Click here to load reader

Wie konnte ein Genusssüchtiger wie Ravana einer der ... nig-Ra · PDF file Wie konnte ein Genusssüchtiger wie Ravana einer der demütigsten Verehrer Shivas, dem Asketen, sein? Alle

  • View
    215

  • Download
    2

Embed Size (px)

Text of Wie konnte ein Genusssüchtiger wie Ravana einer der ... nig-Ra · PDF file Wie...

  • www.hindumythen.de

    Hanuman war ber den Ozean von Indien nach Lanka gesprungen, um Sita, Ramas Frau, zu finden,

    die der Dmonenknig Ravana entfhrt hatte und in seinem Palast gefangen hielt.

    Auf der Suche hatte er den herrlich angelegten Ashoka Garten Ravanas verwstet, die Wachen

    und Ravanas Sohn Akshaya gettet.

    Ravana wurde klar, dass es sich hier nicht um einen gewhnlichen Affen handeln konnte und er bat

    seinen Sohn Indrajit, ihn gefangen zu nehmen.

    In Ketten wurde Hanuman durch die Straen gefhrt. Die Dmonen trieben die Bewohner an, ihn

    zu verhhnen und ihnen, den Siegreichen, zuzujubeln.

    Sie wussten ja nicht, dass Hanuman, der Sohn des Windgottes, sich ergeben hatte, um die Stadt

    in Augenschein nehmen zu knnen, in die er ein paar Tage spter mit seiner Armee einmarschieren

    wrde.

    Er hatte genug davon, einfach nur Bume zu entwurzeln und Grten zu verwsten. Gettet hatte

    er auch genug, Akshaya tat ihm leid, doch der dumme Junge dachte, er knne ihn, Hanuman, mit

    seinem Pfeil und seinen Messern aufhalten.

    Indrajit ging besonnener vor. Er zckte seine unfehlbare Waffe Brahmastra, hatte also seinen

    Gegner richtig eingeschtzt, was ihm Hanumans Respekt einbrachte.

    Indrajit entschloss sich, wie es der Wrde des Kronprinzen eines eindrucksvollen Reiches zusteht,

    Hanuman festnehmen zu lassen und ihn vor Ravana zu bringen.

    Als er in den Gerichtssaal gebracht worden war konnte sich Hanuman einer gewissen Achtung vor

    Ravana nicht erwehren.

    Alles in Lanka, die Straen, die Huser, die Architektur, die Stadtplanung, der Wohlstand man

    konnte es nur als grandios bezeichnen Ravanas Palast nun bertraf alles was Hanuman je gesehen

    hatte. Er war definitiv die Krone Lankas und der auf dem Thron sitzende Knig war das Kronjuwel.

    Ravana war von stattlicher Statur, mit breiten Schultern, seine zehn Kpfe unterstrichen seine

    Aura, das gesamte Wissen der Veden war darin gespeichert.

    Jeder Kopf gab eine andere Stimmung wieder, einige zischten, andere murmelten. Der zentrale

    Kopf, der grte der zehn, war unter Kontrolle.

    Sein langes Haar war bereits ein wenig ergraut, sein Oberlippenbart war dicht.

    Um ihn herum Gespielinnen, die kstliche Speisen servierten.

    Hanuman stand vor einem Wesen, das die weltlichen Freuden in vollen Zgen genoss.

    Fast verga er, dass er vor dem Entfhrer Sitas stand.

    Dann fiel sein Blick auf die drei Aschestreifen auf jedem der zehn Kpfe.

  • www.hindumythen.de

    Wie konnte ein Genussschtiger wie Ravana einer der demtigsten Verehrer Shivas, dem Asketen,

    sein?

    Alle zehn Kpfe blickten nun zornig drein.

    Der Knig, der sich alle Welten unterwarf, war der Vater, dessen jngster Sohn vor ein paar

    Stunden gettet wurde. Und nun blickte er dem Mrder ins Gesicht.

    Hanuman legte die Handflchen aneinander und verneigte sich vor Ravana.

    Ravana reagierte nicht, schaute Hanuman von seinem erhhten Thron aus nur schweigend an.

    Hanuman ringelte seinen Schwanz, setzte sich darauf, so dass er ein wenig hher sa als Ravana.

    Nun sa er dem Knig Auge in Auge gegenber.

    Wer bist du? Warum hast du meinen Garten zerstrt und meinen Sohn gettet?

    Ich bin Hanuman, der Sohn Vayus, des Gottes des Windes. Minister von Sugriva aus Kishkindha

    und der Gesandte Ramas, dessen geliebtes Weib du gefangen hltst. Lasse sie frei und nichts wird

    dir geschehen. Andernfalls wirst du mehr verlieren, als nur deinen Garten und deinen Sohn.

    Einer von Ravanas Mndern wiederholte verachtend: Gesandter. Ein anderer Mund wiederholte

    voll Zorn Sugriva.

    Der zentrale Mund ordnete Hanumans Enthauptung an.

    Als Ravanas Wachen auf Hanuman zugingen, intervenierte sein jngster Bruder, Vibhishana, und

    erinnerte daran, dass es unehrenhaft sei, einen Gesandten zu tten.

    Alle zehn Kpfe schauten ihn emprt an.

    Mrder erhalten in Lanka keine Gnade. Dieser Flegel hat meinen Sohn auf dem Gewissen.

    Lanka betrauert deinen Sohn und die anderen Toten. Doch das Tten einen Diplomaten bringt uns

    in Misskredit.

    Du schlgst also vor, ihn ungestraft gehen zu lassen?

    Natrlich nicht. Lasse ihn uns verstmmeln und dann schicken wir ihn zurck. Das gengt.

    Ravana gefiel dieser Gedanke, er lchelte, und sprach zu Hanuman: Wrst du ein Mann, wrde ich

    dich entmannen. Doch du bist nur ein Affe, ein Affe mit einem langen Schwanz. Diesen werde ich

    dir abbrennen. Die Narbe wird jedem zeigen, dass Ravana sich niemandem unterwirft.

    So wurde angeordnet, dass Hanumans Schwanz in l getaucht werden sollte und angezndet.

    Der Sohn Vayus fhlte keinen Schmerz. Er rannte aus dem Gerichtssaal, sprang von Dach zu Dach,

    alle Huser abbrennend. So zeigte er, zu was ein Affe fhig war.

    Sein Auftrag war erfllt. Er lschte seinen Schwanz im Ozean und schaute noch einmal zurck

    diese Begegnung mit dem zehnkpfigen Knig wrde ihm fr immer in Erinnerung bleiben.

    Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von Ananth Iyer.