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Magazin Humanité 2/2012: Der Weg zum Mutterglück

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Humanité ist das Magazin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) und richtet sich an Menschen, die das SRK und sein humanitäres Engagement unterstützen.

Text of Magazin Humanité 2/2012: Der Weg zum Mutterglück

  • In der Schweiz und in Sdamerika

    Der Weg zum Mutterglck

    2/2012

    Spiel, Spass, Spannung und Samariterkenntnisse

    Samariterjugend Help

    Kolumbianische Lebensfreude im Schweizer Viertel

    Ein Vierteljahrhundert nach der Vulkankatastrophe

    Das Rote Kreuz, mein Rettungsanker

    Entlastung fr Eltern

  • RepoRt In der Schweiz und in Sdamerika 4 Der Weg zum Mutterglck

    12 engagieRt Samariterjugend Help Spiel, Spass, Spannung und Samariterkenntnisse

    14 KonKRet Rotkreuz-Suchdienst Wenn die Spur nach Khartum fhrt

    16 BeRZeUgt Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit Das SRK bestndig an vorderster Front

    18 KonKRet Ein Vierteljahrhundert nach Vulkanausbruch Kolumbianische Lebensfreude im Schweizer Viertel

    22 eRLeBt Interview Heute hrt man zu und versteht besser

    25 KonKRet Entlastung fr Eltern Das Rote Kreuz, mein Rettungsanker

    29 KReUZ & QUeR Die grne als beliebte alltagsnahrung Rtsel/Cartoon

    12

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    4

    impressumHumanit ausgabe 2/2012 Juni 2012

    ISSN 1664-1159

    Titelbild: Caspar MartigRckseite: Federico Orozco

    Herausgeber: Schweizerisches Rotes Kreuz, Rainmattstrasse 10, Postfach, 3001 BernTelefon 031 387 71 11, [email protected], www.redcross.ch

    Spenden: Postkonto 30-9700-0

    Adressnderungen: E-Mail an [email protected] oder Telefon 031 387 74 64

    Redaktionsadresse: Schweizerisches Rotes Kreuz, Redaktion Humanit, Postfach, 3001 Bern, [email protected], www.magazin-humanite.ch

    Redaktion: Tanja Pauli (Redaktionsleitung), Urs Frieden (Gesundheit und Integration), Martin Hrzeler (Public Fundraising), Isabelle Roos (Corporate Partnerships), Christine Rfenacht (Gesundheit und Integration), Isabel Rutschmann (Kommunikation), Karl Schuler (Internationale Zusammenarbeit)

    Mitarbeitende dieser Ausgabe: Toni Frisch, Carla Graf, Markus Mader, Gabi Maurer, Marco Ratschiller

    Abo-Kosten: Das Abonnement kostet CHF 6. pro Jahr und ist fr SRK-Gnnerinnen und SRK-Gnner im Beitrag enthalten.Erscheinungsweise: vier Mal jhrlichSprachen: deutsch und franzsischGesamtauflage: 121 000Bildrechte aller Fotos ohne Hinweis: Schweizerisches Rotes Kreuz

    bersetzungen: bersetzungsdienst SRKLayout, Lektorat und Druck: Vogt-Schild Druck AG, Derendingen

    Nchste Ausgabe: August 2012

    neutralDrucksache

    No. 01-12-170135 www.myclimate.org myclimate The Climate Protection Partnership

    2 Humanit 2/2012

  • Muchas gracias!

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Es hat mich berhrt, als unser Mitarbeiter erzhlte, wie herzlich er von den Einwohne-rinnen und Einwohnern des Barrio suizo in Kolumbien empfangen wurde. Sie haben ihn nach ber zwanzig Jahren wiedererkannt und mit Namen begrsst. Die berleben-den der verheerenden Vulkankatastrophe von 1985 haben nie vergessen, dass ihnen die Spenden aus der Schweiz geholfen haben, ein neues Leben anzufangen. Noch heute sind sie stolz auf ihr Schweizer Viertel. So wie damals, als sie sich nicht von dieser Namenswahl abbringen liessen. Stolz sind die Menschen auch deshalb, weil in ihren Husern viel eigene Arbeit steckt. Auch Frauen haben damals gelernt, zu mauern. Sie alle haben in der Zeit des Aufbaus eigene Wnsche eingebracht und sich viel Wissen angeeignet. Die Gemeinschaft identi-fiziert sich stark mit ihrem Viertel und pflegt es dementsprechend vorbildlich.Die Zusammenarbeit mit der Bevlkerung ist brigens seit Jahrzehnten der Standard, wenn das SRK einen Wiederaufbau organisiert. Sie muss jedoch stets gut durchdacht sein und braucht entsprechend Zeit. Die Aufbauhilfe des SRK ist folglich kein Geschenk ohne Eigenleistung. Aber umso langfristiger ist deren Wirkung. Unser Mitarbeiter wurde von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Barrio suizo immer wieder ausdrcklich gebeten, ihren Dank auszurichten. Was ich hiermit herzlich gerne tue. Dankbarkeit ber-dauert Jahrzehnte, auch wenn sie nicht tglich ausgesprochen wird.Die Geschichte ber ein Stck Schweiz in Kolumbien lesen Sie auf Seite 18. Ich wnsche Ihnen eine interessante Sommerlektre.

    Herzliche Grsse

    Markus MaderDirektor des Schweizerischen Roten Kreuzes

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    EDItoRIaL

    Humanit 2/2012 3

  • Der Weg zum MutterglckIn der Schweiz und in Sdamerika

    Mutterliebe ist grenzenlos. Die Sorgen von werdenden und jungen Mttern sind es leider auch. In Ecuador ist die Sterblichkeitsrate von Kleinkindern fnf Mal hher als in der Schweiz. Die Mtterberatung durch die Hebamme (Bild) ist besonders wichtig. Aber auch hier zu Lande brauchen junge Eltern Rat und Entlastung in schwierigen Situationen. Wie unterschiedlich die Lebensumstnde sind und wie sich das Schweizerische Rote Kreuz dementsprechend fr Mtter einsetzt, zeigen unsere Geschichten aus dem Tiefland des Amazonas (Seiten 67) und dem Hochjura im Kanton Neuenburg (Seiten 89).

    REpoRt

    4 Humanit 2/2012

  • Humanit 2/2012 5

  • REpoRt

    reitet hatte. Diese sei sehr gut verlaufen, und wie bei der Kichwa-Bevlkerung b-lich, hat auch der Mann dabei geholfen.

    in der gemeinschaft aufgehobenMan muss schwindelfrei sein, um auf dem wackligen schmalen Holzsteg in den Wohnstock unserer Gastfamilie zu gelan-gen. Diese lebt drei Meter ber dem Bo-den in zwei Rumen, die von Pfosten aus Palmenholz gesttzt werden. Diese fr das Tiefland des Amazonas traditionelle Bau-weise bietet Schutz vor Wasser und Feuch-tigkeit und verhindert, dass die Haustiere in die Wohnrume eindringen. In diesem Freilufthaus kam Adrin zur Welt. Der ers-te Raum dient als Kche und fr den Ta-

    gesaufenthalt, in dem von einer Holzwand abgetrennten zweiten Raum schlafen El-tern und Kinder auf dnnen Matratzen am Boden. In der Mitte ist eine kleine Hnge-matte aufgespannt, in welcher der Neuge-

    Ein verregneter Morgen im Tropenwald Ecuadors. Das nchtelange Zirpen der Grillen wird in der Frh von Hahnenkr-hen abgelst. Langsam erwacht auch bei der Bauernfamilie von Elias Tapui und Do-ris Alvarado der neue Tag. Whrend der Sugling Adrin in der Hngematte ruht, strken sich die Eltern, ihre vier weiteren Buben, Grosseltern und die Gste mit ei-nem warmen Frhstcksbrei aus Kochba-nanen und Maniok. Danach machen sich die beiden lteren Knaben barfuss auf den Weg zur zwei Kilometer entfernten

    Primarschule im Dorf Makana Cocha. Die beiden Jngeren spielen vertrumt mitein-ander. Die Mutter holt den huahua, wie die Neugeborenen in der Kichwa-Sprache genannt werden, aus der Hngematte, in der er fest eingewickelt liegt. Ob er ahnt, dass dies fr ihn ein besonderer Tag wird?

    Reinigendes RitualAm zehnten Tag nach Adrins Geburt wird ihm die Hebamme Mam Joaquina heute ein Dampfbad zubereiten, das in der indianischen Kultur ebenso wichtig ist wie die Taufe. Die Zutaten fr das Ge-

    bru des Bades hat sie selber auf dem Feld und im Wald gesammelt: Neben verschiedenen Heilkrutern sind es Blt-ter des Chilis, der Kochbanane sowie des Zitronen- und Orangenbaumes. Der klei-ne Adrin wird von der Mutter Doris Alva-rado whrend gut 10 Minuten nackt ber dem dampfenden Wasser gehalten. ber beiden ist ein zeltartiges Tuch gespannt. Das Dampfbad macht den Kleinen im-mun gegen Verkltung und Grippe. Es schtzt ihn aber auch gegen bse Geis-ter, erklrt Mam Joaquin, welche die 29-jhrige Mutter auf die Geburt vorbe-

    Die grosseltern kmmern sich einen teil des tages um ihre enkelkinder.

    Doris Alvarado legt ihren jngsten Sohn tagsber zum Schlafen in die Hngematte

    Fr das rituelle Dampfbad des Neugeborenen breiten der Vater und die Hebam-me das Zelttuch aus

    Der Weg zum Mutterglck in Ecuador: Im Tiefland des Amazonas untersttzt das Schwei-zerische Rote Kreuz (SRK) seit 15 Jahren Gesund-heitsprogramme. Eine indianische Bauernfamilie gibt uns einen Einblick in ihren Alltag und zeigt uns das alte Ritual fr neugeborene Suglinge.

