Zur Reform der Mehrwertsteuer

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  • 8/3/2019 Zur Reform der Mehrwertsteuer

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    Professor Dr. Rolf Peffekoven

    Zur Reformder MehrwertsteuerZurck zu einer generellen Konsumbesteuerung

    Esel

    9%MwSt.

    aulesel

    7%MwSt.

    DasRichtigeTun.de/Mehrwertsteuer

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    Vorwort

    Noch nie war unser Steuerrecht so wenig durchschaubar wie heute. Es ist ungerecht, hemmt Wachstum

    und erzeugt teure Brokratie. Vertrauen in gerechte Verhltnisse schat nur ein klares, nachvollziehbares

    Steuersystem. Dazu gehrt auch eine einache Mehrwertsteuer.

    Eine Reorm ist dringend geboten. Denn r Unternehmen wie Behrden bedeuten die vielen und teilweise

    absurden Ausnahmen und Sonderregelungen erheblichen organisatorischen Mehrauwand und vielach

    Rechtsunsicherheit. Der angestrebte soziale Ausgleich durch die gespaltenen Steuerstze kommt ot nicht

    zum ragen, weil eben nicht nur d ie Bezieher niedriger Einkommen, sondern auch Spitzenverdiener von der

    Subvention einzelner Gter und Dienstleistungen protieren.

    Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschat hat ein Gutachten in Autrag gegeben, um diese notwendige

    Reormdiskussion konstruktiv voranzutreiben. Pro. Dr. Rol Peekoven, em. Direktor des Instituts rFinanzwissenschat der Johannes Gutenberg-Universitt Mainz, schlgt vor, die Mehrwertsteuer weitgehend

    zu vereinheitlichen: Auer Mieten und Pachten sollen alle Gter und Dienstleistungen mit einem einheitlichen

    Satz von 16 Prozent besteuert werden.

    Durch den Wegall der systematisch widersinnigen Begnstigungen kann die Mehrwertsteuer-Brokratie

    entschlackt werden. Das Modell von Pro. Rol Peekoven lsst sich annhernd aukommensneutral

    realisieren. Selbst Haushalte mit geringen Einknten werden durch die Vereinachung der Mehrwertsteuer

    kaum sprbar belastet. Damit zeigen wir einen marktwirtschatlichen Weg au, der r all e Seiten von Vorteil

    ist. So unktioniert Soziale Marktwirtschat: einache Regeln und airer Wettbewerb.

    Gerade in der Steuerpolitik brauchen wir mutige Fortschritte ot hilt dabei der gesunde Menschen-

    verstand. Wir wnschen uns eine oene Debatte ber ordnungspolitische Reormperspektiven des

    Steuersystems und stellen mit dem Gutachten zur Mehrwertsteuer einen ersten Vorschlag zur Diskussion.

    Hubertus Pellengahr

    Geschtshrer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschat

    PS: Weitere Inormationen rund um die Vereinachung des Steuersystems und den einheitlichen

    Mehrwertsteuersatz nden Sie unter www.DasRichtigeun.de/Mehrwertsteuer

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    Zusammenfassung

    Vorbemerkung

    Ausgangspunkt ist der Koalitionsvertrag: hier wird Handlungsbedar bei den ermigten Mehrwertsteuer-

    stzen identiziert. Der Koalitionsvertrag bringt das Tema Mehrwertsteuer zwar au die agesordnung

    macht aber nicht deutlich, in welche Richtung eine Reorm gehen soll. Sowohl Koalitionsparteien wie

    auch weitere Interessengruppen ordern zustzliche Ausnahmen und Sonderermigungen. Zum Beispiel

    r Gastronomie und Energie (FDP), den Fernverkehr (Grne), Getrnke und Medikamente (Bund der

    Steuerzahler).

    Die Mehrwertsteuer steht deshalb r eine Richtungsdebatte: Kommt es zukntig zu neuen und zustzlichen

    Ausnahmen, Sonderregelungen, Bevorzugungen und Wettbewerbsverzerrungen? Oder kommt es zu einer

    Vereinheitlichung und Vereinachung der Steuer?

    Soziale Marktwirtschat heit: Einache Regeln. Fairer Wettbewerb. Die Mehrwertsteuer muss wieder

    marktwirtschatlich geregelt werden: Einach und air.

    Ausgangslage

    Das heutige System weicht vom ursprnglichen Modell der Konsumbesteuerung ab. Viele Ausnahmen

    hren zu Wettbewerbsverzerrungen, da einzelne Gter, Branchen oder Rechts- und Organisationsormen

    subventioniert werden. So ist die Mehrwertsteuer ber die Jahre zu einem Einallstor zur Bedienung von

    Sonderinteressen geworden. Auerdem werden neben Konsumgtern auch Investitionen, vor allem die der

    entlichen Hand besteuert. Dies ist aber wachstumshemmend.

    Das Aukommen der Mehrwertsteuer betrug im Jahr 2009 etwa 180 Mrd. Euro. Durch die ermigten

    Steuerstze entstand ein Steuerausall von etwa 20 Mrd. Euro. Die Steuerauslle au Grund der

    Steuerbereiungen betrugen in etwa 15 Mrd. Euro. Das vorgelegte Gutachten geht von der Prmisse aus,

    dass eine Reorm der Mehrwertsteuer nicht zu einer Erhhung des Steueraukommens hren und somit

    nicht der Haushaltskonsolidierung dienen soll. Vielmehr ist es das Ziel, durch eine Vereinachung des

    Steuersystems mehr Wettbewerbsneutralitt herzustellen und Ezienzreserven zu heben. Bevor eine mglicheHaushaltskonsolidierung ber die Anhebung des Normalsatzes angestrebt wird in der Diskussion ist eine

    Erhhung von 19 v. H. au 25 v. H. , soll te der Staat die Steuerhinterziehung und Steuersubventionen bei

    der Mehrwertsteuer abbauen.

