of 16/16
DGfM Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V. 1. Auflage 2006 Schallschutz nach DIN 4109

Schallschutz nach DIN 4109 - dgfm.de · DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 2 Vorwort Der Bewohner erwartet in seiner Wohnung einen Schutz vor Geräuschen von außen und

  • View
    218

  • Download
    1

Embed Size (px)

Text of Schallschutz nach DIN 4109 - dgfm.de · DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 2 Vorwort Der...

  • DGfMDeutsche Gesellschaftfr Mauerwerksbau e.V.1. Auflage 2006

    Schallschutz nach DIN 4109

  • DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    2

    Vorwort

    Der Bewohner erwartet in seiner Wohnung einenSchutz vor Geruschen von auen und aus derNachbarschaft sowie ein Mindestma an Vertrau-lichkeit. Schallschutz gilt daher als ein wichtigesMerkmal fr die Qualitt einer Wohnung. Der bau-aufsichtlich aus Grnden des Gesundheitsschut-zes geforderte Schallschutz ist in DIN 4109 [1]festgelegt. In Abschnitt 1 (Anwendungsbereichund Zweck) der DIN 4109 heit es dazu wie folgt:In dieser Norm sind Anforderungen an denSchallschutz mit dem Ziel festgelegt, Menschen inAufenthaltsrumen vor unzumutbaren Belstigun-gen durch Schallbertragung zu schtzen. .....Aufgrund der festgelegten Anforderungen kannnicht erwartet werden, dass Gerusche von auenoder aus benachbarten Rumen nicht mehr wahr-genommen werden. .....

    Da die DIN 4109 durch Einfhrungserlasse in dasBaurecht der Lnder bernommen wurde, sindihre Anforderungen baurechtlich geschuldet.

    Der Planer muss fr alle Anforderungen, die an einGebude gestellt werden z. B. Standsicherheit,Brand- und Wrmeschutz sowie den Schallschutz letztendlich eine zufrieden stellende Lsung fin-den, die angemessen wirtschaftlich realisiert wer-den und auch einer juristischen berprfungstandhalten kann. Dazu soll dieses Merkblatt ei-nige Hinweise geben.

    Kapitel 1 gibt Hinweise zur Festlegung des vorzu-sehenden Schallschutzniveaus von Mehrfamilien-husern sowie von Einfamilien-, Doppel- und Rei-henhusern. Ein bei Bedarf stets vertraglich zu

    vereinbarender erhhter Schallschutz und derSchallschutz innerhalb einer Wohnung sind nichtBestandteil dieses Merkblattes.

    Die richtige Planung und Ausfhrung eines erhh-ten Schallschutzes wird in einem spter erschei-nenden Merkblatt behandelt.

    Zur Vermeidung von Auseinandersetzungen berden geschuldeten Schallschutz sind eindeutigevertragliche Vereinbarungen zu treffen. Kapitel 2errtert fr die Planungspraxis wichtige rechtlicheFragen und beschreibt das nach 633 Brgerli-chem Gesetzbuch vorgegebene Prfungsschemafr die Planung des baulichen Schallschutzes.

    Autoren

    Das Kapitel 1 des Merkblattes wurde von derDGfM-Projektgruppe Schallschutz sowie unter Mit-wirkung der Herren Dipl.-Ing. G. Flassenberg,Dipl.-Ing. M. Gierga, Dipl.-Ing. D. Heller, Dipl.-Ing.G. Meyer sowie Dipl.-Ing. T. Schoch erarbeitet.

    Das Kapitel 2 wurde durch Frau RA SusanneLocher-Weiss als Autorin erstellt.

    Die Mitgliedsverbnde der DGfM sind berech-tigt, das vorliegende DGfM-Merkblatt durchautorisierte Unterlagen zur speziellen Be-schreibung des schalltechnischen Verhaltensder aus ihren Mauerwerksprodukten errichte-ten Baukonstruktionen zu ergnzen.

    Herausgeber: Deutsche Gesellschaft fr Mauerwerksbau e. V.Kochstrae 6710969 Berlin

    Redaktion: Dr. sc. techn. Ronald Rast

    1. Auflage 2006

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    3

    Inhalt1. Baulicher Schallschutz im Rahmen der DIN 4109 4

    1.1 Schallschutz in Mehrfamilienhusern 4

    1.2 Schallschutz in Einfamilien-Doppel- und Reihenhusern 5

    2. Rechtliche Ausfhrungen 7

    2.1 Planungssicherheit bei Einhaltung der DIN 4109? 7

    2.2 Gesetzliches Prfungssystem zur Festlegung der Mngelfreiheit 8

    2.3 Rechtsfolgen bei Vorliegen von Mngeln 8

    2.4 Prfungsstufe 1 Beschaffenheitsvereinbarungen und Nachteile bei deren Fehlen 9

    2.5 Prfungsstufe 2 vertraglich vorausgesetzter Verwendungszweck 10

    2.6 Prfungsstufe 3 Einzuhaltendes Schallschutzniveau bei fehlender Beschaffenheitsvereinbarung 10

    2.7 Ergnzungen des Prfungsschemas und Einbeziehung der allgemein anerkannten Regeln der Technik Rechtsprechung 11

    2.8 Bedeutung der allgemein anerkannten Regeln der Technik zu DIN-Normen und anderen Normen 12

    2.9 Anerkannte Regeln der Technik im Lichte unterschiedlicher Baukonstruktionen 13

    2.10 Kritische Bewertung der Rechtsprechung 14

    3. Verzeichnisse 15

    3.1 Autorenverzeichnis 15

    3.2 Literaturverzeichnis 15

  • DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    4

    1. Schallschutz nach DIN 4109

    1.1 Schallschutz bei Mehrfamilienhusern

    Die DIN 4109 regelt die Anforderungen an denSchutz gegen Luft- und Trittschallbertragungzwischen fremden Wohn- und Arbeitsrumen, ge-gen Auenlrm und gegen Gerusche von haus-technischen Anlagen und aus baulich verbunde-nen Betrieben.

    Schutz gegen Luftschallbertragung

    Schutz gegen Trittschallbertragung

    Auf Grund der langjhrigen Erfahrungen mit denblichen Decken mit schwimmenden Estrichenwurde die Anforderung der DIN 4109, Ausgabe1989 deutlich gegenber der 1962er Ausgabe aufden heute gltigen Wert angehoben. Stahlbeton-massivdecken mit einer Dicke von mindestens 18cm haben sich heute im mehrgeschossigen Woh-

    nungsbau durchgesetzt und erreichen mit fehler-frei ausgefhrten schwimmenden Estrichen sogardeutlich bessere Ergebnisse. Diese Deckenkon-struktionen ergeben auch eine gute Luftschall-dmmung in vertikaler bertragungsrichtung.

