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Vorsorge, Pfl ege, Wartung - vdl-denkmalpflege.de · Vorsorge, Pfl ege, Wartung Empfehlungen zur Instandhaltung von Baudenkmälern und ihrer Ausstattung Berichte zur Forschung und

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  • Vorsorge, Pfl ege, WartungEmpfehlungen zur Instandhaltung von Baudenkmlern und ihrer Ausstattung

    Berichte zur Forschung und Praxis der Denkmalpfl ege in Deutschland

    10

  • Stuckputto mit abbltternder Fassung

  • Ein Arbeitspapier der Arbeitsgruppe Restaurierung und Materialkunde der Vereinigung der Landes-denkmalpfl eger in der Bundesrepublik Deutschland

    Bearbeitet von Michael Khlenthal, Neubearbeitung von Christine Kelm und Arbeitsgruppe Restaurierung und Materialkunde, 2016

    Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpfl ege in Deutschland

    fr Denkmaleigentmer, Verwalter, Hausmeister, Kirchenvorsteher, Kirchenpfl eger, Kster und Mesner

    Vorsorge, Pfl ege, Wartung

    Empfehlungen zur Instandhaltung von Baudenkmlern und ihrer Ausstattung

    10

  • 4

    Inhalt

    Gruwort 7

    Vorwort zur zweiten Aufl age 8

    Vorwort 9

    Einfhrung 10

    Vorsorge und Pfl ege: Warum? 12

    1 Vorsorge 14

    1.1 Belftung 14

    1.2 Wetterschutz 14

    1.3 Blitzschutz 17

    1.4 Brandschutz und Notfallplan 17

    1.5 Diebstahlsicherung und

    Schutz vor Vandalismus 17

    1.6 Elektroanlagen 17

    1.7 Wasserableitung, Drainage

    und Kondenswasserrinnen 17

    1.8 Sonnenschutz 18

    1.9 Vogelabwehr 18

    1.10 Denkmalvertrgliche Nutzung 18

    1.11 Raumklima 18

    1.11a Heizung 21

    1.11b Lftung 22

    2 Inspektion und Pfl ege von Gebuden 24

    Umgebung 24

    2.1 Verkehrseinwirkung 24

    2.2 Einfriedungen und Zune 24

    2.3 Bume 25

    2.4 Bronzebildwerke im Freien 25

    2.5 Steinbildwerke im Freien 25

    Auen 26

    2.6 Dachdeckung 26

    2.7 Fassaden 26

    2.7a Wandfl chen und

    Gliederungselemente 26

    2.7b Sockel 26

    2.7c Fenster, Tren und Tore 26

    2.7d Bauplastik, Epitaphien, Gedenksteine 29

    2.7e Wandmalerei 29

    Innen 29

    2.9 Dachraum und Dachkonstruktion 29

    2.10 Decken und Gewlbe 30

    2.10a Verputzte Decken und Gewlbe 30

    2.10b Holzbalkendecken 30

    2.11 Wnde 30

    2.12 Wand- und Deckenbemalung 30

    2.13 Fenster 33

    2.14 Tren 33

    2.15 Bden 33

  • 5

    3 Inspektion und Pfl ege der Ausstattung 34

    3.1 Holz 34

    3.2 Leinwandgemlde 37

    3.3 Stein und Stuck 37

    3.4 Metall 38

    3.4.1 Eisengitter 38

    3.4.2 Bronzen 38

    3.4.3 Zinn 38

    3.4.4 Edelmetall 38

    3.5 Textilien 39

    3.6 Leder 39

    3.7 Bcher und Papier 40

    3.7.1 Papiertapeten 40

    3.8 Keramik, Porzellan 40

    3.9 Glas 40

    3.9.1 Glaslster 40

    4 Praktische Hinweise, Checklisten und Vertrge 42

    4.1 Hinweise zum Raumschmuck 42

    4.1.1 Pfl anzen, Blumen 42

    4.1.2 Kerzen 42

    4.2 Gerte und Hilfsmittel fr die

    Beobachtung und Pfl ege 42

    4.3 Wer wartet und pfl egt was? 43

    4.4 Weiterfhrende Literatur 43

    4.5 Checklisten, Wartungsvertrag 43

    Anhang 57

    Instandhaltung von kologisch bedeutsamem

    Mauerwerk Die Wallmauern der Festung

    Rosenberg in Kronach 57

    Publikationsliste 69

    Bildnachweis 70

    Impressum 71

  • 6

  • 7

    Gruwort

    Vor Ihnen liegt eine Neuaufl age einer Publikation, die redaktionsintern seit grauer Vorzeit Mesner- Heft genannt wird. Mesner oder je nach Region: Kster, Messner, Sakristane oder Kirchwarte arbeiten in vielfltiger Weise ganz unmittelbar und direkt am und im Baudenkmal. Daher steht diese Berufsgruppe pars pro toto fr all diejenigen, die stndig und regelmig direkt Verantwor-tung fr einen behutsamen Umgang mit unseren Baudenkmlern tragen: Ihnen mchten wir als Vereinigung der Landesdenkmalpfl eger mit dieser Publikation bei ihrer tragenden Rolle fr die Erhaltung unserer Baudenkmler hilfreiche Empfehlungen und Ratschlge mitgeben. Kontinuier-liche und sachgerechte Pfl ege ist die beste Prvention vor substanzzerstrenden Schden und teuren Sanierungen!

    Gerne wrden wir mit dieser Publikation auch die in Deutschland noch junge Tradition prag-ma tischer Hilfestellungen fr die Bauwerks- und Inventarpfl ege befrdern. Das Good House-keeping der britischen Inseln beruht sicherlich zu einem erheblichen Teil auf tradierten Besitz-strukturen und einem Willen zum werterhaltenden baulichen Substanzerhalt. Es war John Ruskin (18191900), der englische Kultursoziologe, Knstler und Kunsthistoriker, der die Philosophie eines sorgfltigen, liebevollen Umgangs mit der Substanz gepredigt hat, der sensibilisiert hat fr die rechtzeitige Reparatur einer Dachrinne, die schwere Wasserschden verhindern kann. Diese Aus-sage hat nichts an Aktualitt verloren: Der wachsame Blick auf ein durch Nassschnee beladenes Dach oder eine tropfende Wasserleitung kann oftmals grere materielle Schden zu verhindern helfen. Die vorliegende Publikation fasst viele bewhrte Empfehlungen und Verhaltensweisen in knapper Form zusammen und schrft dank der plakativen Fotos den Blick fr potentielle Gefahren und Probleme. Mit der vorliegenden berarbeiteten neuen Aufl age kommt die Vereinigung der Landes-denkmalpfl eger einer vielfach geuerten Nachfrage nach.

    Mein Dank gilt Christine Kelm und Martin Mach und all den engagierten Kolleginnen und Kol-legen der Arbeitsgruppe Restaurierung und Materialkunde fr die Neubearbeitung dieser Publi-kation, die gerade wegen ihrer Kompaktheit besonders schwer zu redigieren war. Herzlich danken will ich bei dieser Gelegenheit allen aufmerksamen und verantwortungsbewussten Helferinnen und Helfern vor Ort, die unter groem persnlichem Einsatz und vielfach ohne groes Budget zur Erhaltung unserer Denkmallandschaft beitragen!

    Dr. Markus HarzenetterVorsitzenderVereinigung der Landesdenkmalpfl egerin der Bundesrepublik Deutschland

  • 8

    Vorwort zur zweiten Aufl age

    Seit dem Redaktionsschluss der ersten Auflage des Heftes Vorsorge, Pfl ege, Wartung sind ber 15 Jahre vergangen. Inzwischen hat sich die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe gendert. Es sind nicht mehr die Leiter der Restaurierungswerksttten, sondern Restauratoren unterschiedlicher Fachgebiete, die als wissenschaftliche Mitarbeiter der Landesdenkmalmter in der bundesweiten Arbeitsgruppe zusammen kommen. Mit der Aufnahme von Naturwissenschaftlern aus dem Be-reich der Konservierungswissenschaften aus den Landesdenkmalmtern bzw. den mtern nahe-steh enden Instituten hat die Arbeitsgruppe auch inhaltlich neue Impulse erhalten, was sich nicht zuletzt im neuen Namen Arbeitsgruppe Restaurierung und Materialkunde widerspiegelt.

    Nach 15 Jahren bedurfte das Heft einer kritischen berprfung: Befi ndet sich der Inhalt noch auf dem aktuellen Stand und was hat sich bewhrt? Zustzlich sind Themen aufgenommen, die erst in den letzten Jahren verstrkt Beachtung erfahren haben, wie Schimmelbefall auf Oberfl chen und optische Beeintrchtigungen sowie gesundheitliche Gefhrdungen durch Holzschutzmittel. Auch aktuelle Anregungen von denen, fr die es gedacht ist, sollten einfl ieen.

    Denn in den meisten Kulturdenkmalen sind die fr die Betreuung zustndigen Personen restau-ratorische Laien. Sie wollen wir in ihrer Verantwortung untersttzen und ihnen eine Handrei-chung zum Umgang mit dem anvertrauten kulturellen Erbe geben aber es soll keine Anleitung zur gut gemeinten Selbsthilfe sein. Schaden verhten lsst sich am besten durch Vorbeugung und Aufmerksamkeit. Das knnen am besten diejenigen leisten, die stndig vor Ort sind, und fr dieses Engagement sei allen ganz herzlich gedankt.

    Allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe und allen anderen Kollegen in den Landesdenkmalmtern, die zur berarbeitung beigetragen haben, gilt mein herzlicher Dank fr alle Anregungen und die geduldige Mitarbeit.

    Dipl.-Rest. Christine KelmSprecherin der AG Restaurierung und Materialkunde

  • 9

    Vorwort

    Der Gedanke, eine Handreichung zur Pfl ege von Baudenkmlern und ihrer Ausstattung zu verfassen, ist auf der Tagung der Landesdenkmalpfl eger der Bundesrepublik Deutschland, die vom 28.6. bis 1.7.1994 in Meien abgehalten wurde, entstanden. Das 1982 von Dagmar Dietrich zusammen ge stell-te Arbeitsheft 13 des Bayerischen Landesamtes fr Denkmalpfl ege Der Kirchenbau und seine Ausstattung, das sog. Mesnerheft, war schon lange vergriff en, die Nachfrage nach Pfl egehinweisen jedoch unverndert gro. So wurde in einem kleinen Kreis von Denkmalpfl egern aus der Bundes-republik Deutschland, aus ster reich und der Schweiz beschlossen, lnderbergreifend Pfl egehin-weise zu erarbeiten, die eventuell fr den ganzen deutschsprachigen Raum Gltigkeit haben knnten. Ein Jahr spter wurde auf Initiative des sterreichischen Bundesdenkmalamtes in Tamsweg bei der Wallfahrtskirche St. Leonhard ein Arbeitstreff en arrangiert, an dem Vertreter mehrerer sterrei-chischer Landeskonservatorate und des Bayerischen Landesamtes fr Denkmalpfl ege teilgenom-men und vor dem Objekt Pfl egemglichkeiten eines Baudenkmals und seiner Ausstattung errtert haben. Im Anschluss daran sollten in beiden Lndern Pfl egehinweise ausgearbeitet und bei einer zweiten Sitzung die Ergebnisse auf ihre Vereinbarkeit hin berprft werden.

    In der Bundesrepublik Deutschland hat sich zustndigkeitshalber die Arbeitsgruppe Restaurierung der Vereinigung der Landesdenkmalpfl eger dieser Aufgabe unterzogen und in mehreren Arbeits-treff en, die jeweils zweimal pro Jahr stattgefunden haben, die vorliegenden Hinweise ausgearbeitet. Das Ergebnis ist somit eine Gemeinschaftsleistung der Leiter der Restaurierungswerksttten aller Denkmalmter der Bundesrepublik. Denkmalpfl eger und Dizesankonservatoren, die an dem Thema interessiert waren, sowie spezielle Fachrestauratoren haben die Texte zur Durchsicht und Ergnzung erhalten. Das fertige Manuskript wurde schlielich der Amtsleiterkonferenz zur Be-urteilung und Approbation vorgelegt. Da sich im Laufe der Arbeit gezeigt hat, dass die sterreichi-schen Kollegen andere Schwerpunkte gesetzt und die Anleitungen mehr fr die Hand der Denk-malpfl eger und anderer staatlicher und kirchlicher Behrden konzipiert haben, wurde schlielich eine getrennte Publikation beschlossen. Die Schweiz hatte sich nicht weiter an dem Vorhaben beteiligt.

    Das vorliegende Heft ist eine praktische Anleitung zur Pfl ege von Baudenkmlern und ihrer Ausstattung. Es ist fr den gesamten Personenkreis, der mit der Erhaltung von Denkmlern befasst ist, gedacht, wendet sich aber in besonderem Mae an all diejenigen, deren unmittelbarer Obhut die Bau- und Kunstwerke anvertraut sind. Es soll ihre verantwortungsvolle Aufgabe erleichtern und helfen, Fehler, die oft in guter Absicht, aber aus mangelnder Information unterlaufen, zu vermei-den. Der bersichtlichkeit halber ist der Text vielfach ganz bewusst nur stichwortartig abgefasst, um den Gebrauch in der Praxis zu vereinfachen.