    TExT: KARL SCHULER BILDER: FEDERICO OROZCO

    6 Humanit 2/2012

  • REpoRt

    Holzschuppen dient als Saln Comu-nal, Gemeinschaftszentrum, in dem sich ein Dutzend traditionelle Hebam-men sowie 20 junge Mtter mit ihren Ba-bys und schwangere Frauen versammelt haben. Doris Alvarado sowie Mam Joaquina haben sich ebenfalls einge-funden. Etwas spter stsst eine Gruppe jngerer Mnner dazu. Alle verfolgen sie aufmerksam die Ausfhrungen der einheimischen RIOS-Mitarbeiterin Ka-rina Pinto zum Thema Sexualitt und Familienplanung. Mit farbigen Zeich-

    nungen klrt sie ber Verhtungsmetho-den und Aids auf. Heikle Themen wie die richtige Anwendung des Kondoms oder die negativen Auswirkungen des Machismo geht sie auch humorvoll an. So bleibt die Atmosphre locker und es darf sogar gelacht werden. Wir wirken vor allem darauf hin, den noch zu ho-hen Anteil der frhen Schwangerschaf-ten von Mdchen unter 18 Jahren und der Risikoschwangerschaften zu vermin-dern, sagt Karina Pinto. Seit sich das SRK ab Ende der 90er-Jahre in der Re-gion engagiert, ist die Mtter- und Kin-dersterblichkeit gesunken. Die Gesund-heit von Mttern und Kleinkindern ist in der Region heute besser geschtzt.redcross.ch/ecuador

    borene ruht. Nachts darf er bei den Eltern schlafen. Die Grosseltern mtterlicher- und vterlicherseits leben ganz in der Nhe und verbringen einen Teil des Tages mit den Grosskindern. So ist der huahua nie allein. In den ersten Monaten wird ihn die Mutter in ein Tuch gehllt auch bei den Feldarbeiten mittragen.

    Mehr als geburtshelferinDie 60-jhrige Mam Joaquina, wie sie hier alle nennen, gehrt wie 30 weitere Frauen der Region Loreto der Vereinigung traditioneller Hebammen an. Vom Roten Kreuz wurde sie mit den ntigen Arbeits-utensilien ausgestattet. Die Geburtshelferin hat mehrere Ausbildungskurse der Orga-nisation RIOS besucht, welche durch das SRK untersttzt wird. Ihr Wissen, welches sie ursprnglich von einer traditionellen Hebamme erlernte, hat sie damit erwei-tert. Heute ist sie nicht nur Geburtshelferin, sondern bert werdende Mtter auch in allgemeinen Gesundheitsfragen und bei der Familienplanung. Durch eine bessere Hygiene erkranken Kleinkinder weniger an Durchfall, der zum Tod fhren kann. Um die Gesundheit der Frauen besser zu schtzen, ist es wichtig, dass sie nicht jedes Jahr schwanger werden, sondern die Kin-der in grsseren zeitlichen Abstnden zur Welt bringen, meint die Hebamme. Auch Doris Alvarado und ihr Mann Elias haben darber gesprochen. Eigentlich htten wir nach den fnf Knaben gerne noch ein

    Mdchen, aber wir warten mit dem Ent-scheid eines weiteren Kindes noch einige Zeit zu, meinen sie bereinstimmend.

    Familienplanung ist kein tabuDas Dorfzentrum von Makana Cocha in einer Urwaldrodung gleicht einem Fussballfeld, das von einem knappen Dutzend Htten umsumt ist. Ein langer

    Durch bessere Hygiene erkranken weniger Kinder an Durchfall, der zum tod fhren kann.

    Die traditionellen Hebammen, Mtter und einige Vter verfolgen interessiert dem Vortrag zur Familienplanung

    Doris Alvarado, Elias Tapui und die Kinder kehren in ihr Haus zurck; alle Kinder wurden hier geboren

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  • REpoRt

    Das Mtterberatungszentrum des Ro-ten Kreuzes in La Chaux-de-Fonds (NE) ist eine beliebte Anlaufstelle fr frischgebackene Eltern. An diesem Frh-lingstag fllt sich das neu renovierte Wartezimmer nach und nach. Geduldig warten eine Mutter mit ihrem Neugebo-renen und eine Grossmutter mit Tochter und Enkelin. Ein Vater blickt stolz auf sei-ne kleine Prinzessin, die bereits Papa sagen kann. Im Behandlungszimmer beschftigt sich Cline Pellaton schon mit dem achtmonatigen Alessio. Ohne einen Mucks lsst sich der Junge von der erfahrenen Mtterberaterin messen und wiegen. Ganz anders seine Mutter: Yo-landa Russo brennen zahlreiche Fragen unter den Ngeln: Seit Kurzem wacht Alessio pltzlich mitten in der Nacht auf. Woran knnte das liegen? Darf er schon Erdbeeren essen? Die Mtterberaterin

    nimmt sich Zeit, um auf die Fragen ein-zugehen und ausfhrliche Erklrungen abzugeben.

    Fundierte RatschlgeMit unserer Beratung helfen wir den Eltern, den Alltag und schwierige Situa-

    tionen besser zu bewltigen, erklrt die 42-jhrige Cline Pellaton, die das Zen-trum leitet. Die Schwangerschaft, das Wochenbett und die ersten Lebensjahre sind Phasen, die nicht einfach sind. Eltern

    knnen in dieser Zeit etwas Untersttzung gebrauchen. Auch Yolanda Russo war sehr froh ber diese Untersttzung. Als die 29-Jhrige zum ersten Mal die Be-ratungsstelle aufsuchte, ging es ihr nicht besonders. Ihr Sohn Alessio war erst drei Wochen alt und weinte viel. Er litt an Ma-genkrmpfen. Ich war vllig bermdet und fhlte mich ziemlich alleine, erinnert sich die junge Mutter. Die Mtterberaterin erfasste die Lage von Yolanda Russo so-fort und beruhigte sie zunchst. Sie gab ihr verschiedene Tipps, mit denen sie Ales-sio Linderung verschaffen konnte. Diese Ratschlge waren Gold wert. Seither ist Yolanda Russo regelmssig im Zentrum anzutreffen. Auf das, was man mir hier sagt, kann ich mich verlassen, erklrt sie.Ganz gleich, wie alt die Knirpse sind: In der Hitparade der Fragen, die Cline Pellaton am hufigsten hrt, stehen die Ernhrung, der Schlaf und die Entwick-lung ganz oben. Angesichts der Flle von Informationen, die heute im Internet be-reitstehen, wre eigentlich anzunehmen, dass Eltern selbst eine Antwort finden kn-nen. Ganz im Gegenteil, betont Cline Pellaton, die selbst Kinder hat. Vor lauter Informationen wissen Mtter oft weder ein noch aus und sind vllig verunsi-chert. Deshalb besteht ein wichtiger Teil ihrer Arbeit darin, die Mtter (und einige Vter) zu begleiten, sie zu beruhigen und ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln.

    Stark geforderte elternZiel der Mtterberatung ist es, die Eltern in ihrer Rolle zu bestrken und zu unter-

    Der Weg zum Mutterglck in der Schweiz: Die Mutter des achtmonatigen Alessio schtzt die alltagstauglichen Ratschlge, die sie im Mtterbe-ratungszentrum des Roten Kreuzes in La-Chaux-de-Fonds erhlt. Das Zentrum ist ein regionales Beispiel, wie das Rote Kreuz Eltern untersttzt.

    TExT: CHRISTINE RFENACHT BILDER: CASPAR MARTIG

    Es scheint, als wrde sich Alessio auch fr Ernhrungstipps interessieren

    eine internetrecherche verunsichert eltern oft mehr, als dass sie ein problem lst.

    8 Humanit 2/2012

  • REpoRt

    Maria KatuluDie Hebamme und Pflege-fachfrau war ber 30 Jahre am Frauenspital Bern ttig, zuletzt als Fachbereichs-leiterin Pflege. Sie leitete whrend der letzten acht Jahre das SRK-Gesundheits-programm in Swasiland.

    Wie erlebten Sie den Wechsel in ein afrikanisches gesundheitssystem?Da ich mich schon so oft hin und her be-wegte zwischen den beiden Welten, lernte ich: Jetzt bin ich hier und es luft so jetzt bin ich dort, da ist es eben anders. Eine tolle Erfahrung waren fr mich die Hausgeburten, welche ich mit meiner Schwgerin erleben durfte, ei-ner traditionellen Hebamme im Kongo. Ich habe viel dazu gelernt ber Tradi-tionen und Mythen rund um die Geburt.

    gibt es grosse Unterschiede in der geburtsvorbereitung und der Familienplanung?Der Ernhrung der Mutter und spter dem Kind muss in Swasiland grosse Beachtung geschenkt werden. HIV-positive Frauen erhalten Prventions-medikamente, welche sie zuverlssig einnehmen mssen. Dank unserer Pr-vention war 2011 nach der Geburt kein einziges Baby HIV-positiv - das ist wunderbar. Wegen der hohen HIV-Rate wurde die Familienplanung wichtig. Die Hebammen beraten diesbezglich. Viele Frauen bevorzugen die 3-Monats-Spritze, weil sie dem Ehemann verheim-lichen wollen, dass sie verhten.

    Wo wird geboren?Die meisten Mtter in der Schweiz ent-scheiden sich fr eine Geburt im Spital. In Swasiland muss man die Frauen da-von berzeugen, kurz vor dem Geburts-termin ins Spital oder in dessen Nhe zu gehen. Viele Mtter auf dem Land wollen oder knnen das nicht. Wenn es in einem abgelegenen Dorf Kompli-kationen gibt, kommt leider jede Hilfe zu spt.

    KuRz bEfRagt

    sttzen und damit auch das Wohl der Kin-der sicherzustellen. Zum Beispiel werden die Suglinge in den ersten Monaten bei jedem Beratungstermin gewogen. Die Ge-wichtskurve zeigt, ob das Kind gengend

    trinkt. So knnen bei Bedarf individuell abgestimmte Tipps gegeben werden. Da die Mtterberaterinnen die Kleinen regel-mssig, manchmal wchentlich, sehen, knnen sie zudem Gesundheitsprobleme und Entwicklungsstrungen beim Sug-

    ling frhzeitig erkennen. Bei Bedarf ber-weisen sie die Kinder an Spezialisten, mit denen sie eng zusammenarbeiten. Als Vertrauenspersonen kennen die Mt-terberaterinnen nicht nur die Kinder gut: Viele Mtter vertrauen ihnen Einzelheiten aus ihrem Privatleben an. Cline Pellaton stellt fest, dass sich Familien in der Schweiz zunehmend isoliert fhlen. Eltern mssen ihre Kinder heute alleine aufziehen, was mit erheblichem Stress verbunden ist, hlt sie fest. Noch verstrkt wird der Druck, weil von ihnen erwartet wird, dass sie im Beruf voll mithalten und gleichzeitig ihre Sprsslinge vorbildlich umsorgen. Die Fol-ge sind berarbeitung, Erschpfung, De-

    pressionen und Konflikte. Auch in solchen Situationen knnen Eltern darauf zhlen, dass sie beim Roten Kreuz Hilfe finden und sei es nur ein offenes Ohr. Yolanda Russo jedenfalls verlsst das Zentrum auch dieses Mal mit einem guten Gefhl. Damit nachts wieder alle durch-schlafen knnen, erhlt Alessio ab sofort ein etwas reichhaltigeres Abendessen. Und sie wird sicherheitshalber noch et-was zuwarten, bis Alessio die erste Erd-beere seines Lebens geniessen darf. Das SRK bietet regional Dienstleistungenfr Eltern an. Die bersicht:redcross.ch/kantonalverbaende

    Yolanda Russo freut sich Alessio macht auf die Mtterberaterin einen gesunden Eindruck

    Das Gesprch mit der Mtterberaterin Cline Pellaton ist aufbauend und entspannt

    Die hufigsten Fragen betreffen die ernhrung, den Schlaf und die entwicklung der Kleinen.

