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chen zeigte die Kompetenzförderung: Die Teilnehmer der Lerngruppe lernten danach deutlich schneller als andere Beschäftigte ohne Training. Gegenwärtig wird in einer Abteilung erprobt, wie Arbeitsplätze lern- förderlich gestaltet werden können. Dieses Projekt unterstreicht eine wichtige Er- kenntnis: Wer ältere Beschäftigte abschreibt, produziert folgenden Effekt: Ihre Leistung sackt tatsächlich ab. „Weil sie schlecht ge- macht werden, sind sie schlecht“, sagt der Lernexperte Christian Stamov-Roßnagel. Wer also auch ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren möchte, muss das Altersklima und das Lernumfeld verbessern und Rahmenbedingungen schaffen, die Ler- nen begünstigen. Dazu gehören Angebote, die auf die Lernbedürfnisse der Altersgrup- pen abgestimmt sind. cssa-news – Sonderausgabe April 2014 1 Chemie-Stiftung • Sozialpartner-Akademie Sonderausgabe cssa-news In Bewegung Wie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken Der demografische Wandel schafft ein neu- es Verständnis in Sachen Weiterbildung, Personalgewinnung und -bindung. An ers- ter Stelle stehen für die Chemieunterneh- men der Fachkräftemangel und die Siche- rung des Nachwuchses. Das zeigten bereits Demografieanalysen im Jahr 2010 in den Betrieben: 360 Personalverantwort- liche und Betriebsräte haben hierzu den Fragebogen der CSSA beantwortet. Er- gebnis: Fachkräfte sind gefragter denn je. 84 Prozent der Chemie- unternehmen wollen ihr Angebot an Ausbildungsplät- zen beibehalten oder sogar stei- gern. Und mehr als die Hälfte geht die Nachfolge von demnächst ausscheidenden Mitarbeitern systematisch an. Weitere wich- tige Themen: die Weiterbildung älterer Be- schäftigter, altersgerechte und ergonomisch optimierte Arbeitsplätze, Gesundheit, Pro- gramme für mehr Bewegung und altersge- rechte Arbeitszeitmodelle. Weiterbildung: Lernen wieder lernen Weiterbildung als eine Antwort auf den de- mografischen Wandel wirft viele neue Fra- gen auf, etwa: Wie funktioniert Lernen im Alter oder kann man das Lernen wieder ler- nen? Das CSSA-Pilotprojekt „Altersdifferen- zierte Kompetenzförderung“ bei den Miche- lin Reifenwerken in Bad Kreuznach hat sich mit diesen Fragen beschäftigt. Es zeigte, wie Mitarbeiter ihre Lernkompetenz steigern können. Viele der 53 Produktionsarbeiterin- nen und -arbeiter, im Durchschnitt 47 Jah- re alt, waren aus der Übung, wie man lernt. Vier Wochen lang gingen sie ins Lerntrai- ning, oft nach einer anstrengenden Schicht: vier Sitzungen à 90 Minuten. Nach vier Wo- Editorial Liebe Leserinnen und Leser, wir denken heute mehr denn je über beruf- liche Weiterbildung, über neue Formen des Lernens auch jenseits des 55. Lebens- jahrs oder über betriebliches Gesundheits- management nach. Die Gründe sind be- kannt: Der demografische Wandel ist gegenwärtig und unübersehbar. Der Wett- kampf um die besten Köpfe und Hände ist in vollem Gange. Dabei zeigt sich: Nicht nur die Beschäf- tigten sind gefordert, ihr Wissen zu aktua- lisieren und ihre Kenntnisse fortlaufend einem Update zu unterziehen. Auch die Unternehmen brauchen ein zeitgemäßes Bild vom Alter und den Fähigkeiten ihrer (älteren) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das den Blick dafür öffnet, dass sie in jedem Alter lernen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können. Erforderlich ist ein neues Leitbild für altersgemäßes Ar- beiten. Dieser Sondernewsletter ist der Gestaltung des demografischen Wandels in Unterneh- men gewidmet. Er fasst Erfahrungen und Praxisbeispiele zusammen, wie Unterneh- men der chemischen Industrie ihre Mitar- beiterinnen und Mitarbeiter fördern: bei der Weiterbildung, beim Lernen und bei der Gesundheit. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre. Ihr Klaus-W. West, Geschäftsführer der CSSA Ein wichtiger Tipp: Wenn Sie auf unserer Seite www.cssa-wiesbaden.de die „Su- che“ aufrufen und die Stichworte aus den Artikeln (in Fett und Blau) in diesem Newsletter eingeben (z. B.: Altersklima), gelangen Sie direkt und ohne großen Aufwand zu ausführlichen Berichten auf unserer Website. In der PDF-Version im Internet sind die Stichwörter mit den passenden Links hinterlegt. Die demografische Entwicklung macht auch vor den Unternehmen der chemischen In- dustrie nicht halt. Stichwörter sind: ältere Belegschaften, Mangel an Fachkräften, lebens- langes Lernen. Und wie sich auch in vielen Projekten der CSSA zeigt, gehen die Unter- nehmen diese Herausforderungen vor allem pragmatisch und mit großer Kreativität an. Demografieanalysen Leitbild für altersgemäßes Arbeiten gefragter denn je | Kompetenzförderung ältere Beschäftigte | Lernkompetenz Arbeitszeitmodelle | Altersklima demografischer Wandel

Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie - Wie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken

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Die demografische Entwicklung macht auch vor den Unternehmen der chemischen Industrie nicht halt. Stichwörter sind: ältere Belegschaften, Mangel an Fachkräften, lebenslanges Lernen. Und wie sich auch in vielen Projekten der CSSA zeigt, gehen die Unternehmen diese Herausforderungen vor allem pragmatisch und mit großer Kreativität an.

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Page 1: Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie - Wie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken

chen zeigte die Kompetenzfoumlrderung Die Teilnehmer der Lerngruppe lernten danach deutlich schneller als andere Beschaumlftigte ohne Training Gegenwaumlrtig wird in einer Abteilung erprobt wie Arbeitsplaumltze lernshyfoumlrderlich gestaltet werden koumlnnen

Dieses Projekt unterstreicht eine wichtige Ershykenntnis Wer aumlltere Beschaumlftigte abschreibt produziert folgenden Effekt Ihre Leistung sackt tatsaumlchlich ab bdquoWeil sie schlecht geshymacht werden sind sie schlechtldquo sagt der Lernexperte Christian StamovshyRoszlignagel Wer also auch aumlltere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren moumlchte muss das Altersklima und das Lernumfeld verbessern und Rahmenbedingungen schaffen die Lershynen beguumlnstigen Dazu gehoumlren Angebote die auf die Lernbeduumlrfnisse der Altersgrupshypen abgestimmt sind

cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014 1

Chemie-Stiftung bull Sozialpartner-Akademie

Sonderausgabecssa-newsIn BewegungWie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken

Der demografische Wandel schafft ein neushyes Verstaumlndnis in Sachen Weiterbildung Personalgewinnung und shybindung An ersshyter Stelle stehen fuumlr die Chemieunternehshymen der Fachkraumlftemangel und die Sicheshyrung des Nachwuchses Das zeigten bereits Demografieanalysen im Jahr 2010 in den Betrieben 360 Personalverantwortshyliche und Betriebsraumlte haben hierzu den Fragebogen der CSSA beantwortet Ershygebnis Fachkraumlfte sind gefragter denn je

84 Prozent der Chemieshyunternehmen wollen ihr Angebot an Ausbildungsplaumltshyzen beibehalten oder sogar steishygern Und mehr als die Haumllfte geht die Nachfolge von demnaumlchst ausscheidenden Mitarbeitern systematisch an Weitere wichshytige Themen die Weiterbildung aumllterer Be-schaumlftigter altersgerechte und ergonomisch optimierte Arbeitsplaumltze Gesundheit Proshygramme fuumlr mehr Bewegung und altersgeshyrechte Arbeitszeitmodelle

Weiterbildung Lernen wieder lernen

Weiterbildung als eine Antwort auf den deshymografischen Wandel wirft viele neue Frashygen auf etwa Wie funktioniert Lernen im Alter oder kann man das Lernen wieder lershynen Das CSSAshyPilotprojekt bdquoAltersdifferenshyzierte Kompetenzfoumlrderungldquo bei den Micheshylin Reifenwerken in Bad Kreuznach hat sich mit diesen Fragen beschaumlftigt Es zeigte wie Mitarbeiter ihre Lernkompetenz steigern koumlnnen Viele der 53 Produktionsarbeiterinshynen und shyarbeiter im Durchschnitt 47 Jahshyre alt waren aus der Uumlbung wie man lernt Vier Wochen lang gingen sie ins Lerntraishyning oft nach einer anstrengenden Schicht vier Sitzungen agrave 90 Minuten Nach vier Woshy