    Die Arbeitsgruppe Restaurierung der Vereinigung der Landesdenkmalpfl eger in der Bundesre-publik Deutschland hat die vorliegende Handreichung auf den Erfahrungen der letzten Jahr-zehnte aufb auend in dem Bewusstsein formuliert, dass Vorsorge, Pfl ege und Wartung die Existenz unseres kulturellen Erbes in ganz entscheidendem Mae verlngern, der authentischen ber lie-ferung frderlich sind, das Eintreten von Schden vermeiden und eingreifende, meist kosteninten-sive Instandsetzungs- und Restaurierungsmanahmen in der Regel hinauszgern knnen. Wenn die hier gegebenen Anleitungen ernst genommen und konsequent durchgefhrt werden, ist zu hoff en, dass sich Vorsorge, Pfl ege und Wartung als schonende und kostengnstige Erhal-tungsstrategie zum Wohle der Denkmler und ihrer Eigentmer in Zukunft vielleicht doch mehr als bisher durchsetzen werden.

    Als ehemaligem Sprecher der Arbeitsgruppe Restaurierung sei es mir abschlieend erlaubt, allen Kolleginnen und Kollegen, die durch ihre fachliche Kompetenz und aktive Mitarbeit das Zustandekommen dieses Heftes ermglicht haben, zu danken.

    Dr. Michael Khlenthal ehem. Sprecher der Arbeitsgruppe Restaurierung

  • 10

    Einfhrung

    Die vorliegenden Empfehlungen zur Instand-haltung von Baudenkmlern und ihrer Aus-stattung wenden sich an alle, die mit Bau- und Kunstdenkmalpfl ege befasst sind. Im Beson-deren sind sie jedoch als Hilfestellung fr dieje-nigen gedacht, deren Obhut die Baudenkmler anvertraut sind, wie Kster, Mesner, Kirchenver-waltungen, Verwalter, Hausmeister und auch die Eigentmer, in deren Interesse es sein wird, Schden schon im Frhstadium zu erkennen und ihnen entgegenwirken zu knnen. Diejeni-gen, die unmittelbar und dauernd mit einem Bauwerk befasst sind und es dadurch am besten kennen, sind auch am ehesten in der Lage, Ver-nderungen im Erhaltungszustand frhzeitig zu registrieren.

    Die wichtigste Funktion, die der Laie bei der Pfl ege erfllen kann, ist aufmerksame Beob-achtung und Kontrolle. Auf diese Weise knnen Schadensprozesse schon im Frhstadium er-kannt werden und man kann ihnen rechtzeitig und oft mit relativ geringem Mitteleinsatz ent-gegenwirken. So werden nicht nur Substanzver-luste vermieden, sondern auch Kosten gespart.

    Wenn Schden festgestellt werden, ist grund-stzlich die zustndige Bau- oder Fachbehrde (staatliches oder kirchliches Bauamt, Denk-malamt) zu benachrichtigen. Die Reparatur bzw. Schadensbehebung an Gebuden, die unter Denkmalschutz stehen, sollte weitgehend dem Fachmann berlassen werden. Arbeiten in Ei-genleistung sollten, um Fehler und damit ver-bundene Nachfolgeschden zu vermeiden, erst nach der Beratung durch einen Vertreter der zustndigen Behrden durchgefhrt werden. Dies gilt ganz besonders fr Kunstwerke, deren spezieller Aufb au empfi ndlich auf falsche Ma-terialien und Behandlungsmethoden reagiert. Deswegen muss die Pfl ege und Wartung von Kunstwerken in jedem Fall dem Fachmann, d. h. dem speziell dafr ausgebildeten Restaurator anvertraut werden. Schon durch unsachgeme wenn auch gut gemeinte Reinigung knnen Schden entstehen, die zu Verlust von Original-substanz fhren und deren Restaurierung teuer sein kann. Es sei nur an die vielen beim Ab stau-ben abgeplatzten lockeren Malschichtpartikel und durchgescheuerten Vergoldungen und Fas-sungen aller Art erinnert (Abb. 13). Pfl egema-nahmen, die bei entsprechender Vorsicht

    durch den Laien durchgefhrt werden knnen, sind im Text jeweils angegeben.

    Der Einfachheit halber sind die Hinweise zur Beobachtung und Pfl ege bewusst stichwortartig zusammengefasst worden. Empfehlenswert ist es, Checklisten etwa nach den hier wieder-gegebenen Mustern anzulegen und regelmig die darin aufgelisteten Positionen zu kontrol-lieren und abzuhaken, um sicher zu gehen, dass nichts bersehen worden ist. Die hier wiederge-gebenen Checklisten sind als Anregung zu ver stehen, nach deren Vorbild eigene, auf die Be sonderheiten des jeweiligen Gebudes abge-stimmte Listen entworfen werden knnen.

    Besonders bei reicher und wertvoller Aus stat-tung ist der Abschluss eines Wartungsvertrags mit einem qualifi zierten Restaurator zu emp-fehlen. Auch dafr kann der hier abgedruckte Vertragsentwurf als Muster gelten. Umfang und Zeitrume der Wartung knnen den jeweiligen Umstnden, d. h. der Eigenart und dem Erhal-tungszustand der betreff enden Kunstwerke ent -sprechend gewhlt werden. Bei diesen Fest-legungen wird ein Vertreter der zustndigen Fachbehrde gerne behilfl ich sein.

    Auch nach einer abgeschlossenen Instand-setzung sollte man ein Gebude und seine Ausstattung nicht sich selbst berlassen, son-dern das Ergebnis der Instandsetzung durch kontinuierliche Pfl ege und Wartung mglichst lange erhalten.

    Die von der Arbeitsgruppe Restaurierung und Materialkunde erarbeiteten Empfehlungen zur Instandhaltung von Bau denk mlern und ihrer Ausstattung sind als grundstzliche Anlei-tung fr den mit Baudenk mlern unmittelbar befass ten Laien gedacht.

  • 11

    1. Unsachgeme Reinigung einer gefassten Holz skulptur

    2. Sockel eines Altarkreuzes. Die dnnen Silber beschlge, die beim Putzen teilweise aufgerissen waren, wurden zur Restaurierung abgenommen. Das weie Muster wird von den Rckstnden des Silberputzmittels gebildet

    3. Wasserfl ecken an einer farbig gefassten Holz brstung, durch nasses Wischen verursacht

  • 12

    Vorsorge und Pfl ege: Warum?

    Vorsorge und Pfl ege sind die wichtigsten Voraus -setzungen fr die Bestands erhaltung. Die von Menschenhand geschaff enen Werke sind einem un aufh altsamen Alterungsprozess unterworfen, der unmittelbar nach ihrer Fertigstellung seinen Anfang nimmt. Dies ist ein ganz natrli-cher Vorgang, der durch die Vergng lichkeit der Werkstoff e bedingt ist und an sich keine Sch di gung bedeutet. In der Regel geht dieser Alterungsprozess sehr langsam vonstatten, wenn nicht besonders ungnstige Bedingungen eintreten und er in einen Verfallsprozess ber-geht. In jedem Fall aber knnen diese Prozesse durch Vorsorge und Pfl ege verlangsamt und ihre Auswirkungen begrenzt werden.

    Zur Vorsorge gehren prventive Schutz-manahmen, die Gefahren abwenden und die Entstehung von Schden verhin-dern sollen.

    Pfl ege ist in umfassendem Sinne als ste-tige Bemhung zu verstehen, Schden zu verhten und zu begrenzen mit dem Ziel, die materielle Exis tenz der Baudenk-mler und Kunstwerke zu verlngern. Mit der Aussicht auf Pfl ege und Wartung knnen Eingriff e oft auch geringer gehal-ten und ein schonenderer Materialein-satz verantwortet werden, der wiederum die Existenz der Denkmler und Kunst-werke verlngert und zudem ihrer Authentizitt frderlich ist.

    Wenn eine regelmige Beobachtung gewhrleistet ist, knnen manche Ma-nahmen hinausgeschoben und dadurch die Abstnde zwischen den einzelnen Manahmen vergrert werden. Regel-mige Pfl ege und Wartung garantieren in den meisten Fllen die Nachhaltigkeit einer Erhaltungs- oder Restaurierungs-manahme und damit auch den sinnvol-len Einsatz der fi nanziellen Mittel.

    Wichtigste Voraussetzungen eff ektiver Pfl ege sind aufmerksame Beobachtung und regelmi-ge Inspektion, denn nur durch frhzeitiges Er-kennen kann man Schden im Anfangsstadium mit meist geringem Aufwand entgegenwirken. Sofort erkannter Schdlingsbefall z. B. erlaubt meist noch direkte rtliche Behandlung, wh-rend im fortgeschrittenen Stadium eine auf-wndige Bekmpfung eingeleitet werden muss. Das Nachstecken einzelner Dachziegel ist eine

    unbedeutende Reparatur, die Restaurierung eines durch undichte Stellen der Dachhaut ent-standenen Wasserschadens im Deckengemlde hingegen teuer ganz abgesehen von dem unersetzbaren Verlust an originalem Bestand.

    Kontinuierliche Beobachtung verhindert somit Schden und spart Kosten. Scha-densprozesse knnen, frh erkannt, im Anfangsstadium unterbunden werden.

    Beobachtung und Pfl ege schont die Denk-mler und ist gleichzeitig die wirtschaft-lichste Erhaltungsmanahme.

    Gut und laufend gepfl egte Gebude und Ausstattungen verursachen geringere Unterhalts- und Restaurierungskosten.

  • 13

    4. So nicht!

  • Vorsorge hat zum Ziel, Schden nach Mglich-keit gar nicht entstehen zu lassen. Schutz-einrichtungen, die der Vorsorge dienen, sollten grundstzlich an jedem wichtigen Gebude mit wertvoller Ausstattung vorhanden sein und sie mssen sinnvollerweise regelmig kon-trol liert bzw. gewartet werden, um ihre Funk-tions fhigkeit zu gewhrleisten. Vor allen Installationen ist das zustndige Denkmalamt einzuschalten.

    1.1 Belftung

    Stehende Luft und Wrmestau mit Feuchtigkeit sind idealer Nhrboden fr Mikroorganismen, welche organische Materialien wie z. B. Holz zerstren. Deswegen ist ausreichende Belftung von Gebuden eine wichtige Vorsorgemanah-me, um Schden zu vermeiden.

    Lftungsziegel oder Lftungsgauben sind bei neuen, meist sehr dichten Einde-ckung en erforderlich, um vor allem im Sommer der Bildung eines warm-feuch-ten Klimas, welches Holzschdlinge begnstigt, vorzubeugen.

    Historisch vorhandene Lftungslcher (Abb. 5) in Kuppeln und Gewlben ver-hindern durch Abzug einen Wrmestau unterhalb der Decken, welcher in unter-schiedlicher Weise zu Schden an der Oberfl che fhren kann. Der durch die

    Vorsorge1

    Lftung bedingte Luftdurchzug im De-ckenbereich verhindert auch die Ansied-lung von Fliegen- und Spinnenkolonien, die sehr rasch zur Verschmutzung der Oberfl chen fhren. Die Lftungslcher sollten durch Rhren kaminartig in den Dachraum hineingefhrt sein, um ihre Wirkung zu erhhen. Gazeartige Ab -de ckungen verhindern, dass Staub und Schmutz in den darunterliegenden Raum fallen.

    1.2 Wetterschutz

    Schutzdcher: An Auenwnden befi nd-liche Wandmalereien, Reliefs oder Epi-taphien sowie frei stehende Skulpturen knnen durch die Anbringung von Schutz-dchern gegen die unmittelbare Einwir-kung von Regen und, wenn sie nicht trans-parent sind, auch gegen Sonnenstrahlen geschtzt werden (Abb. 5, 7ac).

    Wintereinhausung: Im Freien stehende Kunstwerke aus Stein und Metall sollen durch fachgerechte Einhausung bzw. Ver-schalung im Winter vor Feuchteschden geschtzt werden. (Abb. 20, S. 29)

    Warnung: Dichte Verpackungen schaden mehr als sie ntzen. Sturmsicherheit gewhrleisten.

  • 1.1 Belftung Vorsorge 15

    7. a und c Falsche Einhausung, Luftzirkulation ist nicht mglich;7. b Richtige Einhausung, Luftzirkulation ist mglich

    6. berdachung eines Grabdenkmals als Bewitterungsschutz

    5. Ntzliche historische Lftungsff nung

  • 16

    8. Ungengend, nur an vier Punkten im Mauerwerk verankertes Fenstergitter, das bei einem Diebstahl ausgebrochen wurde

    9. lteres Beispiel fr eine mechanische Diebstahl-sicherung durch am Kunstwerk eingebohrte Haken

    10. Die off ene Regenwasserableitung bewssert das Fundament des Gebudes

    11. Bauschaden durch defektes Fallrohr

  • 1.3 Blitzschutz Vorsorge 17

    1.3 Blitzschutz

    Installation und Wartung durch eine Fachfi rma, Beratung durch den Denkmalpfl eger.

    1.4 Brandschutz und Notfallplan

    Regelmige Begehung mit der Feuer-wehr durchfhren und Brandschutzkon-zept mit Denkmalbehrde abstimmen.

    Gebudeplan sowie Einsatz- bzw. Priori-ttenplan fr Gebude oder Rume mit wertvoller Ausstattung hinterlegen.

    Im Falle einer Notsituation (z. B. Hoch-wasser, Brand, Diebstahl) sind Gebude-ausstattungsinventare und ein Notfall-plan zur Abschtzung der Risiken sowie zur Planung von Sofortmanahmen hilfreich. Inventare dienen auch als Nach-weis fr die Versicherung.

    Wesentliche Informationen im Inven-tar sind: Bezeichnung der Gegenstnde, Angaben zum Standort, Foto, Material, Mae, ggf. Datierung und Knstler.

