Die Minne Im Wigalois

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Text of Die Minne Im Wigalois

  • Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung 2

    2. Grundlegende Gedanken zur Minnethematik 3

    3. Wigalois als Inbegriff der Tugendhaftigkeit 4

    4. Falsche Minneauffassung im Wigalois 8

    4.1 Gawein: Einseitige Minne 8

    4.2 Roaz: Eigenschtige Minne 10

    4.3 Lion: Minne aus moralisch verwerflichen Motiven 11

    5. Der Roman als moralisches Lehrbuch 12

    6. Fazit 14

    7. Literaturverzeichnis 16

  • Die Minne in Wirnts Wigalois

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    1. Einleitung

    Wirnt von Grafenbergs Artusroman Wigalois entstand wohl zwischen 1210

    und 1220 und erfreute sich zur damaligen Zeit einer enormen Beliebtheit. ber das

    Leben des Autors ist nichts bekannt und die einzige Spur die er hinterlies bleibt der

    Wigalois. Im Gegensatz zu seinen groen Vorgngern Parzival, rec und Iwein,

    verfuhr die Literaturkritik nicht gerade gndig mit Wirnts einzigem berlieferten

    Werk. So wurde dem Wigalois immer wieder unterstellt, dass sein Autor Thematik

    und Handlung bei den groen Dichtern Wolfram und Hartmann abgeschaut habe.

    Werner Schrder bezeichnet ihn sogar als epigonales Zitatengemisch, ohne

    Individual- und Gattungsstil.1 Zwar sind die Anklnge an die groen Werke der

    klassischen Artusliteratur nicht zu bersehen, jedoch ist der Wigalois mehr als nur

    bloe Abkupferei. Der Roman hat eine ganz eindeutig lehrende Botschaft und

    versucht seine Thematik zu nutzen, um als Lehrwerk fr die damalige Gesellschaft zu

    fungieren. Einen groen Bereich nimmt hierbei die Minne ein. Sie symbolisiert das

    wahre Glck, das nur durch ein durch und durch tugendhaftes Verhalten erreicht

    werden. Eine Abkehr vom Pfad der Tugend mag zwar zu kurzfristigem Glck fhren,

    doch ist dieses nie von Bestand. Es fhrt vielmehr ins Verderben, wohingegen dem

    Tugendhaften ewiges Glck beschieden ist. Der Protagonist geht als Paradebeispiel

    voran und lsst sich nicht von seinem Weg abbringen. Zum Schluss wird er durch die

    wahre Minne belohnt und sein Glck hat Bestand.

    1 Hahn, Ingrid: Gott und Minne, Tod und triuwe. Zur Konzeption des Wigalois des Wirnt von

    Grafenberg. In: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur. Hrsg. Von Helmut Brall, Barbara Haupt, Urban Kster. Dsseldorf 1994 (= Studia humaniora 25), S. 37

  • Die Minne in Wirnts Wigalois

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    2.Grundlegende Gedanken zur Minnethematik

    Eine genaue Definition der Minne an sich fllt schwer, war sie doch schon seit

    jeher immer wieder Gegenstand von Disputen innerhalb der Forschung. Der wohl

    einleuchtenste Ansatz ist der, dass eine eindeutige Definition der Minne nicht mglich

    ist, da sie je nach Gattung unterschiedlich definiert wird. Die Minne, wie sie in der

    Dichtung vorkommt, ist jedoch keine real existente Liebe, sondern sie bleibt immer

    nur ein Entwurf des jeweiligen Dichters. Sie ist Zeichen einer Gesellschaftsutopie, die

    stehts nur ein poetischer Entwurf blieb. Dies soll nicht heien, dass der damalige

    Zuhrer nichts fr sein eigenes Leben ableiten konnte. Die poetische Minne kreiert ein

    Ideal, das vom damaligen Zielpublikum so nahe wie mglich verfolgt werden sollte.

    In der erzhlenden Dichtung fhrt die Minne fast immer zur Vereinigung der

    beiden Liebenden, die unerfllte Liebe hingegen findet sich selten. In der Artusepik

    treten die Helden oft in den Dienst ihrer Angebeteten, um so ihre Tugendhaftigkeit zu

    beweisen, denn [e]in wahrhaft Liebender soll nicht den Mut verlieren, wenn eine

    Dame ihm ihre Liebe nicht sofort zugestehen will, sondern er soll ihr dienen, wenn er

    freigiebig und tchtig ist, bis der Lohn kommt.2 Die Minne eines Ritters soll also

    nicht sofort von der Frau erhrt werden, der Mann muss sich erst als wrdig erweisen.

    Nur derjenige, dessen Herz rein ist, kann in den Genuss der Liebe in ihrer reinsten

    Form kommen. Sollte dies nicht der Fall sein, so muss der Minnende sich durch edle

    Taten lutern, so lange bis er die Voraussetzungen erfllt. Die Liebe darf nicht von

    Triebhaftigkeit gesteuert werden, sondern sie ist an sich der Quell der Tugend3. Sie

    darf auch nicht erzwungen werden, sondern sie muss von alleine kommen. Wichtig ist

    auch, dass sie auf gegenseitigkeit beruht, denn sie kann nicht erzwungen werden. In

    der Artusepik steht hufig der Minnedienst im Vordergrund, jedoch nicht im

    Wigalois. Hier ist Sachlage anders, denn Wigalois hat schon bevor er durch Larie die

    wahre und aufrichtige Minne findet den Auftrag Korntin von Roaz zu befreien. Das

    Bestehen dieser Aufgabe schafft nur die Voraussetzung fr den Vollzug der Minne.

