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Friedrich Kollenrott: Das Schärfen von Sägen 2016 S. 1 Friedrich Kollenrott: Das Schärfen von Sägen Schärfen und Herrichten westlicher Handsägen mit einfachen Dreieckszähnen Diese Anleitung ersetzt die erste Version von 2007 und ist im Internet zu finden unter: http://www.woodworking.de/schaerfprojekt/index.html Sie soll Holzwerkerinnen und Holzwerkern 1 weiterhelfen, die noch nie eine Säge unter der Feile hatten, aber auch denen, die mit ihren bisherigen Schärfergebnissen nicht zufrieden sind. Es wird ausführlich dargestellt, wie Sägen schneiden, und in welchen Zustand sie folglich beim Schärfen gebracht werden sollten, damit ihr Gebrauch wirklich Freude macht. Wie ich beim Schärfen vorgehe, erläutere und demonstriere ich ausführlich, mit umfangreicher Darstellung von Arbeits- technik und Hilfsmitteln. Und ich zeige, was zu tun ist, wenn einfaches Schärfen nicht ausreicht. Beispielsweise, wie eine Säge durch Umstellung auf eine günstigere Zahnform erheb- lich leistungsfähiger gemacht wird; wie eine Säge, die durch unqualifizierte Schärfversuche verdorben scheint wieder in Ordnung zu bringen ist; wie man das Blatt einer selbstgebau- ten Säge ganz neu bezahnt. Auch wenn ich durchaus überzeugt bin, es „richtig“ zu machen es gibt ganz sicher auch beim Schärfen von Sägen andere Wege, die ebenfalls zum Ziel führen. Wer anders schärft als ich und mit nicht zu großem Aufwand auch gute Ergebnisse erzielt, macht nichts falsch! Dipl.- Ing. Mathias Pyritz danke ich für die Erstellung des CAD- Programmes, das mir die Herstellung geometrisch kor- rekter Vorlagen für das Zeichnen von Bezahnungen ermög- lichte, Pedder Brookmann für hilfreiche Diskussionen und Hinweise. Vor allem aber und ganz besonders bedanke ich mich bei meiner lieben Frau Ingrid für ihre Unterstützung und für die Geduld, mit der sie das langwierige Entstehen dieser Anlei- tung begleitet hat. Schladen am Harz, im Oktober 2016 Friedrich Kollenrott Die Weitergabe oder Verwendung dieser Anleitung oder von Teilen aus ihr zu nichtkommerziellen Zwecken ist gern gestattet und sogar erwünscht, vorausgesetzt dass keine inhaltlichen Veränderungen vorgenommen und die Namen von Anleitung und Autor genannt werden. 1 Ohne Zweifel können Frauen (Holzwerkerinnen) all das, worum es hier geht, genauso gut wie Männer, und sie sollen mit dieser Anleitung ebenso und gleichrangig angesprochen sein. Eine erträgliche sprachliche Form, die daran nirgends einen Zweifel lässt, habe ich aber nicht gefunden. Ich bitte darum um Verständnis für den durchgehenden Gebrauch der männlichen Sprachform in dieser Anleitung.

Das Schärfen von Sägen - woodworking.de · Friedrich Kollenrott: Das Schärfen von Sägen 2016 S. 4 1 Einleitung Handwerkzeuge, Handsägen und das Schärfen Wer heutzutage und hierzulande

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  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 1

    Friedrich Kollenrott:

    Das Schrfen von Sgen Schrfen und Herrichten westlicher Handsgen mit einfachen Dreieckszhnen

    Diese Anleitung ersetzt die erste Version von 2007 und ist im Internet zu finden unter:

    http://www.woodworking.de/schaerfprojekt/index.html

    Sie soll Holzwerkerinnen und Holzwerkern1 weiterhelfen, die

    noch nie eine Sge unter der Feile hatten, aber auch denen, die mit ihren bisherigen Schrfergebnissen nicht zufrieden sind. Es wird ausfhrlich dargestellt, wie Sgen schneiden, und in welchen Zustand sie folglich beim Schrfen gebracht werden sollten, damit ihr Gebrauch wirklich Freude macht. Wie ich beim Schrfen vorgehe, erlutere und demonstriere ich ausfhrlich, mit umfangreicher Darstellung von Arbeits-technik und Hilfsmitteln. Und ich zeige, was zu tun ist, wenn einfaches Schrfen nicht ausreicht. Beispielsweise, wie eine Sge durch Umstellung auf eine gnstigere Zahnform erheb-lich leistungsfhiger gemacht wird; wie eine Sge, die durch unqualifizierte Schrfversuche verdorben scheint wieder in Ordnung zu bringen ist; wie man das Blatt einer selbstgebau-ten Sge ganz neu bezahnt.

    Auch wenn ich durchaus berzeugt bin, es richtig zu machen es gibt ganz sicher auch beim Schrfen von Sgen andere Wege, die ebenfalls zum Ziel fhren. Wer anders schrft als ich und mit nicht zu groem Aufwand auch gute Ergebnisse erzielt, macht nichts falsch!

    Dipl.- Ing. Mathias Pyritz danke ich fr die Erstellung des CAD- Programmes, das mir die Herstellung geometrisch kor-rekter Vorlagen fr das Zeichnen von Bezahnungen ermg-lichte, Pedder Brookmann fr hilfreiche Diskussionen und Hinweise.

    Vor allem aber und ganz besonders bedanke ich mich bei meiner lieben Frau Ingrid fr ihre Untersttzung und fr die Geduld, mit der sie das langwierige Entstehen dieser Anlei-tung begleitet hat.

    Schladen am Harz, im Oktober 2016

    Friedrich Kollenrott

    Die Weitergabe oder Verwendung dieser Anleitung oder von Teilen aus ihr zu nichtkommerziellen Zwecken ist gern gestattet und sogar erwnscht, vorausgesetzt dass keine inhaltlichen Vernderungen

    vorgenommen und die Namen von Anleitung und Autor genannt werden.

    1 Ohne Zweifel knnen Frauen (Holzwerkerinnen) all das, worum es hier geht, genauso gut wie Mnner,

    und sie sollen mit dieser Anleitung ebenso und gleichrangig angesprochen sein. Eine ertrgliche sprachliche Form, die daran nirgends einen Zweifel lsst, habe ich aber nicht gefunden. Ich bitte darum um Verstndnis fr den durchgehenden Gebrauch der mnnlichen Sprachform in dieser Anleitung.

    http://www.woodworking.de/schaerfprojekt/index.html
  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 2

    Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ........................................................................................................................................ 4

    2 Sgen und ihre Zhne ..................................................................................................................... 7

    2.1 Wie Sgen schneiden ............................................................................................................... 7

    2.2 Lngsschnitt (LS) und Querschnitt (QS) ................................................................................... 8

    2.3 Schrnkung .............................................................................................................................. 9

    3 Geometrie der Bezahnung westlicher Sgen ................................................................................ 11

    3.1 Bezahnung fr Lngsschnitte (LS, in Faserrichtung) ........................................................... 11

    3.2 Bezahnung fr Querschnitte (QS, quer zur Faserrichtung) .................................................. 13

    3.3 Die Schrnkung ...................................................................................................................... 15

    4 Vorgehen beim Schrfen einer Bezahnung................................................................................... 16

    4.1 Reihenfolge und Richtung beim Ausfeilen der Zahnlcken .................................................... 16

    4.2 Blind-Feilen - oder Kontrolliert-Feilen................................................................................. 19

    4.2.1 Blind-Feilen: Ohne Kontrolle ............................................................................................... 19

    4.2.2 Kontrolliert-Feilen: mit Abrichten und visueller Kontrolle ..................................................... 20

    5 Schrfpraxis .................................................................................................................................. 23

    5.1 Wann kontrolliert schrfen, wann blind? ............................................................................ 23

    5.2 Wahl von Neigung, Schrgung, Schrnkung .......................................................................... 23

    5.3 Erstes Beispiel: Blind-Schrfen einer LS- Sge ...................................................................... 25

    5.4 Zweites Beispiel: Kontrolliert-Schrfen (mit Schrnken) einer LS-Bezahnung ....................... 25

    5.4.1 Abrichten der Sge ............................................................................................................. 26

    5.4.2 Schrnken (nur wenn erforderlich)...................................................................................... 26

    5.4.3 Egalisieren und Blankmachen der Kopfflchen .................................................................. 27

    5.4.4 Ausfeilen ............................................................................................................................. 27

    5.4.5 Seitliches Abziehen ............................................................................................................ 28

    5.4.6 Testen der Sge ................................................................................................................. 29

    5.5 Drittes Beispiel: Kontrolliert schrfen (mit Schrnken) einer QS- Bezahnung ........................ 29

    5.5.1 Abrichten ............................................................................................................................ 29

    5.5.2 Schrnken (wenn erforderlich) ............................................................................................ 29

    5.5.3 Egalisieren und Blankmachen der Kopfflchen .................................................................. 29

    5.5.4 Ausfeilen ............................................................................................................................. 29

    5.5.5 Abziehen und Testen einer QS- Bezahnung ...................................................................... 29

    6 Herrichten der Bezahnung von Sgen .......................................................................................... 30

    6.1 Wenn die Zahnteilung erhalten bleibt ..................................................................................... 30

    6.1.1 Erstes Beispiel: Ein Spannsgenblatt mit (fr mich) untauglicher Zahnform: ..................... 30

    6.1.2 Zweites Beispiel: Ein Fuchsschwanz mit rtselhaften Zhnen ........................................... 31

    6.1.3 Drittes Beispiel: Ein Fuchsschwanz mit bogenfrmiger Zahnlinie ....................................... 32

    6.2 Wenn die Zahnteilung gendert werden soll........................................................................... 33

    6.2.1 Erstes Beispiel: Neu Bezahnen mit LS- Bezahnung ........................................................... 34

    6.2.2 Zweites Beispiel: Neu Bezahnen mit QS- Bezahnung ........................................................ 35

    7 Was man zum Sgenschrfen braucht ......................................................................................... 36

    7.1 Ein Schrfplatz fr Sgen? ..................................................................................................... 36

    7.2 Sgefeilkluppen ...................................................................................................................... 37

    7.3 Feilen und Feilenhefte ............................................................................................................ 38

    7.4 Winkellehren ........................................................................................................................... 40

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 3

    7.4.1 Winkellehre fr LS- Bezahnungen ...................................................................................... 40

    7.4.2 Winkellehren fr QS- Bezahnungen ................................................................................... 42

    7.4.3 Eine Winkellehre aus Kanada ............................................................................................. 42

    7.5 Schrnkzangen ....................................................................................................................... 43

    7.6 Sehhilfen und Messgerte ...................................................................................................... 43

    7.7 Steine zum Blankmachen und Abziehen ................................................................................ 44

    8 Noch Fragen? (FAQs) .................................................................................................................. 45

    8.1 Wie steigt man am besten ein? .............................................................................................. 45

    8.2 Woran erkennt man, dass eine Sge stumpf ist? ................................................................... 45

    8.3 Kann man Handsgen nicht mit Automaten schrfen? ........................................................... 46

    8.4 Wie lassen sich die Geometriedaten einer Bezahnung ermitteln? .......................................... 46

    8.5 Wo findet man einen Schrfdienst fr Handsgen? ............................................................... 47

    8.6 Knnen handgefeilte Westsgen mit japanischen Wechselblattsgen mithalten? ................. 47

    8.7 Das geht doch auch einfacher, oder? ..................................................................................... 47

    8.8 Slope? .................................................................................................................................. 48

    8.9 Sollten Sgen eine Starthilfe haben? ..................................................................................... 48

    8.10 Alte Sgen aufarbeiten lohnt sich das berhaupt? .............................................................. 49

    8.11 Unterschiedliche Sgen fr Lngs- und Querschnitte muss das sein? ................................ 50

    8.12 Buch fhren ber Sgen? ....................................................................................................... 50

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 4

    1 Einleitung Handwerkzeuge, Handsgen und das Schrfen Wer heutzutage und hierzulande fr Tischler-/Schreinerarbeiten traditionelle Handwerkzeuge (Stechei-sen, Hobel, Ziehklingen, Handsgen) einsetzt, ist sicher weder arm noch rckstndig, sondern privile-giert, und wei, was gut ist.

    Die Arbeit mit diesen Werkzeugen ist eine auerordentlich schne, befriedigende und berdies ntzli-che Ttigkeit. Wer es kann, kann mit ihnen

    Werkstcke schaffen, die optisch und haptisch schner sind als von Maschinen angefertigte.

    erstaunlich przise arbeiten und soweit Geschick und Ehrgeiz reichen die fast unendlichen Mg-lichkeiten und Varianten einer ber viele Jahrhunderte entwickelten Handwerkskunst erproben und anwenden

    auch in einer kleinen Werkstatt und mit einer berschaubaren Werkzeugausstattung anspruchsvolle Projekte verwirklichen.

