Stadt Land Fluss Der Neckar

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  • Stadt Land Fluss

    Der Neckar mal Bach, mal Mississippi Innovationen in Serie Unternehmen in der Region

  • Der Landkreis in seinen Facetten

  • 3Landkreis Esslingen

    Liebe Leserin,lieber Leser,

    ein Landkreis ist immer mehr als die Summe seiner Stdte und Gemeinden. Deshalb ist es nie leicht, dem Geist einer Region auf die Spur zu kommen. Ist es in unserem Landkreis Esslingen vielleicht der sprichwrtliche schwbische Flei?

    Sicher, hier haben viele innovative Unter-nehmen ihren Sitz. Ferner liegen sowohl die Landesmesse als auch der Landes-fl ughafen im Landkreis. Und doch ist er weit mehr als ein kerngesunder Wirt-schaftsstandort. Er ist zudem Kulturland-schaft und birgt Schtze, die Jahrmillionen alt sind. In seinen Stdten treffen Fach-werkromantik und zukunftsweisende Architektur aufeinander. Seine Menschen sind tchtig, aber sie verstehen auch zu leben und zu feiern.

    Entdecken Sie auf den folgenden Seiten das vielfltige Leben links und rechts des Neckars. Sie werden einen ebenso boden-stndigen wie weltoffenen Landstrich kennenlernen.

    LandratHeinz Eininger

    Editorial

    Inhalt

    Geschichten aus dem Landkreis 4 Streifl ichter

    Lebensader Neckar 6 mal Bach, mal Mississippi

    Wohnen im Landkreis 14 zwischen Balken und Beton

    Peter Hrtling 16 eine Bubengeschichte in Nrtingen

    Stipendiaten im Kulturpark Dettinger 17 Kreative auf dem Sprung

    Der Landkreis Esslingen im berblick 18 erstaunlich grn und gut beschftigt

    Innovative Unternehmen 20 mit dem richtigen Riecher

    Bildung und Ausbildung 24 bestens aufgestellt

    Vier Interviews 26 abgehoben und bodenstndig

    Lebensart auf Schwbisch 28 gut zu genieen

    Regionale Gastlichkeit 30 feste feiern

    Menschen im Landkreis 32 Kpfe

  • 4 Landkreis Esslingen

    Das Wunder von Echterdingen Am Anfang stand die Katastrophe: Am 5. August 1908 riss sich der LZ 4, das vierte Luftschiff des Grafen Ferdinand von Zeppelin, whrend eines Gewitters auf den Fildern aus seiner Verankerung und ging in Flammen auf. Doch die Ha-varie sollte zum Glcksfall werden fr den Grafen und die Luftfahrt. Weltweit berichteten Zeitungen und Radiosender ber den Unfall. In Deutschland spen-deten Brger, die von der fl iegenden Zigarre begeistert waren, insgesamt sechs Millionen Reichsmark. Gengend Startkapital, um einen Luftschiffkonzern zu grnden. Der Tag von Echterdingen ging als Startschuss fr die ra des Zep-pelins in die Luftfahrtgeschichte ein. www.leinfelden-echterdingen.de

    Mann mit Bart Man knnte sagen, die Geschichte von Jrgen Burkhardt aus Leinfelden-Echterdingen hat einen Bart. Er trgt sein Markenzeichen stets im Gesicht: Einen riesigen kaiserlichen Schnurr- und Backenbart, dessen Spitzen er mal ausladend wie Antennen zwirbelt, mal klassisch eindreht. Passend dazu packt Jrgen Burkhardt fr einen seiner vielen TV-Auftritte auch gern mal die Kaiser-Wilhelm-Uniform aus. So gestylt errang er den ersten Preis bei der Bart-Olympiade in Leogang-Saalfelden in sterreich. Vom Brtle zum Meisterbart ist es ein langer Weg, wei der Prsident des Barttrgerver-eins Belle Moustache. Dafr muss man die Rasierklinge beiseite legen und sich mit Bartwichse, Haarlack und Kamm anfreunden. Und dann braucht man Geduld. www.bartweltmeister.de