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser

wir denken heute mehr denn je uumlber beruf-

liche Weiterbildung uumlber neue Formen

des Lernens auch jenseits des 55 Lebens-

jahrs oder uumlber betriebliches Gesundheits-

management nach Die Gruumlnde sind be-

kannt Der demografische Wandel ist

gegenwaumlrtig und unuumlbersehbar Der Wett-

kampf um die besten Koumlpfe und Haumlnde

ist in vollem Gange

Dabei zeigt sich Nicht nur die Beschaumlf-

tigten sind gefordert ihr Wissen zu aktua-

lisieren und ihre Kenntnisse fortlaufend

einem Update zu unterziehen Auch die

Unternehmen brauchen ein zeitgemaumlszliges

Bild vom Alter und den Faumlhigkeiten ihrer

(aumllteren) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

das den Blick dafuumlr oumlffnet dass sie in

jedem Alter lernen und ihre Faumlhigkeiten

weiterentwickeln koumlnnen Erforderlich ist

ein neues Leitbild fuumlr altersgemaumlszliges Ar-

beiten

Dieser Sondernewsletter ist der Gestaltung

des demografischen Wandels in Unterneh-

men gewidmet Er fasst Erfahrungen und

Praxisbeispiele zusammen wie Unterneh-

men der chemischen Industrie ihre Mitar-

beiterinnen und Mitarbeiter foumlrdern bei

der Weiterbildung beim Lernen und bei

der Gesundheit

Wir wuumlnschen Ihnen eine anregende

Lektuumlre

Ihr Klaus-W West Geschaumlftsfuumlhrer der

CSSA Ein wichtiger Tipp Wenn Sie auf unserer Seite wwwcssa-wiesbadende die bdquoSu-cheldquo aufrufen und die Stichworte aus den Artikeln (in Fett und Blau) in diesem Newsletter eingeben (z B Altersklima) gelangen Sie direkt und ohne groszligen Aufwand zu ausfuumlhrlichen Berichten auf unserer Website In der PDF-Version im Internet sind die Stichwoumlrter mit den passenden Links hinterlegt

Die demografische Entwicklung macht auch vor den Unternehmen der chemischen In-dustrie nicht halt Stichwoumlrter sind aumlltere Belegschaften Mangel an Fachkraumlften lebens-langes Lernen Und wie sich auch in vielen Projekten der CSSA zeigt gehen die Unter-nehmen diese Herausforderungen vor allem pragmatisch und mit groszliger Kreativitaumlt an

DemografieanalysenLeitbild fuumlr altersgemaumlszliges Arbeiten

gefragter denn je | Kompetenzfoumlrderungaumlltere Beschaumlftigte | Lernkompetenz

Arbeitszeitmodelle | Altersklima demografischer Wandel

2 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Boehringer Ingelheim Mehr Flexibilitaumlt und neue Arbeitsformen sind ein groszliges Theshyma Der Pharmahersteller bringt seine Mitshyarbeiterinnen und Mitarbeiter kraumlftig ins bdquoRotierenldquo Damit die Produktionsmitarshybeiter zwischen unterschiedlichen Werken besser wechseln koumlnnen hat BI viele angeshylernte Mitarbeiter in den vergangenen Jahshyren zu Chemikanten qualifiziert Das zahlt sich aus Dank der Rotation koumlnnen die Cheshymikanten heute auch im Pharmabereich arshybeiten ndash die Betriebsleiter bekommen nun immer mehr Fachleute

Bei Synthomer in Marl ging es auch um mehr Kooperation zwischen der Tagshy und Wechselschicht Die Wuumlnsche der Kunden werden vielfaumlltiger Auftraumlge treffen kurzshyfristiger ein Das heiszligt fuumlr die Beschaumlftigshyten sich umstellen auch improvisieren mal einspringen wenn Kollegen krank sind Doch zwischen Produktionsmitarbeitern der Tagshy und Wechselschicht gibt es feine Unterschiede im Zugehoumlrigkeitsgefuumlhl Ein WICIshyProjekt brachte Tagshy und Wechselshyschicht einander naumlher (cssa-news 32013 und Praxisbericht Synthomer)

bdquoDas Thema ist im Fokusldquo

Die Sozialpartner der Che-mieindustrie haben 2008 als erste Branche den Tarif-vertrag bdquoLebensarbeitszeit und Demografieldquo entwi-ckelt Welche Bilanz ziehen Sie heuteEs war wichtig dass wir das Thema demografische Entwicklung 2008 tariflich angepackt und 2012 wei-terentwickelt haben Die Unternehmen haben sich durch die Demografieana-lyse einen Uumlberblick uumlber ihre Situation verschafft das Thema ist im Fokus und das betriebsspezifisch

Wo sehen Sie aus tarifpolitischer Sicht wei-teren HandlungsbedarfDer Demografiefonds kann nach Tarifver-trag fuumlr bestimmte Verwendungszwecke eingesetzt werden Um den betrieblichen Besonderheiten gerecht werden zu koumlnnen treffen die Betriebsparteien die konkrete Entscheidung Als Tarifparteien muumlssen wir kontinuierlich pruumlfen ob wir alle fuumlr die betriebliche Praxis erforderlichen Verwen-dungszwecke ermoumlglichen

Und aus UnternehmenssichtDie demografische Entwicklung fuumlhrt zwin-gend zu einer laumlngeren Lebensarbeitszeit Darauf ist zu reagieren Was ist erforderlich um die Beschaumlftigungsfaumlhigkeit (in Bezug auf Qualifikation aber auch in Bezug auf Gesundheit) lange zu gewaumlhrleisten Maszlig-nahmen uumlber das gesamte Erwerbsleben werden wichtig

ihres Unternehmens aktiv beitragen koumlnshynen Wie man das umsetzen kann zeigt das Beispiel der BASF Dafuumlr hat das Untershynehmen in Ludwigshafen bei den Schichtshyarbeitern die Funktion des bdquoBetriebstraishynersldquo geschaffen Gemeint sind vorwiegend Facharbeiter und Meister mit langer Beshytriebszugehoumlrigkeit aber auch juumlngere Proshyduktionsmitarbeiter mit exzellenten Anla-genkenntnissen gehoumlren dazu Sie sollen dafuumlr sorgen bdquodass das Wissen der 8000 Schichtarbeiter im Unternehmen gehalten wirdldquo sagt Dr Theo Proll ehemaliger Leiter des Projekts Opal 21

So wie die BASF haben inzwischen viele Unshyternehmen erkannt dass ihre aumllteren Mitarshybeiter uumlber wichtiges Erfahrungswissen vershyfuumlgen von dem juumlngere und natuumlrlich auch die Unternehmen selbst nur profitieren Sie haben daher begonnen den Wissenstrans-fer systematisch zwischen Mitarbeitern Abshyteilungen Bereichen und Schichten zu orshyganisieren und nicht allein dem Zufall zu uumlberlassen

Bei Ineos Paraform in Mainz funktioniert der Wissenstransfer in beide Richtungen Hier die 25 Jahre alte Doktorandin der Cheshymie die fit in der bdquoreinen Forschungldquo ist dort der 64 Jahre alte Betriebsleiter der uumlber ein Prozessshy und Erfahrungswissen vershyfuumlgt das sich die Doktorandin wie sie sagt bdquonirgendwo anlesenldquo kann (siehe cssa-news 42012)

Wissenstransfer Wie man voneinander lerntBeim Wissenstransfer geht es vor allem ums Lernen mit- und voneinander Und am Ende profitieren alle Seiten im Betrieb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen ihr Wissen fuumlr andere nachvollziehbar und damit verfuumlgbar zu machen

Flexibilisierung und neue Herausforderungen

Dr Klaus-Peter

Stiller Geschaumlfts-

fuumlhrer Bundes-

arbeitgeberver-

band Chemie e V

(BAVC)

Lernende erweitern ihren Wissenshorizont ndash und sie lernen ihre Kollegen besser kenshynen Alt und Jung tauschen sich aus Das Unternehmen gewinnt so selbstbewusste kompetente Mitarbeiter die ihre Staumlrken kennen und wissen wie sie zum Erhalt der Wettbewerbsfaumlhigkeit und Innovationskraft

Die bdquoSpezialisten fuumlr Mundhygieneldquo die Gaba GmbH (Elmex Aronal) in Loumlrrach zeigen auf ihre Weise dem demografischen Wandel die Zaumlhne Gerade fuumlr die Auszligenshydienstmitarbeiter ist der persoumlnliche Konshytakt zu Kunden wichtig weshalb sie nur schwer vertreten werden koumlnnen wenn sie krank sind Heute passiert das oumlfter Der Alshytersdurchschnitt steigt ndash und mit ihm auch der Krankenshystand