    Wer es noch nicht kann aber knnen mchte, muss lernen und ben. Aber von Anfang an kann er sich an den vorteilhaften Eigenschaften der Handwerkzeuge freuen:

    Ihr Gebrauch belstigt Holzwerker und Umgebung viel weniger mit Lrm und Staub als der Einsatz von Maschinen

    Es ist fast unmglich, sich an ihnen unabsichtlich ernsthaft zu verletzen.

    Sie sind Musterbeispiele berzeugender Nachhaltigkeit: kein Energieverbrauch, kein Verbrauchs-material, recyclingfhig, fast unendliche Gebrauchsdauer....

    Trotz alledem sind sie bekanntlich in den vergangenen Jahrzehnten von Elektrowerkzeugen und Ma-schinen weitgehend verdrngt worden. Im gewerblichen Bereich ist nachvollziehbar, warum: Maschi-neneinsatz spart wenn auch oft wohl nur vordergrndig - Zeit und damit Kosten, auerdem werden statt Massivholz zunehmend Plattenwerkstoffe eingesetzt fr deren Bearbeitung Handwerkzeuge weni-ger gut oder gar nicht geeignet sind. Solchen wirtschaftlichen und technischen Zwngen unterliegen Amateur-Holzwerker eigentlich nicht. Aber auch von ihnen arbeiten die meisten motorisiert, wo immer das mglich ist. Kein Wunder - sie wissen nicht mehr aus eigener Anschauung oder gar Erfahrung, wie man mit Handwerkzeugen arbeitet. Auerdem knnten sie die auch gar nicht schrfen.

    Das Schrfen gehrt aber dazu. Hobel, Stecheisen und Ziehklingen mssen meist schon geschrft werden, bevor berhaupt der erste Span abgenommen wird, und dann im Gebrauch regelmig.

    Sgen bleiben deutlich lnger brauchbar scharf als die anderen Schneidwerkzeuge. In entsprechend greren Zeitabstnden mussten aber auch sie geschrft werden. Mussten solange es die japani-schen Wechselblattsgen noch nicht gab

    2. Die sind, wenn man sie kauft, perfekt geschrft und so s-

    gen sie auch. Und wenn sie stumpf geworden sind, wird einfach das alte Blatt gegen ein fabrikneues getauscht. Mit diesem Komfort und hoher Qualitt bei gnstigen Einstiegspreisen haben die auf Zug arbeitenden Japansgen den Markt erobert

    3. Ihre maschinell geschliffenen Bltter haben gehrtete

    Zahnspitzen4 fr lange Standzeit

    5, ein Nachschrfen ist nicht vorgesehen und auch kaum mglich.

    Bei den westlichen Sgen, die auf Schub arbeiten, sind Wechselblattsysteme mit hochwertigen Blt-

    tern nur vereinzelt zu finden. Es gibt japanische Wechselbltter hoher Qualitt fr westliche Gestells-gen

    6. Und einige Fuchsschwnze mit Wechselblttern, aber die sind eher fr grbere Arbeiten auf dem

    Bau gedacht. Westliche Rckensgen mit Wechselblttern gibt es meines Wissens nicht.

    Wer mit den am Markt verfgbaren Wechselblattsgen nicht arbeiten kann oder will, bleibt bei den S-gen mit nicht wechselbaren (fixen) Blttern. Die muss man, wenn sie stumpf sind, schrfen. Oder wegwerfen.

    Fr Auf-Zug-Sger gibt es die traditionellen Japansgen. Auch sie kommen in perfekt geschrftem Zu-stand und ohne Zahnspitzenhrtung. Darum sind sie nachschrfbar. Im Prinzip. Aber ihre Zahngeo-metrie ist schwierig, die Zahnteilung oft sehr fein und die Bltter sehr dnn - das ist etwas fr Spezialis-ten und besonders Ambitionierte; ich habe es nie versucht. Vermutlich werden die meisten dieser sch-nen Sgen benutzt bis sie stumpf sind, und das war es dann.

    2Es gab sie nicht immer. Mir begegneten sie zum ersten Mal in den 90er Jahren.

    3 mir vorgelegte Zahlen eines groen Hndlers zeigen, dass, was Stckzahlen angeht, die japanischen

    Wechselblattsgen eindeutig den Markt fr Handsgen hoher Qualitt dominieren. 4 Diese Laserhrtung ist nicht sichtbar, die Zhne sind nicht dunkel angelaufen. Aber hart sind sie.

    5 Standzeit = Benutzungsdauer bis die Sge stumpf ist.

    6 Die Original- Ersatzbltter fr deutsche Gestellsgen sind keine Wechselbltter: Weder sind sie in

    wirklich hoher Qualitt geschrft noch haben sie besonders hohe Standzeit durch Zahnspitzenhrtung. Diese Bltter knnen und wollen vom Benutzer geschrft werden!

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 5

    Fr alle, die auf Schub sgen wollen, gibt es westliche Sgen in sehr unterschiedlicher Qualitt:

    Die typischen Baumarktsgen aus industrieller Produktion haben Griffe aus buntem Plastik, manchmal auch hssliche aus Holz. Ihre Bltter sind oft dunkel beschichtet, wie Bratpfannen. Die Zhne der schlechtesten sind nur gestanzt. Damit zu sgen zu mssen, wnsche ich fast niemandem. Die etwas besseren haben grob geschliffene Bezahnungen, oft mit einer Zahngeometrie wie Japansgen, aber nicht in deren Qualitt. Hufig sind die Zhne induktiv gehrtet (dunkel angelaufen). Sgen dieser Qua-litt sind als Wegwerfprodukte gedacht, sie nachzuschrfen, kann aber mglich sein

    7.

    Traditionelle westlichen Sgen, bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts unverzichtbare Werkzeuge euro-pischer und amerikanischer Holzhandwerker, haben fast immer hlzerne Griffe, mit zumindestens halbwegs ergonomischer Formgebung. Ihre Bltter sind durchgehrtet

    8, also feilbar. Sie wurden frher

    von ihren Benutzern ganz selbstverstndlich auch geschrft, die Schrfe ab Hersteller war darum nicht wichtig. Solche Sgen werden, teilweise unter bekannten alten Markennamen, bis heute angeboten. Aber die Kundschaft hat sich gendert: Die meisten Holzwerker, die heute bei Tischlerarbeiten Hands-gen benutzen, knnen (und wollen!) die gar nicht schrfen. Von westlichen Sgen erwarten sie, was bei den japanischen selbstverstndlich ist: hohe Qualitt und perfekte Funktion schon im Kaufzustand.

    Es gibt neue Hersteller9, die genau das anbieten: Sgen westlichen Typs, mit durchgehrteten Blttern

    und perfekt geschrft. Erhltlich bei Hndlern, die sich auf Handwerkzeuge fr anspruchsvolle Anwen-der spezialisiert haben, oder bei den Herstellern selbst. Eine kanadische Firma setzt auf moderne Kon-struktion, eigenstndiges Design und maschinengeschliffene Bltter aus Japan. Meist orientiert sich aber das Design dieser Sgen an englischen und amerikanischen Vorbildern des 19. oder frhen 20. Jahrhunderts. Die Bezahnungen sind dann handgefeilt oder von Hand gefinished

    10, und fr perfekte Er-

    gonomie und Optik wird oft sehr viel Aufwand getrieben das hat natrlich seinen Preis.

    Eine hochwertige Sge hlt ihre Schrfe besonders lange, aber wenn man sie benutzt, ist sie am Ende so stumpf wie jede andere. Und wenn sie weder Wechselbltter hat noch einen Vorwand bietet, sie ein-fach wegzuwerfen (unschrfbar ist sie nicht, und billig war sie nicht), dann muss sie geschrft werden.

    Was, wenn der Benutzer das nicht kann oder will? Einige Edel- Hersteller bieten ein Nachschrfen von ihnen gefertigter Sgen an gut gemeint aber umstndlich und langwierig, und denen, die sich weniger kostspielig ausgerstet haben, hilft es nicht. Ein Schrfdienst fr Handsgen? Fehlanzeige

    11. Letztlich

    kommt, wer hochwertige nachschrfbare Sgen benutzen will, nicht daran vorbei, sie tatschlich selbst zu schrfen. Wer das nicht kann, kann es lernen. Westliche Sgen sind da zum Glck viel entgegen-kommender als japanische: In die Zahnlcken ihrer einfachen Dreieckszhne passt eine Dreikantfeile genau hinein. Auerdem sind meist ihre Bltter etwas dicker, die Zahnteilungen nicht so extrem fein.

    Das Schrfen von Handsgen ist Handarbeit, ohne Maschinenhilfe12

    . Es erfordert mehr Hintergrundwis-sen als das Schrfen einfacher Schneidwerkzeuge wie Stecheisen, aber der Schrfvorgang selbst ist, wenn man ihn erst einmal verstanden hat, eigentlich nicht schwierig. Und der Einstieg lohnt sich. Wer seine Handsgen selbst schrft, kann sie nicht nur in gutem Zustand halten, sondern auch fr die eige-ne Arbeitsweise optimieren. Auerdem hat er ganz andere Mglichkeiten, sich mit weiteren Sgen aus-zustatten: Einerseits durch Herrichten alter Sgen, die es zahlreich auch in guter und sehr guter Quali-tt gibt. Und andererseits durch den Eigenbau von Sgen.

    Von den Wechselblattsgen zur Schrfanleitung Ich selbst (Jahrgang 1947, Maschinenbauingenieur und Dozent, pensioniert) werkele seit meiner Kind-heit mit Holz. Anfangs ausschlielich mit Handwerkzeugen, damals gab es fr Amateure gar nichts An-deres. Meine Sgen benutzte ich nicht gern, dass sie einfach stumpf waren, war mir nicht klar. Sobald ich ber die ersten (aus heutiger Sicht: schrecklich schlechten) Maschinen verfgte, sgte ich mit de-nen, das ging doch viel besser! Aber irgendwann in den 90ern lie ein Freund mich seine japanische Wechselblatt-Dozuki benutzen. Unglaublich! So mhelos, so schnell, so glatte Schnitte! Ich tat meine Westsgen allesamt in den Schrott, kaufte mir Wechselblattsgen und sgte fortan mit groer Begeiste-rung japanisch. Nun wagte ich mich auch an feine Sgearbeiten wie Zinkenverbindungen heran. Einige Jahre und etliche Wechselbltter spter musste ich mir aber eingestehen, dass fr mich die Wechsel-blattsgen mit ihren dnnen, elastischen Blttern doch nicht ideal waren. Was mich besonders rgerte: Beim Sgen grerer Querschnitte in Hartholz beispielsweise fr Zapfenverbindungen hatte ich immer wieder Probleme, weil die Schnittfugen nicht plan blieben. Auerdem gefiel es mir nicht, Bltter wegzuwerfen nur weil sie stumpf waren.

    7 s. Kap. 8.1

    8 durchgehrtet bedeutet: Das ganze Blatt hat die gleiche mige Hrte, so wie z. B. Federstahl.

    9 Manche benutzen alte Markenbezeichnungen. berwiegend sind es kleine oder ganz kleine Betriebe.

    10 Es gibt Bezahnungen, die in reiner Handarbeit gemacht werden; andere die wohl fast fertig von der

    Maschine kommen und nur noch ein wenig von Hand nachgestreichelt werden; und alles dazwischen. 11

    Ja, das gab es mal, aber..s. Kap. 8.5 12

    Maschinen zum Schrfen von Handsgen: s. Kap. 8.3

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 6

    2005 fing ich dann doch noch an, mich mit dem Schrfen von Handsgen zu beschftigen. Die erste Erkenntnis war, dass es keine brauchbare deutschsprachige Anleitung zum Sgenschrfen gab. Alle zeitgemen und fundierten Verffentlichungen zum Thema, die ich finden konnte, waren im Internet und auf Englisch. Pete Taran mit seiner Anleitung

    13 wurde mein wichtigster Lehrer. 2006 baute ich mir

    eine hlzerne Feilkluppe und schrfte die erste Sge, eine Disston D8. Sie war die erste scharfe West-sge, die ich je benutzte, und sie nderte mein Holzwerkerdasein. Ich rstete mich komplett mit nach-schrfbaren Handsgen aus. Das waren in der Mehrzahl alte Schtzchen, die ich erst einmal herrichte-te. Meine Japansgen wurden nein, nicht verschrottet, sondern verschenkt, bis auf eine Azebiki.