    Begehbarkeit des Dachraumes sicher-stellen: Laufstege ber nicht begehbaren Deckenkonstruktionen und -gewlben mssen ausreichend stabil und breit angelegt sein, um den Zugang zu allen Teilen des Dachraumes zu gewhrleisten.

    Rauchmeldersystem nach Erfordernis installieren, in Rumen mit wertvoller Ausmalung nach Abstimmung mit den Denkmalpfl egern.

    Lschdecken sind geeigneter als Feuer-lscher, keine Pulverlscher verwenden; geringstes bel: Wasserlscher. Kleinst-brnde lassen sich bei schneller Reak-tion auch mit einem vorsorglich bereit gehaltenen Lschspray ersticken.

    Standardisierte Elektroanlage mit Haupt-schalter installieren. beralterte und nicht fachgerecht installierte Elektro-anlagen haben wegen unzureichender Sicherheit hufi g zu Brnden gefhrt. Ein Hauptschalter (mit Kontrolllampe) gewhrleistet, dass alle nicht bentigten Gerte tatschlich ausgeschaltet sind.

    1.5 Diebstahlsicherung und Schutz vor Vandalismus

    Auch hier ist eine gemeinsame Begehung und Konzeptentwicklung mit den Fachbehrden zu empfehlen. Als Vorsichtsmanahmen kommen in Betracht:

    Schutz tief liegender und steinwurfge-fhrdeter Fenster (Abb. 8)

    Diebstahlsichere Befestigung gefhrdeter

    beweglicher Ausstattung (Abb. 9) Schutz vor Beschdigung durch Absper-

    rungen oder Verglasung ff nungszeiten einrichten, in denen eine

    Aufsicht zugegen ist Alarmanlagen

    Im Schadensfall unverzglich die Versicherun-gen und zustndigen Behrden informieren.

    Warnung: Leitern nicht um das Gebude oder in Kirchenrumen stehen lassen.

    Besucher in Rumen mit wertvoller Ausstat-tung nicht unbeaufsichtigt lassen.

    1.6 Elektroanlagen

    Grundstzliches: Elektroanlagen in histori-schen Rumen drfen nur durch den Fachmann und unter Beratung der zustndigen Fachbe-hrde installiert werden. Sie mssen den VDE-Richtlinien entsprechen.

    Warnung: Montage von 230V-Elektrik an his-torischer Holzausstattung erhht das Brand-risiko.

    Mobile Gerte wie Strahler oder Steckernetz-teile drfen nicht in der Nhe brennbarer Materialien installiert bzw. aufgestellt werden.

    In der Wrmeentwicklung der Beleuchtung von Christbumen und Krippen kann eine potentielle Gefahr liegen.

    Zu starke und direkte Anstrahlung von Kunstwerken kann Wrme- und Lichtschden zur Folge haben: Schden an der Malschicht oder Vernderungen von Farben.

    Empfehlung: Fr Dauerausleuchtung gibt es Speziallampen (Kaltlichtquellen, z. B. LEDs).

    1.7 Wasserableitung, Drainage und Kondenswasserrinnen

    Dachdeckungen, Regenrinnen und Fallrohre sowie Drainagen mssen intakt sein, Regen-wasser muss vom Gebude weg geleitet werden. Aufgrund ungnstiger Gelndeneigung kann sich Wasser unter- oder oberirdisch am Mauer-werk anstauen und zu Durchfeuchtung fhren.

    Dachrinnen, Einlaufk essel und Fallrohre sind frei zu halten. Unwirksame Drainagen knnen zur Durchfeuchtung der Grundmauern beitragen.

    Inspektion: Kontrolle im Dachraum und aus Dachff nungen, Beobachtung der Funktion whrend eines Regenfalls, Kontrolle aller Rohr-anschlsse und Verbindungen (Abb. 10).

    Feuchtigkeitsfl ecken im Wandbereich an Regenfallrohren deuten auf Undich-

  • 18

    tigkeit von Nahtstellen und Anschlssen (Abb. 11).

    Feuchte Flecken unterhalb von Gesimsen knnen auf undichte Verfugung der Ab-deckung hinweisen.

    Regelmige Kontrolle der Drainagerohre durchfhren.

    Wartung: Schden in der Abdeckung von Ge-simsen, Strebepfeilern, Fenstern, Verdachungen etc. reparieren lassen.

    Dachrinnen sollen im Frhjahr und Herbst gerumt werden.

    Inspektion: Nach Regenfllen und bei Schnee-schmelze auf Wasseransammlungen in Gebu-denhe achten.

    1.8 Sonnenschutz

    Direkte Sonneneinstrahlung auf Ausstattungs-stcke heizt die Oberfl chen auf und fhrt zum Ausbleichen von Farben, zum Versprden von Materialien und zum Abplatzen von Fassungs-schichten (Abb. 12).

    Fensterlden, Vorhnge oder Jalousien aus Stoff bzw. beschichteten Spezialgeweben (Abb. 13) sowie Schutzglser oder -folien mindern die schdliche Sonneneinwirkung (UV- und IR-Strahlung).

    1.9 Vogelabwehr

    Vogelkot beschdigt Oberfl chen durch Ver-schmutzung und Vertzung.

    Feine Gitter vor Lftungsfl geln oder ff -nungen im Dachraum sowie Vogelschutz-netze vor Bauskulpturen und vorstehen-den Fassadenteilen anbringen (Abb. 14).

    Verhltnismigkeit der Schutzmanah-men ist gegen Schaden an der Bausub-stanz abzuwgen. Keine Taubenschutz-paste einsetzen (hinterlsst klebrige Verschmutzung).

    Falls geschtzte Tierarten wie z. B. Fle-dermuse bemerkt werden: Je nach Bundes land zustndige Schutzbeauftragte (Tierschutzbeauftragte, Naturschutzbe-auftragte, Untere Naturschutzbehrde ) einschalten.

    Im Falle von greren Fledermauskolo-nien: Durch Kot und Urin massive Salzeintrge mglich (hygroskopische Belastung der Bausubstanz); mit der Besiedelung einhergehender Parasiten-befall mglich; Bereich unter den Hang-pltzen mit geeigneten Folien abdecken, nach Wochenstubensaison reinigen; Ge-sundheits- und Arbeitsschutz beachten.

    1.10 Denkmalvertrgliche Nutzung

    Film- und Fernseharbeiten, Groveranstaltun-gen, gastronomische Nutzung, Bhnentechnik usw. knnen als besondere Beanspruchungen Bausubstanz und Ausstattung gefhrden und ber das vertretbare Ma hinaus abnutzen. Es muss in jedem Einzelfall zwischen Nutzung und Denkmalvertrglichkeit abgewogen wer-den. Die Verantwortlichen mssen deshalb vor-ab zum Schutz von Gebude und Ausstattung eindeutige vertragliche Regelungen treff en. Auf dieser Basis knnen dem Veranstalter entspre-chende Regelungen auferlegt werden.

    1.11 Raumklima

    Grundstzliches zum Verstndnis: Das Raumklima wird im Wesentlichen durch Tem-peratur und Luftfeuchte bestimmt. Richtige Regulierung des Raumklimas ist eine der wich-tigsten prophylaktischen Pfl egemanahmen und dient der Schadensverhtung, denn die meisten Schden entstehen durch berhhte oder rasch wechselnde Temperaturen, durch zu hohe, zu niedrige oder rasch wechselnde Luft-feuchtigkeit oder falsches Lften. Hufi ge Kurz-zeitschwankungen des Raumklimas fhren meist unweigerlich zu Schden.

    Temperatur: Ein Temperaturanstieg kann zur Abnahme der relativen Luftfeuchte fhren und damit zu Schden durch Austrocknung bzw. Feuchtigkeitsentzug an verschiedensten Ausstattungsteilen. Schden durch berhhte Temperaturen knnen z. B. durch Sonnenein-wirkung, Scheinwerfer, die Raumheizung oder die Nutzer entstehen.

    Starker und kurzfristiger Temperaturwech-sel kann vor allem bei Holz und seinen Fassun-gen oder bei solchen Kunstwerken Schden nach sich ziehen, bei denen Werkstoff e mit un-terschiedlichem Wrmeleit- bzw. Wrmeaus-dehnungsvermgen miteinander verarbeitet sind, wie z. B. Metalle mit Glas, Elfenbein, Schild patt, oder Email. Hhere Temperaturen beschleunigen generell den Zerfall organischer Materialien, was sich erst langfristig bemerk-bar macht.

    Luftfeuchte: Dabei handelt es sich um den Grad der Sttigung der Luft mit Wasserdampf, der als relative Luftfeuchte in Prozenten angegeben wird. Mauerwerk und Mrtel sowie vor allem die darin enthaltenen Salze, organische Mate-rialien wie Holz, tierische Leime, Oberfl chen-beschichtungen wie Lacke und Firnisse oder Textilien (vor allem auch Leinwandgemlde), also viele derjenigen Materialien, aus denen

  • 1.8 Sonnenschutz Vorsorge 19

    13. Sonnenschutz mit Stoff jalousien

    14. Vernetzung von Bauplastik als Vogelabwehr

    12. Direkte Sonneneinwirkung belastet alle bestrahlten Oberfl chen

  • 20

    ein groer Prozentsatz der Rume und Raum-ausstattungen besteht, sind hygro skopisch: sie enthalten eine gewisse Menge Feuchtigkeit, die mit der in der Luft vorhandenen Feuchtig-keit im Gleichgewicht steht.

    Wird nun die Raumluft trockener als der Werkstoff (weil z. B. die Temperatur durch eine Heizung gesteigert oder bei trockener Klte im Winter gelftet wird), so gibt der Werk-stoff Feuchtigkeit an die Luft ab und es kann zum Schwinden des Materials kommen. Die Verkleinerung der Oberfl che bewirkt z. B. bei Tafelgemlden, gefassten Skulpturen und Ausstattungsstcken, dass Farb- und Grun-dierungsschichten aufstehen, brechen und ab -fallen, weil sie sprder sind als das Holz und nicht in gleichem Mae schwinden knnen. Mbel verziehen sich, es entstehen Risse, Fur-niere, Ornamente und Einlagen werden ab-gesprengt; Orgeln knnen sich verstimmen, weil Pfeifen und Windladen aus Holz gearbeitet sind.

    In Stein, Putz und Mauerwerk vorhandene Salze knnen auskristallisieren.

    Wenn umgekehrt die Luftfeuchtigkeit an-steigt, quellen Materialien wie z. B. Holz und Textilien. In den bemalten oder gefassten Ober-fl chen, welche diese Ausdehnung nicht mit-machen knnen, bilden sich meist feine Risse, Furniere stehen pltzlich ab und Verleimungen werden angelst.

    In Stein, Putz und Mauerwerk vorhandene Salze gehen wieder in Lsung.

    Hohe Feuchtigkeit frdert auch die Korro-sion von Metall. Sie begnstigt das Wachstum von Mikroorganismen wie z. B. Schimmelpilzen, die organische Materialien wie Holz, Textilien, Papier, organische Klebstoff e, Firnisse etc. ver-ndern und zerstren knnen. Bauliche Konstruktionen hingegen knnen durch Haus-schwamm geschdigt werden. Bei hherer Feuchtigkeit wirken in der Luft vorhandene Schadstoff e oft strker auf die Materialien ein.

    Ein unausgeglichenes Raumklima mit hufi gen, kurzzeitigen Schwankungen fhrt zu einer Erhhung der Materialfeuchte, im Extremfall zu Kondenswasserbildung. Konden-sation setzt ein, wenn feuchte Luft an kalten Oberfl chen abgekhlt wird. Dies passiert z. B. dann, wenn im Frhjahr warme Auenluft in einen Raum geleitet wird und mit den noch kalten Wnden in Berhrung kommt: Es ent-steht tauartiger Niederschlag.

    Auch die ungleichmige Temperierung einzelner Rume und Raumteile birgt in sich die Gefahr, dass es zu Kondensation an einzelnen Gebudeteilen kommt.

    Die relative Luftfeuchte sollte also nach Mglichkeit konstant gehalten werden.

    15. Verschmutzung durch ungeeignete Heizung

    16. Kontrollmonitor einer sensorgesteuerten Lftungs anlage mit Anzeige der aktuellen Klimawerte

  • 1.11 Raumklima Vorsorge 21

    Darber hinaus gilt als Erfahrungswert, dass es bei einem Raumklima, durch das an der Aus-stattung keine wesentlichen Schden hervorge-rufen wurden, keiner nderung bedarf. Wenn nutzungsbedingt Klimanderungen, meist Temperaturnderungen notwendig sind, sollten diese gleitend und in engen Grenzen vonstatten gehen.

    Generell sind weder die Raumtemperatur noch Raumluftfeuchte allein mageblich fr eine sinnvolle Klimatisierung. Die relative Ober-fl chenfeuchte von Objekten und Gebudeteilen ist als wesentlicher Parameter hervorragend fr eine geregelte Klimatisierung durch Tem-perierung geeignet. Ihre Konstanz bietet ein hohes Ma an Sicherheit beim Substanzerhalt. Bei einer, ber die Oberfl chenfeuchte gefhr-ten Regelungstechnik knnen einer nutzungs-bedingten Raumklimanderung notwendige Grenzen gesetzt werden.

    Moderne, einfach zu bedienende, rechner-gesttzte Mess- und Regelungstechnik kann in Verbindung mit einfacher, wartungsarmer Klimatechnik die Ausstattungsobjekte wirksam schtzen und gleichzeitig fr ein behagliches Klima sorgen. Solche Manahmen sind aber nur durch entsprechende Fachleute zu erarbei-ten und abzustimmen.

