finance 0107

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Text of finance 0107

  • medianet.at

    financenet & real:estate

    Freitag, 1. Juli 2016 cover 25

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    Nach dem votum heit es bald: Bye, bye, little Britain!Chaos und wie es weitergehen knnte: medianet-Exklusivinterview mit dem fhrenden Wirtschaftsexperten Bernhard Felderer. 26

    Grundrecht Wohnen Trotz steigender Preise wird fleiig weitergebaut.

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    Dominoeffekt Grobritannien knnte bald Geschichte sein, Jobverluste drohen 27

    Multifunktional Wie man aus Gebuden (deutlich) mehr machen knnte 30

    Modellhaft Architekt Johannes Baar-Baarenfels schmckt Sofia mit einem Wahrzeichen 31

    reiheneffekt Raiffeisen zum zehnten Mal grte Bankengruppe sterreichs 32

    VERMITTLUNGVERWALTUNGBEWERTUNGBAUMANAGEMENT

    www.ehl.at

    ATX (Schluss 29.6.) 2.076,96 -6,18%

    Top 5 ATX Prime

    Flop 5 ATX Prime

    Buwog 3,48% conwert 3,20% FAcc 2,98% Semperit 2,49% Flughafen Wien 1,87%

    Wienerberger -19,69%

    Zumtobel -14,81%

    Uniqa -10,26%

    erste Group Bank -10,13%

    voestalpine -9,79%

    3,48%Buwog

    -19,69%Wienerberger

    ATX 23.29. Juni 2016

    IATX (Schluss 29.6.) 228,79 -1,55%

    Buwog 3,48% conwert 3,20% Atrium -1,50%

    S Immo -1,74%

    Warimpex -1,79%

    cA Immo -3,07%

    Immofinanz -8,77%

    3,48%Buwog

    -8,77%Immofinanz

    IATX 23.29. Juni 2016

  • medianet.at

    Bernhard Felderer: Also bei den Handelsbeziehungen hlt sich das in Grenzen. Ich glaube, Grobri-tannien als Exportmarkt spielt keine so groe Rolle. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sich etliche gefhrliche Tendenzen aufzeigen eine ist, dass Schott-land und andere Teile jetzt anfan-gen, auch zu sagen Wir wollen weg vom UK, und dass da so eine Ab-bruchtendenz entsteht.

    Wir glauben, dass das derweil nicht zu Ende ist. Wir glauben, dass es ohne eine umfassende Reform, die wachstumsfrdernd ist und die Angela Merkel jetzt angeblich vorbereitet hat aber ich kenne diesen Vorschlag immer noch nicht , nicht gehen wird.

    Also Europa wchst zu langsam, die Staaten wie England, die h-here Wachstumsraten haben, die ihren Nationalstolz beflgeln wol-len, denen geht das zu langsam. Ich glaube, dass man durch interne Reformen eine hhere Akzeptanz schaffen muss und dass man vor-lufig nicht stndig die politische Union beschwrt, sondern dass man die Vorteile der wirtschaftli-chen Union herausstreicht.

    medianet: Die Brexit-Proponenten bestreiten, dass es diese Vorteile gibt ...Felderer: Das kann kein Land be-streiten, dass es groe Vorteile aus dieser Union gegeben hat das knnten auch die Briten nicht. Im Gegenteil, wenn die Briten ihre Handelsbeziehungen zu Europa abbrechen und sie wrden einen 15%-Zoll fr alle Waren einfh-ren, die von Grobritannien nach Europa gehen umgekehrt wrde die EU das dann natrlich auch machen , dann wrde das den Handel in Grobritannien sehr schwchen. Es wrde viele Stand-orte, viele Industrieunternehmen in

    Grobritannien sehr stark treffen. Die wrden Auftrge ohne Weiteres zu 20 bis 40% verlieren. Das heit, es wrde in Grobritannien zu ei-ner erheblichen Krise fhren, deren Anpassung Jahre in Anspruch neh-men wrde.

    medianet: Was halten Sie fr das wahrscheinlichste Szenario?Felderer: Ich glaube, dass die Bri-ten alles versuchen werden, das zu verhindern und mglichst nah an der EU zu bleiben ohne aller-dings den Mitgliedsbeitrag zahlen zu mssen und ohne den Regeln unterworfen zu sein.