    2 Bumke, Joachim: Hfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Mnchen 1997, S.

    512 3 Ebenda, S. 513

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    3. Wigalois als Inbegriff der Tugendhaftigkeit

    Wigalois muss seine Tugendhaftigkeit unter Beweis stellen und so zeigen, dass

    er der hohen Minne wrdig ist. Das Rittertum und die Minne werden zwei vllig

    verschiedenen Bereichen zugeordnet. Die Minne steht fr das bestndige Glck,

    wohingegen das Rittertum fr das schwankende Glck steht.4 Knig Jorams Reich

    kann von keinem Auenstehenden betreten werden. Auch Gawein kann das Reich nur

    mithilfe des Zaubergrtels betreten, da auch er nicht vor menschlichen

    Unzulnglichkeiten gefeit ist. Die Tatsache, dass ein Ritter sein Glck allein in der

    ventiure findet, ist gegenstzlich zum steten Glck, das die Minne bringt und das im

    joramschen Reich versinnbildlicht wird. Dem Prinzip der ventiure liegt nmlich auch

    immer die Mglichkeit des Versagens zu Grunde, denn der Mensch ist nunmal nicht

    und Fehler. Wigalois, der aus der Verbindung von Florie und Gawein hervorgeht,

    scheint diese beiden grundstzlich verschiedenen Bereiche miteinander zu vereinen.

    Er ist einerseits Ritter und kann deshalb nicht im joramschen Reich glcklich werden,

    da der Drang nach ventiure zu gro wird. Andererseits ist er aber auch nicht wie die

    Ritter am Artushof, denn im Gegensatz zu ihnen sind ihm die moralischen

    Unzulnglichkeiten, mit denen die Ritter der Tafelrunde zu kmpfen haben, fremd.

    Dies wird bei der Tugendsteinprobe deutlich, welche er ganz unbeabsichtig besteht.

    Zuo der linden reit der gast,/ sn pfrt hafter an einen ast/ und saz enmitten f den

    stein./ sn herze was ne mein/ und ledic aller bsheit;/ sn muot ie nch bestem streit.

    (1489-1494)

    Jedem der sich in seinem Leben auch nur einmal moralisch verfehlt hat, ist es

    unmglich sich dem Tugendstein zu nhern. Vor Wigalois war einzig und allein

    Knig Artus selbst in der Lage die Probe zu bestehen. Auch Gawein, der gemeinhin

    als bester und tugenhaftester Ritter der Tafelrunde gilt, musste scheitern, da er sich in

    seiner Jugend einmal einer Dame gegen ihren Willen genhert hatte.5 Keiner der

    Ritter am Artushof ist moralisch so vollkommen wie Wigalois. Diese Makellosigkeit

    4 Vgl. Gottzmann, Carola: Deutsche Artusdichtung. Band I: Rittertum, Minne, Ehe und Herschertum.

    Die Artusepik der hochhfischen Zeit. Frankfurt a. M. 1986, S. 296 5 Vgl. Wirnt von Grafenberg: Wigalois. Text, bersetzung, Stellenkommentar. Text der Ausgabe von

    J.M.N. Kapteyn, bersetzung von Sabine und Ulrich Seelbach. Berlin 2005, Zeilen 1504-17.

  • Die Minne in Wirnts Wigalois

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    kann nur daher kommen, dass er seine Jugend in Knig Jorams Reich, fernab aller

    moralischen Unvollkommenheit verbracht hat. Jedoch kann sich auch Wigalois dem

    Einfluss der menschlichen Unzulnglichkeiten nicht entziehen, was in der ersten

    ventiure -Reihe deutlich wird. In seinem Bestreben seine Ritterlichkeit unter Beweis

    zu stellen handelt er zwar wiederholt unritterlich, jedoch geschieht dies nie

    absichtlich, denn Wigalois handelt stets mit edlen Motiven. Die ventiure-Reihe

    beschreibt einen Reifeprozess, denn Wigalois lernt aus seinen Fehlern und ist deshalb

    in der Lage seine Tugendhaftigkeit auch jenseits des joramschen Reiches

    beizubehalten, um so die Voraussetzunge fr zu erfllen, die fr das Finden der hohen

    Minne notwendig sind.6 Zudem tritt der lehrende Charakter der ganzen Geschichte

    deutlich in den Vordergrund, wenn der Autor widerholt die Handlung unterbricht, um

    seine Einwrfe ber die Tugenden der guten alten Zeit einzubringen, aber dazu mehr

    im 7. Kapitel. Bei der ersten ventiure, die er auf seinem Weg nach Korntin zu

    bestehen hat, trifft er bei der Suche nach einem Nachtlager fr sich und Nereja auf

    einen Burgherren, der ihn zum ritterlichen Kampf um eine bernachtung

    herausfordert. Natrlich nimmt Wigalois die Herausforderung an, wie es sich fr

    einen Ritter gehrt, aber in seinem bermut ttet er den Burgherren unntigerweise:

    Ez geschach ein teil n snen danc/ daz er in als ht erslagen;/ daz wil ich iu vr wr

    sagen,/ wand er begundez von herzen klagen. (1999-2002)

    Bei der darauffolgenden ventiure kommt Wigalois einer Jungfrau in Nten auf

    ritterliche Art und Weise zu Hilfe und rettet sie aus den Fngen zweier Riesen. Jedoch

    hat Wigalois aus seinem Fehler gelernt und ttet nur einen der Riesen, von dem

    anderen lsst er sich Sicherheit geben und schickt ihn mit der Jungfrau an den

    Artushof. Wigalois versucht also seine Verfehlung, die er in der ersten ventiure

    begangen hat, durch ritterliches