    Inspektion: Sich ungnstig auswirkende klimatische Verhltnisse knnen durch Beob-achtung festgestellt werden. Hinweise sind: muffi ger Gesamteindruck; vermehrte Schden an der Ausstattung; Ablaufspuren unterhalb der Fenster; Feuchtigkeitsrnder an Wand- und Deckenmalereien; Schimmelbefall auf Oberfl -chen, Algenbewuchs im unteren Wandbereich; Salzausblhungen; Eisbildung an den Wnden; Schwitzwasser auf dem Boden oder ein feuchter Film auf kalten Oberfl chen.

    1.11a Heizung

    Grundstzliches: Die Frage der Temperierung historischer Rume stellt sich vor allem dann, wenn diese regelmig und ganzjhrig genutzt werden. Museal genutzte Schlsser, die im Winterhalbjahr fr den Tourismus geschlossen bleiben, kommen oft ohne Temperierung aus.

    Bei der Auswahl der Heizungssysteme ist darauf zu achten, dass sie auf die besonderen Gegebenheiten im Kulturdenkmal ausgelegt und eingebaut werden. In Rumen mit emp-fi ndlicher Ausstattung sollte die Heizung unter Beachtung der Raumluftfeuchte gesteuert wer-den. Das kann dazu fhren, dass gewnschte Raumlufttemperaturen bei extremer Trocken-heit nicht erreicht werden, sonst sind Schden an der Ausstattung nicht zu vermeiden.

    Bei Konvektionsheizungen verschmutzen die Rume in der Regel schneller, weil die erwrmte Raumluft Staub mit sich fhrt, der sich dann auf khleren Flchen ablagert und in der Folge zum Befall von Schimmel oder Bakterien fh-ren kann. Allein hierdurch werden in relativ kurzen Abstnden kostenintensive Wartungs- und Reparaturmanahmen notwendig (Abb. 15).

    Elektrische Bankheizungen sind keine Raumheizungen. Es gengt, wenn sie kurz vor Veranstaltungsbeginn eingeschaltet werden. Effi zienter sind Sitzpolsterheizungen. Da sie ihre Energie direkt an den darauf Sitzenden abgeben, kommen sie mit sehr geringer Leis-tung aus. Auch reagieren sie sehr schnell und knnen bedarfsgerecht geschaltet werden.

    In Rumen mit empfi ndlicher, wertvoller Ausstattung ist die Planung einer Heizung nicht allein Aufgabe fr Heizungsingenieure, sondern erfordert eine enge Abstimmung mit Bauphysikern und Restauratoren.

    Heizverhalten: Eine verantwortungsbewuss-te Einstellung zur Raumtemperierung und richtiger Betrieb eines Heizungssystems sind wichtiger Bestandteil der Pfl ege eines Baudenk-mals und seiner Ausstattung.

    Luftzug im Raum lsst sich nicht durch strkeres Heizen unterdrcken.

    Warnung: Die Erwrmung der Raumluft fhrt zur Absenkung der relativen Luftfeuchte und zu thermischen Luftbewegungen. Unsachge-mes Heizen hat in der Vergangenheit zu um-fangreichen Schden gefhrt. Wenn die rela-tive Luftfeuchte hufi g kurzzeitig schwankt und rasch unter 50 % absinkt, ist die Gefahr von Kli-maschden an der Ausstattung gegeben.

    Empfehlung: In jedem Raum mit wertvoller Ausstattung sollten Thermohygrografen oder elektronische Datenlogger Temperatur und Luft-feuchtigkeit aufzeichnen. So kann die Raum -klimaentwicklung regelmig ausgewertet und bewertet werden.

    Bitte nicht verwenden: Stark Hitze entwi -ckeln de oder andere ungeeignete mobile Heiz -krper sollten grundstzlich aus historischen Rumen entfernt werden. Sie heizen die umge-benden Oberfl chen stark auf, fhren zu star-ken thermischen Luftbewegungen und stellen zudem eine Brandgefahr dar.

    Wartung: Durch Fachfi rmen. Filtermatten mssen regelmig ausgetauscht werden. Strom anschlsse elektrisch betriebener Wrmesysteme mssen regelmig berprft werden.

  • 22

    Es gilt somit, sowohl einer bermiger Feuch-teeinleitung als auch der, mindestens gleich gefhrlichen, bermigen Austrocknung des jeweiligen Innenraums bestmglich entge-genzuwirken, das heit, einen Mittelweg zu beschreiten. Wenn das Lften zur richtigen Zeit geschieht, knnen zu niedrige oder zu hohe Luftfeuchtegehalte im Gebude positiv beein-fl usst werden. Am bequemsten und zuverlssigs-ten besorgen dies elektronische Regelanlagen, die Ventilatoren oder Fenster-Stellmotoren ansteuern (Abb. 16). Kommerziell angeboten werden auch sogenannte Lftungsampeln, die gnstige Lftungssituationen signalisieren. Es versteht sich von selbst, dass die elektroni-schen Regelanlagen nicht leichtfertig ausge-schaltet werden drfen und die Wegweisungen der Lftungsampeln zu beherzigen sind.

    Anwendungsbeispiel: Manuelle LftungDie folgende Tabelle (T 2) hat sich als praktika ble Hilfestellung zur manuellen Lftung bewhrt. Man bentigt lediglich ein Thermometer zur Messung von Innen- und Auentemperatur, so-wie ein Hygrometer zur Messung der relativen Luftfeuchte (RH) im Auenbereich. Praktisch sind elektronische Gerte, die beides anzeigen oder, noch besser, die Klimawerte (z. B. stndlich) speichern.

    Ergnzende Hinweise: Die teils erstaunliche Trgheit von Luftmassen bewirkt, dass die jeweils gewnschte Luftqualitt nicht immer tatschlich berall im Innenraum ankommt. Querlftungen ber grere Strecken hinweg knnen eine effi zientere Durchmischung be-wirken. Kurzzeitige Stolftungen sind beson-ders gut geeignet, etwaigem Feuchteeintrag zum Beispiel nach greren Publikumsveran-staltungen zu begegnen.

    Wohl wichtigste Warnung: Typisch fr das Frhjahr ist, dass kalte Rume durch unkontrol-liertes Lften erwrmt werden sollen. Dies ist fast immer schdlich, weil sich an den khlen Flchen wie Wnden und Decken Kondenswas-ser bildet.

    1.1b Lftung

    Grundstzliches: Richtiges Lften gehrt zur Pfl ege von Gebuden und den innewohnenden Kunstwerken. Stehende Luft und hohe Luft-feuchten frdern Schwamm- und Schimmel-bildung. Aber Vorsicht: Falsches Lften kann ebenso zu Schden fhren wie falsches Heizen!

    Im Frhjahr sind beispielsweise die Wnde einer Kirche noch kalt vom Winter, die Auen-luft jedoch oft schon warm und feuchtehaltig. Wird diese warme Auenluft in den khlen Raum geleitet, so bildet sich Kondenswasser an den kalten Oberfl chen so wie an der Bierfl a-sche aus dem Khlschrank.

    Die Tabelle T 1 zeigt, wieviel Wasser in der Raumluft gespeichert sein kann und mit wel-chen Mengen an Wasser demnach zu rechnen ist, wenn es auskondensiert.

    Leitet man schlimmes Beispiel warme, feuchtigkeitsgesttigte Sommerluft von 25 C in einen khlen Innenraum von 10 C, so wird zwangslufi g eine betrchtliche Wassermenge frei (23,0 g 9,4 g, d. h. 13,6 g Wasser pro Kubik-meter Luft). Dieses Wasser schlgt sich in Form von Kondenswassertrpfchen auf Wnden und anderen Oberfl chen nieder. Sogar kleine Kirchen haben bereits Innenvolumina von vielen Tausend Kubikmetern, so dass betrchtli-che Wassermengen freigesetzt werden knnen. Wenn unter derartigen Bedingungen ber lngere Zeit hinweg gelftet wird, fllt kontinu-ierlich Kondenswasser an. Dieses Wasser verur-sacht Schden: An den Wnden wachsen Algen und andere Mikroorganismen, die organisch-che mi sche Bestandteile von Farbfassungen attackieren. Schimmel- und Schwammbelge entstehen. An feuchten Oberfl chen lagert sich zudem vermehrt Schmutz an. Kondenswas-ser von den Fensterscheiben bildet hssliche Ablaufspuren unterhalb der Fensterbnke. Bauschdliche Salze gehen bei hoher Feuchte in Lsung und zerstren, wenn sie anschlie-end beim Trocknen wieder auskristallisieren, Mrtel und Stein.

    Im Winter wiederum enthlt die Auenluft meist weniger Feuchte als die Raumluft. Oft ist auch die Raumluftfeuchte durch Heizen be-reits stark abgesenkt. Leitet man unter diesen Bedingungen weitere, extrem trockene Auen-luft ein, kann der im Sommer vom Nutzer meist erwnschte Trocknungseff ekt gefhr-liche Nebenwirkungen mit sich bringen: Die sehr trockene Luft entzieht den Ausstattungs-gegenstnden, vor allem dem Holz und den Malschichten, letzte Reste an Feuchte. Auf diese Weise kann es zu Schrumpfungen und in der Folge zu extremen Malschichtschden kommen.

  • 1.11 Raumklima Vorsorge 23

    T2: Ermittlung der idealen Lftungsbedingungen (Zielfeuchte 65% RH)

    Bei einer Innentempe-ratur (C) von

    und einer Auentemperatur (C) von

    -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 35

    soll nur dann gelftet werden, wenn die relative Auenfeuchte (%) dem Wert am Kreuzungspunkt entspricht

    -5 95 65 45 35 25 20 15

    0 > 100 95 65 45 35 25 20 15

    5 > 100 90 65 50 35 25 20 15

    10 > 100 90 65 50 35 25 20 15

    15 > 100 90 65 50 35 25 20

    20 > 100 87 65 50 40 30

    25 > 100 85 65 50 35

    Beispiel grau unterlegt: Bei einer Innentemperatur von 5C und einer Auentemperatur von 15C sollte nur dann gelftet werden, wenn die relative Auenluftfeuchte im grnen Bereich liegt (hier hellrot markiert), ca.35% RH betrgt.

    T1: Absoluter Wassergehalt von Luft, in Gramm pro Kubik meter, bei 65% bzw. 100% Relativer Luftfeuchte (RH)

    Lufttemperatur (C)

    Absoluter Was-sergehalt der Luft, in [g/m] bei 65% RH

    Absoluter Was-sergehalt der Luft, in [g/m] bei 100% RH

    -5 2,2 3,4

    0 3,1 4,8

    5 4,4 6,8

    10 6,1 9,4

    15 8,3 12,8

    20 11,2 17,3

    25 15,0 23,0

    30 19,7 30,3

    Anwendung: Mit der Ta-belle T2 soll eine relative Innenraumfeuchte (Ziel-feuchte) von 65% einge-stellt werden. Diese stellt einen gnstigen Wert fr viele Kirchen dar, da er in der Mitte zwischen im Sommer oft erreichten Werten von 90% und winterlichen Werten von 40% liegt. In Einzelfllen knnen bei bermiger Heizung noch niedrigere Feuchtewerte auftreten. Aus der Tabelle lsst sich fr jede Innentemperatur (links) und Auentempe-ratur (Kopfzeile) eine fr das Lften ideale Auen-luftfeuchte ablesen das Innenklima bleibt im gr-nen Bereich.

    Beispiel 1: Im Frhjahr werden im Inneren einer Kirche 5C, auen 15C festgestellt. Lften ist nur dann sicher unschdlich, wenn auen eine relati-ve Feuchte von ca.35% (30%40% RH) gemes-sen wird. Beispiel 2: Die Innen-temperatur ist 15C, die Auentemperatur 20C. Auen wird eine relati-ve Luftfeuchte von 65% festgestellt. Das Lften sollte unterlassen werden. Raumluft, die maximal 8,3g Wasserdampf/m haben sollte, wrde an-sonsten durch Auenluft mit 11,2g Wasserdampf im Kubikmeter ersetzt es wrde eine unerwnschte Befeuchtung des Innen-raums erfolgen.

    Beispiel 3: Im Sptherbst herrschen in einer Kirche 15C, auen werden 10C festgestellt. Die Luft-feuchte auen sollte beim Lften ca. 90% betragen, damit die Kirche nicht zu stark austrocknet.

  • Wichtige Voraussetzung fr die Pfl ege von Bau-denkmlern ist eine regelmige Inspektion vom Keller bis zum Dachraum.

    Eine Inspektion sollte in der Regel zweimal im Jahr, im Frhjahr, um eventuelle Winter-schden festzustellen, und im Herbst, d. h. vor Wintereinbruch, aber auch nach jedem starken Unwetter durchgefhrt werden.

    Die Beobachtung eines Gebudes wird am besten von Personen durchgefhrt, denen das Gebude vertraut ist und die regelmig dort arbeiten: Eigentmer, Verwalter, Hausmeister, Kster bzw. Mesner.

    Zweckmig ist es, die Ergebnisse jeder In-spektion auf der Basis einer Checkliste festzu-halten (Muster s. Anlage S. 45 ff .).

    Umgebung2.1 Verkehrseinwirkung

    Inspektion: Bei Schwerlastverkehr in Gebude-nhe auch wenn dieser nur kurzfristig durch eine Umleitung bedingt ist sollte vor allem auf Rissbildungen an Wnden und Decken geach-tet werden (vgl. Abb. 35).