    Bild 1: Was ich schrfe

    Beispiele, von rechts:

    - Spannsge, Eigenbau

    - Disston D8 (die erste selbstgeschrfte)

    - kleiner Fuchsschwanz

    - Rckensge, Eigenbau

    - Zinkensge (Disston)

    - kleine Feinsge

    Sorgen bereitete mir aber, dass es offenbar hierzulande nur noch sehr wenige Holzwerker gab, die tat-schlich ihre Handsgen schrften, und darum mglicherweise das Ende der Versorgung mit notwendi-gen Hilfsmitteln wie Sgefeilen und Schrnkzangen schon nahe war

    14. Darum machte ich mich, obwohl

    damals selbst noch Anfnger, 2007 an das Verfassen einer deutschsprachigen Anleitung zum Sgen-schrfen. Dabei traten unerwartete Probleme auf: Die im Bereich Handsgen bliche, berwiegend handwerklich geprgte deutsche Fachterminologie ist sehr unprzise fr eine schriftliche Anleitung ganz schlecht. Und einige wichtige Fachbegriffe, die in der absolut vorherrschenden englischsprachigen Literatur benutzt werden (insbesondere rake und fleam), haben im Deutschen berhaupt keine ge-bruchliche Entsprechung. Ich entschied mich dafr, Begriffe und Definitionen festzulegen die weitge-hend mit den im Englischen gebruchlichen kompatibel sind. Bei der aktuellen berarbeitung der Schrfanleitung (2016) sind ein paar dazu gekommen.

    Die neue Schrfanleitung ist schon deshalb besser, weil ich inzwischen einfach mehr Erfahrung habe. Und sie zeigt, wie ich jetzt schrfe, nmlich deutlich anders als vor neun Jahren. Wichtigste nderung: Die von mir 2007 beschriebene, damals von meinen amerikanischen Vorbildern bernommene Metho-de, jede zweite Zahnlcke auszufeilen und dann nach Umdrehen der Sge die ausgelassenen, wende ich nicht mehr an. Stattdessen feile ich jetzt die Sgen von einer Seite. Das ist einfacher, schneller - und die Ergebnisse sind besser. So eindeutig hat man es selten.

    Natrlich habe ich berlegt, ob es sinnvoll ist, nach 9 Jahren noch einmal eine neue, aufwndige schrift-liche Anleitung zu verfassen. Schlielich gibt es inzwischen zahlreiche Filmchen und Filme, in denen Holzwerker

    15 demonstrieren, wie sie ihre Sgen feilen und dazu Erluterungen geben. Ich finde solche

    Filme sehr sinnvoll, weil sie deutlich machen, dass Sgenschrfen kein Hexenwerk ist. Aber ihr Infor-mationsgehalt ist eher dnn.

    Die Funktion einer Sge hngt von vielen Dingen und Details ab. Je mehr der Schrfer darber wei, desto besser kann die Gebrauchsqualitt der von ihm geschrften Sgen sein. Und desto besser kann er sie an die Bedrfnisse ihres Benutzers anpassen. Er sollte auch, um beim Schrfen und beim Her-richten von Sgen gute Ergebnisse mit nicht allzu groem Aufwand zu erzielen, mehr als nur die aller-einfachsten Kenntnisse von Arbeitstechniken und Hilfsmitteln haben. Dieses spezielle Fachwissen kann das Medium Film aber nicht gut vermitteln und prsentieren und schon gar nicht fr jederzeitigen geziel-ten Zugriff bereitstellen.

    Meine Empfehlung: Gern Filme ansehen. Aber auerdem vor dem Schrfen erst mal weiterfhrende In-formationen sammeln, beispielsweise durch das Lesen dieser Anleitung. Soviel Zeit muss sein. Ich ha-be mich um Anschaulichkeit und sogar ein bisschen Unterhaltsamkeit bemht. Willkommen!

    13

    Es gibt sie noch (auch wenn ich Tarans Namen darin nicht mehr finden kann): http://www.vintagesaws.com/library/primer/sharp.html 14

    Heute (2016) hat offenbar das Interesse an schrfbaren Sgen und am Sgenschrfen wieder zuge-nommen. Anscheinend hat es das Internet geschafft, aus einzelnen Unentwegten eine kritische Masse von Aktiven und Interessierten, die sich gegenseitig motivieren, zusammenzubringen. Schn! 15

    Immer Mnner. Grbel

    http://www.vintagesaws.com/library/primer/sharp.html
  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 7

    2 Sgen und ihre Zhne

    2.1 Wie Sgen schneiden

    Das Blatt einer Sge ist mit spitzen Zhnen bezahnt. Sie trennen Holz, indem sie eine schmale Nut, die

    Schnittfuge, ausspanen, und zwar in beliebige Richtung (im Gegensatz zum Spalten). Damit sie sauber, leicht und schnell schneiden, mssen die Zhne wirklich scharf sein. Bild 2 entstand vor 150 Jahren

    und zeigt Max und Moritz mit ihrer Sge. Zeichner Wilhelm Busch hat das Werkzeug mit aller knstleri-schen Freiheit dargestellt, aber die Zhne sehen scharf aus und die Sgespne wurden nicht verges-sen.

    Bild 2: Eine Handsge im Einsatz

    (W. Busch, 1865)

    Etwas genauer zeigt Bild 3 den Schneidvorgang. Die im Werkstoff befindlichen Zhne arbeiten gleich-zeitig. Die Schneide an der Spitze jedes Zahnes nimmt mehr schabend als schneidend - einen dn-

    nen Span ab, dadurch dringen die Zhne in einem flachen Winkel in das Werkstck ein (Bahn der Spit-ze des Zahnes ganz rechts). Der abgetrennte Werkstoff (Sgespne) sammelt sich in der Zahnlcke

    vor dem Zahn und fllt heraus, sobald der vorlaufende Zahn aus dem Holz austritt.

    Bild 3: Sgezhne bei der Arbeit

    1: Sgeblatt

    2: Zahn

    3: Zahnspitze mit Schneide

    4: Zahnbrust

    5: Zahnrcken

    6: Zahnlcke

    7: Zahngrund

    8: Bahn der Spitze des Zahnes ganz rechts

    9: Werkstoff (Holz)

    A: Arbeitsrichtung der Sge

    Zur Funktion einer Sge liefert diese Darstellung schon wichtige Erkenntnisse:

    Die Schneiden (Spitzen) der Zhne mssen so scharf sein, dass sie Spne abtrennen knnen

    Die Schneiden nehmen nur dann alle einen gleich dicken Span ab, wenn sie auf einer gedachten geraden Linie, der Zahnspitzenlinie, liegen. Unterschiedliche Hhen der Zahnspitzen fhren zu un-

    terschiedliche Spandicken oder sogar dazu, dass einige Zhne gar nicht an der Zerspanungsarbeit teilnehmen.

    Die Zhne knnen nur schneiden, solange in der Zahnlcke vor ihnen Platz fr Spne ist. Sobald die Lcken vollgestopft sind, rutscht die Sge nur noch auf den zusammengepressten Spnen.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 8

    Die Zhne sind das, was stehen bleibt, wenn mit einem geeigneten Werkzeug (Stanze, Schleifscheibe, Feile) aus dem Sgeblatt die Zahnlcken herausgearbeitet werden. Whrend die Zahnspitzen scharf sein mssen, ist der Zahngrund meist etwas ausgerundet.

    Die Bezahnung der meisten Sgen hat eine bevorzugte Arbeitsrichtung (in Bild 3: nach links), in der

    die Zhne aggressiv schneiden und der Kraftbedarf gro ist. Der Zug zurck braucht viel geringerer Kraft, und es wird nur wenig zerspant. Hauptursache ist die Asymmetrie der Zhne: Die in Arbeitsrich-tung am Zahn vorn liegende Zahnbrust steht steiler als der Zahnrcken.

    Bei westlichen Sgen ist der Griff (bezogen auf die Arbeitsrichtung) hinten an der Sge angebracht. Der Sger schiebt das Blatt also, man sagt: Die Sge arbeitet auf Schub. Japanische Sgen haben den Griff in Arbeitsrichtung vorn, die Sge wird gezogen, sie arbeitet auf Zug.

    2.2 Lngsschnitt (LS) und Querschnitt (QS)

    Eine Besonderheit des Sgens ist in Bild 3 nicht dargestellt: Wie schmal die Schnittfuge ist. Fr die S-ge bedeutet es, dass sie den schmalen Span nicht nur am Grund der Fuge abtrennen muss, sondern auch an ihrer Seite; Letzteres ist die schwierigere Aufgabe.

    Von groer Bedeutung ist die Struktur des Holzes mit seinen parallelen Fasern. In Richtung der Fasern lsst es sich durch seine Spaltbarkeit sehr leicht trennen, quer zu ihnen viel mhsamer und dann am besten noch mit einer scharfen Schneide.

    Bild 4 zeigt, wie Sgezhne in Richtung der Fasern schneiden. Ich nenne das im Folgenden Lngs-schnitt (LS)

    16. Die Sge beginnt, beispielweise, ein Brett lngs aufzutrennen (kleine Abbildung links).

    Sie wird dabei am besten wie gezeigt in einem spitzen Winkel zur Brettoberflche gefhrt; wer Erfah-rung mit dem Gebrauch von Handsgen hat, wei, so geht es besonders leicht.

    Bild 4: Beitelfrmige Sgezh-ne beim Lngsschnitt (LS)

    1: Schneide (Hauptschneide) am Sgezahn

    2: Grund der Schnittfuge

    3: Seite der Schnittfuge (= Schnittflche)

    A: Arbeitsrichtung der Sge

    hier noch ohne Schrnkung dar-gestellt!

    Rechts sind von der Sge nur noch die (freigeschnitten dargestellten) Spitzen zweier Zhne gezeigt. Sie bewegen sich in Arbeitsrichtung A auf die Schnittfuge zu, um sie weiter zu vertiefen. Die Form der

    Zhne hnelt einem Stechbeitel (beitelfrmig) mit rechteckigem Querschnitt (schraffierte Schnittflche) und quer zur Arbeitsrichtung angeordneter Hauptschneide.

    Jeder Sgezahn vertieft die Schnittfuge, indem er in ihrem Grund einen gleichmig dicken Span ab-trgt. Weil in diesem Span die Fasern schrg liegen, zerfllt er in kurze Stcke, die typischen Sge-spne. Das Lsen des Spanes an der Seite der Schnittfuge ist ein Abscheren entlang der Fasern, es braucht (wie Spalten) wenig Kraft und hinterlsst eine relativ glatte Schnittflche am Werkstck.

    16

    traditionelle deutsche Bezeichnung: Schlitz- , englisch: rip-.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 9

    Viel widerspenstiger verhlt sich das Holz, wenn man mit solchen beitelfrmigen Schneiden quer zur Faser sgt. Ich nenne das im Folgenden Querschnitt (QS)

    17. Das Lsen des Spanes an der Seite der

    Schnittfuge funktioniert nicht mehr. Die Fasern mssten durchschnitten werden, das knnen Zhne wie in Bild 4 aber nicht, weil sie seitlich keine Schneiden sondern nur rechtwinklige Kanten haben Damit

    knnen sie die Holzfasern nicht durchschnitten, sondern nur zerreissen. Darum wird die Schnittflche rau, und wo die Zhne aus dem Holz austreten gibt es hssliche Ausrisse.

    Eine perfekte Lsung zeigen die heute fast ganz verschwundenen groen Handsgen, die speziell zum Fllen und Ablngen von Baumstmmen optimiert waren. Sie hatten hohe, in Gruppen angeordnete und unterschiedlich geformte Zhne

    18. Eine so aufwndige Problemlsung ist bei den Sgen zur hand-

    werklichen Holzbearbeitung mit ihren viel kleineren Zhnen nicht anwendbar. Man bleibt bei Dreiecks-zhnen, aber bei Querschnittsgen werden die schrg angeschrft (wie, das wird spter erklrt).

    Bild 5: Schrg angeschrfte Sgezhne beim Querschnitt (QS)

    1: Hauptschneiden (schrg!)

    2: Seitliche Spitze

    3: Nebenschneide links

    4: Nebenschneide rechts

    5: Grund der Schnittfuge mit Grat

    A: Arbeitsrichtung der Sge

    hier noch ohne Schrnkung dar-gestellt!

    Dadurch haben die Zhne, wie Bild 5 zeigt, trapezfrmige Zahnquerschnitte (im Bild schraffiert) und abwechselnd rechts und links Nebenschneiden, von denen die Holzfasern durchtrennt werden. Die

    auffallende seitliche Spitze jedes Zahnes hnelt der eines Anreimessers. Die schrgen Hauptschnei-den lassen im Grund der Schnittfuge einen dachfrmigen Grat stehen, der aber oft nicht wirklich vor-handen weil abgeschert ist.

    Eine Sge mit derartigen Querschnittzhnen schneidet quer zur Faser tatschlich deutlich leichter und vor allem sauberer als eine mit beitelfrmigen Lngsschnittzhnen. Wie viele Holzwerker benutze da-rum auch ich Sgen mit Lngsschnitt- und solche mit Querschnittbezahnung, je nach Bedarf. Und ich zeige im Folgenden auch das Schrfen beider Arten von Sgen. Ich will aber an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es Holzwerker gibt, die bei ihren westlichen Sgen ausschlielich die hier als Lngs-schnitt- Bezahnung bezeichnete Zahnform anwenden, dazu s. auch Kap.8.11.