    Schutz gegen Installationsgerusche undGerusche anderer haustechnischer Anlagen:

    DIN 4109 stellt derzeit keine Anforderungen ankurzzeitige Geruschspitzen und sog. Nutzerge-rusche. Da diese zu starken Belstigungen fh-ren knnen, wird bei Planung und Ausfhrung dieBercksichtigung krperschalldmmender Ma-nahmen empfohlen (weitere Hinweise siehe Merk-blatt des ZVSHK [2]).

    Die Anforderung der DIN 4109 an zulssigeSchalldruckpegel in schutzbedrftigen Ru-men

    LIn 30 dB(A) fr Gerusche aus Wasserinstal-lationen (ausgenommen Spitzen beim Betti-gen der Armaturen)

    LAF,max 30 dB(A) fr Gerusche aus anderenhaustechnischen Anlagen

    sind derzeit unstrittig und gelten als allgemeinanerkannte Regel der Technik, insbesondere,nachdem fr die Wasserinstallationen die An-forderung an LIn durch die nderung A1 zu DIN4109 im Jahre 2001 angepasst wurde.

    Die Anforderung der DIN 4109 an Treppenlufeund Podeste

    Ln,w 58 dB

    wurde erstmals gegenber den vorangegan-genen Entwrfen um 5 dB verringert in die1989er Ausgabe aufgenommen und knntenach den heutigen Erkenntnissen und blichenVorkehrungen im Massivbau auf Ln,w 53 dBerhht werden.

    Die Anforderung der DIN 4109 an Wohnungs-trenndecken mit

    Ln,w 53 dB

    (bei Gebuden mit nicht mehr als 2 Wohnun-gen erf. L`n,w = 53 dB)

    ist aus technischer Sicht fr den mehrgeschos-sigen Wohnungsbau plausibel und kann mitden heute blicherweise verwendeten Massiv-decken mit schwimmenden Estrichen wirt-schaftlich erfllt werden.

    Die Anforderungen der DIN 4109 an trennendeBauteile

    erf. R`w = 53 dB bei horizontaler bertragungbzw. erf. R`w = 54 dB bei vertikaler bertragung (bei Gebuden mit nicht mehr als 2 Wohnun-gen fr vertikale bertragung erf. R`w = 52 dB)

    sind aus technischer Sicht fr den mehrge-schossigen Wohnungsbau plausibel und be-schreiben aktuell, was mit ausreichender Si-cherheit erreicht werden kann.

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    5

    Schutz gegen Gerusche aus Betrieben:

    Schutz gegen Auenlrm:

    In der Regel bestimmt die Schalldmmung desFensters die resultierende Schalldmmung derAuenwand. Bei hoher Auenlrmbelastung(Lrmpegelbereich V) und Fenstern mit hoherSchalldmmung muss auf eine ausreichende Aus-legung der Auenwand geachtet werden. Enthltdas Auenlrmspektrum hohe Anteile im tieffre-quenten Bereich ( 200 Hz) ist darauf zu achten,dass die Schalldmmung der ausgewhlten Bau-teile in diesem Bereich keinen resonanzartigenEinbruch hat.

    Fazit

    1.2 Schallschutz bei Einfamilien-Doppel- undReihenhusern

    DIN 4109 enthlt fr diese Gebude hhere Anfor-derungen hinsichtlich der Luft- und Trittschallber-tragung aus einem fremden Wohn- oder Arbeits-bereich.

    Fr den Schutz gegen Installationsgerusche undGerusche aus haustechnischen Anlagen sowieden Schutz gegen Auenlrm gelten die Ausfh-rungen des Abschnitts 1.1.

    DIN 4109 stellt auch fr diese Gebude keine An-forderungen an den Schallschutz im eigenenWohn- oder Arbeitsbereich; trotzdem mssendiese Gebude mngelfrei ausgefhrt sein.

    Im Folgenden werden ausschlielich die fr Rei-hen- und Doppelhuser geltenden Anforderungenbetrachtet.

    Die Frage, ob man heute im mehrgeschossi-gen Wohnungsbau noch mit einem Schall-schutz nach DIN 4109 bauen kann, ist mit JAzu beantworten,

    JA im Sinne der ffentlich-rechtlichen Anforde-rungen und

    JA mit Hinblick auf die Einhaltung der allge-mein anerkannten Regeln der Technik unterBercksichtigung der obigen Einschrnkungenbei der Trittschalldmmung von Wohnungs-trenndecken und Treppen.

    Die Anforderungen der DIN 4109 an die Luft-schalldmmung von Auenbauteilen sind alsresultierendes Schalldmm-Ma des Gesamt-auenbauteils (z. B. Auenwand mit Fenster) inAbhngigkeit vom Mageblichen Auenlrm-pegel festgelegt. Sie sind derzeit unstrittig undals allgemein anerkannte Regel der Technik an-zusehen.

    Die Anforderung der DIN 4109 an zulssigeBeurteilungspegel in schutzbedrftigen Ru-men

    Lr 35 dB(A) tags 6 bis 22 Uhr LAFmax 45 dB(A)

    Lr 25 dB(A) nachts 22 bis 6 Uhr LAFmax 35 dB(A)

    stimmen mit den Anforderungen der Techni-schen Anleitung zum Schutz gegen Lrm (TALrm) berein und gelten als anerkannte Regelder Technik.

  • Schutz gegen Luftschallbertragung

    Schwere einschalige Wnde blicher Dicken er-reichen auf Grund der Schallbertragung berflankierende Bauteile (durchlaufende Wnde undDecken) nicht sicher die zuvor genannte Schall-dmmung.

    Zweischalige Wnde mit vollstndiger und un-vollstndiger Trennung:

    Im Sinne dieses Merkblattes wird unter einer voll-stndigen Trennung das Errichten beider Wand-schalen mit schallbrckenfreier Trennfuge bis zumKellergeschossfundament verstanden. Bei dieserAusfhrung kann ab dem Erdgeschoss mit einerSchalldmmung R`w 62 dB gerechnet werden.Bei mangelfreier Ausfhrung und entsprechenderAuslegung der Wandschalen knnen auch we-sentlich hhere Werte erreicht werden.

    Wird ein Gebude nicht unterkellert, so ist von ei-ner unvollstndigen Trennung der zwei Wand-schalen auszugehen egal, ob das Fundamentgetrennt wird oder nicht. Eine unvollstndige Tren-nung liegt auch vor, wenn das Kellergeschoss auseiner durchlaufenden weien Wanne besteht. FrHaustrennwnde mit unvollstndiger Trennungkann nach derzeitigem Wissen und praktischenErfahrungen nicht davon ausgegangen werden,dass im Erdgeschoss R`w 62 dB sicher erreichtwird. In diesen Fllen kann von besonders un-gnstigen Fllen abgesehen in der Regel R`w 59 dB erreicht werden. Fr die Obergeschossenicht unterkellerter Gebude gelten die Ausfh-rungen wie beim Erdgeschoss unterkellerter Ge-bude mit vollstndiger Trennung.

