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Ausblick Deutschland: Wachstum und ... - deutsche-bank.de · PDF fileQuellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research. Wachstum und Inflation

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  • Ausblick Deutschland

    Deutschland: Starke Umfragedaten vs. schwache BIP-Details in Q4. Auf den ersten Blick scheint das anziehende BIP-Wachstum zum Jahresende 2016 (Q4: +0,4% gg. Vq.; zuvor: +0,1%) konsistent mit den angestiegenen Konjunkturindi- katoren. Allerdings zeigt die Zusammensetzung des BIP-Wachstums (deutlicher Anstieg der staatlichen Konsumausgaben, geringe Investitionen der Privatwirt- schaft) eine eher schwächere zugrundeliegende Dynamik. Die Stimmungsindi- katoren (ifo, PMI) haben sich zwar sehr positiv entwickelt, aber auch hier sorgt der Blick auf die Details für Ernüchterung. Wir behalten deshalb unsere unter dem Konsens liegende BIP-Prognose von 1,1% für das Jahr 2017 bei.

    Kerninflation: Trotz dynamischen Umfelds weiter verhalten. Steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben der deutschen Inflation zuletzt spürbaren Auf- trieb verliehen. In den kommenden Monaten dürfte sich dieser aber wieder be- ruhigen. Zwar mehren sich die Anzeichen, dass auch jenseits der direkten Preisimpulse durch höhere Rohstoffpreise ein Aufwärtstrend der Inflation in Gang kommt, gestützt durch einen an Breite gewinnenden globalen Auf- schwung. Insgesamt heben wir unsere Inflationsprognose für 2017 minimal an auf 1,7% von 1,6% nach nur 0,5% in 2016. Dabei erwarten wir die Kerninflation in 2017 weiter bei gut 1%. Sollten sich die Anzeichen für den globalen Preisauf- trieb bestätigen, könnte die Kerninflation aber deutlicher zulegen, insbesondere wenn in 2018 anziehende Preise Zweitrundeneffekte bei den Lohnverhandlun- gen nach sich ziehen sollten.

    Deutsche Industrie: 2017 leichtes Produktionsplus – Brexit und Trumponomics belasten. Die Fertigung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland nahm 2016 real um 1,4% zu (2015: +1,1%). Für 2017 erwarten wir ein Plus von 0,5%. Die schwache Investitionstätigkeit in Deutschland und vielen wichtigen Absatzmärk- ten, die auf eine Reihe von Unsicherheitsfaktoren zurückzuführen ist, belastet die hiesige Industrie.

    EZB-Vorschau: Auf die Details kommt es an. Wir erwarten weiterhin, dass die EZB erst im September Aussagen zum „Tapering“ treffen wird, die dann ab Ja- nuar 2018 umgesetzt werden. Angesichts der konjunkturellen Dynamik könnte eine derartige Ankündigung auch schon im Juni kommen. Von der Pressekonfe- renz erwarten wir Hinweise in Richtung eines langsamen und graduellen Über- gangs zu einer weniger expansiven Geldpolitik. Diese dürften aber relativiert werden, um einer Überreaktion des Marktes vorzubeugen. Spannend dürfte die neue Stabsprognose werden. Erstens könnte die BIP-Prognose für 2017 um 0,1pp auf 1,8% angehoben werden. Zweitens dürfte die Inflationsprognose für das laufende Jahr deutlich von 1,3% auf 1,7% angehoben werden. Allerdings könnte die Prognose der Kernrate um 0,1pp auf 1,1% reduziert werden. Dies würde immer noch konsistent mit einer Kernrate von über 1% in H2 2017 sein und damit die Tür zum Tapering offen halten.

