COOL Booklet - die Beilage zum COOL-Film

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Informationen zum Cooperativen Offenen Lernen aus erster Hand. Dieses Booklet zum COOL-Film, der vom BMUKK (dem österreichischen Bildungsministerium) gefördert wurde, gibt umfangreiche Tipps zu allen Fragen des Offenen Lernens. Eine Doku des Impulszentrums COOL in Steyr.

Text of COOL Booklet - die Beilage zum COOL-Film

  • coolCooperatives Offenes Lernen

  • Inhaltsverzeichnis

    1. Was ist COOL? ................................................................................................................... 4 2. Ursprung und Geschichte ........................................................................................ 6 3. Neue LehrerInnenrolle ............................................................................................... 11 4. eCOOL ..................................................................................................................................... 14 5. SchlerInnen lernen ..................................................................................................... 16 6. LehrerInnenkooperation und Fortbildung ................................................... 22 7. Soft Skills ............................................................................................................................... 25 8. Strukturen und Rahmenbedingungen .......................................................... 28 9. Elternmitarbeit ................................................................................................................... 30 10. Mglichkeiten und Chancen ................................................................................. 33

    Anhang: Qualittssicherung und Nachhaltigkeit ................................................. 35

    cool Cooperatives Offenes Lernen

    Eine Initiative fr mehr Selbstndigkeit, Eigenverantwortung und Kooperation an unseren Schulen

    Das Unterrichtsmodell COOL ist fr mich eine sinnvolle Bereicherung der Bildungsland-schaft. Dieses Modell setzt aus meiner Sicht eine langjhrige Grundforderung um, dass sich eine moderne Schule nicht nur mehr auf die reine Wissensvermittlung beschrnken kann, sondern vermehrt auch andere Komponenten in den Unterricht einflieen lassen muss. Diese Komponenten zeigen sich fr mich insbesondere in den Bereichen der Integration, der Selbstndigkeit, der Teamfhigkeit, der Konfliktlsungsbereitschaft, der Motivation und der emotionalen Kompetenz.

    Dr. Ulf Scheriau (Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Elternvereinigungen an mittleren und hheren Schulen sterreichs)

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    COOL steht fr cooperatives offenes lernen. Es geht auf eine von den Lehrer- Innen Helga Wittwer und Georg Neuhauser 1996 gegrndete Initiative zurck, aus welcher der Schulversuch Differenziertes Lernen als Integrationsfaktor an der Bun-deshandelsakademie und Bundeshan- delsschule Steyr entstand. Die Initiative war eine Reaktion auf die zunehmende Heterogenitt in den Klassen und die For-derung aus der Arbeitswelt nach strke-rer Bercksichtigung der Soft Skills in der schulischen Ausbildung. COOL ist ein pdagogischer Ansatz fr mehr Selbstndigkeit, Eigenverantwor-tung und Kooperation in der Sekundar-stufe I und II. Die Grundlagen dafr kommen aus verschiedenen reformpda- gogischen Strmungen des 20. Jahrhun-derts, vor allem aber aus dem von Helen Parkhurst in den USA entwickelten Dal-tonplan (Freedom, Cooperation, Budge-ting Time).

    Wesentliche Merkmale des cooperativen offenen lernens sind: Die LehrerInnen kooperieren in KlassenlehrerInnenteams. Wenn Sch-lerInnen teamfhig werden sollen, dann mssen es auch die LehrerInnen sein. Das erfordert regelmige Klassenlehrer- Innenteamsitzungen, Klausuren zu Be-ginn des Schuljahres und periodische

    Zusammenknfte aller COOL-Lehrer- Innen. Die SchlerInnen arbeiten mit schriftlichen, oft auch fcherbergreifen-den Assignments (Arbeitsauftrgen). In sogenannten COOL-Stunden (ab drei Einheiten bis zu einem Drittel bzw. der Hlfte der Unterrichtszeit) hat der/die SchlerIn Wahlfreiheit, wann, wo, wie und meist auch in welcher Sozialform er/sie die gestellten Aufgaben (aus mindestens drei Fchern) bis zu den vorgegebenen Terminen bewltigen will.

    Der/die LehrerIn wird zum/zur Mo-deratorIn, zum Coach, zum/zur Begleiter- In des Lernprozesses und kann so auf jede/n einzelne/n SchlerIn eingehen und sie/ihn gezielt frdern (Individualisie-rung des Lernprozesses).

    Zentrale Rolle spielt die permanente Evaluation und Reflexion des Arbeits- und Lernprozesses. Unterschiedliche (auch schriftliche) Formen des Feedbacks sollen unter anderem zur kritischen Analyse des eigenen Sozialverhaltens anregen.

    Andere Formen des Lernens brau-chen andere Formen der Beurteilung. Herkmmliche Methoden der Leistungs-beurteilung werden durch Formen der direkten Leistungsvorlage (Portfolio) er-gnzt.

    1. Was ist cool?Grundstzliches zu einer Unterrichtsform

    Der regelmig stattfindende Klas- senrat ist ein Selbststeuerungs- und Selbstverwaltungselement der Klasse. In ihm besprechen die SchlerInnen nicht nur ihre Anliegen, sondern trainieren auch Gesprchsregeln, Protokollfhrung und Moderationstechniken.

    COOL braucht klare Strukturen und Rahmenbedingungen. In sogenannten COOL-Parlamenten bzw. LehrerInner-SchlerInnen-Foren (Delegiertenprinzip)

    werden gemeinsame Regeln des Zusam-menlebens und Zusammenarbeitens im COOL-Bereich erarbeitet und in Vertrge gegossen.