    Hinweis: Die vorgenannten Schalldmm-Maeknnen auch mit anderen als den in Beiblatt 1 zuDIN 4109, Abschnitt 2.3 aufgefhrten Konstruktio-nen erreicht werden.Hinweise zu solchen Konstruktionen knnen z. B.den Verffentlichungen der Mitgliedsverbndeder DGfM entnommen werden.Ist ein rechnerischer Nachweis nach Beiblatt 1 frzweischalige Haustrennwnde aus homogenenMaterial mit einer flchenbezogenen Masse bis250 kg/m2 zu fhren, so kann unter Beachtung derbisherigen Messergebnisse und bestimmter kon-struktiver Rahmenbedingungen (Wanddicke, Fu-genbreite, flchenbezogene Masse) das Rechen-ergebnis bei vollstndiger Trennung um bis zu + 3dB erhht werden.

    Fr zweischalige Haustrennwnde mit vollstn-diger Trennung im o. g. Sinn kann eine Schall-dmmung R`w 62 dB ab Erdgeschoss, frzweischalige Wnde mit unvollstndiger Tren-nung R`w 59 dB im Erdgeschoss erwartetwerden. Diese Werte sind als allgemein aner-kannte Regel der Technik anzusehen.

    Einschalige Haustrennwnde knnen dahernur dort eingesetzt werden, wo sich aus dervorgegebenen Situation heraus die o. g. Anfor-derung der DIN 4109 als angemessen rechtfer-tigen lsst und dafr aufgrund einer gezieltenAufklrung eine ausreichende Akzeptanz be-steht. Wird von dieser Mglichkeit Gebrauchgemacht, mssen stets ergnzende vertragli-che Regelungen die ntige Klarheit zwischenden jeweiligen Vertragspartnern schaffen.

    Die Anforderung der DIN 4109 an Haustrenn-wnde

    erf. R`w = 57 dB

    wird ausgehend von der gegenwrtigen Er-wartungshaltung berwiegend nicht als zu-frieden stellend empfunden, obgleich sie deut-lich(4 dB) ber der vergleichbaren Anforde-rung im Mehrgeschossbau liegt. Nach den vor-liegenden Erfahrungen kann davon ausgegan-gen werden, dass bei Haustrennwnden mitR`w 62 dB im wesentlichen keine Beanstan-dungen mehr auftreten. Eine derartige Luft-schalldmmung ist heute in der Regel nur mitzweischaligen Konstruktionen sicher zu errei-chen.

    DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    6

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    7

    Schutz gegen Trittschallbertragung:

    Bei einschaligen Haustrennwnden sind zur Erfl-lung o. g. Anforderungen hochwertige schwim-mende Estriche unverzichtbar.

    Mit den in Doppel- und Reihenhusern hufig ver-wendeten leichten Montagetreppen kann der WertLn,w 46 dB bei elastischer Lagerung der Treppeeingehalten werden.

    Bei einschaligen Haustrennwnden und Verwen-dung leichter Montagetreppen lsst sich die An-forderungen von Ln,w 53 dB nicht sicher einhal-ten. Leichte Montagetreppen sollten daher nichtan einschaligen Haustrennwnden befestigt wer-den.

    Hinweis: Auch bei zweischaligen Haustrennwn-den kann die Montage von leichten Montagetrep-pen an der Haustrennwand zu schalltechnischenProblemen fhren. Es wird deshalb im Allgemei-nen davon abgeraten, leichte Montagetreppen anHaustrennwnden zu montieren.

    Installationsgerusche

    Im Gegensatz zum Luft- und Trittschall kennt dieDIN 4109 bei Geruschen der Wasserinstallatio-nen und von haustechnischen Anlagen keineUnterscheidung zwischen Mehrfamilienhusernund Doppel- und Reihenhusern. Auch in Doppel-und Reihenhusern betrgt der maximal zulssigeInstallationsgeruschpegel 30 dB(A). Sowohl beieinschaligen als auch bei zweischaligen Haus-trennwnden kann dieser Wert unproblematischeingehalten werden.

    Fazit

    2. Rechtliche Ausfhrungen

    2.1 Planungssicherheit bei Einhaltung derDIN 4109?

    Nachdem bereits im November 1989 die jetzt gl-tige DIN 4109 nach langem Ringen die bis da-hin geltende DIN 4109 aus dem Jahr 1962 abge-lst hatte, htte man denken knnen, die Diskus-sion um den Schallschutz sei damit in ein ruhige-res Fahrwasser gekommen. Dies war so jedochnicht zu beobachten. Hierfr gibt es sicherlichmehrere Grnde, z. B. auch die Tatsache, dass mitder VDI-Richtlinie 4100 im Jahr 1994 eine weitereauf den baulichen Schallschutz abstellende Verf-fentlichung geschaffen wurde. Ein weiterer Grundfr die nicht nachlassende Diskussion um das er-forderliche Schallschutzniveau waren sicherlichauch die Entscheidungen verschiedener Oberlan-desgerichte, die im Reihen- und Doppelhausbaudas Erfordernis einer zweischaligen Haustrenn-wand angenommen haben, damit die allgemeinanerkannten Regeln der Technik eingehalten sind(OLG Dsseldorf, BauR 1991, 752 ff.; OLG Stutt-gart, BauR 1996, 718 ff.; OLG Mnchen, BauR1999, 339 ff. sowie OLG Mnchen, IBR 2004, 197

    Als Haustrennwnde zwischen Doppel- undReihenhusern sollten zweischalige Konstruk-tionen verwendet werden. Fr die Luftschall-dmmung dieser Wnde kann bei vollstndigerTrennung der Wandschalen mit R`w 62 dB abdem Erdgeschoss gerechnet werden; bei un-vollstndiger Trennung ist im Erdgeschoss miteiner geringeren Schalldmmung von R`w 59dB zu rechnen.

    Einschalige Haustrennwnde knnen nur dannzum Einsatz kommen, wenn sie aus wirtschaft-lichen Grnden gefordert werden und sich ausder vorgegebenen Situation heraus die Anfor-derung der DIN 4109 mit Rw = 57 dB als ange-messen rechtfertigen lsst. Auf Grund einer ge-zielten Beratung ber Vor- und Nachteile dieserAusfhrung mssen eine ausreichende Akzep-tanz sowie ergnzende vertragliche Regelungzwischen allen am Bau Beteiligten getroffenwerden.

    Die Anforderungen der DIN 4109

    Ln,w 48 dB an Decken

    Ln,w 53 dB an Treppenlufe und Podeste

    sind in Doppel- und Reihenhusern mit zwei-schaligen Haustrennwnden und den blichenschwimmenden Estrichen problemlos zu errei-chen. Fr diese Konstruktionen ist Ln,w 46 dBals allgemein anerkannte Regel der Technik an-zusetzen.

  • ff.). Hierbei zieht das OLG Mnchen noch die wei-tere Konsequenz, dass hiervon ausgehend einLuftschalldmm-Ma von mindestens Rw = 62 dBund ein bewerteter Norm-Trittschallpegel der De-cken von Lnw =46 dB erreicht werden knne underreicht werden msse.