    Zwei auf einem Rad

    Zwei Frauen fahren auf einem Fahrrad zum Weltruhm. Wie das geht? Ganz einfach. Zuerst setzt sich Carla auf den Fahrradlenker. Dann setzt sich ihre Schwester Henriette auf ihre Schultern. Whrend sich Henriette nun langsam aufrichtet, um auf den Schultern zu stehen, fhrt Carla nur noch auf dem Hinterrad. Beide fahren rckwrts, dann vorwrts und schlielich im Kreis. Mit dieser Kr begeisterten die Geschwister Hochdorfer nicht nur die Richter bei den Europameisterschaf-ten. Die Athletinnen des Radsportver-eins Wendlingen schafften es damit sogar ins Guiness Buch der Rekorde.www.rsv-wendlingen.de

    Smart und umweltfreundlich so sollte das Auto der Zukunft sein, fi ndet Ingenieur Christian Wilk. Zusammen mit seinem Team an der Hochschule Esslingen verwandelte er einen herkmmlichen Kleinwagen in den Hydro-Smart. Der Verbrennungsmotor fl og raus, dafr kam ein Elektromotor unter die Haube. Das Problem der schadstoffarmen Technik: Nach kurzen Strecken mssen die Elektro-autos wieder an die Steckdose. Um die Reichweite des Wagens zu vergrern, entwickelte das Esslinger Team eine Brennstoffzelle, die sich aus Wasserstoff speist. Sie ldt die Batterien whrend der Fahrt permanent auf. Der Lohn fr den Tftlergeist: Bei der weltweit bedeutends-ten ko-Rallye Challenge Bibendum in Rio de Janeiro holte der smarte Wagen zahlreiche Siege.www.hs-esslingen.de

    Streifl ichter

  • 5Landkreis Esslingen

    Fit in Orange Frher nannte man es Bodybuilding, und es war fr muskelbepackte Menschen bestimmt, die seltsame Drinks zu sich nahmen. Heute ist der Besuch des Fitnessstudios lngst eine Frage der Gesundheit. Besonders im Vitalcenter Ruit, Fitnessstudio fr je-dermann und Rehabilitationszentrum in einem. Reha geht hier anders: Patien-ten, die vor einer greren Operation stehen, werden im Vitalcenter, das direkt an das Kreiskrankenhaus ange-schlossen ist, schon vor dem Eingriff fi t gemacht. Drei Mediziner stehen mit Rat und Tat zur Seite. Fr Gehbehinder-te gibt es sogar einen Fahrservice. www.vitalcenter-ruit.de

    Altes Gemse Was wre die schwbische Kche ohne Linsen mit Sptzle? Zum besonderen Genuss wird das Nationalgericht mit der Alblinse, einer traditionellen Sorte, die jedoch fast vergessen war, bis sich zwei Pfl anzenforscher auf die Suche nach den letzten verbliebenen Samen machten. Fndig wurden sie in Russ-land. In der Genbank des Wawilow-Instituts in St. Petersburg entdeckten sie die letzten Exemplare der Alblinse und brachten sie zurck, um sie wieder zu vermehren. Die Kulinarikbewegung Slow Food hat die seltene Sorte inzwischen in ihre Arche des Ge-schmacks aufgenommen.www.slowfood.de

    Gute Karten Fr andere Museen zhlt nur das volle Haus, im Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen wird eher das Full House geschtzt. Ob fr Poker, Skat oder Tarot, das stdtische Muse-um zeigt eine einzigartige Sammlung von ber einer halben Million Spiel-karten aus sieben Jahrhunderten und von allen Kontinenten. Das Kartenspiel als Spiegel der Gesellschaft wird hier systematisch erforscht. Besucher be-kommen zudem in wechselnden Aus-stellungen immer wieder Kunstwerke aus der Welt der Karten zu sehen, wie etwa die Originalentwrfe der franz-sischen Knstlerin Sonia Delaunay fr ein Kartenspiel. www.spielkartenmuseum.de