    2.3 Schrnkung

    Sgebltter mit Zhnen wie in Bild 4 und 5 gezeigt wrden exakt so breit schneiden wie sie dick sind. Das elastische Holz weicht aber dem Schnittvorgang eine Winzigkeit aus und federt danach zurck. Folge: Das Blatt klemmt fest.

    Zur Vermeidung dieses Klemmens muss die Schnittfuge ein wenig breiter sein als das Blatt dick ist. Da-fr werden die Zhne geschrnkt, das heit: Die Zahnspitzen werden abwechselnd ein klein wenig nach rechts und nach links gebogen.

    17

    traditionelle deutsche Bezeichnung: Absetz- oder Absatz- , englisch: cross-. 18

    Diese Sgen mussten den stinkenden Kettensgen weichen. Aber unter crosscut logging saw findet man noch viel Sehenswertes.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 10

    Die Schrnkung (also die so erzielte Vergrerung der Schnittbreite des Blattes) soll klein sein: Bei Sgen fr hartes, trockenes Holz nur wenige Zehntel mm, ganz ohne geht es aber nicht

    19. Bild 6 zeigt

    das Prinzip der Schrnkung und wie geschrnkte Zhne aussehen.

    Die Zhne sind hier nicht unten gebogen, wo sie am breitesten sind, sondern ungefhr auf halber Zahnhhe, so machen es die heute blichen Schrnkzangen.

    Bild 6: Geschrnkte Zhne

    links: Geschrnktes Blatt (LS) in der Schnittfuge

    1: Blatt

    2: Zahnbrust eines geschrnkten Zah-nes

    3: Schnittfugenbreite

    Mitte: Draufsicht auf die Zhne eines geschrnkten LS- Blattes

    rechts: Draufsicht auf die Zhne eines geschrnkten QS- Blattes

    Die Schrnkung ist zur Verdeutlichung sehr gro gezeichnet!

    19

    Fr Sonderzwecke, z. B. fr das bndige Abschneiden von Dbeln, gibt es ungeschrnkte Sgen. Fr allgemeine Anwendungen sind die vollkommen unbrauchbar.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 11

    3 Geometrie der Bezahnung westlicher Sgen

    3.1 Bezahnung fr Lngsschnitte (LS, in Faserrichtung)

    Zahnteilung und Neigung: Ein wichtiges Merkmal von Sgen ist ihre Zahnteilung

    20, das ist der Abstand von Zahnspitze zu Zahn-

    spitze. Eine kleine Zahnteilung ergibt eine feine Sge, eine groe ergibt eine grobe. Die Zahnteilung wird im metrisch geprgten Europa in mm angegeben. Um sie zu messen, zhlt man zweckmig 10 Teilungen ab, hlt einen Messschieber (Schieblehre) daneben, liest ab und teilt das Ergebnis durch 10:

    Bild 7: Zahnteilung T, ppi, tpi

    1: Sgeblatt mit Zhnen

    2: Messschieber (Schieb- lehre)

    T: Zahnteilung

    Dort, wo noch das betagte imperial system mit der Lngeneinheit inch (= Zoll = 25,4 mm) und Ma-angeben gegebenenfalls sogar in gemischten Bruchzahlen gebruchlich ist, wird die Gre der Zhne angegeben in tpi (teeth per inch, also: Zhne pro inch) oder in ppi (points per inch, also: Zahnspitzen pro inch). Wie Bild 7 zeigt, wird ber eine Strecke von 1 inch die Zahl der Teilungen gezhlt (das ergibt

    tpi) oder die Zahl der Zahnspitzen (ppi), wobei man fr ppi die Zahnspitze am Ende der inch - Strecke mitzhlt - muss wohl ein alter Indianerbrauch sein. Es gilt also:

    ppi = tpi +1

    7 ppi , wie im Bild gezeigt, entspricht 6 tpi und die Zahnteilung T betrgt dann 25,4 : 6 = 4,23 mm.

    Ein Zurckgehen aus dem metrischen System in die Abgrnde des imperialen wre fr mich eine deut-liche berschreitung der Schmerzgrenze

    21, ich gebe die Zahnteilung in Millimeter an.

    Das Ma fr die Gre der Zhne ist also die

    Zahnteilung T (in mm) (engl. tpi oder ppi, anders definiert!)

    Handsgen fr die Bearbeitung von trockenem Holz haben Zahnteilungen im Bereich von etwa 1 mm bis 6 mm. Tendenziell setzt man bei Lngsschnittsgen etwas grbere Bezahnungen (mit grerer Zahnteilung) ein als bei Querschnittsgen

    Eine Lngsschnittbezahnung lsst sich besonders einfach beschreiben und darstellen:

    Bild 8: Zahngeometrie (Lngsschnitt):

    1: Zahnbrust

    2: Zahnrcken

    3: erzeugende Dreikantfeile (gleich- seitig, 60)

    4: Zahnspitzenlinie

    5: Bahn der Zahnspitze (Schneide)

    A: Arbeitsrichtung der Sge

    N: Neigung der Zahnbrust (hier: +10)

    : Keilwinkel

    20

    Teilung ist der in der Technik bliche Begriff fr einen sich wiederholenden Abstand 21

    Ich bin ein in Deutschland ausgebildeter Maschinenbauingenieur. Das dezimalmetrische System ber Bord zu werfen, ist fr mich undenkbar.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 12

    Die Geometrie ist wesentlich durch das Schrfwerkzeug vorgegeben. Das ist hier immer eine Dreikant-feile mit 60- Profil

    22, mit der man beide Seiten der Zahnlcke gleichzeitig ausfeilt. Die Feile passt also

    genau in die Zahnlcke und deren Winkel betrgt darum immer 60. Zahnrcken und Zahnbrust aller Zhne sind jeweils parallel. Also sind der 60- Zahnlckenwinkel und der Keilwinkel am Zahn Stufen-winkel im Sinne der Schulgeometrie und gleichgro.

    Die Zhne einer so gefeilten Bezahnung haben darum immer einen Keilwinkel = 60!

    Die Rundung an der Kante der Dreikantfeile erzeugt eine entsprechende Kontur im Zahngrund.

    Der Winkel zwischen Bahn der Zahnspitze (5 in Bild 8) und Zahnspitzenlinie 4 variiert mit der Schrfe

    der Sge, der Hrte des Holzes usw.23

    Wichtig fr das Schneidverhalten einer Handsge ist, wie steil die Zahnbrust steht. Die vorherrschen-de englischsprachige Literatur benutzt den Begriff rake und meint damit den Winkel zwischen der Zahnbrust und einer Senkrechten auf der Zahnspitzenlinie, wobei die positive Richtung dieses Winkels so definiert wird wie in Bild 8 gezeigt. Ich bernehme das

    24 und bersetze rake mit Neigung.

    Also: Winkellage der Zahnbrust:

    Neigung (N) (englisch: rake , identisch definiert)

    Die in Bild 8 gezeigten Zhne haben also eine positive Neigung (der Zahnbrust), sie betrgt +10. Sol-

    che unsymmetrischen Zhne mit steiler Zahnbrust ( N kleiner als 30) werden in Deutschland traditionell als auf Sto gefeilt bezeichnet. Eine Neigung von nur wenigen Grad oder sogar Null ergibt einen ag-gressiven, schnellen Schnitt. Zhne mit negativer Neigung kommen bei Maschinensgen hufig vor, bei Handsgen fr trockenes Holz kaum. Eine Neigung von 30 ergibt symmetrische Zhne, die in beide Richtungen arbeiten, typisch z.B. fr Zweimann- Schrotsgen.

    Also: Die Grundgeometrie (ohne Schrnkung) einer einfachen mit 60- Feile hergestellten Lngsschnitt-bezahnung wird ber nur zwei Gren beschrieben:

    Zahnteilung T (mm)

    Neigung N ()

    Zahngeometrie und Schrfvorgang: Bild 8 zeigt schon klar, wie Zahngeometrie und der Schrfvorgang zusammenhngen: Die Feile muss in einem der Neigung N entsprechenden Winkel gehalten werden.

    Beim Schrfen wird die Bezahnung mit den Zahnspitzen nach oben eingespannt, der Neigungswinkel ist entsprechend definiert, das zeigt Bild 9, links. Alles ganz einfach, und zweidimensional eindeutig

    darstellbar25

    .

    Zum Einben fr die im nchsten Kapitel 3.2 behandelte Bezahnung fr Querschnitte, die etwas schwieriger zu erlutern ist, wird in Bild 9, rechts, die LS- Bezahnung auch perspektivisch, also in schrger Sicht auf das rumliche Gebilde, dargestellt.

    22

    Es gibt Feinsgefeilen mit deutlich kleinerem Profilwinkel, z. B. 30. Ich habe trotz Bemhungen niemanden gefunden, der die tatschlich zum Sgenschrfen benutzt. Einen wirklichen Vorteil sehe ich auch nicht, es scheint mir ein verzichtbares berbleibsel aus der Vergangenheit zu sein. 23

    Das bedeutet, dass die in der Zerspanungstechnik blichen Bezeichnungen Freiwinkel und Spanwin-kel hier genau genommen gar nicht anwendbar sind, denn sie beziehen sich auf die Bewegungsrich-tung der Schneide, die z. B. bei Drehmaschinen (und Handhobeln!) tatschlich genau vorgegeben ist. 24

    obwohl es so in der heutigen Zerspanungstechnik nicht blich ist. Und man darf sich nicht darauf ver-lassen: Krzlich sah ich in einer Publikation der (US-amerikanischen!) Fa. Gramercy Tools eine abwei-chende Definition. Seufz. Also immer vorsichtig sein und lieber einmal mehr nachfragen. 25

    Zweidimensional ist eine LS- Bezahnung eigentlich nur, wenn man zur Vereinfachung die Schrn-kung weglsst. An dieser Stelle darf man das, es ndert nichts.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 13

    In einer Zahnlcke des Sgeblattes liegt die Dreikantfeile. Es ist sozusagen der Moment, in dem sie ihre Arbeit getan hat, die Zhne sind fertig.

    ber Zhne und Feile ist ein rechtwinkliges rumliches Koordinatensystem gelegt. So knnen Relativ-lagen und Bewegungen eindeutig bezeichnet werden.

    Bild 9: Lngsschnittbe-zahnung LS

    links: Geometrie einer

    60- LS- Bezahnung

    rechts: perspektivisch, mit

    Feile und Koordinaten, ungeschrnkt dargestellt!

    1: Zahnspitzenlinie

    2: Dreikantfeile, 60

    3: aktive Kante der Feile

    4: Feilenflche, die die Zahnbrust bearbeitet

    A: Arbeitsrichtung

    N: Neigung

    x, y, z: Koordinaten

    II: rumlich parallel zu ..

    Die waagerechte Zahnspitzenlinie fllt mit der mit der x- Achse zusammen. Quer dazu ist die y- und senkrecht die z- Achse. x- und y- Achse spannen eine waagerechte Ebene auf, das Sgeblatt selbst liegt in der senkrechten xz- Ebene.

    Die aktive Kante der Feile liegt in Richtung der y- Achse und somit lotrecht zur Flche des Sgeblat-tes. Die schraffierte Flche 4 der Feile hat die Zahnbrust des Zahnes links von der Feile bearbeitet und

    dabei den Winkel, in dem sie gehalten wurde, auf den Zahn bertragen.

    Zur Erzeugung eines Zahnes mit der Neigung N wird also die Feile um ihre Lngsachse so gedreht, dass die Flche der Feile, von der die Zahnbrust bearbeitet wird, um den Winkel N gegenber der z- Achse (senkrecht) geneigt ist. So wird gefeilt. Das ist alles, eine Kontrolle des Winkels am Zahn selbst ist nicht erforderlich - und wre bei feinen Zhnen auch schwierig.

    Die Darstellung in Bild 9, rechts, ist symbolisch sollte keineswegs so verstanden werden dass erst ge-

    feilt und dann geschrnkt wird. Fertig gefeilt wird eine Bezahnung immer im geschrnkten Zustand, N-heres dazu s. Kap. 5.

    3.2 Bezahnung fr Querschnitte (QS, quer zur Faserrichtung)

    Zahnteilung: Auch hier: Die Zahnteilung ist der Abstand von Zahnspitze zu Zahnspitze

    Neigung, Schrgung und die Erzeugung mit der Feile: Auch die Zhne einer Querschnittbezahnung werden durch Ausfeilen der Zahnlcken mit einer 60- Dreikantfeile hergestellt. Bild 10 zeigt den Vorgang.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 14

    Die Feile wird wieder waagerecht (in der x-y- Ebene) gehalten und entsprechend der Neigung N der Zahnbrust gedreht. Auerdem wird die Feile schrg zur y- Achse bzw. um die z- Achse geschwenkt ge-fhrt, und zwar in von Zahnlcke zu Zahnlcke wechselnder Richtung. So entsteht die Form der Zhne mit ihren seitlichen Spitzen und Nebenschneiden, vgl. Bild 5.