    Autoren Eric Heymann +49 69 910-31730 [email protected]

    Oliver Rakau +49 69 910-31875 [email protected]

    Stefan Schneider +49 69 910-31790 [email protected]

    Editor Stefan Schneider

    Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: [email protected] Fax: +49 69 910-31877

    www.dbresearch.de

    DB Research Management Stefan Schneider

    Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen .............................................. 2 Deutschland: Starke Umfragedaten vs. schwache BIP-Details in Q4............................. 3 Kerninflation: Trotz dynamischen Umfelds weiter verhalten ................................................ 8 Deutsche Industrie: 2017 leichtes Produktions- plus – Brexit und Trumponomics belasten .... 16 EZB Vorschau: Auf die Details kommt es an ............................................................... 20 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................... 24 Exportindikator ................................................ 25 Eventkalender ................................................. 26 Datenkalender ................................................ 26 Datenmonitor .................................................. 27 Finanzmarktprognosen................................... 28

    8. März 2017

    Ausblick Deutschland Wachstum und Inflation dürften EZB noch kalt lassen

  • Wachstum und Inflation dürften EZB noch kalt lassen

    2 | 8. März 2017 Ausblick Deutschland

    Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX

    BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP

    2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P Euroland 1,7 1,3 1,5 0,2 1,4 1,5 3,4 2,8 2,5 -1,8 -1,5 -1,5 Deutschland 1,9 1,1 1,6 0,5 1,7 1,6 8,4 8,0 7,8 0,8 0,5 0,2 Frankreich 1,1 1,3 1,1 0,3 1,2 1,3 -1,2 -0,3 -0,1 -3,2 -3,2 -3,1 Italien 0,9 0,7 0,7 -0,1 1,0 1,2 2,9 2,7 2,3 -2,3 -2,3 -2,3 Spanien 3,2 2,5 2,2 -0,4 1,7 1,7 2,0 1,7 1,7 -4,4 -3,2 -2,8 Niederlande 2,1 2,1 1,5 0,1 1,0 1,2 10,5 10,2 10,2 -1,1 -0,7 -0,5 Belgien 1,2 1,1 1,3 1,8 2,0 1,8 1,0 1,0 1,0 -3,0 -2,5 -2,6 Österreich 1,5 1,5 1,6 1,0 1,8 1,6 2,6 2,8 3,1 -1,4 -1,2 -1,0 Finnland 1,6 1,2 1,5 0,4 1,3 1,4 -0,8 -0,4 -0,3 -2,3 -2,2 -1,7 Griechenland -0,1 1,4 1,6 0,2 1,3 1,0 -0,6 1,2 1,5 -3,7 -2,4 -2,2 Portugal 1,4 1,2 1,1 0,7 1,4 1,5 0,9 0,7 0,7 -2,8 -2,5 -2,5 Irland 3,3 2,8 3,0 -0,2 1,1 1,4 12,0 10,0 8,0 -1,1 -1,1 -1,0 Großbritannien 1,8 1,7 1,1 0,7 2,3 2,7 -5,2 -4,8 -4,0 -3,3 -2,9 -2,5 Dänemark 1,1 1,7 1,8 0,3 1,1 1,4 6,5 6,5 6,5 -2,1 -2,5 -1,9 Norwegen 0,7 1,6 1,8 3,6 2,7 2,5 4,4 6,2 7,0 3,7 3,9 4,2 Schweden 3,1 2,0 2,3 1,0 1,7 1,9 4,6 4,2 4,4 2,0 -0,2 0,0 Schweiz 1,3 1,5 1,7 -0,3 0,5 0,7 9,5 9,3 9,0 -0,1 -0,1 -0,1 Tschech. Rep. 2,5 2,7 2,8 0,7 2,3 2,0 2,0 1,2 1,1 0,1 -0,6 -0,6 Ungarn 2,4 3,0 2,8 0,4 2,2 2,9 5,6 4,5 4,1 -1,8 -2,5 -2,3 Polen 2,8 3,2 3,4 -0,6 1,7 2,0 -0,5 -1,2 -1,4 -2,6 -3,0 -2,9 USA 1,6 2,6 3,6 1,3 2,1 2,2 -2,8 -3,4 -4,1 -3,2 -3,0 -2,5 Japan 1,0 1,0 1,1 -0,1 0,5 1,1 3,7 3,9 4,0 -3,4 -3,7 -3,4 China 6,7 6,5 6,0 2,0 2,5 2,6 2,4 2,1 1,8 -3,8 -4,0 -4,0 Welt 3,0 3,4 3,8 4,2 5,3 4,4 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank

    Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX

    2016 2017 2014 2015 2016 2017P 2018P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P