    Diese Urteile haben Unruhe im Kreis der Planerausgelst. Diese sehen sich zu Recht zu einertechnisch verlsslichen Planung nicht in der Lage,wenn sich aus der Einhaltung der Normvorgabeneine Planungssicherheit nicht mehr zwingend er-gibt.

    2.2 Gesetzliches Prfungssystem zur Feststel-lung der Mangelfreiheit Grundzge

    Zur Beurteilung der Frage, ob ein Bauwerk man-gelfrei erstellt ist, hat der Gesetzgeber ( 633 Abs.2 BGB) ein dreistufiges Konzept geschaffen, wo-bei die drei Prfungsstufen sozusagen kaskaden-artig hintereinander geschaltet sind (siehe BildNr. 1).

    Hufig ist in Bauvertrgen ergnzend die VOB/Bvereinbart. Deren 13 bernimmt die gesetzlicheDefinition der Mangelfreiheit im Wesentlichen,wenngleich dort, anders als es im BrgerlichenGesetzbuch (BGB) explizit ausgesprochen ist,dass das Werk um mangelfrei zu sein, den allge-

    mein anerkannten Regeln der Technik entspre-chen muss ( 13 Ziff. 1 VOB/B).

    2.3 Rechtsfolgen bei Vorliegen von Mngeln

    2.3.1 Liegt ein Mangel vor, sieht das Gesetz je-denfalls fr die Zeit nach Abnahme desWerkes (fr die Zeit vor der Abnahme derWerkleistung besteht der Erfllungsan-spruch, so dass der Besteller nicht die Mn-gelrechte nach 634 BGB geltend machenmuss, sondern alternativ dazu unmittelbarauf die Vorschriften der 280, 281, 323BGB zurckgreifen kann) die in 634 BGBgenannten und nachstehend aufgefhrtenMngelrechte vor:

    Der Bestellter kann eine angemesseneFrist zur Nacherfllung setzen und nachfruchtlosem Fristablauf den Mangel selbstbeseitigen bzw. beseitigen lassen und Er-satz der erforderlichen Aufwendungen,auch in Wege des Vorschusses verlan-gen.

    Der Besteller kann vom Vertrag zurcktre-ten oder die Vergtung mindern, wobeiauch hier regelmig eine vorangegan-gene und erfolglos gebliebene Fristset-zung zur Nacherfllung erforderlich ist.

    DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    8

    GESETZLICHES PRFUNGSSCHEMA

    DAS WERK IST FREI VON SACHMNGELN, WENN

    1. Prfungsstufe: die vereinbarte Beschaffenheit vorliegt

    d2. Prfungsstufe: die vertraglich vorausgesetzte Beschaffenheit vorliegt

    d3. Prfungsstufe: Eignung fr gewhnliche Verwendung vorliegt und

    die bei gleichartigen Werken bliche Beschaffenheit, die der Besteller nach Art des Werkes erwarten kann

    fehlt diese

    fehlt diese

    Bild 1: Gesetzliches Prfungsschema

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    9

    Der Besteller kann Schadensersatz oderAufwendungsersatz verlangen.

    Die Ansprche des Bestellers knnen sich je nachFallgestaltung gegen den Unternehmer odermehrere bzw. den planenden/objektberwa-chenden Architekten richten. In der Baupraxishufig vorkommend ist die Fallgestaltung, dasssowohl der Architekt als auch ein ausfhrendesUnternehmen fr einen Mangel verantwortlichsind.

    Zu beachten ist, dass die Ansprche des Bestel-lers mit Ausnahme des Schadensersatz- undAufwendungsersatzanspruches vom Gesetzge-ber verschuldensunabhngig ausgestaltet sind.Das heit, die Mngelrechte bestehen auch dann,wenn der Unternehmer oder Planer den Mangelverursacht hat, ohne dass gleichzeitig eineschuldhafte Verursachung vorliegen muss.

    Im Rahmen des Haftungssystems besteht aller-dings eine Besonderheit beim Architekten und In-genieur:

    Dessen Leistung bezieht sich nicht darauf, dasBauwerk selbst herzustellen, sondern auf die Er-stellung einer mangelfreien Planung sowie derAusschreibung und Objektberwachung etc.

    Ist das Bauwerk bei Feststellung des Mangels desArchitekten/Ingenieurs bereits erstellt, entfllt dasErfordernis, diesem eine Frist zur Nacherfllungzu setzen, denn dieser schuldet ja nicht die Erstel-lung des Bauwerks, folglich auch nicht die Man-gelbeseitigung am Bauwerk, sondern Plne, Aus-schreibung und Objektberwachung, derenNachholung zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehrzu Mangelfreiheit des Bauwerkes selbst fhrenknnte und deshalb von vornherein sinnlos wre.

    2.1.3 Bei Vereinbarung der VOB/B sieht deren 13 folgende Mngelrechte vor, wobei le-diglich das Recht auf Schadensersatz ver-schuldensabhngig ausgestaltet ist:

    2.1.3.1 Der Auftraggeber kann Nacherfllungverlangen.

    2.1.3.2 Der Auftraggeber kann Ersatzvornahmeverlangen, wenn die Mangelbeseitigungdurch den Auftragnehmer nicht innerhalbder gesetzten Frist erfolgt.

    2.1.3.3 Bei Unzumutbarkeit/Unmglichkeit oderunverhltnismig hohem Aufwand derMngelbeseitigung besteht ein Minde-rungsrecht hinsichtlich der Vergtung.

    2.1.3.4 Schadensersatz sieht 13 Nr. 7 VOB/Bnach sehr differenzierten Kriterien vor.Hervorzuheben ist im vorliegenden Zu-sammenhang, dass Schden an der bau-lichen Anlage und darber hinaus ge-hende Schden insbesondere dann zuersetzen sind, wenn der Mangel auf einenVersto gegen die allgemein anerkanntenRegeln der Technik beruht oder die ver-einbarte Beschaffenheit nicht gegebenist.

    2.4 Prfungsstufe 1 Beschaffenheitsvereinba-rungen und Nachteile bei deren Fehlen

    Wie aus Bild 1 ersichtlich, hat es der Gesetzgebervorrangig den Vertragsparteien in die Hand gege-ben, die Definition der Mangelfreiheit eines Bau-werkes durch entsprechende Beschaffenheitsver-einbarungen ber Art und Qualitt des Werkes zusteuern.

    2.4.1 Beschaffenheitsvereinbarungen im Bereichdes Schallschutzes knnen darin bestehen,dass die Einhaltung bestimmter Zahlen-werte (Dezibel) vereinbart wird.

    Beschaffenheitsvereinbarungen knnensich auch durch die Vereinbarung konkreterBauweisen (Konstruktion, Material etc.) er-geben.

    Beispiele:(1) Es wird zwischen Bauherr und Bautrger ver-

    einbart, dass die Trennwand eines Doppel-hauses ein Schalldmm-Ma von Rw = 64 dBaufweisen muss. Es reicht in diesem Fall, un-abhngig davon, ob einer der Werte die allge-mein anerkannten Regeln der Technik wieder-

  • gibt, nicht aus, den Wert aus DIN 4109 (1989,Tabelle 3) zu erreichen.

