Klavier Spielen Fortgeschritten I

  • View
    75

  • Download
    7

Embed Size (px)

Transcript

  • Edition Pian e fortewww.pian-e-forte.de

    Klavier spielen

    Zwei gegen DreiAnmerkungen und bungen

    zu polyrhythmischem Spiel

  • VORBEMERKUNG

    In Beethovens 32 Variationen c-moll findet man folgende Takte:

    &

    ?

    bbb

    bbb

    j6666

    Variation 9

    &?

    Variation 16

    3333

    &?

    bbb

    bbb7777

    n n 7777

    Variation 32

    Hier sind in Variation 9 in der rechten Hand sechs Sechzehntel zu spielen, whrend die linke in derselben Zeit dazu nur vier Sechzehntel anschlgt man spricht von Sechs gegen Vier oder Vier gegen Sechs. In Variation 16 kommen vier Sechzehntel der rechten Hand auf drei Triolen-Achtel der linken (Drei gegen Vier), und in Variation32 kommen auf sieben Sechzehntel acht Zweiunddreiigstel (Sieben gegen Acht).

    Der Anfnger ruft erschrocken: Das lerne ich nie!

    Nun gehren Beethovens c-moll-Variationen nicht gerade zu den Anfngerstcken, aber auch in leichterer Klavier- musik wird jeder Spieler irgendwann mit solchen Polyrhythmen konfrontiert, auch wenn es nicht gleich so schein- bar kompliziert zugeht wie bei Beethovens Sieben gegen Acht. Hier ein leichteres Beispiel aus einer Sonate von Joseph Haydn:

    &?

    43

    43

    3333

    #

    j #

    aus: J. Haydn, Klaviersonate Hob. XVI:3

    #

    Ein beliebtes Unterrichtsstck ist Chopins e-moll-Prlude, da es zu den einfachsten Stcken von Chopin gehrt, auch wenn es nicht leicht zu gestalten ist. Viele Spieler kommen hier zum ersten Mal mit der Forderung in Berhrung, Zwei gegen Drei zu spielen:

    &?

    #

    #CC

    n 3333 .dim.dim.dim.dim.

    j

    aus: F. Chopin, Prlude op. 28,4

    .p

    Wie spielt man das, und wie bt man es? Diese Anmerkungen zur Polyrhythmik wollen diese Frage beantworten und stellen dafr neben einigen Erluterungen ein paar grundlegende, bewut kurz gestaltete bungen vor, die Spielern helfen knnen, sich den Einstieg in polyrhythmisches Spiel auf mglichst einfache Weise zu erarbeiten.

    J. Gedan, August 2009

    www.pian-e-forte.de/noten/pdf/polyrhythmik.pdf

  • www.pian-e-forte.de/noten/pdf/polyrhythmik.pdf

    INHALT

    I. ZWEI GEGEN DREI A) Duole gegen drei regulre Noten............................. B) Triole gegen zwei regulre Noten............................ am Beispiel von Chopins Prlude e-moll op. 28/4

    II. DREI GEGEN VIER A) Kleinstes gemeinsames Vielfaches der Umweg...... B) Der direkte Weg....................................................... C) Ein Beispiel (Chopins Minutenwalzer)........................

    III. SONSTIGES A) Punktierung............................................................. B) Triller........................................................................ C) Fiorituren................................................................. D) Irrational?................................................................. E) Rational pragmatisch.............................................

    ANHANG Benennung irregulrer Teilungen.................................

    46

    91011

    1314161617

    18

  • I. ZWEI GEGEN DREI

    A) Duole gegen drei regulre NotenStt man in einem Dreier-Takt auf eine irregulre Zweiteilung, nennt man das eine Duole. Diese ist eigentlich sehr einfach zu spielen, denn man mu die drei Grundschlge nur halbieren; und da 3 : 2 gleich 1,5 ist, fllt der zweite Ton der Duole genau in die Mitte zwischen zweitem und drittem Grundschlag:

    &

    ?

    43

    43

    83

    83

    .J

    Komplementr-

    Rythmus: .

    J

    Zwei- und Dreiteilung ergeben dabei zusammen einen Komplementr-Rhythmus, der unkompliziert ist man spielt einfach nur eine Synkope. Das ist unabhngig davon, wie es notiert ist, denn man kann es genauso gut mit punktierten Notenwerten wie mit duolischen schreiben:

    &?

    43

    4383

    8343

    4383

    83

    . .

    . .

    2222

    2222

    Und auch wenn die Dreiteilung als Triole notiert ist und die Zweiteilung in regulren Notenwerten, wird daraus nichts anderes:

    &?

    3333

    3333

    3333

    3333

    &?

    86

    86

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    Man kann das Zusammentreffen von Zwei- und Dreiteilung also erst einmal mit Hilfe dieses Komplementr-Rhythmus ben, am besten anhand sehr einfacher Spielfiguren, die man gegenlufig gestaltet, d. h. rechts abwrts, links aufwrts und umgekehrt:

    15

    22223

    2222

    . .

    . .

    &?

    42

    42....

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..3333

    3

    3333

    2

    5

    4

    www.pian-e-forte.de/noten/pdf/polyrhythmik.pdf 2009 J. Gedan

  • &?

    86

    86....

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    3

    1

    2222

    1 2222

    . .

    .. .

    &?

    42

    42....