    Humanit 2/2012 9

  • Ihre Gesundheits-Patenschaft fr Kinder in Not wirkt an der Basis. Sie gewhrleistet Ernhrung, Aufklrung, Trinkwasser und Hygiene. Denn in den rmsten Lndern der Welt ist Gesundheit die wichtigste Voraussetzung fr eine bessere Zukunft.

    Heute gesund, morgen glcklich. Das Rote Kreuz hilft Not leidenden Kindern und ihren Mttern. Langfristig. Helfen Sie mit einer SRK-Patenschaft aktiv mit. Es ist ganz einfach:

    Informieren Sie sich jetzt online und werden Sie mit wenigen Mausklicks Pate. Der Weg zu einer gesunden Gesellschaft beginnt mit einem ersten Schritt und Ihrem ersten Klick.

    Machen Sie Kinder gesund, machen Sie Kinder glcklich

    Gesundheit fr Kinder in Not die Patenschaft, die wirkt.

    www.srk-patenschaft.ch

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    Erfahren Sie, wie Sie konkret helfen knnen. Mit nur einem Klick, online:

    RZ_Inserat_Humanite_120522.indd 1 22.05.12 16:18

  • KuRz & bnDIg

    Ihre Gesundheits-Patenschaft fr Kinder in Not wirkt an der Basis. Sie gewhrleistet Ernhrung, Aufklrung, Trinkwasser und Hygiene. Denn in den rmsten Lndern der Welt ist Gesundheit die wichtigste Voraussetzung fr eine bessere Zukunft.

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    Rega buch und film zum 60. geburtstagSchon seit 60 Jahren bringt die Schweizeri-sche Rettungsflugwacht Rega medizinische Hilfe aus der Luft und rettet Menschenleben. Zum Jubilum sind der Film Am Puls der Rega und das Buch 1414 erschienen. Retter und Gerettete schildern persnliche Erlebnisse, Grenzerfahrungen und den Um-gang mit Leben und Tod. Im Buch 1414 portrtiert Autorin Franziska Schlpfer zu-dem 26 Mitarbeitende der Rega. Die Rega ist eine Rettungsorganisation des SRK.shop.rega.ch

    In den neun Lndern der Sahelzone verur-sacht die Drre eine Ernhrungskrise, die vor allem die Bevlkerung in abgelege-nen Gebieten stark trifft. Die diesjhrige Ernte der Grundnahrungsmittel Mais und Hirse ist vielerorts vllig ungengend, und die Preise sind fr weite Bevlke-rungsteile unerschwinglich. Zustzlich hat der Brgerkrieg in Mali Zehntausende zur Flucht vom Norden in den Sden gezwun-gen. Die Internationale Fderation der

    Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften fhrt in den betroffenen Lndern Nothil-feprogramme durch. Das SRK beteiligt sich mit 400000 Franken. So setzt es in Tschad einen Delegierten ein und in Mali verteilt es Hilfsgter des tglichen Bedar-fes. Das SRK ruft zum Spenden auf.postkonto 3097000 Vermerk

    SaHeL oder SMS mit Kennwort

    und Spendebetrag (z.B. SaHeL 15)

    an die nummer 464

    SRKnothilfe im westafrikanischen Sahel

    Das SRK hat am 9. und 10. Mai interessier-te Spenderinnen und Spender zu einem Anlass ins Bundesarchiv nach Bern ein-geladen. Die Teilnehmenden verfolgten interessiert dem Grusswort von SRK-Direk-tor Markus Mader und den spannenden Vortrgen zweier Expertinnen. Die SRK-Programmverantwortliche Monika Chris-tofori schilderte das Leben eines kleinen Jungen in Laos und wie das SRK fr die Gesundheit der Bevlkerung sorgt. Birgit Biedermann, Notarin und Rechtsanwl-tin, erklrte verstndlich und unterhaltsam das Schweizer Erbrecht und die Mglich-keiten zur Nachlassplanung. Nach der Fhrung durchs Bundesarchiv sichteten die Teilnehmenden historische Dokumen-te des SRK. Unterlagen zur Nachlasspla-nung knnen beim SRK kostenlos bestellt werden per Telefon 031 387 74 64 oder per E-Mail: [email protected]

    Im gedchtnis der nation

    Rapper greis und das aktive alternDer bekannte Berner Rapper Greis (Bild) ist trotz seines Namens erst 34 Jahre jung. Dennoch wird er sich am 20. September in Bern mit der alternden Gesellschaft und der ltesten Generation befassen: Anlsslich der 10. Nationalen Fachtagung des SRK wird der Musiker an einem Generationen-dialog teilnehmen. Zusammen mit der ehe-maligen Politikerin Leni Robert, welche die ber 70-Jhrigen vertritt, und SP-Nationalrat Mat-thias Aebischer, der in der Lebensmitte steht, wird die Diskussion zum unterhaltenden Element der Fachtagung. Das Thema Zukunft Alter Neue Wege fr eine generationenfreundliche Gesellschaft wurde aus Anlass des Europi-schen Jahrs des aktiven Alterns und der Solidari-

    R

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    tt zwischen den Generationen gewhlt. Die alternde Gesellschaft wird zu unserer Zukunft. Weder Schreckensszenarien noch Verharmlosungen dieser Tatsache fhren uns weiter, heisst es in der Einladung. Vielmehr gelte es, im offenen Dialog neue Wege zu beschreiten, um das Potenzial dieser Entwicklung zu nutzen.redcross.ch/nft12

    L

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    der

    Humanit 2/2012 11

  • Erstaunlich alle, die ich an diesem Montagabend im Kirchgemeinde-haus der Markuskirche Bern kennenlerne, sind ursprnglich allein zur Help-Gruppe gestossen. Niemand wurde mitgenom-men. Es scheint keine Gruppen inner-

    Spiel, Spass, Spannung und Samariterkenntnisse

    Samariterjugend Help

    Der Werbeslogan fr Schokoladeeier bringt auf den Punkt, was Jugendliche bei der Samariterjugend finden. Es gefllt ihnen in der Help-Gruppe, weil sie alles ber Erste Hilfe lernen und neue Freundschaften knpfen. Gruppenzwang und Konkurrenzkampf sind bei der Help in Bern Fremdwrter.

    TExT: TANJA PAULI BILDER: CASPAR MARTIG

    halb der Gruppe zu geben. Jede und jeder ist hier akzeptiert. Es herrscht eine motivierte und vergngte Stimmung. Yves, ein 16-jhriger Gymnasiast, ist seit 3 Jahren dabei. Er lernte am Slow-up Murten einen Kollegen seines Vaters

    kennen, der als Samariter im Einsatz war und hat so erfahren, dass es auch eine Samariterausbildung fr Jugendli-che gibt. Lea, 15, ist im Internet bei einer Recherche ber das Rote Kreuz auf die Help-Gruppe gestossen. Andere absol-

    EngagIERt

    Nadine hlt gemss Anweisung von Yves die blutende Hand hoch, damit er den Notverband anlegen kann

    12 Humanit 2/2012

  • EngagIERt

    dankbare Freizeitbeschftigung. Sie kos-tet je nach Region zwischen 10 und 30 Franken pro Jahr zuzglich Kosten fr die freiwilligen Lager.

    abwechslungsreiches programmAuf die Frage, warum sie bei der Help dabei sind, erhalte ich von allen fast die gleiche Antwort. Nadine, 16, mchte spter beruflich etwas in dieser Richtung machen. Aber auch sie nennt an ers-ter Stelle, dass es ihr hier Spass macht. Claudio, seit zwei Jahren Mitglied und mittlerweile der jngste Jugendleiter, fin-det die Kombination aus Samariter- und Plauschbungen ideal. Alle betonen, dass sie hier echt was lernen, immer wie-der. Man glaubt es, denn das Jahrespro-gramm klingt vielversprechend: Unflle auf Schnee und Eis, Psychologische Erste Hilfe, Besichtigung der Rega-Basis Belp, Krankheitsbilder & Hausmittel oder ein Alpamare-Weekend stehen

    unter anderem auf dem Plan. Das Pfingst-lager und das Nationale Help-Herbstla-ger haben Tradition. Die Zugpferde jeder Help-Gruppe sind die engagierten Jugendleiterinnen und -leiter. Schon fast Kultstatus scheint hier in Bern Mischa Schori zu haben, den ich heute leider nicht kennenlerne, aber von dem alle sprechen. Ich spre, dass er es schafft, die Jugendlichen zu begeis-tern. Mit viel Herzblut sind auch Karin von Niederhusern und Cornelia Fas-

    nacht dabei. Die Jugendleiterinnen sind Helpis seit ihrer Kindheit. Jetzt lassen sie sich immer wieder Neues einfallen, um das Interesse der Jugendlichen zu wecken. Manchmal fordern wir die Jugendlichen bewusst mit einer bung heraus. Sie mgen das und zeigen, was sie knnen. Stressig ist es zum Beispiel, wenn zu wenig Retter vor Ort sind. Oder bungen in der Dunkelheit. Sobald man kein Licht mehr hat, ist man aufgeschmis-sen. Man sieht weder Verletzungen noch Blut. Auch wenn heute jeder ein Handy als Taschenlampe benutzt, ist es schwie-rig, weil nur noch eine Hand frei ist, er-zhlt Karin von Niederhusern.Schon kleinere Kinder im Alter ab acht Jahren knnen auf spielerische Art lernen, wie man Nothilfe leistet. Schulkinder wren krperlich in der Lage, kurzzeitig einen Menschen zu beatmen. Sie ahmen unbefangen nach, was man ihnen zeigt. Das macht es manchmal einfacher als mit Erwachsenen, meint die 26-jhrige Team-leiterin schmunzelnd. Sie, die ihr halbes Leben bei der Help-Gruppe dabei ist, wie wrde sie fr die Help werben? Es sind einmalige Erlebnisse, die du machst und du hast viele Weiterbildungsmglichkeiten. Es bringt dir viel fr dein alltgliches Leben, und hier findest du eine schne Abwechs-lung zwischen Spass und Lernen. Gut, ein knapper Werbeslogan ist das nicht. Aber es ist aufrichtig und berzeugend, wie sie es sagt.helpsamariterjugend.ch

    Die roten Zitate stammen aus dem Flyer Try it der Help-Samariterjugend.

    vieren den Nothelferkurs bei der Sama-riterjugend und kommen anschliessend regelmssig wieder zu den bungen, die alle zwei Wochen stattfinden.Jede und jeder kann bei uns mitma-chen! Diese Aussage stimmt ohne Ein-schrnkung bei den jungen Samariterin-nen und Samaritern. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendgruppen, die mehr

    erfordern von ihren Mitgliedern als Mo-tivation und gesunde Neugier. Ein biss-chen Taktgefhl ist Voraussetzung fr die Musikgesellschaft, ganz ohne Sportbe-geisterung ist man fehl auf dem Fussball-platz, und wer sich im Wald unbehaglich fhlt, fr den ist die Pfadi wohl kaum das Richtige. Auch von den Kosten her ist die Mitgliedschaft in einer Help-Gruppe eine

    Wir helfen Verletzten und Kranken. Bei Unfllen wissen wir, was zu tun ist.