Waumlhshyrend eines WICIshyProjekts entwickelt die Projektgruppe als eine von zwoumllf Maszlignahmen fuumlr eine alshytersgemaumlszlige Vertriebsarbeit das GabashyPatenshymodell (WICI_Praxisberichte Gaba)

Und auch bei der EuroServices Bayer GmbH in Leverkusen der Buchhaltung fuumlr mehr als 60 Gesellschaften der Bayer AG lernen die Zahlenspezialisten voneinander Erfahshyrene Mitarbeiter geben ihr Knowshyhow bei bdquoTippsshyundshyTricksldquoshyRunden in den Teamshymeetings weiter Diese Tipps werden dann aufs Abteilungslaufwerk abgelegt ndash als prashyxistaugliches Nachschlagewerk

Opal 21 | Wissenstransferexzellente Anlagenkenntnisse | Zaumlhne

Weiterbildungs-Initiative | Anti-Ermuumldungsmatten reine Forschung | Mainsite | Mineralwasser | Azubis Bewegungszeit vor Ort | Eingliederungsmanagement

Zahlenspezialisten | mehr Austausch | MultikultiAllessa | Praxisberichte | Synthomer

Wasserspender

cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014 3

bdquoWir haben gute Ansaumltzeldquo

Die Sozialpartner der Chemieindustrie haben 2008 als erste Branche den Tarifvertrag bdquoLe-bensarbeitszeit und De-mografieldquo entwickelt Welche Bilanz ziehen Sie heuteGuter Ansatz die rich-tigen Umsetzungs-varianten und groszlige Fortschritte beim Ge-samtthema Insbeson-dere die Demografie-analyse hat die gesamte Branche gezwungen sich mit Demografie zu beschaumlftigen

Wo sehen Sie aus tarifpolitischer Sicht weiteren HandlungsbedarfWir haben gute Ansaumltze bei Altersvorsor-ge Langzeitkonten und der Entlastung fuumlr Aumlltere Die naumlchsten Schwerpunkte muumls-sen Gesundheit Belastung und die Aus-weitung des Volumens insgesamt sein Wo staumlrkere Belastung die Arbeit praumlgt muss fuumlr mehr Entlastung gesorgt wer-den

Und aus UnternehmenssichtWir werden uumlber moumlglichst einfache handhabbare Tarifregelungen und Umset-zungsmoumlglichkeiten fuumlr die Betriebe nach-denken muumlssen Die Arbeitszeit wird sich weiterentwickeln ndash staumlrker in Richtung Le-bensphasen und differenzierter mit Blick auf die Belastungen die Wuumlnsche einzel-ner Arbeitnehmer und die Bedingungen des Betriebes

ihre Gesundheit zu tun wenn das Angebot passt und auf ihre Arbeitszeiten Ruumlcksicht genommen wird Der Hersteller von Hausshyhaltsreinigern (Frosch Emsal) und Schuhshypflegeprodukten (Erdal) hat daher das Proshygramm bdquoBewegungszeit vor Ortldquo ins Leben gerufen Die Trainer kommen direkt an den Arbeitsplatz Es gibt keine laumlstigen Wege und kein Umziehen Die Kosten traumlgt das Unternehmen (siehe Bewegungszeit)

Zielgruppengerechte Qualifizierung

Wer die Mitarbeiter einbezieht und so den Bedarf ermittelt kann Angebote direkt an den Arbeitsprozessen und Beduumlrfnissen ausrichten Bei Allessa Chemie Frankfurt am Main sorgen nun regelmaumlszligige Laborbeshysprechungen fuumlr mehr Austausch

Das war fuumlr die Laboranten ein dringendes Anliegen

Gesundheit Vorbeugen ist besser als HeilenDie Lebensarbeitszeit steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften auch Der Erhalt und die Foumlrderung der Gesundheit ihrer Beschaumlftigten haben fuumlr die Unternehmen houmlchste Prioritaumlt Doch Appelle allein bringen nichts Erfolg haben oft kleine praktische Schritte

Die CSSA entwickelt Angebote fuumlr Untershynehmen wie sich betriebliche Gesundheitsshyprogramme effektiv nutzen lassen Eine wichtige Erkenntnis Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Erfahrungen und ihrem Rat als bdquoExperten vor Ortldquo ernst nimmt macht sie zu wertvollen Unterstuumltshyzern des betrieblichen Gesundheitsmanageshyments (BGM)

Die Chemische Fabrik Budenheim KG in Bushydenheim bei Mainz hat ein schlichtes aber wirkungsvolles Mittel wie sich die Arbeitsshyplaumltze bdquogesuumlnderldquo machen lassen Anti-Er-muumldungsmatten in der Produktion Sie entshylasten Skelett und Gelenke Auszligerdem gibt es in Budenheim eine Betriebsvereinbarung zum betrieblichen Eingliederungsmanage-ment (BEM) Ein wichtiger Erfolgsfaktor fuumlr ein funktionierendes BEM sind die Vertraushyenskultur und Sozialpartnerschaft (siehe gesundes Vertrauen)

Peter Hausmann

Mitglied im ge-

schaumlftsfuumlhrenden

Vorstand der IG BCE

Bei der Mainsite GmbH amp Co KG der Beshytreibergesellschaft des Industrie Centers Obernburg ist Gesundheit auch ein Theshyma fuumlr die Azubis Denn sie haben noch 40 oder 50 Jahre Erwerbstaumltigkeit vor sich Bei Mainsite trinken die 140 Azubis neuerdings vor allem Mineralwasser ndash und weniger die stark gesuumlszligten Erfrischungsgetraumlnke aus dem Automaten Das Unternehmen hat in der Lehrshy und Hauptwerkstatt Spender mit gekuumlhltem Wasser aufgestellt ndash auf Initiashytive der Auszubildenden Das Beispiel der Wasserspender zeigt wie der ICOshyBetreishyber das Thema gesunde Ernaumlhrung anpackt Ohne Appelle und erhobenen Zeigefinger sondern mit praktischen Loumlsungen (siehe Mainsite_ICO)

Und bei Werner amp Mertz in Mainz zeigshyte sich dass Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter nicht weniger als andere Beshyschaumlftigte daran interessiert sind etwas fuumlr

Opal 21 | Wissenstransferexzellente Anlagenkenntnisse | Zaumlhne

Weiterbildungs-Initiative | Anti-Ermuumldungsmatten reine Forschung | Mainsite | Mineralwasser | Azubis Bewegungszeit vor Ort | Eingliederungsmanagement

Zahlenspezialisten | mehr Austausch | MultikultiAllessa | Praxisberichte | Synthomer

Wasserspender

Wie lassen sich der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Laborbereishychen in der Abteilung F amp E deutlich vershybessern und Missverstaumlndnisse vermeiden bdquoVieles was auch fruumlher schon einmal anshygedacht wurde ist mit WICI endlich umgeshysetzt wordenldquo sagt Marita Neuber Leiterin der FshyampshyEshyAbteilung bei Allessa

Bei Polycasa GmbH findet Lernen in einem interkulturellen Team statt Multikulti ist in

dem Mainzer Unternehmen praktisch Alltag Fast die Haumllfte der Mitarshy

beiter hat einen Migrationshinshytergrund Da ist die Sprache auch ein Thema Ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitshyarbeiter bei Polycasa spricht

nur gebrochen deutsch

Fuumlr die Weiterbildung und den Wissenstransfer an neue Kollegen

bedeutet das Polycasa nutzt die Moumlgshylichkeiten der Bildsprache und shysymbole Anders gesagt Es wird nicht nur erklaumlrt sondern vor allem viel gezeigt

4 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Merz GmbH amp Co KGaA Gesundheit am Arbeitsplatz ist bei Merz in Reinheim im Odenwald ein Dauerthema Hier sind insshygesamt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeishyter beschaumlftigt das Durchschnittsalter liegt uumlber 45 Jahre Gearbeitet wird inzwischen in drei Schichten Neue Schichtzeiten solshylen den Beschaumlftigten mehr Erholung bieshyten und fuumlr mehr Gesundheit am Arbeitsshyplatz sorgen Seit die Schichtarbeiter bereits sonntags um 2230 Uhr (statt montags um 2230 Uhr) anfangen und freitags um 6 Uhr aufhoumlren (statt samstags um 6 Uhr) haben sie laumlngere Erholungszeiten Die meisten Betroffenen kommen damit gut zurecht

