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Landtag Ausschussprotokoll Nordrhein-Westfalen APr 16/436 16. Wahlperiode 15.01.2014 Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15. Sitzung (öffentlich) 15. Januar 2014 Düsseldorf Haus des Landtags 13:30 Uhr bis 15:50 Uhr Vorsitz: Daniela Jansen (SPD) Protokoll: Eva-Maria Bartylla Verhandlungspunkte und Ergebnisse: Vor Eintritt in die Tagesordnung 3 1 Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule Beruf in NRW“ 4 a) Berichte der beteiligten Ressorts der Landesregierung b) Vorstellung des gemeinsamen Projekts von MGEPA und MAIS „Kein Abschluss ohne Anschluss Gendersensibilität erhöhen. Qualität im Übergang Schule Beruf sichern.“ Bericht von Ministerin Barbara Steffens (MGEPA) Bericht von RD Christofer Godde (MAIS) gemeinsamer Bericht von LMR Wolfgang Koch (MSW) und von LMR Richard Stigulinszky (MSW)

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  • Landtag Ausschussprotokoll Nordrhein-Westfalen APr 16/436 16. Wahlperiode 15.01.2014

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15. Sitzung (öffentlich)

    15. Januar 2014

    Düsseldorf – Haus des Landtags

    13:30 Uhr bis 15:50 Uhr

    Vorsitz: Daniela Jansen (SPD)

    Protokoll: Eva-Maria Bartylla

    Verhandlungspunkte und Ergebnisse:

    Vor Eintritt in die Tagesordnung 3

    1 Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule – Beruf in NRW“ 4

    a) Berichte der beteiligten Ressorts der Landesregierung

    b) Vorstellung des gemeinsamen Projekts von MGEPA und MAIS „Kein Abschluss ohne Anschluss – Gendersensibilität erhöhen. Qualität im Übergang Schule – Beruf sichern.“

    – Bericht von Ministerin Barbara Steffens (MGEPA)

    – Bericht von RD Christofer Godde (MAIS)

    – gemeinsamer Bericht von LMR Wolfgang Koch (MSW) und von LMR Richard Stigulinszky (MSW)

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 2 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    – Bericht von Doro-Thea Chwalek (Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit)

    – Diskussion

    2 Gesetz zur Aufhebung des Tariftreue- und Vergabegesetzes Nordrhein-Westfalen 27

    Gesetzentwurf der Fraktion der FDP Drucksache 16/4443

    Der Ausschuss beschließt, sich nachrichtlich an der Anhörung im federführenden Wirtschaftsausschuss zu beteiligen.

    3 Stalking-Opfer besser schützen 28

    Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 16/4578

    Der Ausschuss lehnt den Antrag mit den Stimmen von SPD und Grünen gegen die Stimmen der CDU-Fraktion bei Enthaltung der FDP-Fraktion und der Piraten ab.

    4 Verschiedenes 29

    * * *

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 3 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Aus der Diskussion

    Vor Eintritt in die Tagesordnung

    wünscht Vorsitzende Daniela Jansen allen Anwesenden ein gutes neues Jahr und alles Gute für die weitere Zusammenarbeit.

    Als neue Staatssekretärin begrüße sie Frau Hoffmann-Badache und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 4 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la 1 Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule –

    Beruf in NRW“

    a) Berichte der beteiligten Ressorts der Landesregierung

    b) Vorstellung des gemeinsamen Projekts von MGEPA und MAIS „Kein Ab-schluss ohne Anschluss – Gendersensibilität erhöhen. Qualität im Über-gang Schule – Beruf sichern.“

    Ministerin Barbara Steffens (MGEPA) führt in die Thematik ein:

    Liebe Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich möchte kurz erläutern, warum das auch Thema im Frauenausschuss ist und das Thema für die Landes-regierung auch unter Genderaspekten besonders wichtig ist.

    Die Ausgangslage ist, dass nach wie vor 40 % der weiblichen und ca. ein Drittel der männlichen Auszubildenden aus der sogenannten Top Ten der Ausbildungs-berufe auswählen. Wir haben 345 Ausbildungsberufe. Deshalb ist es erschre-ckend, dass wir nach wie vor diese Konzentration haben.

    Auch bei der Wahl der Studienfächer sieht das Ganze nicht so viel anders aus. Da haben wir immer noch die ganz klare Top Ten. Es wird in den klassischen soziali-sierten Berufsbildern gedacht und der Beruf entsprechend ausgewählt.

    Wir haben nach wie vor kaum Gemeinsamkeiten zwischen den Berufen, die Frau-en wählen, und denen, die Männer wählen.

    Das führt letztendlich dazu, dass die Chancen für Frauen nach wie vor ungenutzt bleiben. Junge Frauen, die gute Schulabschlüsse, Kompetenzen und Möglichkei-ten haben, schöpfen ihre Potenziale nach wie vor nicht aus. Sie sind zu selten in Handwerk und Technik, wo aber, wenn sie da sind, Frauen sehr erfolgreich sind. Es gibt also überhaupt keinen Grund, warum diese Berufe gemieden werden.

    Gleichzeitig wissen wir – auch das ist frauenpolitisch wichtig –, dass Männer in Bereichen, die heute eher von Frauen als Berufsbild gewählt werden, fehlen. Der wesentliche Bereich, in dem uns die Männer wirklich fehlen, ist die Pflege, das ge-samte Gesundheitswesen.

    Sie fehlen dort nicht nur, damit sie die Zahl derjenigen, die in dem Bereich ihre Be-rufe wählen, erhöhen. Sie fehlen dort auch, weil wir gerade in der Pflege oft ge-schlechterdifferenzierte und geschlechterspezifische Angebote brauchen. Wenn Männer von Männern gepflegt werden wollen und keine Pfleger da sind, ist das ein Problem.

    Auch da müssen wir die Grenzen zwischen Frauen- und Männerberufen aufbre-chen. Wir wissen, dass wir das aber nicht nur mit solchen Konzepten schaffen. So lange die von Frauen mehr gewählten Berufsbilder schlechter bezahlt werden, nützen oft die Übergangssysteme nicht ganz so viel wie sie nützen könnten, wenn wir hier eine andere Finanzierung hätten.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 5 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Im November 2011 hat der Ausbildungskonsens die landesweite Einführung eines transparenten und geschlechtersensiblen neuen Übergangssystems beschlossen. Das ist das erste Mal, dass diese Geschlechtersensibilität in der Form Eingang ge-funden hat, auch wenn vorher die Problematik natürlich klar war.

    Das MGEPA hat den Prozess der Konzeptentwicklung mit begleitet. Bei der Um-setzung des neuen Übergangssystems wird immer wieder geguckt, wie sich das Ministerium einbringen kann. Es ist Mitglied im Arbeitskreis des Ausbildungskon-senses. Das Ministerium hat die Studie „Gender in Berufs- und Studienorientie-rung in NRW“ mit gefördert. Das Projekt mit dem MAIS „Geschlechtersensibilität erhöhen. Qualität im Übergang Schule – Beruf sichern“ wird auch gemeinsam ver-sucht voranzubringen. Denn gerade bezogen auf die Probleme von Frauen und Mädchen sind in der Fachabteilung viele Erfahrungen vorhanden, die vielleicht im Regelsystem an anderer Stelle fehlen.

    Im Arbeitskreis des Ausbildungskonsenses hat das MGEPA bei der Erarbeitung des Konzeptes, wie gesagt, mitgewirkt. In der Broschüre zum Landesvorhaben ist Geschlechtersensibilität als Qualitätsmerkmal des neuen Übergangssystems an vielen Stellen benannt. Das ist schon mal ein wichtiger Schritt. Bis es wirklich im System implementiert ist, werden wir aber noch eine Weile brauchen.

    Bei der Studie „Gender in der Berufs- und Studienorientierung in NRW“ fangen wir im Land nicht bei Null an bei der Umsetzung von Gendersensibilität. Wir haben viele Projekte und Arbeitsstrukturen, auf deren Erfahrungen und Konzepten auf-gebaut werden kann. Auch da versuchen wir gemeinsam, eine Implementierung zu erreichen.

    Gibt es regionale Unterschiede? Gibt es in den Regionen ausreichend Angebote? Auch das ist eine wichtige Frage dieser Studie gewesen.

    Wir haben uns deswegen als MGEPA entschieden, dass wir bei dieser Studie „Gender in der Berufs- und Studienorientierung“ mit in die finanzielle Förderung gehen.

    Träger der Studie ist das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancen-gleichheit e. V. in Bielefeld.

    Wenn man sich anguckt, was hier bisher geleistet worden ist, sieht man, dass das wirklich Pionierarbeit ist. Das ist wirklich an vielen Stellen aus dem Nichts entstan-den, obwohl wir immer das Gefühl hatten, wir wissen schon einiges.

    Es fällt schnell auf, dass wir sehr große Unterschiede haben. In den Regionen, in denen Einzelpersonen das Thema für sich erkannt haben, haben wir heute einen anderen Stand als in den Regionen, in denen diese Personen einfach gefehlt ha-ben. Das hat mit dem Einzelengagement zu tun.

    Das gemeinsame Projekt mit dem MAIS „Geschlechtersensibilität erhöhen. Quali-tät im Übergang Schule – Beruf sichern.“ ist auch für uns ein wichtiges Projekt gewesen. Denn auf der Grundlage des Wissens haben MGEPA und MAIS dann gemeinsam versucht, dieses Projekt zu initiieren.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 6 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Das Ziel ist, dass die Genderkompetenz der handelnden Akteure in dem neuen Übergangssystem nachhaltig gestärkt wird. Deswegen wird das Projekt als inte-grierter Baustein auch in dem neuen Übergangssystem angeboten werden.

    Über eine Laufzeit von zwei Jahren war die finanzielle Förderung insgesamt 500.000 €, wovon das MAIS 400.000 € über ESF-Mittel bereitgestellt hat, was schon eine ordentliche Summe ist für eine solche Sache. Wir haben 100.000 €, die als Komplementärmittel notwendig waren, aus dem MGEPA-Haushalt dazu beigetragen. Solche übergreifenden Projekte zeigen auch, wie sinnvoll und wichtig das ist, dass man da miteinander kooperiert.

    Getragen wird das Vorhaben von einem breiten Trägerkonsortium bestehend aus dem FrauenForum Münster e. V., dem Handwerkerinnenhaus Köln, FUMA Fach-stelle Gender NRW in Essen sowie dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit. Damit wird klar, dass unterschiedliche Blickrichtungen auch wieder für unterschiedliche Ansätze zusammengeflossen sind. Das führt vor dem Hintergrund der langjährigen Erfahrungen der einzelnen Träger wirklich dazu, dass man ein solches sehr breites Vorhaben hat, das fachlich, aber auch regional sehr breit aufgestellt wird.

    Im Parlament haben über die Jahre viele Genderdiskussionen stattgefunden. Das ist kein Selbstläufer. Bei dem Übergangssystem ist wichtig, dass die Geschlech-tersensibilität wirklich als Qualitätsmerkmal implementiert wird und nachhaltig er-halten bleibt. Denn einmal Gender heißt nicht immer Gender. Das muss entspre-chend implementiert sein.