    Geschichten aus dem Landkreis

  • 6 Landkreis Esslingen

    mal Bach Lebensader Neckar

  • 7Landkreis Esslingen

    Der Neckar hat viele Gesichter von der Flussidylle bis zur Wasserstrae. Er ist die Lebensader im Landkreis.

    mal Mississippi

  • 8 Landkreis Esslingen

    Lebensader Neckar

  • 9Landkreis Esslingen

    Die Sonne steht schon tief, als Gottfried Welz das erste Mal an diesem Abend seine Angelrute auswirft. Die Mcken sirren in der Luft. Auf der fast stillen Wasseroberfl che zeichnen sich immer wieder Ringe ab. Da vorne, das ist ein Wels oder ein Karpfen, murmelt Welz, ohne den Blick von der Stelle zu wenden. Er wirft jetzt fast im Sekun den takt die An-gelleine so nah wie mglich an die Stelle, an der er das Maul des Fischs vermutet.

    Der Angler steht gleich beim historischen Wasserhaus im Neckar. Am betonierten Ufer gegenber ziehen die Autokolonnen der B 10 entlang. Ein irritierendes Bild. Aber Welz, geborener Esslinger, macht der sprde Charme seines Angelreviers wenig aus. Er sagt: Das Fliegenfi schen ist hier so spannend wie in der freien Natur Kanadas oder Irlands.

    Der Neckar, ein Fluss der Gegenstze. An der nrdlichen Grenze des Landkreises, nahe Neckartenzlingen, glitzert das Wasser auf den Steinen im Sonnenlicht, Libellen schwirren ber den kleinen Buchten, am sandigen Grund huschen die schwarzen Schatten von Forellen vorbei. Hier ist der Neckar so schmal dass man einen Hund hinberwerfen knnte wenn man einen htte, wie der groe Schriftsteller Mark Twain einmal in seiner Reportage ber eine

    Neckarfl ofahrt geschrieben hat. Dann wieder zieht er als breite, trge kaffee-braune Flut zwischen den Staustufen dahin, als wre er der Mississippi im Taschen-format. Und mandert gleich darauf quirlig durch die mittelalterlichen Gewerbekanle von Esslingen und verleiht der Stadt so ein fl orenzartiges Flair. Den Landkreis verlsst er dann allerdings als Bundes-wasserstrae im betonierten Flussbett.

    Der Neckar ist Biotop, Erholungsort, Was-serstrae und Lebensader der Region. Der schwbischste aller Flsse im Land stiftet Identitt: Er ist Namensbestandteil von Orten wie Neckarhausen oder Neckar -tailfi ngen und wird als Zusatz gefhrt, wie bei Wendlingen oder eben Esslingen.

    Der Neckar war der Grund, dass sich Handwerker und Unternehmer gerade in dieser Region ansiedelten. Seit dem 13. Jahrhundert mussten die Fler Zoll entrichten, wenn sie ihr Holz fl ussabwrts verschiffen wollten. Spter siedelte die Industrie in dieser wirtschaftlich regen Region und nutzte den Neckar als Energie-quelle, Lieferweg und fr das Khl- und Abwasser ihrer Industrieanlagen. Das hat seine Spuren hinterlassen. Natrlich gab es Bau- und Umweltsnden am Neckar, sagt Eberhard Wei. Bis in die spten 1970er-Jahre sei das kosystem arg ge-schunden worden. Eberhard Wei, der in einem blauen Holzbungalow am Rheinkai residiert, ist der Chef des Plochinger Hafens, eines industriellen Mikrokosmos. Zwlf Unternehmen sitzen im Hafen. Er liefert direkt oder indirekt 2.500 Menschen Arbeit. Hier werden tg lich Futter, Dnge -mittel und Stahl in groen Mengen verla-den. Auch die ferti gen Stahltrger fr den Bau des Airbus wurden von hier ber Neckar, Rhein und Elbe nach Finkenwerder ins Flugzeugwerk verschifft.

    1.000 Schiffe machen