    Wir nehmen auch an internationalen treffen teil.

    Jugendleiterin Karin von Nieder-husern simuliert eine Verletzung

    Mit einem einfa-chen Tuch legt Yves einen Notverband an, Jugendleiter Claudio assistiert ihm

    Yves berprft, ob der Notverband richtig sitzt

    Humanit 2/2012 13

  • Gestern erhielten wir erstmalig eine Suchmeldung aus Grnland, denn die eritreische Gemeinschaft ist ber die ganze Welt zerstreut, erzhlt End-rias Nase ein wenig stolz. Im Bro des Tracing Officer wie der offizielle Titel des IKRK-Mitarbeiters in Khartum lautet sind Tausende von Daten ge-

    Wenn die Spur nach Khartum fhrt

    Suchdienst SRK

    Der Suchdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) arbeitet weltweit mit vielen Mitarbeitenden der Rotkreuz-Bewegung zusammen. Besonders wichtig ist der regelmssige, direkte Kontakt zum gebrtigen Eritreer Endrias Nase in der sudanesischen Hauptstadt Karthum. Bei unserem Besuch erzhlt er uns eine Geschichte im Zusammenhang mit dem Suchdienst SRK, die ihn besonders bewegt hat.

    TExT: KARL SCHULER BILDER: FABIAN BIASIO

    sammelt. Daten ber Menschen, welche durch Krieg, politische Wirren und wirt-schaftliche Not aus ihren Heimatlndern geflchtet sind. Der Suchdienst des Roten Kreuzes stellt weltweit die Verbindung zwischen Angehrigen wieder her und bemht sich auch um Familienzusam-menfhrungen.

    Endrias Nase verliess Eritrea im Jahre 2000 und schloss sein Studium im thi-opischen Addis Abeba ab. Neben sei-ner eritreischen Muttersprache spricht der 35-Jhrige sehr gut Englisch, Am-harisch (bedeutendste Verkehrssprache thiopiens) und Arabisch, was fr seine anspruchsvolle Aufgabe von grossem

    Endrias Nase arbeitet fr das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und sucht in Khartum nach Vermissten

    KonKREt

    14 Humanit 2/2012

  • KonKREt

    Vorteil ist. Der SRK-Suchdienst in Wabern bei Bern wendet sich immer wieder an den engagierten Rotkreuz-Spezialisten in Khartum, weil in der Schweiz viele Flcht-linge aus Eritrea ihre Familienangehri-gen suchen. Sie sind in den meisten Fl-len geflchtet, weil sie verfolgt wurden. Trotz vieler unlsbarer Flle gibt es immer wieder Erfolgsgeschichten.

    Die nadel im Heuhaufen Paradise Internet knden die ber dem Eingang des schmalen Lokals prangen-den Leuchtbuchstaben an. Hierher kommt Endrias Nase regelmssig auf der Suche nach Vermissten. Fr Endrias Nase ist das Internetcaf eine vertrauenswrdige Anlaufstelle, wenn er wie ein Detektiv nach einer Spur fahndet. Im Jiref-Quar-tier, unweit des Zentrums von Khartum, leben besonders viele Eritreerinnen und Eritreer. Er kennt smtliche Betreiber der eritreischen Internet-Shops, von Coiffeur-salons, Restaurants und weiteren kleinen Geschften. Seine freundliche und dis-krete Art sowie seine profunden kulturel-len Kenntnisse kommen ihm dabei sehr zugute. Flchtlinge, Migrantinnen und Migranten betrachten Khartum meist als Zwischenstation und versuchen, zu ih-ren Verwandten in ein anderes Land zu gelangen. Da die Angaben ber ihre Herkunft oft ungenau sind und sie aus

    Wenn Endrias Nase erzhlt, sprt man das Engagement fr seine Arbeit

    Der SRKSuchdienstAlle in der Schweiz wohnhaften Personen knnen sich an den SRK-Suchdienst wenden, wenn sie eine nahestehende Person oder ein Fami-lienmitglied vermissen. Die gesuchte Person wird vor der direkten Kontakt-aufnahme angefragt, ob sie den Kon-takt zur Antragstellerin oder dem An-tragsteller wnscht oder nicht.Der Suchdienst SRK hilft aber auch bei der Beschaffung von Gesund-

    heits- und Frsorgeberichten beim Verlust des Kontakts mit alten oder kranken Menschen im Ausland

    wichtige persnliche Dokumente weiterzuleiten, wenn bermittlungs-kanle fehlen

    bei der Recherche ber das Schicksal von Vermissten und nach Grablagen

    bei Familienzusammenfhrungen

    Die Leistungen sind kostenlos, deshalb ist der Suchdienst auf Spenden ange-wiesen. Suchauftrge nimmt der Such-dienst SRK unter der Telefonnummer 031 960 77 70 oder per E-Mail entgegen. [email protected]

    apRopoSAngst ihren Aufenthaltsort geheim halten, gleicht ihre Suche fr Endrias Nase und seinem Team jener nach der sprichwrtli-chen Nadel im Heuhaufen.

    erlsende nachricht aus der SchweizEndrias Nase ist ein Suchauftrag des SRK besonders in Erinnerung geblieben. Ein Familienvater, der in Eritrea verfolgt wurde und deshalb flchten musste, such-te seine Frau und die vier Kinder von der Schweiz aus. In der Sorge um seine Familie, die er bei der Flucht in Eritrea zurcklassen musste, wandte er sich an den Suchdienst des SRK. Dieser leitete die sprlich vorhandenen Anhaltspunkte an Endrias Nase weiter.Dieser hat die gesuchte Mutter mit ihren Kindern schliesslich ber die eritreische Pfarrgemeinde in Khartum ausfindig ge-macht. Er konnte die beruhigende Nach-richt aus der Schweiz berbringen, dass der Familienvater noch lebt und in Sicher-heit ist. Eritrea Nase erzhlt, dass die Familie einige Monate in einem Flcht-lingscamp im Norden Sudans interniert gewesen war. Dort waren die Lebensver-hltnisse dermassen eng und bedrckend, dass sie mit anderen Flchtlingen zusam-men aus dem Camp ausbrach. Die von Schleppern organisierte nchtliche Fahrt im offenen Gelndewagen verlief drama-

    tisch. Der zweitjngste Sohn, damals ge-rade 9 Jahre alt, fiel unterwegs von der Ladebrcke, whrend das Auto weiterfuhr. Obwohl am Kopf verletzt, konnte er sich im nchsten Dorf in Sicherheit bringen und die Familie, die ihn aufnahm, half ihm da-bei, seine Mutter in Khartum wiederzufin-den. Welche Erleichterung muss es erst fr die Frau gewesen sein, von Endrias Nase zu erfahren, dass ihr Mann noch lebt, nach einer wahren Odysee mit Kindern im Alter zwischen 6 und 15 Jahren.Ob die Familie im Rahmen der Fami-lienzusammenfhrung in der Schweiz aufgenommen werden, darber werden die zustndigen Behrden entscheiden. Nach einem Happyend wre der Fall fr Endrias Nase abgeschlossen. Obwohl er aufgrund der Erfahrungen vielsagend an-fgt: Auch ein abgeschlossener Fall ist fr uns nie ganz abgeschlossen.redcross.ch/suchdienst

    Humanit 2/2012 15

  • Das SRK bestndig an vorderster front

    Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit

    Als ehemaliger Leiter der humanitren Hilfe des Bundes habe ich sehr viele Krisen- und Katastrophengebiete be-sucht und Nothilfe- sowie Wiederaufbauarbeiten begleitet. Das Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) habe ich whrend meiner gesamten beruflichen Laufbahn eingehend beobachtet. In der Katastrophen-hilfe und Entwicklungszusammenarbeit braucht es kompetente Organisationen, die auch dann weiterarbeiten, wenn die Medienberichterstattung nachlsst.

    TExT: TONI FRISCH

    Eigentlich begann meine humanitre Laufbahn beim SRK. Ein Gesprch im Juni 1970 mit dem leider verstorbenen Dr. Hans Schindler, dem damaligen Zent-ralsekretr des SRK, ffnete mir den Weg zur humanitren Hilfe und speziell zum Schweizerischen Korps fr Humanitre

    bERzEugt

    Hilfe (SKH). Dieses stand damals kurz vor seiner Grndung. So trat ich eine heraus-fordernde und faszinierende Aufgabe an, der ich mich mittlerweile ber 35 Jahre widme. Als mich das SRK letztes Jahr in den Rotkreuz-Rat whlte, schloss sich der Kreis auf fast wundersame Weise.

