Constitutio Criminalis Theresiana 1768

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Constitutio Criminalis Theresiana 1768

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  • o d e r d e r

    Rmisch- Kaiser!, zu Hungarn und Vheim ;c. :c. Knigl. Apost.M a j e s t t

    Erzherzogin zu Hestmetch,.:c.pein l iche

    crichlsordnung.' ,

    W I E N ,g e d r u c k t b e y J o h a n n T h o m a s E d l e n v o n T r a t t n e r n ,

    kaiserl. knigl. Hofbuchdruckern und Buchhndlern.

    , 7 6 9 .

  • von Gottes Gnadenmischc Kaiserin,Mtlb,MniM

    zu Hungarn, Boheim, Dalmatien, Kroatien, Slavonien,.Erzherzogin zu Oesterrcich; Herzogin zu Burgund, zuStcyer,zu Karnten, und zu Train; Grofrstin zu Siebenbrgcn; Markgrfin zu Mahren; Herzogin zu Vraband,zu Limburg, zu Luzemburg, und zu Geldern, zu Wrtcm-bcrg, zu Ober-und Nicdcr-Schlesien, zu Mayland, zuMantua, zu Parma, zu Placenz, und Guastalla; Fr-stin zu Schwaben; gefrstcte Grafin zu Habspurg, zuFlandern, zu Tyrol, zu Hennegau, zu Kyburg, zu Grz,und zu Gradisca; Markgrastn des heiligen RomischenReichs, zu Burgau, zu Ober - und Nieder > Launiy;Grafin zu Namur, Frau auf der Windischen Mark, undzu Mechcln lc. verwittibte Herzogin zu Lothringen, undBarr , Gro-Herzogin zu Toscana :c. tt.

    ^bieten allen, und jeden in Unseren kniglich - bheimischm, wie auchnieder-inner-ober-und vorder-sterreichischenCrblanden sich befindenden hoch-und niederen Gerichtsstellen, Stadt-und Landrichtern, Halsgerichten/ Landgmchtsinnhabem, und Verwaltern/ auch berhaupt all-Unserm treugehor-samsten Unterthanen, und Fnnsassen, was Wrde, Standes, oder Wesendieselbe sind, Unsere Gnad, und fgen hiemit mnniglich zu wissen:

    * 2 Dem

  • Demnach W i r unter anderen Unseren Regierungssorgen nicht alleinbey ruhigen Friedens-fondern auch den beschwerlichen Kriegszciten las vorzgliche Augenmerk bestndig dahin gerichtet, damit in Unseren Crblandenvor allem die Ehre Gottes sowohl durch Einfuhr-und Beybehaltung guterS i t ten , und tugendhaften Wandels, als auch durch Vorbieg-und Ausrottungaller Gott beleidigend-und landesverderblichen Lastern fortgepffanzet, hiernachauch die, das gemeine Wesen alleinig erhaltende heilsame M i x mittelst Sch-tzung des Guten, dann Abwend - wie auch Bestraffung des Bsen sorgfltigstVerwaltet werde;

    Und nun W i r whrend-Unserer Regierung beobachtet haben, da demordnungsmigen Laufs der M i x - Pflege in Mlefizangelegmheitcn meisten-theils nachfolgende Behinderungsursachen im Weg gestanden;

    Erstlich: Weilen fast in einem jedweden Unserer Crblanden ein ande-res sowohl in der Verfahrungsart, als in der Bestraffung der Verbrechen gros-fen Theils unterschieden-peinliches Recht eingefhret ist, und nach Verschieden-heit Unserer Landen theils nach der Carolimsch - theils nach der VeMn2i>uusch'theils nach der l^opolmisch-theil nach der /oleMnischm Halsge-richtsordnung , und einiger Orten nach ihren alten Landesgesetzen, und end-lich in Vorfllen, wo das Landesgesetz dunkel, oder mangelhaft ist, nach demRmerrecht frgegangen wird;welch so grosse Ungleichheit der Lnderrechten so-wohl Uns selbst, als Unseren Hofstellen bishero um so beschwerlicher hat fallenmen, da W i r , und Unsere Hofstellen andurch in die Notwendigkeit versetzetworden, bey jeder nach Hof eingelangten l^immai-Vorfallenheit nach Unter-scheid des Landes ein ander-und anderes Recht vor Angen zu haben; wo dtzch