Chemion Leverkusen Im Rahmen seines betrieblichen Gesundheitsmanagements

(BGM) fragt Chemion die Mitarbeiter wo es an ihren Arbeitsplaumltzen Probleme gibt und wie sie verbessert werden koumlnnen Soshygenannte Kompetenzteams suchen dann

ImpressumChemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ndash eine Initiative der ChemieshySozialpartner BAVC und IG BCE

Kreuzberger Ring 70 65205 Wiesbaden

Tel 0611 shy 97 00 98 shy 0 Fax 0611 shy 97 00 98 shy 16

servicecssashywiesbadende wwwcssashywiesbadende

Verantwortlich Dr KlausshyW West

Redaktion Dirk Dietz textmanufaktur

Gestaltung und Illustration wwwgrafikbuerocom

Wiesbaden April 2014

aktiv nach wirkungsvollen und machbaren Loumlsungen So wurde am Waren einshy und shyausgangsschalter ein Sichtschutz angeshybracht Seither fuumlhlen sich die Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeiter nicht staumlndig von den wartenden LkwshyFahrern beobachtet und koumlnnen ihre Aufgaben konzentrierter erledishygen (siehe cssa-news 32013)

Der Einstieg ins Thema faumlllt nicht leicht Schlagworte wie bdquoBurnshyoutldquo sind nicht klar definiert berufliche und private Ursachen

und Verantwortlichkeiten vermischen sich bdquoEs trifft vor allem Menshy

schen die sich sehr stark mit ihrer Arbeit idenshy

tifizieren die sehr leistungsbereit sind und gerne arbeiten und gleichzeitig starshyken psychischen

Belastungen ausshygesetzt sindldquo sagt

Antje Ducki Professhysorin fuumlr Arbeitsshy und

Organisationspsychologie an der Beuth Hochschule fuumlr

Technik in Berlin (Interview Ducki) Dushycki forscht uumlber Arbeitsgestaltung und beshytriebliche Gesundheitsfoumlrderung auszligerdem ist sie Mitherausgeberin des Fehlzeitenre-ports den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) regelmaumlszligig veroumlffentlicht

Ein gutes Beispiel betrieblicher Gesundshyheitsfoumlrderung ist das Programm zur psychishyschen Gesundheitspraumlvention des MedizinshytechnikshyHerstellers B Braun in Mel sungen Er setzt auf der Ebene der Fuumlhrungs kraumlfte an B Braun entwickelte ein Seminarpro-gramm mit dem Fuumlhrungskraumlfte fuumlr die Anzeichen psychischer Erkrankungen ihrer Mitarbeiter sensibilisiert und im Umgang damit unterstuumltzt werden

Dass Fuumlhrungskraumlfte erhebliche Einflussshymoumlglichkeiten haben positiv auf die Geshysundheit und Motivation von Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeitern einzuwirken ist bekannt Fuumlr viele ist es nicht einfach ein mitreiszligendes Vorbild zu sein wie es der Hirnforscher Gerald Huumlther fordert

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingel- heim (BI) will es genauer wissen Mit der Universitaumlt Heidelberg macht BI jetzt die Studie bdquoFuumlhrung und Gesundheit bei Boeh-ringer Ingelheimldquo Dafuumlr wurden 12000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt Ergebnisse liegen demnaumlchst vor

Weiterbildung und Beteiligung In den vergangenen drei Jahren hat die CSSA in mehr als 20 Unternehmen der Chemie-Industrie WICI-Projekte angesto-szligen und begleitet Die bdquoWeiterbildungs-initiative fuumlr die Chemische Industrieldquo (WICI) baut auf der sozialpartnerschaftli-chen Tradition der Chemie-Industrie auf Beteiligung und Kooperation machen den Erfolg und die Staumlrke von WICI aus Weil alle betrieblichen Akteure von Anfang an

eingebunden sind findet sich leichter ein Konsens fuumlr Entwicklungsziele werden Maszlignahmen gemeinsam beschlossen und nachhaltiger umgesetzt Diese Methode ist bereits ein wesentlicher Teil der Loumlsung WICI vertraut auf die Kenntnisse und Er-fahrungen der direkt Betroffenen Nie-mand kennt die Produktionsprozesse und -bedingungen so gut wie die die sie taumlg-lich organisieren und mit ihnen arbeiten

Bei der Ineos Phenol Gladbeck laumlsst die Betriebsfeuerwehr nichts anbrennen Hier wurde gezielt der Trainingsraum fuumlr die Beshytriebsfeuerwehr modernisiert ndash ein Schub fuumlr die Trainingsmotivation Auch das Ma teshy riallager hat das Unternehmen umgestal tet Materialien sind jetzt leichter zu errei chen Auszligerdem gibt es Hebehilfen

Stress und psychische ErkrankungenPsychische Belastungen verursachen rund 10 Prozent krankheitsbedingter Arbeitsunfaumlhig-keit ndash so der aktuelle Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Die damit verbundenen Fehltage haben sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als ver-doppelt Was koumlnnen Unternehmen dagegen tun

Bewegungszeit vor OrtKompetenzteams | Fuumlhrung

und Gesundheit | Fehlzeitenreport mitreiszligendes Vorbild | Fuumlhrungs-kraumlfte | Gesundheits praumlvention

Gesundheitsmanagement Seminarprogramm | gesun-

des Vertrauen

Page 2: Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie - Wie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken

2 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Boehringer Ingelheim Mehr Flexibilitaumlt und neue Arbeitsformen sind ein groszliges Theshyma Der Pharmahersteller bringt seine Mitshyarbeiterinnen und Mitarbeiter kraumlftig ins bdquoRotierenldquo Damit die Produktionsmitarshybeiter zwischen unterschiedlichen Werken besser wechseln koumlnnen hat BI viele angeshylernte Mitarbeiter in den vergangenen Jahshyren zu Chemikanten qualifiziert Das zahlt sich aus Dank der Rotation koumlnnen die Cheshymikanten heute auch im Pharmabereich arshybeiten ndash die Betriebsleiter bekommen nun immer mehr Fachleute

Bei Synthomer in Marl ging es auch um mehr Kooperation zwischen der Tagshy und Wechselschicht Die Wuumlnsche der Kunden werden vielfaumlltiger Auftraumlge treffen kurzshyfristiger ein Das heiszligt fuumlr die Beschaumlftigshyten sich umstellen auch improvisieren mal einspringen wenn Kollegen krank sind Doch zwischen Produktionsmitarbeitern der Tagshy und Wechselschicht gibt es feine Unterschiede im Zugehoumlrigkeitsgefuumlhl Ein WICIshyProjekt brachte Tagshy und Wechselshyschicht einander naumlher (cssa-news 32013 und Praxisbericht Synthomer)

bdquoDas Thema ist im Fokusldquo

Die Sozialpartner der Che-mieindustrie haben 2008 als erste Branche den Tarif-vertrag bdquoLebensarbeitszeit und Demografieldquo entwi-ckelt Welche Bilanz ziehen Sie heuteEs war wichtig dass wir das Thema demografische Entwicklung 2008 tariflich angepackt und 2012 wei-terentwickelt haben Die Unternehmen haben sich durch die Demografieana-lyse einen Uumlberblick uumlber ihre Situation verschafft das Thema ist im Fokus und das betriebsspezifisch

Wo sehen Sie aus tarifpolitischer Sicht wei-teren HandlungsbedarfDer Demografiefonds kann nach Tarifver-trag fuumlr bestimmte Verwendungszwecke eingesetzt werden Um den betrieblichen Besonderheiten gerecht werden zu koumlnnen treffen die Betriebsparteien die konkrete Entscheidung Als Tarifparteien muumlssen wir kontinuierlich pruumlfen ob wir alle fuumlr die betriebliche Praxis erforderlichen Verwen-dungszwecke ermoumlglichen

Und aus UnternehmenssichtDie demografische Entwicklung fuumlhrt zwin-gend zu einer laumlngeren Lebensarbeitszeit Darauf ist zu reagieren Was ist erforderlich um die Beschaumlftigungsfaumlhigkeit (in Bezug auf Qualifikation aber auch in Bezug auf Gesundheit) lange zu gewaumlhrleisten Maszlig-nahmen uumlber das gesamte Erwerbsleben werden wichtig

ihres Unternehmens aktiv beitragen koumlnshynen Wie man das umsetzen kann zeigt das Beispiel der BASF Dafuumlr hat das Untershynehmen in Ludwigshafen bei den Schichtshyarbeitern die Funktion des bdquoBetriebstraishynersldquo geschaffen Gemeint sind vorwiegend Facharbeiter und Meister mit langer Beshytriebszugehoumlrigkeit aber auch juumlngere Proshyduktionsmitarbeiter mit exzellenten Anla-genkenntnissen gehoumlren dazu Sie sollen dafuumlr sorgen bdquodass das Wissen der 8000 Schichtarbeiter im Unternehmen gehalten wirdldquo sagt Dr Theo Proll ehemaliger Leiter des Projekts Opal 21