    Aber blenden wir zurck in die Vergan-genheit. Noch bevor ich 1980 in den Bundesdienst eintrat, war ich Leiter in ei-nem gemeinsamen Wiederaufbauprojekt des SRK und des SKH in Guatemala.Whrend ber drei Jahrzehnten in der hu-manitren Hilfe war ich mit dem SRK und

    Nach dem Erdbeben in Haiti organisierte das SRK die Verteilung der Hilfsgter und untersttzt jetzt den Wiederaufbau

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  • bERzEugt

    der ganzen Rotkreuz- und Rothalbmond-bewegung eng verbunden. Das SRK war stets ein verlsslicher Partner.Die Schweiz kann auch als kleines Land, dank Flexibilitt und durch das optimale Bndeln der Ressourcen, wirkungsvolle Hilfe leisten, die Initiative ergreifen und Programme mitgestalten.Die privilegierte Position des SRK in der F-deration der Rotkreuz- und Rothalbmondge-sellschaften trgt dazu bei, dass die Stimme

    der Schweiz besser gehrt wird. Und dieses riesige, weltweit verankerte Netzwerk, mit einem Emblem, das fr Tradition, partner-schaftliche Hilfe und Hoffnung steht, stellt meines Erachtens fr die Zukunft eine beson-dere Strke dar. Es ist dies zweifellos eine echte Chance, die genutzt werden muss.

    Das SRK ist auch Partner in der Rettungs-kette Schweiz und in vielen Nothilfeein-stzen der humanitren Hilfe des Bundes. Dann, wenn es darum geht, Leben zu ret-ten und Leiden zu lindern, ist ein Vertreter des SRK an vorderster Front mit dabei. Aber, das SRK untersttzt die Opfer von Katastrophen nicht nur whrend der spek-takulren Nothilfeaktionen, die im Fokus der Medien stehen. Es leistet noch Jahre spter Wiederaufbauhilfe, verbunden mit dem Ziel, prventive Massnahmen zu tref-fen. Beispielsweise Wohnhuser zu bauen, welche erdbebensicherer sind und bei knf-tigen Beben das Schlimmste verhindern. Aber diese partnerschaftliche, langfristi-

    ge Hilfe zur Selbsthilfe bringt es nur sehr selten in die Schlagzeilen. Leider denn sie ist weit wirkungsvoller.Wenn ich heute die Auslandttigkeit in den Vordergrund stelle, soll damit nicht gesagt sein, dass das SRK mit all seinen Partnern in der Schweiz eine unwichtige Rolle spiele. Keinesfalls. Die starke Basis in der Schweiz, die Erfahrungen, all das Know-how und Do-how tragen direkt zur Strke und Wirksamkeit der Arbeit im Ausland bei.Bei dieser Gelegenheit mchte ich die Arbeit all der Freiwilligen und ehrenamtli-chen Helferinnen und Helfer hervorheben. Ihr Engagement, gerade in unserer Zeit, kann nicht hoch genug geschtzt werden.Das SRK steht heute, wie alle internatio-nal ttigen Organisationen, vor grossen Herausforderungen. Neue Ideen und an-dere Lsungsanstze mssen gefunden werden. Unternehmerischer Geist und Verantwortungsbewusstsein mssen uns in den kommenden Jahren leiten.

    Wo liegen die Herausforderungen? Der Klimawandel mit seinen Konsequenzen, die zunehmende Zahl der Naturkatastro-phen mit massiv unterschtzten Folgen fr die Umwelt diese Bedrohungen rufen uns unmissverstndlich zu Prventionsmass-nahmen auf. Auch die zunehmende Mig-ration fordert uns auf, noch konsequenter Armut und Hunger zu bekmpfen. Es gilt aber auch, die Qualitt der huma-nitren Hilfe sicherzustellen. Ich habe vor Jahren die Zertifizierung der international eingesetzten Rettungsorganisationen ein-gefhrt und nach dem Erdbeben in Haiti die Zertifizierung aller Nothilfeorganisa-tionen gefordert. Wir knnen nicht weiter-

    toni frischBis zu seiner Pensionierung 2011 war er stellvertretender Direktor der DEZA und Leiter der humani-tren Hilfe. Seit letztem Jahr ist der 66-Jhrige im Rotkreuz-Rat vertreten und als Berater fr die UNO ttig.

    hin dulden, dass sich unqualifizierte, nicht koordinierte sowie unerfahrene Helfer in den Krisengebieten aufhalten. Sie sind keine Hilfe, sondern eine Belastung fr das betroffene Land und die Opfer.

    Hier liegt eine Riesenchance fr das SRK. Es kann ber das weltweite Netz Einfluss nehmen und einen konkreten, wertvollen Beitrag leisten.Die Schweiz, das SRK, die gesamte Rot-kreuz-Bewegung, WIR ALLE sind gefor-dert, unseren Beitrag zu leisten, um diese Herausforderungen zu meistern und die Probleme zu lsen.redcross.ch/nothilfe

    Das SRK-Zeltlager nach den berschwemmungen in Pakistan gegenwr-tig baut das SRK neue Wohnhuser

    Toni Frisch leitete fr die DEZA zahlreiche Rettungsaktio-nen, hier die Rckkehr aus Indien 2001

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    Das SRK kann ber das weltweite netz einfluss nehmen und einen wertvollen Beitrag leisten.

    Die langfristige, wirkungsvolle Hilfe zur Selbsthilfe bringt es leider nur selten in die Schlagzeilen.

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  • KonKREt

    TExT: KARL SCHULER BILDER: FEDERICO OROZCO

    Kolumbianische Lebensfreude im Schweizer Viertel

    Ein Vierteljahrhundert nach der Vulkankatastrophe

    Das barrio suizo im kolumbianischen Armero-Guayabal entstand nach dem verheerenden Vulkanausbruch von 1985. Die 120 Familien sind noch heute stolz auf die besondere Qualitt und das Ambiente ihres Wohnviertels. Ein Wiedersehen nach ber zwei Jahrzehnten.

    18 Humanit 2/2012

  • KonKREt

    Was mir als Erstes auffllt sind die grossen blhenden Mangobu-me, die den Quartierplatz umsumen. Bei meinem letzten Besuch vor ber 20 Jahren waren sie frisch gepflanzt worden. Vergngt spielen Kinder am runden Brunnen. Deren Grosseltern und Eltern haben vor einem Vierteljahrhundert mit Schweizer Hilfe das Viertel mit 120 Wohnhusern aufgebaut. Stolz tauften

    sie ihre neue Heimat barrio suizo. In gespannter Erwartung kehre ich erstmals seit 1990 hierhin zurck.

    am anfang war die tragdieDie Bewohner des Schweizer Viertels sind berlebende einer der grssten Na-turkatastrophen des letzten Jahrhunderts. Am 11. November 1985 brach der ber 5000 Meter hohe Vulkan Nevado del Ruiz aus. Die Lavastrme wlzten sich zu Tal und begruben 25000 Menschen der Kleinstadt Armero unter sich ein Pompeij der Neuzeit. Nur einige Tausend Bewohner der Stadt konnten ihr Leben retten. Davon wurden 120 Familien fr das Wohnbauprogramm der humanit-ren Hilfe des Bundes und des Schweize-rischen Roten Kreuzes ausgewhlt. Auf dem Bauplatz wurden sie von schweize-

    rischen und kolumbianischen Fachleuten angeleitet. Denn es war kein Geschenk ohne Gegenleistung. Der erste Prsident der Quartiervereinigung, Hector Rubio, erinnert sich: Die fast 2-jhrige Bauzeit bis 1988 war eine harte Lehre fr uns. Aber dadurch identifizierten wir uns mit dem Wohnhaus und dem Quartier, was bis heute nachwirkt.

    espritu suizo nennen sie den geist der Selbstverantwortung, aus dem sich die besondere gepflegtheit des Quartiers ergibt.

    nostalgischer Besuchsreigen Das Wiedersehen mit den Bewohnerin-nen und Bewohnern des barrio suizo ist herzlich. Die Hlfte der heutigen Fa-milien war bei der Grndung des Quar-tiers schon dabei. Wir werden von allen Seiten zu einem Cafecito nach Hause eingeladen. Der erste Besuch gebhrt ei-nem Geburtstagskind. Die Witwe Doa Anuncia feiert heute ihren 83. Geburts-tag. Ich vermag mich gut daran zu er-innern, wie sie damals noch auf dem Bauplatz mitarbeitete und sich auf ihr neues Heim freute. Nun zeigt sie uns stolz ihre Kche und ihr Wohnzimmer, alles blitzblank sauber. Das Schmuck-stck aber ist der Urwald-Garten, in dem neben Blumen auch Avocados, Bananen und Tomaten fr die Selbstversorgung gedeihen. Der Besuchsreigen setzt sich bis zum Abend fort. Whrend die frhlichen Cum-bia-Rhythmen aus den Husern dringen, werden Erinnerungen an die Grnderzeit wach. Die damaligen schweizerischen und kolumbianischen Verantwortlichen des Bauvorhabens haben sich im Ge-Das Schweizer Viertel in Armero-Guayabal ist auch 25 Jahre nach seiner Grndung noch besonders gepflegt

    Mariana Machado hat vor 27 Jahren ihre Tochter verloren, seither lebt ihre Enkelin Diana Aguirre bei ihr jetzt auch mit ihren Zwillingen

    Humanit 2/2012 19

  • KonKREt

    dchtnis der Leute eingeprgt. Es werden Neuigkeiten ber sie und die Barrio-Be-wohner ausgetauscht. Ruby Arango, die uns schon frher immer grosszgig be-wirtete, tischt uns auch heute wieder ein ppiges Zvieri auf.

    Schreinerin aus LeidenschaftNicht auslassen drfen wir einen Besuch der Mbelschreinerei, die Noemi Mar-tinez zusammen mit ihrem Mann Alirio Muoz fhrt. Ihre Werkstatt existiert seit dem Anfang und ist im Gewerbesektor untergebracht. Dank dem vom Roten Kreuz eingerichteten Fonds waren ein Dutzend Betriebe mit Kleinkrediten ge-schaffen worden. Unsere Mbel sind gefragt. Wir fertigen diese mit Leiden-schaft und nach Wunsch der Kunden an und knnen davon leben, beschreibt die Mbelschreinerin ihre Erfolgsgeschich-te. Und zeigt uns freudig eine frisch aus Zedernholz gezimmerte Truhe. Nach ei-ner lngeren Krise kann die Stiftung fr Kleinunternehmen heute wieder Kredi-te ausschtten. Germn Saavedra, der ebenfalls seit der Grndung des Viertels ein kleines Baugeschft fhrt, geniesst als Stiftungsverantwortlicher das Vertrauen der Leute. Und lobt die Zahlungsdisziplin der Mitglieder, dank welcher der Fonds heute wieder neue Betriebe mitfinanzie-ren kann.

    ein unverwechselbarer CharakterAuch ein ganzes Vierteljahrhundert nach seiner Grndung strahlt das barrio suizo einen eigenen Charakter aus. Dies liegt so-wohl an der sthetik und der Bauqualitt der Huser, als auch am gepflegten Stil des Wohnviertels. Die Wohnflche ist fr hiesige Verhltnisse usserst grosszgig. Die dicken Mauern halten das Hausinne-re khl und entsprechen dem tropischen Klima. Den Breitengraden ebenfalls an-gepasst sind die gedeckten Korridore, die sich an den Huserfassaden als Lauben

    ber das ganze Viertel entlang ziehen. Die bunten Farbkombinationen der Hausmau-ern sind aufeinander abgestimmt. In den Vorgrten blhen der Hibiskus, der Gua-yacn Goldener Trompetenbaum und der Rote Annatto-Strauch, der einen natrli-chen Farbstoff ergibt. Kolumbien wird hier im Tiefland des Magdalena-Flusses seinem Ruf als Naturparadies gerecht.Zwar beklagen sich die lteren darber, dass die zweite Generation und die neu Zugezogenen nicht gengend mitmachen bei den Quartierarbeiten und dass der espritu suizo allmhlich schwindet. So nennen sie den Geist der Selbstverant-wortung, aus dem sich die besondere Ge-pflegtheit des Quartiers ergibt. Allerdings ist der heutige Prsident der Quartierver-einigung erst vor zwei Jahren zugezogen, und er setzt sich dafr ein, dass auch die neue Generation den besonderen Cha-rakter des Wohnviertels pflegt.