    im

  • im Gegenspiel nichts natrlicher, billiger, und ordentlicher, auchM^-befr -derllcher seyn kann, als da zwischen verbrderten Erblanden unter einem nm-lichen Landesfrsten ein gleiches Recht festgestellet, und andurch Unsere Rthe,Unsere Rechtsgelehrten, und gesamte erblndische Unterthanen in Stand gesetzet werden, da, wenn sie nach erheischender Nothdurft in diesem, oder einemanderen Unserer Crblanden zu einer so beschaffenen Dienstleistung angestclletwerden, oder um besseren Nutzen, und Bequemlichkeit willen ihren Wohnsitzaus einem in ein anderes Unserer Crblanden bertragen, aller Orten dienst-tauglich seyn knnen, und nicht immerhin ein ander-und anderes besonderesLandrecht mit grosser Beschwerlichkeit zu erlernen bemiget seyen.

    Andertens: Befindet sich in vorbemeldtm Halsgerichtsordnungm eingar merklicher Abgang theils an einigen Haupt-Mater ien, welche zur Vo l l -stndigkeit einer peinlichen Gerichtsordnung unumgnglich erforderlich find;theils an ausfhrlicher Abhandlung der rechtlichen Anzeigungen, dann derenein jegliches Verbrechen beschwerend-oder milderenden Umstnden; hauptsch-lich aber an dem nthigen Unterricht: welchergestalten, mit was Ordnung,und Vorsichten jegliche Gattung der Onmmai.Verfahrungen von Anfang biszum Ende Rechtsbehrigermassen auszufhren seye? und ob zwar,

    Dr i t tens: Z u Ersetz-und Verbesserung dieser Abgngen sowohl Un-sere lblichste Vorfahren, als W i r selbst von Zeit zu Zeit zahlreiche O i m i M .Novel len erlassen haben, so sind doch diese Nachtragsgesetze, zumalen selbe inkeine ordentliche Sammlung zusammengetragen worden, denen neu angehen-den Richtern grossentheils unbekannt geblieben; wo anbey die schon oben be-rhrte Beschwerlichkeit mit-unterlauffet, da die Nachtragsgesehe in Gleich-

    3

  • ftrmigkcit der in jedwedem Land schon bestehend-besonderen HalsgmchtZord-nungen eingerichtet, und ausgcmessen worden, somit die Ungleichheit der erb-lndischen Malefizordnungen nach dem UnteGeid Unstrcr Crdlandm auch aufdie Ungleichheit der nachgefolgten Novel len dm nthigen Einflu gehabt ha-be ; folgsam die genaue Uebersicht so vieler erblndisch ungleicher Malesizsa-tzungen sowohl Uns selbst, als Unseren Hosstellcn ber die Rassen michesam,und an behriger Befrderung der Ralesizangelegenheitcn sehr bchinderlichworden seye.

    Um also diese, und andere dergleichen der heilsamen M12.Verwal tungzu grossen Abbruch, und Verzgerung gereichende Hindernien, und Gebre-chen aus dem Wege zu rumen, und damit das Ralcftzwesen sowohl in derVeranlass-und Ein le i tung, dann gnzlichen Abfhrung der O i m i M . P r o -testen, als auch in der Aburtheilung der Uebelthtem, und Vollstreckung derpeinlichen Urtheilen in all-Unseren deutschen Erblanden durchgchends, so vielmglich, nach einerley rechtlichen Grundstzen, und mit einer gleichen Versahrungsart gebhrend abgehandlet werde,

    A ls haben W i r in solch gerechtester Absicht eine eigene Ho f -commi5on lud ?i-3esMo Unseres wirklichen geheimen Naths, Gittern des goldenenVliesses, und Unserer obersten M i x - S t e l l e vice-pi-Xentens Michael J o -hann Grafen v. Althann mit dem allergndigsten Auftrag zusammengesctzet,auf da selbe die bishero bestandene verschiedene K r im ina l . Ordnungen nebstden dieflligen Nachtragsgesetzen vor Augen haben, das natrlichste, undbilligste hieraus erwehlen, die Abgnge, und Gebrechen nothdrftig verbesseren,somit eine neue auf die gemeine Wohlfarth Unserer Crblanden eingerichtet-gleichfrmige peinliche Gerichtsordnung verfassen, und Uns sodann zu Unserhchsten Einsicht, und Landesmtterlichen Cntschliessung allergehorsamst vorle

  • gm solle; welche Uns dann auch jl'mgsthin allerunterthnigstvorgeleget wor-den ist.