So wie die BASF haben inzwischen viele Unshyternehmen erkannt dass ihre aumllteren Mitarshybeiter uumlber wichtiges Erfahrungswissen vershyfuumlgen von dem juumlngere und natuumlrlich auch die Unternehmen selbst nur profitieren Sie haben daher begonnen den Wissenstrans-fer systematisch zwischen Mitarbeitern Abshyteilungen Bereichen und Schichten zu orshyganisieren und nicht allein dem Zufall zu uumlberlassen

Bei Ineos Paraform in Mainz funktioniert der Wissenstransfer in beide Richtungen Hier die 25 Jahre alte Doktorandin der Cheshymie die fit in der bdquoreinen Forschungldquo ist dort der 64 Jahre alte Betriebsleiter der uumlber ein Prozessshy und Erfahrungswissen vershyfuumlgt das sich die Doktorandin wie sie sagt bdquonirgendwo anlesenldquo kann (siehe cssa-news 42012)

Wissenstransfer Wie man voneinander lerntBeim Wissenstransfer geht es vor allem ums Lernen mit- und voneinander Und am Ende profitieren alle Seiten im Betrieb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen ihr Wissen fuumlr andere nachvollziehbar und damit verfuumlgbar zu machen

Flexibilisierung und neue Herausforderungen

Dr Klaus-Peter

Stiller Geschaumlfts-

fuumlhrer Bundes-

arbeitgeberver-

band Chemie e V

(BAVC)

Lernende erweitern ihren Wissenshorizont ndash und sie lernen ihre Kollegen besser kenshynen Alt und Jung tauschen sich aus Das Unternehmen gewinnt so selbstbewusste kompetente Mitarbeiter die ihre Staumlrken kennen und wissen wie sie zum Erhalt der Wettbewerbsfaumlhigkeit und Innovationskraft

Die bdquoSpezialisten fuumlr Mundhygieneldquo die Gaba GmbH (Elmex Aronal) in Loumlrrach zeigen auf ihre Weise dem demografischen Wandel die Zaumlhne Gerade fuumlr die Auszligenshydienstmitarbeiter ist der persoumlnliche Konshytakt zu Kunden wichtig weshalb sie nur schwer vertreten werden koumlnnen wenn sie krank sind Heute passiert das oumlfter Der Alshytersdurchschnitt steigt ndash und mit ihm auch der Krankenshystand

Waumlhshyrend eines WICIshyProjekts entwickelt die Projektgruppe als eine von zwoumllf Maszlignahmen fuumlr eine alshytersgemaumlszlige Vertriebsarbeit das GabashyPatenshymodell (WICI_Praxisberichte Gaba)

Und auch bei der EuroServices Bayer GmbH in Leverkusen der Buchhaltung fuumlr mehr als 60 Gesellschaften der Bayer AG lernen die Zahlenspezialisten voneinander Erfahshyrene Mitarbeiter geben ihr Knowshyhow bei bdquoTippsshyundshyTricksldquoshyRunden in den Teamshymeetings weiter Diese Tipps werden dann aufs Abteilungslaufwerk abgelegt ndash als prashyxistaugliches Nachschlagewerk

Opal 21 | Wissenstransferexzellente Anlagenkenntnisse | Zaumlhne

Weiterbildungs-Initiative | Anti-Ermuumldungsmatten reine Forschung | Mainsite | Mineralwasser | Azubis Bewegungszeit vor Ort | Eingliederungsmanagement

Zahlenspezialisten | mehr Austausch | MultikultiAllessa | Praxisberichte | Synthomer

Wasserspender

cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014 3

bdquoWir haben gute Ansaumltzeldquo

Die Sozialpartner der Chemieindustrie haben 2008 als erste Branche den Tarifvertrag bdquoLe-bensarbeitszeit und De-mografieldquo entwickelt Welche Bilanz ziehen Sie heuteGuter Ansatz die rich-tigen Umsetzungs-varianten und groszlige Fortschritte beim Ge-samtthema Insbeson-dere die Demografie-analyse hat die gesamte Branche gezwungen sich mit Demografie zu beschaumlftigen

Wo sehen Sie aus tarifpolitischer Sicht weiteren HandlungsbedarfWir haben gute Ansaumltze bei Altersvorsor-ge Langzeitkonten und der Entlastung fuumlr Aumlltere Die naumlchsten Schwerpunkte muumls-sen Gesundheit Belastung und die Aus-weitung des Volumens insgesamt sein Wo staumlrkere Belastung die Arbeit praumlgt muss fuumlr mehr Entlastung gesorgt wer-den

Und aus UnternehmenssichtWir werden uumlber moumlglichst einfache handhabbare Tarifregelungen und Umset-zungsmoumlglichkeiten fuumlr die Betriebe nach-denken muumlssen Die Arbeitszeit wird sich weiterentwickeln ndash staumlrker in Richtung Le-bensphasen und differenzierter mit Blick auf die Belastungen die Wuumlnsche einzel-ner Arbeitnehmer und die Bedingungen des Betriebes

ihre Gesundheit zu tun wenn das Angebot passt und auf ihre Arbeitszeiten Ruumlcksicht genommen wird Der Hersteller von Hausshyhaltsreinigern (Frosch Emsal) und Schuhshypflegeprodukten (Erdal) hat daher das Proshygramm bdquoBewegungszeit vor Ortldquo ins Leben gerufen Die Trainer kommen direkt an den Arbeitsplatz Es gibt keine laumlstigen Wege und kein Umziehen Die Kosten traumlgt das Unternehmen (siehe Bewegungszeit)

Zielgruppengerechte Qualifizierung

Wer die Mitarbeiter einbezieht und so den Bedarf ermittelt kann Angebote direkt an den Arbeitsprozessen und Beduumlrfnissen ausrichten Bei Allessa Chemie Frankfurt am Main sorgen nun regelmaumlszligige Laborbeshysprechungen fuumlr mehr Austausch

Das war fuumlr die Laboranten ein dringendes Anliegen

Gesundheit Vorbeugen ist besser als HeilenDie Lebensarbeitszeit steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften auch Der Erhalt und die Foumlrderung der Gesundheit ihrer Beschaumlftigten haben fuumlr die Unternehmen houmlchste Prioritaumlt Doch Appelle allein bringen nichts Erfolg haben oft kleine praktische Schritte

Die CSSA entwickelt Angebote fuumlr Untershynehmen wie sich betriebliche Gesundheitsshyprogramme effektiv nutzen lassen Eine wichtige Erkenntnis Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Erfahrungen und ihrem Rat als bdquoExperten vor Ortldquo ernst nimmt macht sie zu wertvollen Unterstuumltshyzern des betrieblichen Gesundheitsmanageshyments (BGM)

Die Chemische Fabrik Budenheim KG in Bushydenheim bei Mainz hat ein schlichtes aber wirkungsvolles Mittel wie sich die Arbeitsshyplaumltze bdquogesuumlnderldquo machen lassen Anti-Er-muumldungsmatten in der Produktion Sie entshylasten Skelett und Gelenke Auszligerdem gibt es in Budenheim eine Betriebsvereinbarung zum betrieblichen Eingliederungsmanage-ment (BEM) Ein wichtiger Erfolgsfaktor fuumlr ein funktionierendes BEM sind die Vertraushyenskultur und Sozialpartnerschaft (siehe gesundes Vertrauen)

Peter Hausmann

Mitglied im ge-

schaumlftsfuumlhrenden

Vorstand der IG BCE

Bei der Mainsite GmbH amp Co KG der Beshytreibergesellschaft des Industrie Centers Obernburg ist Gesundheit auch ein Theshyma fuumlr die Azubis Denn sie haben noch 40 oder 50 Jahre Erwerbstaumltigkeit vor sich Bei Mainsite trinken die 140 Azubis neuerdings vor allem Mineralwasser ndash und weniger die stark gesuumlszligten Erfrischungsgetraumlnke aus dem Automaten Das Unternehmen hat in der Lehrshy und Hauptwerkstatt Spender mit gekuumlhltem Wasser aufgestellt ndash auf Initiashytive der Auszubildenden Das Beispiel der Wasserspender zeigt wie der ICOshyBetreishyber das Thema gesunde Ernaumlhrung anpackt Ohne Appelle und erhobenen Zeigefinger sondern mit praktischen Loumlsungen (siehe Mainsite_ICO)