    Keine heile WeltAn die Tragdie von Armero erinnern sich viele mit Schmerzen, denn sie haben damals liebe Angehrige verloren und sind selber nur knapp dem Tod entgan-gen. Das Schicksal von Mariana Macha-do ist eines von vielen. Ihre Tochter wurde damals vom Schlamm mitgerissen. Sie hat sie nie mehr gesehen. Heute lebt sie mit ihrer Grosstochter Diana Aguirre und deren Zwillinge im Schweizer Haus, wie sie es selber nennt. Fr sie und viele andere sind die Wunden nach so vielen Jahren zwar abgeheilt, aber nicht voll-stndig vernarbt.Die Gewalt, die Kolumbien prgt, hat vor allem in den 90er-Jahren auch die Bevl-kerung in diesem Landesteil betroffen. Die Grossviehzchter haben die Kleinbauern oft unter Mithilfe rechtsextremer Todes-schwadronen gewaltttig vertrieben. Dies hatte eine grosse allgemeine Unsicherheit zur Folge. Die vorherrschende Viehzucht schafft ausserdem nur wenig Arbeitsplt-ze, worunter auch die Bewohner des Schweizer Viertels leiden. Viele Jugendli-che ziehen weg in die Stdte, da sie hier keine Arbeitspltze finden. Aber auch sie kehren immer wieder dankbar zurck und wissen, dass sie in ihrem barrio suizo immer Geborgenheit finden werden. redcross.ch/wiederaufbau

    SRK-Mitarbeiter Karl Schuler (Mitte) und die Bewohner tauschen Erinnerungen an die Grnderzeit aus

    Alirio Muoz und Noemi Martinez haben ihre Schreinerei mit einem Kleinkredit des SRK-Fonds gegrndet

    20 Humanit 2/2012

  • KuRz & bnDIg

    Sondermarke blutspendenBlutspende SRK Schweiz und die Schwei-zerische Post haben die neue Sonder-marke Blutspenden auf dem Bundes-platz vorgestellt. Die Briefmarke wurde von Bundesrat Alain Berset als wichtiges Zeichen der Wertschtzung gegenber den rund 200 000 Schweizer Blutspen-derinnen und -spendern gelobt. Wer Blut spendet, weiss, dass wir einander brauchen in einer sehr existenziellen Weise. Ich rufe jene auf, die noch z-gern, ebenfalls Blut zu spenden!, so der Bundesrat am Festakt. Die Sondermarke im Wert von einem Franken ist in allen Poststellen erhltlich.

    Kleine Kinder geraten unter Wasser nicht in Panik und ertrinken deshalb vllig lautlos. Hufiger als Unflle mit tdlichem Ausgang sind Flle von Beinahe-Ertrinken. Sie fhren oft zu gravierenden, lebenslangen Sch-den. 90% aller Ertrinkungsflle bei kleinen Kindern liessen sich vermeiden, wenn Er-wachsene sich der Gefahr besser bewusst wren und die Kinder besser beaufsichtigen wrden. Mit dem viermintigen Kurzfilm zeigt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, warum auch scheinbar harmlose Situationen am Wasser gefhrlich sind fr Kleinkinder. Der Kurzfilm ist zusam-men mit Verhaltenstipps fr Eltern und Lehr-personen auf der Website abrufbar.daswasserundich.ch

    gefhrlicher als man meint

    Nicole Berchtold hat sich fr eine SRK-Patenschaft entschieden, weil sie Kin-dern in Not helfen will. Die Moderatorin des Schweizer Fernsehens ist im Feb-ruar Mutter geworden. Mir ist noch viel mehr bewusst geworden, wie schlimm es fr Eltern sein muss, wenn es sogar an Grundlegendem wie Trinkwasser, Nah-rung und Bildungsmglichkeiten man-gelt. Ich will etwas tun fr Familien, die weniger privilegiert sind als wir. Auf der Website fr SRK-Patenschaften hat sich Nicole Berchtold ber die Paten-schaft informiert.srkpatenschaften.ch

    gutes tun per Mausklick neue therapieangebote fr Kinder und Jugendliche

    gemeinsam schtzen und helfen

    Das Ambulatorium fr Folter- und Kriegs-opfer (afk) des SRK in Bern-Wabern plant spezifische Therapieangebote fr traumati-sierte Kinder und Jugendliche. Heranwach-sende knnen ihre Kriegs- und Fluchterleb-nisse aufarbeiten und so Vertrauen und Sicherheit fr die Zukunft aufbauen. Es ist toll, dass das SRK diese Therapiemg-lichkeit anbietet, da es in der Region Bern sonst keine spezialisierten Anlaufstellen gibt und diese Kinder und Jugendlichen eine be-sonders vulnerable Zielgruppe darstellen, sagt die zustndige Psychotherapeutin Ta-nia Rothe. Die Therapiepltze sollen vorerst den Kindern zugute kommen, deren Eltern

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    Die Prsidentin des SRK, Annemarie Hu-ber-Hotz, und Klaus-Peter Rhler, CEO der Allianz Suisse, haben die Partnerschaft der beiden Organisationen bis 2015 ver-lngert. Gemeinsam schtzen und helfen wir heisst der Leitsatz fr die Zusammen-arbeit. Das nehmen die Mitarbeitenden der Allianz Suisse wrtlich, in dem sie regelmssig Blut spenden, bei der Aktion 2 5 Weihnachten Waren sortieren oder bei Grosskatastrophen dem Spendeaufruf des SRK folgen. Das Versicherungsunterneh-men untersttzt aktiv seit fnf Jahren den Fahrdienst, den Notruf und die Not- sowie Katastrophenhilfe des SRK. Am diesjhri-

    gen Weltrotkreuztag verkaufte die Allianz Suisse ber 600 Rotkreuz-Spitzbuben an die Mitarbeitenden zu einem frei whlba-ren Preis. Der Erls ging an ein Heim fr behinderte Kinder in Weissrussland, wel-ches vom SRK untersttzt wird.

    am afk wegen einer posttraumatischen Be-lastungsstrung in Behandlung sind.torturevictims.ch

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  • ERLEbt

    Heute hrt man zu und versteht besser

    Interview

    Esther Oester ist als Abteilungsleiterin verantwortlich fr die Hilfsprogramme des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Afrika und Sdamerika. Sie und ihre Mitarbeitenden sorgen dafr, dass Spendengelder fr den Wiederauf-bau nach Katastrophen fr nachhaltige Gesundheitsprogramme und fr Prvention sinnvoll investiert werden.

    INTERVIEW: TANJA PAULI

    im Gesundheitsbereich. Es ist hnlich wie bei uns, wenn sich die Schulmedizin und die Komplementrmedizin ergn-zen. Man versteht das heute besser und interessiert sich dafr, ohne es gleich als unwesentlich abzutun. In Westafrika ist man z.B. berzeugt, Voodoo wrde bei den Weissen nicht wirken. Geben wir aber Hinweise auf unser eigenes mystisches Denken, gewinnen wir Ver-trauen, wie ich gerade wieder erfahren habe.

    Erzhlen Sie uns diese Episode?Bei uns lernt man, sich nie bers Kreuz die Hnde zu reichen. Man sagt, das bringe Unglck. Bei der Begrssung im Sdsudan ergab es sich, dass man sich die Hnde bers Kreuz schttelte und ich erklrte dem Generalsekrektr vom Sdsudanesischen Roten Kreuz, was das bedeuten knnte. Als unser Flugzeug we-gen eines technischen Defektes nicht star-ten konnte, schloss er daraus, dass die-se Panne auf unser unglcksbringendes Verhalten zurckzufhren ist. Es schafft Vertrauen, wenn man Gemeinsamkeiten feststellt.

    Stehen Sie tglich im Kontakt mit den Delegierten im Ausland?Nein, das ist die Arbeit meines Teams. Ich arbeite im strategischen Bereich und bin fr meine Mitarbeitenden ein Coach in schwierigen Situationen oder bernehme die Stellvertretung bei zu grosser Belas-

    Esther Oester, Sie kommen gerade aus dem Sdsudan zurck. Was sind Ihre Eindrcke von dieser Reise?Ich bin gerade dabei, sie zu verarbeiten, weil sie sehr stark sind. Im Sudan bzw. Sdsudan war 20 Jahre lang Krieg. Die Menschen kennen kaum etwas anderes als den Kampf oder die Flucht. Sie ms-sen zuerst lernen, an anhaltenden Frieden zu glauben. Noch immer leben einige versteckt in den Bergen. Wir haben sehr grosse Armut gesehen in einem kriegsge-schdigten Land, in dem viele Menschen keine Ausbildung haben und sehr viele Mtter im Kindbett sterben. Obschon mir ein paar Dinge aufgefallen sind, die wir noch korrigieren mssen, luft unsere Hil-fe gut. Ich weiss, was wir tun ist richtig. Das motiviert.

    Sie sehen Leid und Elend. Wie gehen Sie damit um?Nach der Rckkehr erzhle ich vom Er-lebten. Ich gehe die Reise in Gedanken nochmals fr mich durch, auch mit Fotos. Es gibt diese Momente, in denen ich trau-rig bin und es mich belastet. Ich will mich

    aber nicht von meinen Emotionen abgren-zen. Als ich vor 20 Jahren mit meiner Ar-beit in der Entwicklungszusammenarbeit begonnen habe, erlebte ich einige Jour-nalisten und Mitarbeitende von Hilfswer-ken, die nicht mehr an Lsungen glaub-ten. Ich habe mir damals geschworen:

    Sollte ich jemals zynisch denken oder kein Mitgefhl mehr verspren, dann wechsle ich meinen Beruf.