    Bild 10: Quer-schnittbezahnung QS und Dreikantfei-le in den beiden von Zahnlcke zu Zahn-lcke wechselnder Winkellagen (Schrgung)

    ungeschrnkt dar-gestellt!

    1 und 2: Dreikantfei-le

    N: Neigung

    S: Schrgung

    x, y, z: Koordinaten

    II: rumlich parallel zu ..

    Die Geometrie ist jetzt etwas unbersichtlicher, und der erste Blick auf eine solche Bezahnung tuscht ein wenig. Die Ebene, in der die Zahnlcke ihren 60- Winkel aufweist, liegt wie die Feile schrg. Durch diese Schrgung sind die Winkel, die ein Betrachter an der Seitenflche des Blattes (in der x-z- Ebene) als Zahnlckenwinkel und Keilwinkel sieht, grer als 60. Und auch der Neigungswinkel an der Zahn-brust erscheint in der x-z- Ebene grer als die erzeugende Flche der Feile tatschlich geneigt ist. In lteren Verffentlichungen wird das oft falsch dargestellt, und berhaupt ist nicht immer ganz eindeutig klar, wie denn Winkelangaben fr die Zhne von QS- Bezahnungen gemeint sind.

    Mit all dem muss man sich aber gar nicht beschftigen. Es gengt, sich darauf zu einigen: Die Zahnge-ometrie einer mit 60- Feile hergestellten Bezahnung ist auch bei QS- Bezahnungen durch Lage und Bewegungsrichtung der Dreikantfeile beim Ausfeilen der Zahnlcke definiert. Und Richtungsbezug ist die Zahnspitzenlinie bzw. die rechtwinklig zu ihr liegende z- Achse

    26.

    Also: Die

    Neigung N (englisch: rake , identisch definiert)

    wird (genau wie bei der LS- Bezahnung) definiert als der Winkel, um den die (in Bild 10 schraffierte) Flche der Dreikantfeile, von der die Zahnbrust bearbeitet wird, gegenber der senkrechten z- Achse geneigt ist.

    Die zweite Kenngre fr die Zahnform ist der Winkel, um den die Feile gegenber der y- Achse ge-schwenkt wird (Bild 10). Dieser Winkel ist fr jede Zahnlcke gleichgro, wechselt aber seine Richtung. Unsere Englisch sprechenden Freunde nennen ihn fleam, ich bersetze das mit Schrgung.

    Also: Winkel zwischen Feile und Lot auf das Sgeblatt:

    Schrgung (S) (engl: fleam, identisch definiert)

    Somit wird die Grundgeometrie einer Querschnittbezahnung (QS) mit 60- Dreieckszhnen ber drei Gren beschrieben:

    Zahnteilung T (mm) Neigung N ()

    Schrgung S ()

    26

    So ist es auch blich, aber selbstverstndlich oder gar alternativlos ist es nicht. Und man sollte wis-sen was man da eigentlich tut und warum.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 15

    3.3 Die Schrnkung

    Der Schrnkung bekommt bei mir als Kurzzeichen das Y, weil es wie der Schnitt durch eine geschrnk-te Sge aussieht. Hier dargestellt fr eine LS- Bezahnung, bei QS ist es nicht anders.

    Bild 11: Schrnkung Y (hier: an einer LS-

    Bezahnung, Blick aus der Zahnlcke auf die Zahnbrust)

    1: Sgeblatt

    3: Zahnbrust

    S: Dicke des Blattes

    SZ: Schnittbreite (ber die seitlich vor-

    stehenden Zahnspitzen zu messen)

    Ich definiere die Schrnkung als die Differenz zwischen Schnittbreite SZ und Dicke S des Blattes (s. Bild 11).

    Y = SZ - S

    Aber Vorsicht! Das wird (mir nicht verstndlich) oft anders gehandhabt!27

    Zum Anbringen der Schrnkung gibt es Schrnkzangen, die sollte man auch benutzen. Die heute bli-chen Zangen (s. auch Kap. 7.5) biegen die Zhne nicht etwa ganz unten am Zahngrund, sondern weiter oben wie das auch Bild 11 zeigt.

    27

    Sehr oft wird als Schrnkung einfach auch die Schnittbreite (Ma Sz in Bild 11) bezeichnet. Dann htte ein 0,5 mm dickes, vllig ungeschrnktes Blatt eine Schrnkung von 0,5 mm. Das kann es doch nicht sein, darum mache ich es anders.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 16

    4 Vorgehen beim Schrfen einer Bezahnung

    4.1 Reihenfolge und Richtung beim Ausfeilen der Zahnlcken

    An dieser Stelle habe ich meine Schrfmethode radikal gendert.

    Feilen mit Richtungswechsel Das ist die bliche und allgemein anerkannte Methode

    28. Jede zweite Zahnlcke wird fertig ausgefeilt,

    dann wird die Sge umgespannt, also Griff nach rechts wenn er vorher links war oder umgekehrt. An-schlieend werden die ausgelassenen Lcken gefeilt bis zum Spitzwerden der Zhne rechts und links davon. Bezogen auf das Sgeblatt, wird also die Feilrichtung von Lcke zu Lcke gewechselt, ich nen-ne darum diese Art zu feilen mit Richtungswechsel. So habe ich es von den Amerikanern gelernt, von Beginn an gemacht und in der ersten Version dieser Schrfanleitung beschrieben.

    Feilen von einer Seite Bei der Vorbereitung einer Neufassung der Schrfanleitung habe ich nach Mglichkeiten zur Vereinfa-chung und Zeitersparnis gesucht. Ich habe Einiges ausprobiert

    29 und zu meiner berraschung festge-

    stellt, dass ich LS-Bezahnungen am besten in der denkbar einfachsten Weise feilen kann, nmlich von einer Seite (also ohne dass die Sge umgedreht wird) und eine Lcke nach der anderen. Mit QS- Be-

    zahnungen hatte ich aber bei entsprechendem Vorgehen immer wieder Probleme mit Schwingungen (Kreischen, Rattern). Nachdem mir ein sehr erfahrener Sgenschrfer glaubhaft versichert hatte, dass er auch bei QS- Sgen so arbeitet und mich auch auf eine sehr lesenswerte englischsprachige Web-verffentlichung zum Thema

    30 hingewiesen hatte, bemhte ich mich weiter. Ich beseitigte erfolgreich

    Fehler, und siehe da, es ging. Seitdem feile ich auch meine QS- Sgen von einer Seite. Es geht schnel-ler und die Ergebnisse sind besser, aber es ist nicht so problemlos wie mit den LS- Bezahnungen. Vo-raussetzung fr diese Arbeitsweise ist vor allem, dass Feilkluppe und Feile gut sind.

    Ein sehr nahe liegender Einwand gegen das Feilen von einer Seite ist: Die Grate sind dann doch alle an einer Seite! Ein so gefeiltes Blatt sgt doch sicher nicht mehr geradeaus! Meine Erfahrung sagt: Doch, tut es - vermutlich weil die Grate doch deutlich kleiner sind als die Schrnkung; s. auch Kap. 5.3.5.

    Im Folgenden beschreibe ich das Vorgehen beim Feilen von LS- Bezahnungen und QS- Bezahnungen, und zwar ausschlielich das Feilen von einer Seite, das mit Seitenwechsel mchte ich niemandem mehr empfehlen.

    Am Blatt entlang - in welche Richtung? Ich beginne am in die Kluppe gespannten Blatt immer links und arbeite mich nach rechts vor das ist einfach persnliche Vorliebe, vermutlich auch wirklich gnstiger fr einen Rechtshnder. So ist es im Folgenden auch dargestellt, aber das kann man natrlich auch anders machen.

    Auf jeden Fall sollte man aber an der Spitze des Blattes anfangen und sich zum Griff hin vorar-beiten, also entgegen der Arbeitsrichtung (ich spanne folglich die Sge mit dem Griff nach rechts in die Kluppe). Bild 12 soll zeigen, warum diese Reihenfolge beim Ausfeilen der Zahnlcken gnstig ist:

    Bild 12: Gratbildung an den Hauptschnei-den (Beispiel: LS)

    1: Dreikantfeile

    2: Zahn links von der zuletzt bearbeite- ten Zahnlcke (Pfeil weist auf Grat)

    3: Zahn rechts, ebenso

    A: Arbeitsrichtung der Sge

    Dargestellt ist eine einzelne Zahnlcke mit der Dreikantfeile, von der sie gerade ausgefeilt wurde. Beim Feilen entstehen immer Grate, weil der Werkstoff, wenn er geschnitten wird, sich auch plastisch ver-formt. Der krftigste Grat entsteht hinten, wo die Feilenzhnchen aus den Material austreten, also an

    28

    bei den Amerikanern und anderen englischsprachigen Holzwerkern, an denen man sich in Sachen Sgenschrfen erst einmal orientieren sollte, weil es dort einfach viel mehr Know-how gibt. 29

    z. B. Pilgerschritt: Von einer Seite, immer drei Lcken vor, zwei zurck. Gar nicht schlecht! 30

    http://eccentrictoolworks.com/2010/06/18/dental-hygiene-sawmaker-style-a-close-shave-with-occams-razor/

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 17

    der Seite der Zhne, er wird nachher entfernt soweit erforderlich (s. auch Kap. 5.4.5). Feine Grate drckt die Feile aber auch an den Seiten der von ihr gefeilten Kerbe (der Zahnlcke) heraus, die finden sich also an den Hauptschneiden der Zhne (im Bild: an den Spitzen).

    Der linke Zahn 2, dessen Rcken die Feile bearbeitet hat, trgt einen gegenber der Zahnbrust vorste-henden hakenfrmigen Grat, hnlich dem einer Ziehklinge und fr das Schneiden in Arbeitsrichtung A offenbar gnstig. Am rechten Zahn 3, dessen Zahnbrust berfeilt wurde, steht der Grat gegenber dem

    Zahnrcken vor; dieser Grat ist sicher eher hinderlich, zumal wenn er bei Beanspruchung umbiegt. Wenn man nun Lcke um Lcke, entgegen der Arbeitsrichtung, feilt, ist anschlieend die Lcke rechts von Zahn 3 dran, und es wird dessen Rcken berfeilt. Dabei wird der vorhandene (hinderliche) Grat entfernt und es entsteht endgltig ein neuer, gnstiger. So geht es weiter bis zum Ende des Blattes, und schlielich haben alle Zhne einen gnstigen Grat wie in Bild 12 der Zahn 2.

    Wenn die Feile scharf ist und der Stahl des Sgeblattes hart und gut feilbar, dann sind diese Grate sehr fein, der Gewinn durch dieses Vorgehen ist darum sicher gering Man bekommt ihn aber ohne weiteren Aufwand geschenkt, und Nachteile gibt es nicht. Darum feile ich grundstzlich in dieser Reihenfolge

    31.

    Feilen von Lngsschnitt- Bezahnungen Fr LS Bezahnungen ist damit auch schon klar, in welcher Richtung und Reihenfolge gefeilt wird: Zahnlcke um Zahnlcke, vom vorderen Ende der Sge bis hin zum Griff (entgegen der Arbeitsrich-tung). Bild 13 zeigt das etwa so, wie der Schrfer es sieht (Zhne vereinfacht dargestellt):

    Bild 13: Richtung und Reihenfolge beim Feilen von LS- Bezahnungen

    1: Sgeblatt 2: Griff der Sge A: Arbeitsrichtung der Sge

    1, 2, 3, 4 etc: Zahnlcken mit Reihenfolge des Ausfeilens und Richtung (in der Kluppe: nach hinten!)

    Feilen von Querschnitt- Bezahnungen: Auch bei QS- Bezahnungen sollte wegen der prinzipiell gleichen Gratbildung an der Hauptschneide wie in Bild 13 gefeilt werden: Lcke um Lcke, entgegen der Arbeitsrichtung.

    Aber beim Ausfeilen von QS- Bezahnungen gibt es sehr oft (eher als bei LS) Probleme mit Schwingun-gen (Quietschen, Kreischen, Rattern). Bild 14 erlutert die Ursache. Es zeigt eine Dreikantfeile, die ei-ne Zahnlcke bearbeitet, also gleichzeitig den Zahnrcken des linken (von der Feile verdeckten, gestri-chelt gezeichneten Zahnes berfeilt und die Zahnbrust des rechten. Gefeilt wird wie immer nach hin-ten, im Bild Richtung F. Am rechten Zahn bewegt sich also die Feile bei der Bearbeitung der Zahn-brust gegen die Nebenschneide, das ist die seitliche Schneide die ein QS- Zahn hat.

