'berfUhrung ver-ursachte Reiseverlangerung anzuwenden.

    b) Die Kosten von Umstauen an Bord oder Entloschen von Ladung, Brenn-stoff oder Vorraten im Lade-, Zwischen- oder Nothafen oder -platz sind in Havarie-grosse zu verguten, wenn das Umstauen oder Entloschen fur die gemeinsame Sicherheit notwendig war oder dafUr, durch Zufall oder Aufopferung entstandenen Schaden am Schiff zu reparieren, sofem die Reparaturen fUr die sichere Fortsetzung der Reise erforderlich waren, mit Ausnahme derjenigen FaIle, bei denen der Schiffsschaden am Ladehafen oder -platz oder im Zwischenhafen oder -platz festgestellt wird, ohne daB auf der Reise irgendein Unfall oder andere auBergewohnliche Umstande im Zusammenhang mit diesem Schaden aufgetreten sind.

    Die Kosten von Umstauen an Bord oder Entloschen von Ladung, Brenn-stoff oder Vorraten sind nicht in Havarie-grosse vergutungsberechtigt, wenn nur zum Neustauen von auf der Reise verrutschter Ladung ent-standen, es sei denn, daB die Neustauung fUr die gemeinsame Sicherheit notwendig ist.

    c) Wenn die Kosten der Umstauung oder Entloschung von Ladung, Brenn-stoff oder Vorraten in Havarie-grosse vergutungsberechtigt sind, dann sind die Kosten der Lagerung einschlieBlich vemunftiger Versicherung, der Ruckladung und Stauung dieser Guter ebenfalls in Havarie-grosse zu verguten.

    Wird das Schiff aber kondemniert oder setzt es seine ursprungliche Reise nicht fort, dann sind Lagerkosten nur bis zum Datum der Kondemnation oder der Aufgabe der Reise zu verguten, oder aber bis zur Beendigung der Entloschung, falls die Kondemnation oder Aufgabe der Reise vor die-sem Datum erfolgt.

  • Anhang

    Regel XI: Beuem und UnterhaU der Besatzung und andere Ausgaben beim Abweidten nam und in einem Nothafen etc.

    159

    a) Heuern und Unterhalt fur Kapitan, Offiziere und Mannschaft, welche vernunftigerweise aufgewendet sind, sowie Verbrauch an Heizmaterial und Vorraten wahrend der Reiseverlangerung infolge Anlaufens eines Nothafens oder -platzes oder Ruckkehr nach dem Ladehafen oder -platz sind in Havarie-grosse zu verguten, wenn die Kosten des Anlaufens eines solc