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..

    ..3333

    1

    3333

    4

    1

    Nach einiger bezeit und bei Steigerung des Tempos wird man feststellen, wie sich Zwei- und Dreiteilung verselbstndigen, d.h. man denkt den Komplementr-Rhythmus gar nicht mehr mit, das Muster luft automatisch ab, und das Ohr kontrolliert lediglich, ob Triole und Duole in sich gleichmig sind und ob Tne auf gemeinsamem Schlag przise zusammenfallen. Dann kann man es zur weiteren Festigung auch sequenzierend ben, z.B. so:

    &?

    42

    42....

    ..

    ..3

    3

    5

    3

    3 3

    &?

    42

    42....

    ..

    ..3

    3

    6

    5

    2

    &?

    42

    42

    ..

    ..

    ..

    ..

    7

    1

    1

    1

    &?

    42

    42....

    ..

    ..

    5 3 8

    3

    3

    3

    5

    www.pian-e-forte.de/noten/pdf/polyrhythmik.pdf

  • &?

    86

    86....

    ..

    ..

    5 2

    Danach sollte auch folgendes gelingen:

    9a

    Gelingt es nicht, von der Dreierbewegung auf die Duole zu wechseln, kommt es darauf an, die richtige innere Vorstellung fr das Duolen-Tempo zu gewinnen. Man bt dann mit Hilfe des Metronoms, das punktierte Viertel schlgt am besten erst einmal folgendermaen, evtl. wieder unter Zuhilfenahme des Komplementr-Rhythmus:

    2222

    32222

    . .

    . .

    &?

    86

    86

    ..

    ..

    ..

    ..

    . .

    9b

    Metronom:

    Erst wenn man hierin sicher ist, kann man wieder bung 9a versuchen. Entsprechendes gilt fr bung 10:

    . .

    .. .

    .

    . .

    . .

    &?

    86

    86

    10

    . .

    . .

    B) Triole gegen zwei regulre NotenIm Vorherigen sind wir von der Dreiteilung ausgegangen, in die die Duole einfllt. In der Praxis findet man hufiger aber den umgekehrten Fall, nmlich da man von der Zweier-Bewegung kommt und auf Triolen-Bewegung wechseln mu. Man steht dann, wie Walter Georgii es ausdrckt, am anderen Ufer (Klavierspieler-Bchlein, Atlantis-Verlag). Die Bildung eines Komplementr-Rhythmus ist zwar auch dann mglich, aber der wird komplizierter, weil man den regulren Zweier-Grund- schlag dafr dritteln mu:

    &?

    42

    42

    3333 3333

    3333 3333 3333 3333

    Gerade Teilungen bewltigen wir recht problemlos, deswegen knnen wir einigermaen zuverlssig z. B. eine Torte in zwei oder vier Teile schneiden; sie in drei Teile zu schneiden, ist schwieriger. Im Grunde macht die Bildung des Komplementr-Rhythmus im hohen Tempo aber schon bei dem Umstieg von Dreier auf Zweier keinen Sinn mehr, sie ist nur als erster Einstieg bei zunchst sehr langsamem Tempo zu gebrauchen. Man sollte also mit bungen wie oben Nr. 110 den Ablauf bereits so weit automatisiert haben, da man keiner Hilfsvorstellung mehr bedarf. Wie man dann eine Stelle bt, an der man von Zwei- auf Dreiteilung umsteigen mu, sei im folgenden anhand von Chopins e-moll-Prlude beschrieben.

    6

    www.pian-e-forte.de/noten/pdf/polyrhythmik.pdf

  • Die Stelle, um die es geht, findet sich in Takt 18 des Stcks:

    &

    ?

    #

    #

    1f

    # 2 3 1817

    #35

    n 4 3

    .2

    dim.dim.dim.dim.

    j3333

    4

    5

    23

    25

    4

    p

    Die Tempobezeichnung lautet Largo, es ist also sehr langsam als angemessen mag man vielleicht ein Tempo von Viertel=54 ansehen. Bisweilen hrt man es aber noch langsamer gespielt, und dann gilt: Je langsamer, umso schwieriger wird es, von geraden Achteln auf Triolen-Achtel zu wechseln. Das kommt jedoch bereits in Takt 12 vor, dort einstimmig:

    &?

    #

    #n1

    4

    >2

    #2

    3333

    n #

    .

    Man sollte es also bereits gelst haben. Andernfalls be man beide Stellen zunchst einstimmig mit dem Metronom, also auch Takt 1718 nur mit der rechten Hand. Erst dann wende man sich dem Drei gegen Zwei zu, das man sich gesondert vornimmt:

    &?

    ##

    ..

    ..

    ..

    ..........

    ..

    ..

    ..

    ..

    3

    11

    3

    25

    Bevor man nun die ganze Stelle ben kann, steht man vielleicht erst einmal vor einem weiteren Problem, da man wahrscheinlich noch nicht allzuviele Dezimen-Griffe gespielt hat wie diesen:

    ?# gggggDeswegen denkt man womglich bei dem bergang von dem a-moll-Dreiklang davor erst einmal nur an den Baton, in den man springen soll:

    ?# 4

    5

    Hat man ihn glcklich getroffen, ist man hinterher damit beschftigt, die folgenden Tne zu finden, und dann wird einem auch das Zwei gegen Drei kaum gelinge