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    Fazit: Kein passgenauer sozialer Ausgleich

    Ein zielgerichteter sozialer Ausgleich, egal ob durch Steuerbereiung oder Ermigung, unktioniert nicht, da

    diese Vergnstigungen teilweise nicht an d ie Konsumenten weitergegeben werden, sondern es sich l ediglich um

    Unternehmens-Subventionen handelt. Dort, wo die Steuerermigung an Konsumenten weitergegeben wird,

    kommt sie aber allen und nicht nur sozial schwcheren Gruppen zugute. Der soziale Ausgleich kann olglich

    nicht ber die Mehrwertsteuer gewhrleistet, sondern muss ber das Einkommensteuer- und ransersystem

    erreicht werden.

    Weitere Kritikpunkte am heutigen System

    Weitere Probleme des heutigen Systems sind Steuerhinterziehung, Steuerumgehung und Schwarzarbeit

    (auch abhngig von der Hhe des Steuersatzes). Das hrt zu Ausllen bei der Mehrwertsteuer, bei der

    Einkommensteuer und den Sozialversicherungsbeitrgen. Hinzu kommen erhebliche Brokratiekosten:

    Erhebungs- und Kontrollauwand der Steuerbehrden sowie Erhebungs- und Meldeauwand derUnternehmen.

    Systembrche hren zu komplizierten Abgrenzungsproblemen, u. a. bei der Frage des Vorsteuerabzugs.

    Unternehmen, die steuerbereit und damit nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, werden versuchen,

    die in den Vorleistungen steckende Mehrwertsteuer an die Endverbraucher weiterzureichen (verstecke

    Mehrwertsteuer).

    Bereit von der MwSt. ( 4 UStG) sind unter anderem:

    Wohnungsvermietung

    rztlicheLeistungen

    SozialeLeistungen

    Finanzdienstleistungen

    LeistungengemeinntzigerEinrichtungen

    Das Reormmodell des Mehrwertsteuersystems von Pro. Dr. Rol Peekoven

    1. Weitgehender Wegall der Steuerbereuungen nach 4 UStG:

    AlleSteuerbefreiungenbisaufVermietungundVerpachtungsowiedieUmstze,dieunterdas

    Grunderwerbsteuergesetz und das Rennwett- und Lotteriegesetz fallen, werden gestrichen. Grund:

    Praktikabilitt (Mieten) und Vermeidung von Doppelbesteuerung (Grunderwerb und Lotterie).

    DurchdenWegfallderSteuerbefreiungvon rztlichenLeistungenwerden injedemFalldiedirekten

    Kosten im Gesundheitswesen steigen. Deshalb wren wohl hhere Zuschsse an die gesetzlichen

    Krankenversicherungen erorderlich. Dies kann ordnungspolitisch aber gerechtertigt werden, weil die

    tatschlichen Kosten des Gesundheitswesens bisher (Steuerbereiung) ebenalls durch die Steuerzahler

    augebracht werden.

    2. Streichen des gesamten ermigten Mehrwertsteuersatzes

    SieheAnlage2zu12Abs.2Nr.1und2UStG

    3. Sozialer Ausgleich: zielgenauer und efzienter gestalten

    Verteilungspolitische Ziele sollen durch den direkten Transfer an Bezieher niedriger Einkommen

    gewhrleistetwerden,alsoSubjekt-stattObjektfrderung.

    WegenderStreichungderSteuerbefreiungenundderermigtenStzemssteeszueinerNeuberechnung

    des Existenzminimums kommen. Daraus olgt eine Erhhung des Grundreibetrags bei der Einkommen-

    steuer und die Anhebung von Sozialtransers (z. B. Hartz-IV-Stze).

    DiesersozialeAusgleichistzielsicherer,ezienterundwirtschaftlicher.

    4. Senkung des Regelsteuersatzes au 16 Prozent

    DieVereinfachung des Steuersystems und eine weitgehende Angleichung auf einen Regelsteuersatz

    erwirtschatet etwa 30 bis 35 Mrd. Euro. Hiermit kann eine Senkung des Regelsteuersatzes au 16 Prozent

    renanziert werden. Die Kosten r die Senkung des Regelsteuersatzes um drei Prozentpunkte betragen

    etwa 24 Mrd. Euro.

    Links

    Umsatzsteuerrecht online:

    http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/

    Anlage 2 (Ausnahmen und Ermigungen):

    http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/anlage_2_83.html

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    Zur Reorm der Mehrwertsteuer

    Zurck zu einer generellen Konsumbesteuerung

    Gutachten

    erstellt im Autrag der

    Initiative Neue Soziale Marktwirtschat

    von

    Proessor Dr. Rol Peekoven

    em. Direktor des Instituts r Finanzwissenschat derJohannes Gutenberg-Universitt Mainz

    2010

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    Inhaltsverzeichnis

    I. Ausgangslage .............. ............... .............. .............. ............... .............. .............. ............... .............. ....... 13

    II. Reormnotwendigkeiten bei der Umsatzsteuer: ein berblick......................................................... 17

    1. Regelung der Gesetzgebungshoheit und der Ertragshoheit ..........................................................17

    2. Kamp gegen die Steuerhinterziehung ........................................................................................ 18(1) ransaktionen im EU-Binnenmarkt ...............................................