    Bild 14: Ausfeilen der Lcke einer QS- Bezahnung

    1: Dreikantfeile

    2: Zahnbrust die bearbeitet wird

    3: Zahnrcken der bearbeitet wird

    4 Nebenschneide am rechten Zahn

    F: Feilrichtung

    S: Schrgung

    31

    und habe einen Hinweis auf dieses Vorgehen auch in dem klassischen Lehrbuch fr Tischler von Flocken/Walkling/Buhrmester, Teil1, 63. Auflage (Verlag Gebr. Jnecke 1973) gefunden.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 18

    Nun passiert (sehr vereinfacht dargestellt!) Folgendes: Durch die Zerspankraft, die zwischen den Zhn-chen der Feile und der Zahnbrust wirkt, biegen sich Zahn, Sgeblatt und Kluppe nach hinten. Dadurch wird die steil stehende Zahnbrust strker gegen die schrg hinter dem Zahn vorbeilaufende Feile ge-drckt, was die Zerspankraft wiederum verstrkt. Dieser Rckkopplungseffekt ist ein typisches Merkmal von stoender Reibung, die leicht Schwingungen anregt. Die sind dann unberhrbar und auch in ih-rer Auswirkung sichtbar: Das Feilen ist von schaurigem Lrm begleitet, die Feile greift nicht mehr richtig, die Oberflche zeigt Rattermarken, also sichtbare regelmige Strukturen.

    In den Zahnlcken rechts und links daneben feilt man mit der Nebenschneide (vergleiche auch Bild 10), es ist als wrde man in die Feilrichtung in Bild 14 umkehren. Die Zahnbrust wird infolge der Zer-spanungskraft von der Feile weggebogen, der Kontakt zwischen Feile und Zahnbrust schwcher streichende Reibung nannten das die alten Uhrmacher. Ergebnis: Die Feile arbeitet weich und ohne auffallende Geruschbildung.

    Beim Feilen einer QS-Bezahnung von einer Seite, Lcke um Lcke, hat man in jeder zweiten Zahnlcke die in Bild 14 dargestellte ungnstige Konstellation immer dann, wenn man schrg zum Griff hin feilt..

    Um Schwingungs- und Ratterneigung zu unterdrcken, sollte man:

    Eine Feilkluppe benutzen, die das Blatt durchgehend wirklich fest einspannt, auerdem mglichst steif und schwer ist und gut dmpft (s. auch Kap. 7.2)

    Das Blatt mglichst niedrig einspannen

    Eine scharfe (frische) Feile mit relativ feinem Hieb benutzen (s. auch Kap. 7.3)

    Wenn man das beachtet, ist auch eine QS - Bezahnung ohne Probleme von einer Seite feilbar.

    Bild 15: Richtung und Reihenfolge beim Feilen von QS- Bezahnungen (von einer Seite)

    1: Sgeblatt 2: Griff der Sge A: Arbeitsrichtung der Sge

    1, 2, 3, 4 etc: Zahnlcken mit Reihenfolge des Ausfeilens und Richtung (in der Kluppe: nach hinten!)

    Wie es Bild 15, oben, zeigt, beginnt man (genau wie bei LS- Bezahnungen) am vorderen Ende der S-ge und arbeitet sich Lcke um Lcke in Richtung Griff vor. Dabei wird die Feile um den Schrgungswin-kel S eingeschwenkt, und zwar von Lcke zu Lcke wechselnd. Die Zhne sind auch hier wieder stark vereinfacht dargestellt.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 19

    4.2 Blind-Feilen - oder Kontrolliert-Feilen

    Eine gut gefeilte Bezahnung hat scharfe Zhne und eine gleichmige Hhe der Zahnspitzen (beides sehr wichtig) und eine gleichmige Teilung (weniger wichtig). Wie gut diese Anforderungen erfllt wer-den, das hngt nicht nur von Sorgfalt und Geschicklichkeit ab, sondern vor allem von der Feilmethode.

    4.2.1 Blind-Feilen32: Ohne Kontrolle

    Das ist die einfache und schnelle Methode (leider in vielen Fllen nicht ausreichend, dazu spter). Sie beschrnkt sich darauf, die Zhne wieder scharf zu machen. Und sie geht so:

    Mit der Dreikantfeile wird Lcke um Lcke ausgefeilt. Jede Zahnbrust, jeder Zahnrcken muss berfeilt werden, so bekommt jeder Zahn wieder eine scharfe Schneide bzw, Spitze.

    Eine Kontrolle bezglich Zahnteilung und Zahnspitzenhhe der fertig gefeilten Bezahnung gibt es nicht, darum nenne ich das: Blind-Feilen.

    Wenn man so feilt, ist eine gewisse Verschlechterung der Gleichmigkeit von Zahnspitzenhhe und Teilung unvermeidbar, auerdem wird (wie bei jedem Feilen) die Schrnkung kleiner.

    Das kann man hinnehmen, aber nur, wenn:

    Vor dem Feilen das zu schrfende Sgeblatt eine schn gleichmige Zahngeometrie und Zahn-

    spitzenhhe aufweist33

    und auch ausreichend Schrnkung.

    Beim Feilen sorgfltig darauf geachtet wird, in jeder Zahnlcke mglichst genau gleich viel abzu-

    tragen, damit diese geometrische Gleichmigkeit so gut wie mglich erhalten bleibt.

    Wie erreicht man diesen gleichmigen Abtrag?

    Gnstig fr die Gleichmigkeit ist, wenn man mit einem sehr geringen Abtrag auskommt. Dafr muss die Feile so gehalten und gefhrt werden, wie das Neigung und Schrgung der vorhandenen Bezah-nung vorgeben. Deutliche Winkelabweichungen fhren dazu, dass man mehr abtragen muss um die Zhne scharf zu bekommen. Und man feilt jede Zahnlcke in genau gleicher Weise: Also (beispielsweise) jede mit zwei Feilstrichen bei gleichem Feilenhub

    34 und gleichem leichtem Druck auf die Feile.

    Wenn ich eine Sge das letzte Mal selbst geschrft habe (wie immer mit einer Winkellehre, s. Kap. Kap. 7.4.1 und 7.4.2), benutze ich beim Blind-Feilen dieselbe Lehre und dieselbe Feile; so kann ich si-cher sein, dass ich die Geometrie korrekt reproduziere. Bei einer neuen oder unbekannten Sge, deren Geometrie so bleiben soll

    35, ermittle ich die geometrischen Daten (s. Kap. 8.4) und benutze eine ein-

    stellbare Lehre (s. Kap. 7.4.3).

    Bild 16 soll das beim Blind-Feilen unvermeidliche Problem der jedes Mal ungleichmiger werdenden Geometrie verdeutlichen. Wenn man also immer nur (wie beschrieben) blind feilt, kommt man zu einer Geometrie wie auf den Bild unten gezeigt, und Schlimmerem. So was sgt auch noch. Aber nicht mehr gut.

    Bild 16: Blind-Feilen (Beispiel: LS-Bezahnung)

    1: Bezahnung mit perfekter Geometrie (Teilung, Hhe der Zahnspitzen)

    2: Zahnspitzenlinie

    3: Zhne nach einmaligem Blind Feilen

    4: Zhne nach vielmaligem Blind Feilen

    Also: Blind Feilen ist einfach und schnell gemacht. Eine zuverlssige Schrfqualitt erreicht man so aber nicht.

    32

    Das Verfahren ist gngig und blich, die Bezeichnung habe ich fr diese Anleitung gewhlt 33

    Maschinell bezahnte Bltter, an denen nie jemand herumgefeilt hat, erfllen i. Allg. diese Anforde-rung; in guter Qualitt handgeschrfte auch. 34

    Ein Feilenstrich bedeutet: einmal nach vorn und wieder zurck, der Hub ist die Weglnge der Feile 35

    Das gibt es bei mir nur ausnahmsweise. Sgen, die bei mir bleiben sollen, feile ich auf eine meiner Standardgeometrien (s. Kap. 5.2) um.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 20

    4.2.2 Kontrolliert-Feilen: mit Abrichten und visueller Kontrolle

    Das ist die Methode, mit der die beim Blind-Feilen immer grer werdenden geometrischen Fehler be-seitigt werden knnen. Mit ihr lassen sich auch qualitativ schlechte und sogar vllig verdorbene Bezah-nungen wieder brauchbar machen.

    Das Prinzip: Die Bezahnung wird in einem ersten Arbeitsschritt abgerichtet (Bild 17, oben). Das heit: Ihre Zahn-spitzen werden mit einer feinen Flachfeile ohne Heft in Lngsrichtung des Blattes berfeilt. Jeder Zahn hat danach eine kleine, gut sichtbare Kopfflche, und diese Kopfflchen liegen auf einer geraden Linie. Damit hat man eine Hhenreferenz

    Bild 17: Kontrolliert-Feilen: Das Prin-zip (Beispiel: LS- Bezahnung)

    oben: Abrichten ( berfeilen der

    Zahnspitzen)

    unten: Ausfeilen der Zahnlcken bis

    zum Spitzwerden der Zhne, dabei auch Ausgleich der Teilung. Gestrichelt: Brust und Rcken vor dem Feilen.

    1: Flachfeile

    2: Dreikantfeile (Sgefeile)

    3: neue Zahnspitzenlinie

    F: Bewegung der Feile beim Abrichten

    Beim anschlieenden Ausfeilen der Zahnlcken mit der Dreikantfeile wird die Feile entsprechend der herzustellenden Zahngeometrie (Neigung, Schrgung) gehalten und gefhrt. Und es wird

    genau dann aufgehrt, wenn die Zahnkopfflche verschwindet, der Zahn also gerade scharf (in der Seitenansicht: spitz) geworden ist (Bild 17 unten). Dadurch kann man sicher sein, dass alle Zahn-spitzen hinreichend genau in einer geraden Linie liegen.

    eine (nach Augenma) gleichmige Teilung hergestellt. Bild 17 (unten) zeigt ganz deutlich, dass

    dies auch dann mglich ist, wenn die Teilung vor dem Schrfen ungleichmig war, es kann dann

    durch Tieferfeilen (= Breiterfeilen) zu schmaler Lcken sowie ggf. durch Verschieben zur Seite eine

    Vergleichmigung erzielt werden.

    Beim Kontrolliert-Feilen wird durch visuelle Kontrolle und gezieltes Abtragen an Brust oder Rcken je-des Zahnes dafr gesorgt, dass die neue, scharfe Bezahnung sowohl eine gleichmige Zahnspitzen-hhe als auch eine gleichmige Teilung

    36 hat. Wenn man es richtig macht, bleibt die gleichmige Tei-

    lung einer Bezahnung beim Schrfen erhalten. Und eine ungleichmige Bezahnung wird gleichmi-ger. Das kommt hufig vor und deshalb ist es auch in Bild 17 und in den folgenden Beispielen gezeigt. Aber fr den Schrfer macht es im Grunde kaum einen Unterschied, ob er eine sehr gleichmige oder eine deutlich ungleichmige Bezahnung unter der Feile hat. So oder so macht er die Teilung neu.

    Konkret: Kontrolliert-Feilen einer LS- Bezahnung Die Kontrolle des Scharf- oder Spitzwerdens eines Zahnes ist eine eindeutige Sache. Entweder hat er am Kopf noch einen sichtbaren Rest der Kopfflche dann muss von Brust oder Rcken noch etwas weggefeilt werden oder er hat keinen mehr, dann darf nicht mehr gefeilt werden.

    Weniger eindeutig ist die visuelle Kontrolle der Zahnteilung. Vorweg: Das darzustellen und zu erlutern ist sehr viel schwieriger als die praktische Durchfhrung:

    Die LS Bezahnung ist abgerichtet und geschrnkt, die Sge mit dem Griff rechts in die Kluppe ge-spannt (vergl. Kap. 4.1).. Jeder Zahn hat eine blanke Kopfflche. Diese Kopfflchen sind rechteckig und etwas ungleichmig breit, so ist es typisch bei handgefeilten Bezahnungen, und sie sind infolge der Schrnkung abwechselnd nach links und rechts (in Bild 18: nach oben und unten) versetzt.

    Nach dem Feilen werden die Kopfflchen verschwunden sein, an ihrer Stelle befinden sich die Haupt-schneiden der Zhne, und die sollen einigermaen gleichmig den Abstand T (= Zahnteilung) haben.

    36

    Eine deutlich ungleichmige Teilung sieht nicht nur schlecht aus. Sie hat vor allem den Nachteil, dass es zwangslufig auch sehr kleine Zahnlcken gibt, die schnell zustopfen. Auerdem kann das Starten der Sge erschwert sein.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 21

    Wo die neuen Hauptschneiden innerhalb der Kopfflchen liegen werden, liegt in der Hand des Schr-fenden. Das Naheliegendste wre, einfach so zu feilen dass sie in der Mitte der jeweiligen Kopfflche liegen. Im hier gezeigten willkrlichen Beispiel (Bild 18) erhielte man dann die durch dnne Linien an-gegebenen Positionen. Deren Abstnde voneinander (D2, D3, D4 usw.) sind sichtbar ungleichmig. Zur Verbesserung mssen offenbar einige der Schneiden gegenber der Mitte der Kopfflche verscho-ben werden.