    (2) Vereinbaren Bauherr und Bautrger zwarkeine Dezibelwerte hinsichtlich des Luftschall-dmmung der im Beispiel (1) genannten Dop-pelhaustrennwand, aber einen Trennwandauf-bau, der hinsichtlich Material, Wandstrken,Trennfugenbreite und Dmm-Material einenLuftschalldmm-Wert von 64 dB erwartenlsst, muss dieser Wert erreicht sein. Auchhier reicht es nicht aus unabhngig davon,ob es sich um allgemein anerkannte Regelnder Technik handelt oder nicht die im Bei-spiel (1) genannten Tabellenwerte der DIN4109 zu erreichen.

    2.4.2. Darber hinaus ist zu beachten, dass Be-schaffenheitsvereinbarungen zum Schall-schutz zwar ausdrcklich vereinbart wer-den knnen, es aber auch denkbar ist, dasssolche Vereinbarungen konkludent (d. h.durch ein schlssiges Verhalten, aus demdurch das Gericht auf einen bestimmtenRechtsfolgewillen geschlussfolgert wird) er-geben knnen. Insofern ist die Formulie-rung in DIN 4109, Beiblatt 2, Ziff. 3.2 und3.3 unzutreffend, wenn dort fr die Verein-barung eines geschuldeten erhhtenSchallschutzes oder fr einen im eigenenBereich geschuldeten Schallschutz eineausdrckliche Vereinbarung zwischen denVertragsparteien gefordert wird. Denn ne-ben der ausdrcklichen Vereinbarung ent-faltet auch die konkludente VereinbarungRechtswirksamkeit. Beiblatt 2 zur DIN 4109ist nicht in der Lage, diesem Rechtsgrund-satz auer Kraft zu setzen. Die Vereinba-rung eines konkludenten erhhten Schall-schutzes kann sich z. B. daraus ergeben,dass sich aus den vertraglichen Unterlagenund/oder Prospekten, Inseraten, Expossetc. ergibt, dass es sich um eine Komfort-wohnung handelt.

    2.5 Prfungsstufe 2 vertraglich vorausgesetzterVerwendungszweck

    Haben es die Parteien allerdings versumt Be-schaffenheitsvereinbarungen zu treffen oder er-

    weist sich in der Praxis ein hufiger Fall die vonden Parteien getroffene Vereinbarung bei nhe-rem Hinsehen hinsichtlich verschiedener Detailsals lckenhaft oder unvollstndig, so hilft naturge-m die Prfungsstufe vereinbarte Beschaffen-heit nicht weiter.

    Beispiel: Angenommen, es haben die Vertrags-parteien bei der Erstellung eines Krankenhausesbezglich der einzubauenden Tren lediglich ver-einbart Buche hell, so fehlt es an einer Vereinba-rung unter anderem ber das einzuhaltendeSchallschutzniveau und auch ber die erforderli-che Breite der Tren.

    In einem solchen Fall stellt der Gesetzgeber Pr-fungsstufe II (siehe Bild Nr. 1) zur Verfgung:

    Mangelfreiheit liegt dann vor, wenn die Verwen-dungseignung fr den nach dem Vertrag voraus-gesetzten Zweck gegeben ist.

    Beispiel: Bezogen auf den eben genannten Bei-spielsfall wren z. B. die Tren nach dem Verwen-dungszweck in einer Mindestbreite auszufhren,die es zulsst, Krankenbetten durchzuschieben.

    2.6 Prfungsstufe 3 Einzuhaltendes Schall-schutzniveau bei fehlender Beschaffenheits-vereinbarung

    Wie oben unter Ziff. 2.5 dargestellt ist bei fehlen-der Beschaffenheit zunchst nach dem vertrag-lich vorausgesetzten Verwendungszweck zu fra-gen. Nicht immer hilft allerdings die Frage nachdem Verwendungszweck weiter. Steht beispiels-weise fest, dass die Sanierung eines Altbaus zumZwecke der spteren Nutzung als Bro- und Ge-werberaum erfolgen soll, lsst dies im Rahmendieser Nutzungsdefinition eine erhebliche Band-breite ganz unterschiedlicher Nutzung mit derKonsequenz unterschiedlicher Anforderungen andie Baukonstruktion und auch z. B. an den Schall-schutz zu.

    Wenn also der Verwendungszweck derart weit ge-fasst ist (oder im Werkvertragsrecht allerdingseher selten vorkommend ein Verwendungs-zweck sich nicht feststellen lsst) muss zur dritten

    DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    10

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    11

    Prfungsstufe (siehe oben Bild 1) bergegangenwerden. In dieser Stufe legt der Gesetzgeber fest,dass das Werk, um mangelfrei zu sein, sich fr diegewhnliche Verwendung eignen und eine Be-schaffenheit aufweisen muss, die bei Werkengleicher Art blich ist und die der Bauherr nachder Art des Werkes auch erwarten kann. Ge-whnlich nennt man eine Verwendung, die nachder Verkehrsanschauung unter Bercksichtigungder rtlichen Gegebenheiten und der durch-schnittlichen Lebensverhltnisse vorgenommenwird. Das Werk muss aber nach dem Gesetzestextnicht nur zur gewhnlichen Verwendung geeignetsein, sondern es muss eine Beschaffenheit auf-weisen, die bei Werken der gleichen Art blich istund die der Besteller nach der Art des Werkes er-warten kann. Dies wiederum setzt voraus, dassdas Werk zunchst einem durch gemeinschaftli-che Merkmale vergleichbaren Bauwerk zugeord-net wird.

    2.7 Ergnzungen des Prfungsschemas undEinbeziehung der allgemein anerkannten Re-geln der Technik Rechtsprechung

    In der ersten Prfungsstufe, der Beschaffenheits-vereinbarung, kommt der subjektive Mangelbe-griff zum Tragen. Grundstzlich (mit zwei nachste-hend erluterten Ergnzungen) ist entscheidend,ob das Werk am Ende den gemeinsamen Verein-barungen und damit auch Vorstellungen der Par-teien entspricht. Auch in der zweiten Prfungs-stufe, bei der die vertraglich vorausgesetzte Ver-wendung eine tragende Rolle spielt, sind eben-falls subjektiv geuerte Absichten der Vertrags-parteien magebend.

    Die Ermittlung des so von den Parteien Gewolltenist so in der Praxis allerdings hufig schwierig.