    Welche Voraussetzungen braucht es fr diese Arbeit?Sie mssen gut mit Menschen umgehen knnen und brauchen Geduld. Manch-mal muss man einfach warten, bis je-mand auf den Punkt kommt. Wenn Sie aber offen sind fr andere Kulturen und neugierig zuhren, dann erzhlt man Ih-nen Geschichten, die tiefer gehen. Frher hielt man es fr unwichtig, was Menschen glauben. Jetzt weiss man, dass es sehr wesentlich ist fr eine gute Zusammen-arbeit, die Menschen zu verstehen und akzeptieren.

    Sie sprechen damit den traditionellen Glauben an?Ja, man bekommt in einigen Lndern Afri-kas schnell eine Ahnung davon, wie sehr er die Menschen beeinflusst. Besonders

    Esther oesterDie 50-Jhrige arbeitet seit fnf Jahren fr das SRK. Sie hat Volks-wirtschaft mit Nebenfach Soziologie studiert und hat ein Nachdiplom in Entwicklungszusammenarbeit absolviert. Sie und ihre zwlf Mitar-beitenden sind zustndig fr die Delegationen in 16 Lndern.

    Sollte ich kein Mitgefhl mehr verspren, dann wechsle ich meinen Beruf.

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  • tung. Zum Beispiel wenn die Programm-verantwortlichen die Delegationen im Ausland besuchen. Whrend der Revolu-tion in gypten war dies der Fall. Dort untersttzt das SRK den Blutspendedienst. Im Frhling 2011 habe ich jeden Tag mit unserem Delegierten in Kairo telefoniert und ihn durch diese Zeit begleitet. Bis zum Punkt, wo wir ihn auffordern muss-ten, das Land aus Sicherheitsgrnden zu verlassen. Oder ich untersttze in ber-gangssituationen. So wie jetzt, wo wir zu-stzlich zum Sudan auch im neuen Staat Sdsudan einen SRK-Delegierten statio-niert haben. Deshalb habe ich das Land mit der neuen Programmverantwortlichen krzlich besucht.

    Vertrauen die Menschen Ihnen auch, weil Sie als Rotkreuz-Mitarbeiterin erkennbar sind?Ja, und es ist auch hilfreich, dass wir die Rotkreuz-Grundstze haben. Die sie-

    ben Grundstze haben mir gerade im Sdsudan geholfen. Es war bei einem Empfang, wo viele Leute anwesend wa-ren, unter anderem die lokale Regierung. Eine regionale Ministerin hielt eine kriegs-hetzerische Rede. Denn noch immer gibt es Konflikte um lfelder. Unsere Anwe-senheit nahm sie als Argument, um ihre

    Ansichten zu rechtfertigen. Ich realisierte, dass wir instrumentalisiert werden und ich mich nun ussern muss. Doch wie am besten? Ich hielt mich an die sieben Rot-kreuz-Grundstze, leitete meine Anspra-che ein mit dem humanitren Vlkerrecht und den Genfer Konventionen. Und siehe da es gelang mir, unsere neutrale Hal-tung zu verteidigen, ohne dass sie es als

    persnliche Beleidigung auffasste. Ich war erleichtert. Immerhin befanden wir uns an einem Ort, wo man die vergan-genen sechs Monate aus Sicherheitsgrn-den nicht hin konnte, weil die Lage zu angespannt war.

    Haben Sie das Gefhl, Sie knnen genug bewirken?Als Kind war mir klar, ich will den Men-schen helfen. Mit 25 wollte ich die gan-ze Welt verndern. Heute weiss ich, was mglich ist und wo die Grenzen liegen. Aber solange wir Menschenleben ret-ten knnen, bleiben wir dran. Sei das mit Prvention, mit Pflege oder um die Bevlkerung besser vor vorhersehbaren Kata strophen zu schtzen. Wir sind nicht nur die Retter, sondern arbeiten stndig in einem internationalen Team. Eine gut durchdachte Organisation vervielfacht die Wirkung enorm.redcross.ch/ausland

    Esther Oester schenkt einem Mitarbeiter des Sdsudanesischen Roten Kreuzes ein Shirt

    Dank den Rotkreuzgrundstzen gelang es mir, unsere neutrale Haltung zu verteidigen.

    ERLEbt

    Humanit 2/2012 23

  • 1. Wie gefllt ihnen die gestaltung des Magazins? sehr gut gut weniger gut gar nicht

    2. Wie gut fhlen Sie sich nach der Lektre von Humanit informiert ber die arbeit des SRK?

    sehr gut gut befriedigend unbefriedigend

    3. in dieser ausgabe haben mich folgende Berichte am meisten interessiert (maximal drei nennungen): In der Schweiz und in Sdamerika Der Weg zum Mutterglck, S. 49 Samariterjugend Help Spiel, Spass, Spannung und Samariterkenntnisse, S. 1213 Suchdienst Wenn die Spur nach Khartum fhrt, S. 1415 Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit Das SRK bestndig an vorderster Front, S. 1617 Ein Vierteljahrhundert nach der Vulkankatastrophe Kolumbianische Lebensfreude im Schweizer Viertel, S. 1819 Interview Heute hrt man zu und versteht besser, S. 2223 Entlastung fr Eltern Das Rote Kreuz, mein Rettungsanker Ecuador Die Grne als beliebte Alltagsnahrung, S. 29

    4. Welche themen sprechen Sie besonders an? Leben in Entwicklungslndern Integrationsarbeit in der Schweiz Leben mit Kindern Katastrophenhilfe SRK-Mitarbeitende im Einsatz Leben im Alter Freiwilligenengagement in der Schweiz

    LeserumfrageLiebe Leserin, lieber Leser

    Wie gefllt Ihnen Humanit? Bitte ussern Sie Ihre Meinung zum Magazin. Wir verlosen unter allen Antworten fnf SRKarm banduhren. Sie knnen per Briefpost oder per E-Mail bis am 31. august 2012 an der Umfrage teilnehmen. Die Antworten werden vertraulich behandelt und nicht verffentlicht.

    Anregungen oder Mitteilungen an die Redaktion:

    Vorname, Name

    Adresse

    Geburtsdatum

    teilnahme per BriefpostFragebogen ausfllen, ausschneiden und in einem frankierten Umschlag einschicken an:Schweizerisches Rotes KreuzRedaktion Humanitpostfach, 3001 Bern

    teilnahme per eMailSchreiben Sie Ihre Antworten und Ihren vollstndigen Namen mit Adresse in eine leere E-Mail mit dem Betreff Leserumfrage und schicken Sie diese an: [email protected]

    Die Redaktion dankt Ihnen bestens fr Ihre Teilnahme.

    Teilnahmebedingungen fr die Verlosung: Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. ber den Wettbewerb wird keine Korrespondenz gefhrt. Die Barauszahlung und der Rechtsweg sind ausgeschlossen.

    VeRLoSUngWenn Sie bei der Leserumfrage mitmachen, nehmen Sie an der Verlo-sung von 5 SRK-Armbanduhren teil.Die formschne Armbanduhr ist aus Edelstahl und bis 100 m was-serdicht. Sie ist im SRK-Onlineshop erhltlich: redcross.ch/shop

  • KonKREt

    TExT: CHRISTINE RFENACHT BILDER: CASPAR MARTIG

    Das Rote Kreuz, mein Rettungsanker

    Entlastung fr Eltern

    Als Claudia Imfeld schwanger war, musste sie wochenlang liegen, um ihr Kind zu retten. Doch wer sollte in dieser Zeit ihre zweijhrige Tochter betreuen? Mit der Rotkreuz- Kinderbetreuung fand sie rasch eine ideale Lsung.

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  • Willkommen bei Familie Imfeld in Sar-nen (OW). Zwei Kleinkinder wirbeln durchs Wohnzimmer und spielen abwech-selnd mit Baukltzen und Autos. Mitten drin sitzt ihre Mutter Claudia Imfeld, eine 36-Jh-rige, die nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Doch das friedliche Bild tuscht: Der kleine Julian mit seinem strahlenden Lcheln leidet an Reizberflutungs- und Angstzustnden, die sich in heftigem Weinkrmpfen ussern. Seine ngste sind auf die schwierigen Um-stnde vor seiner Geburt zurckzufhren.

    Bei Claudia Imfeld, die im Fleli-Ranft in einem Kleinpensum als Lehrerin arbeitet, setzten in der 24. Schwangerschaftswoche pltzlich Wehen ein. Die rzte verordneten ihr strikte Bettruhe. Wollte sie Julian nicht verlieren, musste sie sich daran halten. Doch fr die willensstarke Frau kam es nicht in Frage, in Luzern im Spital zu bleiben. Ich konnte doch Emilia nicht alleine las-sen!, erklrt sie. Ihre Tochter war damals erst zwei Jahre alt. Sie kehrte somit nach einer Woche nach Hause zurck. Grossel-tern, Nachbarn und der Vater lsten sich ab, um die junge Frau zu vertreten. Emilia musste morgens aufgenommen und den ganzen Tag ber betreut werden. Und die Haushaltarbeiten, das Kochen und die Ein-kufe erledigten sich auch nicht von alleine.

    entlastung fr das UmfeldSchon whrend des Spitalaufenthaltes wurden sich Emilias Eltern bewusst, dass es nicht bis zum Ende der Schwanger-schaft so weitergehen konnte. Wir ha-ben rasch erkannt, dass alle an ihre Gren-zen kamen, erinnert sich Claudia Imfeld. Zudem fiel es den Imfelds schwer, einfach so Hilfe anzunehmen. Deshalb wandten sie sich zuerst an die Spitex und danach an den Kinderbetreuungsdienst des Roten Kreuzes Unterwalden, welcher ihnen von der Spitex empfohlen wurde. So wurde die kleine Emilia die erste Kundin des eben erst erffneten kostenpflichtigen Dienstes. Whrend mehreren Wochen kmmerte sich nun Irene, eine qualifizierte Betreue-rin des Roten Kreuzes, tglich um Emilia. Nicht den ganzen Tag, denn Claudia Im-feld und ihr Mann waren zwischendurch auch ganz gerne mal fr sich, aber im-merhin mehrere Stunden pro Tag. Fr das Paar bedeutete diese Lsung eine enorme Entlastung: Nun musste es sein Umfeld nicht mehr bermssig beanspruchen. Und Claudia Imfeld war froh, in der Not auf eine serise, verlssliche Organisa-

    tion zhlen zu knnen. Das Rote Kreuz war mein Rettungsanker, sagt sie.

    einen Monat zu frhDank ihrem Durchhaltevermgen konnte die Familienfrau ihr Kind bis zur 36. Wo-che und damit fast bis zum vorgesehenen Geburtstermin austragen. Die Geduld hat sich gelohnt, sagt Claudia Imfeld

    heute mit einem liebevollen Blick auf ih-ren Sohn. Das findet auch die unterdes-sen vierjhrige Emilia, die ihren kleinen Bruder ber alles liebt. Mit der Geburt des Kleinen war Claudia Imfelds Zwangs-pause endlich berstanden. Doch die Fa-milie war noch nicht ber den Berg. Denn der Stress, dem die Mutter whrend der Schwangerschaft ausgesetzt war, wirkte sich auf Julian aus. Als er drei Monate alt war, stellten die rzte fest, dass er ber-mssig auf Umgebungsreize reagiert. Zu viel Lrm, zu viele Leute, zu viel Aufre-gung lsen beim Kleinkind einen derar-

    Die rzte stellten fest, dass Julian bermssig auf Umgebungsreize reagiert.

