Vornahme einer digitalen Subtraktionsangiographie bei einer superfiziellen Siderose – Aufklärung über die Erfolgschancen des diagnostischen Eingriffs page 1
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Vornahme einer digitalen Subtraktionsangiographie bei einer superfiziellen Siderose – Aufklärung über die Erfolgschancen des diagnostischen Eingriffs

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  • fr den Betroffenen nicht hinreichend erkennbar ist, wie er den verfassungsrechtlich gebotenen effektiven Rechts-schutz erlangen kann. Dies zeigt fr den vorliegenden Fall das Zusammenspiel der angegriffenen Entscheidungen mit den Entscheidungen im vorausgegangenen betreuungsge-richtlichen Verfahren. Whrend der Beschwerdefhrer im Verfahren nach 109 ff. StVollzG, in dem die hier ange-griffenen Entscheidungen ergangen sind, keine berpr-fung der Rechtmigkeit der Einwilligung des Betreuers erreichen konnte, weil nach der unbeanstandet geblie-benen Entscheidung der Strafvollstreckungskammer die Rechtmigkeit dieser Einwilligung und die Frage, ob der Betroffene einwilligungsunfhig und die Behandlung er-forderlich und angemessen ist, allein durch das Betreuungs-gericht geprft werden knnen, hatte sich, gleichfalls bis in die letzte Instanz unbeanstandet, das LG im betreuungsge-richtlichen Verfahren auf den Standpunkt gestellt, dass sich aus 1906 BGB keine Befugnis des Betreuungsgerichts zu dahingehenden Feststellungen ergebe.

    [73] II. Da die Beschlsse des LG und des OLG, soweit angegriffen, das Grundrecht des Beschwerdefhrers aus Art.2 Abs.2 S.2 GG bereits mangels einer verfassungsm-igen gesetzlichen Grundlage fr den gebilligten Eingriff verletzen, kann offenbleiben, ob die Rechtsanwendung durch die Fachgerichte noch aus anderen Grnden Anlass zu verfassungsrechtlicher Beanstandung gibt.

    [74] C. I. 22 Abs.1 S.1 SchsPsychKG ist wegen der festgestellten Verfassungsverste fr nichtig zu erklren. Die Voraussetzungen fr eine bloe Unvereinbarerklrung liegen nicht vor (vgl. BVerfGE 128, 282, 321 f.; 129, 269, 284). Dasselbe gilt fr die Voraussetzungen einer Erstre-ckung des Nichtigkeitsausspruchs ( 78 S.2 BVerfGG) auf andere Teile des 22 SchsPsychKG.

    [75] Die angegriffenen Entscheidungen sind gem 95 Abs.2 BVerfGG in dem bezeichneten Umfang aufzuheben, und die Sache ist an das LG zurckzuverweisen.

    II. [Kosten]

    DOI: 10.1007/s00350-013-3508-z

    Vornahme einer digitalen Subtraktionsangiogra-phie bei einer superfiziellen Siderose Aufklrung ber die Erfolgschancen des diagnostischen Eingriffs

    BGB 823 Abs.1

    1. Zur Abklrung von Blutungsquellen bei der su-perfiziellen Siderose gibt es zu der digitalen Substrak-tionsangiographie keine Alternative.

    2. Grundstzlich ist die Einschtzung der Erfolgs-wahrscheinlichkeit eines Eingriffs fr die Entscheidung des Patienten, ob er den Eingriff vornehmen lsst, ein gewichtiges Kriterium und muss daher Bestandteil der Aufklrung sein.

    3. Sind keine fundierten Aussagen ber eine generel-le oder individuelle Erfolgschance der Untersuchung mglich, reicht die Aufklrung ber die Notwendig-keit des diagnostischen Eingriffs als letzte Mglichkeit und letzter Versuch, einen Ansatz fr die Behandlung der schweren und fortschreitenden Behandlung zu fin-den, aus. (Leitsatz 2 vom Bearbeiter)OLG Mnchen, Urt. v. 31. 5. 2012 1U 3884/11 (LG Mnchen I)