    Deswegen ist es ganz wichtig, dass auch Sie als Abgeordnete das mit den Kolle-gen und Kolleginnen in den Regionen unterstützen, wo und wann auch immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Denn die regionale Verankerung ist letztendlich das, was trägt. Wenn die Projekte regional nicht laufen und die Akteure das nicht mit Herzblut vertreten, wird das nicht implementiert sein.

    Ich glaube, dass mit diesem neuen Übergangssystem die Chance besteht, aus den alten Rollenstereotypen auszubrechen. Aber diese Chance muss auch von al-len gemeinsam genutzt werden.

    Das wäre für uns nicht nur frauenpolitisch ein großer Erfolg. Deswegen kann ich nur sagen: Motivieren Sie bitte auch die Kolleginnen und Kollegen, die in der Ju-gendhilfe und vor allen Dingen im Wirtschaftsausschuss sitzen. Denn das, was hier mit einem solchen Genderansatz passiert, führt dazu, dass wir in allen Berei-chen nachhaltige Erfolge erzielen können. Gerade für die Wirtschaft, gerade in der Arbeitsmarktpolitik, wird das sehr wichtig sein. Von daher setzen wir auch als Lan-desregierung darauf, dass das Parlament das mit in die Fläche trägt und mit un-terstützt.

    Die Präsentation von RD Christofer Godde (MAIS) ist dem Protokoll als Anlage bei-gefügt. (siehe Anlage 1 zu TOP 1)

    LMR Wolfgang Koch (MSW) legt dar (siehe ergänzend Anlage 2 zu TOP 1):

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    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Frau Vorsitzende! Frau Ministerin! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zunächst ganz herzlichen Dank für die Einladung. Wir sind sehr gerne gekommen, um mit Ihnen über grundlegende Problemstellungen, aber auch grundlegende Zielsetzungen, die mit diesem neuen Übergangssystem verbunden sind, zu sprechen. Denn wir glauben, dass die Herausforderungen insgesamt so gewaltig sind, dass es nicht reicht, wenn man die in Papierform liest, sondern dass da das Gespräch schon das geeignete Medium darstellt.

    Es gab und gibt kein anderes Landesvorhaben, das diesen Anspruch an die Ge-sellschaft, an die Schulen richtet, nämlich dass alle Schülerinnen und Schüler egal, in welcher Schulform, nach einem System qualifiziert werden. Dieses Sys-tem sind dann die einzelnen Standardelemente.

    Es gibt Schulformen, die von der Berufs- und Studienorientierung eher noch weiter entfernt sind, Gymnasien zum Beispiel. Für die ist das eine noch größere Heraus-forderung als etwa für Hauptschulen und Gesamtschulen. Das ist ein wichtiger Punkt. Wir wollen alle erreichen.

    Wenn wir diesen Problemlagen mit einer Förderung der Kompetenz mit Blick auf die Individualisierung von Schülerinnen und Schülern gerecht werden wollen, auch dass eine geschlechtersensible Entscheidungskompetenz wächst, dann wissen wir, dass der Jahrgang 8, in dem wir hier beginnen, viel zu spät ist und dass die Grundlagen dafür bereits im Elternhaus gelegt werden, bevor die Kinder über-haupt die Schule erreichen.

    Das heißt, wir sind auch gezwungen, nicht nur Schülerinnen und Schüler im Jahr-gang 8 zu erreichen, sondern wir müssen als ganz wichtige Bezugsgruppe die El-tern mit in den Blick nehmen. Die Eltern sind aber nicht alle in gleicher Weise in der Schule präsent. Vielfach stehen sie der Schule sehr distanziert gegenüber. Auch das gilt es aufzulösen.

    Darüber hinaus müssen wir alte Barrieren zwischen Wirtschaft und Schule auflö-sen. Wir brauchen Partnerschaften. Wir brauchen den Gleichklang der Instrumen-te. Das ist nur ein Beispiel, vor welchen Herausforderungen wir stehen.

    Das Land alleine wird diese Herausforderungen nicht schultern können. Wir brau-chen den großen gesellschaftlichen Zusammenschluss auch mit Ihnen als Reprä-sentanten unserer Gesellschaft, damit jeder an seinem Ort die Ziele und das, was wir uns wünschen, weiter trägt und dafür wirbt, dass es eine größere Beteiligung gibt.

    Denn wir haben noch genügend Knirschzonen. Da gibt es noch sehr viel zu tun, um aber auch das immer wieder in den Blick zu rücken, was bereits funktioniert und wo die Zielsetzungen zukunftsfähig sind und die Zielsetzungen der Vergan-genheit eher auch der Vergangenheit angehören sollten.

    Schauen wir uns in einem kurzen Durchgang jetzt die wesentlichen Eckpunkte an, die mit diesem neuen Übergangssystem verbunden sind.

    Sie finden auf der Folie 3 die Standardelemente der Berufs- und Studienorientie-rung, aufgeteilt in die Bereiche 1 bis 7.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 8 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Die Bereiche 1 bis 4 beschreiben im Grunde mehr Strukturen, Grundlagen, um die es hierbei geht.

    Qualitätsentwicklung meint, dass am Ort von Schule – das kann nur am Ort von Schule geschehen – eine Bestandsaufnahme durchgeführt wird, welche Angebote dort bestehen und was im Umfeld von Schule bereits gelingt bezogen auf die Ziel-setzungen, die wir hier gemeinsam verfolgen. Daraus entsteht eine schulische Wil-lensbildung, die dann aufgegriffen wird und dann auch in einem Schulcurriculum ihren Niederschlag findet.

    Die Beratung bezogen auf die Zielsetzungen und auf die einzelnen Momente in diesem neuen Übergangssystem hat einen sehr hohen Stellenwert. Denn hier geht es um eine Bewusstseinsänderung, um Einstellungen. Dazu brauchen wir das Gespräch. Dazu brauchen wir die Kommunikation mit den Eltern, aber auch mit der Arbeitsverwaltung, auch mit der regionalen Wirtschaft, auch mit den Kom-munen usw.

    Das Ganze soll dann seinen Niederschlag finden in einem Berichtswesen für Schülerinnen und Schüler, hier benannt als Portfolioinstrument. Das kann der Be-rufswahlpass sein. Das kann aber auch etwas sein, was in regionaler Zuständig-keit selbst entwickelt wurde.

    Die Bereiche 1 bis 4 legen gleichsam die Plattform dafür, was das neue Über-gangssystem erfordert.

    Mit dem Bereich SBO 5 beginnt dann der eigentliche Prozess der Berufs- und Studienorientierung in der Jahrgangsstufe 8, nämlich durch eine Potenzialanalyse. Schülerinnen und Schüler sollen sich durch eine Selbst- und Fremdeinschätzung ihrer Interessen und ihrer Stärken besser gewahr werden als das nur durch Schule allein funktionieren kann. Die Potenzialanalyse wird außerhalb von Schule durch-geführt, um auch den fremden Blick auf Schülerinnen und Schüler zu fördern. Leh-rerinnen und Lehrer, die Schüler über einen längeren Zeitraum begleiten, haben auch ihr Bild von der Schülerin oder dem Schüler. Hier und dort sind das korrek-turbedürftige Bilder.

    Die so durchgeführte Potenzialanalyse findet dann ihren Niederschlag in dem Portfolioinstrument, das Schülerinnen und Schülern festhält, wo ihre Stärken und Interessen sind und was sie vorhaben. Das soll dann weiter ausgeformt werden durch das Hineinschnuppern in unterschiedliche Berufsfelder.

    An der Stelle kommt schon in aller Konkretisierung der geschlechtersensible As-pekt ins Spiel. Schülerinnen und Schüler sollen ganz bewusst mehrere Berufsfel-der in den Blick nehmen, auch unter diesen Gesichtspunkten, und dort ihre ersten Interessen an der Praxis überprüfen, mindestens drei Berufsfelder, 24 Stunden bei Trägern, drei Tage oder sechs Tage in Halbtagsblöcken.

    Das Ganze wird dann weiter geführt systematisch im Jahrgang 9, indem Praktika dazukommen. Das Ganze soll so einen Fluss darstellen. Das, was in der Potenzi-alanalyse auf einer ersten Ebene erkannt wird, findet eine weitere Vertiefung in den Erkundungen von Berufsfeldern und findet wiederum eine weitere Vertiefung

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 9 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    in einzelnen Praktika über einen längeren Zeitraum. Das kann bei förderbedürfti-gen Schülerinnen und Schülern auch in Langzeitpraktika übergehen.

    Danach im Jahrgang 10 oder auch im Jahrgang 9 – je nachdem, wo Schülerinnen und Schüler sich befinden mit Blick auf den Abschluss – kommt dann die Über-gangsgestaltung, sich bewerben, sich auch auf den neuen Horizont einlassen usw., SBO 7.

    Das, was an der Stelle jetzt absolutes Neuland ist neben den vielen Herausforde-rungen, die wir gerade angesprochen haben, finden Sie hier als letzten Spiegel-punkt, die sogenannte Anschlussvereinbarung. Dieses Übergangssystem stellt für die Schulen und für alle Akteure, die daran beteiligt sind, eine große Herausforde-rung dar. Das heißt, man muss auch deutlich machen: Wo liegt der Sinn? Wo liegt das Ziel? Wo ist der Mehrwert?

    Ein wesentlicher Mehrwert soll für Schülerinnen und Schüler darin liegen, dass sie Gewissheit haben: Wenn sie so diesen Berufs- und Studienorientierungsprozess durchlaufen und sie kommen dann am Ende ihres Bildungsgangs zu einer Ent-scheidung, die begründet ist, dann soll das gesellschaftliche Umfeld ihnen auch die Möglichkeit geben, genau das, was so als Ergebnis gewachsen ist, umzuset-zen. – Das heißt, sie sollen so etwas bekommen wie eine Ausbildungsgarantie in dem Bereich, der ihnen vorschwebt.

    Da das ganze System als geweiterter Prozess angelegt ist, dürfen wir erwarten, dass wir durch solche Wahlen von den Top Ten hinterher weg sind und da schon eine große Breite an Interessen und Bedürfnissen repräsentiert wird.

    Wichtig ist für uns – das ist auch das Neue an diesem ganzen System –: Es ist systemisch, systematisch angelegt, aufbauend vom Jahrgang 8 bis hinterher in die weitere Phase.

    Der Umsetzungsgrad in den Referenzkommunen ist für den Anfang sehr hoch. Wenn wir bereits 90 % an Potenzialanalysen durchgeführt haben, mag das für den einen oder anderen wenig sein, weil noch 10 % fehlen. Wenn wir sehen, das ist ein absolutes Novum und wir erreichen hier schon 90 % all dieser Schülerinnen und Schüler im Jahrgang 8, dann kann sich das aber sehr wohl sehen lassen.

    Wir sind in der Pilotierung. Am Anfang hatten wir sieben Referenzkommunen. Mit Blick auf die Anschlussvereinbarung als völlig neues Instrument haben wir jetzt ei-nen Testdurchlauf an 17 Schulen durchgeführt. Wir haben eine Fülle von Rück-meldungen bekommen, die wir jetzt auswerten.

    Das, was aber für Sie wichtig ist, ist: Es gab keine Rückmeldung, die sagte, das Ganze ist unsinnig und das Ganze sollte man lieber lassen.