    Pfl ege: Liegt das Gebude direkt an einer Strae empfi ehlt es sich ganz besonders bei Salzstreuung im Winter einen wirksa-

    men Spritzschutz fr die jeweiligen Fassaden einzurichten. Auch die Anlieger selbst sollten kein Streusalz verwenden, weil es langfristig zu Bauschden durch Salzausblhungen fhrt.

    2.2 Einfriedungen und Zune

    Grundstzliches: Intakte Mauerabdeckungen schtzen vor eindringendem Wasser und Frost-sprengungen. Tiefer wurzelnder Bewuchs kann das Mauerwerk, und in der Folge den gesamten Steinverbund lockern (Abb.18). Bei partiellem Moos- oder Flechtenbelag nicht berreagieren, weil zu prfen ist, ob dieser substanzschd-lich ist.

    Inspektion: Auf Schden in Abdeckungen; Auswaschungen von Fugen, Salzausblhungen, Putzschden und mglicherweise substanz-schdigenden Bewuchs kontrollieren.

    Pfl ege: Tief wurzelnden oder holzbildenden Bewuchs von Mauerkronen und aus den Fugen, vorzugsweise durch einfaches Kappen entfer-nen. Chemikalien und mit hohem Druck arbei-tende Gerte richten in der Regel mehr Schden an als die Pfl anzen selbst und sind deshalb unbedingt zu vermeiden. Mauerabdeckungs-schden in objektvertrglicher, angemessener handwerklicher Qualitt ausbessern lassen.

    Inspektion und Pfl ege von Gebuden2

  • 2.3 Bume Inspektion und Pfl ege von Gebuden 25

    2.3 Bume

    ste, die das Gebude berhren und so Dach-eindeckung und Wnde beschdigen knnen z. B. auch nach Blitzeinschlag, sollten entfernt werden. Insbesondere bei altem Baumbestand ist gegen Ende der jeweiligen Lebenserwartung mit Baum- und Astabstrzen zu rechnen. In diesen Situationen muss hufi ger kontrolliert, gegebenenfalls zwischen Denkmal-, Personen- und Naturschutz abgewogen werden. Neupfl an-zungen nur in gebhrendem Abstand zum Gebude vornehmen. Gartendenkmalpfl eger einbeziehen.

    2.4 Bronzebildwerke im Freien

    Grundstzliches: Luftverunreinigungen stellen eine Gefhrdung fr Kunstwerke dar. Es han-delt sich in erster Linie um gasfrmige Verbin-dungen wie Schwefeldioxid und Stickoxide und auch um eigentlichen Schmutz, der u. a. aus Ru, Eisenoxiden, Silikaten, Kalk, Gummi-abrieb und Fasern besteht. Gasfrmige Stoff e knnen mit Wasser und Luftsauerstoff Suren bilden (Schwefeldioxid mit Wasser z. B. Schwe-felsure), welche die Oberfl chen angreifen. Feste Schmutzpartikel sind oft Trger teeriger und liger Substanzen, welche die Haftung auf Oberfl chen erhhen. Sie knnen aggressive Substanzen (wie z. B. Schwefeldioxid) absorbie-ren, wodurch Schmutzablagerungen wie tzende Kompressen wirken.

    Inspektion: Achten auf Lcher, Risse, Korro-sion, starke Schmutzkrusten, Rostsprengungen (Abb. 19).

    Pfl ege: Bronzebildwerke sollten regelmig, zumindest einmal im Jahr, mit Wasser ohne Zu-stze und weichen Brsten gewaschen werden. Eine vom Restaurator aufgebrachte, sehr dnne Beschichtung aus mikrokristallinem Spezial-wachs kann die Oberfl chen vor weiterer Korro-sion schtzen. Eine Wachsbeschichtung muss jedoch regelmig gewartet bzw. nachgebessert werden.

    Es empfi ehlt sich ein Wartungsvertrag mit einem Metallrestaurator.

    Winterverschalungen schtzen vor Frost-schden. Verschalungen mssen so ausgefhrt sein, dass eine Luftzirkulation gewhrleistet ist und innen kein ungnstiges Mikroklima ent-stehen kann (siehe Abb. 7, S. 15).

    2.5 Steinbildwerke im Freien

    Grundstzliches: Die Gefhrdung durch Um-welteinfl sse (s. 2.4) ist abhngig von den Ge-

    18. Bewuchs kann dem Mauerwerk schaden

    17. Geschwindigkeitsbeschrnkung wegen Denkmalschutz

  • 26

    Bei Sichtmauerwerk und Verputz: Achten auf Risse und die Vergrerung von Rissen, denn sie knnen die Folge von Schden in der Baustruktur und Statik sein, auf Abplatzungen, Flecken (Durchfeuchtung) oder starke Algen-, Moos- und Flechtenbildung (Abb.21), Salzaus-blhungen, Auswaschungen von Fugenmrtel, Verwitterung von Steinen (Abb. 22), Krustenbil-dung (harte Krusten sind nicht diff usionsfhig, sorgen fr anhaltende Durchfeuchtung und reagieren durch ihren Schadstoff gehalt mit der Oberfl che).

    Bei Fachwerk: Achten auf aufgehende Ver-bindungen, Holzschden, Risse, Ausbrche in den Gefachen, Anstrichschden.

    Bei Verschalungen: Achten auf Lcher und Fehlstellen (Abb. 23).

    Pfl ege: Regelmige Inspektionen analog zur Gebudeumgebung.

    2.7b Sockel

    Grundstzliches: Der Sockel eines Gebudes ist hufi g von Feuchtigkeit sowie von Spritz-wasser in Mitleidenschaft gezogen.

    Inspektion: Aufsteigende Mauerfeuchtigkeit zeigt sich als markante horizontale Zone, die durch Farbnderungen, Salzausblhungen oder Absanden gekennzeichnet ist (Abb. 24).

    Pfl ege: Ausblhende Salze regelmig absaugen. Ausbesserungen in einem bestehenden Sockel-putz oder Fugennetz nur mit gleichwertigem Material vornehmen um den Schadensprozess nicht zu verlagern. Bei der Planung eines neuen Verputzes oder einer Fugeninstandsetzung Ur-sachen und Ausma der Feuchtebelastung klren, nach Mglichkeit bereinigen und auf die Durch-feuchtungssituation angepasste Mrtelmateria-lien auswhlen. Wandnahen Bewuchs entfernen.

    2.7c Fenster, Tren und Tore

    Inspektion: Auf Rostschden an Eisenteilen sowie solide Verankerung von Windeisen und Fenstergittern, Glasbruch, fehlende Scheiben, Ausbauchung von Bleiverglasung, abblttern-des Schwarzlot bei Glasgemlden achten; den Zustand von eventuell vorhandenen Schutzgit-tern prfen (Abb. 25, 26).

    Zustand von Fensterfl geln und -lden und Jalousien (aufgehende Verbindungen, Holzschden, Anstrichschden) kontrollieren.

    Bei Tren und Toren auf Gngigkeit von Scharnieren und Schlssern, Rostschden an Beschlgen achten.

    steinseigenschaften. Schmutz und biologischer Bewuchs knnen die Verwitterungsprozesse intensivieren, da sie feuchtespeichernd und ab-dichtend (trocknungsverzgernd) wirken.

    Inspektion: Besonders nach starkem Wind und Regen prfen auf Risse, Ausbrche, lockere Teile, abplatzende Partien, Absanden, abstehen-de Schalen, Salzausblhungen, starke Schmutz-krusten, Flechten-, Moos- und Algenbewuchs.

    Standfestigkeit muss gewhrleistet sein. Bei farbigen Bildwerken den Zustand der Malschicht berprfen.

    Pfl ege: Pfl egekonzept in Abstimmung mit dem zustndigen Denkmalpfl eger, Rckschneiden von Bewuchs, notwendige steinkonservatorische Manahmen gehren grundstzlich in die Hn-de von Fachleuten, Beratung durch die Fachbe-hrden.

    Fachfi rma einschalten, wenn sinnvoll im Winter mit hinterlfteter Einhausung schtzen (s. Abb. 7ac, S. 16; Abb. 20).

    Kein Streusalz in der Umgebung verwenden.

    Auen2.6 Dachdeckung

    Inspektion: Besonders nach starkem Wind und Regen prfen auf undichte Stellen (fehlen-de Ziegel, Schindeln, Stein bzw. Schieferplatten, Lcher in Metallabdeckungen etc.).

    Anschlussstellen zwischen Dachdeckung und Mauerwerk (an Kaminkpfen, Gauben, Gie-belwnden etc.) auf Feuchtigkeitsspuren und Abhebungen kontrollieren.

    Zustand des Dachpfannenverstrichs, wenn vorhanden, berprfen.

    2.7 Fassaden

    Grundstzliches: Die Auenwnde eines Gebudes mssen vor allem intakt sein, weil die meisten Schden durch Wassereintrag in das Mauerwerk ausgelst werden. Da Fassaden in der Regel nicht ohne weiteres zugnglich und Pfl ege- bzw. Unterhaltsmanahmen ohne He-bebhnen oder Gerste nicht mglich sind, ist die Beobachtung mit Fernglas und die Frh-erkennung von Schadensprozessen besonders wichtig.

    2.7a Wandfl chen und Gliederungselemente

    Inspektion: Bei allen Fassadentypen auf schad-hafte Abdeckungen und Bewuchs achten.

  • 2.7 Fassaden Inspektion und Pfl ege von Gebuden 27

    21. Algenbewuchs am Gebudesockel deutet auf schdliche Wassereinwirkung hin

    22. Ziegelsteine verwittern, die Zementverfugung nicht

    24. Markanter Feuchtigkeitshorizont, verursacht durch einen diff usionsdichten Sperrputz im Sockelbereich

    23. Schadstelle in einer Schieferverkleidung

    19. Bronzeskulptur mit Kalkkrusten und Korrosionsschden

    20. Wintereinhausung aus Holz fr eine Skulptur aus Stein

  • 28

    27. Zerstrung einer Wandmalerei durch Feuchtigkeit. Vor der Restaurierung muss die Schadensursache behoben werden

    28. Putzschden, Abplatzungen an einer Fassadenmalerei

    29. Holzabflle und ein vermoderter Binderbalken: Nhrbden fr Holzschdlinge

    26. Verrostete Windeisen eines Glasfensters

    25. Fehlende Scheiben in einem Glasfenster

  • 2.9 Dachraum und Dachkonstruktion Inspektion und Pfl ege von Gebuden 29

    Pfl ege: Scharniere und Schlsser durch len gngig halten. Wetterschenkel an Holzfenstern pfl egen.

    2.7d Bauplastik, Epitaphien, Gedenksteine

    Inspektion: Achten auf Ausbrche, Abplatzun-gen, Absanden, Risse, Fassungsschden, Algen- und Moosbewuchs, Feuchtigkeit (von der Mauer oder vom Boden in den Stein eindringend). Auf die Befestigung bzw. Rostsprengungen achten.

    Pfl ege: Nach Bedarf Anbringung von Schutzd-chern und Einhausung im Winter.

    Vogelabwehr in Betracht ziehen (siehe Ab-schnitt 1.9).

    2.7e Wandmalerei

    Grundstzliches: Wandmalereien und Archi-tekturfassung im Auenbereich von Gebu-den gehren zu den am strksten gefhrdeten Kunstgattungen, da sie eine sehr geringe Schicht dicke (meistens weniger als ein Milli-meter) aufweisen. Sie sind Witterungseinfl s-sen (Niederschlge, Winderosion, Frost, direkte Sonneneinstrahlung) direkt ausgesetzt.

    Die komplexen Schadensprozesse machen grundstzlich eine Beurteilung durch Restau-ratoren erforderlich, jedoch knnen durch auf-merksame Inspektion ggf. Indizien fr einen Schadensfortschritt bemerkt und zur weiteren Beurteilung an die Restauratoren und verant-wortlichen Denkmalpfl eger mitgeteilt werden.

    Inspektion: Auf Putzschden, Malschichtver-luste, mechanische Verletzungen, Risse, Verfor -mungen, Verfrbungen, feuchte Flecken (Ver-dunklungen, Wasserrnder), Salzausblhungen, Ablagerungen, Belge (Schmutz, Staub, Organis-men) achten (Abb.27, 28).

    Kontrolle des Erhaltungszustandes im Auf-licht und Streifl icht (Lampe von der Seite ge-halten). Verformungen, Salzausblhungen und Malschichtabhebungen werden im Streifl icht wesentlich besser und schneller erkennbar!

    Pfl ege: Manahmen an Wandmalereien knnen nur durch entsprechend qualifi zierte Restaura-toren erfolgen Grundlage ist die Zustandserhe-bung durch Restauratoren (Wartungsvertrag!), ggf. ist ein Schutz vor direkter Bewitterung durch Anbringung von Schutzdchern erforderlich im Winter kann die Kontrolle von Schnee- und Eisablagerungen erforderlich sein.

    Innen2.9 Dachraum und Dachkonstruktion

    Grundstzliches: Ordnung im Dachraum und freie Zugnglichkeit zu allen Bereichen sind dringend notwendige Voraussetzungen fr Be kmpfungsmanahmen im Brandfall. ber nicht betretbaren Gewlbe- und Deckenab-schnitten mssen ausreichend breite Laufb oh-len ausgelegt sein. Germpel, liegen gebliebene Abflle von der letzten Dachinstandsetzung (Abb. 29), Nester, Vogelkot und Tierkadaver sind Brutsttten fr Schdlinge, die sich im Inneren des Gebudes leicht verbreiten knnen. Der Dachraum ist wegen der starken Klimaschwan-kungen und der Verschmutzung kein geeigneter Aufb ewahrungsort fr Ausstattungsgegenstnde (Abb. 30).