    Und zunmlen W i r solche Uns berreicht verbesserte Halsgerichtsord-nung gndigst eingesehen, und so grndlich, als ordentlich verfat zu seyn be-funden, so wollen W i r dieselbe Nach gepflogen-zeitigen Rath , mit rechten Wis-sen, und aus Landesfrstlicher Machtvollkommenheit in der M a , Weis ,und Gestalt, wie selbe von Artikel zu Artikel hernach folget, hiemit gndigst besttiget, und solche untereinstens Unseren gesamten deutschen Erblan-den zur rechtlichen Richtschnur, wornach sich in allen (^iminai-Vorfallenhei-ten zu richten seye, Zesetzgebig vorgeschrieben, zugleich aber alle vorhero inMalesizsachen ergangene Satz und Ordnungen, Gebrauch, Herkommen, undGewohnheiten, so dieser Unser allgemeinen Halsgerichtsordnung zuwiderlauf-fen, allerdings aufgehoben, und abgethan, anbey ernstgemessenst anbefohlen ha-ben/ da in Ralefizhandlungen dieser Unser-verneuerten Halsgerichtsordnunga l le in , und was W i r etwann sonst frs knftige in ein-oder anderen vorkom-menden Rechtsfall zu weiterer Erklrung dieser Unser-gesehgebigm Ausmes-sung anordnen drfften, unvcrbrchig nachgelebet werden, die Verbindlich-keit dieses Unseren O i m i n a i . Rechts aber nach einem Jahr von Zei t dessen be-schehen-ffentlichen Kundmachung ihren Anfang nehmen solle.

    W i r gebieten solchemnach allen Eingangs gedacht-Unseren deutsch erb-lndischen Untcrthanen, und Innsassen hiemit gndigst, und nachdrucksamst,da dieselbe dieser Unser-peinlichen Gerichtsordnung in allen Vorfallen beyansonst auf sich ladend-schwerer Verantwortung sich unverbrchig, und ge-horsamst nachachten; besonders aber allen hoch und niederen Gerichtsstellen,und Obrigkeiten, da selbe ob dem Vollzug, und durchgngig-genauen Beob-achtung dieses Unseren allgemeinen c n m i i n l . Rechts veste Hand halten, und

    Nie-

  • Niemanden gestatten sollen, da auf einige Weise darwider gehandlet werdenmge. Wornach sich also Iedermanniglich zu richten, und fr Schaden zuhten wissen wird. Gegeben in Unserer k. k. Haupt - und Residenzstadt Wienden letzten Monatstag Decembris im fiebenzehenhundert acht, und sechzigsten/Unserer Reiche im neun, und zwanzigsten Jahre.

    l i eAN ^lajelwtiI xropnum.Johann Bernhard von Anker

  • 3 2 ^ ^ .

    eheline Anmerkungena

    criminalem

    o d e rz u U n s e r n e u e n

    peinlichen

    erichtsordnungfr Unsere Teutsch-erblandischeMalesiz-Obergerichten,

    und die mit der peinlichen Gerichtsbarkeit begabteunmittelbare Lnderstellen.

    emnach bey Verfassmg Unser allgemein-peinlichen Gerichtsordnung,welche W i r als ein knftighin zu beobachtend-gleiches CnmRecht Unseren getreuesien teutschen Erblanden zu ihrem Besten,und zu allgemeiner Wohlfahrt aus Landesmtterlicher Liebe, und

    Wohlthtigkeit gndigst ertheilet haben, untereinstens einige zu behutsamer Ver-waltung des Malefizwesens nthige Hauptanmerkungen in Beratschlagung gekom-men, anbey aber befunden worden, da selbe nicht zur Wissenschaft des gemeinenV o l k s , sondern lediglich zum geheimen Unterricht, und