    (Zuruf)

    – Aus der Schule und von weiteren Akteuren, aus der Arbeitsverwaltung usw. Aber der Schwerpunkt war intern die Schule. Denn das Ganze spielt sich ja zu-nächst auch am Ort von Schule ab. Von daher war das auch der erste Blickwinkel.

    Vom Grundsatz her kam die Rückmeldung: Das ist sinnvoll angelegt.

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    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Es gab dann Rückmeldungen, die mehr vergangenheitsorientiert sind: Wir sollen mehr Schulformen in den Blick nehmen und weniger das Ganze ganzheitlich se-hen. – Das wollen wir aber erst noch weiter abtesten. Denn der ganzheitliche An-satz hat auch sehr viele Vorteile. Aber das müssen wir in der weiteren Pilotierung sehen.

    Wichtig ist, dass wir jetzt mit Beginn des kommenden Schuljahres die Anschluss-vereinbarung auch in die richtige Erprobung hineingeben. Das heißt, diejenigen sollen dann auch zu ganz konkreten Ergebnissen kommen, die dann weitergeführt werden.

    LMR Richard Stigulinszky (MSW) setzt den Vortrag fort (siehe ergänzend Anlage 2 zu TOP 1):

    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Anschlussvereinbarung nutzt natür-lich nichts, wenn danach nicht sichergestellt ist, dass diejenigen Anschlüsse, die von Schülerinnen und Schülern mit ihren Beratern entwickelt worden sind, auch tatsächlich vorhanden sind. Insofern wird die Anschlussvereinbarung natürlich als Grundlage für die sich anschließenden Angebote genommen.

    Das heißt, in der jeweiligen kommunalen Koordinierung muss es Kenntnis geben über die kumulierten Anforderungen aus den Schulen in der jeweiligen Gebiets-körperschaft. Wir werden kumulierte Daten zur Verfügung stellen müssen, die die Akteure in der kommunalen Koordinierung – das sind die Kommunen mit allen Partnern, die sie in diesen Prozess eingebunden haben und einzubinden haben – sondieren, um sicherzustellen, dass die Angebote vorhanden sind.

    Dabei ist unser Ziel, dass alle nicht ausbildungsreifen Jugendlichen und jungen Menschen ein zielgruppenspezifisches Übergangsangebot bekommen. Da müs-sen wir jeweils ausgewiesene Anschlussoptionen darstellen. Wenn Sie Gelegen-heit haben, in die Darstellung dieses Gesamtkonzepts zu schauen, dann werden Sie sehen, dass sehr spezifisch für jedes der 19 Angebote, die wir haben, An-schlussoptionen ausgewiesen sind, die auch deutlich machen: Es gibt keine Sackgassen, sondern die Wege, die beschritten werden, sollen auch ihren Fort-gang finden, bis sie dann in einen Berufsabschluss oder Studienabschluss mün-den.

    Die ausbildungsreifen und -willigen jungen Menschen sollen möglichst sofort ein Angebot bekommen. Das bedeutet natürlich, dass wir nicht nachlassen dürfen da-rin, gemeinsam mit unseren Partnern in der Wirtschaft dafür Sorge zu tragen, dass es ausreichend attraktive Ausbildungsangebote gibt.

    Wenn es aber nicht ausreichend Angebote gibt, gibt es im Rahmen dieses neuen Übergangssystems die Vorstellung, dass außerbetriebliche Angebote, aber insbe-sondere auch die Berufskollegs mit vollzeitschulischen Angeboten, die mit Blick auf Kammerprüfungen ausgerichtet sind, sicherstellen, dass sich Jugendliche nicht unnötig auf irgendwelche Irrwege begeben, sondern zielgerichtet auf einen Abschluss zusteuern.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 11 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Zielrichtung ist dabei allerdings immer, wenn wir vollzeitschulisch mit Blick auf Kammerprüfungen anbieten, dass über die involvierten Praktika ein Klebeeffekt entsteht und damit sichergestellt wird, dass die Jugendlichen möglichst rasch ei-nen Wechsel in ein betriebliches Angebot schaffen. Das ist die Zielrichtung des Systems, keine unnötigen Schleifen zu produzieren, sondern wer ausgebildet werden will, soll auch die Möglichkeit dazu erhalten.

    Wir haben verschiedene Zielgruppen identifiziert mit allen Partnern im Ausbil-dungskonsens und für diese Zielgruppen möglichst klare Wege aufgezeigt.

    Ich hatte eben schon erwähnt, dass wir 19 verschiedene Angebote dargestellt ha-ben und jeweils dezidiert dargestellt haben, für welche Klientel diese Angebote mutmaßlich infrage kommen und wo sie ihren Fortgang finden können.

    Es ist vor dem Hintergrund jetzt erst einmal eine ganz grobe Einteilung gewesen, dass man gesagt hat: Wir haben junge Menschen, bei denen es, wenn man sich ihren Berufs- und Studienorientierungsprozess ansieht, noch nicht sinnvoll er-scheint, dass sie jetzt schon eine Ausbildung beginnen. Diese müssen möglichst rasch ausbildungsfähig gemacht werden. Soweit möglich, soll ihnen dabei auch schon Kompetenz vermittelt werden, die gegebenenfalls auf eine duale Ausbil-dung anrechenbar ist.

    Bei jungen Menschen, bei denen der Orientierungsprozess zwar gelaufen ist, aber die Bewerbungen, die sie geschrieben haben, nicht zum Erfolgt geführt haben, wollen wir die Aufnahme einer anderen Ausbildung bewerkstelligen. Wir schaffen vollzeitschulisch oder außerbetrieblich Ersatz, damit sie nicht unnötige Wartezei-ten haben.

    Dann dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass wir auch junge Menschen mit Be-hinderungen haben, die ein entsprechendes Angebot wollen. Da haben wir auch einen sehr breiten Bereich in diesen Angeboten geschaffen, damit diesen jungen Menschen auch die richtigen Angebote offeriert werden, immer mit der Zielset-zung, die uns allen, glaube ich, eingängig ist, dass sie nach Möglichkeit in eine ganz originäre Ausbildung münden sollen, wo immer das in irgendeiner Weise möglich ist.

    Schlussendlich haben wir natürlich das hohe Ziel, dass wir eine Optimierung der Zugänge in die entsprechenden Angebote vornehmen. Dies unterstützen wir ge-rade aus dem MSW dadurch, dass wir den Umbau der Bildungsangebote der Be-rufskollegs betreiben, wo wir ein Stück weit auch an verschiedenen Stellen eine höhere Effizienz von Bildungsbiografien anstreben und natürlich eine verstärkte berufliche Anschlussfähigkeit.

    So wird es dann im Rahmen eines 10. Schulrechtsänderungsgesetzes irgendwann auch angeregt werden, dass die Neuausrichtung der Ausbildungsvorbereitung vorgenommen wird, die sich stärker an Beruflichkeit orientiert, indem Qualifizie-rungsbausteine curricular umgesetzt werden und die Abstimmungsprozesse zwi-schen Betrieben und Trägern, die gemeinsam mit den Berufskollegs diese jungen Menschen fördern, verbessert werden.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 12 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Die ganz oft immer noch als „Einstiegsdroge“ geltende Möglichkeit, bei einer Be-werbung einen Hauptschulabschluss vorweisen zu können, wird erleichtert, weil wir an bestimmten Stellen im Berufskolleg die Hürden sehr viel höher gelegt ha-ben als sie eigentlich im allgemeinbildenden System gesetzt werden. Insofern schaffen wir im Sinne der Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung, die uns allen wichtig ist, hier auch eine verbesserte Möglichkeit für diese Jugendli-chen, noch einen Hauptschulabschluss zu erwerben.

    Für diejenigen jungen Menschen, die sich auf einem Weg hin zum Studium bewe-gen wollen oder hin zu einem höherwertigen Ausbildungsberuf, für den sie noch bestimmte Abschlüsse benötigen, ermöglichen wir darüber hinaus veränderte Zu-gänge. Wir erleichtern den Übergang von einem Bildungsgang in einen nächsten und versuchen, durchgängig die Anrechnung von erworbenen Kompetenzen zu ermöglichen.

    Auch hier orientieren wir die Curricula zur Stärkung der beruflichen Anschlussfä-higkeit extrem an den Handlungsfeldern der beruflichen Bereiche, indem wir in diesen Curricula in der Berufsfachschule zukünftig die Ausbildungsbausteine von breit aufgestellten Ausbildungsberufen umsetzen werden. Dadurch bekommen wir einen stärkeren Zugang der Jugendlichen für eine sich anschließende Ausbildung und hoffen, damit auch die individuellen Bildungswege der Jugendlichen befördern zu können.

    Gerda Kieninger (SPD) fragt, ob sie es richtig verstehe, dass die schulische Ausbil-dung mit Kammerabschluss weiterhin eine Warteschleife darstelle, die doch eigent-lich vermieden werden solle.

    Nach Ansicht von LMR Richard Stigulinszky (MSW) handele es sich hierbei nicht um eine Warteschleife. Denn im Konzert der Akteure vor Ort werde geprüft, welche Möglichkeiten es gebe.

    Wenn Jugendliche bestimmte Ausbildungsberufe ergreifen wollten und in der Region und auch angrenzend sei kein betrieblicher Ausbildungsplatz vorhanden, dann würde man in diesem Konsens in der Kommune ein entsprechendes Angebot realisieren.

    Dieses Angebot würde dazu führen, dass die jungen Menschen in der gleichen Zeit wie die Kollegen, die einen betrieblichen Ausbildungsplatz hätten, eine Ausbildung durchlaufen könnten. Diese sei gepaart mit erheblichen Praxisanteilen. De facto wer-de es oftmals dann darauf hinauslaufen, dass die Jugendlichen die gleichen Klassen besuchten. Die, die vollzeitschulisch ausgebildet würden – das sei jetzt schon an manchen Stellen realisiert –, würden als Praktikanten in den Betrieben mitgehen. Die Hoffnung sei – das sei auch oftmals Realität, werde aber manchmal als Abbruch die-ser Ausbildung angekreidet –, dass die Betriebe sagten, ein Praktikant bewähre sich so gut, dass er auch in die Ausbildung übernommen werde. Dann habe er die glei-chen Rahmenbedingungen.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 13 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la Die Prüfung werde die gleiche sein. Die Schulen hätten bisher die Erfahrung ge-macht, dass diese Jugendlichen die Kammerprüfung mit dem gleichen Erfolg wie die betrieblich Ausgebildeten machten.

    Insofern sei das keine Warteschleife. Das sei nur der zweitbeste Weg. Alle wären froh, aktuell ausreichend Ausbildungsplätze zu haben. Leider steige die Zahl der Ausbildungsplätze im Rahmen der Umsetzung des neuen Übergangssystems aber nicht mit an, eher im Gegenteil. Vor dem Hintergrund blieben substituierende Ange-bote einfach notwendig.

    Nordrhein-Westfalen habe sich für vollzeitschulische Ausbildung mit Kammerprüfung entschieden. NRW sei im Prinzip das einzige Bundesland, das nach dem Berufsbil-dungsgesetz durch eine eigenständige Verordnung die Möglichkeit dafür geschaffen habe. Man habe die Möglichkeit, Bildungsgänge so durchzuführen im regionalen Konsens. Die Landesregierung hoffe, dass den Jugendlichen damit der Einstieg in die Berufstätigkeit ermöglicht werde.