    Die Eltern werden in die schulische Unterrichts- und Erziehungsarbeit einge-bunden. In regelmigen Elternabenden (offen und moderiert) werden Anre-gungen, Wnsche und Befrchtungen zum Thema formuliert.

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    Am Anfang stand ein hohes Ma an Unzufriedenheit mit der Situation in der dreijhrigen Handelsschule in Steyr/O. Die extreme Heterogenitt der Schler-Innen in den ersten Klassen im Hinblick

    auf Alter, Entwicklung, Motivation, Leist-ungsfhigkeit und Lerngeschwindigkeit machte die herkmmliche, rein lehrer- Innenzentrierte Unterrichtsarbeit nahezu unmglich.

    2. Ursprung und Gesch ichteHelen Parkhurst und der Daltonplan

    Ein engagiertes LehrerInnenteam wollte diesen Zustand einfach nicht mehr hin-nehmen. Neue Ideen waren gefragt, und so begab man sich auf die Suche nach Konzepten, die mit Blick auf den ganzen Menschen, neben einer starken sozialintegrativen Dimension ein mg-lichst hohes Ma an Individualisierung und Differenzierung im Unterricht zu-lieen. Fast zwangslufig stie man auf die verschiedenen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten Anstze der Reformpdagogik.

    Im Zuge eines EU-Comenius-Projektes machte man in Holland Bekanntschaft mit dem Daltonplan, eine Bildungskonzeption, in deren Mittelpunkt das selbstndige Lernen steht. Als Begrnderin des Dalton-plans gilt die amerikanische Reformpda-gogin Helen Parkhurst (1887 - 1973), die eine Mitarbeiterin Maria Montessoris war, spter aber ihren eigenen Weg ging. Fr Parkhurst war ihr speziell fr die Sekun-darstufe entwickelter Daltonplan nicht nur eine andere Unterrichtsmethode, sondern ein way of life.

    Eine Idee setzt sich durch

    Der Daltonplan berzeugte die Delega-tion aus Steyr durch seine Offenheit und seine bemerkenswerte Aktualitt. Unter-sttzt und begleitet durch Fachleute aus dem universitren Bereich, begann das Steyrer Team unter der Leitung Helga

    Wittwers und Georg Neuhausers den Daltonplan, angereichert durch Elemente aus anderen (reform-) pdagogischen Richtungen, an die Bedingungen ihres eigenen Schultyps anzupassen.

    Damit war das Cooperative Offene Lernen geboren. Was als einfacher Schulversuch an der Steyrer Handelsschule begann, wurde vor allem durch die Untersttzung des Bundesministeriums fr Unterricht, Kunst und Kultur innerhalb von wenigen Jahren im Bereich berufsbildender Schu- len zum sterreichweit verbreiteten Un-terrichtsmodell. Eine Idee setzt sich offen-sichtlich durch, wenn die Zeit dafr reif ist.

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    Die drei Grundprinzipien des Daltonplans nach Helen Parkhurst:

    1) FreedomGemeint ist damit die Wahlfreiheit hinsichtlich Aufgabenabfolge, Zusammenarbeit, Arbeitsplatz, zu verwendender Hilfsmittel und Zeiteinteilung auf Seiten der Schler- Innen auf Seiten der LehrerInnen hinsichtlich Organisation und Abfassung der schriftlichen Arbeitsauftrge (Assignments), der Arbeitsmittel und Zeitvorgaben, der Form der Leistungskontrolle und letztlich der Form der individuellen Zusammenarbeit mit dem/der einzelnen SchlerIn. Parkhurst definierte ihren Freiheitsbegriff immer in Verbindung mit Verantwortung. Freiheit also durch bernahme von Verantwortung, dafr Befreiung von einengenden, starren Strukturen, die den Arbeitsfluss unterbre-chen und die Lernintensitt behindern.

    2) co-operationDieser soziale Grundsatz des Daltonplans beinhaltet weniger die konkrete Vor-schreibung von Partner- und Gruppenarbeit die Entscheidung ber die Sozialform der Arbeit wird weitgehend den SchlerInnen berlassen als die Beseitigung kommunikationshemmender Strukturen im Schulleben. Nach Parkhursts Auffassung entfaltet sich die soziale Dimension schulischen Arbeitens von selbst, wenn man die Konkurrenzsituation des Frontalunterrichts abbaut und den Lernenden die Mg-lichkeit einrumt, nach Bedarf und Belieben zu kooperieren, auch ber die Gren-zen der Klassengemeinschaft hinweg. Die Erfahrung, dass nicht nur die individuelle Arbeitsleistung, sondern auch eine gemeinsame Erarbeitung von Lsungswegen zu einem Erfolgserlebnis fhren kann, sollte die entscheidende Grundlage fr sptere Teamarbeit und gemeinschaftliche Verantwortung schaffen.

    3) Budgeting TimeDieses dritte Prinzip oft auch durch den Begriff der Selbstndigkeit ersetzt drckt die Bedeutung aus, die Helen Parkhurst dem Erlernen der selbstndigen Planung und Organisation der Arbeit zuma. Sie untermauerte dadurch ihren Anspruch auf Effektivitt im Lernprozess und wurde dafr von den europischen Reformpdagogen (z. B. von Clestin Freinet) scharf kritisiert. In sogenannten freien Dalton-Phasen sollen die SchlerInnen selbstndig an ihren schriftlich gestellten Aufgaben (Assign- ments) arbeiten knnen, fr die sie in sogenannten Special Calls eher frontal strukturierten Informations- und Anleitungsphasen fr alle SchlerInnen einer Gruppe oder Klasse entsprechend instruiert wurd