    Ausreichende Durchlftung ist erforderlich, um das Abtrocknen eingedrungener Feuchtig-keit zu ermglichen. Bei Vorhandensein von Fledermauskolonien oder anderen geschtzten Tierarten den Naturschutzbeauftragten ein-schalten. Die fachgerechte Installation einer Beleuchtung ist sinnvoll.

    Inspektion: Die Funktionsfhigkeit der Belf-tung des Dachraums (Fenster, Gauben, Lf-tungsziegel) kontrollieren.

    Die Funktionsfhigkeit der Belftung dar-unter liegender Gewlbe kontrollieren: Die Lftungslcher sollten durch Rohre kaminartig in den Dachraum gefhrt und mit gazeartigen Textilien gegen hinabfallenden Schmutz abge-deckt sein. Sie drfen nicht verschlossen werden, sonst sind Schden durch Kondenswasser und Ungezieferkolonien an den Gewlbeoberfl chen des Innenraums zu befrchten.

    Vogelgitter mssen intakt sein. Achten auf Korrosions- bzw. Aufl sungssch-

    den an Dachziegeln. berprfung auf Wasser-einbrche (vor allem im Frhjahr und nach Un-wettern) und auf Flugschnee.

    Vorhandensein von Feuerlschgerten kon-trollieren.

    Auf Feuchtigkeit, Fulnis und Schdlings-befall (frisches Bohrmehl auf Bodenbrettern unterhalb von Konstruktionsteilen), holzzerst-rende Pilze, Wrfelbruch, Verfrbungen, Frucht-krper und Myzel von Hausschwamm achten.

    Besonderes Augenmerk richten auf Mauer-bnke und die Einbindung von Holzbalken in das Mauerwerk. Kontrolle der Knotenpunkte des Dachwerks auf mglicherweise aufgehende Verbindungen oder gerissene Spangen. Zustand der Dachlatten kontrollieren.

  • 30 30

    Frisches Holzmehl und tote Insekten weisen auf Holzschdlingsbefall hin. Zur Beurteilung der Aktivitt im Zweifel einen unabhngigen Holz-schutz-Sachverstndigen einschalten.

    Auff lliger, stechender Geruch und/oder Kristalle an der Holzoberfl che weisen auf Holz-schutzmittel/Brandschutzmittel hin, in diesem Fall bei der Inspektion auf Gesundheitsschutz achten und zustndige Behrden informieren.

    Pfl ege: Nachstecken der Dachdeckung an undichten Stellen. Entfernen von Flugschnee im Winter (grere Mengen fhren beim Schmel-zen zur Durchfeuchtung von Decken und Ge-wlben; geringe Spuren knnen vernachlssigt werden). Fr Ordnung und gereinigten Gesamt-zustand sorgen.

    2.10 Decken und Gewlbe

    Grundstzliches: Decken und Gewlbe geh -ren zu den statisch relevanten Bauteilen eines Gebudes. Die hier beschriebenen Inspektions-punkte knnen nur erste Indizien fr einen Schadensfortschritt sein die komplexen Scha -densprozesse machen grundstzlich eine Be-urteilung durch Restauratoren und ggf. Archi-tekten (Statiker) erforderlich.

    Decken weisen durch ihre Werktechnik auch Materialkombinationen auf hierzu gehren Holzbalken mit Lehmstakenfllung und Holzgewlbekonstruktionen.

    2.10a Verputzte Decken und Gewlbe

    Inspektion: Achten auf Sprnge, Risse, Feuch-tigkeitsfl ecken (Abb. 31), Anstrich- und Fas-sungsschden (Abb. 32), abgngige Putz- und Stuckteile (Abb. 33); dunkle Schmutzzonen, die durch Fliegenkolonien und Spinnennetze hervorgerufen sind (sie deuten auf eine man-gelnde Deckenbelftung hin); Verfrbungen und Vergrauungen als Anzeichen fr biologi-schen Befall; Achten auf Abzeichnen der Lat-tung durch den Putz.

    Bei festgestellten Schden zustndige Be-hrden informieren.

    Pfl ege: Manahmen an bemalten Decken knnen nur durch entsprechend qualifi zierte Restauratoren erfolgen Grundlage ist die Einschtzung durch Restauratoren (Wartungs-vertrag!).

    2.10b Holzbalkendecken

    Inspektion: Auf Risse, Verformungen und Ver -luste, feuchte Flecken (Verdunklungen, Was-serrnder und Schden an der Bemalung) ach-

    ten. Verfrbungen und Vergrauungen deuten auf biologischen Befall. Frisches Holzmehl und tote Insekten weisen auf Holzschdlingsbefall hin.

    Pfl ege: Manahmen an bemalten Holz(balken)-decken knnen nur durch entsprechend qualifi -zierte Restauratoren erfolgen Grundlage ist die Einschtzung durch Restauratoren (Wartungs-vertrag!).

    2.11 Wnde

    Inspektion: Auf feuchte Flecken, Wasserablauf-spuren,Schmutzfahnen, Salzausblhungen, Sprnge, Risse, Algenbewuchs (Abb. 34), Anstrich-schden achten.

    Pfl ege: Am Boden liegende Salze absaugen.

    2.12 Wand- und Deckenbemalung

    Grundstzliches: Wandmalereien und Archi-tekturfassung im Innenraum weisen oft eine Schichtdicke von weniger als einem Millimeter auf. Sie knnen durch Klimaschwankungen, Reinigungsmanahmen und mechanische Beschdigungen gefhrdet sein. Die komplexen Schadensprozesse machen grundstzlich eine Beurteilung durch Restauratoren erforderlich, jedoch knnen durch aufmerksame Inspektion ggf. Indizien fr einen Schadensfortschritt be-merkt und den Restauratoren und zustndigen Behrden mitgeteilt werden.

    Inspektion: Auf Putzschden, Malschichtver-luste, mechanische Verletzungen, Risse (Abb. 35) Verformungen, Verfrbungen, feuchte Flecken (Verdunklungen, Wasserrnder), Salzausbl-hungen (Abb. 36), Ablagerungen, Belge (Schmutz, Staub, Organismen) achten.

    Kontrolle des Erhaltungszustandes im Auf-licht und Streifl icht (Lampe von der Seite ge-halten). Verformungen, Salzausblhungen und Malschichtabhebungen werden im Streifl icht wesentlich besser und schneller erkennbar!

    Pfl ege: Manahmen an Wandmalereien, De-cken gemlden und Raumausmalungen (Archi-tekturfassung) knnen nur durch entsprechend qualifi zierte Restauratoren erfolgen Grund-lage ist die Einschtzung durch Restauratoren (Wartungsvertrag!).

    Belastungen durch Reinigungsmanahmen vermeiden: Wasserberschuss bei Fuboden-reinigung oder Staubaufwirbelung durch Kehren; keine Gegenstnde an bemalte Wnde lehnen.

  • 2.10 Decken und Gewlbe Inspektion und Pfl ege von Gebuden 31

    33. Fehlstelle in der Stuckierung

    31. Wasserschaden im Gewlbe durch Schden in der Dachdeckung

    32. Abbltternde Fassung

    30. Unsachgeme Lagerung von Ausstattungs-gegenstnden

  • 32

    37. Hausschwammbefall

    35. Ausbrche im Deckengemlde

    36. Schaden im Deckengemlde

    34. Durchfeuchtung der Wand mit Algenbewuchs im So ckelbereich

  • 2.13 Fenster Inspektion und Pfl ege von Gebuden 33

    2.13 Fenster

    Inspektion: Auf Schwitzwasser, Vereisung, Gn-gigkeit von Lftungsfl geln, gesprungene und fehlende Scheiben, starke Ausbuchtung von Bleiverglasungen achten. Abfl sse von Schwitz-wasserrinnen / Kondenswasserrinnen kontrol-lieren und leeren.

    Bei Holzfenstern den Anstrich besonders auf den Wetterschenkeln pfl egen.

    Bemalte Glasfenster siehe Kapitel 3.9.

    2.14 Tren

    Inspektion: Achten auf den Zustand des Hol-zes, aufgehende Verleimungen, den Zustand von Schutzanstrichen, Rost an Beschlgen, Gngigkeit von Schlssern und Scharnieren.

    2.15 Bden

    Grundstzliches: Bodenbelge knnen aus un-terschiedlichen Materialien bestehen, die sich in ihrer Empfi ndlichkeit gegen mechanische Be-lastung und Feuchtigkeit unterscheiden.

    Ist ein Boden dauerhaft feucht, kann es zu Fulnisschden oder Pilzbefall an Holzteilen, die damit in Berhrung stehen, kommen.

    Besondere Bden nur durch Restauratoren bearbeiten lassen!

    Inspektion: Bei Bden aus Steinplatten, Fliesen, Ziegeln u. . auf Feuchtigkeit oder Salzausbl-hungen, Algenbewuchs und Risse achten; bei Holzbden auch auf Insekten- und Schwammbe-fall (Abb. 37) achten und den zustndigen Behr-den melden!

    Pfl ege: Bodenreinigung soll in der Regel feucht, keinesfalls nass durchgefhrt werden. Von der Wand abgefallene Salze vorher absaugen! Da trockenes Kehren zur Verschmutzung der Aus -stattung fhrt, sollten Bden vorzugsweise ge-saugt werden. Pfl egezustze drfen nur dann zum Einsatz kommen, wenn eine Beeintrchti-gung des Bodenbelags ausgeschlossen werden kann, sind im Zweifel wegzulassen.

    Grabplatten und Keramikbden in begange-nen Bereichen abdecken und so gegen Abnut-zung schtzen. Off ene Gewebe wie Kokos- oder Sisalbelge mssen unterfttert sein, damit sie nicht durch den hindurchsickernden Sand ver-strkt auf dem zu schtzenden Boden scheuern.

    Grabplatten mit Einlagen aus anderen Ma-terialien nicht in die Bodenreinigung einbezie-hen; keine Bestuhlung darauf stellen.

    Warnung: Viel Putzwasser verndert das Raum-klima durch Anhebung der relativen Luftfeuch-te. In schlecht erreichbaren Ecken zurckblei-bende Nsse fhrt zur Vermoderung von Holz, zur Zersetzung von Stuckmarmor, zur Korrosion von Eisen und frdert die Entwicklung von Schimmel und Pilzen.

    Keine Versiegelung auf Holzbden anbringen. Sie tritt sich ab und sieht sehr schnell un an-sehn lich aus.

  • Inspektion und Pfl ege der Ausstattung3

    Eine Inspektion der Ausstattung sollte mindes-tens einmal im Jahr, regelmig im Frhjahr (um eventuelle Winterschden durch verstrk-tes Heizen festzustellen), aber auch nach Un-wettern oder lang anhaltenden Regenphasen durchgefhrt werden.

    3.1 Holz

    Grundstzliches: Es gibt Ausstattungsstcke mit unterschiedlich empfi ndlichen Oberfl chen. Zu den empfi ndlichsten Oberfl chen gehren Bemalungen, farbige Fassungen, Vergoldungen und andere Metallaufl agen sowie Furniere und Edelhlzer, die mit Polituren oder Firnissen ver-sehen sind. Solche Oberfl chen besitzen z. B. Skulpturen, holzsichtiges Inventar und Kirchen-mobiliar wie Altarretabel, Gesthle aller Art, Orgelgehuse, Kanzeln, Beichtsthle, Kirchen-bnke, Antependien und viele Wandverkleidun-gen.

    Smtliche Lackoberfl chen sind UV-lichtempfi ndlich (vgl. Abb. 39). Bei stndiger Lichteinwirkung werden sie matt, heller und unansehnlich.

    Weniger empfi ndliche Oberfl chen haben in der Regel Ausstattungsstcke aus Massivholz mit unbehandelten Oberfl chen, mit lanstri-chen, Versiegelungen oder anderen Klarlack-beschichtungen. Solche Oberfl chen besitzen oft Gebrauchsmbel wie Kirchenbnke und

    -gesthle aller Art, oder einfache Wandverklei-dungen und Brstungen.

    Inspektion: Achten auf abgefallene und lose Teile, lockere und aufgehende Holzverbindun-gen (Abb.40), aufgegangene Verleimungen, Verwerfungen, abstehende Furniere, frisches Holzwurmmehl, Risse, Verfrbungen, Blasen-bildung (Abb. 42), abplatzende und pudernde Farbschichten (Abb.41, 43), Vergrauungen, Schimmelbefall (Abb. 44), Wachsspritzer, Vogel-kot, Schmutz (Abb. 45).

    Pfl ege: Ausstattungsstcke mit nicht vllig intakten oder empfi ndlichen Oberfl chen geh-ren in die Hand des entsprechend qualifi zierten Restaurators (Wartungsvertrag!). Direkte Son-neneinstrahlung mglichst verhindern (siehe Abb. 12 und Abb. 47).

    In Rumen mit Lackmbeln oder Lacktafeln die Lichteinwirkung durch Vorhnge oder Jalousien reduzieren (Abb. 13, S. 19). Bei intakter Oberfl che, d. h. wenn keine Schollenbildung vorhanden ist, mit trockenem, weichem Tuch ohne Druck abstauben.

    Furniertes und/oder mit Polituren und Fir-nissen versehenes Inventar kann vorsichtig mit einem weichen Pinsel abgestaubt werden.