    Bernhard Tenhumberg (CDU) interessiert, wie fehlende Ausbildungsreife definiert und festgestellt werde und wie viel Prozent derjenigen, die das Regelschulsystem verließen, nicht ausbildungsreif seien.

    Er wolle gerne wissen, wie hoch die Abbrecherquote bei der dualen Ausbildung liege.

    Er bitte um Auskunft, wo in der Statistik die Schülerinnen und Schüler auftauchten, die trotz Berufsberatung keinen Anschluss fänden, aber noch unter 18 Jahre alt und schulpflichtig seien.

    Ergänzend habe er die Frage, wie man erreichen wolle, dass die schulpflichtigen Ju-gendlichen ihrer Schulpflicht nachkämen und sich nicht nach kurzer Zeit nicht mehr blicken ließen.

    Walter Kern (CDU) meint, mit den regionalen Unterschieden, was die Chancen der Jugendlichen angehe, müsse ja auch irgendwie umgegangen werden. Er befürchte, dass die Ausbildungsbereitschaft abnehme, wenn man zu sehr mit einer schulischen Lösung „drohe“ für den Fall, dass kein Anschluss im Sinne einer Berufsausbildung gelinge. Er sehe darin eine Gefahr für die Jugendlichen und für das duale System.

    Den Ansatz, sich am Wohl des Jugendlichen zu orientieren, finde er sehr richtig. Alle Unterstützungsmaßnahmen seien irgendwie staatlich. Deshalb habe er die Frage, ob nicht das Schüler-Online-System auf Dauer systematisch begleitet werden müsse. Es gehe ja um die Interessen der Jugendlichen. Das habe nichts mit Datenschutz-recht zu tun. Es gehe darum, anschließend kein schwarzes Loch zu haben, wenn sie keine Versorgung hätten, über 18 Jahre alt seien und keine Schulpflicht mehr beste-he. Das sei auch gesellschaftlich eine riesige Herausforderung.

    Man habe doch vor Ort die regionalen Bildungsnetzwerke, die eigentlich überein-stimmen sollten mit den Kreisen und großen kreisfreien Städten, die im Übergangs-management Schule – Beruf tätig seien, so Ina Scharrenbach (CDU). Es wäre doch

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 14 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la eher sinnvoll, die Strukturen der regionalen Bildungsnetzwerke auch zur Ausgestal-tung dieses Übergangsmanagements zu nutzen, bevor daneben wieder eigene Strukturen aufgebaut würden.

    Das Ziel müsste doch sein, den Anteil der nicht ausbildungsreifen Jugendlichen zu reduzieren. Eigentlich müsse es einem Lehrer oder einer Lehrerin doch auffallen, wenn ein Jugendlicher nicht ausbildungsreif sei. Daraus ergebe sich die Frage, was man im System Schule tun wolle, wenn Lehrern auffalle, dass ein junger Mensch nicht ausbildungsreif sei und das wahrscheinlich auch mit normalen Anstrengungen bis zum Ende seiner Schullaufbahn nicht mehr werde. Dafür müsste es ja auch ein Instrumentarium geben, damit man nicht erst im System Schule abwarte, bis der Bruch des Lebenslaufs da sei, um das dann über berufsbegleitende Maßnahmen zu steuern. Hier müsse man ja eigentlich im laufenden Prozess tätig werden.

    Susanne Schneider (FDP) begrüßt, dass hier auch von nicht ausbildungsreifen oder ausbildungsunfähigen Jugendlichen die Rede gewesen sei. Im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales habe es kürzlich nämlich geheißen, die gäbe es nicht. Sie wolle gerne wissen, wie die Jugendlichen motiviert werden könnten, „ausbildungswil-lig“ zu werden.

    Vorsitzende Daniela Jansen bietet angesichts des erfreulich großen Interesses an, die Thematik an die Kollegen vom Schulausschuss und vom Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales weiterzuleiten. Hier im Ausschuss für Frauen, Gleichstel-lung und Emanzipation bitte sie allerdings zu diesen Fragen um kurze Antworten.

    RD Christofer Godde (MAIS) legt dar, im Ausbildungsbereich habe man keine Ab-brechquoten, sondern Lösungsquoten, das heiße, Quoten von Anteilen der Ausbil-dungsverträge, die gelöst würden. Die könnten aus verschiedenen Gründen gelöst werden. Beim gleichen Betrieb werde ein anderer Vertrag geschlossen, wenn etwa von einer zwei- auf eine dreijährige Berufsausbildung gewechselt werde. Es könne auch der Betrieb gewechselt werden. Auch das gelte als Lösung.

    Die Quote der tatsächlich abgebrochenen Ausbildungen, bei denen man wisse, dass keine alternative Lösung gefunden worden sei, dürfte um die 10 bis 11 % liegen. Das entspreche nicht ganz der Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsabschluss, also von jungen Menschen im Alter von 25 bis 30 Jahren. Diese Zahl sei als absolute Zahl genannt worden. Als Quote habe man da, glaube er, 21 % in der Statistik stehen. Das beziehe sich ja nur auf die Jugendlichen, die überhaupt mit einer Ausbildung an-fingen.

    Diesen Anteil der Abbrecher verschiedener Arten wolle man natürlich durch diese Berufsorientierung und Studienorientierung deutlich reduzieren, indem die Jugendli-chen sehr praktische Erlebnisse in dem Bereich machen könnten bis hin zu Praktika, die sich über mehrere Monate über ein oder zwei Tage pro Woche erstreckten.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 15 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la Es gebe sehr große Unterschiede in den Regionen. Es gebe allerdings auch Regio-nen, in denen die Ausbildungsquote deutlich überdurchschnittlich sei und gleichzeitig die Zahl der unversorgten Jugendlichen fast die Hälfte betrage.

    Die Emscher-Lippe-Region sei eine solche Region. Dort fehlten 90.000 Arbeitsplätze, sodass die vorhandenen Jugendlichen tatsächlich nicht mehr betrieblich ausgebildet werden könnten.

    Er stimme Herrn Kern zu. Es bedürfe einer sehr genauen Überprüfung der Frage, wie man die Angebote regional gestalten solle. Insofern bleibe man bei der Sicht der kommunalen Koordinierung.

    Zu der Frage, inwieweit es sinnvoll sei, die kommunalen Koordinierungen an die re-gionalen Bildungsnetzwerke anzubinden: Auf Landesebene sei beschlossen worden, das nicht verpflichtend zu machen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens gebe es die doch nicht überall, zum Beispiel nicht in der Stadt Bielefeld. Zweitens verstehe man die Kommunen als Partner auf Augenhöhe und meine, dass die Kommune selber in der Lage sein werde, zu entscheiden, wo das am besten eingesetzt sei.

    Zu Schüler-Online gelte Ähnliches. Das Instrument werde an vielen Stellen genutzt. Dennoch gehöre es zum Konzept, solche Dinge nicht verpflichtend zu machen, wenn vor Ort andere Verfahren gefunden würden, um nachzuvollziehen, wo die Schülerin-nen und Schüler über mehrere Etappen verblieben.

    Trotz der staatlichen Finanzierung blieben leider starke Datenschutzprobleme auch zwischen den verschiedenen Institutionen bestehen, SGB II, III, VIII, XII, Schulge-setz.

    LMR Richard Stigulinszky (MSW) führt aus, an der Stelle stelle sich wirklich die Frage, wo bestimmte junge Menschen blieben. Im Moment lasse sich ja nicht von der Hand weisen, dass viele Jugendlichen hohe Fehlzeiten hätten.

    Man habe natürlich schon die ganz starke Hoffnung, dass durch die Ernsthaftigkeit, mit der man jetzt in diesem neuen Übergangssystem ab Klasse 8 praktisch händisch mit den einzelnen Jugendlichen Portfolioarbeit mache und Potenzialanalysen aus-werte und sie auf den Weg bringe, und durch das systematische Durchlaufen von Standardelementen die jungen Menschen zu einem großen Teil einen stärkeren Ruck bekämen und sich auch ihren Angeboten stellten. Das werde sicherlich auch der Fall sein. Man werde aber nie alle Jugendlichen erreichen. Es werde immer wei-ter Jugendliche geben, die ein Problem damit hätten.

    Man habe aber auch die große Hoffnung, dass das Aufheben der Perspektivlosigkeit viele Jugendliche überzeuge. Denn bisher hätten viele immer wieder gesagt, sie kä-men aus einer Maßnahme, schrieben jetzt wieder 30 Bewerbungen und die würden wieder weggeschmissen. Diese Perspektivlosigkeit müsse aufgehoben werden. Deswegen wolle man die verbindliche Anschlussperspektive sicherstellen.

    Es mache seines Erachtens auch viel aus, dass die Transparenz der Angebote vor Ort – egal, über welche Instrumente – stark erhöht werde, weil man doch erreichen

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 16 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la müsse, dass die Angebote an Ausbildung, Praktika usw. von den einzelnen Kommu-nen in der kommunalen Koordinierung gestärkt würden.

    Zu den Angeboten für Jugendliche, die erst einmal nicht in der Lage erschienen, eine Ausbildung zu bewältigen: Hier habe man über die verschiedenen Maßnahmen im Vorfeld, wie zum Beispiel Aktivierungshilfe, Jugendwerkstattarbeit, Werkstattjahr, Ausbildungsvorbereitungen auch in Zusammenarbeit mit Trägern und vollzeitschu-lisch in Zusammenarbeit mit Praktikumsbetrieben, die alle optimiert würden durch die Zusammenarbeit der Partner, auch einzelne Instrumente, die niederschwellige Aus-bildungsangebote sicherstellten.

    Ein Beispiel sei der von MAIS und MSW gemeinsam entwickelte 3.Weg BaE. Den müsse man aber sicherlich in diesem Zusammenhang noch einmal neu stärken, weil er zum Beispiel für schwächere Jugendliche die Möglichkeit biete, in einem über fünf Jahre gestreckten Verfahren über Ausbildungsbausteine einzelne Etappen bis hin zu einem tatsächlichen Berufsabschluss zu bewältigen. Solche Angebote müsse man gerade für die ganz schwachen Jugendlichen weiter haben und ausbauen.

    LMR Wolfgang Koch (MSW) stimmt zu, dass es keinen Sinn mache, Parallelstruktu-ren aufzubauen. Das sei auch nicht beabsichtigt. Es müsse nur beachtet werden: Die regionalen Bildungsnetzwerke seien auch über einen längeren Zeitraum entstanden. Aufwendige Verhandlungen hätten zu einzelnen Kooperationsvereinbarungen ge-führt. Es wäre fatal gewesen, wenn man dann Top-down nach diesem ganzen Ver-fahren noch etwas gesagt hätte. Hier sei das Prinzip Freiwilligkeit gewesen.

    Parallel würden jetzt aber die Akteure vor Ort vernetzt. Die regionalen Bildungsnetz-werke würden zusammengeführt – wenn sie das nicht schon seien – mit der kommu-nalen Koordinierung. Da liefen Dienstbesprechungen usw. Das laufe vor Ort gar nicht so schlecht.