    Bild 18: Kontrolliertes

    Feilen einer LS- Bezah-

    nung, Blick von oben auf

    die abgerichteten und ge-

    schrnkten Zhne

    1, 2, 3, 4:Zhne

    1, 2, 3, 4: Zahnlcken

    und Reihenfolge des Aus-

    feilens, Breite der gefeilten

    Zahnlcke

    D2, D3, D4: Abstnde

    zwischen den Mitten der

    Kopfflchen

    S1, S2 S3: Lage der

    neuen Schneiden

    A: Arbeitsrichtung

    Schritt 1: Als Erstes wird die Zahnbrust von Zahn 1 so berfeilt, dass etwa die Hlfte der Kopfflche stehenbleibt. Damit liegt der Ort der Schneide von Zahn 1 fest: am linken Rand des Kopfflchenrestes (S1).

    Jetzt beginnt das regulre Ausfeilen Lcke um Lcke mit Vergleichmigung einer ungleichen Teilung:

    Schritt 2: Der Abstand von S1 bis zur Mitte der Kopfflche von Zahn 2, also D2, erscheint (nach Au-genma) etwas zu gro. Also: Lcke 2 wird so ausgefeilt, dass Zahn 1 gerade scharf wird

    37 und von der Kopfflche von Zahn 2

    etwas mehr als die Hlfte stehen bleibt. Damit rckt die Schneide von Zahn 2 (S2) gegenber der Mitte der Kopfflche etwas nach links.

    Schritt 3: Der Abstand von S2 bis Mitte der Kopfflche von Zahn 3 erscheint normalgro. Also: Lcke 3 wird so ausgefeilt, dass Zahn 2 gerade scharf wird und von der Kopfflche von Zahn 3 die Hlfte stehen bleibt, S3 liegt also in der Mitte der Kopfflche.

    Schritt 4: Der Abstand von von S3 bis Mitte der Kopfflche von Zahn 4 erscheint relativ klein. Also: Lcke 4 wird so ausgefeilt, dass Zahn 3 gerade scharf wird und von der Kopfflche von Zahn 4

    weniger als die Hlfte stehen bleibt, S4 wird also von der Mitte der Kopfflche etwas nach rechts ver-schoben.

    Und so geht es weiter.

    Wenn man links einige Zhne schon fertig (mit scharfen Schneiden) hat, dann kann man schon an-schaulich sehen, wie gro die Zahnlcken sein sollen: ein Mittelwert dieser fertig ausgefeilten. Das hilft bei der Abschtzung nach Augenma, wie breit die nchste Lcke gefeilt werden soll

    38.

    Es kommt gar nicht darauf an, dass man eine wirklich exakt gleichmige Teilung hinbekommt. Man sollte sich aber bemhen, beim Schrfen einer Bezahnung mit deutlich ungleichmiger Teilung diese tendenziell zu vergleichmigen. Und eine Bezahnung mit gleichmiger Teilung nicht zu verschlech-tern. Mit etwas bung gleicht man brigens sehr viel besser und feiner aus als hier schematisch be-schrieben werden kann.

    Wenn eine Bezahnung sehr ungleichmig ist, also viel ausgeglichen werden muss, sollten die Kopffl-

    chen relativ breit sein (also: beim Abrichten tiefer feilen).

    37

    gerade scharf wird bedeutet: Die Schneide liegt noch nicht nennenswert tiefer als die Kopfflche! 38

    Und das ist wohl auch der Grund, warum das Feilen von einer Seite viel einfacher ist als das mit Sei-tenwechsel. Jedenfalls fr mich. Beim Feilen mit Richtungswechsel sieht man die fertigen Teilungen nmlich erst, wenn es zu spt und nichts mehr zu ndern ist.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 22

    Entsprechend: Kontrolliert-Feilen einer QS- Bezahnung

    Eine QS- Bezahnung sieht beim Kontrolliert-Feilen ganz anders aus: Die Kopfflchen sind nicht mehr

    rechteckig, sondern trapezfrmig oder, wenn sehr klein, dreieckig. Die seitliche Spitze jedes Zahns wird

    in der (durch das Schrnken nach auen gebogenen, lngeren) Auenkante dieser Flche liegen.

    Wenn man (entsprechend wie bei der LS- Bezahnung) annimmt, die Spitzen lgen alle in der Mitte die-

    ser Kante, dann erhlt man die sichtbar ungleichmigen Abstnde D2, D3, D4 usw. Zur Vergleichm-

    igung der Teilung mssen also die Spitzen hin- und hergeschoben werden, indem von der Auenkan-

    te jeweils mehr oder weniger als die Hlfte weggefeilt wird. Wohlgemerkt, als die Hlfte der Kante! Der

    weggefeilte Anteil der Kopfflche ist (infolge der Trapezform) der Flche nicht proportional, da kann

    man sich schnell vertun39

    .

    Bild 19: Kontrolliert-

    Feilen einer QS- Bezah-

    nung, Blick von oben auf

    die abgerichteten und ge-

    schrnkten Zhne

    1,2,3,4:Zhne

    1, 2, 3, 4: Zahnlcken,

    Reihenfolge des Ausfei-

    lens, Breite der gefeilten

    Zahnlcke in Feilrichtung

    D2, D3, D4: Abstnde

    zwischen den Mitten der

    Kopfflchen- Auenkanten

    S1, S2, S3.: Spitzen der

    Zhne (Punkt)

    A: Arbeitsrichtung

    Schritt 1: Als Erstes wird die Zahnbrust von Zahn 1 so berfeilt, dass etwa die Hlfte der Kopfflchen- Aussenkante stehenbleibt. Damit liegt der Ort der Spitze von Zahn 1 (S1, mit Hinweispfeil) fest: am lin-ken Ende des Restes dieser Kante.

    Jetzt beginnt das regulre Ausfeilen Lcke um Lcke mit Vergleichmigung einer ungleichen Teilung:

    Schritt 2: Der Abstand von S1 zur Mitte der Kopfflchen- Auenkante von Zahn 2 erscheint (nach Au-genma) etwas grer als der Sollwert. Also: Lcke 2 wird so ausgefeilt, dass Zahn 1 gerade spitz ist und von der Kopfflchen- Auenkante

    von Zahn 2 etwas mehr als die Hlfte stehen bleibt. Damit rckt die Spitze von Zahn 2 (S2) gegenber der Mitte der Kopfflchen-Auenkante etwas nach links.

    Schritt 3: Der Abstand von S2 bis Mitte der Kopfflchen- Auenkante von Zahn 3 erscheint normal-

    gro.

    Also: Lcke 3 wird so ausgefeilt, dass Zahn 2 gerade spitz ist und von der Kopfflchen- Auenkante

    von Zahn 3 die Hlfte stehen bleibt. Spitze S3 wird also in der Mitte der Kopfflchen- Auenkante lie-

    gen.

    Schritt 4: Der Abstand von S3 bis Mitte der Kopfflchen- Auenkante von Zahn 4 erscheint etwas zu klein. Also: Lcke 4 wird so ausgefeilt, dass Zahn 3 gerade spitz ist und von der Kopfflchen- Auenkante von Zahn 4 weniger als die Hlfte stehen bleibt.

    Und so geht es weiter bis zum letzten Zahn.

    39

    Manchmal muss man sich geradezu zwingen, die Kopfflche bis auf einen winzigen Rest wegzufei-len, siehe in Bild 19 die Kopfflche von Zahn 4.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 23

    5 Schrfpraxis Als Schrfen bezeichne ich den routinemigen Vorgang, der ganz selbstverstndlich zum Gebrauch

    einer Sge gehrt und von Zeit zu Zeit erledigt werden muss:

    Eine stumpf gewordene Sge wird durch ein berfeilen ihrer Zahnlcken (wobei die Zahngeometrie nicht verndert werden soll) scharf gemacht, zur Gratentfernung abgezogen und wenn ntig ge-schrnkt. Mit einem Wort: Sie wird geschrft. Danach ist sie wieder einsetzbar.

    Alles, was darber hinausgeht, bezeichne ich als Herrichten. Wenn also eine Bezahnung erst einmal berfeilt wird, damit man eine hinreichend gleichmige Zahngeometrie hat, oder wenn die Zahngeo-metrie gezielt verndert wird, oder wenn eine vllig versaute Bezahnung wieder brauch bar gemacht wird oder wenn ein Sgeblatt ganz neu bezahnt wird - das alles ist fr mich Herrichten, und es wird in Kap. 6 behandelt.

    5.1 Wann kontrolliert schrfen, wann blind?

    Vor jedem Schrfen ist zu entscheiden:

    Ist es erforderlich, die Sge beim anstehenden Schrfen auch zu schrnken?

    Ist es notwendig. kontrolliert zu schrfen (also mit Kontrolliert-Feilen) oder gengt es, blind zu schrfen (also mit Blind-Feilen)?

    Die Schrnkung wird mit jedem Schrfen kleiner, weil die zur Seite gebogenen Zahnspitzen dabei ge-krzt werden. Irgendwann ist es soweit, dass wieder geschrnkt werden muss.

    Ich fhre ber meine Sgen Buch, jede hat ein Datenblatt (s. Kap. 8.11), auf dem jeder Schrfvorgang sowie die Gre der Schrnkung nach dem Schrfen eingetragen werden. Auerdem ist dort notiert, ob die Sge nach dem letzten Schrfen gut sgte, also auch, ob sie wegen knapper Schrnkung schon ein wenig zum Klemmen neigte. Dort kann ich also sehen

    wie (kontrolliert oder blind) das letzte Mal geschrft wurde.

    welche Schrnkung die Sge braucht und ob die vorhandene Schrnkung reichlich oder schon knapp ist.

    Ist die Schrnkung bereits knapp, dann sollte die zu schrfende Sge auch geschrnkt werden, das ist erfahrungsgem etwa bei jedem dritten Schrfen erforderlich. Wenn ich aber schrnken muss, dann schrfe ich auch kontrolliert

    40, das Schrnken wird dann nach dem Abrichten der Zahnspitzen

    durchgefhrt. In diesem Zustand kann die Schrnkzange am sichersten positioniert werden (s. Kap. 5.4.2), und kleine Schden an den Zhnen, die beim Schrnken kaum ausbleiben, werden beim nach-

    folgenden Ausfeilen sicher entfernt.

    Im Grunde ist es einfach:

    Ist die Schrnkung noch reichlich und die Sge beim letzten Mal kontrolliert geschrft worden, dann schrfe (feile) ich blind.

    Ist die Schrnkung noch reichlich und die Sge beim letzten Mal blind geschrft worden (nach ei-nem kontrollierten Schrfen davor!), dann schrfe ich kontrolliert (aber ohne Schrnken) oder noch einmal blind. Das ist Ermessens- und Stimmungssache. Auf keinen Fall aber schrfe ich ei-ne Sge mehr als zweimal nacheinander blind!

    Ist die Schrnkung knapp oder sogar schon zu klein, dann schrfe ich aus diesem Grunde kontrol-liert und schrnke dabei die Sge nach dem Abrichten.

    5.2 Wahl von Neigung, Schrgung, Schrnkung

    Allgemeines zu Neigung und Schrgung: Die Neigung (Steilheit der Zahnbrust) beeinflusst die Aggressivitt der Sge. Eine sehr kleine Neigung von wenigen Grad oder sogar Null ergibt aggressiv und schnell schneidende, aber schwierig zu starten-de Zhne.

    Die Schrgung gibt den Zhnen die Nebenschneiden mit denen sie die Fasern durchtrennen knnen.

    Mit einem groen Schrgungswinkel (deutlich ber 20) schneiden die Zhne besonders gut, werden aber auch schneller stumpf.

    Oft wird die Geschwindigkeit, mit der eine Handsge sich durch das Holz frisst, der Sgefortschritt, als ganz besonders wichtig herausgestellt. Fr mich ist das eine einseitige Bewertung, ein berbleibsel aus der Vor-Maschinenzeit, als die Tischler mit Handwerkzeugen eine hohe Produktivitt erreichen muss-ten

    41. Natrlich soll eine frisch geschrfte Sge gut schneiden. Aber gut heit nicht nur: schnell (es sei

    denn, man sgt Brennholz). Andere Kriterien, wie glatte Schnittflche, Ausrissfreiheit, leichte Startbar-

    40

    Schrnken in Kombination mit Blind-Feilen ist nicht unmglich, aber ich mache das nicht. 41

    Tischler muss damals ein sehr harter Beruf gewesen sein. Man sollte das nicht romantisieren.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 24

    keit knnen ebenso wichtig sein und es sinnvoll machen dass man der Sge eine weniger aggressive Zahnform gibt.

    In meinen ersten Jahren als Sgenschrfer habe ich viel mit unterschiedlichen Zahngeometrien herum-probiert, bin letztlich aber zu der Meinung gekommen, dass geometrische Feinheiten gar nicht so viel Bedeutung haben viel wichtiger ist dass die Sge gut geschrft wird und dass man mit dem nchsten Schrfen nicht zu lange wartet.