    Leistungsbeschreibungen sind oftmals unklar,nicht transparent, widersprchlich und lckenhaft.Die Rechtsprechung ergnzt deshalb die vertrag-lichen Vereinbarungen nach folgenden Kriterien:

    (1) Zum einen gehrt es zur grundlegenden Defi-nition des Bauvertrages, dass der mit derLeistung bezweckte Erfolg auch tatschlicheintritt. Ungeachtet dessen, was sich aus denvertraglichen Regelungen deshalb herausle-sen lsst, schuldet der Auftragnehmer nachder Rechtsprechung ein nach den Vertrags-umstnden zweckentsprechendes, funktions-taugliches Werk (vgl. z. B. BGH, ZfBR 1999,14 ff.; dort waren hinsichtlich der Herstellungvon Decken und Bden bei einem erneuerten(entkernten) Gebude konkrete Materialienvorgegeben, mit denen aber der notwendigeSchallschutz nicht erreicht werden konnte.Das so hergestellte Werk hat der BGH alsmangelhaft angesehen und den Auftragneh-mer zu Zusatzarbeiten verpflichtet, unbescha-det der Frage, ob fr diese Zusatzarbeiten ge-gebenenfalls eine gesonderte Vergtung zugewhren ist).

    (2) Im Weiteren geht die Rechtsprechung (vgl.z. B. BGH, BauR 1998, 872 ff.), die auch nachder Schuldrechtsreform anzuwenden ist (vgl.Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Mo-dernisierung des Schuldrechts mit Begrn-dung, zitiert nach BR-Drucksache, 338/01vom 11.05.2001, dort S. 616) davon aus, dassTeil der Vertragserklrung die stillschwei-gende Zusicherung der Einhaltung der allge-mein anerkannten Regeln der Technik durchden Auftragnehmer ist .1

    (3) Hufig wird eine Beschaffenheitsvereinbarungdadurch getroffen, dass eine bestimmte Kon-struktion vereinbart wird. Im diesem Fall sagtder Bundesgerichtshof (BGH, BauR 1998,872 ff.) ausdrcklich, dass dann auch dieSchalldmm-Mae erreicht werde mssen, diebei sorgfltiger Ausfhrung der vereinbartenKonstruktion erreicht werden knnen. Immerwieder wird von Bauschaffenden in diesemZusammenhang die Frage gestellt, ob es ver-traglich mglich ist, Vereinbarungen zumSchallschutzniveau zu treffen, dessen Level

    1 Mit Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Tech-nik ist das Werk in der Regel auch funktionstauglich. Es gibtjedoch Flle, in denen zwar die allgemein anerkannten Re-geln der Technik eingehalten sind und dennoch das Werknicht funktionstauglich ist, beispielsweise weil die allgemeinanerkannten Regeln der Technik falsch sind. Dann fhrt dieEinhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Techniknicht zur Mangelfreiheit, sondern die Einhaltung der allge-mein anerkannten Regeln der Technik ist dann dem Erforder-nis der Funktionstauglichkeit untergeordnet (vgl. z. B. BGH,BauR 1995, 230 ff).

  • unterhalb der Werte liegt, die nach den allge-mein anerkannten Regeln der Technik einzu-halten wren. Dies ist vertragsrechtlich aller-dings allenfalls dann zulssig, wenn der Ver-tragspartner nach genauer Aufklrung sichauf eine solche Bauweise einlsst (vgl. OLGNaumburg, BauR 2000, 274 ff. sowieKniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts,2. Aufl., 6. Teil, Rdn. 29).

    (4) In der juristischen Literatur (vgl. z. B. Kniffka,Ibr-online-Kommentar Bauvertragsrecht, Stand03.03.2005, 633 BGB, Rdn. 19; Funke, Kurz-darstellung der beabsichtigten nderungendes Werkvertragsrecht im Rahmen der Schuld-rechtsmodernisierung in der vom Bundestagam 11.10.2001 beschlossenen Fassung, Jahr-buch BauR 2002, 217; Mnchener Kommentar Busche, 4. Aufl., 633 BGB, Rdn. 30) wirddurchweg festgestellt, dass es im RahmenWerkvertragsrechts ausgesprochen schwierigist, eine bliche Beschaffenheit ausfindig zumachen, denn anders als im Rahmen einesKaufvertrages geht es nicht darum, eine vonvielen gleichartigen Sachen (z. B. 1 Exemplareines bestimmten Romans) zu erwerben, son-dern einen erst noch individuell herzustellen-den Gegenstand zu definieren.

    Gerade auch in Zusammenhang mit der Fest-stellung der Eignung zur gewhnlichen Ver-wendung und der Feststellung dessen, wasder Besteller nicht zuletzt auch im Bereich desSchallschutzes erwarten darf, also im Zu-sammenhang mit der Prfungsstufe 3, stelltder BGH in seiner Entscheidung vom14.05.1998 (BauR 1998, 872) fest, dass dieallgemein anerkannten Regeln der Technikeine bedeutende Rolle spielen. Der Begriff ist

    deshalb nachstehend unter Ziff. 2.8 nher zuuntersuchen. Wie die allgemein anerkanntenRegeln der Technik in dem doch sehr komple-xen Bereich des Schallschutzes Hilfestellunggeben knnen wird dann unter Ziff. 2.9 ff. nochgenauer betrachtet.

    2.8 Bedeutung der allgemein anerkanntenRegeln der Technik zu DIN-Normen und an-deren Normen

    Wie oben unter Ziff. 2.7 dargestellt sind nach derRechtsprechung fr die Prfung der Mangelfrei-heit die allgemein anerkannten Regeln der Tech-nik von Bedeutung.

    Nach der Rechtsprechung sind allgemein aner-kannte Regeln der Technik oder vorliegend derBaukunst dadurch erfllt, dass sich eine Regelwissenschaftlich als richtig und unanfechtbar dar-stellt und darber hinaus auch in der Praxis allge-mein anerkannt, d. h. durchweg in den betreffen-den technischen Kreisen bekannt und als richtiganerkannt ist (siehe unten Bild Nr. 2).

    Hufig sind allgemein anerkannte Regeln derTechnik in Normen, insbesondere DIN-Normenniedergelegt. Anerkannte Regeln der Technikmssen aber nach der oben genannten Definitionnicht zwingend schriftlich fixiert sein und knnensich deshalb auch lautlos von den Normen weg-entwickeln, insbesondere ber die Normen hi-nausgehen (sowie andererseits auch eine insbe-sondere neue DIN-Norm unter Umstnden berdas Niveau der allgemein anerkannten Regeln derTechnik hinausgehen kann). Darber hinaus ist zubeachten, dass es allgemein anerkannte Regelnder Technik regelmig im Bauwesen auch fr sol-

    DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    12

    Bauregeln, die sich als und Regeln, die in der Praxistheoretisch richtig erwiesen anerkannt sind und angewendethaben werden

    Bild 2: Allgemein anerkannte Regeln der Technik Definition

    Allgemein anerkannte Regeln der Technik

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    13

    che Bereiche gibt, in denen sich die Normen, ins-besondere DIN-Normen ausschweigen, d. h. L-cken aufweisen (siehe unten Bild Nr. 3).

    Das bedeutet:

    DIN-Normen und allgemein anerkannte Re-geln der Technik sind also keineswegs immerzwingend identisch.