Und bei Werner amp Mertz in Mainz zeigshyte sich dass Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter nicht weniger als andere Beshyschaumlftigte daran interessiert sind etwas fuumlr

Opal 21 | Wissenstransferexzellente Anlagenkenntnisse | Zaumlhne

Weiterbildungs-Initiative | Anti-Ermuumldungsmatten reine Forschung | Mainsite | Mineralwasser | Azubis Bewegungszeit vor Ort | Eingliederungsmanagement

Zahlenspezialisten | mehr Austausch | MultikultiAllessa | Praxisberichte | Synthomer

Wasserspender

Wie lassen sich der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Laborbereishychen in der Abteilung F amp E deutlich vershybessern und Missverstaumlndnisse vermeiden bdquoVieles was auch fruumlher schon einmal anshygedacht wurde ist mit WICI endlich umgeshysetzt wordenldquo sagt Marita Neuber Leiterin der FshyampshyEshyAbteilung bei Allessa

Bei Polycasa GmbH findet Lernen in einem interkulturellen Team statt Multikulti ist in

dem Mainzer Unternehmen praktisch Alltag Fast die Haumllfte der Mitarshy

beiter hat einen Migrationshinshytergrund Da ist die Sprache auch ein Thema Ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitshyarbeiter bei Polycasa spricht

nur gebrochen deutsch

Fuumlr die Weiterbildung und den Wissenstransfer an neue Kollegen

bedeutet das Polycasa nutzt die Moumlgshylichkeiten der Bildsprache und shysymbole Anders gesagt Es wird nicht nur erklaumlrt sondern vor allem viel gezeigt

4 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Merz GmbH amp Co KGaA Gesundheit am Arbeitsplatz ist bei Merz in Reinheim im Odenwald ein Dauerthema Hier sind insshygesamt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeishyter beschaumlftigt das Durchschnittsalter liegt uumlber 45 Jahre Gearbeitet wird inzwischen in drei Schichten Neue Schichtzeiten solshylen den Beschaumlftigten mehr Erholung bieshyten und fuumlr mehr Gesundheit am Arbeitsshyplatz sorgen Seit die Schichtarbeiter bereits sonntags um 2230 Uhr (statt montags um 2230 Uhr) anfangen und freitags um 6 Uhr aufhoumlren (statt samstags um 6 Uhr) haben sie laumlngere Erholungszeiten Die meisten Betroffenen kommen damit gut zurecht

Chemion Leverkusen Im Rahmen seines betrieblichen Gesundheitsmanagements

(BGM) fragt Chemion die Mitarbeiter wo es an ihren Arbeitsplaumltzen Probleme gibt und wie sie verbessert werden koumlnnen Soshygenannte Kompetenzteams suchen dann

ImpressumChemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ndash eine Initiative der ChemieshySozialpartner BAVC und IG BCE

Kreuzberger Ring 70 65205 Wiesbaden

Tel 0611 shy 97 00 98 shy 0 Fax 0611 shy 97 00 98 shy 16

servicecssashywiesbadende wwwcssashywiesbadende

Verantwortlich Dr KlausshyW West

Redaktion Dirk Dietz textmanufaktur

Gestaltung und Illustration wwwgrafikbuerocom

Wiesbaden April 2014

aktiv nach wirkungsvollen und machbaren Loumlsungen So wurde am Waren einshy und shyausgangsschalter ein Sichtschutz angeshybracht Seither fuumlhlen sich die Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeiter nicht staumlndig von den wartenden LkwshyFahrern beobachtet und koumlnnen ihre Aufgaben konzentrierter erledishygen (siehe cssa-news 32013)

Der Einstieg ins Thema faumlllt nicht leicht Schlagworte wie bdquoBurnshyoutldquo sind nicht klar definiert berufliche und private Ursachen

und Verantwortlichkeiten vermischen sich bdquoEs trifft vor allem Menshy

schen die sich sehr stark mit ihrer Arbeit idenshy

tifizieren die sehr leistungsbereit sind und gerne arbeiten und gleichzeitig starshyken psychischen

Belastungen ausshygesetzt sindldquo sagt

Antje Ducki Professhysorin fuumlr Arbeitsshy und

Organisationspsychologie an der Beuth Hochschule fuumlr

Technik in Berlin (Interview Ducki) Dushycki forscht uumlber Arbeitsgestaltung und beshytriebliche Gesundheitsfoumlrderung auszligerdem ist sie Mitherausgeberin des Fehlzeitenre-ports den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) regelmaumlszligig veroumlffentlicht

Ein gutes Beispiel betrieblicher Gesundshyheitsfoumlrderung ist das Programm zur psychishyschen Gesundheitspraumlvention des MedizinshytechnikshyHerstellers B Braun in Mel sungen Er setzt auf der Ebene der Fuumlhrungs kraumlfte an B Braun entwickelte ein Seminarpro-gramm mit dem Fuumlhrungskraumlfte fuumlr die Anzeichen psychischer Erkrankungen ihrer Mitarbeiter sensibilisiert und im Umgang damit unterstuumltzt werden

Dass Fuumlhrungskraumlfte erhebliche Einflussshymoumlglichkeiten haben positiv auf die Geshysundheit und Motivation von Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeitern einzuwirken ist bekannt Fuumlr viele ist es nicht einfach ein mitreiszligendes Vorbild zu sein wie es der Hirnforscher Gerald Huumlther fordert

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingel- heim (BI) will es genauer wissen Mit der Universitaumlt Heidelberg macht BI jetzt die Studie bdquoFuumlhrung und Gesundheit bei Boeh-ringer Ingelheimldquo Dafuumlr wurden 12000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt Ergebnisse liegen demnaumlchst vor

Weiterbildung und Beteiligung In den vergangenen drei Jahren hat die CSSA in mehr als 20 Unternehmen der Chemie-Industrie WICI-Projekte angesto-szligen und begleitet Die bdquoWeiterbildungs-initiative fuumlr die Chemische Industrieldquo (WICI) baut auf der sozialpartnerschaftli-chen Tradition der Chemie-Industrie auf Beteiligung und Kooperation machen den Erfolg und die Staumlrke von WICI aus Weil alle betrieblichen Akteure von Anfang an

eingebunden sind findet sich leichter ein Konsens fuumlr Entwicklungsziele werden Maszlignahmen gemeinsam beschlossen und nachhaltiger umgesetzt Diese Methode ist bereits ein wesentlicher Teil der Loumlsung WICI vertraut auf die Kenntnisse und Er-fahrungen der direkt Betroffenen Nie-mand kennt die Produktionsprozesse und -bedingungen so gut wie die die sie taumlg-lich organisieren und mit ihnen arbeiten

Bei der Ineos Phenol Gladbeck laumlsst die Betriebsfeuerwehr nichts anbrennen Hier wurde gezielt der Trainingsraum fuumlr die Beshytriebsfeuerwehr modernisiert ndash ein Schub fuumlr die Trainingsmotivation Auch das Ma teshy riallager hat das Unternehmen umgestal tet Materialien sind jetzt leichter zu errei chen Auszligerdem gibt es Hebehilfen

Stress und psychische ErkrankungenPsychische Belastungen verursachen rund 10 Prozent krankheitsbedingter Arbeitsunfaumlhig-keit ndash so der aktuelle Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Die damit verbundenen Fehltage haben sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als ver-doppelt Was koumlnnen Unternehmen dagegen tun

Bewegungszeit vor OrtKompetenzteams | Fuumlhrung

und Gesundheit | Fehlzeitenreport mitreiszligendes Vorbild | Fuumlhrungs-kraumlfte | Gesundheits praumlvention

Gesundheitsmanagement Seminarprogramm | gesun-

des Vertrauen

Page 3: Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie - Wie Unternehmen den demografischen Wandel anpacken

cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014 3

bdquoWir haben gute Ansaumltzeldquo

Die Sozialpartner der Chemieindustrie haben 2008 als erste Branche den Tarifvertrag bdquoLe-bensarbeitszeit und De-mografieldquo entwickelt Welche Bilanz ziehen Sie heuteGuter Ansatz die rich-tigen Umsetzungs-varianten und groszlige Fortschritte beim Ge-samtthema Insbeson-dere die Demografie-analyse hat die gesamte Branche gezwungen sich mit Demografie zu beschaumlftigen

Wo sehen Sie aus tarifpolitischer Sicht weiteren HandlungsbedarfWir haben gute Ansaumltze bei Altersvorsor-ge Langzeitkonten und der Entlastung fuumlr Aumlltere Die naumlchsten Schwerpunkte muumls-sen Gesundheit Belastung und die Aus-weitung des Volumens insgesamt sein Wo staumlrkere Belastung die Arbeit praumlgt muss fuumlr mehr Entlastung gesorgt wer-den