    Problemstellung: Salus et voluntas aegrotii supre-ma lex Das Heil und der Wille des Kranken sind obers-

    tes Gesetz. Dieser Grundsatz kommt insbesondere in der Pflicht des Arztes, den Patienten vor jeder diagnos-tischen oder therapeutischen Manahme aufzuklren, zum Ausdruck. Information und Zustimmung des Pati-enten basieren demzufolge in erster Linie auf ethischen Geboten. Daneben hat die Aufklrungspflicht des Arztes aber auch eine normative Wurzel: Das verfassungsrecht-lich gewhrleistete Selbstbestimmungsrecht des Patien-ten wird geboten durch Achtung und Schutz der Wrde, die Freiheit des Menschen sowie sein Recht auf krper-liche Unversehrtheit, Art.1 Abs.1, Art.2 Abs.1 sowie Art.2 Abs.2 GG. Wesentlicher Ausfluss dieses Rechts auf freie Entfaltung seiner Persnlichkeit ist im Arzthaf-tungsrecht der Vorbehalt des Patienten, wonach er seine Zustimmung zu einer Behandlung erteilen, aber auch verweigern kann. Um eine sinnvolle Wahrnehmung des Selbstbestimmungsrechtes gewhrleisten zu knnen, bedarf die Einwilligung aber der vorherigen ordnungs-gemen Aufklrung des Patienten (sog. informed con-sent). Die Aufklrung ist damit das bestimmende Merk-mal der Einwilligung.

    Vor diesem Hintergrund kann ein jeder im Rahmen der Rechtsordnung ber seinen Krper sowie das, was mit ihm geschieht, selbst frei bestimmen. So entschied das BVerfG in einem viel zitierten Urteil ( BVerfGE 52, 131, 175), dass die Bestimmung ber seine leiblich-see-lische Integritt [] zum ureigensten Bereich der Per-sonalitt des Menschen [gehrt]. In diesem Bereich ist er aus Sicht des Grundgesetzes frei, seine Mastbe zu whlen und nach ihnen zu leben und zu entscheiden. Eben diese Freiheit zur Selbstbestimmung wird durch Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG besonders hervorgehoben und verbrgt.

    Fehlt es hingegen an einem solchen informed con-sent, so ist dies grundstzlich als Verletzung des Be-handlungsvertrags zu werten, sodass die Behandlung von Ausnahmen abgesehen letztlich rechtswidrig erfolgt ist, und zwar unabhngig davon, ob sie indiziert war und lege artis durchgefhrt wurde. Mit anderen Worten: Eine unterlassene, unvollstndige oder falsche Aufklrung kann aus zivilrechtlicher Sicht sowohl zu einer vertraglichen wie zu einer deliktischen Haftung fhren. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Anforderungen an die medizinische Aufklrungspflicht durch das aktuelle Patientenrechtegesetz nunmehr in 630 c sowie 630 e BGB gesetzlich festgeschrieben wurden. Zudem begeht der Arzt eine rechtswidrige Krperverletzung gem. 223 ff. StGB, wenn und so-weit sich der Eingriff im konkreten Fall nicht als ge-rechtfertigt erweist.

    Zum Sachverhalt: In dem der Entscheidung zugrunde liegen-den Ausgangsverfahren klagte eine Patientin, die seit Jahren an ei-nem Schwankschwindel litt und sich deswegen in die Behandlung der Bekl. begab. Ein angefertigtes MRT des Schdels ergab eine ausgedehnte Mikroangiographie, den Verdacht auf kleine vense Malformationen im Tentorium links mit Zeichen einer abgelaufe-nen Subarachnoidalblutung mit Hmosiderinablagerungen auf dem Kleinhirn. Zwei Wochen spter wurde ein cranielles MRT erstellt, welches die Diagnose einer unklaren, superfiziellen Siderose ergab. Deswegen wurde die Patientin zur weiteren differentialdiagnosti-schen Abklrung auf eine neurologische Station verlegt. Die dort durchgefhrten Computertomographien von Wirbelsule und Kopf fhrten zum Nachweis von Blut im Wirbelkanal. Dieser Verdacht konnte durch eine Liquoruntersuchung erhrtet werden. Auf dieser Grundlage stellten die Bekl. die Indikation zu einer Angiographie. Im Beisein der Tochter fand ein Gesprch statt, in dem auf die Gefahr eines Schlaganfalls bei der DSA-Untersuchung hingewiesen wurde. Die spter durchgefhrte DSA blieb ohne Befund. Whrend der Untersuchung beschrieb die Kl. ein Kribbeln im linken Arm, nach Entfernen des Katheters auch Kribbelparsthesien. Nach Verlegung auf die Stroke Unit wurde ein Schlaganfall mit einer armbetonten