    Gebrauchsmbel aus Massivholz ohne ber-zge, mit lanstrichen oder transparenten Lacken bzw. Versiegelungen knnen mit einem

  • 3.1 Holz Inspektion und Pfl ege der Ausstattung 35

    38. Akuter Schdlingsbefall an einem Flgelaltar

    40. Aufgehende Eckverbindung an einem Flgel altar

    41. Abbltternde Vergoldung

    39. Original erhaltene Lackoberfl che unter einem Mbelbeschlag im Vergleich zum UV-geschdigten Bereich

    42. Aufstehende Vergoldung

    43. Abplatzende Malschicht an einer Holzskulptur

  • 36

    46. Netzartiges Krakelee mit Pilzbefall in einem Tafelgemlde

    47. Die Farbfassung der Johannesfi gur (rechts) ist deutlich besser erhalten, da sie am wenigsten von der Sonne beschienen wird

    48. Durch Wassereinbruch verursachte Schden an Stuck und Anstrich

    49. Lcher mit eingerissenen Rndern, Wasserfl ecke, reduzierte Malschicht und Knicke in einem Fastentuch

    45. Extreme Verschmutzung (linke Bildseite)

    44. Schimmelbefall

  • 3.2 Leinwandgemlde Inspektion und Pfl ege der Ausstattung 37

    feuchten nicht nassen! Tuch ohne Zustze gereinigt werden.

    Abgefallene Teile aufsammeln und beschrif-tet aufb ewahren nicht selbst befestigen!

    Warnung: Durch Abstauben oder Abwischen nicht vllig intakter Oberfl chen knnen lose Farb- und Fassungspartikel abfallen oder aus-brechen.

    Blattgold hat in der Regel nur eine Strke von etwas mehr als einem Zehntausendstel Millimeter und kann durch hufi ges oder un-sach gemes Reinigen leicht durchgerieben werden.

    Bei historischem Mobiliar bzw. Inventar keine Polituren, le und Wachse verwenden. Sie dringen ein und sind meist nicht mehr entfernbar.

    Keine Putzmittel verwenden. Die chemi-schen Zustze reagieren mit den Oberfl chen und rufen meist irreversible Schden hervor. Die darin enthaltenen Schleifmittel oder Scheu-er zustze verkratzen die Oberfl chen und tragen sie ab.

    Holz, bemalte, gelte oder lackierte Oberfl -chen nicht mit Wasser in Berhrung bringen. Dadurch quellen sie an. Es kommt zu Krepie-rungen der Oberfl chenbeschichtungen (das heit, sie werden rissig, matt und blind), Verlei-mungen lsen sich mit der Zeit. Feuchtigkeit, die in schlecht erreichbaren Ecken stehen bleibt, fhrt mit der Zeit zu Schimmelbildung und Holzzerfall. Durch hufi ges Abwischen werden farbig gefasste oder vergoldete Oberfl -chen durchgerieben. Off ene Flammen oder andere Lichtquellen wegen Brandgefahr, Verruung, Beschdigung der Fassung oder Austrocknung des Holzes in gebhrendem Abstand zu Kunstwerken auf-stellen.

    Schwere Altarfl gel nicht unntig bewegen.

    3.2 Leinwandgemlde

    Grundstzliches: Darunter versteht man Be-malungen auf unterschiedlichen Geweben. Als Malmaterial knnen Harzl-, Tempera-, Aqua-rell- oder Gouachefarben, mit und ohne ber-zug/ Firnis vorliegen. Meist sind diese Gemlde auf einen hlzernen Rahmen gespannt, aber auch untergelegte Holztafeln sind mglich.

    Inspektion: Achten auf Lcher, Risse, Falten- und/oder Beulenbildung (Abb. 49), Wasser-rnder, Schimmelbefall, Verschmutzungen, ge sprungene und platzende Malschichten, Vergrauungen, Erblindungen.

    Pfl ege: Die Pfl ege von Leinwandgemlden gehrt ausnahmslos in die Hnde eines Geml-derestaurators. Beim Aufh ngen an der Wand unbedingt einen Abstand zur Wand einrichten. Es empfi ehlt sich das Anbringen eines Rcksei-tenschutzes durch den Restaurator.

    Warnung: Es gilt dasselbe wie fr Ausstattungs-stcke mit gefassten empfi ndlichen Oberfl -chen.

    Auch durch Abstauben kann die Malschicht beschdigt werden. Gemlde niemals feucht mit Wasser oder sogar Seife reinigen. Leinwnde knnen dabei schrumpfen, Firnisse blind wer-den oder Farbschichten anquellen. Auch direkte Sonneneinstrahlung muss vermieden werde. Die Farbschichten knnen dabei verblassen, sie erwrmen sich und trocken aus. Am Ende reien sie ein, lockern sich und knnen in Schollen abfallen.

    Bemalte Leinwnde und Tcher nicht ge-faltet aufb ewahren. Sie werden mit der bemal-ten Seite nach auen auf eine entsprechend lange und im Durchmesser ausreichend groe, gepolsterte Rolle aus Holz oder Pappe aufgerollt, die dann mit surefreiem Papier oder einem Tuch eingewickelt oder abgedeckt wird. Diese Manahme ist durch einen Gemlderestaurator auszufhren.

    3.3 Stein und Stuck

    Grundstzliches: Objekte aus Stein und Stuck knnen aus einer Vielzahl von Steinmaterialien mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften be-stehen. Das Spektrum reicht vom wasserresis-tenten und wenig saugfhigen Granit ber die stark saugfhigen Gesteine (z. B. porser Kalk- und Sandstein) bis hin zum wasserlslichen Gips stuck. Dementsprechend unterschiedlich ist ihre Gefhrdung durch Feuchteeinwirkung, Salzbelastung und falsche Pfl ege.

    Neben den Objekten mit steinsichtigen Oberfl chen gibt es auch viele mit Farbfassung. Hinsichtlich der Gefhrdung und Pfl ege kann auf die Abschnitte 2.5 und 2.7d verwiesen werden.

    Inspektion: Regelmige Zustandskontrollen durch Restauratoren werden empfohlen (Moni-toring, Wartungsvertrag). Besonders zu achten ist auf Feuchtigkeitsspuren, Verfrbungen an den Oberfl chen, Belge, Absanden, Ausbrche, Risse (Abb. 48).

    Pfl ege: Steinsichtige polierte Oberfl chen mit trockenem Wolltuch abstauben. Behandlung far-big gefasster Objekte nur durch Restauratoren.

  • 38

    3.4 Metall

    Im Laufe der Zeit sammeln sich in den meisten Kirchen diverse Ausstattungsstcke aus Metall in den Sakristeien an, beispielsweise Leuch-tergarnituren und Kelche, Ewig-Licht-Ampeln und Altarkreuze, die je nach Zeitgeschmack und Vorliebe zur Ausstattung des Kirchenrau-mes ausgetauscht werden. Hufi g werden nicht benutzte Gegenstnde aus Platzmangel in den Dachstuhl, Keller oder in einen ungenutzten Ne-benraum eingelagert. Unabhngig von Qualitt und Bedeutung ist darauf zu achten, dass die Kunstgegenstnde beschriftet, wieder auffi ndbar und geschtzt gegen Staub, Kratzer und Defor-mierungen aufb ewahrt werden. So lassen sich grere Schden vermeiden.

    Grundstzliches: Fr die Pfl ege von Ausstat-tungsgegenstnden aus Metall gelten ber die im Einzelnen gegebenen Hinweise hinaus grundstzlich allgemeine Regeln: Metallgegen-stnde drfen nicht mit Suren, Laugen oder den im Haushalt, Heimwerkerbedarf und in der Autopfl ege eingesetzten Metallreinigern, Abbeizmitteln, Antigraffi ti-Mitteln etc. behan-delt werden. Irreversible Vernderungen der Metalloberfl che sind die Folge. Gegenstnde aus verschiedenen Metallen drfen sich wegen der Gefahr galvanisch verursachter Korrosion nicht berhren.

    Kerzenwachs grundstzlich nur mit weichem Holzspatel absprengen und den Rest mit Fhn und weichem Tuch entfernen.

    Schmutz und Rckstnde aller Art in schwer zugnglichen Vertiefungen und Ecken nur mit Holzstbchen entfernen.

    Es drfen keine Ltungen vorgenommen werden.

    3.4.1 Eisengitter

    Inspektion: Achten auf Roststellen, Durchros-tungen besonders in Bodennhe, Lockerung von Teilen, abplatzende Malschichten, Blasen-bildung.

    Pfl ege: Trocken mit weichem Pinsel, bei intak-ten Oberfl chen auch mit weichem, trockenem Tuch. Gngig halten von Schlssern und Schar-nieren mit Graphit.

    Warnung: Keine Feuchtigkeit in Zusammen-hang mit dem Metall bringen.

    3.4.2 Bronzen

    Inspektion: Achten auf lockere Teile, Blasen-bildung und Absplitterungen an eventuell

    vorhandenen Oberfl chenbeschichtungen, Ver-nderung der Farbe und Ausblhungen (grne oder weie Salze).

    Pfl ege: Reinigung mit trockenem, weichem Pinsel, Tuch oder Holzstbchen. Reinigung schwer zugnglicher Stellen mit Holzstbchen, nicht mit Metallinstrumenten.

    Warnung: Keinesfalls Ammoniak, Suren oder schleifend wirkende Mittel auf Buntmetallen verwenden.

    3.4.3 Zinn

    Inspektion: Achten auf Korrosionserscheinun-gen und lockere Teile.

    Pfl ege: Wegen der Zinnpest sollten Gegenstnde und Ausstattungsstcke aus Zinn nach Mg-lichkeit nicht einer Luftfeuchte ber 50 % und Temperaturen unter 13C ausgesetzt sein. In Grften gelegentlich Klimakontrolle durchfh-ren. Reinigung mit weichem, trockenem Pinsel.

    Warnung: Gegenstnde aus Zinn oder Blei-Zinn-Legierungen drfen wegen chemischer Reak-tionen mit der im Holz enthaltenen Essigsure (Acetat) oder mglicherweise vorhandenem Formaldehyd nicht in neuen Holzbehltern auf-bewahrt werden.

    3.4.4 Edelmetall

    Grundstzliches: Wertvolle, alte Gerte sollten nicht mehr benutzt werden.

    Inspektion: Achten auf Lockerung von Teilen, Edelsteinen etc.

    Pfl ege: Edelmetall wegen der tzenden Sure-bestandteile im menschlichen Schwei nur mit Baumwollhandschuhen anfassen.

    Kelche nach dem Gebrauch mit Wasser aus -splen, um tzende Weinrckstnde zu entfer-nen, welche das Metall angreifen und giftige Schwermetalle aus dem Metall freisetzen kn-nen; mit weichem Tuch trocknen.

    Metallgegenstnde drfen sich bei der Auf-bewahrung nicht berhren. Deshalb kippsicher und mit Abstand aufstellen.

    Vasa sacra und hnlich wertvolle Gegenstn-de aus Edelmetall sollen in Futteralen aufb e -wahrt werden. Wegen des eventuellen Formalde-hydgehalts, der auf den Oberfl chen chemische Reaktionen auslst, drfen sich in der Umge-bung der historischen Metalle keine Spanplat-ten befi nden.

  • 3.5 Textilien Inspektion und Pfl ege der Ausstattung 39

    Schwarz verfrbte und stark fl eckige Ober fl chen durch den Restaurator reinigen lassen. Leichte Dunkelfrbung und Anlauff arben behutsam mit einem Leder oder weichem Baumwolltuch entfernen.

    Kerzenwachs von Metallleuchtern vorsichtig mit weichem Holzspatel absprengen. Den Rest mit Fhn und weichem Tuch entfernen. Auf-wendig gestaltete Werke wie Monstranzen geh-ren in die Hand des Restaurators (Abb. 51).

    Warnung: Keine gngigen Metallreinigungs-mittel wie Sidol, keine Schleifmittel, kein Silberbad, keine Chemikalien verwenden. In schwer zugnglichen Ecken verbliebene Putz-mittel erzeugen mit der Zeit Korrosion, die hufi g als grne Ausblhung sichtbar wird (vgl. Abb. 2, S. 11).

    Auch viele Silberputztcher enthalten Schleif-mittel und Chemikalien.

    3.5 Textilien

    Grundstzliches: Textilien wie z. B. liturgische Gewnder, Raumtextilien, Wandbespannungen, Teppiche knnen aus unterschiedlichen Materi-alien bestehen wie z. B. Wolle, Seide, Leinen und Materialkombinationen aus organischen und anorganischen Bestandteilen. Diese erfordern eine spezifi sche Behandlung und gehren dazu in die Hnde eines qualifi zierten Restaurators.

    Inspektion: Achten auf Risse, Lcher, sich ab-lsende Teile, aufgehende Nhte, mrbe Stoff e, Anzeichen von Mottenbefall, Verschmutzung, Ausbleichen, Verfrbungen, Falten, Knicke, Schimmel, Stockfl ecken.

    Pfl ege: Richtige Aufb ewahrung ist wichtig: Nicht knicken; fl ach ausgebreitet in Schubf-cher legen; groformatige Textilien auf gepols-terten Rollen aufb ewahren; Paramente und Gewnder auf speziell angefertigte gepolsterte Bgel ohne Faltenbildung hngen. Nicht zu dicht hngen. Leinenberwrfe schtzen vor Staub und gegenseitigem Abscheuern (Abb. 52 ac). Die Schrnke regelmig lften.

    Vor Feuchtigkeit und Sonnenbestrahlung schtzen. Insbesondere Rume mit textilen Wandbespannungen verschatten (Abb. 53).

    3.6 Leder

    Grundstzliches: Tapeten, Mbelbezge und Bucheinbnde knnen aus unterschiedlichen Ledern in verschiedenen Verzierungstechniken bestehen. Diese erfordern eine spezifi sche Be-handlung und gehren dazu in die Hnde eines qualifi zierten Restaurators.