    Das aber wird Grenzen haben fr die Europische Union, das hat man auch bei den Verhandlungen mit der Schweiz gesehen, eine reine Freihandelszone wird sehr ungern gesehen, weil dahinter nmlich Wettbewerbsprobleme vermutet werden.

    Daher mssen sie die Mobilitt der Produktionsfaktoren und al-le Grundfreiheiten akzeptieren; dahinter liegen wieder etliche Re-gulierungen, wie z.B. der Arbeits-mrkte da wird ein groes Bndel von Regeln und Vorschriften ber-nommen werden mssen. Aber die Briten sind dann nicht mehr Mit-glied und knnen diese Vorschrif-ten gar nicht mitgestalten ...

    medianet: Wie lange kann es dau-ern, bis sich die Nebel lichten?Felderer: Das alles wird sich in den nchsten Wochen herausstel-len, wenn sie Folgendes machen: Sie kndigen ihre Mitgliedschaft nicht und warten ein, zwei Jahre es knnt ja durchaus sein, dass bis dahin die Meinung in Grobri-tannien so stark umgeschlagen hat, dass sie mit der bisherigen Lsung sehr zufrieden sein werden.

    Ob die Europische Union dann allerdings noch mit den alten Re-

    Von Reinhard Krmer

    WIEN. Das Ergebnis der britischen EU-Abstimmung hat den Kontinent in Geiselhaft genommen. Die Insu-laner sind mglicherweise einem gigantischen Lgenkonstrukt auf-gesessen und Rattenfngern wie dem froschmuligen Rechtspopu-listen Nigel Farage (Copyright: Der Standard/Rauscher) und seinem wirrhaarigen Counterpart Boris Johnson auf den Leim gegangen. Nach der Abstimmung zeigt sich: Es fehlt den Briten der Plan auch den Gewinnern der Abstimmung. Ein offizielles Austrittsgesuch wurde noch immer nicht abgege-ben; weil das Referendum fr das Parlament nicht bindend ist, meint der fhrende Wirtschafts experte Bernhard Felderer, dass der Aus-tritt still und heimlich im engli-schen Nebel verschwinden knnte. medianet sprach mit ihm ber die Auswirkungen.

    medianet: Wie schlimm ist der Brexit fr sterreich?

    geln einverstanden sein wird, ist ebenfalls noch unklar. Sicher ist, es ist sehr viel Unruhe jetzt ber uns zusammengebrochen.

    Aber wirtschaftlich glaub ich, mssen wir uns nicht so frchten, hier wird mehr Hysterie produ-ziert, als wir letzten Endes an Scha-den haben werden. Wenn es so weit kommt, dass es Handelsschranken geben wrde, also Exporte und Im-porte behindert werden durch Zl-le oder sonstige Vorschriften, dann wrde natrlich der Schaden auf beiden Seiten gro sein.

    Grer noch auf der Seite Gro-britanniens, weil die einen viel greren Anteil nach Europa ex-portiert haben als Europa nach Grobritannien. Aber insgesamt, glaube ich, ist halt jetzt ein Prob-lem entstanden, das sich erst lang-sam abwickeln wird.

    medianet: Knnte die Sache viel-leicht noch glimpflich ausgehen?.Felderer: Wir mssen warten, bis wir mehr wissen. Es kommt zum ungnstigen Zeitpunkt, denn wir haben, wie Sie wissen, ein geringes Wachstum, geringer als groe Teile der Welt, wie die USA oder Asien.