    „Ausbildungsreife“ und „Nichtausbildungsreife“ seien Begriffe, die je nach Interessen-lage unterschiedlich definiert würden. Teilweise würden sie auch als Kampfbegriffe benutzt, um von eigenem Handeln abzulenken.

    Das wolle man aber so nicht mitmachen. Für das Schulministerium sei grundsätzlich ein humanes, ein positives Menschenbild: Jedes Kind, jeder Heranwachsende habe Potenziale. – Die Aufgabe sei, diese Potenziale zu wecken.

    Das geschehe vor Ort nicht immer in dem gewünschten Maße. Da sei noch viel zu tun. Aber das sei die Zielrichtung, die Potenziale zu wecken, bewusst zu machen und dann ein Berufsfeld zu finden, in dem sich der Heranwachsende verorten könne, damit er dann auch zu einer gesellschaftlichen Teilhabe komme.

    Man sei schon der Meinung, dass, wenn da eine konzertierte Aktion stattfinde, in der Tat jeder einzelne auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könne und sich viel-leicht dann sogar auch selbst versorgen könne. Aber das sei natürlich teilweise auch visionär.

    Lehrerinnen und Lehrer sollten von daher nicht erst warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen sei und sie sähen, das Kind packe es nicht mehr und werde sogar

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 17 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la „abgeschult“. Wenn Lehrerinnen und Lehrer feststellten, hier komme jemand nicht mehr mit und sei vielleicht sogar schulmüde und verweigere sich dem System insge-samt, sollten im Prozess außerschulische Maßnahmen gesucht werden, vielleicht auch Praktika, vielleicht Langzeitpraktika, vielleicht Jugendwerkstätten für eine ge-wisse Zeit, aber immer mit der Zielsetzung, die Person wieder zurückzuführen in das System, um zu einem geeigneten Abschluss zu kommen.

    Angesichts der Schwierigkeit, so Walter Kern (CDU), im ländlichen Bereich in be-stimmten Berufsbildern die nach dem Schulgesetz vorgeschriebenen Klassenstärken zu erreichen, habe er die Frage, ob auch daran gedacht sei, dieses Kontrieren der Berufsbilder ganz anders aufzubauen. Gerade die örtliche Ausbildung sei ja von er-heblicher Wichtigkeit, weil die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im ländlichen Be-reich sonst abnehme.

    Er meine, dass man in solchen Sozialräumen auch einen Lehrerindex brauche.

    Eine systemische Schwäche beim Ausbildungskonsens sehe er in der Kommunikati-on nach unten. Die Erfahrungen des letzten Jahres hätten gezeigt, dass das Verein-barte nicht schnell genug nach unten runtergebrochen werde.

    In der 14. Legislaturperiode seien gemeinsam mit dem MAGS und dem Schulminis-terium versehentlich 16 Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer ausgebildet worden, die keinen Schulabschluss gehabt hätten. Alle 16 hätten den Abschluss aber bestanden und anschließend erfolgreich den Hauptschulabschluss nachgeholt. So lasse sich Schulmüdigkeit auch überwinden, wenn sich in der Praxis zeige, dass je-mand doch etwas könne.

    Vor dem Hintergrund dieser Lebenswirklichkeit rege er an, politisch darüber nachzu-denken, nicht nur neue Schleifen oder neue Modelle zu entwickeln, sondern zu-nächst praktische Berufsausbildungen zuzulassen mit der Option, der erreichte be-rufliche Abschluss werde dann anerkannt, wenn der Schulabschluss nachgeholt sei. Das führe zu einer anderen Motivation.

    Gerda Kieninger (SPD) macht die Anmerkung, hier würden sehr viele Fragen erör-tert, die eigentlich Themen der Arbeitskreise „Arbeit“ und „Schule“ seien. Sie bitte da-rum, die Diskussion jetzt etwas kürzer zu fassen und zum Thema „Gender“ zu kom-men.

    Heike Gebhard (SPD) erkundigt sich, ob den Mädchen bei den Potenzialanalysen denn habe aufgezeigt werden können, dass sie eigentlich ein viel größeres Spektrum in der Berufswahl hätten.

    Vorsitzende Daniela Jansen unterstützt die Bitte von Frau Kieninger insofern, dass die konkreten Fragen noch kurz beantwortet werden sollten, man dann aber zu dem Thema kommen sollte, zu dem die Gäste in den Ausschuss eingeladen worden sei-en.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 18 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la Zur Frequentierung von Ausbildungsberufen und zur Sicherstellung von Beschu-lungsangeboten im ländlichen Bereich fänden natürlich Überlegungen statt, versi-chert LMR Richard Stigulinszky (MSW). Vor dem Hintergrund gestalte man die Curricula um und bilde berufliche Bereiche, um so weitestgehend affine Berufe mitei-nander beschulen zu können. Da sei das Land NRW sehr viel weiter als alle anderen Länder. NRW habe das dichteste Beschulungsnetz aller Bundesländer in Deutsch-land.

    Man habe einfach auch bestimmte Endlichkeiten und große Probleme, gerade im technischen Bereich Maschinentechnik, Kfz entsprechende Lehrerressource zu schaffen. Das sei ein einfaches Rechenbeispiel. Wenn man im ländlichen Bereich jeweils zehn Auszubildende mit einem Lehrer beschulen müsste, wäre man schlecht beraten. Dann sei es besser, das auf einen Standort zu fokussieren und dort 30 zu beschulen.

    Jenseits der eigentlichen Regelungen werde auch schon gestattet, dreimal den Min-destfrequenzwert von 16 zu unterschreiten. Die Regularien in Nordrhein-Westfalen seien diesbezüglich sehr großzügig. In anderen Bundesländern werde das sehr viel restriktiver gehandhabt.

    Man habe noch Verbesserungsideen, aber die hätten eine Endlichkeit.

    RD Christofer Godde (MAIS) antwortet auf die Frage von Frau Gebhard, zu den Er-gebnissen der Potenzialanalysen lägen auf der Landesebene keine Kenntnisse in dem Sinne vor. Das hänge damit zusammen, dass die Potenzialanalysen ja auf der Ebene der einzelnen Schulen bzw. der einzelnen Kommunen gemacht würden. Das werde gegebenenfalls ein Aspekt im Rahmen der noch auszuschreibenden Evaluie-rung sein. Im Moment könne er keine Informationen dazu geben.

    Nach dem noch ausstehenden Vortrag von Frau Chwalek könne die Frage vielleicht noch einmal aufgegriffen werden. Denn der beschäftige sich ja damit, wie man zum Beispiel eine gendergerechte Potenzialanalyse gestalten könne.

    Beim letzten Ausbildungskonsens am 9. Januar sei genau das Thema gewesen, die Feststellung, dass es nicht gelinge, die 700.000 Betriebe in Nordrhein-Westfalen – die Hälfte davon sei ausbildungsfähig – mit den normalen Kommunikationsmitteln, die zur Verfügung stünden, tatsächlich zu erreichen. Die Unterarbeitsgruppe Kom-munikation habe deshalb den Auftrag erhalten, sich alternative Möglichkeiten auszu-denken.

    Doro-Thea Chwalek (Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit) stellt das Projekt „Gendersensibilität erhöhen – Qualität im Übergang Schule – Beruf sichern“ vor (siehe Anlage 3 zu TOP 1):

    Sehr geehrte Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Abgeordnete! Meine Damen und Herren! Wir freu-en uns sehr, dass wir hier dieses Projekt vorstellen können, das wir schon länger in der Konzeption mit gestaltet haben und das letztes Jahr im Herbst an den Start gehen durfte.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 19 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Ich bin im Kompetenzzentrum seit Jahren überwiegend zuständig für die Bundes-koordinierung des Girls‘Day und seit einigen Jahren auch des Boys’Day.

    Um der Komplexität des ganzen Systems noch etwas hinzuzufügen, liegt in der Thematisierung von Genderfragen eine zusätzliche Komplexität.

    Geschlechtergerechtigkeit in Bildung und Ausbildung ist eine fachliche Frage. Aber wir treffen, wenn wir uns im Rahmen des Projekts an Fachkräfte wenden, auf Männer und Frauen mit ganz unterschiedlichen Vorerfahrungen zu diesem The-ma. Das Thema berührt auch immer die Person mit ihrer Erfahrung. Es berührt auch die unterschiedlichen Organisationen in ihren Strukturen, in ihren Kulturen. Insofern ist das ein sehr komplexes Feld.

    Deshalb ist es wichtig in dem Kontext, in dem wir dieses Vorhaben jetzt planen, immer wieder konkret zu benennen, welche Ziele wir mit diesem Vorhaben haben und in welchem Diskussionszusammenhang wir uns hier bewegen.

    Schulische und berufliche Bildung sind vielleicht heute noch stärker als früher der Schlüssel für die Verwirklichungschancen einer unterhaltssichernden Beschäfti-gung, die wir für Männer und Frauen möchten, für den beruflichen Aufstieg und für den Zugang auch zu einem erfolgreichen lebenslangen Lernen. Die Nachteile ei-nes schlechten Starts ins Erwerbsleben lassen sich in späteren Phasen des Le-bens nur noch schwer aufholen. Deswegen beschäftigen wir uns intensiv mit die-ser Phase im Leben von Jugendlichen.

    Schaut man sich die berufliche Orientierung von Mädchen und Jungen genauer an, die Statistiken usw., dann fällt auf, wie traditionell und stereotyp die Berufs- und Studienfachwahl nach wie vor erfolgt, auch wenn sich hier und da schon Din-ge bewegt haben. Wir haben ja schon seit vielen Jahren Projekte. Die Studienan-fängerinnenzahlen im Maschinenbau und in einigen MINT-Fächern steigen in den letzten Jahren deutlich an.

    Potenziale von jungen Frauen für die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe oder die handwerklich-gewerblichen Berufe sind insgesamt trotzdem immer noch kaum zugänglich. Das Erschreckende ist, dass selbst die Erkenntnis eigener Stär-ken, Vorlieben und Talente zurücktritt, wenn eine junge Frau überlegt, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren soll.

    Umgekehrt gehen die Potenziale junger Männer verloren, die sich vielleicht für Be-rufe in Gesundheit und Pflege interessieren. Früher hatten wir den Zivildienst, der ein Sprungbrett dafür war.

    Gerade den jungen Männern fällt es noch schwerer, diese Geschlechtergrenze zu überwinden. Sie scheuen sich vor negativen Reaktionen im sozialen Umfeld. Sie haben auch noch stark die Alleinernährerrolle im Hinterkopf. Dann spielt wieder das Gehalt eine Rolle und die Frage: Kann ich davon eine Familie ernähren?

    Dieses Bild von Männlichkeit entspricht natürlich der heutigen Realität gar nicht mehr, wo viele Familien auf zwei Einkommen angewiesen sind und das auch rea-lisieren. Aber diese Geschlechtervorstellungen sind hier immer noch sehr wirk-sam. Das hat Folgen.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 20 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Der Einstieg in eine nicht reflektierte Berufs- und Studienwahl kann auch zu Frust-ration und Konflikten und auch Abbrüchen und Wechseln führen. Also gibt es zeit-liche Verluste für den eigenen Werdegang, aber auch erhöhte Kosten für Ausbil-dungsbetriebe. An den Universitäten ist es ganz schwierig, also nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern auch auf anderen Ebenen.