    Eingesandt und bearbeitet von Rechtsanwalt Peter Wigge, Fachanwalt fr Medizinrecht, Rechtsanwlte Wigge, Scharnhorststrae 40, 48151 Mnster, Deutschland

    Rechtsprechung604 MedR (2013) 31: 604606

  • geringgradigen Halbseitensymptomatik links diagnostiziert. Die Symptome bildeten sich zurck, traten dann aber erneut auf.

    Die Kl. trug vor, sie sei im Vorfeld der Untersuchung nicht hinrei-chend ber das mgliche Risiko eines Schlaganfalls infolge der DSA aufgeklrt worden. Ferner sei eine ordnungsgeme Aufklrung ber mgliche Behandlungsalternativen unterblieben, obwohl es an einer unbedingten therapeutischen Indikation fr die DSA gefehlt habe. Vor diesem Hintergrund begehrte die Kl., die Bekl. gesamt-schuldnerisch zu einer Zahlung von Schmerzensgeld und Schadens-ersatz sowie einer monatlichen Rente zu verurteilen. Das LG wies die Klage in erster Instanz als unbegrndet ab. Dagegen richtet sich die Berufung der Kl.

    Aus den Grnden: Die zulssige Berufung erwies sich als unbegrndet.

    A. Die Berufung war zurckzuweisen, da die Kl. den Bekl. keinen Behandlungsfehler nachzuweisen vermochte und die Bekl. belegen konnten, dass die Kl. nach ausrei-chender Aufklrung wirksam in die Untersuchung einge-willigt hat.

    I. Den Bekl. kann kein Behandlungsfehler zur Last gelegt werden.

    Das LG hat mit zutreffenden Grnden auf Grundlage des eingeholten Sachverstndigengutachtens einen Behand-lungsfehler verneint. Die Bekl. haben weder bei der Indi-kationsstellung zur DSA noch bei der Durchfhrung der Untersuchung gegen den Facharztstandard verstoen.

    1. Der Sachverstndige Dr.K. ist als Facharzt fr Neuro-logie fr die Beantwortung der Beweisfragen hinreichend kompetent. Die Kl. wurde in der neurologischen Klinik der Bekl. zu1 behandelt. Die Vorwrfe gegen die Bekl. betrafen die Indikationsstellung und die Risikobewertung der Untersuchung sowie einfach gelagerte radiologische Fragestellungen. Da die Fragestellungen weitestgehend den neurologischen Bereich betrafen, war ein Sachverstndiger aus dem neurologischen Bereich zu beauftragen.

    2. Die in dem Befundbericht v. 21. 10. 2005 erwhnten Gefvernderungen stellten keine Kontraindikation fr die DSA dar. Der Sachverstndige betonte unter Wrdi-gung des Befundberichtes v. 21. 10. 2005, der von athero-matsen Gefvernderungen mit hhergradiger Stenose der linken Arteria cerebri posterior spricht, dass faktisch keine Stenosen festgestellt worden sind und die beschriebe-ne Gefvernderung in einem Bereich liegt, der von der DSA nicht berhrt werde. Zusammenfassend betonte der Sachverstndige, dass die Voruntersuchungen keine Ge-sichtspunkte ergeben haben, die der DSA-Untersuchung entgegengestanden haben.

    3. Andere als das verwendete jodhaltige Kontrastmit-tel standen nach den Ausfhrungen des Sachverstndigen nicht zur Verfgung. Weiter wies der Sachverstndige da-rauf hin, dass keine allergische Reaktion der Kl. auf das Kontrastmittel, wie nach den Voruntersuchungen auch zu erwarten, festzustellen war.

    II. Der Senat ist nach der Anhrung der K