E&W 4/2015

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Monatszeitschrift des GEW-Hauptvorstandes Ausgabe 04/2015 Schwerpunkt: Für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Text of E&W 4/2015

  • Fr mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

    Erziehung & Wissenschaft 04/2015Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

    GewerkschaErziehung und Wissenscha

  • Zum Wohl der Beschftigten2006 hat der Jahresbericht der Bundesregierung ber Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zum ersten Mal dokumentiert: Die Quoten der Arbeitsunfhigkeit liegen in pdagogischen Berufen ber dem Durchschnitt der Beschftigten aller Branchen. In der arbeitswissenschaftlichen Diskussion war indes schon lnger erforscht: Der auf Gegenseitigkeit angelegte Bildungs- und Erziehungsprozess birgt beachtliche Konflikt- und Strungsrisiken auf der Arbeits- und Beziehungsebene. Diese interaktive Beziehung verlangt von Lehrkrften wie von Erzieherinnen und Erziehern eine hohe Konzentration im Arbeitsalltag und die Bereitschaft, auf nicht selten schnell wechselnde Situationen sowie auf unterschiedliche Fhigkeiten, Probleme und Mentalitten der Kinder und Jugendlichen einzugehen.Lehrkrfte sind zudem in eine hierarchische Organisation eingebunden. Die ueren beruflichen Rahmenbedingungen werden mitunter durch groe Klassen, schlecht gepflegte Arbeitssttten und eine gesundheitsferne Bau- und Raumplanung bestimmt. hnliches trifft auch auf die Kitas zu. Obgleich durch Raumakustik in Kooperation mit den Unfallkassen gesundheitsgefhrdender Lrm in Klassen und Gruppenrumen verringert werden soll, sind solche Manahmen bis heute nicht selbstverstndlich. Fr die Beschftigten in pdagogischen Berufen ist der Erhalt der eigenen Gesundheit zunehmend ein wichtiges Thema geworden. Als die Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagessttten 2009 bereit waren, fr einen besseren Gesundheitsschutz zu streiken, war die ffentlichkeit berrascht. Zeitgleich hatten GEW-Personalrte an Schulen Baden-Wrttembergs bereits ihre Mitbestimmungsrechte erfolgreich eingesetzt, um Sicherheitsfachkrfte zu bestellen. Vor 2010 hatte kein Bundesland das Arbeitssicherheitsgesetz korrekt angewandt, so dass in der Verwaltung und den Schulen das elementare arbeitsschutzrechtliche Know-how fehlte. Und obwohl das neue Arbeitsschutzgesetz seit 1996 auch fr Beamtinnen und Beamte gilt, war es schwierig, dessen Kernstck, die betriebsorientierte Gefhrdungsbeurteilung physischer und psychischer Belastungen, in den Schulen

    einzufhren (s.S.20f.). Inzwischen ist weitgehend geklrt, dass jede Schule eine solche Gefhrdungsbeurteilung sowie eine Arbeitssicherheitsorganisation nach dem Mastab der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) organisieren muss; die Erfahrungen der Bundeslnder, in denen Gefhrdungsbeurteilungen mit fachlich kompetenter Begleitung vorgenommen wurden, zeigen ein relativ einheitliches Bild: Defizitre Arbeitssttten belegen die mangelnde Kooperation zwischen Dienstherren und Schultrgern; die Schulleitungen werden durch Abwlzen der Pflichten von oben zustzlich belastet, nicht ausreichend fortgebildet und erhalten wenig Untersttzung durch die Kultusministerien. Vor allem aber fhren Schwchen in der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen zu physischen und psychischen Belastungen. Diese lieen sich verringern, wenn arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse mehr in der Praxis genutzt wrden. Als engagierte Akteure haben sich vor allem die von der GEW untersttzten Personalrte profiliert, da das Mitbestimmungsrecht beim Gesundheitsschutz mittlerweile deutlich gestrkt worden ist. Zu den mitbestimmten Manahmen eines aktiven Arbeitsschutzes gehrt es, z.B. Gesundheitszirkel in den Schulen einzurichten sowie die in der DGUV 2 beschlossene Organisation* umzusetzen. Fest steht: Die Dienststelle darf die Verantwortung fr den Gesundheitsschutz nicht auf die Schultrger abschieben, denn sie betreibt die Arbeitssttte. Deshalb ist sie dafr zustndig, diese zum Wohl der Beschftigten angemessen zu gestalten. Fr Personalrte und Gewerkschaften ergeben sich damit zahlreiche Aktionsfelder, zusammen mit den Beschftigten den Gesundheitsschutz in Kitas, Schulen und Hochschulen voranzubringen.