    Aus der Tatsache, dass ein technischer Sach-verhalt nicht in einer Norm niedergelegt ist,kann nicht zwingend der Schluss gezogenwerden, dass es diesbezglich auch keine all-gemein anerkannten Regeln der Technik gibt.

    Vertragsrechtlich entscheidend ist nach derRechtsprechung immer die zum Zeitpunkt der Ab-nahme des Bauwerkes gltige allgemein aner-kannte Regel der Technik. DIN-Normen wiederumsind unbeschadet der Beweisvermutung, dassbei Einhaltung der DIN-Norm auch die allgemeinanerkannten Regeln der Technik eingehalten sind(Identittsvermutung) lediglich private techni-sche Empfehlungen (BGH a.a.O.) und deshalbnur und nur so lange vertragsrechtlich relevant,wie sie die allgemein anerkannten Regeln derTechnik wiedergeben.

    Ebenfalls ist es vertragsrechtlich nicht erheblich,ob die jeweilige Norm bauaufsichtsrechtlich ein-gefhrt ist. Ist dies der Fall, ist sie selbstverstnd-lich als notwendige Bedingung zur Erstellung ei-nes genehmigungsfhigen Bauwerkes einzuhal-ten. Hinreichend im vertragsrechtlichen Sinne istdie Einhaltung der bauaufsichtsrechtlichen Norm

    aber nur dann und nur so lange, wie sie auch demNiveau der allgemein anerkannten Regeln derTechnik entspricht. Gehen diese allgemein aner-kannten Regeln der Technik in ihrem Niveau berdie bauaufsichtsrechtlich eingefhrten Normenhinaus, bleiben vertragsrechtlich also trotzdemdie allgemein anerkannten Regeln der Technikmageblich.

    2.9 Anerkannte Regeln der Technik im Mehr-familienhausbau einerseits und Doppel-/ Rei-henhausbau anderseits

    Soweit es um allgemein anerkannte Regeln derTechnik geht, z. B. mit welcher Art Schrauben undwelcher Schraubenlnge eine Wellblechfassadeam Gebude zu befestigen ist und hnliches, sindallgemein anerkannte Regeln der Technik meis-tens recht einfach und eindeutig zu definieren. Siefhren ohne grere Probleme dann auch bei derBeantwortung der Frage (siehe oben Ziff. 2.6, Pr-fungsstufe III), ob das Ergebnis, das bei Anwen-dung der allgemein anerkannten Regeln der Tech-nik entsteht, fr die gewhnliche Verwendung ge-eignet ist und eine Beschaffenheit aufweist, diebei Werken der gleichen Art blich ist und die derBesteller nach der Art des Werkes erwarten kann,zu klaren und eindeutigen Ergebnissen.

    Jedes Bauvorhaben weist jedoch noch weitereMerkmale auf, z. B. gestalterische, wirtschaftlicheoder auch durch das vorgesehene Bauziel (Mehr-familienhaus oder Doppelhaus oder Reihenhaus)bedingte. Befassen sich Normen und/oder allge-mein anerkannten Regeln der Technik mit solchen

    Allgemein anerkannte Regeln in der Technik (aRdT)

    Mssen nicht schriftlich fixiert sein!

    Mssen nicht durch ffentlich-rechtlichen Erlass anerkannt sein!

    Sind nicht immer identisch mit DIN-Normen und VDI-Richtlinien

    DIN veraltet (zu niedrig) b aRdT hhere WerteDIN prescht voraus (zu hoch) b aRdT (noch) niedrigere WerteDIN hat Lcken b ausgefllt durch aRdT

    Bild 3: Allgemein anerkannte Regeln der Technik Herleitung

  • Elementen, hat deren Verzahnung mit dem Wort-laut des 633 Abs. 2 Nr. 2 BGB (gewhnlicheVerwendung, bei Werken gleicher Art blich,die der Besteller nach Art des Werkes erwartenkann Prfungsstufe III) dieser Situation Rech-nung zu tragen. Es lsst sich hier auch aus demWortlaut der soeben zitierten gesetzlichen Vor-schrift heraus sagen, dass es mglich sein muss,fr solche unterschiedlichen Bauziele auch unter-schiedliche Regeln der Technik auszubilden unddamit unterschiedlichen tatschlichen techni-schen Gegebenheiten gerecht zu werden. Im Be-reich des Schallschutzes erkennt DIN 4109 durch-aus auch richtigerweise unterschiedliche techni-sche Gegebenheiten und differenziert folgerichtigauch zwischen Schallschutz in Geschosshusernund Schallschutz bei Doppel- und Reihenhusern.

    Greift man sich beispielhaft den Bereich der Dop-pel- und Reihenhuser und dort die Haustrenn-wnde heraus, mndet hier die DIN 4109 aller-dings eindimensional in ein einzelnes Ergebnis,indem dort eine einheitliche Dezibelzahl fr alleBauweisen angegeben ist. Bauweise in diesemZusammenhang ist so zu verstehen, dass eineBauweise die unterkellerten Gebude sind, dieandere Bauweise die nicht unterkellerten Ge-bude.

    Eine solche eindimensionale Sichtweise, wie sie inoben beschriebener Weise DIN 4109 inne hat,wrde der Begriffsdefinition der allgemein aner-kannten Regeln der Technik und auch dem obenskizzierten Gesetzeswortlaut bei Doppel- und Rei-henhusern nur dann gerecht, wenn auch dietechnischen Gegebenheiten derart eindimensio-nal wren und somit in der DIN-Norm richtigwidergespiegelt wrden. Ist dies jedoch nicht derFall, wie oben unter Ziff. 1.2 dargestellt, so ist esangezeigt, den Begriff der allgemein anerkanntenRegeln der Technik von den reinen Dezibelzahlenzu lsen und im notwendigen Umfang mit den ver-schiedenen Bauzielen in Verbindung zu bringen.Es darf dann nicht verleugnet werden, dass nichtbei jeder Bauweise technisch das gleiche Schall-schutzziel erreichbar ist.

    So ist es, wie oben unter Ziff. 1.2 dargestellt, Tat-sache, dass es im Reihenhaus- und Doppelhaus-bau solche gibt, die unterkellert sind und andere,

    die dies nicht sind. Dass diese unterschiedlichenBauweisen zum einen beide weit verbreitet sindund zum anderen in technischer Hinsicht in Bezugauf die erreichbare Schalldmmung unterschiedli-che Ergebnisse nach sich ziehen, liegt auf derHand.

    2.10 Kritische Bewertung der Rechtsprechungzu den bei Doppel- und Reihenhusern ein-zuhaltenden allgemein anerkannten Regelnder Technik im Bereich des Schallschutzes

    Der in Ziff. 2.9 aufgegriffenen und in Ziff. 1.2 dar-gestellten technischen Tatsache trgt die verf-fentlichte Rechtsprechung zum Schallschutz zwi-schen Reihen- und Doppelhusern nicht in ausrei-chendem Mae Rechnung.