    BIP 1,6 1,7 1,9 1,1 1,6 0,7 0,5 0,1 0,4 0,4 0,3 0,4 0,4 Privater Konsum 0,9 2,0 2,0 1,0 1,4 0,7 0,2 0,2 0,3 0,3 0,2 0,4 0,3 Staatsausgaben 1,2 2,8 4,0 1,5 1,0 1,3 0,9 0,2 0,8 0,3 0,2 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,4 1,7 2,3 0,4 2,8 1,8 -1,5 -0,2 0,8 -0,2 1,2 0,6 0,7 Ausrüstungen 5,5 3,7 1,1 -0,2 2,4 0,9 -2,3 -0,5 -0,1 1,1 0,3 0,3 0,3 Bau 1,9 0,3 3,0 1,0 3,7 2,7 -1,7 -0,3 1,6 -1,4 2,2 1,0 1,2 Lager, %-Punkte -0,3 -0,5 -0,1 0,2 0,0 -0,4 -0,1 0,3 0,3 -0,1 -0,1 0,0 0,0 Exporte 4,1 5,2 2,6 3,0 3,7 1,4 1,2 -0,3 1,8 0,8 0,7 1,1 1,0 Importe 4,0 5,5 3,7 3,6 4,1 1,4 0,1 0,4 3,1 0,1 0,6 1,3 1,1 Nettoexport, %-Punkte 0,4 0,3 -0,4 -0,1 0,0 0,1 0,5 -0,3 -0,4 0,4 0,1 0,0 0,0

    Konsumentenpreise* 0,9 0,2 0,5 1,7 1,6 0,3 0,1 0,5 1,1 1,9 1,6 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,7 6,4 6,1 6,1 6,4 6,2 6,1 6,1 6,0 5,9 6,0 6,1 6,2 Industrieproduktion 1,5 0,5 1,3 0,6 1,4 Budgetsaldo, % BIP 0,3 0,7 0,8 0,5 0,2 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 74,9 71,2 68,3 65,9 63,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,3 8,3 8,4 8,0 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 213 253 263 259 260

    *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research

  • Wachstum und Inflation dürften EZB noch kalt lassen

    3 | 8. März 2017 Ausblick Deutschland

    Deutschland: Starke Umfragedaten vs. schwache BIP-Details in Q4 — Auf den ersten Blick scheint das anziehende BIP-Wachstum zum Jahresen-

    de 2016 (Q4: +0,4% gg. Vq.; zuvor: +0,1%) konsistent mit den angestiege- nen Konjunkturindikatoren. Zudem deutet die weiterhin aufgehellte Stim- mung Anfang 2017 auf ein weiter zunehmendes Wachstumstempo hin.

    — Allerdings dürfte das zugrundeliegende Wachstum angesichts der Zusammensetzung des BIP-Wachstums (deutlicher Anstieg der staatlichen Konsumausgaben, geringe Investitionen der Privatwirtschaft) indes schwä- cher sein, als die Gesamtdaten vermuten lassen könnten. Zudem sind die Daten zur Konjunkturstimmung zwar tatsächlich sehr positiv, ein Blick auf die Details sorgt jedoch für Ernüchterung. So liegen die ifo-Erwartungen vor allem im verarbeitenden Gewerbe deutlich unter den PMI-Daten.

    — Unserem ersten Impuls, die BIP-Prognose für das 1. Halbjahr aufgrund der deutlich besseren – von vermehrter politischer Unsicherheit offensichtlich unbeeindruckten – Stimmung anzuheben, gaben wir nach näherer Betrach- tung der zugrundeliegenden Daten daher nicht nach. Wir behalten unsere unter dem Konsens liegende Prognose zum BIP für das Jahr 2017 bei (+1,1%) und nehmen hinsichtlich der erwarteten Zusammensetzung des BIP-Wachstums lediglich geringfügige Anpassungen vor.

    Binnennachfrage weiterhin Wachstumsmotor

    Im Vergleich zu der gedämpften Entwicklung in Q3 2016 (+0,1%) hat sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft in Q4 insgesamt deutlich beschleunigt (+0,4% gg. Vq.). Auf den ersten Blick passt dies zur aufgehellten Konjunktur- stimmung, die durch die angestiegenen ifo- und PMI-Indizes signalisiert wurde. Mit einem Wachstumsbeitrag von +0,8%-Punkten erwies sich die Binnen- nachfrage als der bedeutendste Wachstumsmotor. Da

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