    Der Kinderhtedienst war fr das ganze Umfeld eine entlastung.

    Fan des Roten KreuzesClaudia Imfeld ist Fan des Roten Kreu-zes: Ihre Erfahrun-gen mit dem Kin-derbetreuungsdienst haben sie berzeugt. Sie engagiert sich sogar in der neuen Kampagne, mit der das Rote Kreuz auf seine Leis-tungen in der Schweiz hinweist. Das htte ich fr keine andere Organisa- tion getan, betont sie. Und stolz erzhlt die kleine Emilia ihren Freundinnen, dass sie im Fernsehen auftreten wird.

    apRopoS

    KonKREt

    26 Humanit 2/2012

  • KonKREt

    tigen Stress aus, dass es whrend zwei Stunden oder lnger heftig weint. Dann braucht Julian die volle Aufmerksamkeit seiner Mutter.

    Und zum ZweitenAls die Diagnose nach zahlreichen Spital-aufenthalten endlich gestellt war, nderte die Familie ihre Gewohnheiten, um Julian zu schtzen. Sie meidet nun zum Beispiel stark frequentierte Orte, und sei es nur der kleine Supermarkt um die Ecke. Clau-dia Imfeld wandte sich damals erneut an die Rotkreuz-Kinderbetreuung. Diesmal ging es darum, dass sie sich ihrer Toch-ter widmen konnte. In all den Wochen, in denen ich nicht aufstehen durfte, hatte Emilia kaum Kontakt zu anderen Kindern. Das musste sich unbedingt ndern, er-klrt sie. Whrend Mutter und Tochter gemeinsam den Familientreff besuchten, war Julian bei der Kinderbetreuung gut aufgehoben. Claudia Imfeld wusste, dass sie dem Roten Kreuz vertrauen kann.redcross.ch/kinderbetreuung

    Valrie Ugolini Die 45-jhrige Valrie Ugolini ist seit zehn Jahren nationale Koordinatorin der Kinderbetreuung zu Hause (KBH) der Rotkreuz-Kanto-nalverbnde.

    Welche art von Untersttzung bentigen die eltern, die sich an die KBH wenden?Einen grossen Teil unserer Einstze leis-ten wir in Familien, in denen ein Eltern-teil gesundheitliche Probleme hat, die sehr gravierend sein knnen. Krisensi-tuationen und Notlagen, in denen die Eltern Schwierigkeiten haben, sich um ihren Nachwuchs zu kmmern, nehmen eindeutig zu: Krisen in der Familie, fi-nanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme usw. Rund 20% der Anfragen stammen von Eltern, die mit ihren Krften am Ende sind und dringend eine Atempause bentigen.

    Was schtzen die eltern an der KBH?Vor allem die konkrete, wirksame und unbrokratische Untersttzung, die sie beim Roten Kreuz erhalten. In einer Not-, Krankheits- oder Krisensituation beschftigt Eltern besonders eine Fra-ge: Was machen wir mit den Kindern? Wem knnen wir sie anvertrauen? Auch die Kompetenz, das Verhalten und die Freundlichkeit unserer Betreue-rinnen werden von Eltern und Kindern gleichermassen geschtzt.

    Wie wird die KBH finanziert?Einen Drittel der Kosten tragen die El-tern selbst, der Rest wird vom Roten Kreuz und ber Spenden finanziert. Obwohl der Nutzen der KBH unbestrit-ten ist, leistet die ffentliche Hand lei-der kaum Beitrge an dieses Angebot, da es keiner anderen bestehenden Betreuungsform (Kindertagessttte, Ta-gesmtterverein usw.) entspricht. Die Finanzierung ist ein echtes Problem, das die Weiterfhrung der Dienstleis-tung gefhrdet.

    KuRz bEfRagtClaudia Imfeld will Emilia mglichst gleich viel Zuwendung geben wie dem jngeren Julian

    Die Familie hat ihren Alltag Julians Bedrfnis entsprechend ruhig organisiert

    Humanit 2/2012 27

  • Geld macht glcklich (Nr. 15). Geld macht glcklich, wenn man fr

    jemanden da sein kann. Deshalb hat Swisscanto zusammen mit dem Schwei-

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    Die Informationen in dieser Publikation gelten nicht als Offerte. Sie dienen lediglich zu Informationszwecken. Kostenloser Bezug von Verkaufsprospekt, vereinfachtem Verkaufs-prospekt, Jahres- oder Halbjahresbericht bei den Kantonalbanken, der Swisscanto Asset Management AG, Nordring 4, 3000 Bern 25 oder unter www.swisscanto.ch.

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    grillierte Bananen mit KseFr 4 Personen als Beilage

    Zutaten 4 ganze, reife Kochbananen 12 EL flssige Butter oder l 1 Block Mozzarella

    Zubereitung im Backofen:Backofen auf 200 Grad vorheizen. Ba-nanen schlen, mit der Butter oder dem l bestreichen und auf ein mit Back-papier belegtes Backblech legen. Den Mozzarella in Scheiben schneiden. Nach ca. 30 Minuten Backzeit die Ba-nanen wenden und fr weitere 1520 Minuten weiterbacken, bis sie rundum goldbraun sind. Aus dem Ofen neh-men, der Lnge nach mit einem Messer aufschneiden und sofort mit den Mozza-rellascheiben fllen. Nach einigen Mi-nuten ist der Kse geschmolzen. Sofort servieren oder zum Warmhalten in den ausgeschalteten Ofen zurckstellen.

    Die Bananen knnen auch auf dem Grill zubereitet werden. Wer mag, kann dazu eine scharfe, wrzige Sauce oder Avocado servieren.

    Die ebenso beliebte wie weit verbreite-te Kochbanane ist verwandt mit der bekannten sssen Banane, die seit Jahr-zehnten auch zum Speisezettel in Europa gehrt. Bis die Verde aber den Trans-port in unsere Breitengrade berstanden hat, ist ihre Schale meist gelb oder gar schwarz und auch erst dann richtig reif. Was im spanischen Wrterbuch noch pltano heisst, wird umgangssprach-lich nur nach der usseren Farbe bei der Ernte bezeichnet. Die mehrere Meter hohe Bananenpalme wchst in den Tro-pen und Subtropen berall und ihre Frucht

    ist deshalb kostengnstig. Zusammen mit dem Maniok bildet die Kochbanane das Grundnahrungsmittel der Bevlkerung. In rohem Zustand ist die Kochbanane unge-niessbar daher wohl auch die deutsche Bezeichnung. Sie lsst sich jedoch sehr vielseitig zubereiten.Fr eine schnelle, schmackhafte Beilage zu exotischen Gerichten schneidet man die geschlten Frchte schrg in Schei-ben und brt diese in etwas l gold-braun. Wer mag, brt etwas frischen Chi-li mit. Je nach Geschmack mit flssigem Honig oder etwas Zitronensaft betrufeln.

    REzEpt

    Die grne als beliebte alltagsnahrungWenn im Tiefland Ecuadors von der Verde, der Grnen, die Rede ist, wissen alle, dass damit die Kochbanane gemeint ist. In Sdamerika, Afrika und Asien ist sie hufig Teil der Hauptmahlzeit, wie in Europa die Kartoffel. Und genauso vielseitig lsst sie sich zubereiten.

    Ecuador

    TExT: KARL SCHULER

    Die einfachste Art, Kochbananen zuzuberei-ten: in Scheiben schneiden und in etwas l braten

    Als Aloco bekannt sind die aus Westaf-rika stammenden Bananen-Chips, die im spezialisierten Lebensmittelhandel erhlt-lich sind. In Ecuador werden gegrillte Kochba-nanen gefllt mit Kse, wie in unserem Rezept, zu jeder Tageszeit gereicht. Sie eignen sich hervorragend als Beilage zu Grilladen, aber auch zum Sonntags-brunch. magazinhumanite.ch/rezepte

    C

    orbi

    s

    Humanit 2/2012 29

  • Fr Humanit zeichnet Karma alias Marco Ratschiller. Er ist Cartoonist und Chefredaktor des Satire-Magazins Nebelspalter.

    LabyrinthVom Start bis ans Ziel wird der Weg mit feinen Linien markiert. Den gefundenen Weg ausfllen und schon erscheint das Bild.

    kreuz & quer

    HuMANIT 1/2012Lsungswort des letzten Kreuzwortrtsels:VeRantWoRtUng tRagen

    Wir gratulieren den gewinnerinnen und gewinnern:Edith Goetz, ZrichPeter Hohler, AarburgJean-Michel Maradan, Corsier-sur-VeveyJeannine Maury, SionSilvia Orlando Akagi, Theilingen

    brige Lsungen der letzten ausgabe:

    Die Lsung zum Sudoku, zum Wort-suchspiel und zum Labyrinth finden Sie jeweils in der nchsten Ausgabe oder im Internet. magazin-humanite.ch

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  • kreuz & quer

    Kreuzwortrtsel

    Wortsuchspiel Finden Sie die 20 Wrter horizontal, vertikal und diagonal. Die Buchstaben knnen fr mehrere Wrter gelten.

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    Einsendeschluss: 16. Juli 2012

    Sudoku

    Fllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blcke nur einmal vorkommen.

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    Humanit 2/2012 31

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