    Gerade an dieser Stellschraube passiert ganz viel in diesem Alter, in dieser Phase der ersten Einmündung in Ausbildung und Studium und der ersten Schritte in eine eigenständige Lebensgestaltung. Da zeigt sich, wie heute immer noch normierend und relevant Geschlecht als Kategorie wirksam ist, individuell, aber auch struktu-rell. Das Thema haben wir uns mit diesem Vorhaben noch einmal vorgenommen.

    Dahinter stehen natürlich die politischen Ziele Verwirklichung von Chancengleich-heit und Anerkennung von Vielfalt im Übergang Schule – Beruf – Studium. Dem wollen wir mit diesem Vorhaben einen Schritt näherkommen. Trotz aller Projekte, Ansätze und Diskussionen, die wir in den letzten 15 bis 20 Jahren zu diesem Thema hatten, ist das immer noch kein Selbstläufer. Wir brauchen immer noch diese Benennung und diese Extravorhaben, um da ein Stück weiterzukommen, auch weil im Land die Situation in den Regionen sehr unterschiedlich ist. Wir ha-ben städtische und ländliche Regionen. Auch zwischen den städtischen Regionen ist es unterschiedlich. Da genau hinzuschauen, ist unser Anspruch.

    Auch die letztjährige GFMK hat das noch einmal thematisiert und Beschlüsse ge-fasst. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung hat diese Themen einer Überwindung von Stereotypen in Bildung, in der Berufsberatung, in der beruflichen Orientierung auch noch einmal an verschiedenen Stellen benannt. Ich hoffe, auch davon wird ein politischer Impuls ausgehen.

    Diesen ganzen Fragen stellt sich natürlich jetzt dieses Vorhaben, das letztlich nur ein kleines Puzzlestück in diesem gesamten Komplex ist. Der Auftrag ist, dieses Dauerbrennerthema noch einmal aufzufassen und noch einmal langen Atem hin-einzubringen in das neue Übergangssystem mit der neuen Systematik. Das, was wir vorhaben, bezieht sich in der Tat auf alle Handlungsfelder. Das ist gleichzeitig auch die Anforderung. Wir nehmen Prozesse und Strukturen in den Blick. Wir schauen auf alle Akteure und Akteurinnen, die in den regionalen Strukturen mit diesem Thema befasst sind. Wir wollen die Bedarfe gezielt aufgreifen. Das heißt, wir müssen in Kontakt gehen und die Bedarfe auch erst einmal herausfinden. Wir wollen das, was schon da ist – wir fangen ja nicht bei Null an –, stärken und vor al-len Dingen nachhaltig fortsetzen, aber auch Neues ermöglichen, und das alles in enger Abstimmung mit der Fachberatung, die ja durch die G.I.B. erfolgt, die die regionalen Koordinierungsstellen auch ganz eng betreut und unterstützt.

    Wir haben eine Laufzeit von Herbst 2013 bis zum Herbst 2015. In den zwei Jahren möchten wir allen 53 Gebietskörperschaften, also überall da, wo jetzt diese regio-nalen Koordinierungen schon bestehen oder entstehen, eine zusätzliche fachbe-zogene Unterstützung geben mit einer fachbezogenen Qualifizierung und Bera-tung. Wir sehen das tatsächlich als Teil der Qualitätsentwicklung in diesem Um-setzungsprozess. Da stecken sozusagen alle mittendrin. Insofern ist der Zeitpunkt noch nicht zu spät, sondern wir steigen jetzt ein.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 21 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Für uns ist wichtig, dass für die Begleitung von Jugendlichen die Schulung der Geschlechtersensibilität eine Schlüsselkompetenz für alle ist. Man lernt, den Blick kritisch auf die vermeintlichen Zuschreibungen nach Geschlecht zu lenken und mehr den Blick auf das Individuum zu richten und daraus auch eine individuelle Förderung nach Eignung anzusetzen und nicht nach vermeintlichen Bildern, die man von einer jungen Frau oder einem jungen Mann hat. Man muss sehr viel ge-nauer hinschauen.

    Ziel ist also die Erweiterung der Optionen für Mädchen und Jungen auf eine erfolg-reiche Einmündung in Ausbildung und Studium und eine Reflektion auch für die Lebensplanung. Das soll natürlich zum Erfolg auf dem Arbeitsmarkt führen, aber auch die Zufriedenheit in den Betrieben und auch bei den Eltern und nicht nur der Jugendlichen selber stärken.

    Wir sind vier Träger, die sich gleichberechtigt zusammengetan haben. Wir kom-men aus unterschiedlichen Ecken in Nordrhein-Westfalen und bringen auch unter-schiedliche Kompetenzen auf dem Gebiet ein. Das ist, glaube ich, ein großer Glücksfall, dass wir hier auch wirklich noch einmal sehr umfänglich zusammen et-was tun können.

    Das FrauenForum Münster e. V. setzt sich mit verschiedensten Projekten schon lange für die berufliche Chancengleichheit von Frauen ein.

    FUMA Fachstelle Gender NRW aus Essen ist eine Qualifizierungs- und Bera-tungsstelle im Bereich vor allem der Kinder- und Jugendhilfe zur Verbesserung der Chancengleichheit.

    Das Handwerkerinnenhaus verfolgt das Ziel, durch verschiedene Projekte Zu-gangswege für Mädchen und Frauen in die handwerklich-technischen Berufe zu ebnen.

    Wir im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit aus Bielefeld ha-ben uns schon sehr lange auf die Fahnen geschrieben, Mädchen für Technik zu begeistern.

    Wir haben neu, damit es eine Balance gibt, auch die Jungen in den Blick genom-men. Wir haben mit „Neue Wege für Jungs“ und dem Boys’Day auch Angebote geschaffen, damit Jungen auch ihre Optionen erweitern können und vielfältige Be-rufs- und Lebenswege in den Blick nehmen können.

    Wir sind räumlich gut verteilt. Wir haben eine regionale Verortung. Wir haben trotzdem auch eine landesweite Ausrichtung. Wir haben langjährige Erfahrung. Ich denke, damit sind wir gut aufgestellt.

    Wir haben vor, ein Angebot von Qualifizierung und Beratung aufzustellen, das sich in erster Linie an die kommunalen Koordinierungen richtet, die ja für den Gesamt-prozess unsere Hauptansprechpartner sind bzw. auch den Kristallisationspunkt in den Regionen darstellen.

    Über die kommunalen Koordinierungen hinaus sprechen wir aber alle Fachkräfte und Führungskräfte der Träger und beteiligten Organisationen an, die in diesen Strukturen, in diesen Netzwerken, in diesen Gremien, in diesen Vorhaben inte-

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 22 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    griert und aktiv sind. Das können die Berufsberaterinnen und Berufsberater sein. Das können die Personen aus den Kammern sein, die sich mit dem Thema „Aus-bildung“ beschäftigen. Das können Jugendhilfeträger sein, die mit der Potenzial-analyse beauftragt sind, die sie in den Schulen umsetzen. Das können auch weite-re Akteure und Akteurinnen sein, die wir uns vielleicht jetzt noch gar nicht vorstel-len können.

    Außer – diese Einschränkung ist wichtig –: Wir richten uns nicht an Lehrkräfte an Schulen oder an der Schulverwaltung unterstellte Personen, weil es da sozusagen eine Aufgabenteilung gibt.

    Wir werden fachthematische Workshops anbieten mit einer Auswahl von Themen-schwerpunkten, die genau auf das ausgerichtet sind, was jetzt passiert in der Um-setzung dieser neuen Systematik, also zum Beispiel in der Vermittlung von Gen-derkompetenz, in der Potenzialanalyse, bei den Instrumenten und bei der Berufs-felderkundung. Das ist ganz wichtig. Da liegt es auf der Hand. Da geht es um die Erweiterung der Erfahrungen. Was wissen wir aus den vielen Projekten, die es dazu schon gab? Was sind die Qualitätskriterien? Es geht darum, die auch hier einzuspeisen.

    Diese Workshops werden wir überregional ausschreiben, sodass wir hier auch landesweit den Austausch untereinander haben. So kann man auch voneinander lernen. Wir veröffentlichen dann über die Webseite einen Terminkalender. So können sich alle anmelden.

    Darüber hinaus haben aber auch die kommunalen Netzwerke und Strukturen, also die regionalen Koordinierungen, in der Regel die Möglichkeit, uns als Inhouse-Workshop zu buchen. An diesem Workshop kann dann eine feste Gruppe von Personen teilnehmen, die im Übergangssystem beschäftigt sind. Für die können wir dann ganz gezielt Angebote machen.

    Über den engen Kreis hinaus kommen dann auch andere Themen dazu. Gender kann für eine Region auch eine Marke sein. Eine Region kann sich so aufstellen und sagen, das bringt ihr Vorteile. Sie setzt auf Chancengleichheit im Übergangs-system. Für die Öffentlichkeitsarbeit insgesamt und auch für ein Leitbild für eine Region könnte das auch interessant sein, was dann über die konkrete Arbeit mit den Jugendlichen hinausgehen würde.

    Darüber hinaus können auch individuelle Gespräche stattfinden, Beratungen statt-finden, auch auf Anfrage. Wir haben ein limitiertes Angebot, dass wir vor Ort bera-ten bei Analysen, bei bestimmten Themenentwicklungen, die in einer Region wich-tig sind. Wir moderieren. Das bieten wir noch an.

    Wir wollen eine kleine Zwischenbilanztagung am Ende dieses Jahres machen.

    Wir werden in Kürze unser Projekt öffentlich machen.

    In der Ausgangslage sind wir nicht bei Null. Wir haben diese Bestandsaufnahme, die Ihnen vorliegt. Das ist unser Mittel, genau zu schauen, wo Bedarfe sind, wo es tolle Projekte gibt und wo andere Regionen von solchen Regionen lernen können.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 23 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la

    Im Bereich Genderorientierung bewegen wir uns viel in Projekten, die befristet sind und irgendwann auslaufen. Wir wollen mit diesem Vorhaben die Genderkom-petenz und die Geschlechterperspektive in die neuen systematischen Strukturen einbringen, damit das nicht mehr abhängig ist von zeitlich befristeten Projekten. Das ist das Hauptanliegen, dass wir über dieses Projekt eine Nachhaltigkeit entwi-ckeln können.

    Die Rahmenbedingungen sind eigentlich ganz überschaubar. Die Teilnahme ist of-fen und freiwillig. Das heißt, wir sind tatsächlich Dienstleister. Wir machen ein An-gebot. Wir hoffen natürlich, das wird angenommen. Das werden wir sehen. Es gibt keinen Beitrag für die Teilnehmer an den Workshops.

    Wir brauchen aber die Zusammenarbeit mit den Trägern vor Ort, vor allem mit der kommunalen Koordinierung, weil wir kein Budget für Räume und Technik haben. Das heißt, hier ist auch ein gewisses Engagement notwendig, dass wir zusam-menkommen und im Rathaus oder bei der Industrie- und Handelskammer ein Se-minarraum zur Verfügung gestellt wird. Ich glaube, das wird auch funktionieren.