    Prof. Wolfhard Kohte,

    Universitt Halle

    *s. Beschluss des VG Dsseldorf, 24. Oktober 2014

    Foto

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    WOLFHARD KOHTE

    Erziehung und Wissenschaft | 04/2015

    2 GASTKOMMENTAR

  • IMPRESSUM Erziehung und WissenschaftAllgemeine Deutsche Lehrerzeitung 67. Jg. Herausgeber: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund Vorsitzende: Marlis TepeRedaktionsleiter: Ulf RddeRedakteurin: Helga Haas-RietschelRedaktionsassistentin: Renate KrnerPostanschrift der Redaktion: Reifenberger Strae 21 60489 Frankfurt am Main Telefon 069 78973-0Fax 069 78973-202 renate.koerner@gew.dewww.gew.defacebook.com/GEW.DieBildungsgewerkschaft twitter.com/gew_bund Redaktionsschluss ist in der Regel der 7. eines jeden Monats. Erziehung und Wissenschaft erscheint elfmal jhrlich. Gestaltung: Werbeagentur Zimmermann, Heddernheimer Landstrae 14460439 Frankfurt

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    Erfllungsort und Gerichtsstand: Frankfurt am Main

    ISSN 0342-0671

    Die E&W wird auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier gedruckt.

    GastkommentarZum Wohl der Beschftigten Seite 2

    Impressum Seite 3

    Auf einen Blick Seite 4

    Prmie des Monats Seite 5

    Schwerpunkt: Belastung und Druck1. Frderschule in Leipzig: Dem Burnout ins Gesicht gelacht Seite 62. Brgerschule Husum: Wie Piloten beim Start Seite 93. Interview mit Hedwig Schomacher: Das Klima muss stimmen Seite 124. Interview mit Doreen Siebernik und Brbel Jung: Zwischen allen Sthlen Seite 145. Lehrerbefragung Baden-Wrttemberg: Die Vermessung der Seele Seite 166. Interview mit Margit Stolz-Vahle: Es ist so gut wie nichts passiert Seite 187. Umfragen GEW-Landesverbnde: Zu wenig Zeit fr zu viel Arbeit Seite 198. Gefhrdungsbeurteilung: Psychostress im Job am Pranger Seite 209. GEW-Kommentar: Selbst aktiv werden! Seite 22

    Tarifrunde ffentlicher Dienst Lnder 1. Tarifverhandlungen Lnder in Runde vier Seite 232. Warnstreiks: GEW macht Druck Seite 24

    SchuleSchulbuchstudie Migration und Integration: Nicht der Normalfall Seite 26

    GEW-Intern 1. Stellenausschreibung Geschftsfhrung beim GEW-Hauptvorstand Seite 272. DBV-Sterbegeldversicherung Seite 373. MaiMeeting der GEW Seite 43

    Bildungspolitik 1. Interview mit Sabine Klomfa: Auf dem Prfstand: Geschlechtergerechtigkeit Seite 282. Lnderserie Inklusion: Saarland: Inklusion ohne Brechstange Seite 30

    Internationales Kubas Lehrkrfte: Wenig Geld schlechte Arbeitsbedingungen Seite 32

    Fr ein besseres EGO 1. Serie Erzieherinnen: Kinder sind der Motor Seite 342. Tarifverhandlungen SuE: Den Beruf deutlich aufwerten Seite 363. Fachkrftemangel: An allen Ecken fehlt Personal Seite 41

    Recht und Rechtsschutz Seite 42

    Leserforum Seite 44

    MedienSocial Media Seite 45

    Diesmal Seite 48

    Titel: Werbeagentur Zimmermann

    InhaltPrmie

    des Monats

    Seite 5

    Erziehung und Wissenschaft | 04/2015

    3INHALT

  • Qualittsoffensive LehrerbildungMit der gemeinsamen Qualittsoffensive Lehrerbildung wollen Bund und Lnder hervorragende Lehrangebote an Hochschulen untersttzen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz stufte in der ersten Bewilligungsrunde 19 Projekte an Universitten aus neun Bundeslndern als frderungswrdig ein. Bis 2023 sollen in zwei Frderphasen Reformen in der Lehrkrftebildung vorangebracht und das Lehramtsstudium aufgewertet werden. Der Bund nehme ber die gesamte Laufzeit bis zu 500 Millionen Euro in die Hand, um die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern nachhaltig zu verbessern, erluterte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Die Lnder gewhrleisten im Gegenzug die gegenseitige Anerkennung der Studienleistungen und -abschlsse. Die GEW begrt, dass die Frderung aus dem bereits vor zwei Jahren beschlossenen Bund-Lnder-Programm endlich starten kann. Die ausgewhlten Hochschulen, so GEW-Vize Andreas Keller, htten jetzt die Chance, Impulse fr die berfllige Weiterentwicklung der Lehrkrftebildung zu setzen. Inklusion, Ganztag, Zuwanderung und digitale Bildung nennt Keller als neue Herausforderungen, denen ein Lehramtsstudium Rechnung tragen msse. Zugleich fordert der GEW-Hochschulexperte, nicht nur ausgewhlte Projekte an wenigen Unis, sondern auch strker in der Breite zu frdern. Weitere Infos: www.gew.de/Erste_Auswahlrunde_der_ Qualitaetsoffensive_Lehrerbildung.html

    Eingriff in das StreikrechtDer Bundestag hat am 5. Mrz erstmals das geplante Gesetz zur Tarifeinheit beraten. Der Entwurf ist umstritten, weil er vorsieht, dass knftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten soll. Die GEW sieht darin einen Eingriff in das Streikrecht. Streiks fr eigenstndige tarifliche Bedingungen, zu denen eine Minderheitsgewerkschaft aufruft, unterlgen dann der gerichtlichen Prfung. Das kritisierten auch ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststtten (NGG). Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, ber das der Berliner Tages