Und aus UnternehmenssichtWir werden uumlber moumlglichst einfache handhabbare Tarifregelungen und Umset-zungsmoumlglichkeiten fuumlr die Betriebe nach-denken muumlssen Die Arbeitszeit wird sich weiterentwickeln ndash staumlrker in Richtung Le-bensphasen und differenzierter mit Blick auf die Belastungen die Wuumlnsche einzel-ner Arbeitnehmer und die Bedingungen des Betriebes

ihre Gesundheit zu tun wenn das Angebot passt und auf ihre Arbeitszeiten Ruumlcksicht genommen wird Der Hersteller von Hausshyhaltsreinigern (Frosch Emsal) und Schuhshypflegeprodukten (Erdal) hat daher das Proshygramm bdquoBewegungszeit vor Ortldquo ins Leben gerufen Die Trainer kommen direkt an den Arbeitsplatz Es gibt keine laumlstigen Wege und kein Umziehen Die Kosten traumlgt das Unternehmen (siehe Bewegungszeit)

Zielgruppengerechte Qualifizierung

Wer die Mitarbeiter einbezieht und so den Bedarf ermittelt kann Angebote direkt an den Arbeitsprozessen und Beduumlrfnissen ausrichten Bei Allessa Chemie Frankfurt am Main sorgen nun regelmaumlszligige Laborbeshysprechungen fuumlr mehr Austausch

Das war fuumlr die Laboranten ein dringendes Anliegen

Gesundheit Vorbeugen ist besser als HeilenDie Lebensarbeitszeit steigt das Durchschnittsalter der Belegschaften auch Der Erhalt und die Foumlrderung der Gesundheit ihrer Beschaumlftigten haben fuumlr die Unternehmen houmlchste Prioritaumlt Doch Appelle allein bringen nichts Erfolg haben oft kleine praktische Schritte

Die CSSA entwickelt Angebote fuumlr Untershynehmen wie sich betriebliche Gesundheitsshyprogramme effektiv nutzen lassen Eine wichtige Erkenntnis Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Erfahrungen und ihrem Rat als bdquoExperten vor Ortldquo ernst nimmt macht sie zu wertvollen Unterstuumltshyzern des betrieblichen Gesundheitsmanageshyments (BGM)

Die Chemische Fabrik Budenheim KG in Bushydenheim bei Mainz hat ein schlichtes aber wirkungsvolles Mittel wie sich die Arbeitsshyplaumltze bdquogesuumlnderldquo machen lassen Anti-Er-muumldungsmatten in der Produktion Sie entshylasten Skelett und Gelenke Auszligerdem gibt es in Budenheim eine Betriebsvereinbarung zum betrieblichen Eingliederungsmanage-ment (BEM) Ein wichtiger Erfolgsfaktor fuumlr ein funktionierendes BEM sind die Vertraushyenskultur und Sozialpartnerschaft (siehe gesundes Vertrauen)

Peter Hausmann

Mitglied im ge-

schaumlftsfuumlhrenden

Vorstand der IG BCE

Bei der Mainsite GmbH amp Co KG der Beshytreibergesellschaft des Industrie Centers Obernburg ist Gesundheit auch ein Theshyma fuumlr die Azubis Denn sie haben noch 40 oder 50 Jahre Erwerbstaumltigkeit vor sich Bei Mainsite trinken die 140 Azubis neuerdings vor allem Mineralwasser ndash und weniger die stark gesuumlszligten Erfrischungsgetraumlnke aus dem Automaten Das Unternehmen hat in der Lehrshy und Hauptwerkstatt Spender mit gekuumlhltem Wasser aufgestellt ndash auf Initiashytive der Auszubildenden Das Beispiel der Wasserspender zeigt wie der ICOshyBetreishyber das Thema gesunde Ernaumlhrung anpackt Ohne Appelle und erhobenen Zeigefinger sondern mit praktischen Loumlsungen (siehe Mainsite_ICO)

Und bei Werner amp Mertz in Mainz zeigshyte sich dass Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter nicht weniger als andere Beshyschaumlftigte daran interessiert sind etwas fuumlr

Opal 21 | Wissenstransferexzellente Anlagenkenntnisse | Zaumlhne

Weiterbildungs-Initiative | Anti-Ermuumldungsmatten reine Forschung | Mainsite | Mineralwasser | Azubis Bewegungszeit vor Ort | Eingliederungsmanagement

Zahlenspezialisten | mehr Austausch | MultikultiAllessa | Praxisberichte | Synthomer

Wasserspender

Wie lassen sich der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Laborbereishychen in der Abteilung F amp E deutlich vershybessern und Missverstaumlndnisse vermeiden bdquoVieles was auch fruumlher schon einmal anshygedacht wurde ist mit WICI endlich umgeshysetzt wordenldquo sagt Marita Neuber Leiterin der FshyampshyEshyAbteilung bei Allessa

Bei Polycasa GmbH findet Lernen in einem interkulturellen Team statt Multikulti ist in

dem Mainzer Unternehmen praktisch Alltag Fast die Haumllfte der Mitarshy

beiter hat einen Migrationshinshytergrund Da ist die Sprache auch ein Thema Ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitshyarbeiter bei Polycasa spricht

nur gebrochen deutsch

Fuumlr die Weiterbildung und den Wissenstransfer an neue Kollegen

bedeutet das Polycasa nutzt die Moumlgshylichkeiten der Bildsprache und shysymbole Anders gesagt Es wird nicht nur erklaumlrt sondern vor allem viel gezeigt

4 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Merz GmbH amp Co KGaA Gesundheit am Arbeitsplatz ist bei Merz in Reinheim im Odenwald ein Dauerthema Hier sind insshygesamt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeishyter beschaumlftigt das Durchschnittsalter liegt uumlber 45 Jahre Gearbeitet wird inzwischen in drei Schichten Neue Schichtzeiten solshylen den Beschaumlftigten mehr Erholung bieshyten und fuumlr mehr Gesundheit am Arbeitsshyplatz sorgen Seit die Schichtarbeiter bereits sonntags um 2230 Uhr (statt montags um 2230 Uhr) anfangen und freitags um 6 Uhr aufhoumlren (statt samstags um 6 Uhr) haben sie laumlngere Erholungszeiten Die meisten Betroffenen kommen damit gut zurecht

Chemion Leverkusen Im Rahmen seines betrieblichen Gesundheitsmanagements

(BGM) fragt Chemion die Mitarbeiter wo es an ihren Arbeitsplaumltzen Probleme gibt und wie sie verbessert werden koumlnnen Soshygenannte Kompetenzteams suchen dann

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Kreuzberger Ring 70 65205 Wiesbaden

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Verantwortlich Dr KlausshyW West

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aktiv nach wirkungsvollen und machbaren Loumlsungen So wurde am Waren einshy und shyausgangsschalter ein Sichtschutz angeshybracht Seither fuumlhlen sich die Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeiter nicht staumlndig von den wartenden LkwshyFahrern beobachtet und koumlnnen ihre Aufgaben konzentrierter erledishygen (siehe cssa-news 32013)

Der Einstieg ins Thema faumlllt nicht leicht Schlagworte wie bdquoBurnshyoutldquo sind nicht klar definiert berufliche und private Ursachen

und Verantwortlichkeiten vermischen sich bdquoEs trifft vor allem Menshy

schen die sich sehr stark mit ihrer Arbeit idenshy

tifizieren die sehr leistungsbereit sind und gerne arbeiten und gleichzeitig starshyken psychischen

Belastungen ausshygesetzt sindldquo sagt

Antje Ducki Professhysorin fuumlr Arbeitsshy und

Organisationspsychologie an der Beuth Hochschule fuumlr

Technik in Berlin (Interview Ducki) Dushycki forscht uumlber Arbeitsgestaltung und beshytriebliche Gesundheitsfoumlrderung auszligerdem ist sie Mitherausgeberin des Fehlzeitenre-ports den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) regelmaumlszligig veroumlffentlicht

Ein gutes Beispiel betrieblicher Gesundshyheitsfoumlrderung ist das Programm zur psychishyschen Gesundheitspraumlvention des MedizinshytechnikshyHerstellers B Braun in Mel sungen Er setzt auf der Ebene der Fuumlhrungs kraumlfte an B Braun entwickelte ein Seminarpro-gramm mit dem Fuumlhrungskraumlfte fuumlr die Anzeichen psychischer Erkrankungen ihrer Mitarbeiter sensibilisiert und im Umgang damit unterstuumltzt werden