    Die Fachberatung kann angefragt werden. Wir haben uns ähnlich wie das Fachbe-ratungsteam bei der G.I.B., das ja die regionalen Koordinierungsstellen betreut, zu den 53 Gebietskörperschaften sozusagen persönlich zugeordnet. Das werden wir auch bekannt machen, damit die Menschen in den Regionen genau wissen, an wen der vier Träger sie sich wenden können. Damit das geordnet ist und der Kon-taktweg kurz ist, haben wir das auch mit der G.I.B. so abgesprochen.

    Wir haben schon einige Treffen gehabt und uns in der Zusammenarbeit auf eine Absprache eingestellt, weil wir ja auch mit dem gleichen Personenkreis arbeiten. Auf der Steuerungsebene haben wir ein regelmäßiges Treffen. In Planung ist aber noch – das ist noch nicht abgeschlossen – ein Beratungskreis auf Landesebene mit verschiedenen, die noch dazukommen.

    Wir haben das Ganze konzeptionell auf die Schiene gesetzt. Wir haben die Öffent-lichkeitsarbeit geplant. Die ist jetzt auch so weit fertig. Wir haben schon auf den Regionaltreffen für die kommunalen Koordinierungsstellen Rheinland, Westfalen und Ruhrgebiet – das ist in einem Dreierschritt zusammengefasst von der G.I.B. – das Projekt vorstellen können. Wir haben eine Bedarfsabfrage machen können und sind dann schon in die Planung der Workshopangebote eingetreten.

    Wir machen jetzt Anfang des Jahres das Projekt breit bekannt. Wir starten die Webseite. Wir werden die Workshoptermine festsetzen. Dieses Beratungsgremi-um soll auch im ersten Quartal noch zusammentreten.

    Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.

    Josefine Paul (GRÜNE) bedauert, dass sich am Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen noch nicht viel geändert habe. Deshalb finde sie es sehr wichtig, dass sich mit dem Projekt genderkompetent ein Projekt auf den Weg mache, um langfris-tig Genderkompetenzen in den Strukturen als Querschnittsthema zu implementieren. Das müsse die Zielrichtung sein.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 24 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la Aufgrund der Einschränkung, dass man sich nicht an das System Schule richte, habe sie die Frage an das MSW, wie denn dann die Angebote in Schule aussehen sollten für die Lehrkräfte, aber auch für die Schulsozialarbeiter, die dann ja einen ganz wich-tigen Anteil an der Berufswahlorientierung hätten.

    Dass Mädchen für Technik begeistert werden sollten, finde sie natürlich richtig. Mäd-chen sollten sich auch für ein ganz breites Spektrum begeistern. Die sogenannten Frauenberufe müssten aber auch aufgewertet werden, um einerseits junge Männer für diese Berufszweige zu gewinnen und andererseits Frauen zu ermöglichen, ihre Existenz zu sichern.

    Gerda Kieninger (SPD) hält es für dringend notwendig, geschlechtersensibel mit der Berufswahl umzugehen. Gender sei für sie kein Projekt. Gender sei für sie eine Selbstverständlichkeit. Das habe stattzufinden.

    Deswegen glaube sie, dass bei der Potenzialanalyse die Gendersensibilität verpflich-tend sein müsse. Eine Potenzialanalyse nütze doch nichts, wenn diese nicht gender-sensibel sei. Man spreche von individueller Beratung. Eine individuelle Beratung be-rücksichtige natürlich auch das Geschlecht.

    Wenn man tatsächlich erreichen wolle, dass gendersensible Beratung stattfinde, könne man nicht auf Freiwilligkeit beim Besuch der Workshops setzen, sondern müsse das als Land verpflichtend machen.

    Sicherlich hätten sich schon so viele Teilnehmer gemeldet, dass die Anzahl der Workshops habe erhöht werden müssen. Sie wolle gerne wissen, ob ihre Einschät-zung zutreffe oder in dieser Hinsicht noch mehr getan werden müsse.

    Vom Grundsatz her sei das richtig, dass das Land endlich präventiv ansetze. Die Mi-nisterpräsidentin sage seit 2010 ja immer wieder, dass der präventive Ansatz richtig sei.

    Präventiv sei auch, jedem Menschen nach Geschlecht die besten Voraussetzungen zu bieten. Nichts anderes sei Gender, als jedem Menschen die besten Vorausset-zungen zu bieten, indem man geschlechtssensibel berate.

    Deswegen müsse das Land das noch ein bisschen straffer anziehen. Der Start sei freiwillig. Mit der Auswertung sollte man sich nicht zu viel Zeit lassen. Wenn nicht alle freiwillig mitmachten, müsse das Land verpflichtender werden.

    Das sei heute der Aufschlag. Diesen Aufschlag finde die SPD hervorragend.

    Birgit Rydlewski (PIRATEN) meint auch, es sollte nicht auf Freiwilligkeit gesetzt werden.

    Sie halte die Kooperation mit Schule für wichtig. Denn sie habe in ihrer Zeit als Leh-rerin sehr wenig über solche Angebote gewusst.

    Verena Schäffer (GRÜNE) beurteilt die Freiwilligkeit in dem Fall ebenfalls kritisch und spricht sich auch dafür aus, das seitens der Landesregierung verpflichtend zu

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 25 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la machen, um wirklich alle zu erreichen und nicht nur diejenigen, die bereits sensibili-siert seien.

    Sie interessiere auch, wer die Lehrerinnen und Lehrer schule und wie verpflichtend das zumindest bei den Lehrkräften sei.

    Die heute schon bestehenden Instrumente, Projekte und Strukturen müssten auch auf Geschlechtersensibilität überprüft werden.

    Susanne Schneider (FDP) hält es für sehr problematisch, diese Angebote verpflich-tend zu machen. Gute Angebote würden angenommen und seien Selbstläufer.

    Inzwischen seien viele Firmen doch auch schon auf einem guten Weg. Die guten Ideen und Angebote von Firmen sollen ausgebaut werden statt die Leute zu irgend-welchen Fortbildungen zu drängen.

    Ein Chemiekonzern in Leverkusen gehe beispielsweise mit Chemiebaukästen zu den Mädchen in die Grundschule und versuche so, das Interesse für Chemie zu wecken. Denn spätestens auf dem Gymnasium sei die Entscheidung gefallen. Man müsse al-so früher beginnen.

    Die Freiwilligkeit bewähre sich in einigen Unternehmen.

    LMR Wolfgang Koch (MSW) legt dar, die Willensbildung der Landesregierung sei eindeutig. Dass Lehrerinnen und Lehrer geschlechtersensibel ihren Unterricht gestal-ten müssten, sei Bestandteil des Schulgesetzes, aber natürlich recht abstrakt. Inner-halb der Lehrpläne werde das mit Leben gefüllt.

    Die Lehrerausbildung sei auch stark darauf ausgerichtet.

    Das Geschriebene stimme bekanntermaßen mit der Wirklichkeit aber oft nicht über-ein. Sonst müsste diese Diskussion gar nicht stattfinden.

    Die bisherigen Maßnahmen zur Lehrerfortbildung und Lehrerausbildung reichten nicht aus. Man brauche also bezogen auf diese Zielsetzung einen eigenen Zugang.

    Die Landesregierung setze zunächst auf Freiwilligkeit. Denn hier gehe es um Be-wusstseinsänderungen und die ließen sich nicht über das geschriebene Wort verfü-gen. Man müsse deutlich machen, welche Kompetenz wachsen müsse und welche auch einen gewissen Reifegrad haben müsse und sich im Unterricht wiederfinden müsse. Dann müssten Lehrerinnen und Lehrern Unterstützungsangebote gemacht werden, damit sie sich in diesem Sinne qualifizierten.

    Das, was das Kompetenzzentrum und seine Partner entwickelt hätten, sei eine ganz hervorragende Hilfe. Andere Projekte hätten dem MSW auch bereits gezeigt, dass sich über gute Beispiele, die geeignet transportiert würden, Lehrerinnen und Lehrer gewinnen ließen.

    Das neue Übergangssystem koste eine ganze Menge Geld und Manpower. Man brauche also dringend eine Wirkungsanalyse, ob das Gewünschte erreicht werde. Nach einigen Durchläufen werde man sehen, wie sich das Berufswahlspektrum ent-

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 26 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la wickle. Das Land sei je nach Ergebnis der Wirkungsanalyse bereit, nachzusteuern und die Angebote zu schärfen.

    Lehrerfortbildung sei staatlich. Der Staat müsse Angebote vorhalten. Die würden über die Kompetenzteams vor Ort auf regionaler Ebene angeboten. Dieses gehöre mit dazu.

    Darüber hinaus gebe es die Eigenverantwortlichkeit von Schulen. Schulen hätten ein gewisses Budget und könnten sich auch am Markt bedienen. Sie könnten da auch auf gute Angebote zugreifen.

    Gerlinde Amsbeck (FrauenForum Münster) bekräftigt, natürlich sei die Fortbildung von Lehrkräften im Kontext von Gender sehr wichtig.

    Das FrauenForum habe in der Zeit von 2005 bis 2007 ein Projekt im Auftrag des MAIS durchgeführt mit dem Titel „Gender Inside im Übergang Schule und Beruf“. Man habe damals unter anderem Lehrkräfte im Kontext des Projektes und im Kon-text der Einführung des Berufswahlpasses geschult. Der Auftrag sei eigentlich gewe-sen, den Berufswahlpass geschlechtergerecht einzuführen.

    Die Lehrkräfte hätten damals rückgemeldet, ihr erstes Problem sei nicht, wie sie das geschlechtergerecht machen könnten, denn das könnten sie auch nicht, sondern sie hätten als Lehrer nie gelernt, wie sie überhaupt Kompetenzen erfassen sollten.

    So wie sie dieses neue Übergangssystem verstehe, sei das ja auch eine ganz zent-rale Aufgabe.

    Sie sei davon überzeugt, dass es erheblichen Fortbildungsbedarf gebe, wie Lehrkräf-te lernen könnten, mehr als bisher auf Ressourcen, Stärken und Kompetenzen zu gucken und das auch noch geschlechtersensibel zu gestalten.

    Dieses Projekt sehe sie als ersten Aufschlag, den sie gut und richtig finde. Da werde sicher bezogen auf die Lehrkräfte noch mehr folgen. Der Bedarf sei zweifellos vor-handen.

    Vorsitzende Daniela Jansen bedankt sich bei den Gästen für das Gespräch und bei Frau Gedatus-Cormann vom MGEPA für die Vorbereitung des Tagesordnungspunk-tes.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 27 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la 2 Gesetz zur Aufhebung des Tariftreue- und Vergabegesetzes Nordrhein-

    Westfalen

    Gesetzentwurf der Fraktion der FDP Drucksache 16/4443

    Vorsitzende Daniela Jansen gibt den Hinweis: Das Plenum habe den Gesetzent-wurf am 29. November 2013 zur Mitberatung an den Ausschuss überwiesen.

    Im federführenden Wirtschaftsausschuss sei eine Anhörung geplant. Insofern müsse der Ausschuss entscheiden, ob er sich daran pflichtig oder nachrichtlich beteiligen wolle.