    Auch bei mir ist die Mehrzahl der Sgen ausgeprgt auf Sto gefeilt, also mit steilstehender Zahn-brust, darum schnell schneidend. Ich habe aber auch Sgen, deren Geometrie ganz anders ist, nmlich mit symmetrischen Zhnen (Neigung 30). Sgen mit solchen Bezahnungen schneiden sehr weich, mit auffallend geringen Ausrissen. Sie funktionieren sowohl auf Schub als auch auf Zug, und sie sind spie-lend leicht zu starten. Ich hatte vor Jahren einen kleinen Fuchsschwanz versuchsweise mit einer sym-metrischen QS- Bezahnung (Daten s. u.) versehen, zum ausrissarmen Schneiden von Multiplex, Leim-holzplatten und hnlichem. Er funktionierte verblffend gut

    42 -- und ist so geblieben.

    Spter habe ich probiert, an Feinsgen mit 1,7 mm Teilung solche symmetrischen Bezahnungen so-wohl in Lngsschnitt- als auch in Querschnittausfhrung einzusetzen, um einen besonders feinen, glat-ten Schnitt zu erhalten. Und siehe da, es funktioniert. Das bedeutet fr mich, dass ich keine feinere Zahnteilung brauche (und schrfen muss!) als diese 1,7 mm. Meine kleinen Feinsgen mit 1,2 mm Tei-lung, die ich auch selbst geschrft hatte, habe ich erleichtert weggegeben.

    Allen, die ihre Sgen selbst schrfen, empfehle ich, selbst solche Versuche zu machen. Ich bin sicher, dass beispielsweise LS- Sgen mit 15 Neigung (fand ich so bei einem UlmiaSpannsgeblatt) auch sehr schn funktionieren.

    Neigung und Schrgung meiner Sgen: Ich schrfe meine westlichen Sgen nur noch mit vier standardisierten und nach Augenschein leicht un-terscheidbaren Geometrien:

    Lngsschnitt, Standard (LS): Neigung N = 4 Schrgung S = 0

    Querschnitt, Standard (QS): Neigung N = 12 Schrgung S = 25

    Lngsschnitt, symmetrisch (LS sym): Neigung N = 30 Schrgung S= 0

    Querschnitt, symmetrisch: (QS sym): Neigung N = 30 Schrgung S = 25

    Allgemeines zur Schrnkung: Die erforderliche Gre der Schrnkung wchst mit der Zahnteilung, auerdem mit der Elastizitt des Holzes; Sgen fr weiches oder feuchtes Holz brauchen tendenziell eine grere Schrnkung. Wenn andererseits die Bezahnung scharf ist, also mit wenig Schnittkraft arbeitet, verringert sich die Rckfede-rung des Holzes und damit die notwendige Schrnkung.

    Wenn die Schnittfuge sich verengt und das Blatt festklemmt, weil beim Sgen innere Spannungen des Holzes freiwerden, dann sollte nicht man nicht versuchen, das Problem durch besonders groe Schrn-kung zu lsen, sondern die Fuge mit einem Keil offen halten.

    Die Schrnkung soll nicht grer sein als erforderlich; eine knappe Schrnkung begnstigt einen glat-ten, sauberen Schnitt und reduziert den Kraftbedarf weil weniger zerspant wird. Viele nachschrfbare Sgen haben im Neuzustand eine viel zu groe Schrnkung.

    Eine stark geschrnkte Sge erlaubt ein deutliches Nachsteuern der Sgerichtung. Das ist aber nur hilfreich, wenn man wenig bung hat oder nicht sorgfltig sgt

    43.

    In meiner Werkstatt wird ausschlielich trockenes Holz bearbeitet und ich benutze fr Hartholz (Laubholz) und fr Weichholz (Nadelholz) die gleichen Sgen.

    Schrnkung meiner Sgen (Mindestgre fr einwandfreie Funktion):

    Sgen mit breitem Blatt (Rckensgen, Fuchsschwnze): Ymin 10% der Zahnteilung

    Spannsgen (Gestellsgen) mit dnnen, schmalen Blttern: Ymin 5 - 10% der Zahnteilung

    Also, z .B.: Feinsge mit 1,7 mm Zahnteilung: Ymin 0,15 mm, Fuchsschwanz mit 5 mm Zahnteilung: Ymin 0,5 mm. Spannsge mit 3mm Zahnteilung: Ymin 0,2 mm. Alle Anderen sinngem.

    Im Grunde muss man ausprobieren (testen, messen, aufschreiben) mit welcher Schrnkung man gut arbeiten kann. Messen ist wichtig (s. auch Kap. 7.6), Augenma reicht da nicht!

    Ich schrnke auf Vorrat gebe der Bezahnung also etwas mehr Schrnkung als hier angegeben und kann danach ein- oder zweimal schrfen ohne neu schrnken zu mssen.

    42

    Man muss sich allerdings daran gewhnen, das Blatt deutlich strker herunterzudrcken. 43

    Eigentlich sollte man den Schnitt exakt ansetzen. Und whrend der ersten Ste lsst sich jede Sge in der Richtung korrigieren, auch bei sehr knapper Schrnkung.

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 25

    5.3 Erstes Beispiel: Blind-Schrfen einer LS- Sge

    Ich schrfe meine Sgen hufig blind (immer dann, wenn das aufwndigere Kontrolliert-Schrfen nicht erforderlich ist, s. Kap. 5.1). Solche Schrfvorgnge sind fr diese Anleitung sehr unergiebig, vor allem

    sieht man auf einem Foto einer Bezahnung, die das letzte Mal spitz gefeilt wurde und jetzt wieder, gar nichts.

    Ich habe darum als Beispiel eine Sge ausgesucht, deren Fabrikbezahnung unter Beibehaltung der Geometrie mit der Feile geschrft wird - da sieht man einen Vorher-Nachher-Unterschied. Es ist ein kleiner Fuchsschwanz (sowas wird aus Bundeswehrbestnden billig verramscht, dabei ist die Qualitt des Blattes sehr ordentlich).

    Objekt: Fuchsschwanz K&P, 300mm Blattlnge

    Bezahnung: LS, Teilung = 3,4 mm , Schrnkung: 0,4mm (reichlich!)

    Zustand der Bezahnung: fabrikneu, brauchbar aber nicht sonderlich scharf

    Ziel: Soll deutlich schrfer werden ohne Vernderung der Geometrie

    Zum Schrfen wurde die Neigung der Zhne mit Hilfe eines Winkelmessers abgeschtzt. Ergebnis: N = 17. Auf diesen Wert wurde dann auch die verstellbare Winkellehre (s. Kap. 7.4.3) eingestellt.

    Bild 20: Blind-Schrfen eines kleinen Fuchsschwanzes

    oben: Fuchsschwanz

    unten: blind berfeilt mit 3 Stri-chen pro Zahnlcke.

    3 Zhne links: berfeilt, 3 Zhne rechts: noch Originalzustand aus Fabrikation. Die Qualittsverbes-serung ist deutlich.

    Die Bezahnung wurde anschlie-end auf der Seite, die einen deutlichen Feilgrat aufweist (bei Blick auf die am Griff gehaltene Sge: links) leicht seitlich abge-zogen (zum Abziehen: s. Kap. 5.4.5).

    Feilspne wurden fr Aufnahme entfernt.

    Ein Feilenstrich bedeutet, dass die Feile einmal mit ihrer ganzen Lnge durch die Zahnlcke gescho-ben wird, mit leichtem Druck nach unten. Wenn man mehrere Striche machen will: Zurck auch in der Zahnlcke, aber ohne Druck. Richtung und Winkellage sollen konstant gehalten werden, so gut man das freihndig kann keine Schaukel- oder Drehbewegungen!

    Das in Kap. 5.4.5 ausfhrlich gezeigte beidseitige seitliche Abziehen der Bezahnung ist in diesem Fall

    nicht erforderlich, weil es nicht um die Egalisierung der Schrnkung, sondern nur um eine Reduzierung des Feilgrates geht, und der ist hier einseitig.

    Ein kleines Problem beim Blind Feilen: Wenn man das Feilen unterbricht, ist kaum noch wiederzufinden wie weit man war. Ganz deutlich sieht man das aber, wenn man vor Beginn des Feilens mit einem dunklen Filzschreiber einmal entlang der Zahnspitzen ber die Sge gegangen ist. Leider ist der Filz-schreiber danach nicht mehr brauchbar. Genauso gut funktioniert ein kleines Lppchen, das mit schwarzer Ausziehtusche (sicher geht auch Anderes) befeuchtet wurde.

    5.4 Zweites Beispiel: Kontrolliert-Schrfen (mit Schrnken) einer LS-Bezahnung

    Objekt: Fuchsschwanz Disston D8 (gezeigt schon in Bild 1, ganz vorn), Blattlnge 660 mm

    Bezahnung: LS, Teilung =5,1 mm , Schrnkung: 0,44 mm (knapp)

    Zustand der Bezahnung: ordentlich (eigenhndig) geschrft, aber nun stumpf

    Ziel: Die Sge soll wieder scharf und strker geschrnkt werden

  • Friedrich Kollenrott: Das Schrfen von Sgen 2016 S. 26

    5.4.1 Abrichten der Sge

    Zum Abrichten wird die Sge in der Feilkluppe oder einem Schraubstock eingespannt (jetzt mglichst hoch). Mit einer nicht zu groben Flachfeile (s. auch Kap. 7.3) werden die Zahnkpfe in Lngsrichtung

    ganz leicht berfeilt.

    Bild 21: Abrichten einer Bezahnung mit der Flachfeile

    Sge ist in Tischlerschraubstock gespannt

    Es gengt, nach Augenma darauf zu achten, dass die Feile waagerecht (in der x-y- Ebene, vgl. Bild 9) gehalten wird. Es feilt sich besser in Arbeitsrichtung der Sge, also vom Griff zum vorderen Ende des Blattes hin. Gefeilt wird solange, bis jeder Zahn eine ganz kleine Flche am Kopf hat, die etwa 0,1 bis 0,3 mal so breit wie die Teilung ist.

    Die Kopfflchen sollen ber die Lnge des Blattes etwa gleichgro sein. Je gleichmiger die Zhne

    sind, desto kleiner drfen die Kopfflchen sein. Gute Feilen sind etwas konvex gebogen (damit man mit ihnen auch eine Planflche in ihrer Mitte bearbeiten kann) und erzeugen, wenn man nicht aufpasst, beim Abrichten eine etwas hohle Zahnkopflinie, die beim Sgen berhaupt nicht strt, aber evtl. beim spteren Blankmachen mit einem planen Stein (s. Kap. 5.4.3).

    5.4.2 Schrnken (nur wenn erforderlich)

    Wenn die vorhandene Schrnkung nicht mehr ausreicht, wird nach dem Abrichten geschrnkt. Dazu wird die Sge (hoch) eingespannt und dann werden mit der Schrnkzange die Zhne an ihren Spitzen gebogen. Erst jeder zweite in die eine Richtung, dann (nach Umdrehen der Sge) die dazwischenlie-genden Zhne in die andere Richtung. Es ist darauf zu achten, dass die vorhandene Schrnkrichtung an den Zhnen beibehalten wird (sonst besteht erhhte Bruchgefahr).

    Bei LS- Bezahnungen mit sehr kleiner Schrnkung und Zahnteilung kann es schwierig sein, nach dem Abrichten (= Entfernen der Zahnspitzen) noch eindeutig zu erkennen in welche Richtung geschrnkt war. Da empfiehlt es sich, vor dem Abrichten an einem Zahn die Richtung der Schrnkung mit einem Filzschreiber zu markieren.

    Funktionsweise der Schrnkzangen und Schrnkvorgang: Schrnkzangen fr so kleine Zhnchen wie sie hier behandelt werden arbeiten blicherweise nach dem Plunger- Prinzip ( Bild 22): Die Zange wird fr den Schrnkvorgang auf die Zahnspitzen gesetzt, bes-

    ser natrlich (und bei mir immer) auf die Kopfflchen der noch nicht fertig gefeilten Zhne. Sie hat einen Amboss, das ist ein planes gehrtetes Stahlstck mit einer flachen Fase oben. Beim Zusammendr-cken der Zange wird zunchst das Blatt unterhalb der Zhne von einem zylindrischen Stempel (dem Plunger) gegen die Planflche des gegenberliegenden Ambosses gedrckt und so fixiert. Dann kommt aus diesem Plunger ein viel kleinerer, rechteckiger Stempel heraus, der den Zahn gegen die Fa-senflche des Ambosses biegt.

    Die Gre der Schrnkung wird eingestellt durch Hhenverstellung der flachen Fase am Amboss und damit des Biegebeginns am Zahn, der Biegewinkel ist immer gleich. Bei der Stanley wird der rechtwink-lige Amboss nach oben oder unten verschoben. Bei Eclipse und Somax ist der Amboss rund, die Fa-senkante eine Spirale, und der Amboss wird zur Einstellung gedreht.

    Bild 22: Schrnkzange (Stanley 42X) auf die abgerichtete Be-zahnung gesetzt

    Sge: Fuch