    50. Feuchtigkeitsschden an einem Stuckmarmoraltar

    51. Starke Verfrbung einer Silberapplikation

  • 40

    Inspektion: berprfen auf Lcher, Risse, br -chige Stellen, ausreien von Nagelungen, Verfrbungen, helle Ausblhungen, pudernde oder abplatzende Malschichten, Schimmel oder Stockfl ecken oder Schdlingsbefall.

    Pfl ege: Nur glatte, intakte Oberfl chen knnen mit einem trockenen Tuch abgestaubt werden. Sonst Staubentfernung mit weichem Pinsel und daneben gehaltener Staubsaugerdse, da-mit sich der Staub nicht wieder absetzen kann.

    Warnung: Raue und bemalte Oberfl chen nicht berhren. Grundstzlich keine Feuchtigkeit, kein Fett, kein Wachs, keine sonstigen Beschich-tungen und keine handelsblichen Lederpfl e-gemittel anwenden.

    3.7 Bcher und Papier

    Inspektion: Achten auf lockere Bindung, Feuchtigkeitsfl ecken, Schimmel, Schdlingsbe-fall, abgeknickte Rcken und lose Seiten.

    Pfl ege: Bei Bchern ist die richtige Aufb ewah-rung das Wichtigste. Vor Feuchtigkeit und Sonnenbestrahlung schtzen, khl und trocken aufb ewahren. Schrnke regelmig lften. Alle weiteren Manahmen nur durch den Fachres-taurator.

    3.7.1 Papiertapeten

    Auf lockere Farbpartien und neu entstehende Feuchtigkeitsrnder achten. Vor Feuchtigkeit, direkter Sonneneinstrahlung und starkem Ta ges licht schtzen. Historische Fensterlden nutzen, Jalousien oder Vorhnge anbringen und geschlossen halten (Abb. 53). Nicht reinigen oder abwischen. Alle weiteren Manahmen durch den Fachrestaurator.

    3.8 Keramik, Porzellan

    Grundstzliches: Objekte aus keramischem Material haben noch immer ein gewisses Quellvermgen. Das ist bei der Reinigung mit Wasser, besonders unter Zusatz von entspan-nenden Mitteln zu beachten. Es kann in Kra keluren, Risse, Kittungen und Klebungen eindringen und zu Quellvorgngen und dem Einwandern von Mikroorganismen fhren.

    Inspektion und Pfl ege: Mit weichem Pinsel abstauben. Nur Objekte mit intakter, d. h. glatter, geschlossener Oberfl che sollten feucht nicht nass! gereinigt werden, wobei langes Einwirken der Feuchtigkeit vermieden werden sollte. An-schlieend grndlich trocknen ohne zu reiben.

    Unglasierte Objekte und solche mit rauen Ober fl chen gehren in die Hand des Restau-rators, da beim Abstauben der Schmutz in die Oberfl che eingerieben wird. Dasselbe gilt fr Objekte mit kalter Bemalung. Sie sind beson-ders empfi ndlich gegenber mechanischer Be-anspruchung wie Anfassen, Abwischen, Reiben, Abstauben etc. Auch Schwei- und Fettrck-stnde bieten einen Nhrboden fr chemische und biologische Zersetzungsprozesse.

    3.9 Glas

    Grundstzliches: Gealtertes Glas (Hohlglser, Spiegelglser etc.) ist besonders empfi ndlich gegenber anhaftender Feuchtigkeit.

    Inspektion und Pfl ege: Nur mit Spiritust-chern abwischen, da Spiritus rasch verdunstet. Bei bemalten Glasfenstern auf abbltternde Bemalung und Farbvernderungen achten. Ihre Pfl ege gehrt grundstzlich in die Hnde von Fachleuten.

    3.9.1 Glaslster

    Pfl ege: Abstauben mit weichem Pinsel, nicht mit einem Flederwisch, da Teile davon in den verschnrkelten Bereichen oft abgeris-sen werden und hngen bleiben. Es sollte von oben nach unten vorsichtig gekehrt wer-den, damit der Staub nicht aufgewirbelt wird. Darauf achten, dass die Behnge des Lsters nicht aneinander schlagen. Dadurch entstehen Beschdigungen der Glasoberfl che, zunchst im Mikro- dann auch im sichtbaren Bereich. Die Gestnge der Lster sind in der Regel aus Metall, das nicht mit Wasser in Berhrung kom -men darf. Zurckbleibende Feuchtigkeit, be-sonders an den Berhrungsstellen zwischen Glas und Metall, fhrt zu Korrosion (Abb. 54). Bei feuchter Reinigung dem Wasser Alkohol zusetzen, weil er die Verdunstung frdert.

  • 3.7 Bcher und Papier Inspektion und Pfl ege der Ausstattung 41

    52. a Falsch hngende Kasel mit Faltenbildung

    52. b Richtig gehngte Kasel auf einem gepolsterten Bgel

    52. c Kasel mit einem Schutzberzug gegen Verschmutzung und Abrieb

    53. Zum Schutz der Seidenbespannung rekonstruierte innenliegende Fensterlden

    54. Verstaubung, Glas- und Metallkorrosion, Verluste von Farbfassungen an einem Glaslster

  • 4.1 Hinweise zum Raumschmuck

    4.1.1 Pfl anzen, Blumen

    Grundstzliches: Alle Pfl anzen auch Christ-bume in sicherem Abstand und ohne Berh-rung mit der Ausstattung aufstellen und auch nicht an der Ausstattung befestigen.

    Warnung: Wasser schadet Holz und Fassun-gen, ebenso ungnstig ist die von den Pfl anzen selbst entwickelte Feuchtigkeit. Keine Berh-rung mit Kunstwerken (Abb. 55).

    Empfehlung: Standfeste Vasen sowie ausrei-chend groe und tiefe Untersetzer verwenden. Blumenschmuck auf gesonderten Stndern anbringen (Abb. 56).

    4.1.2 Kerzen

    Grundstzliches: Kerzen knnen durch Wrme- und Ruentwicklung betrchtliche Schden an Kunstwerken und auch an Wnden und Decken verursachen.

    Aufstellung in sicherem Abstand zu Kunst-werken; nicht zu nahe aneinander, damit sie nicht durch die gegenseitige Wrmeentwicklung unkontrolliert abschmelzen. Luftzug vermei-den, damit sie nicht einseitig abtropfen. Nicht ausblasen, Kerzenlscher verwenden. Stand-

    Praktische Hinweise,Checklisten und Vertrge

    4.

    sichere Leuchter mit Tropff ngern aus nicht brennbarem Material wie Metall oder Glas verwenden.

    Empfehlung: Bei Wallfahrtskirchen und Ver -ehrungssttten mit hohem Kerzenbedarf haben sich Abzge oberhalb der Kerzenstnder be-whrt.

    Ruarme Kerzen verwenden und auch verkaufen.

    Nachfllen von Flssigwachskerzen immer ber einer Unterlage.

    4.2 Gerte und Hilfsmittel fr die Beob-achtung und Pfl ege

    Einfacher Thermometer-Hygrometer-Datenlogger mit entsprechender Soft-ware (alternativ, falls bereits vorhanden: herkmmlicher Thermo-Hygrograph)

    Fernglas Fotoapparat Graphit Holzspatel Handlampe Hygrometer Thermometer Pinsel Trockene Reinigungstcher ohne

    chemische Zustze Weie Baumwollhandschuhe

  • 4.3 Wer wartet und pfl egt was? Praktische Hinweise, Checklisten und Vertrge 43

    4.3 Wer wartet und pfl egt was?

    Der Laie: Hinweise fr Reinigung und Pfl ege, die der Laie durchfhren kann, sind jeweils bei den einzelnen Bauteilen oder Ausstattungska-tegorien angegeben.

    Der wichtigste Beitrag des Laien zur Pfl ege von Bau- und Kunstdenkmlern ist aufmerksa-me Beobachtung.

    Wenn Schden festgestellt werden oder sich Fragen hinsichtlich der Pfl ege ergeben, den Rat der zustndigen Fachbehrde, in der Regel des Denkmalamtes einholen.

    Der Restaurator: Die Pfl ege von Kunsthand-werk und Kunstwerken soll dem dafr ausgebil-deten Fachmann, dem Restaurator berlassen werden. Wohlgemeinte, aber aus Unkenntnis unsachgem durchgefhrte Behandlung hat schon sehr oft Schden zur Folge gehabt, die Substanzverlust bedeuten und deren Behebung unntige Kosten verursacht hat.

    Fachfi rmen: Diebstahlsicherung, Blitzschutz-anlage, Brandschutzanlagen, Elektroanlagen, Heizung, Drainagen.

    4.4 Weiterfhrende Literatur

    Leitfaden zur Zustandserhebung an Wandmalerei und Architekturfarbigkeit Bundesdenkmalamt, Wien, Mrz 2012, her-unterzuladen unter URL: http://www.bda.at/documents/609391476.pdf(abgerufen im August 2016).

    4.5 Checklisten, Wartungsvertrag

    Die folgenden Checklisten sind Muster, die von verschiedenen Denkmal mtern in Deutschland verwendet werden. Sie knnen bernommen werden wie sie sind oder Anregung sein, eigene, auf das zu betreuende Denkmal abgestimmte Checklisten zu entwickeln.

    55. Wasserfl ecken auf der Emporenbemalung nach dem Aufstellen von verschneiten Weihnachtsbumen

    56. Problematische Kombination von Ausstattung, Kerze und Blumenschmuck

  • 44

  • Checklisten, Wartungsvertrag Praktische Hinweise, Checklisten und Vertrge 45

    Gebude-ueres und Umgebung

    Gebudeteil Zustand/Schaden Lokalisierung Anmerkungen

    Dach lose oder fehlende Dach-steine oder Schiefer

    Feuchtigkeitsspuren an Mauerwerksanschlssen und berschneidungen

    Beschdigungen von Blechabdeckungen

    z.B.: Sdseite unter dem First

    Wasserableitung (Dachrinnen, Fallrohre, Drainagen)

    Fallrohr aus der Verankerung gelst

    Feuchtigkeitsfl ecken an der Wand im Bereich der Rohre

    Dachrinne luft ber Funktionsfhigkeit der

    Drainage

    z.B.: Sdostecke repariert am:

    Wnde/Mauern Risse, bzw.Vernderungen vorhandener Risse

    Salzausblhungen aufsteigende Feuchtigkeit Lockerung des Putzes Bewuchs (Algen, Moose,

    Kruter) Verwitterung von Steinen Auswaschen von Fugen-

    mrtel

    z.B.: senkrechter Riss ber Nordportal

    z.B.: unterhalb des mittleren Chorfensters

    z.B.: Verdachung ber den Fenstern

    Bewuchs auf Einfriedung entfernt am:

    Fenster Beschdigung von Scheiben

    Verwitterung von Rahmen (Zustand von Anstrichen und Kittfalzen, Stabilitt von Profi len, Fenster klemmt)

    fester Sitz der Windeisen bei Bleiverglasung

    Rostschden an Gittern

    z.B.: mittleres Fenster auf der Sdseite im Erdgeschoss

    Tren/Tore Beschdigungen des Holzes (verlorene Teile, Verwitterung)

    Schden bei Anstrichen und berzgen

    Schden an den Beschlgen (Rost)

    Gngigkeit der Schlsser

    Datum der Inspektion: durchgefhrt von:

  • 46

    Gebude-Inneres

    Gebudeteil Zustand/Schaden Lokalisierung Anmerkungen

    Dachraum allgemeiner Zustand (Ordnung, Belftung, Laufb ohlen)

    Feuchtigkeitsfl ecken nach starken Regenfllen

    Flugschnee nach starkem Schneetreiben

    Lschgerte

    Dachkonstruktion Feuchtigkeitsschden Befall durch Holzschd-

    linge (Insekten und Pilze) Zustand der Hlzer, die

    Kontakt zum Mauerwerk haben (beschdigte Balkenkpfe o..)

    Gewlbe/Decke Risse, Sprnge, Defor-mierungen

    lockere Teile (z.B. Bretter bei Holzdecken)

    Verschmutzungen Wasserrnder oder Ver-

    frbungen bltternde Farben oder

    Putze

    z.B.: loses Brett ber der Nordempore

    Wnde Verschmutzungen Risse feuchte Flecken Salze oder Algen bltternde Farben oder

    Putze

    z.B.: feuchte Zone im Sockelbereich ca. hoch

    Fenster Zustand der Verglasung Zustand der Rahmen

    und Verbleiungen Gngigkeit von Fenster-

    fl geln evtl. Sonnenschutz fr

    Ausstattungsstcke

    Tren Zustand von Anstrichen Gngigkeit von Schls-

    sern und Trfl geln Dichtigkeit

    Fuboden Verwerfungen oder Be-schdigungen im Belag

    feuchte Flecken oder Bewuchs

    Datum der Inspektion: durchgefhrt von:

    Anmerkung: Feste Einbauten wie Logen und Beichtsthle wie Gebudeinneres bzw. entsprechend der Materialien wieAusstattungsstcke inspizieren.

  • Ausstattungsstcke

    Ausstattungsstck Zustand/Schaden Lokalisierung Anmerkungen

    Kirchenbnke statisch-konstruktiver Zustand

    lockere Teile Holzschdlingsbefall Schimmel an der

    Unterseite

    Kanzel und Taufe statisch-konstruktiver Zustand

    lockere Teile Holzschdlingsbefall Verfrbungen bltternde Farben

    Altar statisch-konstruktiver Zustand

    lockere Teile Holzschdlingsbefall Risse und Deformierungen