    Der Ausschuss beschließt, sich nachrichtlich an der Anhö-rung im federführenden Wirtschaftsausschuss zu beteiligen.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 28 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la 3 Stalking-Opfer besser schützen

    Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 16/4578

    Vorsitzende Daniela Jansen informiert, das Plenum habe den Antrag am 19. De-zember 2013 zur Mitberatung an diesen Ausschuss überwiesen. Federführend sei der Rechtsausschuss.

    Regina van Dinther (CDU) regt an, die Diskussion auf die nächste Sitzung zu ver-schieben.

    Gerda Kieninger (SPD) spricht sich für eine Abstimmung in dieser Sitzung aus, wenn keine Anhörung geplant sei.

    Vorsitzende Daniela Jansen teilt mit, ihr sei nichts von einer Anhörung bekannt.

    Regina van Dinther (CDU) erklärt sich auch mit einer Abstimmung in dieser Sitzung einverstanden.

    Der Ausschuss lehnt den Antrag mit den Stimmen von SPD und Grünen gegen die Stimmen der CDU-Fraktion bei Ent-haltung der FDP-Fraktion und der Piraten ab.

  • Landtag Nordrhein-Westfalen - 29 - APr 16/436

    Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation 15.01.2014 15. Sitzung (öffentlich) bar-la 4 Verschiedenes

    Vorsitzende Daniela Jansen weist auf Vorlage 16/1530 hin, mit der die Landesre-gierung einem Berichtswunsch der CDU entspreche, und bittet um Wortmeldungen dazu. – Sie stelle fest, dass sich dazu keine Wortmeldungen ergäben.

    Regina van Dinther (CDU) erinnert daran, dass sie im Obfrauengespräch darum gebeten habe, über die Gründe für den Wechsel der Staatssekretärin unterrichtet zu werden.

    Ministerin Barbara Steffens (MGEPA) betont, in den Medien sei klar kommuniziert worden, dass es ein gestörtes Vertrauensverhältnis gebe. Das liege in der Kompe-tenz einer Ministerin, dass sie selber entscheiden könne und selber eine Staatssek-retärin, wenn das Vertrauensverhältnis gestört sei, in den Ruhestand versetzen kön-ne. Das sei geschehen.

    gez. Daniela Jansen

    Vorsitzende

    3 Anlagen

    25.03.2014/26.03.2014

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  • 1 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Übergang Schule - Beruf in NRW

    Stand der Umsetzung im Dezember 2013

    Christofer Godde, MAIS

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  • 2 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Drei Schwächen bisheriger Ansätze in NRW

    1. Ausschließlich im Blick: Benachteiligte Jugendliche

    2. „Versorgung“ als Auffangbecken für Benachteiligte

    3. Reorganisation der Angebote in begrenzten Projekten

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  • 3 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Fünf Konsequenzen für den neuen Ansatz

    1. Inklusives Regelsystem für alle

    2. Umschichtung der Ressourcen: Prävention statt Nachsorge

    3. Klare Wege bis hin zur verbindlichen Ausbildungsperspektive

    4. Neue Organisations- und Kooperationsformen der Ausbildung

    5. Koordination durch die Kommunen

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  • 4 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Das Gesamtkonzept umfasst die Bereiche

    Standardelemente der inklusiven und geschlechtersensiblenBerufs- und Studienorientierung in allen allgemein bildenden Schulen der Sek. I und Sek. II

    Systematisierung des Übergangs durch schlanke und klare Angebotsstrukturen

    Attraktivität des dualen Systems

    Ziele und Aufgaben der kommunalen Koordinierung

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  • 5 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

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    unale Koordinierung

    Berufs- und Studienorientierungalle allgemein bildende Schulen ab Klasse 8 bis 12/13 in Kooperation mit außerschulischen Partnern

    ausbildungsreif

    Vollschulische anerkannte Ausbildung

    (z.B. des G

    esundheitssystems)

    Studienqualifizierende Bildungsgänge

    AV JHEQ

    Partiell/nicht ausbildungsreif

    ErgänzendeAusbildungs-

    angebote

    Studium

    BetrieblicheAusbildung

    EQ: Einstiegsqualifizierung AV: Ausbildungsvorbereitung JH: Maßnahmen der Jugend(berufs)hilfe

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  • 6 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Kommunale Koordinierung: Übersicht der Kommunen(Stand: Ende 2013)

    Referenzkommunen/1. WelleKommunen/2. Welleweitere Kommunen mit BewilligungVorbereitung bzw. im AntragsverfahrenInteressenbekundung liegt vor

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  • 7 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    • 2012: Start der sieben Referenzkommunen • Mai 2013: Start von weiteren 24 Kreisen und kreisfreien Städten

    als „2. Welle“, die mit dem Schuljahr 2013/2014 die Umsetzung der Standardelemente beginnen.

    • Ende 2013: Bewilligung von weiteren 11 Kreisen und kreisfreien Städten

    • Aktuell: Die verbleibenden 11 Kreisen und kreisfreien Städten befinden sich im Antragsverfahren, die Antragstellung wird vorbereitet oder sie sind im Klärungsprozess.

    Einführung der Kommunalen Koordinierungen(Stand: Ende 2013)

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  • 8 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Fazit und Ausblick (I):

    • In den Referenzkommunen wurden im Schuljahr 2012/ 2013 die ersten Standardelemente aus „Kein Abschluss ohne Anschluss“ eingeführt.

    • 24 weitere Kommunen sind dieses Schuljahr als „ 2. Welle“ mit den Standardelementen gestartet.

    • Insgesamt werden im Schuljahr 2013/2014 ca. 70.000 Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8 erreicht.

    • Die ersten Praxiskurse starten in diesem Schuljahr in den Referenzkommunen und den Kommunen der 2. Welle.Praxiskurse werden für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf (ca. 20%) ab der 9. Klasse angeboten. Sie finden im Betrieb und bei Bildungsträgern statt.

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  • 9 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Fazit und Ausblick (II):

    • Die Anschlussvereinbarung wird von 600 Schulen in diesem Schuljahr in ihrer Umsetzung erprobt.

    • Im Schuljahr 2014/2015 werden ca. 105.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 in „Kein Abschluss ohne Anschluss“ eingemündet sein.

    • Im Schuljahr 2015/16 Ausbau auf ca. 140.000 Teilnehmende• Im Schuljahr 2016/2017 werden alle Schülerinnen und Schüler des 8.

    Jahrgangs in NRW teilnehmen.• Endausbau dementsprechend im Schuljahr 2018/19

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  • 10 Stand der Umsetzung von „Kein Abschluss ohne Anschluss“

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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  • „Kein Abschluss ohne Anschluss“Wolfgang Koch und Richard Stigulinszky, MSW NRW

    15. Januar 2014, Düsseldorf

    15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Gliederung

    1. Berufs- und Studienorientierung

    • Standardelemente

    • Prozess

    • Umsetzung in den Referenzkommunen

    • Implementierung der Anschlussvereinbarung

    2. Übergangssystem

    • Leitlinien

    • Zielgruppen

    • Systematisierung des Übergangs

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Standardelemente der Berufs-und Studienorientierung

    • SBO 1 – Qualitätsentwicklung, Erfahrungstransfer und Qualifizierung• SBO 2 – Beratung/Orientierung durch Schule, Berufsberatung, mit Eltern• SBO 3 – Strukturen:

    Fächer übergreifendes schuleigenes Curriculum zur Berufs- und Studienorientierung

    Koordinator/-innen für Studien- und Berufsorientierung (StuBOs) Berufsorientierungsbüro

    • SBO 4 – Portfolioinstrument• SBO 5 – Potenzialanalyse• SBO 6 – Praxisphasen: Berufsfelderkundung, Praktika, Studienorientierung• SBO 7 – Übergangsgestaltung:

    Bewerbungsphase Übergangsbegleitung Anschlussvereinbarung

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Prozess der schulischen Berufs-und Studienorientierung

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    z. B. Potential-analyse,

    Berufsfeld-erkundung

    ab Jg. 9

    z. B. Praxisphasen

    ab Jg. 9/10

    z. B. koordinierte Übergangs-gestaltung

    Sek II

    weitere Berufs-und Studien-orientierung

    Sek II

    z. B. koordinierte Übergangs-gestaltung

    Prozess der schulischen Berufs- und Studienorientierung

    Dokumentation in Portfolioinstrument und Anschlussvereinbarung

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    Umsetzung in den Referenzkommunen

    Abfrage durch die G.I.B

    2012/13 • Abdeckung PA 91% • Abdeckung BFE (mind. 1

    Tag) 72%, davon 37% betrieblich

    • bereinigte Abdeckung BFE (mind. 1 Tag) 99% (2 Kommunen haben keine Zahlen BFE zurückgemeldet)

    2013/14• Planung PA 99%• Planung BFE 72 %

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Prozess der Implementierung der Anschlussvereinbarung

    • Pilotphase im Schuljahr 2013/14: Okt./Nov. 2013: Simulation an 17 Schulen Auswertung der Rückmeldungen ab Dez. 2013: ggf. Aufnahme von Änderungsbedarfen ab Dez.: Abstimmungen/Planungen zu Erhebung von kumulierten

    Daten (Arbeitsvorhaben) ab Februar – Juli 2014: Info und Testlauf an Schulen

    in Referenzkommunen und eh. Startklarschulen August 2014: Auswertung und ggf. Überarbeitung

    • Umsetzungsphase ab 2014/15

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Leitlinien Übergangssystem

    • Die Anschlussvereinbarung ist Grundlage für die sich anschließenden Angebote für die jungen Menschen

    • Alle nicht ausbildungsreifen jungen Menschen erhalten ein zielgruppenspezifisches Übergangsangebot zur Erlangung der Ausbildungsreife mit ausgewiesenen Anschlussoptionen

    • Alle ausbildungsreifen und -willigen jungen Menschen erhalten ein direkt anschließendes betriebliches, außerbetriebliches oder vollzeitschulisches Ausbildungsangebot

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Zielgruppen

    Verschiedene Zielgruppen – klare Wege

    Angebote im Übergang von der allgemeinbildenden Schule in Ausbildung bzw. Studium.

    19 Angebote für diejenigen Jugendlichen, die nicht direkt zielgerichtet eine Ausbildung, einen studienqualifizierenden Bildungsgang oder eine Erwerbstätigkeit beginnen können:

    • Junge Menschen, deren bisherige Orientierungs- und Förderprozesse die Aufnahme einer Ausbildung noch nicht sinnvoll erscheinen lassen.

    • Junge Menschen, bei denen der Orientierungsprozess und Bewerbungen noch nicht direkt zur Aufnahme einer dualen Ausbildung geführt haben.

    • Junge Menschen, die ein behindertengerechtes Angebot erhalten müssen.

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  • 15. Sitzung des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation15. Januar 2014

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    Systematisierung des Übergangs

    • Optimierung der Zugänge in die Angebote

    • Unterstützung des Übergangssystems durch den Umbau der Bildungsangebote im Berufskolleg und Änderung von Curricula zur Stärkung einer direkten beruflichen Anschlussfähigkeit

    Ermöglichung effizienterer Bildungsbiographien Neuausrichtung der Ausbildungsvorbereitung und Berufsfachschule Erleichterung des Erwerbs des Hauptschulabschlusses

    Stärkung der Durchlässigkeit der Bildungsgänge am Berufskolleg Orientierung der Curricula an den Handlungsfeldern der beruflichen