    Bezglich der DIN 4109 aus dem Jahre 1989 gibtes verschiedene Gerichtsentscheidungen (OLGDsseldorf, Urteil vom 24.05.1991, BauR 1991,752; OLG Stuttgart, Urteil vom 22.11.1995, BauR1996, 718; OLG Mnchen, Urteil vom 03.02.1998,BauR 1999, 399 Nichtannahmebeschluss desBGH vom 22.10.1998, sowie Urteil OLG Mnchenvom 28.05.2003, IBR 2004, 197 ff.), die abwei-chend von der DIN 4109 lediglich zweischaligeHaustrennwnde als den allgemein anerkanntenRegeln der Technik entsprechend ansehen.

    Dies ist im Hinblick auf den derzeitigen Stand derallgemein anerkannten Regeln der Technik (sieheoben Ziff. 1.2) in Ordnung. Einschalige Wndeknnen jedenfalls ohne umfassende Aufklrungdes jeweiligen Vertragspartners darber, dassentgegen den allgemein anerkannten Regeln derTechnik geplant und/oder gebaut wird und denUmfang, den die Verschlechterung des Schall-schutzes voraussichtlich aufweisen wird, nicht inBetracht kommen.

    Der Erwerber eines nicht unterkellerten Reihen-hauses, das entsprechend den allgemein aner-kannten Regeln der Technik gebaut ist, kannfolglich nicht erwarten, dass dort im Erdge-schoss dieselben Dezibelwerte gemessenwerden knnen, wie bei einem unterkellertenGebude.

    DGfM Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109

    14

  • Merkblatt zum Schallschutz nach DIN 4109 DGfM

    15

    Die oben zitierte Entscheidung des OLG Dssel-dorf fhrt aus, dass einschalige Trennwnde einehandwerkliche Przision erfordern, die in der Pra-xis schwer zu erreichen sei und deshalb die zwei-schalige Bauweise blich geworden sei. Das OLGStuttgart a.a.O. fhrt fr einen 1991 erstellten Bauaus, dass die Zweischaligkeit den anerkanntenRegeln der Technik entspreche. Eine nhere Be-grndung bietet weder das OLG Dsseldorf zumBegriff der blichkeit in seiner Entscheidung,noch das OLG Stuttgart zu der Frage weshalb dieZweischaligkeit allgemein anerkannten Regelnder Technik sei. Auch das OLG Mnchen vom03.02.1998 stellte lediglich unter Bezugnahmeauf die oben genannte Stuttgarter und Dsseldor-fer Entscheidung fest, die zweischalige Haus-trennwand allgemein anerkannten Regeln derTechnik sei. Dies besttigt die weitere Entschei-dung des OLG Mnchen vom 28.05.2003, wobeidie Mnchener Entscheidungen insofern ber dieanderen beiden Entscheidungen hinausgehen,als sie es nicht fr ausreichend ansehen mit derzweischaligen Haustrennwand die Normwerte derDIN 4109 zu erreichen, sondern ausdrcken, dassbei zweischaliger Ausfhrung ein Luftschall-dmm-Ma von Rw = 62 dB bzw. ein Trittschallpe-gel von hchsten Ln,w = 46 dB erreicht werdenknne und msse. Auch in diesen Entscheidun-gen wird allerdings der Begriff der blichkeitbzw. der der allgemein anerkannten Regeln derTechnik nicht weiter hinterfragt und es werdenauch unterschiedliche Bauweisen nmlich dasunterkellerte und das nicht unterkellerte Reihen-bzw. Doppelhaus nicht thematisiert.

    Gerade deshalb drften die Urteile jedoch nach-dem es das Reihenhaus nun einmal nicht gibt,die Urteile aber andererseits zwischen unterkellertund nicht unterkellert nicht weiter differenzieren fr Entscheidungen in knftigen Fllen kaum alsmageblich herangezogen werden.

    Denn richtigerweise muss bercksichtigt werden,dass der Schallschutz zu den Leistungsmerkma-len gehrt, die nicht ohne Betrachtung der Bau-weise bestimmt werden knnen. Um den techni-schen Festlegungen der allgemein anerkanntenRegeln der Technik ebenso gerecht zu werden wieauch den in 633 Abs. 2 Nr. 2 BGB verwendetenBegriffen der Eignung fr die gewhnliche Ver-

    wendung und in Erwartungen, die der Bestellerobjektiv haben darf, wird man nun einmal zwi-schen unterkellerten und nicht unterkellerten Dop-pel-Reihenhusern unterscheiden mssen. Dieserbauzielbedingten Differenzierung trgt Kapitel 1des vorliegenden Merkblattes Rechnung.

    3. Verzeichnisse

    3.1 Autorenverzeichnis zum DGfM-Merkblatt

    Prambel zum DGfM-Merkblatt> Dr. sc. techn. Ronald Rast

    Kapitel 1: Baulicher Schallschutz im Rahmen derDIN 4109> DGfM-Projektgruppe Schallschutz

    Kapitel 2: Rechtliche Ausfhrungen zum bau-lichen Schallschutz> RA Susanne Locher-Weiss

    3.2 Literaturverzeichnis

    [1] Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise:DIN 4109: 1989-11

    [2] Merkblatt und Fachinformation Schallschutz; herausge-geben vom Zentralverband Sanitr Heizung Klima, SanktAugustin, Best. Nr. T 67

    Als Fazit bleibt zu hoffen, dass die Rechtspre-chung zuknftig im Bereich von Doppel- undReihenhusern den hinter dem Begriff der all-gemein anerkannten Regeln der Technik ste-henden technischen Gegebenheiten Rech-nung trgt und sich vergegenwrtig, dass esdas Reihen-/Doppelhaus nicht gibt, sonderntypischerweise unterschieden werden musszwischen unterkellerten und nicht unterkeller-ten Gebuden und den damit unterschiedlicherreichbaren Schallschutz im Erdgeschoss.

  • Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e. V.Schaumburg-Lippe-Strae 4 53113 Bonn

    ZIEGEL Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V.Schaumburg-Lippe-Strae 4 53113 Bonn

    KS Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V.Entenfangweg 15 30419 Hannover

    LB Fachvereinigung Leichtbeton e. V.Postfach 27 55 56517Neuwied

    PB Bundesverband Porenbeton e. V.Entenfangweg 15 30419 Hannover

    Deutsche Gesellschaft fr Mauerwerksbau e. V.Kochstrae 6710969 BerlinTel. 030 25359640Fax 030 25359645

    Berlin, den 30. Juni 2006

    Die DGfM e. V. als Dachverband der mauersteinherstellenden IndustrieDeutschlands vertritt ber ihre ordentlichen Mitgliedsverbnde mehr als225 Unternehmen mit 10.000 Beschftigten, die in allen BundeslndernDeutschlands einen Umsatz von mehr als 1,1 Mrd. EURO erwirtschaften.

    An diesem Merkblatt haben die von folgenden Mitgliedsverbnde der DGfM e. V. mitgearbeitet:

    DGfM