    Wir haben das Problem, dass sich dieses Wachstum auf gerin-gem Niveau zu verstetigen scheint, also wir brauchen eigentlich bald groe, zustzliche Impulse, und es ist klar, dass der Weggang eines doch grundstzlich liberalen, un-ternehmensnahen Landes mehr oder weniger unternehmensnah, solang die Sozialdemokraten re-giert haben , dass dieser Weg-gang fr die Wirtschaftspolitik fr die Europische Union natrlich nicht als positiv angesehen wird. Umso wichtiger wird es werden, was Merkel und ihre Partner als Reformschritte zur wirtschaft-lichen Reform jetzt vorschlagen werden.

    Ins eigene Knie geschossenKein westeuropisches Land hat in der Nachkriegszeit so viel Schaden angerichtet wie die Briten mit ihrem Brexit. medianet sprach mit dem fhrenden Wirtschaftsexperten Bernhard Felderer ber die Auswirkungen.

    Der Doyen Der Wirtschafts-wissenschafter Bernhard Felderer ist auch Prsident des sterreichi-schen Fiskalrats. Er fhrt interna-tionale Bera-tungsttigkeiten fr Regierungen, Ministerien in sterreich, aber auch in Deutsch-land durch.

    Alles Chimre 350 Mio. pro Woche statt fr die EU sollten sie das britische Gesundheitssys-tem untersttzen, versprach das Brexit-Lager. Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat sich davon nun distanziert.

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    Wenn Exporte und Impor-te durch Zlle behindert werden, dann wrde der Schaden auf beiden Seiten gro sein grer auf der Seite Grobritanniens.

    26 fInAnCe:COVeR Freitag, 1. Juli 2016

  • medianet.at Freitag, 1. Juli 2016 FINANCE:COVER 27

    Von Reinhard Krmer

    WIEN/LONDON. Die Koffer habe er noch nicht gepackt, sagt Florian Hartig: Es wird wohl auch keine dramatischen Vernderungen bei bestehenden Arbeitsgenehmigun-gen geben. Fr neue Arbeitsgeneh-migungen rechnet der Banker, der seit 20 Jahren in London arbeitet, nach dem erfolgten Austritt aber sehr wohl mit Schwierigkeiten. Unterm Strich haben das Haupt-problem der ganzen Sache die Eng-lnder. So werden auch die Mrkte noch eine Weile volatil bleiben.

    Der Tod der Londoner CityBeim Finanzplatz London knnte sich sehr wohl einiges ndern, so Hartig: Man munkelt in Banker-kreisen, Banken wie JP Morgan knnten nach Madrid und franz-sische Banken nach Paris und etwa die Deutsche Bank nach Frankfurt abwandern. Bis zu 70.000 Jobs aus der Finanzwelt knnten aus London auf den Kontinent verlegt werden.

    Dazu kme auch der Kosten-faktor, der viele Unternehmen ver-leiten knnte, der City schnell den Rcken zu kehren: Ein Job im Finanzbereich, der dem Unterneh-men hier 100.000 Pfund, also rund 120.000 Euro pro Jahr kostet, ist am Kontinent fr nur 60.000 Euro zu haben das ist ein gravierender Kostenfaktor.

    Glcklich mit dem Ausgang des Referendums sind jedenfalls viele nicht, auch einige der Befrworter nicht, sagt Florian Hartig: Es hat sich gezeigt, dass einige Verspre-chen, die gemacht wurden, einfach nicht oder nur bedingt der Wahr-heit entsprechen. Man kann nicht sagen: Dieses Land ist im Freuden-taumel vielmehr sind viele Men-schen zutiefst verunsichert.

    Noch dazu droht das Auseinan-derbrechen Britanniens: Wenn Schottland geht, knnte das eben-falls neue Probleme zeitigen, denn der Haupthandelspartner der Schotten sind natrlich die Engln-der. Wenn dann die einen in der EU sind, die anderen aber nicht, und Zlle eingefhrt werden, knnte das sehr schwierig fr den Handel werden.

    Jungen die