Dass Fuumlhrungskraumlfte erhebliche Einflussshymoumlglichkeiten haben positiv auf die Geshysundheit und Motivation von Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeitern einzuwirken ist bekannt Fuumlr viele ist es nicht einfach ein mitreiszligendes Vorbild zu sein wie es der Hirnforscher Gerald Huumlther fordert

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingel- heim (BI) will es genauer wissen Mit der Universitaumlt Heidelberg macht BI jetzt die Studie bdquoFuumlhrung und Gesundheit bei Boeh-ringer Ingelheimldquo Dafuumlr wurden 12000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt Ergebnisse liegen demnaumlchst vor

Weiterbildung und Beteiligung In den vergangenen drei Jahren hat die CSSA in mehr als 20 Unternehmen der Chemie-Industrie WICI-Projekte angesto-szligen und begleitet Die bdquoWeiterbildungs-initiative fuumlr die Chemische Industrieldquo (WICI) baut auf der sozialpartnerschaftli-chen Tradition der Chemie-Industrie auf Beteiligung und Kooperation machen den Erfolg und die Staumlrke von WICI aus Weil alle betrieblichen Akteure von Anfang an

eingebunden sind findet sich leichter ein Konsens fuumlr Entwicklungsziele werden Maszlignahmen gemeinsam beschlossen und nachhaltiger umgesetzt Diese Methode ist bereits ein wesentlicher Teil der Loumlsung WICI vertraut auf die Kenntnisse und Er-fahrungen der direkt Betroffenen Nie-mand kennt die Produktionsprozesse und -bedingungen so gut wie die die sie taumlg-lich organisieren und mit ihnen arbeiten

Bei der Ineos Phenol Gladbeck laumlsst die Betriebsfeuerwehr nichts anbrennen Hier wurde gezielt der Trainingsraum fuumlr die Beshytriebsfeuerwehr modernisiert ndash ein Schub fuumlr die Trainingsmotivation Auch das Ma teshy riallager hat das Unternehmen umgestal tet Materialien sind jetzt leichter zu errei chen Auszligerdem gibt es Hebehilfen

Stress und psychische ErkrankungenPsychische Belastungen verursachen rund 10 Prozent krankheitsbedingter Arbeitsunfaumlhig-keit ndash so der aktuelle Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Die damit verbundenen Fehltage haben sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als ver-doppelt Was koumlnnen Unternehmen dagegen tun

Bewegungszeit vor OrtKompetenzteams | Fuumlhrung

und Gesundheit | Fehlzeitenreport mitreiszligendes Vorbild | Fuumlhrungs-kraumlfte | Gesundheits praumlvention

Gesundheitsmanagement Seminarprogramm | gesun-

des Vertrauen

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4 cssa-news ndash Sonderausgabe April 2014

Merz GmbH amp Co KGaA Gesundheit am Arbeitsplatz ist bei Merz in Reinheim im Odenwald ein Dauerthema Hier sind insshygesamt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeishyter beschaumlftigt das Durchschnittsalter liegt uumlber 45 Jahre Gearbeitet wird inzwischen in drei Schichten Neue Schichtzeiten solshylen den Beschaumlftigten mehr Erholung bieshyten und fuumlr mehr Gesundheit am Arbeitsshyplatz sorgen Seit die Schichtarbeiter bereits sonntags um 2230 Uhr (statt montags um 2230 Uhr) anfangen und freitags um 6 Uhr aufhoumlren (statt samstags um 6 Uhr) haben sie laumlngere Erholungszeiten Die meisten Betroffenen kommen damit gut zurecht

Chemion Leverkusen Im Rahmen seines betrieblichen Gesundheitsmanagements

(BGM) fragt Chemion die Mitarbeiter wo es an ihren Arbeitsplaumltzen Probleme gibt und wie sie verbessert werden koumlnnen Soshygenannte Kompetenzteams suchen dann

ImpressumChemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ndash eine Initiative der ChemieshySozialpartner BAVC und IG BCE

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Tel 0611 shy 97 00 98 shy 0 Fax 0611 shy 97 00 98 shy 16

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Verantwortlich Dr KlausshyW West

Redaktion Dirk Dietz textmanufaktur

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Wiesbaden April 2014

aktiv nach wirkungsvollen und machbaren Loumlsungen So wurde am Waren einshy und shyausgangsschalter ein Sichtschutz angeshybracht Seither fuumlhlen sich die Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeiter nicht staumlndig von den wartenden LkwshyFahrern beobachtet und koumlnnen ihre Aufgaben konzentrierter erledishygen (siehe cssa-news 32013)

Der Einstieg ins Thema faumlllt nicht leicht Schlagworte wie bdquoBurnshyoutldquo sind nicht klar definiert berufliche und private Ursachen

und Verantwortlichkeiten vermischen sich bdquoEs trifft vor allem Menshy

schen die sich sehr stark mit ihrer Arbeit idenshy

tifizieren die sehr leistungsbereit sind und gerne arbeiten und gleichzeitig starshyken psychischen

Belastungen ausshygesetzt sindldquo sagt

Antje Ducki Professhysorin fuumlr Arbeitsshy und

Organisationspsychologie an der Beuth Hochschule fuumlr

Technik in Berlin (Interview Ducki) Dushycki forscht uumlber Arbeitsgestaltung und beshytriebliche Gesundheitsfoumlrderung auszligerdem ist sie Mitherausgeberin des Fehlzeitenre-ports den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) regelmaumlszligig veroumlffentlicht

Ein gutes Beispiel betrieblicher Gesundshyheitsfoumlrderung ist das Programm zur psychishyschen Gesundheitspraumlvention des MedizinshytechnikshyHerstellers B Braun in Mel sungen Er setzt auf der Ebene der Fuumlhrungs kraumlfte an B Braun entwickelte ein Seminarpro-gramm mit dem Fuumlhrungskraumlfte fuumlr die Anzeichen psychischer Erkrankungen ihrer Mitarbeiter sensibilisiert und im Umgang damit unterstuumltzt werden

Dass Fuumlhrungskraumlfte erhebliche Einflussshymoumlglichkeiten haben positiv auf die Geshysundheit und Motivation von Mitarbeiteshyrinnen und Mitarbeitern einzuwirken ist bekannt Fuumlr viele ist es nicht einfach ein mitreiszligendes Vorbild zu sein wie es der Hirnforscher Gerald Huumlther fordert

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingel- heim (BI) will es genauer wissen Mit der Universitaumlt Heidelberg macht BI jetzt die Studie bdquoFuumlhrung und Gesundheit bei Boeh-ringer Ingelheimldquo Dafuumlr wurden 12000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt Ergebnisse liegen demnaumlchst vor

Weiterbildung und Beteiligung In den vergangenen drei Jahren hat die CSSA in mehr als 20 Unternehmen der Chemie-Industrie WICI-Projekte angesto-szligen und begleitet Die bdquoWeiterbildungs-initiative fuumlr die Chemische Industrieldquo (WICI) baut auf der sozialpartnerschaftli-chen Tradition der Chemie-Industrie auf Beteiligung und Kooperation machen den Erfolg und die Staumlrke von WICI aus Weil alle betrieblichen Akteure von Anfang an

eingebunden sind findet sich leichter ein Konsens fuumlr Entwicklungsziele werden Maszlignahmen gemeinsam beschlossen und nachhaltiger umgesetzt Diese Methode ist bereits ein wesentlicher Teil der Loumlsung WICI vertraut auf die Kenntnisse und Er-fahrungen der direkt Betroffenen Nie-mand kennt die Produktionsprozesse und -bedingungen so gut wie die die sie taumlg-lich organisieren und mit ihnen arbeiten

Bei der Ineos Phenol Gladbeck laumlsst die Betriebsfeuerwehr nichts anbrennen Hier wurde gezielt der Trainingsraum fuumlr die Beshytriebsfeuerwehr modernisiert ndash ein Schub fuumlr die Trainingsmotivation Auch das Ma teshy riallager hat das Unternehmen umgestal tet Materialien sind jetzt leichter zu errei chen Auszligerdem gibt es Hebehilfen

Stress und psychische ErkrankungenPsychische Belastungen verursachen rund 10 Prozent krankheitsbedingter Arbeitsunfaumlhig-keit ndash so der aktuelle Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Die damit verbundenen Fehltage haben sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als ver-doppelt Was koumlnnen Unternehmen dagegen tun

Bewegungszeit vor OrtKompetenzteams | Fuumlhrung

und Gesundheit | Fehlzeitenreport mitreiszligendes Vorbild | Fuumlhrungs-kraumlfte | Gesundheits praumlvention

Gesundheitsmanagement Seminarprogramm | gesun-

des Vertrauen